WoMo, Nordlicht und -30°

nmpsk
von Petra

WoMo, Nordlicht und -30°

Von Neumarkt in der Oberpfalz, Amberger Straße nach Neumarkt in der Oberpfalz, Amberger Straße
10982 Kilometer 30 Tage 54 Wegpunkte

Ich würd so gern mal die Nordlichter sehen ...

92318 Neumarkt in der Oberpfalz, Deutschland
Dann fliegen wir halt mal ein paar Tage in den Norden ... und dann die ganze Woche bewölkt ... na dann eben länger und mit Wohnmobil ... wenn wir mal ein Neues haben, was winterfest ist...

Nun haben wir es und es wird ernst - Urlaub und Fähren sind gebucht. Mit Finnlines geht von Travemünde nach Helsinki. Das erspart uns fast 700 km Fahrt im Vergleich zur Abreise Göteborg. Da wir 30 Stunden unterwegs sein werden, gab es eine größere A4 Außenkabine, das Komplett-Mahlzeitenpaket, WLAN an Bord und Strom für's Mobi, das ganze für 602 €.
Für die Rückreise mit Stena Line von Göteborg nach Kiel haben wir das Flexticket mit Terrassenkabine inkl. Frühstück und Taste Buffet für 484€ genommen, da wir uns den Rückfahrttermin offen halten wollen.
Das Mobi hat noch eine Standheizung bekommen. Die Entscheidung fiel auf eine Webasto Thermo Top Evo (Wasser) um den Motor damit auch vorwärmen zu können. Außerdem sind das die "Hosenträger" falls die verbaute Alde aus irgendwelchen Gründen nicht oder nicht mehr mag. Wir werden sie auch bewusst nicht mit der Alde koppeln um 2 eigenständige Heizsysteme an Bord zu haben, wobei uns dabei schon klar ist, das die Standheizung dann die Alde nicht 100%ig ersetzen kann.
Die bespikbaren Winterreifen sind aufgezogen und montiert. 400 Spikes warten darauf in Finnland mit dem Akkuschrauber eingedreht zu werden. Um es der (männlichen) Besatzung zu erleichtern, wurden noch für reichlich Euros hydraulische Hubstützen montiert.
Passende Schneeketten sind ebenfalls vorhanden. Auch an Unterbodenschutz und Hohlraumversiegelung ist gedacht, bevor Mobi den ersten Winter auf die Straße darf.
Der Neue gilt als winterfest nach DIN, ausgestattet mit Warmwasserheizung und Arctic Paket. Eine Einstiegsstufe die festfrieren kann gibt es nicht, AddBlue auch nicht. Thermomatten innen und aussen sind vorhanden. Zusätzlich an Bord, Kühleraußenabdeckung, diverse Gasadapter, Heizlüfter, Gummifußmatten, Schneeschaufel, Schneeschieber, Anfahrhilfen, Abschleppseil, Starthilfekabel, Batterieladegerät, Teleskopleiter, Besen, Generator, Frostschutz, Ersatzscheibenwischer, 2. WC- Kassette, Ersatzwasserpumpe, Eimer.  
Eine LED Zusatzbeleuchtung (Arbeitsbeleuchtung) von Hella wird für diese Tour mit bzw. über einen speziellen Nummerschildhalter verbaut. Schmutzfänger sind auch vorn und hinten angebracht und die Fahrerhaustüren des Ducato wurden isoliert, natürlich nicht ohne bei der Gelegenheit die Lautsprecher in den Türen und die Hochtöner in den seitlichen Führungen des Front-Remis zu tauschen.
Der Boden der Heckgarage wurde mit 10 mm dickem synthetischen Filz ausgelegt, für die Dachfenster Isoliermattem geordert bzw. genäht und einen kleinen elektrischen Entfeuchter haben wir auch noch angeschafft.
Kühlerfrostschutz und Wischwaschwasser sind auf die eisigen Temperaturen angepasst. Diesel wird in Finnland vollgetankt, ein Fließadditiv ist trotzdem an Bord. 
Auch die Besatzung hat sich kleidungstechnisch auf -30° vorbereitet, Mützen, Handschuh, Jacken, Unterwäsche, Socken, Skibrillen, Schuhe, Gesichtsschutz, Schal, Grödel (Schuhspikes) und Gamaschen - angepasst an tiefe Temperaturen.
Das Fotoequipment wurde mit Stativ, Fernauslöser und Zusatzakkus vervollständigt. Auch an Taschen- und Stirnlampen, die ein paar mehr Lumen abstrahlen, wurde gedacht.
Dickere Decken und Kuschelbettwäsche sind eingezogen und Lebensmittel und Getränke reichen auch, wenn man ein paar Tage eingeschneit ist. Pfandfreie Getränke bzw. Bier und Radler wurden im südlichen Nachbarland Bayerns geholt. Der Sekt zum Anstoßen fehlt genau so nicht, wie Glühwein und der Rum für den Grog.
Route ist grob gesteckt, geöffnete Campingplätze und Übernachtungsmöglichkeiten sind gecheckt und die diversen Winterbeschäftigungen im hohen Norden überprüft und notiert.
Wir freuen uns und wissen doch überhaupt nicht wie Kälte, Eis, Schnee und Dunkelheit die Gemütsverfassung beeinflussen. Wir haben reichlich 4 Wochen Zeit um es herauszufinden.
Und wenn sich uns die Aurora borealis, vielleicht in ihrer ganzen Pracht zeigt, wäre der eigentliche ursprüngliche Grund, weshalb wir uns auf diese Winterreise begeben, erfüllt.




Neumarkt in der Oberpfalz, Amberger Straße

Amberger Straße
12.12.2019
Start bei km Stand 8320 km

A10 Berliner Ring

Berliner Ring
Tag 1

Lübeck-Travemünde Skandinavienkai (Fähre)

23570 Lübeck, Deutschland
12.12.2019
Wir stehen an der Fähre, die aufgrund des gestrigen Sturms 3h verspätet ablegen wird, statt 3 Uhr in der Nacht erst um 6 Uhr früh. Check in jetzt ab Mitternacht.
Der Passagierdienst hatte uns über die Verzögerung telefonisch benachrichtigt, aber mit dem WoMo ist das ja alles nicht so tragisch.

Wir sind heut super durchgekommen, hatten uns für die A9, linkerhand an Berlin und Potsdam vorbei Richtung Hamburg, Schwerin, Travemünde entschieden, was wohl gegenüber A3 und A7 die bessere Alternative war. Mit zwei kurzen Pausen haben wir für die 720 km 7 h und 45 min gebraucht.
Wir hatten ein wenig Zeit das Auto nochmal zu waschen, uns Timmendorfer Strand, Scharbeutz und die Küste nordwärts anzusehen und möchten da wohl in der Hochsaison eher nicht mit dem WoMo sein.
Jetzt wird der Mittagsschlaf nachgeholt und da wir an vorderster Front stehen, werden wir zur Auffahrt auf die Fähre bzw. zum Check in sicher auch pünktlich geweckt.

Ostsee

Baltic Sea
Tag 2

Ostsee

Baltic Sea
Tag 3

Travemünde - Helsinki, Finnlines Fähre Finnstar

Ostsee
13.12.2019
Abfahrt Travemünde 03:00 (02:00) , so war es geplant, aber nachdem die Fähre erst nach Mitternacht eingetroffen ist, befahren wir diese erst nach 2 Uhr morgens. Nachdem wir den Strom angeschlossen haben, nehmen wir unsere Sachen, machen einen kurzen Rundgang auf der Fähre und suchen unsere Kabine auf. Gegen 4:30 Uhr begeben wir uns zur Nachtruhe und wachen 7:30 wieder auf. Wir stehen immer noch in Travemünde, 3h geschlafen und nicht einen Meter vorwärts gekommen.
Der Besuch an Deck, besorgt mir eine Breakdance-Einlage wegen Glatteis.
Um 9 legen wir endlich ab.

Wir frühstücken ausgiebig, begeben uns zum Mittagsschlaf, besuchen Bar und Shop, sehen fern und sind kurz nach 18:30 beim Abendessen.
Wir haben ziemlichen Seegang, laufen am Schiff fühlt sich an wie betrunken, aber dieses typische Rollen eines Schiffes bei aufgewühlter See hält sich tagsüber noch einigermaßen in Grenzen. Das wird nachts anders. Wind an Deck bis 25 m/s - 90 km/h! Das Schlafen wird zur Herausforderung.
Tag 4

Helsinki Vuosaari, Finnlines Fährhafen

Sejlorgatan 17, 00980 Helsingfors, Finland
14.12.2019

ABC Rasteplass Vaajakoski, Jyväskylä, Finnland

Kuopiontie 17–23
14.12.2019
Ankunft in Helsinki war für 9 Uhr geplant, jetzt wird es 15:30.
Die See ist rau, Windstärke um die 20 m/s was Beaufort 8-9 entspricht aus Richtung SSO, Schaumkronen tanzen und die Wellen knallen krachend ans Schiff. Die Finnstar, mit 22,7 kn unterwegs, hat seine Route angepasst und ist nicht wie üblich südlich an Gotland vorbei, sondern über die nördliche Variante. Das Land davor hält den Wind ab und für eine begrenzte Zeit lang war es etwas ruhiger hier auf See.

Wir frühstücken ausgiebig, aber scheinbar können das nicht alle. Es ist heut morgen ziemlich leer im Restaurant.
Die See wird ruhiger je weiter wir in den finnischen Meerbusen kommen. Wir schlafen noch ne Runde, schauen und flüchten auch gleich wieder vom Aussendeck und bringen die Zeit rum bis zur Ankunft.

Es dauert fast eine Stunde bis wir von der Fähre runter sind, nehmen irgendwie noch die falsche, die LKW Hafenausfahrt, aber durch das „X-Ray“ Gebäude müssen wir dann doch nicht.
Helsinki fällt auch aufgrund der Verspätung aus und wir halten uns sofort in nördliche Richtung Lahti und Jyväskylä. Unterwegs füllen wir für 1,51 € pro Liter den Tank. Der finnische Diesel hält tieferen Temperaturen stand, deshalb wurde trotz günstigerem Preis nicht mehr in Deutschland getankt.
 
10 km vor Jyväskylä finden wir an der ABC Raststätte ausgewiesene Plätze für Wohnmobil und Caravan mit Strom. Wir bezahlen unseren Obulus im Markt, fragen bei der Gelegenheit nach Komposit- Gasflaschen von AGA und werden fündig. Knapp 129€ inklusive der Füllung und unser schon in D besorgte Click on Adapter passt zum Glück auch. Die AGA Flaschen sind in Finnland, Schweden und Norwegen zu tauschen, so das sich das Gas- Problem, welches man im Winter bei einer 4-wöchigen Nordskandinavienreise zwangsläufig haben könnte, in Luft bzw. Gas aufgelöst.
Wir haben leichten Schneefall und 1° plus.

10€
Tag 5

ABC Station Lähi, Tornio, Finnland

Raumontie
15.12.2019
Um 6 wird das kleine Murmeltier wach, das große schläft noch tief und fest.
Draußen tanzen bei 0° die größer gewordenen Schneeflocken, hier im Mobi ist es kuschlig warm. Wir heizen mit Strom und die 3 kW die die Alde kann, liefert der Anschluss hier problemlos.
SAT bzw. Astra/Hotbird außer Empfangsbereich, Sportschau und Alpenpanorama Fehlanzeige. Aber ich denke wir überleben das 😉

Wir frühstücken später gemütlich und entscheiden dann die Spikes gleich heut reinzuschrauben. Noch haben wir Tageslicht und mit 1° plus auch ziemlich warme Temperaturen.
Es funktioniert auch dank der verbauten hydraulischen Stützen ganz gut. Die Fleißaufgabe - 300 Spikes - ist sind nach etwa 1,5 Stunden erledigt.
Noch einen Kaffee und los geht’s. Wir haben morgen um 10 einen Termin 500 km entfernt.

Die Straßen sind noch schwarz und so lässt es sich mit 80 - 100 km/h gut dahingondeln. Mehr ist nicht erlaubt und die Blitzer sind zahlreich.
Gegen 15 Uhr wird’s dunkel.

Es war ein ziemlicher Ritt heut, aber die morgige Verabredung mit der Polar Explorer steht an. Wir bezweifeln bei 1° plus. dass da ein Eisbrecher unterwegs sein wird, haben aber bisher keine Absage bekommen.

Der Campingplatz in Tornio und auch der in Haparanda machen Winterpause, nur die Hütten sind geöffnet und so landen wir wieder bei ABC, bezahlen wieder unseren Obulus für Übernachtung und Strom, begutachten das Angebot im Supermarkt und sind ziemlich zeitig im Träumen.
Es schneit inzwischen stärker.

10€
Tag 6

Polar Explorer Terminal, Båtskärsnäs, Schweden

952 95 Båtskärsnäs, Schweden
16.12.2019
Der Schneepflug ist nicht grade leise und so sind wir gegen 6 halb 7 wach, haben tief und fest geschlafen, erledigen die blaue Stunde im WoMo (blaues Licht in der Dusche) und starten Richtung Eisbrecher Terminal, welches etwa 40 km auf schwedischer Seite liegt.

Das Tanken ist auf finnischer Seite mit einem heutigen Preis von 1,35 €/l deutlich günstiger als in Schweden wo Preise von etwa 1,62 € aufgerufen werden.

Es hat die Nacht leicht durchgeschneit, aber die Straßen sind geschoben oder fest, so dass wir nach ca. 1 Stunde vor Ort sind. Die ersten Busse sind auch schon da, am Ende werden es 8 sein.

Wir entdecken eine Steckdose, die ziemlich schnell von uns belegt ist, ziehen uns richtig warm an, werden am Check in begrüsst, dabei der grünen Gruppe zugeordnet und bekommen die Zeiten für Schiffsführung und Eisbaden. Leider ist das Eis nicht so tragbar, das wir darauf spazieren dürfen.
Nach etwa 20’ Fahrt stoppt die Maschine und dann wuseln die verschiedenen Gruppen zu ihren Terminen. Der Käpt’n begrüßt jeden auf der Brücke, in den Maschinenraum dürfen gleichzeitig maximal 5 Leute und nur mit Gehörschutz. Man kann aber auch ohne den Guide überall rein und das Schiff besichtigen.
Die Grünen sind 10:15 mit Baden dran, Jacke und Hose aus, Mütze runter und rein die den figurschmeichelnden orangenen Ganzkörperanzug. Man bekommt dabei Hilfe, der Sitz der Anzüge wird kontrolliert und am Hals korrekt geschlossen. Es soll ja möglichst kein Wasser reinlaufen.
Na dann, rein in die große Wanne, 4 Stufen und dann gleich nach hinten legen. Ich schwimme und es ist überhaupt nicht kalt. Paddeln mit den Armen geht nur rückwärts und man sieht auch nicht wirklich wohin man paddelt. Ich versuche den Kopf oben zu halten und halte Ausschau wo Henry steckt. Aber das ist halstechnisch echt anstrengend. Flach reinlegen und treiben lassen geht am besten. Wo bist du höre ich rufen, die sehen alle so gleich aus.
Nach 10-15‘ versuchen alle wieder rauszukommen, was ohne die helfenden Hände der Crew aber fast unmöglich ist.
Wir haben richtig Spaß! Und wenn man in die Gesichter der anderen schaut, ergeht es allen genauso.

Arctic Circle, Santa Claus Village, Rovaniemi, Finnland

Joulumaantie 2, 96930 Rovaniemi, Finland
16.12.2019
Nach der Eisbrecherfahrt wollen wir weiter bis zum Polarkreis bzw. zu Santa Claus. Wir gehen es gemütlich an und holen erst mal das verpasste Frühstück nach. Ziemlich durchgefroren sind wir trotz der wirklich warmen Kleidung auch und so ist es halb 3 bis wir starten. Es schneit schon den ganzen Tag und so präsentiert sich uns eine wunderschöne Winterlandschaft.

In Rovaniemi halten wir erst nördlich der Stadt bei Santa Claus und dem Arctic Circle.
Ich bin geflasht von der Atmosphäre, die Beleuchtung, die Musik, die Dekorationen, der frisch gefallene Schnee dazu. Die Kinder toben und rodeln.
Wir besuchen das Postamt, Weihnachtspost wird für 2019 nicht mehr angenommen, an dem Briefkasten steht schon 2020 dran. Also die Karten in den normalen. Ein paar kleine Souvenirs für die Daheimgebliebenen und dann schauen wir nach Santa Claus. Eigentlich hat er schon seit 10‘ Feierabend (Weihnachtsmann - Feierabend ?) aber wir dürfen noch schnell als Letzte zum Fototermin. Ein paar Worte, das Foto und dann muss er los. Er besucht heut noch die Kinder im hiesigen Krankenhaus.
Beim letzten Mal in 2015 hatten wir auf das Foto verzichtet, aber jetzt wo Enkelkinder da sind, muss doch ein Bild von Oma und Opa mit Santa sein!

Shell Tankstelle Napapiiri, Rovaniemi, Finnland

Sodankyläntie 715, 96930 Rovaniemi, Finland
16.12.2019
Gleich gegenüber von Santa Claus Village finden wir bei der Shelltankstelle wieder ein Plätzchen mit Stromanschluss und dazu für Tankstellenverhältnisse noch ziemlich ruhig.
Wir sind geschafft, beide!
Es hat aufgehört zu schneien und es wird langsam kälter.

15€
Tag 7

Snow Village, Kittilä, Finnland

Lainiotie 312, 99120 Kittilä, Finland
17.12.2019
Irgendwie von seniler Bettflucht keine Spur hier,  wir schlafen tief, fest und vollkommen entspannt, ich bis etwa 7 Uhr, Henry bis nach 8.
Wir gehen es gemütlich an und starten erst nach eins. Ziel das Snow Village in der Nähe von Kittilä. Es fängt wieder an zu schneien und die Straßen verwandeln sich Fahrspur schwarz nach ganz weiß. Wir tauchen in eine immer winterliche Landschaft ein. Durch den waschbrettartigen festgefrorenen Schnee, rammelt und scheppert es in den Schränken, wie ich es noch nie gehört habe. Das Rumpeln im Kühlschrank wird unterwegs noch mit den schnell zu greifenden Handtüchern als Polsterung beseitigt.

An den Scheibenwischern und der Frontscheibe bildet sich langsam Eis, so das wir an der Raststätte anhalten und es beseitigen. Aber von Wegen akribisch vorbereitet. Es ist kein Eiskratzer im Auto!
Aber wir stehen ja an der Tanke.
Henry fährt so mit 60-70-80 bis, ja bis ich auf einmal aufschreie. ACHTUNG! Rentiere. Vollbremsung mit ABS - Einsatz. Puh, das war knapp. Die stehen stoisch und bewegen sich trotz Licht und Hupen keinen cm von der Straße. Aber wir glauben alle 4 sind heile geblieben und vom WoMo her haben wir keine unangenehmen Geräusche gehört. Vier Augen schauen fortan angestrengt und konzentriert auf die Straße.
Wir sind gegen 16 Uhr am Snow Village, hatten noch überlegt, ob wir den Umweg in Kauf nehmen, aber die Entscheidung war genau richtig. Was hier aus Schnee und Eis gezaubert wird ist beeindruckende Kunst. Es ist noch in Arbeit, da die Temperaturen in den letzten Wochen einfach nicht mitgespielt haben. Jeder Raum ist anders, es gibt eine Rutschbahn aus Eis, ein Labyrinth aus Eis , die Kapelle, die Disco, die Schlafräume jeder anders, das Restaurant und die Eisbar. Und natürlich gönnen wir uns einen Drink und nehmen 2 von den Eis-Schnapsgläser mit, die jetzt bei uns im Tiefkühlfach liegen. Absolut sehenswert!

Campingplatz Ylläksen ykkös Caravan, Äkeslompolo, Finnland

Ylläksen Lyhty Ky, Riihentie 4, 95970 Kolari, Finland
17.12.2019
Wir sind noch 25 km vom Snow Village nach Äkäslompolo unterwegs. Die Fahrt führt am Rande des Pallas-Yllästunturi Nationalpark und am Ylläs Ski Resort vorbeivorbei. Man spürt deutlich das es hier, von Rovaniemi mal abgesehen, touristischer wird. An den Straßenrändern außerorts sind alle paar 100 m die Bäume beleuchtet, was durch die dicke Schneeschicht auf den Ästen phantastisch aussieht.
Wir biegen in Äkäslompolo auf den Campingplatz ein, es ist nicht allzu viel los, aber geöffnet und wir sind wieder einmal angenehm geschafft.
Es hat aufgehört zu schneien und bei nur -4° verzichten wir wieder einmal auf Isomatten.

43,50€
Tag 8

Ivalo River Camping, Ivalo, Finnland

Rovaniementie 146–168
18.12.2019
Gegen 7 halb 8 klettern wir zwei aus der Koje. Es hat die ganze Nacht noch 10-15 cm dazu geschneit und mit -9° ist es auch kälter geworden.
Erste Arbeit Schnee schieben - wir machen den Weg frei - vom WoMo zum Sanitärgebäude, nachdem schon 2 Paar Socken nass sind. Man könnte aber auch Stiefel anziehen.

Wir sind auf Winterwanderung zum örtlichen, wirklich gut sortierten Supermarkt, der Schnee knirscht unter den Stiefeln und am Horizont tut die Sonne so, als wenn sie aufgehen möchte. Aber sie schafft es nicht.

Wir starten kurz vor eins, nachdem wir Frühstück und Haushalt erledigt haben. Die ersten 50-60 km haben wir ziemlich heftigen Schneefall und tief verschneite Straßen. Ich ziehe den Hut vor meinem Fahrer, der zwar nicht ganz so entspannt, wie sonst hinter dem Lenkrad sitzt, es aber super meistert. Auch der waschbrettartige zusammengefahrene Schnee rüttelt wieder alles durch. Aber Kühlschrank und andere Einrichtungsgegenstände wurden heute einer Antiklapperkur unterzogen.

Wir wollen tanken, aber die Tankklappe geht nicht auf und muss erst einer Enteisung mit dem Stiel des neu erworbenen Eiskratzers unterzogen werden.

Später wird es besser mit den Strassenverhältnissen und wir kommen wieder so mit 70-80 km/h voran. Auch die bzw. heute das Rentier begrüßt uns wieder, zum Glück nur am Straßenrand.

Wir landen gegen 5 am Campingplatz, heut wird auch das erste Mal die ISO- Aussenmatte auf das Fahrerhaus gelegt. Wir kochen Kaffee, ich fange den Blog an zu schreiben, Henry will sich grad mit der Kamera beschäftigen, da klarer Himmel und die Wahrscheinlichkeit auf Nordlichter steigt, da kommt er von draußen rein. Komm schnell, komm schnell - das könnten die ersten sein. Es zieht sich ein graues Band über den Himmel, man denkt anfangs, es kommt von einem Schornstein. Aber das was so aussieht wie Rauch verändert die Farbe und wird grün. Wir ziehen uns schnell warm an und raus in die -12°.

Es fängt schwach an, mit einer tanzenden Linie, es folgen weitere, es bewegt und verändert sich, es wird manchmal ein wenig rosa, das grün ist mal schwach, mal intensiv, mal wie eine Wolke, dann wieder wie eine Linie. Es wabert vor sich hin und wir freuen uns wie die kleinen Kinder. Da wir die Kamera noch nicht fertig hatten und uns das Schauspiel fast überrascht hat, muss das Handy herhalten. Bei -12° geht das ganz schön an bzw. in die Finger. Immer wieder verschwinden diese in Handschuh oder Jackentasche, aber da sieht der Himmel schon wieder anders aus.
Nach etwa ca. 45‘ lässt der Tanz am Himmel nach und wir müssen uns dringend aufwärmen. Das Kribbeln in den Fingern von der Kälte tut inzwischen weh.

Später als wir die Kamera endlich fertig haben, zieht der Himmel wieder zu. Wir gehen zu Bett.

32€
Tag 9

Fjordutsikten Porsanger AS Camping, Lakselv, Norwegen

Gnr 19 Bnr 177 Brennelv, 9700, Lakselv, Norwegen
19.12.2019
Noch voller Eindrücke von den Nordlichtern gestern, starten wir heut schon kurz nach elf.
Am Kreisverkehr zeigt uns der Wegweiser Murmansk 303 km, aber wir halten uns doch lieber in Richtung Norwegen.

Den Dieseltank noch einmal vollgefüllt, ist es an der Zeit den Abwassertank leer zu bekommen. Das Ablassen über Gulli gestaltet sich schwierig, alles zugefroren. Scheinbar müssen wir doch noch Abwassertaxi spielen. Wir verschieben das Thema vorerst. Wasser auffüllen ist kein Thema.

Es begleitet uns eine Winterlandschaft, zum heulen schön. Die Temperaturen schwanken zwischen -6 und -15°. Auch die Rentiere sagen wieder Hallo und die Sonne zeigt am Horizont das es sie gibt. Sie geht nicht auf, bringt aber ein phantastisches Licht, was mich an das Alpenglühen in den Dolomiten erinnert.

Wir überschreiten die Grenze zu Norwegen, keiner kontrolliert, keiner da. Kurz darauf Stau - Stau im Norden - unmöglich! - und doch, wir stehen, warten und erfahren ein paar Minuten später, das eine Rentierherde die Straße überqueren wird. Die lassen sich Zeit und so dürfen wir doch noch schnell durch.

Wir entscheiden uns in Karasjok, wo die Nacht -22° angesagt werden, gegen den hiesigen geöffneten Campingplatz. Es ist kurz vor 14 Uhr und so fahren wir noch ein paar km weiter auf den Campingplatz nach Lakselv, zum ersten Mal auf dieser Reise stehen wir am Fjord.
Die nette Dame empfängt uns freundlich und erinnert sich sofort, dass ich per Mail angefragt hatte, ob geöffnet ist. Sie kann nicht glauben, dass momentan in Deutschland frühlingshafte Temperaturen herrschen.

Den Schneeräumer hat sie schon bestellt, aber es wird noch etwas dauern. So nehmen wir bzw. Henry den Schneeräumer selbst in die Hand und ein paar Minuten später stehen wir perfekt.

Auch hier werden -18° angesagt, so dass heut die Isomatte wieder drauf kommt.
Bei Kaffee und Kuchen beobachten wir aus dem Warmem wie der Schneeräumer später seine Arbeit macht.

Gegen 20:00 stehen wir wieder in der Kälte, diesmal ist die Kamera vorbereitet. Aurora ist viel schwächer als gestern und irgendwie diffuser, aber sie ist da. Wir testen mit ISO, Belichtungszeit und Blende und bekommen mit ISO 1600 und 8 -15 sec die besten Ergebnisse.

Wir haben fast klaren Himmel und -10°

270 NOK
Tag 10

Honningsvåg, Norwegen

Magerøya
20.12.2019

Heut morgen ist es richtig kalt, sind zwar nur 13° minus, aber der eisige Wind lässt es laut norwegischem Wetterbericht wie 23° minus fühlen. Wir haben leichte Eisränder an den Aufbaufenstern, vor allen Dingen da wo die Verdunklung in der Nacht geschlossen war.
Trotzdem Ver- und besonders dringend Entsorgung muss sein. Die Anzeige des Abwassertanks blinkt immer mal wieder und das Bedienpanel fängt an zu spinnen. Unsere Laune sinkt kurzzeitig ebenfalls unter den Gefrierpunkt, da wir bei dem ersten Piepen und Blinken ein technischen Defekt in der Elektrik vermutet haben. Wie gut tut es, dass es nur ein voller Abwassertank ist. Wir fragen uns am Campingplatz und diversen Tankstellen durch und bekommen den Tip, das Abwasser mit Schlauch in der Waschanlage abzulassen. Wir entsorgen und es fühlt sich so ein bisschen wie dringend Pipi an. Alternative wäre wirklich nur ein Abwassertaxi.
Die Bodeneinlässe sind fest in der Hand von Eis und Schnee.

Die Sonne ruft wieder, ich bin hier, ich bin hier. Wir fahren am Porsangerfjord entlang, die Erinnerungen an die Nordkap-Sommerreise von 2015 begleiten uns, und doch ist diese Fahrt eine ganz andere. Teilweise ist es richtig glatt und zum ersten Mal sind die Straßen auch ein wenig gestreut.

Wir stoppen in Honningsvåg, das nordgehende Hurtigrutenschiff, die Richard With legt grad ab und es wird sofort ruhig im Ort. Einkaufen fährt man hier mit Tretschlitten - auch Spark genannt. Gern würde ich einen in die Heckgarage befördern, aber bei uns ist entweder gestreut oder gar kein Schnee, so dass er wohl fast nie zum Einsatz käme. Schade.
Wir drehen eine Runde mit dem WoMo im Ort und kommen bei der Touristinfo zum stehen. Hunger haben wir auch und so fallen uns die Königskrabben bzw. das King Crab House ein. Kurze Zeit später steht eine ordentliche Portion King Crabs und jeweils ein Mack Bier vor uns für einen ebenso „ordentlichen“ Preis.

Die Kolonnen zum Nordkapp starten ab dem Abzweig Skarsvåg um 11:00 Uhr, 12:00 Uhr und noch einmal um 19:30 Uhr zur sogenannten Aurora Tour.
Bei Letzterer hat zwar oben nix geöffnet, die Nordlichtvorhersagen besagen mit 8% Wahrscheinlichkeit für unseren Standort auch nix Gescheites, aber wir starten trotzdem.

Nordkapp

E69, 9764 Nordkapp, Norway
20.12.2019

Außer uns finden sich noch ein paar PKW ein und was entdecken wir, trotz der schlechten Nordlichtvorhersagen, Nordlichter. Die werden intensiver und nun schnell hoch. Aber ohne Schneeflug vorneweg bleibt die Schranke vorerst zu. Es sind noch 15 km im Kolonnenverkehr und der Schneeflug legt ein ziemliches Tempo vor.

Was für ein Glück, wir sind am Nordkapp, es geht kein Wind, es herrschen mit -6° keine Extremtemperaturen, es ist klarer Himmel, es regnet und schneit nicht und Aurora zeigt was sie kann. Wir können es nicht glauben. Die Stative stehen blitzschnell und jeder fokussiert. Es geht unter die Haut und brennt sich tief auf der Festplatte ein.

21:45 geht der Konvoi zurück, alle sind zufrieden. Wir biegen am Kolonnentreffpunkt nach links und kommen im Hafen von Skarsvåg zu unserem Schlafplatz.

Skarsvåg, Insel Magerøya, Norwegen

Magerøya
20.12.2019

Dort stehen wir ruhig und idyllisch .
Morgen wollen wir mit der 11 Uhr Kolonne nochmal hoch.

Es hat nur -3° und hier auf der Ostseite der Insel eingekesselt zwischen den Bergen ist es windstill.
Also können wir auch ohne Stromabschluss beruhigt zu Bett gehen.
Tag 11

Nordkapp, Norwegen

21.12.2019

8:10 Uhr, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so spät aufgestanden bin.
Es hat -5° und klaren Himmel, der Mond zeigt sich als Sichel und hinter den Bergen wird es langsam heller. Die Fischer sind mit ihren Booten unterwegs und Hektik kommt hier definitiv nicht auf.

Wir sind überpünklich am Kolonnentreffpunkt und nehmen die 11 Uhr Kolonne mit weiteren 5 PKW. Oben angekommen wird heut kassiert, da die Nordkapphallen auch geöffnet sind. Kurz vorm Kassenhäuschen macht uns eine Ministeigung Probleme. Also raus, die PKW zurück oder vorbei winken um Anlauf nehmen zu können. Ich höre vom Fahrersitz noch den Kommentar - hätte vielleicht ein bisschen mehr Platz lassen sollen. OK, wir zeigen unsere Mitgliedskarten des Royal North Cape Clubs und hören ein Welcome Back.

Wir sitzen im Cinema und wissen beide nicht wirklich, ob das der gleiche Film wie 2015 ist. Wir stöbern durch den Souvenirshop und schauen wieder vor zur Weltkugel. Es hat inzwischen angefangen zu schneien und die Kolonne von 12 Uhr mit den Hurtigrutenbussen kommt grad an. Es wird voll um die Kugel. Wir nehmen die 13 Uhr Kolonne zurück und sind auf dem Weg nach Alta.

Unterwegs müssen wir über 2 Pässe, die diesen Namen hier schon bei Höhen über 200 m über NN verdienen. Zumindest stehen die Schilder mit der Höhenangabe da.
Es wird immer kälter, -15, -20, -25, und bei -29 ist der Tiefstpunkt erreicht. Wir entschließen uns zur Sicherheit zu tanken, aber bei -20° frieren einem ohne Handschuh die Finger an der Zapfpistole fest. Es ist RICHTIG kalt.

Alta River Camping, Steinfossveien, Alta, Norwegen

Steinfossveien 5, 9518 Alta, Norwegen
21.12.2019

Uns erwartet uns ein geöffneter Campingplatz, wir sind angekündigt und werden freundlich und neugierig empfangen, schnell Strom ran, Isomatte drauf, Stützen ausfahren und wieder rein ins Warme.

Da kommt doch meine männliche Wohnmobilleitung auf die Idee die restlichen Spikes reinzuschrauben, was er dann bei -20° auch tut. OK, solange ich nicht mit raus muss 😉


250 NOK
Tag 12

Sentrum 2

Sentrum 4, 9151 Storslett, Norway

Stellplatz am Theater, Tromsø, Norwegen

Tromsø
22.12.2019

Wir entschließen uns in einem Rutsch nach Tromsø durchzufahren und nehmen deshalb die beiden Fähren, die den Weg um 140 km abkürzen und starten etwas zeitiger als sonst.
Unsere Kiddies sind dort im Urlaub und so können wir noch ein paar Tage gemeinsam verbringen, bevor sie wieder zurück fliegen.

Es wird immer wärmer und wir sehen bald kein minus mehr vor der Zahl. Das Auto taut langsam ab. Die dicken Eisbatzen fallen auf der Fähre ab, die wir auf die Minute erreichen. Bei 4° plus kommen wir in Tromsø an.

Am Stellplatz treffen wir uns bei Kaffee und Kuchen, den ich von Deutschland bis hierher gerettet habe.

Zur Nordlichtzeit ab 19 Uhr machen wir uns auf, um mit der Fjelleisenbahn auf den Aussichtspunkt hoch über der Stadt zu kommen. Stativ und Kamera sind dabei, aber der Himmel reißt nicht auf. Wir trösten uns bei Rentierburger, Glögi und heißer Schoki. Heut keine Nordlichter und so nehmen wir die Bahn um 22:30 und kehren zum Stellplatz zurück.
Bei Bierchen und Schnäpschen aus den Tiefen der Heckgarage wird es sehr spät bzw. früh.

Tag 13

Tromso Ice Domes, Øverbygd, Norwegen

Balsfjord, Norwegen
23.12.2019

Tromsø Camping, Tromsø, Norwegen

elvestrandvegen 10, 9020, Tromsdalen, Norwegen
23.12.2019

Unsere zwei haben für heut die Tour zum Tromso Ice Dome gebucht und wir wollen uns anschließen. Online ausgebucht, ich frage per Mail an. Leider tatsächlich ausgebucht, kurze Zeit später eine weitere Antwort. Es haben 2 abgesagt. Muss das denn sein, dass es am frühen Morgen im Urlaub auch noch Hektik gibt.

Wir sitzen kurze Zeit auch später im modernen Reisebus, der uns in 1,5 h in die Berge bringt.
Das WoMo lassen wir auf dem teuren Stellplatz zurück. Für 24 h wären über 50 € zu berappen, die einzig günstigere Alternative ist der Parkplatz direkt am Polaris für 395 NOK/24h. Ich zahle per App, da tut es nicht so weh ;-)

Wir kommen gegen 12 am Ice Dome an und werden freundlich empfangen. Jeder bekommt ein gelbes Babberl und im Ice Kino wird kurz darauf gezeigt, wie so ein Schnee-Dome durch Aufblasen eines Ballons und Beschneien mit Kunstschnee (da fester) entsteht, wie die Künstler die Figuren schnitzen und das Eis in einem finnischen See geerntet wird. Wirklich interessant. Was hier wieder aus dem Eis gezaubert wird, ist phantastisch. Einen kleinen Begrüßungstrunk aus dem Eisschnapsglaserl und dann dürfen wir 4 junge Rentiere, 6 Monate alt, füttern. Anfangs noch scheu, lockt das Futter und sie kommen tatsächlich bis zum Zaun.

Wieder zurück, stellen wir fest, dass der Weihnachts-Einkaufstress hier weitaus weniger ausgeprägt ist und setzen um auf den Campingplatz, wo wir über Weihnachten bleiben.
Bisher der am besten ausgestatte Platz, mit einen ziemlich neuen und modernen Sanitärhaus.
325 NOK pro Tag

Wir nehmen später den Bus ins Zentrum um heut den Ølhallen (Øl = Bier) noch einen Besuch abzustatten. Wir probieren verschiedene Sorten zwischen 4,5 und 11 % in der nördlichsten Brauerei, gegründet von einem deutschen Landsmann namens Ludwig Mack. Wir sitzen gemütlich, vielleicht ein paar Minuten zu lang und erreichen, nachdem wir endlich wussten, welche Richtung und wo die passende Haltestelle dazu, grad noch so den letzten Bus um 0:13 Uhr.


Tag 14

Tromsø Camping, Tromsø, Norwegen

elvestrandvegen 10, 9020, Tromsdalen, Norwegen
24.12.2019

Ich muss mal mit meinem Hausarzt sprechen. Hab ein Rezept gegen senile Bettflucht und Schlafstörungen gefunden, nix von Ratiopharm - eine Nordkap-Reise im Winter.
Ich (!) stehe um 11:38 Uhr auf.
Ok, vielleicht war auch das Bier dran beteiligt.

Jetzt müssen wir uns noch sputen, um 13:15 wollen wir uns an der Eismeerkathedrale treffen um gemeinsam den Weihnachtsgottesdienst um 14 Uhr zu besuchen.

Es wird sehr besinnlich, aber es wird bei der Predigt auch gelacht. Wir wissen nicht warum, denn wir verstehen es nicht. Die Liedtexte kann man via Leinwand mitlesen und bei Glade Jul, Hellige Jul (Stille Nacht, Heilige Nacht) bin ich tief gerührt.

Bei einer kleinen Winterwanderung kehren wir ins WoMo zurück, wo wir gemeinsam den heiligen Abend ausklingen lassen.

Gud Jul

Es regnet bei 3° plus.
Tag 15

Sommarøy, Troms, Norwegen

Skipsholmvegen 22, 9110 Sommarøy, Norway
25.12.2019

Tromsø Camping, Tromsø, Norwegen

elvestrandvegen 10, 9020, Tromsdalen, Norwegen
25.12.2019

Vormittag basteln wir noch an der Zusatzleuchte und zumindest liegt jetzt schon der Strom bis nach innen.
Später starten wir zum Ausflug bis rüber nach Sommarøy. Tolle Sandstrände erwarten uns und die typische norwegische Inselwelt. Zum Baden ist es etwas zu frisch, so belassen wir es beim Muscheln suchen mit Stirnlampe und beim Kaffee im WoMo.
Die Straßen und besonders die Parkplätze sind spiegelglatt, nur teilweise gestreut, aber die Spikes sind auch hier wieder einmal sehr hilfreich.

Wir sitzen noch gemütlich zusammen, Nordlichter wegen wolkenverhangenem Himmel Fehlanzeige, und so machen wir heut zeitig Feierabend.

Wir liegen schon im Bett, da hören wir von draußen ein Ahh und Ohh - Nordlichtalarm. Also nochmal raus aus dem Bett und anpellen. Sie sind heut nicht so stark und durch die nahe Stadt hat man viel Fremdlicht. Trotzdem es ist jedes Mal ein faszinierender Moment.
Tag 16

Polar Park, Bardu, Norwegen

BONESVEIEN 319, 9360 Bardu, Norwegen
26.12.2019

Der Campingplatz hier in Tromsø ist für nordnorwegische Verhältnisse Luxus, modernes und sauberes Sanitär, Küche, Aufenthaltsraum, Café, Waschmaschinen, Trockner wie auch eine vernünftige Ver- bzw. Entsorgung mit beheiztem Bodeneinlass. Wieder frisch gemacht bringen wir unsere zwei zum Flughafen in Tromsø.

Wir sind durch die Berge Richtung Narvik unterwegs, grandiose Bergpanoramen wie Landschaftsmalereien, kitschig schön, zumal der Himmel klar ist und uns dieses irre Licht den Weg zeigt. Die Temperatur sinkt bis auf -22°C.

Unterwegs sehen wir an der Anzeige der Duo-Control, dass unsere in Finnland gekaufte Gasflasche alle sein muss. Wir halten an der Tanke, AGA Kompositflaschen sind vorrätig, aber unser Türschloss vom Gaskasten ist tief gefroren. Feuerzeug hilft genauso nicht wie Türschlossenteiser. Wir lassen es für heut mit dem Gas.
Da wir sehr viel mit Strom geheizt haben, die meisten Anschlüsse auch gut abgesichert sind und die 3 kW der Alde ausgereicht haben, ist die erste Gasflasche erst nach 12 Tagen verbraucht.

Solbakken Camping sieht sehr geschlossen aus, also weiter zum Polarpark. Bei -20° wäre ein Stromanschluss schon nicht schlecht. Die am Polarpark halten in Bergen von Schnee Winterschlaf und bis wir die freigeschaufelt hätten, ist Silvester vorbei. Also weiter.

Camping Øse, Gratangen, Norwegen

Øseveien
26.12.2019

Unweit vom Polarpark sehen wir rechterhand Øse-Camping. Das sieht ziemlich beleuchtet aus. Wir sind schon vorbei, drehen um. Das Gebäude ist verschlossen, aber Platz und Strom für uns ist da.
Man soll anrufen, ich zögere da Weihnachten ist und beschließe bis morgen früh zu warten. Ehe es dazu kommt, sehen wir Licht in der Rezeption und wir checken ein. Wir werden überaus freundlich begrüßt und neugierig unseres Weges befragt. Ob wir nicht bis zur Silvesterfeier bleiben wollen?

200 NOK

Da wir jetzt auch Strom haben, kann der Fön das Schloss des Gaskastens auftauen um die Flasche herausnehmen zu können und morgen zu tauschen.

Gegen 18 Uhr fallen uns beiden fast die Augen zu und wir beschließen - Mittagsschläfchenzeit.
Aber es ist klarer Himmel, KP Wert und Aurora- Wahrscheinlichkeit steigen grad (KP = Indikator der geomagnetischen Aktivität in meiner Region). Das Polarlichtoval nähert sich uns. Kurz nach 19 Uhr sitze ich und beobachte den Nachthimmel, schon ohne Nordlichter sehenswert.

Dann dauert es auch nicht lang bis die ersten grauen Schleier sichtbar werden. Es verändert sich stetig, mal schwach, mal intensiv, mal tief grün, manchmal mit rötlichen Rändern, mal über uns, mal eher am Horizont. Es tanzt und wir schauen fasziniert zu. Nach 2 Stunden sind wir durchgefroren und verschwinden in der Kiste.

Gute Nacht Aurora, du scheinst uns zu mögen.
Tag 17

Fiskehallen Narvik, Kongensgate, Narvik, Norwegen

Kongensgate 42, 8514 Narvik, Norwegen
27.12.2019


Eigentlich soll es heut auf die Lofoten gehen. Sturm und Dauerregen für Samstag und Sonntag wollen wir uns aber nicht antun und so werden die Lofoten aus dem Programm genommen.

Wir haben jetzt Zeit für Narvik, sein Kriegsmuseum und seine Fiskehallen, bevor wir Richtung Schweden abbiegen.

Es ist 13 Uhr durch eh wir starten. An der ersten Tanke probieren wir unsere Gasflasche zu wechseln, was auch ohne Probleme geht. Für 299 NOK haben wir wieder 11 kg mehr an Bord.

Fiskehallen lukket (geschlossen) Kriegsmuseum ausgelassen.
Wir sind auf dem Weg übers Fjell nach Kiruna. Plötzlich ein unangenehmes Quietschen von einem der Räder. Bremsen in verschiedenen Varianten reicht nicht um den Stein irgendwie wieder loszuwerden, so das wir anhalten und nachschauen. Wir werden ihn dann doch noch los.
Unterwegs erreichen wir -24°, in Kiruna ist es 10° wärmer.
Wir decken uns im Supermarkt zu zivileren Preisen als in Norge ein und erreichen gegen 18 Uhr den eigentlich geschlossenen Campingplatz.

E10 Narvik - Kiruna

Rensjön

Camp Ripan, Kiruna, Schweden

Campingvägen 5, 98135, Kiruna, Schweden
27.12.2019

Wir hatten gestern angefragt ob der Campingplatz eventuell doch geöffnet ist und eine positive Antwort bekommen. Heut früh wieder eine Absage wegen den Schneemengen und ungeräumten Stellplätzen, 2-3 Stunden später wieder eine Zusage für 2 Tage. Als wir ankommen, dauert das Einchecken etwas länger, da diejenige, die die Zusage erteilt hat, erst angerufen werden muss und die Reservierung eingibt (eigentlich ist der Platz ja im Winter geschlossen). Uns wird für das Warten Tee bzw, Kaffee angeboten und wir nehmen an.

Wir buchen noch die Superior- Snowmobiltour für morgen und sind kurze Zeit später im WoMo verschwunden.
Tag 18

Enoks Restaurang, Nikkaluota, Schweden

982 99
28.12.2019

Es heißt heut zeitig aufstehen, um 7 Uhr klingelt der Wecker. Wir werden um 9 an der Rezeption abgeholt. 

Wir sind zu sechst im Kleinbus und fahren in westliche Richtung. Unterwegs sehen wir immer wieder Elche am Straßenrand, bestimmt 20 an der Zahl auf den 50 km Fahrt. Es sind die ersten auf dieser Tour, die wir in freier Wildbahn erspähen. Durch den Schnee erkennt man sie gut.

Wir kommen am Ende der Straße zu einem Gehöft und wechseln das bzw. die Fahrzeuge. Nicht ohne über die eh schon warmen Sachen nochmal eine Schicht drüber zu ziehen. Am Ende der Bekleidungsprozedur habe ich 2 x Merino-Unterwäsche, 1 Paar Skisocken, 1 Paar gestrickte Socken, die Sorel Boots bis -40° tauglich inklusive Fußwärmer, Fleecejacke, Skijacke und - hose, Thermooverall, Fleecehalswärmer, Baklava, Helm mit Gesichtsschutz, 1 Paar dünne Handschuh und ein Paar dicke an. Ich fühle mich wie ein Michelinmännchen und kann mich kaum noch bewegen. Es hat -6°.

Wir starten mit einer kurzen Einweisung und dann sind 3 Gäste- Snowmobile, das Guide-Snowmobil vorneweg und das Papa-Snowmobil hintenan unterwegs im schwedischen Winter. Und was für ein Winter, Bäume, Wege tief verschneit, Seen zugefroren und ebenso verschneit, Berge vergletschert und weiß, alles eingerahmt durch das nordskandinavische Winterlicht, was ich auf dieser Tour so lieben gelernt habe. 
Hier gibt es nur noch Snowmobilwege mit per Schild angezeigten Kreuzungen, die im Sommer Wanderwege sind. Willkommen im schwedischen Winter-Outback.

Wir stoppen in Enoks Restaurang mitten in der Einsamkeit. Nach warmem Kaffee geht es weiter auf den See hinaus. Wir hinterlassen frische (Snowmobil) Spuren, stoppen und holen den Eisbohrer raus. Ruckzuck sind 4-5 Löcher gebohrt und die Mini- Eisangeln sind im Einsatz. Und tatsächlich beißt nach kurzer Zeit ein Fisch. Alle sind überrascht, denn keiner hat wirklich damit gerechnet. 

Wir fahren eine ganze Weile, inzwischen auch mit höherer Geschwindigkeit, erst auf dem See, dann wieder auf den Snowmobilwegen und landen auf einmal wieder an dem Restaurant. 

Nach leckerem Rentiergulasch und einem kleinen Quiz der nordischen Tier- und Pflanzenwelt , bei dem wir leider nur 3 von 10 Fragen richtig haben, geht es zurück zum Gehöft. 
Alles, auch das Essen kochen, läuft ab ohne Strom zu haben, denn der ist gestern im ganzen Tal ausgefallen und läuft bis jetzt nicht wieder. Gut das im Gepäck immer eine Taschenlampe ist. 

Wir bedanken uns bei Papa dem Koch und Lumpensammler und unser Guide Andreas bringt uns nach Kiruna zurück. Gegen 15 Uhr kommen wir an und sind wieder einmal froh das Taschengeld investiert zu haben.
Tag 19

Camp Ripan, Campingvägen, Kiruna, Schweden

Campingvägen 5, 981 35 Kiruna, Schweden
28.12.2019

Jetzt ist die LED - Zusatzleuchte noch einmal dran. Kabel, Schalter und Stecker für den Zigarettenanzünder, nun alles fertig und der erste Test erfolgt - morgen. Wenn wir jetzt die Zündung anschalten, fahren die Stützen ein 😉.

Stellplatz Dundret Lappland, Gällivare, Schweden

Dundretvägen
29.12.2019

Wir starten gemütlich, es hat knapp unter 0° und es ist klarer Himmel.

Wir haben gestern von Guide Andreas viel Info über Kiruna, Umgebung und die Natur erhalten.

Der Ort, der von der weltgrößten Eisenerzmine lebt, wird grad ein paar km weiter östlich neu aufgebaut. Die jetzige Stadt fällt der Mine zum Opfer. Da das hochwertige Eisenerz einen besonders hohen Magnetitgehalt aufweist, ist hier in Kiruna die zweitstärkste magnetische Anomalie der Erde. Wir spüren zum Glück nix davon.

Der Berg Kebnekaise in dessen Nähe wir gestern waren ist mit etwa 2100 m der höchste Berg Schwedens und ein beliebtes Wandergebiet.

Und was wir beim Fahren über die Landstraßen heut auch wahrnehmen, die schwarzen Müllsäcke an den Begrenzungspfosten. Diese sind nicht etwa vom Wind hängengeblieben, sondern bewusst angebracht. An diesen Stellen ist besondere Vorsicht wegen Elch und Rentier angebracht. Nachdem wir gestern doch über die Menge der Tiere links und rechts der Straße fast irritiert waren, nehmen wir irgendwie automatisch die Geschwindigkeit raus. Man sieht immer wieder Kadaver im Straßenrand liegen und auch Tiere im Wald. Man sollte die Warnschilder, das Ende der teilweise aufgestellten Elchzäune, die Spuren der Tiere im Schnee und die hängenden Mülltüten beachten und auch ernst nehmen.

Unsere Tagesetappe ist heut nicht so lang, es ist nordschwedisch hell, der Verkehr gering und so halten wir immer wieder Ausschau. Elch sehen wir heut nur einen, aber viele Rentiere.

Unterwegs der Zusatzleuchtentest - perfekt - nur leider ist es noch hell.

In Gällivare angekommen, nehmen wir den Abzweig zum Skigebiet Dundret Lappland, wo eine Mischung zwischen Stell- und Campingplatz unser heutiges zu Hause werden soll. Nur irgendwie keine Rezeption zu finden und viel zu viel Platzauswahl. Das damit verursachte Hin und Her kennt bestimmt jeder WoMo-Fahrer. Als wir endlich ein windgeschütztes Plätzchen gefunden haben, mache ich mich auf Rezeptionssuche gefühlt über den halben Skiberg, versinke hüfttief im Schnee, stehe auf der Piste im Weg und frage dann am gelben Skipasshaus. Bingo, aber wir stehen auf einem gebuchten Platz 😄
Dann eben nochmal...

Gegen 16:15 geh das Licht aus - auf den Skipisten. Apres Ski kennt man hier scheinbar nicht, es wird schnell ruhig.

250 SEK
Tag 20

E45 Polcirkel, bei Jokkmokk, Schweden

E45

Arctic Camp, Jokkmokk, Schweden

NOTUDDEN 1, 962 31 Jokkmokk, Sweden
30.12.2019

Die Nacht hat es uns bei heftigem eisigen Wind ordentlich durchgepustet. Abends Regen, später Schnee stehen wir bei fast frühlingshaften -1° auf. Die Sonne zeigt uns wieder dass sie hinterm Horizont da ist, die Farben am Himmel sind ein einziges Schauspiel und es ist wieder genau dieses Licht, was tief berührt.

Wir starten gegen Mittag und unterwegs zeigt sie sich auch das erste Mal wieder kurz am Horizont.

Ich kann mich an Winterlandschaft und Himmel nicht sattsehen. Die Rentiere begleiten uns auch auf dieser Etappe und wie wir ja jetzt wissen, haben schwarze Warn- Mülltüten eine entschleunigende Wirkung.

Unsere Tagesetappe hat heut gemütliche 100 km. In Jokkmokk kaufen wir Fisch und Rentierfleisch, tiefgefroren, das Gefrierfach ist ja inzwischen leer. Beim kallrökt Renstek (kaltgeräucherter Rentierschinken) können wir auch nicht vorbei und auch der warmrökt wandert diesmal in den Einkaufskorb.
An den Blodpudding trauen wir uns (noch) nicht ran, soll laut Google aber eine Art Blutwurst sein.

Ein paar km südlich von Jokkmokk überqueren wir kurz den Polarkreis, zum übernachten ist der Platz im Winter aber weniger idyllisch, da nur der Weg direkt an der Straße vom Schnee befreit ist und die Stromsäulen auch noch abgeklebt.

Dann lieber auf den Campingplatz nach Jokkmokk zurück, so dass wir morgen den Polarkreis nochmals überqueren können.

Mit uns steht weit hinten noch ein Pickup mit Aufsetzkabine, ansonsten haben wir den Platz für uns allein. Die Sauna läuft und sitze ich ein paar Minuten später schwitzend mutterseelenallein im Sani-Saunahaus. Macht dann so ganz alleine aber irgendwie auch keinen Spaß.

Später kommen noch ein Wohnmobil und ein Caravangespann mit denen wir ins Gespräch kommen. Der eine macht Winterurlaub mit den Kindern und der Caravaner will bis ganz hoch zum Nordkap. Sie haben viel Zeit und sind froh dass Schranke offen ist und ein paar Stromsäulen laufen. Die Rezeption ist seit 16 Uhr nicht mehr besetzt.

Ich frage die Plätze die in Frage kämen, 2-3 Tage vorher per Mail an ob geöffnet oder nicht. Auf das was in Apps und Katalogen bzgl. Öffnungszeiten steht, sollte man sich nicht verlassen. Wir stehen auf dieser Reise auch relativ wenig frei. Viele idyllische Plätze sind wegen dem Schnee nicht erreichbar und der vorhandene Stromanschluss erspart uns das dauernde Gasflaschen tauschen. Ist kostentechnisch nicht geprüft, aber es ist einfach bequem. Dazu kommt dass die Plätze so leer sind, dass man Platz und Sanihaus oft für sich allein hat. Und wir haben die Feuchtigkeit vom Duschen nicht in der Hütte. Es hat sich für diese Reise so bewährt.

Jetzt nach Weihnachten und weiter südlich sind auch wieder mehr Camper unterwegs, alle Typen. Vom VW-Bus mit Aufstelldach in Kiruna bei -14°, Kastenwägen, Aufsetzkabine, Teil- und Vollintegrierte, Alkoven, mit und ohne Doppelboden. Es geht alles, ist wohl nur eine Frage des Komforts.

270 SEK
Tag 21

Camp Gielas. Arvidsjaur, Schweden

Järnvägsgatan 111, 93334, Arvidsjaur, Schweden
31.12.2019

Das Aufstehen hat sich inzwischen zwischen halb und um 8 eingependelt. Wir lassen es wieder ganz gemütlich angehen.

Die Caravaner, die gestern Abend so froh waren Strom zu haben, haben 8 Gasflaschen an Bord. Vier oder fünf haben sie hier in Schweden gekauft. Nur leider keinen passenden Adapter bekommen. Die Dach-Klimaanlage die sie an Bord haben, heizt zwar auch, aber bei -12° nicht ausreichend und schon gar nicht gemütlich warm. Jetzt wissen wir aber auch, warum sie über den Strom so glücklich waren. Im Baumarkt hat er heut früh auch keinen passenden Adapter bekommen und ab heut Nachmittag ist alles zu.
Wir denken kurz nach und überprüfen unsere für alle Eventualitäten mitgebrachten Adapter. Und siehe da, der benötigte ist dabei und wir können ihnen helfen. Überglücklich bedanken sie sich.

Wir finden auf dem Platz ein Bodenablass und erledigen die Camperaufgaben. Als wir starten ist es halb 12.

Wir setzen heut nur in das 160 km entfernte Arvidsjaur um, bekannt durch die Winterautotestcenter. Aber jetzt zwischen den Jahren passiert nix, der örtliche Flughafen, der im Sommer wohl vollkommen verwaist ist, hat erst ab Mitte Januar Hochbetrieb.

Unterwegs überqueren wir nun zum letzten Mal den Polarkreis, halten nochmals für das obligatorische Foto an, aber sonst ist hier im Gegensatz zur E6 in Norwegen und zum Polarkreis in Rovaniemi nix, also gar nix außer das Schild.
Die Rentiere sind noch zahlreich und erst kurz vor Arvidsjaur nimmt man keine Mülltüten und kaum noch Spuren wahr.

Der Himmel verwöhnt uns mit Regenbogenfarben in sich immer wieder verändernden „Himmelslöchern“. Ein für uns neues Schauspiel an dem man sich genauso nicht sattsehen kann.

In Arvidsjaur landen wir auf Camp Gielas, wo tatsächlich mal ein wenig mehr los ist. Die Camper hier haben zahlreich ihre Snowmobile dabei und haben Spaß bei ihrer Runde, so wie wir im Sommer mit dem Motorrad.
Oft steigen sie im Winter komplett vom PKW auf das Snowmobil um, oder sie haben es auf dem Hänger, die dann irgendwo am Straßenrand stehen, wenn sie ihre Runden drehen.

Ich leg mich im vier zum Mittagsschlaf, hab irgendwie das Gefühl, das mich eine Erkältung beschleichen könnte und genieße meine warme Falle.

Wir lassen es uns später bei Rouladen, Kartoffeln und Rotkohl gut gehen und wechseln dann zum Glühwein.
Wir telefonieren mit unseren Lieben und etwa ne Stunde später lieg ich dick angemummelt mit Schüttelfrost im Bett. Super 😣
Und da es keinen Spaß macht mit sich selbst anzustoßen, kommt mein Liebster gleich mit.

Allen einen guten Rutsch und viel Spaß!


Tag 22

Kolgårdens Stugby & Camping, Vilhelmina, Schweden

Lovliden 16, 912 92 Vilhelmina, Schweden
01.01.2020

Der gestrige Schüttelfrost hat sich jetzt in Glieder-Kopf-und Halsschmerzen verwandelt und ich fühle mich wie Matsch. Wir überlegen noch eine Nacht hier zu bleiben, starten dann aber doch. Ich verschlafe fast die ganze Strecke. Nur die Rentier- Bremsmanöver schrecken mich hoch.
Die Strecke ist heut ne ziemliche Rumpelpiste, irgendwas scheppert auch wieder im Kühlschrank, aber aufgrund meines angeschlagenen Gesundheitszustandes muss ich heut nicht auf Suche gehen. Danke.

Der Schnee wird je weiter südlich wir kommen weniger und es hat 6° plus. Der Campingplatz hier eine große Eisfläche, es hat geschneit, getaut, gefroren, geregnet. Wir überlegen ob wir den kleinen Abhang bis zum Seeufer runter fahren, bzw. ob wir da morgen wieder hochkommen. Erst lassen wir es, aber als wir hören das Cheffe zur Not einen Traktor hat, stehen wir direkt am Wasser bzw. dem zugefrorenen See und schauen den Snowmobilen zu, die da draußen ihren Spaß haben.

Mich friert‘s heftig, obwohl die Anzeige hier drin 22° hat und ich sehe ein, es hilft nur das Bett.

Kurze Zeit später kommt Cheffe, kassiert mit Lesegerät direkt am Wohnmobil. Die Männer stoßen noch auf ein Gläschen an, ich höre weit entfernt noch was von den „Moose“ (Elchen) die hier auf dem See in der Dämmerung unterwegs sind - und bin eingeschlafen.

280 SEK
Tag 23

Östersunds Camping, Östersund, Schweden

Krondikesvägen 95c, 83182, Östersund, Schweden
02.01.2020

Heute keine „Moose“ auf dem See zu sehen.

Wir haben es von unserem momentanen Wassergrundstück rückwärts ohne den versprochenen Bulldog des Chefs wieder hoch geschafft. Etwas schwierig, aber wir sind oben. Nun noch ein wenig Anlauf um auf die Straße zu kommen, und dann sind wir wieder Richtung Süden unterwegs.

Eine noch üblere Rumpelpiste als gestern erwartet uns auf den ersten 80-90 km. Es hat Plusgrade und teilweise sind die Eisplatten auf der Straße weg, teilweise nicht. Teilweise ist gestreut, teilweise nicht. Erst nach Strömsund ist das Eis fast gänzlich von der Straße. Aber eben nur von der Hauptstraße. Sämtliche Nebenstraßen, Parkplätze und Gehwege sind schlittschuhtauglich.

In Östersund halten wir am Tvättautomat, eine Waschanlage, die auch Waschplätze für Fahrzeuge bis 3.40m Höhe hat. Nur der Automat möchte die schwedischen Coins nicht, die sich später eh als norwegische entlarven. In Schweden möchte man Bargeld ja am liebsten loswerden und so ist es auch hier. Es geht nur Karte mit der man dann eine Waschkarte bekommt. Ein netter Schwede hilft uns bei der Übersetzung und Bedienung. Das WoMo haben wir gründlich für 45 SEK (ca. 4,30€!) gewaschen, jetzt besitzen wir eine schwedische Waschkarte im Wert von 55 SEK. Zurückbuchen geht natürlich nicht. An diesem Platz auch eine Hundewaschanlage mit Becken und Dusche, die nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Ob auch Shampoo kommt haben wir nicht getestet.

Wir checken auf dem Campingplatz im Süden der Stadt für 2 Tage ein und parken mit dem Fahrzeug so, dass die Tür dahin öffnet, wo gestreut ist. Alle anderen Gründe in welche Richtung und ob rechts oder links am Stellplatz sind hier absolut hinfällig.

Die Stadtbesichtigung und der Besuch des Woolpower-Outlets wird morgen wohl teilweise mit Spikes an den Schuhen erfolgen.


Tag 24

Östersunds Camping, Östersund, Schweden

Krondikesvägen 95c, 83182, Östersund, Schweden
03.01.2020

Mir geht es wieder besser und so nehmen wir gegen halb 12 den Bus ins Zentrum.
In Bus bezahlen schwedenüblich nur mit Karte. Wir haben bisher nicht eine Krone Bargeld gebraucht und waren froh die 500 SEK die wir noch hatten hier am Campingplatz loszuwerden.

Uns erwartet ein nettes Örtchen mit einer gemütlichen Fußgängerzone, wandern ein wenig an dem See Storsjön entlang, der vereist und fast verwaist da liegt. Jeder Schritt will wohlüberlegt sein, es ist zwar viel gestreut worden, aber es ist immer wieder auch spiegelglatt.
Es ist ruhig in der Stadt und man spürt das hier die Weihnachtsferien noch nicht vorbei sind. Wir schauen überall ein wenig und sind später wieder mit dem Bus zum Woolpower- Fabrikverkauf unterwegs. Für alles was ich probiere sind meine Arme leider zu kurz. Scheint nicht meine Marke zu werden. Der WoMo Chef wird aber fündig und durch die 2. Wahl mit kleinen Fehlern ist der Preis vollkommen in Ordnung.

Im Woolpower-Outlet ist eine Ecke mit Gränsfors-Äxten behangen, von derer Marke wir ein Exemplar immer an Bord haben. Eigentlich war auch ein Besuch in der Schmiede Gränsfors Bruk geplant, da dort aber bis 07.Januar Betriebsferien sind, werden wir uns diesen leichten Umweg sparen.

Auch die Busfahrer kämpfen mit dem Glatteis, es waren nur cm die den Aufprall verhindert haben, aber wir kommen wieder heil an der Campingplatz- Haltestelle an. Bevor wir zum Wohnmobil einschwenken starten wir dem Supermarkt ein paar m entfernt noch einen Besuch ab und decken uns für die nächsten 2-3
Tage mit frischem ein. An der Fleischtheke inspizieren wir ein Stück Fleisch, ich übersetze großzügig Rentierinnereien, scheinbar geräuchert. Wir fragen nach und liegen richtig. Auf die Frage ob wir kosten wollen, hört die Verkäuferin von uns beiden gleichzeitig Nej Nej und schmunzelnd verabschieden wir uns von ihr. Wir bekommen das gleiche Schmunzeln zurück.

Als wir gegen 16 Uhr zurück sind, sind wir irgendwie geschafft, also heißt es nach Kaffee und Kuchen - Mittagsschlaf.
Tag 25

Stellplatz Hafen, Nusnäs, Schweden

Båthusvägen 13–19
04.01.2020

Wir machen wieder keinen Stress zum frühen Morgen, sitzen gegen 8 beim Kaffee, frühstücken gegen halb 10, starten gegen 11, nicht ohne vorher über die fahrerseitigen Hübstützen, die im Eis stehen, warmes Wasser zu kippen.
Wir überlegen noch ob wir die reichlich 300 km bis Mora in einem Rutsch fahren oder auf halber Strecke nochmals zwischenübernachten.

Die Strassen sind eisfrei und bis auf ein paar km auch in relativ gutem Zustand. Also bis zum Siljansee.

12 km nach Östersund Zwischenstop an der Fiskebutik. Unumgänglich und für die Stimmung der WoMo-Bestatzung sehr positiv 😉
Wir haben nach etwa einer Stunde ein komplettes Eisfischsortiment an Bord, Eisangeln, Eis-Schöpfkelle, Eisbohrer, Fuß- und Handwärmer und nette orangene Glubberfische. Zum Glück keine echten, aber die Würmer die es dazu gab sind echt und jetzt im Kühlschrank.
Nur das wir in falsche Richtung unterwegs sind. Das Eis wird immer dünner und der Schnee weniger. Nicht so schlimm, wir kommen in einem der nächsten Winter zurück. Definitiv.
Wir unterhalten uns dort noch ziemlich lange und nett, werden nach dem woher und wohin gefragt und neugierig gespannt hört uns der Ladenbesitzer zu. Er schimpft über das Wetter und kann sich nicht erinnern, wann es im Januar mal so warm war. Trondheim muss die Tage 19° plus gehabt gaben. Normalerweise hat es um die Zeit 10-15° minus und alles ist tief verschneit und die Seen zugefroren. Dann stehen am Samstag so wie heut mindestens 3 Snowmobile vor der Tür und die Leute kaufen bei ihm ein. Heut sind wir wohl die ersten und er macht sich scheinbar ernsthaft Gedanken um seinen Umsatz.

Als wir kurz vorm Siljansee den Berg runterrollen ist der Schnee Vergangenheit und Eis auf den Seen Geschichte.

Wir wollen noch zum MoraKniv Outlet, haben aber irgendwie kein Gefühl mehr für Wochentag und Zeit. Wir kommen halb vier in Nusnäs an, es ist Samstag, seit 14 Uhr stengt, morgen stengt, Montag da in Schweden Feiertag stengt (geschlossen). Auch in Mora der Concept Store öffnet erst wieder am Dienstag um 10. Also keine Messer. So spart man Geld.

An dem kleinen Hafen in Nusnäs kann man idyllisch mit dem WoMo stehen, direkt am See und als wir ankommen mit einem Sonnenuntergang der Extraklasse. Wir stehen allein hier, haben allerdings bei 0° ne ziemlich eisige steife Brise, die später am Abend nachlässt.

0 €
Tag 26

Kristinehamns Gästhamn, Kristinehamn, Schweden

Hamnvägen 8, 68130, Kristinehamn, Schweden
05.01.2020

Es hat leichte Minusgrade, ist windstill und die Sonne geht auf, die wieder Lichtspiele an den Himmel zaubert.

Da uns der Schnee verlassen hat, kommen heut die Spikes raus. Auf der Vorderachse geht das ziemlich gut, die Hinterachse lasst die kleinen Titandinger nicht so gern raus. Die sitzen inzwischen ziemlich tief und dazu kommt auch der Schmutz am Reifen, der das Greifen mit dem Spezialwerkzeug schwierig macht. Aber sie sind irgendwann alle draußen und wir haben auch keinen verloren.

Als wir starten frischt der Wind wieder richtig auf. Unterwegs fängt es an zu schneien und es ist Urlauber- Rückreiseverkehr aus den Schneegebieten im Norden. Dementsprechend langsam kommen wir voran und landen erst nach 17 Uhr in Kristinehamn. Wir steuern den dortigen Stellplatz am Hafen an und werden von Tommy hier freundlich auf Deutsch begrüßt. Der Schnee ist in Regen übergegangen und so machen wir es uns erstmal in unserer Hütte bequem.

230 SEK
Tag 27

Schleuse Sjötorp

Stenbordsvägen, 54286, Mariestad, Schweden
06.01.2020

Gästhamnen Mariestad

Hamngatan, 54286, Mariestad, Schweden
06.01.2020

Es ist wieder acht durch ehe hier jemand aus dem Bett krabbelt. Regen und Wind haben sich verabschiedet und bei 4° sieht es sogar recht freundlich aus.
Wir starten dem in der Nähe liegenden Coop noch vor dem Frühstück einen ausgiebigen Besuch ab. Erst wollten wir noch eine Nacht hier bleiben, aber bis wir mit allem fertig sind, hat sich ein unangenehmer Nieselregen breit gemacht, der unseren geplanten Spaziergang hinfällig werden lässt. Wir starten gegen zwei.

In Sjötorp am Göta Kanal stoppen wir. Wir kennen die Schleusen von früheren Besuchen. Im Winter wird aber nicht geschleust, das Kanalmuseum ist geschlossen, sämtliche Gaststätten ringsum auch und so ist hier nix los außer viel Parkplatz und Ruhe.

In Mariestad kommen wir auf dem Stellplatz - im Winter eher Parkplatz - am Hafen zum Stop. Wir stehen auf dem riesigen Platz bis auf ein paar abgestellte Boote allein.

Unser Smartphonekalender erinnert uns - Hochzeitstag. Mal schauen ob wir hier ein nettes Lokal zum Abendessen finden.


0 SEK ( Parkplatz im Winter)
Tag 28

Hafsten Resort

Hafsten 120, 45196, Uddevalla, Schweden
07.01.2020

Es geht langsam nach Hause und ich bin Punkt 6 wach? Na gut, ich stehe auf. Beim Blick aus dem Mobi begrüßen mich 2 (Oster-) Hasen. Die spielen und hopsen und sagen mir wohl - siehst - gut das du schon wach bist.

Wir kommen langsam zum Ende unserer Reise und fangen an, die Tage Revue passieren zu lassen.

Wir sind tiefenentspannt und total ausgeschlafen, wie wohl seit Jahren nicht mehr. Wie wir wieder in den Normaltrott reinkommen sollen, ist mir momentan noch ein Rätsel.

Wir hatten ein riesen Glück mit dem Wetter. Im Norden tiefster herrlicher Winter, Schnee wie er weißer nicht sein kann, klarer Himmel und keine Extremtemperaturen unter 30° minus. In der Mitte viel Glatteis und ein unnormaler Winter wie ihn einheimische seit Jahren nicht hatten. Im Süden fast frühlingshaftes Wetter.

Wir haben gelernt, das die Polarnacht nicht komplett dunkel ist und uns Lichtspiele am Himmel beschert hat, wie sie nicht schöner sein können.
Wir konnten auf unserer Reise gleich fünfmal die Aurora Borealis verzaubert genießen. Bilder die sich tief auf der Festplatte eingebrannt haben. Beim ersten Mal in Ivalo am intensivsten, grün mit roten und weißen Rändern. Der ganze Himmel über uns tanzte, bewegte sich wie eine Fee die einen Schleier über einen wirft. Irre - bezaubernd - faszinierend - mystisch - bis die Fee sagt, so jetzt ist genug, du bist doch schon total durchgefroren.
Am Nordkap einen klaren Sternenhimmel zu erwischen ist schon ein riesen Glück und dann auch da Nordlichter zu haben - Wahnsinn.

Die tiefste Temperatur die wir hatten, war -29°C. Das ist kalt, richtig kalt. Beim Tanken sind da Handschuhe Pflicht! Wie mag sich -40° anfühlen, die wir durchaus auch hätten haben können.
Die Seitenfenster des Ducato frieren bei unter -25° langsam zu und die Kupplung wird sehr schwergängig. Sonst hat die Technik prima seinen Dienst verrichtet.
Spikes sind unserer Meinung unabdingbar, die Außenthermomatte hätte für diese Reise gereicht.
Der Schneeschieber war öfter in Verwendung und der Metallfusstritt ist super hilfreich beim Abklopfen der Stiefel, die auch immer noch abgekehrt wurden, um so wenig Feuchtigkeit wie möglich reinzuschleppen.
Mit der Feuchtigkeit war es kein überhaupt Problem, allerdings haben wir im WoMo auch wenig gekocht und geduscht und gerne die Annehmlichkeiten eines Campingplatzes in Anspruch genommen. Man kann sich einfach länger unter der Dusche oder der Sauna aufwärmen, wenn man tief durchgefroren ist. Man kann Küche und Aufenthaltsraum nutzen. Man hat Strom. In unserem Fall hat uns das den 2-3 tägigen Gasflaschentausch erspart, da wir mit Strom heizen können.
Wir haben in Finnland am ersten Tag eine Kompositflasche gekauft - hatten zum Glück auch den richtigen Adapter besorgt - und diese Flasche bisher einmal in Norwegen getauscht. Noch zeigt die DuoControl grün.
Die Webasto Hydronic Standheizung hat sich beim Vorheizen des Motors super bewährt und die Hubstützen sind ein riesen Komfortgewinn - zum Ein- und Ausschrauben der Spikes und der doch beschränkten Auswahl der Stellplätze. Ausgleichskeile sind für eine solche Reise nix, die sind irgendwann festgefroren oder kaputt. Die Plätze sind oft vereist und nicht immer geschoben.

Wir wollten eigentlich heut nochmal direkt an die See, eventuell Stellplatz Marstrand. Da es aber die Nacht Windspitzen von 8-9 Bft geben soll, bleiben wir etwas weiter innen am Fjord und haben einen schönen Campingplatz ausgemacht. Wir stehen super windgeschützt und trotzdem mit Blick aufs Meer. Ein würdiges Platzerl für das Ende unserer Reise.

270 SEK
Tag 29

Stena Line Germany Terminal, Elof Lindälvs gata, Gothenburg, Schweden

Elof Lindälvs gata 11, 414 55 Göteborg, Schweden
08.01.2020

Um 7:30 Uhr 9° plus. Die Nacht zog der stürmische Wind vom Skagerak her über die Küste. Aber das nette Mädel an der Rezeption hat uns gestern schon einen windgeschützten Platz ausgesucht, auf dem wir trotzdem Fjordblick haben. Hat sie gut gemacht.
Wir schauen seit langem mal wieder Alpenpanorama und stimmen uns auf zu Hause ein.

Klamotten sind irgendwie viel zu viel an Bord.
An Schuhen sinnvoll sind geschlossene Gartencrogs, Turnschuh, Crogs oder Badelatschen zum duschen und 2 Paar Stiefeln - normal kalt und extrem kalt. Die Spikes dazu haben wir zwar nicht benutzt, sollten aber bei solchen Reisen an an Bord sein. Wir hatten die Skianzüge mit und zusätzlich Daunenjacke, Daunenweste und winddichte atmungsaktive Regenjacke noch drüber. Thermo- oder wind/wasserabweisende Hose und Unterwäsche in 2-3 verschiedenen Wärmelevel, dicke (Strick-) Socken, verschiedene Mützen, Handschuh, Halswärmer. Als Midlayer Fleecejacken oder Pulli. Hilfreich sind auch Fuß- und Handwärmer.

Unabdingbar Taschen- und Stirnlampen und auch das Zusatzlicht am Auto ist ein großes Stück Sicherheit.

Wasser tanken ist auch im eisigen Norden kein Thema, WC Kassette entsorgen auch nicht. Schwierig wird es mit dem Ablassen des Abwassertanks über Rinne oder Gully, da diese fast immer zugefroren sind. Da hilft nur ein Abwassertaxi oder der Tip den wir bekamen, Schlauch und Ablassen in der Waschanlage. Eventuell wird man auch bei einem Busunternehmen fündig.

Die Leute sind allesamt nett, freundlich und hilfsbereit, egal ob in Finnland, Norwegen oder Schweden. Natürlich bestätigen Ausnahmen auch hier die Regel.
Es wird rücksichtsvoll und geduldig gefahren.
Die Straßenverhältnisse waren wechselnd, von schwarz, verschneit, vereist bis zu einer Mischung aus allem. Oft hat man festgefahrenen waschbrettartigen Schnee, was Geräusche im WoMo hervorruft, die man so vorher nicht kannte.
Wind ist ein Thema und auch beim Fahren nicht zu unterschätzen, sei es wegen Böen oder den Schneeverwehungen.

Wir sind gegen 14 Uhr überpünktlich am Tysklandsterminalen und außer ein paar LKW die ersten. Kurz nach 16 Uhr beginnt der Check in und wir sind etwa 1 h später auf dem Dampfer. Man zwängt uns in eine Lücke, so das ich aussteige und einweise. Dem Stena Einweiser traut Henry keinen cm über den Weg. Der ist irgendwie verstört wieso ich übernehme, nimmt es nach meiner etwas bestimmenden Antwort aber hin. Nach ein paar Mal hin und her stehen wir endlich unbeschadet und wir gehen keinen Meter von der Stelle, bis nicht alle Fahrzeuge um uns herum stehen.
Ich mache aus Erfahrung noch ein Foto von dem Aufgang und dem Deck wo wir stehen. Nicht das wir morgen früh wieder unser Fahrzeug suchen müssen. Gute Freunde von uns kennen die G‘schicht - 2 Frauen voll panisch 😂

Die Zimmerkarten haben wir am Check in erhalten so das wir zielgerichtet auf Deck 11 marschieren und kurze Zeit später bei Rotwein auf der Terrasse unserer Kabine sitzen. Wir stöbern später durch den Bordshop und da so wenig Gäste an Bord sind, dürfen die 20:30 Uhr Büffettbesucher eine Stunde eher kommen. Genau zu der ursprünglich geplanten Zeit bin ich voller Miesmuscheln, Lachs, Sill, und was es sonst noch so an Meeresartigem gibt. Das Fleisch kurz getestet und dann nochmal zu den Muscheln. Wir geben nach anderthalb Stunden auf.

Anfangs ziemlich schaukelnd wird die Fahrt ruhiger, je weiter wir in den Kategatt kommen und Dänemark uns Schutz gibt. Gute Nacht.

Unbekannt, Schweden

Schweden
Tag 30

Kiel, Deutschland

Schwedenkai 1, 24103 Kiel, Deutschland
09.01.2020

Wir sind gegen 6 wach und sitzen um 7 beim Frühstück, welches im Zimmerpreis inklusive ist.
Deutschland empfängt uns mit Regen, Nebel und tiefhängenden Wolken. Die Ufer der Kieler Förde sind kaum auszumachen.

Wir legen pünktlich um 09:15 Uhr am Schwedenkai in Kiel an und sind diesmal relativ schnell von der Fähre runter.
Wir halten uns in Richtung Lübeck und Berlin. Wir denken die A21/A24/A10/A9 Kombi ist gegenüber Elbtunnel in Hamburg/A7 und A3 die besser zu fahrende Alternative. Und wir kommen tatsächlich gut voran. Gegen 13:00 biegen wir auf die A10 den Berliner Ring ein.

A10 Berliner Ring

Berliner Ring

Neumarkt in der Oberpfalz, Amberger Straße

Amberger Straße
09.01.2020

Kurz vor 19 Uhr laufen wir zu Hause wieder ein und werden zuallererst von unserem Kater Paule begrüßt.
Eine phantastische Reise geht zu Ende, die eine der ganz Besonderen war.


Ende km Stand 14677 km
gesamt gefahren 6357 km

Maut in Norge

Da wir mit über 3,5 t unterwegs sind, haben wir uns im Vorfeld bei AutoPass registriert. Der Maut-Chip ist im Vergleich zur österreichischen GoBox winzig und man wird bei Verwendung dessen mit dem WoMo > 3,5t wie PKW eingestuft.

Wir sind 2 x die neue Haalogalandsbrua auf der E6 bei Narvik gefahren je 90,40 NOK und einmal die E6/E10 Leirvik 33,60 NOK.
Original Gebühr < 3,5 t sind 42 NOK für Leirvik und 113 NOK für die Brücke. LKW Tarif wäre 99 NOK für Leirvik und 280 NOK für die Brücke.

Auf der Rechnung werden noch 20% Rabatt von der Gebühr für < 3,5 t abgezogen. Warum weiß ich allerdings auch nicht so genau.
Heißt wir haben trotz unser 4,4 t den Tarif für PKW bzw. < 3,5t minus 20% gezahlt.

Ohne AutoPass- Registrierung hätten wir 659 NOK etwa 66 € bezahlt, tatsächlich bezahlt haben wir 214,40 NOK, ca. 21,50 €. Es lohnt sich also.

200 NOK kostet mit der ersten Abrechnung der Chip, welche man bei Rückgabe dessen zurück erstattet bekommt.

Bei einigen Fähren gibt es mit dem Chip oder auch tag genannt Rabatt.

Darüber hinaus hatten wir uns auch bei AutoPass for Ferje registriert. Man zahlt im Vorfeld bei unserer Gewichtsklasse 3600 NOK und erhält eine Karte, die dann zur Bezahlung auf der Fähre eingesetzt wird. Vorteil ist eine Preisreduktion um 50% bei ausgewählten Fähren, was am Beispiel der Fähre von Moskenes nach Bodø etwa 118 € weniger gewesen wäre.
Da wir aber die Lofoten wegen Schlechtwetters aus dem Programm genommen hatten, wurde die Karte zurück geschickt. Das Guthaben erhält man nach 30 Tagen zurück erstattet.

Wir hätten sie auch für weitere Reisen verwenden können, da da aber grad viel mit der Bezahlung auf Fähren im Umbruch ist, haben wir uns für die Retoure entschieden.