Fahrwerk beim Wohnmobil verbessern

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von FREEONTOUR

Fahrwerk beim Wohnmobil verbessern

Wann lohnt sich eine Fahrwerkoptimierung beim Reisemobil und welche Möglichkeiten gibt es?

Wenn es um das Fahrwerk von Wohnmobil oder Camper Van geht, gibt es drei gute Gründe, um über eine Fahrwerkoptimierung nachzudenken: wenn das Fahrwerk durch eine jahrelange Dauerbelastung verschlissen ist, wenn man generell den Fahrkomfort des Reisemobils erhöhen möchte, oder wenn mittels Auflastung eine höhere Zuladung ermöglicht werden soll. Freeontour zeigt dafür verschiedene Lösungsansätze auf.

Fahrwerkverschleiß: Ursachen und Symptome

Ein schwammiges Fahrverhalten, sinkender Komfort oder ein tief hängendes Heck – es gibt viele Symptome, die auf ein in die Jahre gekommenes und durch die Dauerbelastung schwächelndes Fahrwerk hinweisen. Spätestens jetzt ist eine Frischzellenkur für den Unterbau des Wohnmobils angesagt. Der Grund dafür liegt meist in der Kombination aus verwendetem Basisfahrzeug und Gewicht: Die Basis der allermeisten Wohnmobile sind die Transporterbaureihen der verschiedenen Automobilhersteller. Dazu zählt beispielsweise der Fiat Ducato oder der Mercedes Sprinter. Ein Wohnmobil bringt aber deutlich mehr Gewicht auf die Waage, als ein im Arbeitsalltag genutzter Transporter: Zum Gewicht der Ein- und Aufbauten addieren sich Zusatzausstattungen wie Markise oder Fahrradträger, das Urlaubsequipment, Passagiere, Wasser, Sprit und Gas und so weiter. Durch diese extreme Belastung kann die Federspannung im Lauf der Jahre nachlassen. Dafür gibt es dann wiederum verschiedene Lösungsansätze, die sich je nach gewünschtem Grad des Fahrkomforts anbieten.

Beispiel Blattfedern: Die preisgünstigste Option, um das Fahrwerk nachzurüsten

Der Großteil des Gewichts jedes Wohnaufbaus lastet auf der Hinterachse, an der in der Regel Blattfederungen verbaut sind. Wenn nun das Heck des Reisemobils aufgrund einer extrem hohen Belastung – beispielsweise durch mehrere Fahrräder auf dem Heckträger – durchhängt, kann dem bereits durch den Einbau einer neuen Feder-Zusatzlage entgegengewirkt werden. Diese sind beispielsweise bei Goldschmitt für die gängigsten Fahrzeugtypen in diesem Bereich – wie den Fiat Ducato oder den Mercedes Sprinter – erhältlich. Der unkomplizierte Einbau und die geringen Kosten sprechen für eine Frischzellenkur per Zusatz-Federlagen bei Blattfeder-Fahrwerken. 

Bei einer ungleichmäßigen Gewichtsverteilung zwischen linker und rechter Fahrzeugseite – beispielsweise durch einen asymmetrischen Innenausbau oder schwere Anbauteile auf einer Seite – kann es auch vorkommen, dass das Reisemobil zu einer Seite hin hängt. Es steht also schief. In einem solchen Fall helfen spezielle Metallplatten weiter, die einseitig zwischen Federpaket und Achse montiert werden und so das Fahrzeug wieder waagerecht stehen lassen. Verbaut man zwei dieser Ausgleichsstücke – auf jeder Seite eines – heben diese das gesamte Heck an. Es ist eine preiswerte Möglichkeit, um beispielsweise bei Fahrzeugen mit langem Hecküberhang das Aufsetzen achtern zu verhindern.

Mehr Komfort durch Schraubenfedern

Da Schraubenfedern prinzipbedingt deutlich komfortabler arbeiten als Blattfedern, werden sie von vielen Herstellern an der Vorderachse verbaut, um so den Fahrkomfort im Cockpit zu verbessern. Im Gegenzug sind sie jedoch weniger stark belastbar als Blattfedern und können über die Jahre ebenfalls an Spannkraft verlieren. Dieses Problem lösen verstärkte Schraubenfedern, die anstatt der Serienfedern montiert werden. Da es die Nachrüstfedern in verschiedenen Längen gibt, ist gleichzeitig eine Höherlegung der Fahrzeugfront möglich. In Verbindung mit den bereits beschriebenen Ausgleichsstücken an der Hinterachse kann so der komplette Aufbau höher gelegt werden. Dies erleichtert speziell bei Wohnmobilen mit langem Radstand oder großem Hecküberhang das Überfahren von Rampen. 

Darüber hinaus können per Schraubenfedern auch Blattfedern, deren Spannkraft nachgelassen hat, unterstützt werden: Als Zusatzfeder zwischen Achse und Fahrzeugrahmen montiert, verteilt sich das Gewicht des Aufbaus dann auf Blatt- und Schraubenfedern – die Originalfederung wird entlastet, das Fahrzeugheck hebt sich wieder auf das Serienniveau und das Fahrverhalten sowie der Komfort verbessern sich.

Neben den verstärkten Schraubenfedern bietet Goldschmitt außerdem speziell für Camper Vans ein Komfortfederbein an, das die vordere Feder-Dämpfer-Einheit des Fiat Ducato komplett ersetzt. Es wird also nicht nur die eigentliche Schraubenfeder getauscht, sondern das komplette Federbein. Dadurch können leichte Fahrzeuge wie Campingbusse, Camper Vans und Kastenwagen einen deutlichen Komfortgewinn erzielen.

Zusatz-Luftfedern geben der Hinterachse mehr Flexibilität 

Ganz ähnlich wie die Schraubenfedern funktioniert die Unterstützung der Hinterachsdämpfung durch eine zusätzliche Luftfederung. Hierzu werden zwei Luftbälge zwischen Achse und Fahrzeugrahmen eingesetzt, deren Druck per Kompressor an die verschiedenen Beladungszustände angepasst werden kann. Alternativ funktioniert dies auch an der Reifenfüll-Station jeder Tankstelle. Auf diese Weise lässt sich das Niveau des Hecks justieren – von der waagerechten Ausrichtung im normalen Fahrbetrieb bis zur Höherlegung zum Befahren von Fährrampen oder holperigen Wegen. Bei der Drucksteuerung der Zusatz-Luftfederung unterscheidet man zwischen den sogenannten Ein- und Zweikreis-Systemen. Bei beiden Systemen lassen sich die beiden Luftbälge an der Hinterachse mit nur einem Knopfdruck über eine gemeinsame Luftleitung synchron befüllen, so dass in beiden Federbälgen ein gleicher Luftdruck gegeben ist. Das Zwei-Kreis-System bietet jedoch den zusätzlichen Vorteil, die Luft bei Bedarf auf Knopfdruck einseitig ablassen zu können. Dadurch wird eine einseitige Höhenanpassung der Luftfeder-Hinterachse bei ungleichmäßiger Beladung (links – rechts) möglich. Dafür sind jedoch zwei voneinander unabhängige Druckluft-Kreisläufe nötig. Aufgrund dieser Vorteile und da die Gewichtsverteilung in Reisemobilen nun einmal oft sehr unterschiedlich ist, empfehlen beispielsweise die Experten von Goldschmitt ihren Kunden heutzutage fast immer ein 2-Kreis-System.

Voll-Luftfederung: Maximaler Komfort und Flexibilität 

Während bei der Zusatzluftfederung die serienmäßigen Federn erhalten bleiben, werden diese bei der Voll-Luftfederung komplett ersetzt. Gleichzeitig wird die Radführung bei ursprünglichen Blattfederachsen gegen neue Lenker getauscht. Dadurch ermöglicht diese Variante noch einmal einen deutlichen Komfortgewinn in Sachen Fahrverhalten im Vergleich zur Zusatzluftfederung. Bei der einfacheren Version, der so genannten 2-Kanal-Luftfederung, erfolgt dieser Komplettumbau inklusive Niveausensoren nur an der Hinterachse, bei der 4-Kanal-Luftfederung wird die Voll-Luftfederung inklusive Sensorik an allen vier Rädern verbaut und bietet somit mehr Komfortfunktionen. So können unterschiedliche Radlasten automatisch ausgeglichen sowie das gesamte Fahrzeug angehoben oder abgesenkt werden. 

Die Luftbälge werden per Steuergerät vollautomatisch mit dem aktuell nötigen Innendruck versorgt, sodass sich das Fahrzeug unabhängig von der Beladung automatisch waagerecht ausrichtet und Wankbewegungen in Kurven oder bei Seitenwind ausgleicht. Natürlich ist auch ein manueller Eingriff möglich, um beispielsweise das Heck anzuheben oder abzusenken. So werden beispielsweise alle Voll-Luftfederungen von Goldschmitt mit der so genannten AirDriveControl Steuerung inklusive Touch-Bedienteil ausgestattet, um die unterschiedlichen Betriebsmodi einzustellen und abzuspeichern. Mit Auto-Level lässt sich das Fahrzeug beispielsweise im Stand auf Knopfdruck vollautomatisch nivellieren - vorausgesetzt, es ist mit einem 4-Kanal-System ausgestattet. Mit der Wiegefunktion lassen sich auf Knopfdruck die Achslasten ermitteln und auf dem Display anzeigen. Das Gewicht wird über den Luftdruck im jeweiligen Luftbalg ermittelt. Dabei sind Abweichungen von lediglich +/- 5 % möglich.

In diesem Video können Sie sich die praktischen Vorteile einer 4-Kanal Voll-Luftfederung ansehen: 

Unterschiedliche Fahrzeugtypen benötigen verschiedene Systemlösungen

Da jede Fahrwerksverbesserung auf das Reisemobil individuell abgestimmt werden sollte, haben die Hersteller solcher Systeme maßgeschneiderte Lösungen für alle gängigen Basisfahrzeuge entwickelt. So bietet Goldschmitt beispielsweise mit dem Route-Comfort-Paket eine Lösung für den Fiat Ducato und dessen Schwestermodelle an, bei dem speziell abgestimmte Federbeine an der Vorderachse für ein ruhigeres und komfortableres Fahrverhalten sorgen sollen. Es besteht aus einer optimierten Feder-Dämpfer-Einheit und ist in zwei Varianten, sowohl für das Light- als auch für das Maxi- bzw. Heavy-Chassis des Fiat Ducato ab Modelljahr 2006, erhältlich. Die beiden Versionen unterscheiden sich in den Stoßdämpfer-Settings und werden abhängig von der tatsächlichen Vorderachslast eingebaut.

Ganz neu im Programm von Goldschmitt sind Fahrwerkstechniken für den aktuellen Mercedes Sprinter, der bei den Reisemobilen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Für alle einzelbereiften Modelle ab Baujahr 2018 haben die Höpfinger Fahrwerksspezialisten ein Zweikreis-Zusatzluftfedersystem entwickelt, das die Federeigenschaften überlasteter Fahrzeuge verbessern soll. Zusätzlich ist es möglich, die Hinterachse bei Bedarf stufenlos anzuheben oder abzusenken.

Darüber hinaus gibt es für den Sprinter mit Heckantrieb (Typ 910) ein Voll-Luftfedersystem für die Hinterachse in Kombination mit 30 Millimeter starken Distanzscheiben zur Spurverbreiterung sowie Stabilisatoren für die Vorder- und Hinterachse. Auch für den VW T5 und T6 hat Goldschmitt mit dem OmniRoad-Paket eine 4-Kanal-Voll-Luftfederung im Programm, das zusätzlich spezielle Stoßdämpfer beinhaltet, welche die Freigängigkeit größerer Räder gewährleistet. In Kombination mit einer anderen Rad-Reifen-Kombination (z. B. 235/65 R17), die nicht im Lieferumfang enthalten ist, kann die Bodenfreiheit um bis zu 75 Millimeter erhöht und damit die Geländetauglichkeit des VW-Busses maßgeblich verbessert werden.

Das sollten Sie vor dem Auflasten beachten

Wie anfangs erwähnt ist eine Nachrüstung oder Verbesserung des Fahrwerks nicht nur dann eine Lösung, wenn sich der Verschleiß bemerkbar macht oder man den Fahrkomfort steigern möchte. Es kann auch eine Lösung sein, wenn die mögliche Zuladung des Reisemobils nicht ausreicht, um das Urlaubsequipment gesetzeskonform zu transportieren. Das Zauberwort heißt Auflastung. Dabei handelt es sich um die Erhöhung der in den Fahrzeugpapieren eingetragenen Achslast und des zulässigen Gesamtgewichts. In vielen Fällen ist dies durch den Einbau von Zusatzfedern in Kombination mit einem entsprechenden Gutachten des Fahrwerkherstellers möglich.

Für die Auflastung kommen die verschiedensten Federsysteme in Betracht – von zusätzlichen Federlagen bei Blattfedern über spezielle Schraubenfedern für Vorder- und Hinterachse bis hin zur Zusatz- oder Voll-Luftfederung. Natürlich muss auch die Traglast der Reifen und Felgen für das höhere Gesamtgewicht des Fahrzeuges ausreichend sein.

Und letztendlich sollten Sie vor der Auflastung noch zwei Punkte beachten: Mit dem Pkw-Führerschein der Klasse B dürfen Sie nur Reisemobile fahren, deren zulässige Gesamtmasse 3,5 Tonnen nicht überschreitet. Ansonsten benötigen Sie den Lkw-Führerschein der Klasse C1, der zum Steuern von Reisemobilen bis 7,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse berechtigt. Darüber hinaus gelten bei Auslandsfahrten für Reisemobile über 3,5 Tonnen spezielle Regelungen: So ist beispielsweise in Österreich und Tschechien eine elektronische Maut-Box zum Befahren der Autobahn erforderlich – das Pickerl gilt nur für Reisemobile bis 3,5 Tonnen.

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