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Routen
Island Roadtrip 2026 - Reisetagebuch
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Gefahren Öffentlich

Island Roadtrip 2026 - Reisetagebuch

Feuer und Eis - Seele und Körper Eine Reise in meine Erdverbundenheit Diese Reise nach Island ist mehr als ein bloßes Abenteuer – sie ist eine tiefgehende Reise zu mir selbst. Unter der Überschrift Seele und Körper – Eine Reise in meine Erdverbundenheit lade ich mich ein, achtsam und offen zu sein für jedes Erlebnis, das mir diese wilde Insel schenkt. Island ist für mich ein Synonym für ungezähmte Natur, klare Elemente und archaische Kräfte, die tief in mir Resonanz finden. Ich möchte mich nicht nur als Reisender bewegen, sondern als suchender Geist – verbunden mit jedem Herzschlag der Erde, die unter meinen Füßen pulsiert. Wie schon in Norwegen werde ich ehrfürchtig stehen vor der Schönheit der Landschaft, mich vom Wind berühren lassen und die Weite atmen, die mich so lebendig macht. Ein besonderer Höhepunkt dieser Reise ist der 21. Juni – Litha. An diesem Tag erlebe ich nicht nur den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres, sondern auch ein Fest der Fülle, des Lichts und der Dankbarkeit für das Wachstum der Natur. Ich werde diesen Moment bewusst begehen: ein stilles Dankopfer an die Kraft des Lebens und ein ehrliches Empfinden der eigenen Verbundenheit mit allem, was lebt. Diese Reise ist ein Geschenk. Für mich. Für mein Herz. Für meine Seele. Und für den Körper, der all das wahrnimmt, fühlt und in die Tiefe gehen will. Möge sie mich lehren, was wirklich zählt, und mich näher bringen zu dem, was ich in mir und in der Welt als wahr erlebe.


Routeninfo
4372 Kilometer
47 Tage
24.05.2026 - 09.07.2026
269 Wegpunkte

Reisebericht

Der Wikinger auf Rädern in mir - Fernweh ruft ... ISLAND ruft !!!

Der Wind kommt aus dem Norden. Er riecht nach Salz, nach Regen, nach Ferne. Ein Wind, der einem sagt, dass man nicht bleiben sollte. Früher stachen Männer mit Drachenbooten in See. Sie folgten keinem Plan, nur dem Horizont. Heute sitze ich hinter einem Lenkrad, und mein Schiff aus Stahl heißt Fritz. Er knarzt manchmal im Seitenwind und sein Motor brummt wie ein alter Seebär. Aber er trägt mich zuverlässig nach Norden, dorthin, wo Land, Meer und Himmel noch nicht voneinander getrennt wirken.


Die Straßen werden leerer, die Orte kleiner, die Gedanken weiter. Mit jedem Kilometer fällt etwas von mir ab – Lärm, Erwartungen, Gewohnheiten. Das Leben, das immer so wichtig schien, wird im Rückspiegel kleiner.


Der Norden verlangt nicht viel. Er fragt nicht, wer du bist, was du erreicht hast
oder wohin du noch willst. Er gibt dir Wind, Regen und Stille. Und er wartet ab, was davon in dir übrig bleibt.


Island liegt irgendwo vor mir, jenseits von Wasser und Zeit. Eine Insel aus Feuer und Eis, auf der Menschen schon immer gelernt haben, mit wenig auszukommen. Vielleicht fahre ich dorthin, weil ich wissen will, wie viel Mensch übrig bleibt, wenn alles Überflüssige verschwindet.


Fritz rollt weiter, ruhig und unbeirrt, als wüsste er längst, dass wir beide nicht einfach nur reisen. Wir folgen einem Ruf, den man nicht erklären kann. Ein alter Ruf aus dem Norden.


YouTube - Reisevideos - Playlist

https://www.youtube.com/playlist?list=PLD3KxOtxoJUFxHP3niP7I2FCv_Puru3rJ


Hirtshals
Region Nordjütland, Dänemark

Die Fährfahrt

Da ich sehr früh beim Check-In war lief alles unproblematisch. Über mein Kennzeichen wurden meine Daten erfasst. Ich bekam Fahrkarte und Kabinenschlüssel. Wurde in die Reihe eingewiesen und das Boarding konnte beginnen. Viele Camper und Offroader standen in der Reihe. Auch Claudi Datscher von der Tankstelle in Hirtshals.


Dafür das ich der "Kleine" unter den Großen Campern bin wurde mir auch gleich ein Parkplatz direkt an der Auffahrt zur zweiten Ebene zugewiesen. Super zu merkender Stellplatz. Direkt an der Tür. Perfekt. Habe hier auch einen tollen CamperVan (Offroader) mit dem Namen RAGNAR gesehen. 


Ein Holländer sah mich beim Aussteigen aus dem Fritz und sprach mich auf Englisch an. Als er merkte ich komme aus Deutschland sagte er zu mir : "TOP. Sehr Stimmig. Du und dein Auto". Er meinte wohl das Aussehen. Tja, Fritz und ich wir passen gut zueinander.


Die Fährfahrt war wie jede andere auch. Sehr viele Deutsche auf der Norröna. Mit einigen bin ich ins lapidare Gespräch gekommen. Ich genoss aber lieber die Ruhe und das Summen der Motoren.


Als wir die Farör-Inseln mit einem Zwischenstop anliefen konnte ich kurz von Bord und habe mir Thorshavn angeschaut.

Nachdem wir die Shetland-Inseln passiert hatten kamen wir in den Nordatlantik. Ab da wurde der Seegang sehr heftig. Viele auf dem Schiff hatten sich Pflaster hinter die Ohren geklebt.


Als wir in den Fjord auf Island einfuhren wechselte das Wetter von hohem Wellengang in starken Westwinden. Der Wind peitschte kräftig.


Tag 1
27.05.2026 Ankommen und Puffins
27. May. 2026 - 27. May. 2026
Tag 01 Seydisfjordur-Álfaborg Campsite - Borgarfjörður eystra

km-Stand : 53.928   gef. Strecke : 102 km 

Standort Morgens : Fähre Seydisfjördur

Standort Abends : Álfaborg Campsite   GPS : 65.5240, -13.8086


Hafnarhólmi - Papagaientaucherhügel
65.54343298567166, -13.7639839028026

Hier kann man den süßen kleinen Puffins sehr nahe kommen. Mittels einer Holztreppe kann man auf den Brutfelsen steigen und so mitten in der Kolonie sein. Phantastische Blicke auf das Treiben genießen. Vom Graben der Bruthöhlen, Fliegen, Rückkehr mit kl Fischchen im Schnabel, Herumgehopse und den schnarrenden Lauten lauschen. Es gibt auch noch eine kl Häuschen in dem man geschützt sitzen und beobachten kann. Am Parkplatz ist eine Zahlstation mit Kameras installiert wie auch an anderen Stellen in Island. Ich habe 1500 IK für meinen Camper bezahlt. Geht auch teurer. Dieser Spot ist ein eine klare Empfehlung von mir. Für´s Ankommen prima. In Blickweite auch ein toller Campground. 2200 IK pro Person.


Álfaborg - Stadt der Elfen
65.52243516399724, -13.807275256659423

Álfaborg (Stadt der verborgenen Leute oder auch Stadt der Elfen) ist ein ziemlich kleiner Hügel in Bakkagerði, einem Dorf in der Region Borgarfjörður eystri. Der Legende nach lebt hier die Elfenkönigin Borghildur, und der Ort gilt als Residenz des Elfen Adel. Schöne Aussicht auf den Fjord und dem Campground.


Álfaborg Campsite - Borgarfjörður eystra
65.5240342155496, -13.808644254255697

https://www.borgarfjordureystri.is/en/aboutborgarfjordur/accommodation/tjaldsvaedid-borgarfirdi-eystra-campsite


Short vom Fjord - Ankunft im Land der Götter

Heute bin ich mit der MS Norröna in Seyðisfjörður angekommen. Und schon die Überfahrt war mehr als nur eine Reise. Alles war dabei. Nieselregen. Sonnenschein. Starker Wind. Schwerer Seegang. Genau richtig. Kein Handy. Kein Internet. Und plötzlich bleibt nur noch das Wesentliche. Das Meer. Der Himmel. Der Wind. Und man selbst. Es tat gut. Dieses gezwungene Herunterkommen. Keine Ablenkung mehr. Keine Dauerbeschallung. Einfach Zeit.


Ich habe unterwegs einige nette Gespräche geführt. Nicht viele. Nicht oberflächlich. Sondern genau diese kurzen Begegnungen, die unterwegs entstehen und genauso schnell wieder verschwinden. Interessant. Echt. Manche davon habe ich später abends in Álfaborg tatsächlich wiedergetroffen.

Island verbindet irgendwie.


Die Zollpassage? Fast surreal einfach. Weiterfahren. 


Und dann… die ersten Kilometer durch Island. Strahlend blauer Himmel. Die Berge. Die Fjorde. Diese Weite. Es ist schwer zu beschreiben, was dabei passiert. Denn Island zeigt sich nicht einfach nur. Es wirkt. Die Landschaft hier ist größer als Gedanken. Größer als Sorgen. Und genau das macht etwas mit mir. Diese Reise ist mehr als ein Roadtrip. Ich merke das bereits am ersten Tag. Die Natur holt mich zurück. Zur Erde. Zu mir selbst. Hier draußen wird alles stiller. Klarer. Jeder Windstoß. Jeder Berg. Jeder Wasserfall. Scheint etwas in mir geradezurücken.


Die alten Götter fühlen sich hier nicht wie Geschichten an. Sondern wie etwas, das noch immer zwischen den Bergen lebt. Im Nebel. Im Meer. Im Stein. Als ich das erste Mal anhielt und über die Landschaft blickte, blieb mir nichts anderes übrig als niederzuknien. Nicht aus Inszenierung. Sondern aus Ehrfurcht. Ein stiller Dank. An die Erde. An die Götter. An diesen Moment. Danach ging es weiter.


Mit mehreren Fotostops. Wobei „Fotostop“ eigentlich falsch klingt. Denn ich halte nicht an, um Fotos zu machen. Ich halte an, weil mich diese Landschaft immer wieder zwingt stehenzubleiben. Und dann kamen die Puffins. Endlich. Und diesmal wirklich der Jackpot. Ein Hügel mitten an der Kolonie. So nah dran wie nie zuvor. Diese kleinen Wesen wirken gleichzeitig unbeholfen und vollkommen frei. Der Wind trägt sie mühelos über die Klippen. Unter ihnen das Meer. Über ihnen der Himmel. Ich stand einfach nur da. Kamera in der Hand. Und grinste wahrscheinlich wie ein kleines Kind. Perfekte Fotos. Ja.


Aber vor allem perfekte Momente. Heute war erst der Anfang.

Und trotzdem fühlt es sich an, als hätte Island bereits begonnen, mich zu verändern.


Tag 2
28.05.2026 Staubschnee, Odin und die rohe Kraft Islands
Tag 2 Alfaborg Campsite nach Ásbyrgi Campground

km-Stand : 54.168    gef. Strecke : 240 km

Standort Morgens : Alfaborg

Standort Abends :  Ásbyrgi campground   GPS : 66.0254, -16.4954


Lagarfossvirkjun - Wasserkraftwerk
65.50713574699478, -14.363806256800004

spannend zu sehen, wie das wasser in die tiefe rauscht. gut festhalten! Das ehemalige Wasserkraftwerk wurde durch ein Neues ersetzt. Die tosenden Wassermassen bleiben ein beeindruckendes Schauspiel.


Geirsstaðakirkja - Wikingerkirche
65.50432757624188, -14.519428077692034
Die Geirsstaðakirkja ist eine Nachbildung einer frühen Grassodenkirche im Osten von Island. Im Gebiet Hróarstunga wurden im Sommer 1997 archäologische Grabungen gemacht. Dabei fand man Ruinen eines großen Bauernhofes aus der Wikingerzeit.

Dettifoss West-Parkplatz
65.812746832744, -16.400670240082498

Der Dettifoss ['tεhtɪˌfɔsː]  (isl. „stürzender Wasserfall“) im Nordosten Islands ist einer der größten Wasserfälle Europas. Der Dettifoss kann auf der Westseite über eine neue Asphaltstraße (Route 862 – Dettifossvegur) erreicht werden. Diese zweigt von der N1 ab und ist 23,8 Kilometer lang. Am Ende befindet sich ein großer, kostenloser Parkplatz, der auch über WCs verfügt. Die 862 kann mit jedem Fahrzeug befahren werden. Das letzte Stück zum Wasserfall (ca. 1,5 Kilometer) muss über einen Wanderweg zu Fuß zurückgelegt werden. Auf der Ostseite führt die ältere Schotterstraße (Route 864 – Hólsfjallavegur) zum Dettifoss. Diese sollte nur mit Allradfahrzeugen befahren werden. Der Wasserfall liegt am Demantshringurinn (etwa diamantene Rundfahrt), einer bekannten Touristenroute um Húsavík und den See Mývatn in Nord-Island.


Ásbyrgi - Hufabdruck Sleipnirs
66.0178814855077, -16.505785476996863
Wanderwege mit spektakulärem Blick in einer Gletscherschlucht, die offenbar nach der letzten Eiszeit entstand.


Der Canyon Ásbyrgi gehört zu den mystischsten Orten Islands. Schon seine Form wirkt ungewöhnlich.

Fast perfekt hufeisenförmig. Und genau darum rankt sich eine alte nordische Sage. Der Legende nach ritt Odin, der Göttervater, einst mit seinem mächtigen Pferd Sleipnir über Island. Sleipnir war kein gewöhnliches Pferd. Er besaß acht Beine und galt als das schnellste und mächtigste Wesen der nordischen Mythologie. Mit ihm konnte Odin zwischen den Welten reisen – zwischen Midgard, der Welt der Menschen, und den Reichen der Götter. Als Sleipnir über den Norden Islands galoppierte, soll eines seiner Hufe kurz den Boden berührt haben. Nur ein einziger Schritt. Doch die Kraft dieses göttlichen Pferdes war so gewaltig, dass die Erde aufbrach. Und dort entstand Ásbyrgi. Die steilen Klippen des Canyons gelten in der Sage als die Ränder dieses gewaltigen Hufabdrucks. Die bewaldete Senke im Inneren wirkt bis heute wie ein geschützter Raum – fast entrückt von der übrigen Landschaft Islands. Wenn man dort steht, versteht man sofort, warum gerade hier solche Geschichten entstanden sind. Der Ort wirkt anders.

Still. Fast heilig. Nebel zieht oft langsam durch den Canyon. Die hohen Felswände schirmen Wind und Geräusche ab. Und plötzlich fühlt sich die Welt draußen sehr weit entfernt an. Für viele Isländer war Ásbyrgi deshalb nie nur ein geologischer Ort. Sondern ein Platz der verborgenen Wesen. Ein Ort der Elfen und verborgenen Kräfte. Und ehrlich? Wenn man alleine dort steht, zwischen den Felsen, dem Wind und der Stille… dann erscheint die Geschichte von Sleipnir plötzlich gar nicht mehr so unrealistisch.


Ásbyrgi campground
66.02599111508157, -16.496741713244347
Außerordentlich reizvoll gelegener Campingplatz im Canyoneingang mit riesigem Gelände. Sehr schöne, großzügige Sanitäranlagen am Eingang mit klasse Duschen und Trocknungsschrank

Short vom Fjord - Sleipnir lässt grüssen

Heute musste ich meine Route ändern. Für die kommenden Tage wurde Schneefall angekündigt und die geplante Hochlandstrecke ist ohnehin noch gesperrt. Also habe ich beschlossen, die große Hochlandfahrt ans Ende der Reise zu legen. Island entscheidet hier draußen mit. Und genau das gefällt mir.


Also ging es heute Richtung Norden. Zum Dettifoss und weiter nach Ásbyrgi – dem hufeisenförmigen Canyon, der laut alter Saga vom achtbeinigen Pferd Sleipnir geschaffen wurde. Dem Pferd Odins. Schon allein dieser Gedanke passt zu Island. Hier wirken die alten Geschichten nicht wie Märchen. Sondern wie Erinnerungen der Landschaft selbst. 


Unterwegs machte ich zuerst Halt an einem modernisierten Wasserkraftwerk. Das alte Kraftwerk lag trocken.nFast verlassen. Doch die Wassermassen daneben wirkten gewaltig. Ungezähmt. Dieses Donnern des Wassers begleitet einen hier überall. Es ist nicht einfach nur Natur. Es ist Kraft. Immer wieder traf ich unterwegs Deutsche. Viele Deutsche. An fast jedem Aussichtspunkt hörte man vertraute Stimmen. Und trotzdem fühlt sich Island nie voll an. Die Landschaft verschluckt die Menschen einfach.


Danach ging es weiter über die Gravel Road. Schotter. Wellblech. Staub. Und Fritz? Der macht einfach seinen Job. Mit etwa 50 km/h schwebte er regelrecht über die Querrillen. Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben. Man fährt nicht mehr gegen die Straße. Man beginnt mit ihr zu arbeiten. Die Landschaft wurde rauer. Karger.


Dann stand plötzlich eine kleine Grassodenkirche vor mir. Ein winziges Kirchlein. Still. Fast verloren in der Weite. Und endlich verstand ich das Wort „Kirkja“. Nicht nur als Übersetzung. Sondern als Gefühl.

Ein Schutzraum. Ein stiller Ort mitten in der Wildnis. 


Später erreichte ich den Dettifoss. Den mächtigsten Wasserfall Europas. Schon beim Aussteigen peitschte mir der Wind entgegen. Mit voller Wucht. Die Gischt flog waagerecht. Fotos zu machen war schwierig. Teilweise musste ich die Kamera schützen wie einen Schatz. Aber dieser Wasserfall… Er ist nicht schön im klassischen Sinn. Er ist brutal. Roh. Gewaltig. Das Wasser donnert in die Tiefe, als würde die Erde selbst aufbrechen. Und genau dort spürt man wieder diese Ehrfurcht. Diese Erkenntnis, wie klein man eigentlich ist. Auch hier traf ich wieder Menschen von der Fähre. Man beginnt langsam bekannte Gesichter wiederzusehen. Als würden sich unsere Wege immer wieder kreuzen.


Am Nachmittag entschloss ich mich, die Fahrt in Ásbyrgi zu beenden. Das Wetter wurde härter. Nieselschnee. Hier nennt man ihn Staubschnee. Und manchmal fällt er tatsächlich waagerecht. Getrieben vom Wind. Trotzdem hat dieser Ort etwas Friedliches. Der Canyon wirkt wie ein geschützter Raum mitten in der Wildnis. Fast mystisch. Vielleicht liegt es an der Saga. Vielleicht an der Form. Oder einfach an der Energie dieses Ortes. 


Ich sitze jetzt im Fritz. Draußen tanzt der Schnee durch die Luft. Der Wind zieht über die Ebene. Und trotzdem fühle ich mich ruhig. Geerdet. Diese Reise verändert etwas in mir. Nicht laut. Nicht plötzlich. Sondern langsam. Mit jedem Kilometer. Mit jedem Wasserfall. Mit jedem Sturm.


Morgen werde ich hier eine kleine Wanderung auf die Felseninsel machen. Und danach weiterfahren. Zum Arctic Henge. Ich bin gespannt, welche Geschichten Island dort für mich bereithält.


Tag 3
29.05.2026 Arctic Henge - Polarsonnenkreiswende
Tag 3 GravelRoad Kopasker Strönd

km-Stand : 54.168    gef. Strecke : 138

Standort Morgens : Asbyrgi Camp

Standort Abends : Kópasker strönd   GPS : 66.3815, -16.5081


heimskautsgerðið - arctic henge
66.4624769869376, -15.949341290799744

Heimskautsgerðið, auch bekannt als Arctic Henge, ist eines der faszinierendsten Wahrzeichen im weit nördlich gelegenen Festland von Island. Es wurde von Erlingur B. Thoroddsen errichtet und dient als Denkmal zur Feier der Sonne. Es ist kein Zufall, dass es nur wenige hundert Meter vom Polarkreis entfernt liegt. Das Design ist von der nordischen Mythologie inspiriert und hat auch einen praktischen Zweck – es soll Touristen in die Region locken.

Diese beeindruckende Struktur ist als riesiger Sonnenuhr konzipiert, die Sonnenlicht einfängt und Schatten auf bestimmte Stellen wirft, wodurch sie auf einzigartige Weise mit dem natürlichen Licht ihrer Umgebung interagiert.

Der Bau selbst besteht aus mehreren großen Steinbögen und soll mit den Himmeln harmonieren. Obwohl es noch im Bau ist, wird es nach seiner Fertigstellung ein zentrales Kristallprisma enthalten, das das Sonnenlicht in seine Grundfarben zerlegt, eine Sonnenuhr und einen Weg, der einen alten Kalender darstellt, der durch 72 Steine markiert ist, von denen jeder nach einem mythischen Zwerg aus der nordischen Legende benannt ist.

Arctic Henge ist bereits ein bedeutendes Wahrzeichen der Region und wird nach seiner Vollendung noch beeindruckender sein, da es sowohl als Touristenattraktion als auch als modernes Ehrenmal für alte Traditionen und himmlische Verbindungen dient.

Heimskautsgerðið befindet sich nur wenige Kilometer nördlich des Dorfes Raufarhöfn.


Kópasker strönd – Wo die Erde mit dem Meer spricht
66.38150477987934, -16.508290022371604

Freistehplatz : Wanderparkplatz für den Strand- und Küstenabschnitt.


An diesen stillen Küstenabschnitt. 

Und wieder einmal zeigte mir Island: Die schönsten Orte stehen nicht immer groß auf einer Karte. Manchmal findet man sie nur, wenn man bereit ist,

vom Plan abzuweichen. Fritz - mein Camper - steht oberhalb der Küste. Mein kleines Zuhause. Mein Schutzraum. Ich gehe hinunter. Alleine. Schon die ersten Schritte verändern etwas. Unter meinen Füßen: Schwarzer Kies. Kein Sand. Kein weicher Strand. Sondern Vulkan. Geschichte. Erde. Jeder Stein wurde geformt. Vom Feuer geboren. Vom Meer geschliffen. Von der Zeit verändert. Ich nehme einen davon in die Hand. Glatt. Kalt. Schwer. Ein kleines Stück Island. Für meine Frau. Ein Stück dieser Reise, das mit nach Hause darf. Vor mir öffnet sich die Küste. Das Felsentor steht dort. Wie ein Durchgang. Nicht gebaut. Nicht geschaffen von Menschenhand. Sondern von den Elementen. Wasser. Wind. Zeit. Ich gehe näher. Die Wellen rollen hindurch. Immer wieder. Seit Jahrhunderten. Ein Tor zwischen Welten. Hinter mir die Landschaft.

Vor mir der Nordatlantik. Und dazwischen: Ich. Die Basaltsäulen ragen aus dem Gestein. Gerade. Geordnet. Fast unwirklich. Als hätte jemand sie dort hingesetzt. Aber es war niemand. Nur die Kraft der Erde. Feuer, das einst flüssig war. Lava. Dann Abkühlung. Dann Stein. Ein Moment aus der Vergangenheit, eingefroren für die Ewigkeit. Über mir kreisen Seevögel. Ihre Rufe brechen die Stille. Und doch machen sie den Ort nicht lauter. Sie machen ihn lebendig. Keine Menschen. Keine Autos. Keine Ablenkung. Nur Island. Ich bleibe stehen. Und fühle wieder diese Erdung. Diese Verbindung, wegen der ich hier bin. 


Die Erde – der schwarze Vulkanstein in meiner Hand.

Das Wasser – der Atlantik, der niemals aufhört zu formen.
Die Luft – der kalte Wind, der alles Unwichtige mitnimmt.
Das Feuer – tief verborgen unter dieser Insel, Ursprung von allem.


Hier draußen brauche ich nichts. Kein Netz. Keine Nachrichten. Keine Geräusche der Welt. Nur diesen Augenblick. Vielleicht ist genau das Heilung. Nicht etwas Neues zu finden. Sondern alles Überflüssige zu verlieren. Ich schaue noch einmal durch das Felsentor hinaus aufs Meer. Atme. Danke. Den Göttern. Den Elementen. Diesem Land. Dann gehe ich zurück zu Fritz. Langsam. Denn manche Orte verlässt man nicht einfach. Man nimmt sie mit.


Short vom Fjord - Der Weg des Windes – allein mit Fritz ans Ende der Stille

Heute hat Island wieder entschieden.

Nicht ich. Eigentlich wollte ich morgens die Felseninsel Eyjan im Ásbyrgi bewandern. Noch einmal eintauchen in diesen mystischen Ort. In den Hufabdruck von Sleipnir. Doch der Weg war geschlossen. Absturzgefahr. Also änderte sich der Plan. Und ich merke immer mehr: Genau darin liegt die Magie dieser Reise. Nicht festhalten. Nicht erzwingen. Den Weg annehmen.


Der Straßenzustandsbericht zeigte mir: Die Straße 85 ist verschneit. Teilweise angefroren. Also führte mich Island auf einen anderen Weg. Die 870 Gravel Road. Und was zuerst wie eine Notlösung aussah… wurde ein Geschenk. 70 Kilometer Schotter. Wildnis. Einsamkeit.


Aus meinem Baltikum-Roadtrip wusste ich noch: Eine Wellblechpiste darf man nicht bekämpfen. Man muss ihren Rhythmus finden. Nicht zu langsam. Nicht verkrampft. Also fanden Fritz und ich unser Tempo. 50 bis 70 km/h. Und plötzlich… schwebten wir. Der Wagen wurde ruhig. Die Schläge verschwanden. Die Straße und wir hatten denselben Takt. Links das Wasser. Rechts die Weite. Eine unglaubliche Vogelwelt begleitete mich. Immer wieder hielt ich an. Nicht weil ich musste. Sondern weil Island mich anhielt. Keine Menschen. Kein Lärm. Nur Wind. Vögel. Meer. Und Fritz. Ein perfekter Moment der Freiheit.


Dann erreichte ich das Arctic Henge. Schon beim Aussteigen zeigte Island wieder sein anderes Gesicht. Der Wind pfiff mit eisigem Atem. Alles, was nicht geschützt war, wurde innerhalb kürzester Zeit kalt. Finger. Gesicht. Dieser Wind diskutiert nicht. Er herrscht. Ich machte meine Fotos. Schnell. Bewusst. Die Drohne blieb im Fritz. Keine Chance. Aber vielleicht passte genau das. Manchmal soll man einen Ort nicht aus der Luft sehen. Sondern ihn spüren. Mit beiden Füßen auf der Erde. Das Arctic Henge wirkte wie ein moderner Tempel. Ein Kreis zwischen Himmel und Erde. Ein Ort für Sonne, Jahreszeiten und die alten Geschichten. Wieder diese Verbindung. Zu dem, was vor uns war. Zu den Göttern. Zur Natur.


Die Straße 85 blieb kritisch. Also vertraute ich meinem Gefühl. Zurück über die 870. Noch einmal diese wilde Strecke. Noch einmal diese Einsamkeit. Eigentlich war ein Campingplatz in Húsavík geplant. Doch ich wollte heute nicht zwischen Häusern stehen. Ich wollte genau das, weswegen ich hier bin. Natur. Stille. Freiheit. Also entschied ich mich für Kópasker strönd. Alleine. Direkt an der Küste. Und es war die richtige Entscheidung.


Ich ging hinunter zum Strand. Eine geschützte Bucht. Schwarzer Kies. Basaltsäulen. Der Nordatlantik. Genau das Island, das ich gesucht habe. Ich hob ein paar kleine schwarze Steine auf. Für meine Frau. Ein Stück Island für Zuhause. Dann blieb ich einfach stehen. Über mir die Schreie der Seevögel. Vor mir das Meer. Unter mir die Erde. Niemand sonst. Nur ich. Und die Elemente. 


Die Erde – der schwarze Stein unter meinen Füßen.

Das Wasser – der kalte Atlantik vor mir.
Die Luft – der Wind, der alles reinigt.
Das Feuer – verborgen tief unter dieser Insel.


Hier draußen verstehe ich wieder etwas. Heilung kommt nicht immer durch Antworten. Manchmal kommt sie durch Stille. Durch einen Ort. Durch einen Moment, in dem man nichts mehr sucht. Heute war kein geplanter Tag. Aber vielleicht genau deshalb

ein perfekter. Fritz steht hinter mir. Mein Zuhause. Der Wind zieht weiter. Die Vögel rufen. Und ich bin dankbar. Den Göttern. Der Natur. Meiner Familie. Und diesem Weg.


Tag 4
30.05.2026 Husavik Port & Sea View - Fjördblick mit Walsichtung
Tag 4 Kopasker Strönd - Husavik Viewpoint Parking

km-Stand : 54.414     gef. Strecke : 108

Standort Morgens : Kopasker Strönd

Standort Abends :  Husavik Viewpoint Parking   GPS : 66.0622, -17.3440


Husavik Port - Whale Watchin
66.04309724498724, -17.332675978614667
Sehr touristischer Hafen. Das Mekka der Walbeobachtung in Island. Sehr laut.


Der erste Wikinger, der sich nachgewiesenermaßen längere Zeit auf Island aufhielt – der Schwede Garðar Svavarson –, überwinterte in Húsavik. Er benannte Island zunächst einmal nach sich, nämlich Garðarsholmur. Ein Denkmal bei der Húsavíker Schule erinnert an ihn.


Leider hatte ich das letzte Boot für diesen Tag verpasst. Die 170 € für eine Teilnahme somit gespart. Dafür gab es Fish & Chips. Sehr sehr lekker. Besser als in Schottland.



30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Husavik - Walmuseum
Das Walmuseum in Húsavík ist ein Museum. Es wurde 1997 mit dem Ziel gegründet, die Öffentlichkeit über Wale zu informieren. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Biologie und Bedrohung der in isländischen Gewässern vorkommenden Wale

30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Husavik Viewpoint Parking
66.06226527224248, -17.344032231150177

Freistehplatz. Eigentlich ein Viewpoint. Keine Verbotsschilder


Short vom Fjord - Der Wal, der nicht geplant war

Die Nacht am Kópasker Strönd war genau so, wie ich es mir erhofft hatte. Still. Tief. Unberührt. Kein  Verkehr. Keine Stimmen. Nur das Meer. Der Wind. Und Fritz.


Als ich am Morgen die Tür öffnete, hing feiner Nieselregen in der Luft. Der Himmel war grau. Aber nicht bedrückend. Eher typisch isländisch. Ich machte mir einen Kaffee. Schaute noch einmal hinaus auf die Bucht. Atmete tief durch. Dann starteten Fritz und ich erneut Richtung Westen. Über die vertraute 870. Zurück Richtung Ásbyrgi. Und weiter nach Húsavík.


Unterwegs hielt ich an zwei Aussichtspunkten. Am Viewpoint 85. Und am Öxarfjörður. Die Landschaft lag ruhig da. Der Nieselregen zog über die Fjorde. Der Wind bewegte das Gras. Nichts Spektakuläres. Und genau deshalb wunderschön. Es sind diese stillen Stunden auf der Straße, in denen ich merke, warum ich diese Reise mache. Nicht um möglichst viel zu sehen. Sondern um möglichst viel zu fühlen. 


Gegen Mittag erreichte ich Húsavík. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, heute auf Whale Safari zu gehen. Doch manchmal entscheidet das Leben anders. Ich hatte das letzte Schiff verpasst. Früher hätte mich das geärgert. Heute nicht mehr. Island lehrt Gelassenheit. Wenn etwas nicht klappt, kommt meistens etwas anderes. Und so war es auch heute. Statt auf ein Schiff zu steigen,

landete ich vor einem Teller Fish & Chips. Und ehrlich: Sie waren fantastisch. Knusprig. Frisch. Genau das Richtige nach einem Tag auf der Straße.


Danach besuchte ich das Húsavík Whale Museum. Zwischen den gewaltigen Skeletten der Wale wird einem bewusst, wie klein wir Menschen eigentlich sind. Diese Tiere durchqueren ganze Ozeane. Folgen uralten Wegen. Leben in einer Welt,

die wir nur an der Oberfläche kennen.

Ich verbrachte dort mehr Zeit als geplant. Und als ich später wieder hinausging, hatte ich das Meer plötzlich mit anderen Augen betrachtet.


Bevor ich mir einen Platz für die Nacht suchte, fuhr ich noch einmal zum Sea View Point oberhalb von Húsavík. Der Regen hatte nachgelassen. Der Fjord lag ruhig vor mir. Ich stand einfach da.

Schaute hinaus. Ohne Erwartungen. Und genau dann passierte es. Eine Bewegung. Weit draußen. Noch eine. Dann erschien kurz ein dunkler Rücken auf der Wasseroberfläche. Ein Wal. Kein Schiff. Keine Tour. Keine Menschenmenge. Nur ich. Und dieser Augenblick. Ich musste lachen. Den ganzen Tag wollte ich Wale sehen. Verpasste das Schiff. Änderte meine Pläne. Und am Ende schenkte mir Island die Begegnung trotzdem. Einfach so. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Lektion dieser Reise. Nicht alles kontrollieren zu wollen. Den Dingen Raum zu geben. Den Göttern. Der Natur. Dem Leben. Ich blieb noch lange dort stehen. Der Wind strich über die Bucht. Die Möwen zogen ihre Kreise. Und irgendwann wusste ich: Heute fahre ich nicht weiter. Also blieb ich. Freistehen mit Blick auf den Fjord. Fritz stand ruhig auf seinem Platz. Mein Zuhause. Mein Begleiter. Die Nacht zog langsam herauf. Und ich saß noch lange draußen. Dankbar. Für den Regen. Für die Straße. Für den Wal. Und für die Erkenntnis, dass die schönsten Begegnungen oft genau dann passieren, wenn man aufgehört hat, sie erzwingen zu wollen.


Tag 5
31.05.2026 Myvatn Geothermie & Vulkane - Wo die Erde atmet
31. May. 2026 - 31. May. 2026
Tag 5 Husavik nach Myvatn

km-Stand : 54510   gef. Strecke : 96

Standort Morgens : Husavik

Standort Abends : Vogar bei Myvatn   GPS : 65.6237, -16.9186


Námafjall Hverir Viewpoint
65.64111458382672, -16.807957841483287

Ein tolles Geothermiegebiet bei Myvatn. Sehr zu empfehlen. Achtung Schuhwerk wird beansprucht. 



Krafla - Vulkan - Kalderasee
65.71713587340949, -16.754414957294625
Bei der Krafla handelt es sich um ein Vulkansystem von ca. 100 km Länge im Norden Islands. Der gleichnamige Zentralvulkan von 818 m Höhe beherrscht mit zahlreichen Kratern die Mývatn-Region.

Hot Spring Shower
65.67994720798782, -16.774323141218222

Nun, die Krafla-Geothermie-Dusche ist sicherlich nicht das, was du von zu Hause gewohnt bist. Diese Dusche ist völlig im Freien, ohne Wände, Fenster oder Vorhänge. Hast du Lust auf eine Dusche? Bist du gerade auf der Durchreise? Dann schau vorbei! Und keine Sorge, das Wasser ist warm.

Du findest diese Freiluft-Geothermie-Dusche direkt neben der Straße, die zum Krafla-Geothermalgebiet führt, östlich des Sees Mývatn.


Grjótagjá - Schauplatz von Games of Thrones
65.62619223295854, -16.88249339058251
Grjotagja ist eine kleine Lavahöhle mit einer sprudelnden geothermischen Quelle unter zerklüftetem Vulkangestein. Einst ein beliebter Badeort, erlangte sie durch ihren Auftritt in „Game of Thrones“ Berühmtheit. Die Höhle liegt östlich des Myvatn-Sees in Nordisland. Aufgrund steigender Temperaturen ist das Baden in der Quelle nicht mehr erlaubt.

31. May. 2026 - 31. May. 2026
Aufstiegspunkt zum Vulkan Hverfjall
65.60857399804782, -16.87736262195546

Wanderung durch die Mondlandschaft auf dem Explosionskrater. Hoch über der Landschaft stehe ich und schaue hinab in einen graubraunen Trichter voller Geröll, nur Steine, keine Pflanze sorgt für einen Hauch grün. Hier gibt es nur Steine, Kiesel, ein paar Felsen. In der Mitte ragt ein Geröllkegel auf, der so gleichmäßig geformt ist, als ob sich jemand besonders große Mühe beim Aufschichten gegeben hätte. Ich befinde mich auf dem fast kreisrunden Wanderweg, der gut drei Kilometer lang einmal um den Krater des Hverfjall herumführt. Doch ich begnüge mich mit dem höchsten Punkt. 1/4 der Umrundung muss reichen. Flux wieder hinunter zum meinem Fritz, der schon auf mich wartet.


Vogar Travel Service - Campsite
Vogar, 660, Mývatn, Island

Der Campingplatz liegt mitten in den Attraktionen von Myvatn und bietet Blick auf die Berge Hverfjall und Hlíðarfjall. Sie haben Stellplätze für Zelte, Wohnmobile und Wohnmobile (mit Stromanschluss). Gäste können ihr Abwasser aus den Wohnmobilen entleeren und sauberes Trinkwasser nachfüllen. 
Für den Self-Check-in scannen Sie den QR-Code, der in den Anlagenhäusern und auf dem Campingplatz angebracht ist. Wählen Sie Ihren Fahrzeugtyp und die Anzahl der Gäste. Bezahlen Sie mit PayPal oder einer Karte (Visa, Mastercard) . Um mit Karte zu bezahlen, müssen Sie auf der Checkout-Seite Rapyd Payments  als Zahlungsanbieter auswählen.

Preis der Dienstleistungen500 isk pro zelt auto womo, 1000 isk strom

Short vom Fjord - Myvatn : Wo die Erde atmet

Heute führte mich mein Weg von Húsavík nach Mývatn. Schon am Morgen, als ich die Tür von Fritz öffnete, spürte ich diese besondere Ruhe. Die Nacht an meinem Viewpoint war still gewesen. Nur der Wind hatte immer wieder leise über den Fjord gestrichen. Sieben Grad zeigte das Thermometer. Frisch, aber angenehm. Genau die richtige Temperatur, um aufzubrechen. Ich verabschiedete mich vom Meer und folgte weiter meinem Vegvísir. Nicht dem gezeichneten Symbol. Sondern dem inneren Wegweiser, den Odin jedem schenkt, der bereit ist zuzuhören.


Die Landschaft erinnerte mich stellenweise an Schottland. Sanfte Hügel, tiefe Wolken und dieses Gefühl von Weite. Doch je näher ich Mývatn kam, desto mehr veränderte sich die Welt. Hier herrscht nicht mehr das Wasser. Hier spricht die Erde. Schon von weitem stiegen Dampfschwaden auf. Weiße Geister, die aus den Tiefen aufsteigen und den Himmel berühren. Am Námafjall angekommen dauerte es nicht lange, bis ich die ersten Spuren Islands an den Schuhen trug. Die matschigen Wege machten kurzen Prozess mit meiner Vorstellung von sauberen Wanderschuhen. Aber genau darum geht es hier nicht. Island möchte nicht betrachtet werden. Island möchte erlebt werden. Der Schwefelgeruch lag schwer in der Luft. Nicht unangenehm. Eher wie eine Erinnerung daran, dass tief unter meinen Füßen noch immer die Kräfte wirken, die diese Insel erschaffen haben. Überall blubberte und brodelte es. Die Erde atmete. Die Farben waren unglaublich. Gelb. Orange. Rot. Grau. Blau. Farben, die man eher auf einer Künstlerpalette vermuten würde als in einer Landschaft. Ich blieb lange stehen. Spürte die Wärme unter meinen Füßen. Spürte die Hohlräume unter der Erde. Nirgendwo auf meiner Reise war ich dem Inneren unseres Planeten so nahe gekommen wie hier. Hier zeigt die Erde ihr Herz. Unverhüllt. Ungezähmt. Ehrlich. Die Elemente waren heute besonders präsent. Die Erde unter mir voller Kraft. Das Wasser in Form von Dampf und kochenden Quellen. Die Luft, die den Schwefelgeruch über die Ebene trug. Und das Feuer, verborgen unter der Oberfläche, aber überall spürbar.


Danach führte mich mein Weg weiter zum Víti-Krater. Ein kurzer Halt. Ein paar Fotos. Viele Menschen. Busse. Kameras. Und auffallend viele chinesische Reisegruppen. Der Krater selbst war beeindruckend. Doch seine eigentliche Wirkung lag für mich in dem Gedanken, dass hier einst die Erde aufgebrochen war. Dass selbst solche Gewalt irgendwann zu Schönheit werden kann. Vielleicht gilt das nicht nur für Vulkane.


Auf dem Weg hielt ich an einer Outdoor-Dusche. Mitten in dieser unwirklichen Landschaft. Island überrascht mich immer wieder. Hier scheint alles möglich.


Kurz darauf erreichte ich Grjótagjá.

Die kleine Höhle aus Game of Thrones.

Auch hier nur ein kurzer Fotostopp.

Doch das warme Wasser, die Felsen und das Licht in der Höhle hatten etwas Magisches. Als würde die Erde dort Geheimnisse bewahren. Mein eigentliches Ziel wartete jedoch noch.

Hverfjall.


Der Vulkan. Schon beim Blick nach oben wusste ich, dass der Aufstieg kein Spaziergang werden würde. Und doch fühlte ich mich bereit. Die letzten Monate Training waren nicht umsonst gewesen. Schritt für Schritt arbeitete ich mich nach oben. Der Wind wurde stärker. Die Beine schwerer. Der Atem tiefer. Doch ich ging weiter. Allein. Mit mir. Mit der Erde. Mit Odin.


Als ich schließlich oben ankam, war jede Anstrengung vergessen. Der Blick über den Mývatn war gewaltig. Wasser. Lava. Berge. Wolken. Eine Landschaft, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Dort oben blieb ich lange sitzen. Ohne Eile. Ohne Ziel. Einfach nur sein. Und wieder spürte ich diese Heilung. Nicht als plötzliche Erkenntnis. Nicht als Wunder. Sondern als langsames Zurückfinden. Zur Natur. Zur Erde. Zu mir selbst.


Am Nachmittag fuhr ich schließlich zum Vogar Campingplatz. Freistehen ist hier rund um Mývatn verboten und wird kontrolliert. 3350 ISK fast 30 € für eine Nacht sind durchaus eine Ansage. Aber manchmal gehört auch das dazu. Nicht jeder Platz auf dieser Reise ist ein einsamer Fjord. Nicht jede Nacht verbringt man allein mit den Elementen. Und so sitze ich nun hier. Der Wind streicht über den See. Die Erde unter mir schläft niemals. Und irgendwo tief unter meinen Füßen erinnert mich Island daran, dass die größten Kräfte oft unsichtbar sind.


So wie die Götter. So wie Heilung. So wie der Weg.


Tag 6
01.06.2026 Godafoss - Dem Wasser der Götter folgend
30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Tag 6 Myvatn nach Laufas

km-Stand : 54.608   gef. Strecke : 98
Standort Morgens : Vogar Myvatn
Standort Abends : Laufas   GPS : 65.8989, -18.0664


01. Jun. 2026 - 01. Jun. 2026
Dimmuborgir
65.59162442213808, -16.912614150761993

Dimmuborgir (Dunkle Burgen) ist ein Lavalabyrinth mit einer Vielzahl bizarrer Lavaformationen. Man findet hier Säulen, Tore, Höhlen und allerlei andere Formen. Das Gebiet ist etwa 4 km² groß. Eine Übersicht über die Wanderwege gibt es auf einer Infotafel am Parkplatz. Beim Ausbruch der Vulkane Lúdentsborgir und Þrengslaborgir vor etwa 2.300 Jahren staute sich hier ein Lavasee, dessen Oberfläche bald abkühlte und erstarrte. Die noch flüssige Lava unter der erstarrten Kruste entleerte sich über den See Mývatn. Die Lavadecke konnte dem Druck der nachströmenden Lava aber nicht standhalten und brach, dabei entstanden die eigenwilligen Formen. Dimmuborgir gilt als Heimat von Elfen und Trollen und wer Glück hat entdeckt vielleicht einen davon auf den zahlreichen Wanderwegen durch das Gebiet. Die mystische Gegend hat auch viele Künstler inspiriert. Dimmuborgir war einer der Drehorte von Game of Thrones


Skútustaðagígar Rundwanderweg 3km
65.57003811868134, -17.035874634370916

Pseudokrater sind ein Phänomen, das nur an sehr wenigen Orten zu finden ist, und zwar in Island, auf Hawaii, auf den Azoren – und auf dem Mars. Pseudokrater bilden sich, wenn heiße, dünn fließende Lava über ein Feuchtgebiet oder sumpfiges Gebiet fließt. Durch die heiße Lava beginnt das Wasser zu kochen und der entstehende Dampfdruck verursacht Explosionen, wodurch sich Pseudokrater bilden. Diese sind so eben keine echten Krater, da sie keine Verbindung zum Erdinneren haben.

Die größten Pseudokrater in Island sind die Skútustaðagígar am Mývatn. Diese Krater entstanden vor etwa 2.300 Jahren beim Ausbruch der nahegelegenen Vulkane Lúdentaborgir und Þrengslaborgir. Manche, die meist bei einer einzelnen Explosion entstanden, bilden einen Hügel. Fanden an einer Stelle mehrere Explosionen statt, entstanden die typischen schalenförmigen Krater.

Die Skútustaðagígar wurden 1973 als Naturdenkmal geschützt.

Man kann hier auf mehreren Wegen entlang des Mývatn durch die Kraterlandschaft wandern. Dabei kann man auch sehr viel vom Vogelreichtum dieses Gebietes sehen. In Acht nehmen sollte man sich vor den Mücken, die dem Mývatn auch den Namen gegeben haben. Zum Glück sind es aber nur nicht stechende Zuckmücken.


Goðafoss - Wasserfall (größter Europas)
65.68398394892095, -17.54051017560249
Obgleich nur bescheidene 12m hoch, beeindruckt die donnernde Kaskade durch die Wassermassen, die sich in großer Breite in eine Schlucht stürzen. Die Fallkante des Wasserfalls entstand am Rand des Lavastromes Frambruni, der sich vor rund 8000 Jahren aus dem Schildvulkan Trölladyngja ergoß und eine Länge von 105km erreichte. Der Name des Wasserfalls dürfte wohl mit der Ljósvetninga-Saga im Zusammenhang stehen. Im Jahr 1000 hatte der Gode Þorgeir als Gesetzessprecher auf der Þingsitzung für die Annahme des Christentums als offizielle Religion gesorgt. Er handelte dabei wahrscheinlich vor allem aus politischen Gründen, denn er fürchtete das vom norwegischen König Olaf angedrohte Holzembargo für den Fall, daß die Isländer Heiden bleiben würden. Das aber hätte das Ende des lebenswichtigen Schiffsbaues bedeutet. Erleichtert hatte Þorgeir nach der erfolgreichen Þingsitzung seine Götterbilder im nächstbesten Wasserfall versenkt, der seitdem Goðafoss, also Götterwasserfall, heißt.

Laufas Freilichtmuseum mit Torfbauten
65.89238575606376, -18.075073609476107
Laufás wird bereits in Aufzeichnungen aus der Zeit der Landnahme Islands (874–930) erwähnt und war häufig Wohnsitz mächtiger Clanchefs.

01. Jun. 2026 - 01. Jun. 2026
Laufas Freistehplatz
65.89891736061948, -18.066482625126895

30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Dem Wasser der Götter folgend

Heute war einer dieser Tage, die nicht laut beginnen. Und genau deshalb besonders werden. Der Morgen begann ruhig auf dem Campingplatz am Mývatn. Die Nacht war friedlich gewesen. Der Wind hatte sich zurückgezogen und selbst die Mücken schienen für ein paar Stunden Waffenstillstand geschlossen zu haben. Beim Frühstück traf ich wieder einige bekannte Gesichter von der Norröna. Es ist erstaunlich. Seit Tagen kreuzen sich unsere Wege immer wieder. Mal an einem Wasserfall. Mal auf einem Parkplatz. Mal auf einem Campingplatz. Jeder folgt seiner eigenen Route und doch scheint Island unsere Wege immer wieder miteinander zu verweben. Immer wieder treffe ich Claudi Datsch und ihr Mann. Zuerst sprach Sie mich vor der Fähre in Hirtshals an. Aber nicht nur mich, sondern jeden der nicht weggerannt ist.

Mein erster Halt führte mich heute in die Lavawelt von Dimmuborgir. Die dunklen Burgen. Die schwarzen Tore. Die versteinerten Wesen. So nennen viele diesen Ort. Als ich dort ankam, war ich vollkommen allein. Kein Mensch. Keine Stimmen. Keine Kameras. Nur Stille. Eine Stille, die man fast hören konnte. Zwischen den Lavaformationen führte mich der Weg durch uralte Schornsteine und Felstore. Vor Jahrtausenden hatte hier flüssige Lava gebrodelt. Heute wachsen Heidebüsche zwischen den Felsen. Die einzigen Geräusche kamen von den Hummeln. Sie summten geschäftig zwischen den Blüten. Ein leises Brummen. Sonst nichts. Für einen Moment blieb ich einfach stehen. Und lauschte. Die Erde sprach hier nicht laut. Sie flüsterte. Ich verstand sofort, warum sich um diesen Ort so viele Geschichten ranken. Wenn irgendwo Elfen, Trolle oder die alten Wesen Islands leben, dann hier. Odin schien heute nicht über Donner und Sturm zu sprechen. Sondern über Stille.


Danach fuhr ich weiter zu den Kratern von Skútustaðagígar. Dort empfing mich sofort die andere Seite Islands. Mücken.

Unzählige Mücken. Kaum ausgestiegen, waren sie da. Überall. Sie hatten offensichtlich deutlich mehr Interesse an mir als ich an ihnen. Also zog ich den Rundweg zügig durch. Ein paar Fotos. Ein paar Blicke über die Pseudokrater. Dann weiter. Manchmal gewinnt die Natur. Und heute waren eindeutig die Mücken am Zug.


Doch dann kam der Höhepunkt des Tages. Der Goðafoss. Der Wasserfall der Götter. Schon beim ersten Blick wusste ich: Dieser Ort ist anders. Das Wasser stürzt nicht einfach in die Tiefe. Es breitet sich aus. Mächtig. Elegant. Fast vollkommen.


Der Legende nach wurden hier die alten Götterbilder ins Wasser geworfen, als Island das Christentum annahm. Ob die Geschichte wahr ist, spielt keine Rolle. Die Energie dieses Ortes ist real. Ich stand lange dort. Spürte die Gischt. Hörte das Donnern. Und wieder wurde mir bewusst, warum ich hier bin. Diese Reise ist keine Flucht. Sie ist eine Rückkehr. Zur Erde. Zu den Elementen. Zu mir selbst. Die Erde trug mich. Das Wasser zeigte seinen Weg. Die Luft war erfüllt vom Nebel des Wasserfalls. Und das Feuer lebte tief unter Island weiter. Unsichtbar. Aber immer präsent.


Von dort führte mich mein Weg weiter nach Laufás. Ein alter Großbauernhof. Ein Ort, an dem Menschen seit über tausend Jahren mit dieser Landschaft leben. Die Grassodenhäuser schmiegen sich in die Erde. Fast so, als wollten sie nicht gegen die Natur bestehen. Sondern mit ihr. Ein Gedanke, der mir gefiel. Vielleicht haben die Menschen früher verstanden, was wir heute oft vergessen. Dass man nicht gegen die Erde lebt. Sondern mit ihr. Am Nachmittag folgte ich dem Wasser. Dem Wasser des Goðafoss. Flussabwärts. Immer weiter. Bis hinaus zum Nordatlantik. Dort öffnete sich ein Fjord. Still. Weit. Friedlich. Die Sonne zeigte sich kurz zwischen den Wolken. Das Wasser wurde silbern. Und ich wusste: Hier bleibe ich. Ich fand einen ruhigen Freistehplatz. Kein Lärm. Keine Menschen. Nur Fritz. Der Fjord. Und ich. Später kochte ich mir etwas zu essen. Saß noch lange draußen. Und schaute auf das Wasser.


Heute gab es keine großen Abenteuer. Keine schwierigen Straßen. Keine Stürme. Und vielleicht war genau das das Geschenk dieses Tages. Denn heute fühlte ich mich der Erde näher als jemals zuvor. Nicht als Besucher. Nicht als Reisender. Sondern als Teil von ihr.


Und während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, dankte ich Odin für den Weg. Nicht für das Ziel. Nicht für die Sehenswürdigkeiten. Sondern für die Fähigkeit, die Schönheit dazwischen zu erkennen.


Tag 7
02.06.2026 Walbeobachtung im Hauganes – Begegnung mit den Riesen des Nordens
02. Jun. 2026 - 02. Jun. 2026
Tag 7 Laufas nach Dalvik

km-Stand : 54688   gef. Strecke : 80

Standort Morgens : Laufas

Standort Abends : Dalvik   GPS : 65.9751, -18.5536


Walsafari in Hauganes – Dem Wasser ganz nah
65.92249120895805, -18.304073090983103

Es war einfach super!!! Familienbetrieb mit altem Fischkutter, keine Massenabfertigung und ich habe viele Buckelwale gesehen, die ganz nahe am Boot auftauchten. Einer sprang sogar aus dem Wasser. Die 90 € waren bestens investiert.


Die Entscheidung für die Walsafari in Hauganes war schnell gefallen. Während in Húsavík die großen Ausflugsschiffe und Reisebusse auf ihre Gäste warteten, suchte ich etwas anderes. Etwas Ruhigeres. Etwas Ursprünglicheres. Der kleine Hafen von Hauganes passte perfekt zu meiner Reise. Schon beim Ablegen spürte ich, dass es hier nicht nur um das Beobachten von Walen ging. Es ging um das Meer selbst. Um das Element Wasser. Langsam glitt das alte Holzboot hinaus auf den Eyjafjörður. Keine Hektik. Kein Gedränge. Nur das leise Knarren des Schiffes und das rhythmische Schlagen der Wellen gegen den Rumpf.


Als die ersten Buckelwale auftauchten, war das natürlich beeindruckend. Doch fast noch prägender war das Gefühl, Teil dieser Wasserwelt zu sein. Das Meer trug uns. Unter uns die Tiefe des Fjords, um uns herum die unendliche Weite des Nordatlantiks. Das Element Wasser zeigte sich an diesem Tag von seiner sanften Seite. Nicht als tosende Brandung oder mächtiger Wasserfall, sondern als ruhige, tragende Kraft. Eine Kraft, die verbindet, beruhigt und gleichzeitig Ehrfurcht erzeugt. Zwischen den Walen, dem Fjord und dem Himmel fühlte ich mich für einen Moment vollkommen im Einklang mit der Natur. Genau deshalb war Hauganes die richtige Wahl. Nicht die große Busabfertigung. Nicht das Spektakel. Sondern eine stille Begegnung mit dem Meer. Und mit mir selbst. 


02. Jun. 2026 - 02. Jun. 2026
Stellplatz oberhalb von Dalvík – Das Lied des Wassers
65.9751999565759, -18.553576619556413
Am späten Nachmittag führte mich Odin wieder auf einen dieser Wege, die man nicht planen kann. Keine Markierung im Reiseführer. Kein berühmter Aussichtspunkt. Kein Ort, den man auf Postkarten findet. Nur eine schmale Einzelzufahrt, die sich den Berg hinaufzieht. Und dort fand ich ihn. Meinen Platz für die Nacht. Versteckt oberhalb von Dalvík. Am Rand eines Wanderweges. Geschützt zwischen den Hängen. Neben mir rauscht ein Wildwasserbach talwärts. Nicht laut.

Nicht störend. Sondern wie eine Melodie. Eine, die die ganze Nacht spielen wird. Das Wasser springt über Steine. Wirbelt durch kleine Kaskaden. Verschwindet kurz zwischen den Felsen und taucht gleich darauf wieder auf. Ich sitze vor Fritz und höre einfach zu. Heute ist das Element Wasser mein Begleiter. Nicht als gewaltiger Wasserfall. Nicht als Fjord. Nicht als Ozean. Sondern als lebendiger Bach. Unaufhaltsam. Immer unterwegs. Immer seinem Weg folgend. Vielleicht ist das genau die Botschaft dieses Ortes. Nicht stehen bleiben. Nicht festhalten. Sondern fließen. 


Der Platz liegt windgeschützt. Die Berge halten die Böen fern, die über die Höhen ziehen. Nur das Wasser bewegt sich. Ein Picknicktisch steht wenige Schritte entfernt. Ein Mülleimer. Mehr braucht es nicht. Die Erde trägt mich. Das Wasser singt sein Lied.


Die Luft ruht zwischen den Bergen.

Und das Feuer wartet später im Kocher auf das Abendessen. Ich spüre wieder diese tiefe Erdung. Diese Ruhe. Keine Menschen. Keine Straßen. Keine Termine. Nur ich. Fritz. Und die Elemente. Als die Sonne langsam tiefer sinkt, färbt sich das Tal in warmes Licht. Der Bach rauscht weiter. Unbeeindruckt von Zeit. Und ich weiß: Heute Nacht werde ich gut schlafen. Begleitet vom ältesten Lied Islands. Dem Lied des Wassers.



Short vom Fjord

Mein Weg führte mich nach Hauganes, einem kleinen Dorf am Ufer des gewaltigen Fjords. Schon bei der Ankunft war klar, warum dieser Ort etwas Besonderes ist. Die Berge fielen steil zum Wasser ab. Der Fjord lag ruhig vor mir. Die Wolken spiegelten sich auf der Oberfläche des Meeres. Alles wirkte friedlich. Fast ehrfürchtig.


Hier beginnt die Reise zu den größten Bewohnern Islands. Unser Schiff war kein modernes Ausflugsschiff. Es war ein alter Fischerkutter aus Eichenholz. Robust. Ehrlich. Mit Geschichten in jedem Brett. Schon beim Betreten hatte ich das Gefühl, dass dieses Boot hierher gehört. Zum Meer. Zum Wind. Zu den Walen. Kurz darauf liefen wir aus. Langsam glitt das Schiff durch den Fjord. Die Häuser von Hauganes wurden kleiner. Die Berge größer. Der Wind war kühl. Die Sicht zu Anfang betrübt. Reichte aber für mein Vorhaben. Doch in meinem warmen Overall wurde die Kälte schnell nebensächlich. Je weiter wir hinausfuhren, desto stiller wurde ich. Das Meer besitzt eine besondere Kraft. Es verlangt keine Aufmerksamkeit. Und genau deshalb bekommt es sie. Der Kaptein - so heißen die Schiffskapitäne hier -  erzählte von den Buckelwalen, die jedes Jahr in den Eyjafjörður zurückkehren. Von ihren Wanderungen. Von ihren Jagdgebieten. Von ihrem Leben. Doch irgendwann verstummten die Erklärungen. Denn plötzlich zeigte jemand nach vorne. Eine Fontäne. Dann noch eine. Mitten auf dem Fjord. Und da war er. Ein Buckelwal.


Langsam durchbrach sein dunkler Rücken die Wasseroberfläche. Ruhig. Mächtig. Vollkommen selbstverständlich. Keine Show. Keine Inszenierung. Nur ein Tier in seinem Element. Das Boot verlangsamte sich. Niemand sprach mehr.


Man hört oft, dass Wale groß sind.

Aber erst wenn man ihnen begegnet, versteht man wirklich, was Größe bedeutet. Dieser Wal war größer als unser Boot. Und gleichzeitig bewegte er sich mit einer Leichtigkeit, die fast unwirklich erschien. Er tauchte auf. Atmete. Verschwand wieder. Und jedes Mal warteten wir gespannt auf den nächsten Moment. Dann geschah es. Der Wal setzte zum Abtauchen an. Langsam hob sich seine gewaltige Schwanzfluke aus dem Wasser. Für einen Augenblick stand sie vollkommen frei in der Luft. Dann verschwand sie lautlos in der Tiefe. Ein Bild, das sich für immer eingebrannt hat. Während der nächsten Stunden begegneten wir weiteren Walen. Immer wieder tauchten sie in der Nähe des Bootes auf. Manche nur wenige Meter entfernt. Nie hatte ich das Gefühl, Gast in einem Ausflug zu sein. Vielmehr fühlte ich mich wie ein Besucher in einer anderen Welt. Einer Welt, die schon lange vor uns existierte. Und die hoffentlich noch lange nach uns bestehen wird. Dort draußen wurde mir wieder bewusst, weshalb ich diese Reise mache. Die Erde zeigt sich nicht nur in Bergen und Vulkanen. Auch das Meer erzählt ihre Geschichten. Das Wasser trug uns. Die Luft war erfüllt vom Atem der Wale. Die Erde zeigte sich in den Bergen des Fjords. Und das Feuer lebte tief unter Island, unsichtbar und doch allgegenwärtig. Für einen kurzen Moment schien alles miteinander verbunden. Der Fjord. Die Wale. Das Meer. Der Wind. Und ich.


Als wir später nach Hauganes zurückkehrten, lag der Fjord noch immer ruhig vor uns. Doch ich war nicht mehr derselbe wie am Morgen.  Denn wer einmal einem Buckelwal in die Augen seiner Welt geblickt hat, versteht: Wir Menschen sind nicht die Herren dieser Erde. Wir sind nur Gäste. Und manchmal schenkt uns die Natur einen Augenblick, in dem wir das nicht nur wissen. Sondern fühlen.


Tag 8
03.06.2026 Über eine einzigartige Küstenstraße - Auf den Spuren von Flóki
03. Jun. 2026 - 03. Jun. 2026
Tag 8 FS Dalvik nach CP Grettislaug

km-Stand : 54832    gef. Strecke : 144

Standort Morgens : Dalvik (FS)

Standort Abends : Grettislaug    GPS : 65.8829, -19.7370


Mígandifoss - Wasserfall - Foto und Drohnenstop
66.06633178800566, -18.52297420278085

Der Mígandi oder Mígindisfoss ist ein kleiner Wasserfall im Nordosten von Island. Der Bach Mígindislækur stürzt etwa 200 m östlich vom Ólafsfjarðarvegur aus einer Höhe von 80 Metern direkt in den Eyjafjörður. Die Straße erreicht 750 m nördlich das Ostportal der Múlagöng. Leider fiel dieser Wegpunkt wegen starkem Seenebel für mich aus. Eine wahre Waschküche.


Straße 748 - Steckenzustandsbericht

Für deine Fahrt von Mývatn bzw. Nordisland zur Grettislaug über die Straße 748 sieht es derzeit grundsätzlich gut aus.

Die 748 ist keine Hochlandstraße (keine F-Straße), sondern eine Küstenstraße auf der Halbinsel Reykjaströnd nördlich von Sauðárkrókur. Der letzte Abschnitt zur Grettislaug ist allerdings Schotterpiste. Unter normalen Sommerbedingungen ist sie problemlos mit einem normalen Wohnmobil oder Camper wie Fritz befahrbar.

Was dich morgen voraussichtlich erwartet

  • Die ersten Kilometer sind gut ausgebaut.
  • Der nördliche Abschnitt wird zunehmend zu einer Schotterstraße.
  • Nach Regen können einzelne Passagen weich, matschig oder ausgewaschen sein.
  • Lose Steine und Wellblechabschnitte sind möglich.
  • 40–60 km/h sind meist angenehmer als langsameres "Hoppeln".

Meine Einschätzung für Fritz

Wenn du die 870 bei Kópasker und die Straßen um Dettifoss bereits problemlos gefahren bist, dann wird die 748 für dich vermutlich eher entspannt wirken.

Die Strecke ist landschaftlich wunderschön:

  • Blick über den Skagafjörður
  • Küstenabschnitte mit Sicht auf die Insel Drangey
  • wenig Verkehr
  • viel Weite und Ruhe

Vor der Abfahrt

Island bleibt Island. Die tatsächlichen Bedingungen können sich über Nacht ändern. Deshalb würde ich morgen früh unbedingt noch einmal die offizielle Straßenkarte prüfen:

Iceland Road Administration – aktuelle Straßenlage

Mein Tipp für deinen Roadtrip

Plane für die 748 etwas Zeit ein und fahre nicht einfach nur zur Grettislaug. Die ganze Halbinsel Reykjaströnd hat etwas sehr Ursprüngliches. Sie erinnert an viele der stillen Küstenabschnitte der Ostfjorde, die du so magst.

Wenn das Wetter mitspielt, hast du dort fantastische Ausblicke auf:

  • den Fjord
  • die Insel Drangey
  • die Berge des Skagafjörður

Und nach einem langen Reisetag wartet dann die heiße Quelle der Grettislaug direkt am Meer – ein würdiger Platz für Fritz und einen naturverbundenen Tagesausklang. 


Nach der Strecke muss ich sagen. Grandios. Einige wenige kurze Stücke und die letztn 5 Kilometer waren Gravelroad (Schotterstraße). Sonst alles Asphaltiert.


Sauðanesviti - Halbinsel Trollaskagi - Leuchtturm - Fotostop
66.1843199721384, -18.947931604667822

Sauðanesviti ist ein Leuchtturm in Island, der an zwei verschiedenen Orten zu finden ist: Der bekannteste liegt an der Nordküste nahe Siglufjörður und der andere in den Westfjords. Der nordisländische Leuchtturm, der oft als Sauðanesviti bezeichnet wird, wurde zwischen 1933 und 1934 erbaut und liegt auf der Halbinsel Tröllaskagi. Der Leuchtturm in den Westfjords ist ein neuerer Leuchtturm, der 1964 installiert wurde. 


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Hrafna-Flóki – Der Mann, der Island seinen Namen gab
66.06480079973963, -19.154569128971872
Flóki Vilgerðarson, bekannt als Hrafna-Flóki, deutsch Raben-Flóki (fl. im 9. Jahrhundert), war einer der ersten Wikinger, die Island besuchten und versuchten, sich dort niederzulassen. Nach der isländischen Überlieferung war es Flóki, der dem Land den Namen Island gab.


Bevor Island besiedelt wurde, war die Insel für die meisten Nordmänner nur ein Gerücht. Eine ferne Landmasse irgendwo im Nordatlantik. Ein Ort aus Geschichten. Ein Ort hinter dem Horizont. Einer der Männer, die sich auf die Suche machten, war Flóki Vilgerðarson. Heute kennt man ihn vor allem unter dem Namen Hrafna-Flóki – Flóki der Raben. Der Beiname stammt von einer ungewöhnlichen Methode der Navigation. Damals gab es keine Karten. Keine Kompasse. Keine Satelliten. Also nahm Flóki drei Raben mit an Bord. Auf hoher See ließ er den ersten fliegen. Der Vogel kehrte zum Schiff zurück. Kein Land in Sicht. Später ließ er den zweiten frei. Auch dieser flog nur eine Zeit lang und kam wieder zurück. Dann schickte Flóki den dritten Raben in die Luft. Der Vogel kreiste kurz. Dann flog er entschlossen nach Nordwesten. Und kehrte nicht zurück. Flóki folgte ihm. Wenig später sichtete seine Mannschaft Land. Island. Er gilt deshalb als einer der ersten Nordmänner, die gezielt nach Island segelten und die Insel erfolgreich erreichten. Doch seine Geschichte ist nicht die eines triumphalen Entdeckers. Der erste Winter verlief hart. Sehr hart. Flóki hatte sich zu wenig um Vorräte und Heu gekümmert. Ein Großteil seines Viehs verendete. Die Siedlung kämpfte ums Überleben. Im folgenden Frühjahr stieg Flóki auf einen Berg in den Westfjorden. Von dort blickte er über einen Fjord, der noch voller Treibeis lag. Der Anblick beeindruckte ihn so sehr, dass er dem Land einen neuen Namen gab: Ísland. Land des Eises. Der Name blieb. Bis heute. Als Flóki später nach Norwegen zurückkehrte, sprach er wenig schmeichelhaft über die neue Insel. Er berichtete von einem rauen Land. Von kalten Wintern. Von Entbehrungen. Andere Reisende erzählten dagegen von den Möglichkeiten und der Schönheit Islands. Und so begann schließlich die Besiedlung. Für viele Isländer ist Hrafna-Flóki bis heute mehr als nur ein Entdecker. Er verkörpert den Mut, ins Unbekannte aufzubrechen. Dem Ruf des Horizonts zu folgen. Den Vögeln zu vertrauen. Und den Weg zu suchen, auch wenn niemand genau weiß, wohin er führt. Wenn du heute am Hrafna-Flóki-Gedenkstein in den Westfjorden stehst und über die Fjorde blickst, ist leicht nachzuvollziehen, was Flóki damals empfunden haben muss. Die Weite. Die Einsamkeit. Die Kraft der Natur. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum seine Geschichte nach über tausend Jahren noch immer erzählt wird. Denn eigentlich handelt sie nicht nur von Island. Sondern von der uralten Sehnsucht des Menschen, dem Ruf des Unbekannten zu folgen.


Grafarkirkja - Fotostop
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Grafarkirkja: Die älteste Torf-Kirche Islands

Ob diese Frau wohl von der “alten” Grafarkirkja wusste? Die im Jahr 1646 geborene Ragnheiður Jónsdóttir war die dritte Frau des Bischofs Gísli Þorláksson. Nach zehn Ehejahren verstarb Gísli, und Ragnheiður zog auf das Gehöft Gröf im Skagafjörður, das Bischofswitwen über die Jahrhunderte als Wohnort diente. Ragnheiður muss eine beeindruckende Frau gewesen sein, denn Bischof Einar Þorsteinsson heiratete sie 1696. Allerdings verstarb er einen Monat nach der Hochzeit und Ragnheiður zog erneut nach Gröf in der Nähe von Hofsós.


Reykir - Grettislaug
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In Reykir finden Sie zwei natürliche geothermische Becken namens Grettislaug, benannt nach Grettir dem Starken und Jarlslaug. Laut den isländischen Sagas war Grettir der stärkste Mann Islands und nutzte das Becken zum Aufwärmen, nachdem er von der Insel Drangey geschwommen war. Die Becken bieten eine tolle Umgebung, eine atemberaubende Aussicht und Einrichtungen wie Duschen, Camping und ein Gästehaus in Reykir.


Grettislaug Campsite in Reykhólar
65.88126058688229, -19.736298599910384

Dieser Campingplatz ist jede Anreise wert. Herrlicher Blick aufs Meer. Sehr abgeschieden aber wunderbar vom Besitzer gepflegt. Viele Toiletten sind verfügbar und der Besitzer verkauft Snacks und Bier im Haus. Wunderbar sind auch die beiden Hot Pods 38°C und 42°C. Es gibt eine Dusche direkt neben an.


Steigt man in den Hotpot mit klarem Wasser so siehst du illuminiert deine Konturen unter Wasser mit einer blauen Aura. Wunderschön.


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Auf den Spuren von Flóki

Heute fiel es mir schwer, meinen Stellplatz zu verlassen. Vielleicht sogar schwerer als an jedem anderen Tag dieser Reise. Der Wildwasserbach rauschte noch immer neben Fritz. Die Berge hielten den Wind fern. Und die Nacht war voller Ruhe gewesen. Ich ließ mir Zeit. Trank meinen Kaffee. Lauschte dem Wasser. Eigentlich wollte ich meinen Frischwassertank noch auffüllen. Doch die Pumphöhe machte mir einen Strich durch die Rechnung. Der Bach blieb heute nur Begleiter. Nicht Versorger.


Als ich schließlich aufbrach, kam mir eine Schulwanderung entgegen.  Bunt gemischt. Lachend. Neugierig. Es gefiel mir. Vielleicht weil die Natur hier nicht etwas Besonderes ist. Sondern ein Teil des Alltags. Dann setzte ich meinen Weg fort.


Dichter Seenebel lag über der Küste. Nicht der freundliche Nebel eines Herbstmorgens. Sondern eine weiße Wand. Die Landschaft verschwand. Die Berge verschwanden. Selbst das Meer war oft nur zu erahnen. Heute musste ich lernen, etwas nicht sehen zu können.

Ein großer Wasserfall lag auf meiner Route. Doch der Nebel verschluckte ihn vollständig. Kein Foto. Kein Panorama. Keine Aussicht. Früher hätte mich das vielleicht geärgert. Heute nicht mehr. Island zeigt sich nur dann, wenn Island es möchte. Und vielleicht liegt genau darin die Lektion.


Auch Flóki konnte nicht immer  sehen,wohin seine Reise führte. Als Hrafna-Flóki einst mit seinen Raben den Nordatlantik überquerte, wusste er ebenfalls nicht, was hinter dem Horizont lag. Er vertraute. Den Vögeln. Dem Meer. Den Göttern. Auch ich folge auf dieser Reise oft mehr meinem Gefühl als einem festen Plan. Nicht ganz so mutig wie Flóki. Aber vielleicht derselben Sehnsucht folgend. Der Sehnsucht nach dem Unbekannten. Später erreichte ich das Heringsmuseum. Geschlossen. Also fuhr ich weiter. Und plötzlich geschah etwas. Der Nebel begann sich aufzulösen. Langsam. Fast feierlich. Die Küstenstraße 76 öffnete ihre Bühne. Fjorde. Buchten. Berge. Eine Landschaft von solcher Schönheit, dass ich mehrfach anhalten musste. Nicht um Fotos zu machen. Sondern um zu begreifen,

wo ich gerade war. Drei Tunnel führten mich durch die Berge. Und dahinter öffnete sich eine Bucht. Hier soll einst Flóki gelandet sein. Hier blickte er auf dieses wilde Land. Hier begann seine Geschichte mit Island. Ich stand am Wasser. Und versuchte mir vorzustellen, wie es gewesen sein muss. Keine Straßen. Keine Tunnel. Keine Karten. Nur Meer. Wind. Und Hoffnung. Später werde ich ihm in den Westfjorden noch einmal begegnen. Doch heute war es genug, seinen Spuren ein Stück zu folgen. Mein nächster Halt war die Grafarkirkja.


Die älteste Kirche Islands. Von außen wirkte sie klein. Bescheiden. Fast unscheinbar. Die Tür war verschlossen. Doch durch die Fenster konnte ich hineinsehen. Und sofort war spürbar, dass dieser Ort noch lebt. Kein Museum. Keine Kulisse. Ein Gotteshaus. Ein Ort des Glaubens. Seit Jahrhunderten.


Die Grassoden verschmelzen beinahe mit der Landschaft. Nicht gegen die Erde gebaut. Sondern aus ihr heraus. So wie die Menschen früher lebten. Am Nachmittag erreichte ich schließlich mein Ziel.


Grettislaug. Ein Bauernhof. Ein Campingplatz. Zwei natürliche Hot Pots direkt am Meer. 55 Euro. Eigentlich viel Geld. Und doch war jede Krone gut investiert. Denn als ich zum ersten Mal im heißen Wasser saß, während draußen der Wind über den Fjord strich, vergaß ich jede Rechnung. Das Wasser umhüllte mich. Die Muskeln entspannten sich. Die Gedanken wurden still. Die Erde schenkte Wärme. Das Wasser schenkte Ruhe. Die Luft brachte den Duft des Meeres. Und das Feuer kam aus den Tiefen Islands. Alle vier Elemente waren bei mir. Ich ging mehrfach hinein. Immer wieder. Jedes Mal fiel etwas von mir ab. Ein Stück Anspannung. Ein Stück Alltag. Ein Stück Last. Als die Sonne tiefer sank, saß ich erneut im Hot Pot. Schaute über das Land - Island. Zur Insel Drangey. Zu den Bergen. Und dachte an Flóki. Auch er hatte dieses Meer gesehen. Diesen Himmel. Diese Küsten. Tausend Jahre trennen uns. Und doch verbindet uns etwas. Die Suche. Nicht nach einem Ort. Sondern nach einem Gefühl. Dem Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein.


Heute habe ich es gefunden. Im warmen Wasser von Grettislaug. Zwischen Erde, Meer und Himmel.


Tag 9
04.06.2026 Zwischen den Welten
04. Jun. 2026 - 04. Jun. 2026
Tag 9 CP Grettislaug nach CP Skagaströnd

km-Stand : 54.967   gef. Strecke : 135

Standort Morgens : CP Grettislaug

Standort Abends : CP Skagaströnd   GPS : 65.8268, -20.2919


Glaumbær Turf Farm & Museum
65.61832923471238, -19.50571884891491
Der Bauernhof Glaumbær ist einer der am besten erhaltenen Höfe, die in der für Island typischen Torfbauweise errichtet wurden. Bis Ende des 19 Jahrhunderts war dies der typische ländliche Baustil. Holz stand als Baustoff nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Die tragende Konstruktion wurde häufig aus Treibholz errichtet, da es durch die Einwirkung des Meerwassers sehr haltbar war. Die Außenwände bestanden aus dicken Torfschichten, das Dach war mit Gras gedeckt. Torf ist unter den klimatischen Bedingungen Islands ein haltbarer Baustoff, die Konstruktionen überdauerten ohne Probleme 100 Jahre. Voraussetzung war allerdings die richtige Technik. Die Wände wurden meistens im Fischgrätenmuster aufgeschichtet, was ihnen die nötige Stabilität verlieh. Besonders wichtig war der richtige Neigungswinkel des Grasdaches.

Olís Varmahlíð
65.55067315341003, -19.440035045872154

Versorgungsstop


Fosslaug geothermic pool
65.48876151799313, -19.382843159617764
Was macht dieses Geothermiegebiet so besonders?

Dieser malerische Hot Pot ist besonders angenehm, da er kostenlos ist. Besucher können ein ruhiges und friedliches Bad mit atemberaubender Aussicht genießen, ohne Eintritt zahlen zu müssen.  Abgesehen davon bleibt das Wasser hier, anders als in den meisten heißen Quellen Islands, warm und ermöglicht so das ganze Jahr über angenehmes Schwimmen.


Ich habe darauf verzichtet. Es war zuviel Trubel drumherum und ich hatte ja gestern das Vergnügen.


Museum of Prophecies
65.81574881022482, -20.3117353224938

Das Museum der Prophezeiungen

Ausstellung, Geschichtenerzählen und Wahrsagen.

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Þórdís, der erste namentlich erwähnte Bewohner von Skagaströnd, der dort im späten 10. Jahrhundert lebte. Ein bemalter Wandteppich erzählt die Geschichte von Þórdís. Führungen führen die Besucher durch die Ausstellung, die allerlei Wissenswertes über Prophezeiungen und Wahrsagen bietet. Auf Wunsch können sich Besucher die Zukunft vorhersagen und aus der Hand lesen lassen. 


Skagaströnd Campsite
65.82686092929924, -20.291957755697485
Ein schöner Platz, malerisch vor den Felsen gelegen, mit einer superschönen und beheizten Küche/Aufenthaltsraum/Waschraum und WC.

Short vom Fjord - Zwischen den Welten

Heute Morgen fiel mir der Abschied schwer. Noch einmal saß ich im heißen Wasser von Grettislaug. Noch einmal blickte ich hinaus auf das Meer. Noch einmal ließ ich die Wärme der Erde durch meinen Körper fließen. 


Dann war es Zeit. Zeit weiterzuziehen. Fritz und ich verließen den Bauernhof und fuhren die Schotterstraße zurück Richtung Ringstraße. Die Landschaft zeigte sich heute von einer ihrer schönen Seiten. Immer wieder musste ich anhalten. Nicht weil ich etwas Bestimmtes sehen wollte. Sondern weil die Natur mich dazu zwang. Island besitzt die seltene Fähigkeit, einen Menschen sprachlos zu machen. Man steht da. Schaut. Und versteht plötzlich, warum die alten Völker ihre Götter in Bergen, Flüssen und Wolken fanden. Mehr als einmal verspürte ich den Wunsch, einfach niederzuknien. Nicht aus Pflicht. Sondern aus Dankbarkeit. Für diese Schönheit. Für diese Erde. Für diese Reise. Während ich durch die Landschaft fuhr, stellte sich ein merkwürdiges Gefühl ein. Ein Déjà-vu. Nicht nur bei mir. Auch Fritz schien es zu kennen. Mal erinnerte mich die Umgebung an Schottland. An die Highlands. An die weiten grünen Hügel. Dann wieder an Norwegen. An die Fjorde. An die Küstenstraßen. Und plötzlich tauchten Landschaften auf, die genauso gut irgendwo in Nordamerika hätten liegen können. Canyons. Schluchten. Weite Ebenen. Pferdefarmen. Pick-ups. Große Trucks. Island ist vieles. Und vielleicht genau deshalb so faszinierend. Es vereint scheinbar die Landschaften einer ganzen Welt auf einer einzigen Insel. 


Mein erster Halt war heute bei den Torfhäusern von Glaumbaer  Die kleine Kirche besuchte ich kurz. Danach umrundete ich die alten Gebäude. Die Grasdächer schienen mit der Landschaft zu verschmelzen. Fast so, als wären die Häuser aus der Erde gewachsen. Vor dem Museum stand bereits ein Reisebus. Viele Menschen. Viele Kameras. Da entschied ich mich weiterzufahren. In Laufás hatte ich bereits erlebt, wie diese Häuser einst genutzt wurden. Heute genügte mir der Blick von außen. 


An einer Kreuzung bei OLIS hielt ich an. Proviant auffüllen. Brot. Getränke. Ein paar Vorräte. Alles war vorhanden. Nur das Wasser fehlte. Mein WasserTank verlangte nach Nachschub. 


Den fand ich später am Reykjafoss. 1500 ISK Parkgebühr. Für einen Moment musste ich schmunzeln. Die Parkgebühren in Island sind manchmal beeindruckender als manche Sehenswürdigkeit. Andererseits: Fast alle Naturwunder sind frei zugänglich. Vielleicht ist das der Preis dafür. Mit vollem Tank ging es weiter. 


Mein nächstes Ziel war Skagaströnd. Dort befindet sich das Museum der Wahrsagung. Und ich musste lachen. Wenn es einen Ort auf Island gibt, der zu mir passt, dann vermutlich dieser. Ein kleines Wellblechhaus. Unscheinbar. Bescheiden. Doch innen öffnet sich eine Welt voller alter Symbole und Geschichten. Runen. Tarotkarten. Knochen. Würfel. Handlesen. All die alten Versuche des Menschen, einen Blick hinter den Schleier der Zukunft zu werfen. Vielleicht suche ich deshalb auf dieser Reise immer wieder die Nähe zu den alten Geschichten. Zu Odin. Zu Flóki. Zu den Sagas. Nicht weil ich Antworten suche. Sondern weil ich die Fragen mag. Die großen Fragen. Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welchem Weg soll ich folgen? Mein Vegvísir (Wegweiser) beantwortet sie nicht. Aber er erinnert mich daran, weiterzugehen. Weiterzufahren. Und darauf zu vertrauen, dass der Weg sich zeigt. 


Als der Nachmittag langsam in den Abend überging, bezog ich den einfachen Campingplatz in Skagaströnd. Nichts Besonderes. Und doch genau richtig. Fritz steht ruhig. Der Wind trägt den Duft des Meeres herüber. Die Möwen ziehen ihre Kreise. Ein weiterer Tag auf dieser Reise geht zu Ende. Die Erde hat mich heute wieder getragen. Das Wasser hat meinen Durst gestillt. Die Luft hat Geschichten über Berge und Fjorde erzählt. Und das Feuer schläft noch immer tief unter Island. 


Morgen werde ich weiterziehen. Durch neue Landschaften. Zu neuen Geschichten. Und irgendwo dort draußen wartet bereits das nächste Kapitel. 


Tag 10
05.06.2026 Auf Schotterstraßen zu den alten Geistern des Nordens
Tag 10 Skagaströnd nach Vatnsnesvegur

km-Stand : 55.105   gef. Strecke : 138

Standort Morgens : CP Skagaströnd

Standort Abends : FS Hamarsrett   GPS : 65.5253, -20.9648


Kolugljúfur Canyon
65.33221364449906, -20.576070148383803

Der Kolugljúfur ist weit mehr als nur ein Wasserfall.


Hier stürzt die Víðidalsá nicht einfach über eine einzelne Kante. In mehreren gewaltigen Stufen arbeitet sich das Wasser durch die Landschaft, bis es schließlich in die tiefe Schlucht des Kolugljúfur eintaucht. Mit jeder Kaskade scheint das Wasser mehr Kraft zu sammeln, bevor es zwischen den dunklen Felswänden verschwindet.

Schon von weitem hört man sein Donnern. Je näher man kommt, desto stärker spürt man die Energie dieses Ortes. Der Boden beginnt leicht zu vibrieren. Die Luft ist erfüllt von feiner Gischt. Schließt man die Augen, könnte man glauben, die Erde selbst würde atmen. 


Doch die eigentliche Magie dieses Ortes liegt in seiner Geschichte. Der Canyon trägt seinen Namen nach der Riesin Kola. Einer alten Sagengestalt, die einst in dieser Gegend gelebt haben soll. Kola war keine böse Riesin. Den Geschichten nach half sie den Menschen des Tales und zog oft durch die Schlucht. Man erzählt, dass sie auf den Felsen oberhalb des Canyons saß und ihre Füße im Wasser baumeln ließ, während die gewaltigen Wassermassen unter ihr hindurchrauschten. Als Kola starb, soll ihr Geist mit dem Fluss verschmolzen sein. Seitdem, so erzählen es die alten Geschichten, lebt ihre Kraft im Wasser weiter. Vielleicht erklärt das, warum dieser Ort eine so besondere Energie besitzt. 


Ich stand lange an der Schlucht. Spürte das Donnern des Wassers. Spürte die Vibrationen im Fels. Und für einen Augenblick konnte ich verstehen, warum die Menschen früher glaubten, dass hier Riesen lebten. An solchen Orten entstehen Sagen nicht. Sie werden geboren. Dieser Ort passte perfekt zu meiner Reise. Denn wie so oft in Island treffen hier die Elemente aufeinander:


Das Wasser, das unaufhaltsam durch die Schlucht stürzt.

Die Erde, die sich über Jahrtausende vom Fluss formen ließ.

Die Luft, die die Gischt über den Canyon trägt.

Und das Feuer, das einst tief unter Island diese Landschaft erschaffen hat.


Hier erzählt nicht nur der Wasserfall eine Geschichte. Die ganze Schlucht tut es.


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Borgarvirki
65.4754307875133, -20.597021499850147

Mein nächster Halt führte mich zu Borgarvirki. Schon von weitem hebt sich dieser markante Felsen aus der Landschaft hervor. Wie eine natürliche Festung. Wie ein Ort, den die Erde selbst zum Schutz erschaffen hat.


Borgarvirki zählt zu den wenigen bekannten Festungsanlagen Islands. Doch das Besondere daran ist, dass die Menschen hier nicht erst eine Burg errichten mussten. Die Natur hatte die Arbeit bereits erledigt. Vor Jahrtausenden entstand dieser Felsen durch vulkanische Kräfte. Ein alter Vulkanschlot erhob sich über die umliegende Ebene und bildete eine natürliche Bastion mit steilen Wänden und weitem Blick über das Land. 


Später erkannten die Menschen seinen Wert. Sie ergänzten Mauern, verstärkten Zugänge und machten aus dem Felsen eine Festung. Als ich den Weg hinaufstieg, wurde schnell klar, warum dieser Ort gewählt wurde. Von oben reicht der Blick weit über die Ebenen Nordislands. Kein Reisender. Keine Herde. Kein Feind hätte sich unbemerkt nähern können. 


Der Wind strich über die Mauern. Die Steine wirkten uralt. Und doch hatte ich das Gefühl, als würden sie noch immer über das Land wachen. Ich stellte mir vor, wie hier vor Jahrhunderten Wächter standen. Wie sie in die Ferne blickten. Aufmerksam. Bereit. 


Heute herrscht Frieden. Die Festung verteidigt nichts mehr. Und doch besitzt sie noch immer eine besondere Kraft. Vielleicht liegt es daran, dass hier Natur und Mensch gemeinsam Geschichte geschrieben haben. Die Erde erschuf den Berg. Der Mensch machte daraus eine Burg. 


Ich blieb eine Weile auf dem Gipfel stehen. Der Wind spielte mit meiner Jacke. Unter mir erstreckte sich die Weite Islands. Die Erde trug mich. Die Luft erzählte von vergangenen Zeiten. Und tief unter dem alten Vulkanschlot schlummerte noch immer das Feuer, das diesen Ort einst erschaffen hatte.


Borgarvirki war für mich nicht einfach eine Festung. Es war ein Ort, an dem die Kräfte der Natur und die Geschichten der Menschen für einen Moment miteinander verschmolzen. 


05. Jun. 2026 - 05. Jun. 2026
Hvítserkur - Fotostop
65.60467229343564, -20.63365357062793

Dann stand er plötzlich vor mir. Hvítserkur. Allein. Mitten im Meer.


Wie ein uraltes Wesen, das seit Jahrhunderten regungslos auf seinen nächsten Atemzug wartet. Schon von weitem wirkt der dunkle Basaltfelsen nicht wie ein gewöhnlicher Felsen. Je länger man ihn betrachtet, desto mehr beginnt die Fantasie zu arbeiten. Für manche sieht er aus wie ein Drache, der seinen Kopf zum Wasser senkt. Andere erkennen einen gewaltigen Elefanten. Ich sah etwas anderes. Einen Wächter. Einen Wächter der Küste. Geformt von Wind, Wasser und Zeit. 


Die alten Isländer hatten dafür ihre eigene Erklärung. Einer Sage zufolge war Hvítserkur einst ein Troll. Ein mächtiges Wesen, das die Menschen und das Kloster Þingeyraklaustur nicht ausstehen konnte. In seiner Wut soll er große Felsbrocken aufgehoben und nach dem Kloster geschleudert haben. Doch dabei verlor er die Zeit aus den Augen. Als die ersten Sonnenstrahlen den Horizont berührten, traf ihn das Schicksal aller Trolle. Das Licht verwandelte ihn augenblicklich in Stein. Seitdem steht er dort. Unbeweglich. Dem Meer ausgeliefert. Den Gezeiten. Den Stürmen. Dem Lauf der Jahrhunderte. Und auch hier sieht man wieder wie das Christentum alte Geschichten für sich umdeuten.


Ich stand lange am Strand und betrachtete ihn. Die Wellen umspülten seine steinernen Beine. Seevögel kreisten um seinen Kopf. Der Wind trug den Geruch des Nordatlantiks über die Küste. 


Und wieder spürte ich, warum ich Island so liebe. Hier ist die Grenze zwischen Landschaft und Mythologie fließend. Man schaut nicht einfach auf einen Felsen. Man schaut auf eine Geschichte. Vielleicht liegt genau darin die Magie dieser Insel. Dass man an Orten wie Hvítserkur für einen Moment bereit ist zu glauben, dass die alten Sagen wahr sein könnten.


Und ganz ehrlich: Wenn irgendwo ein Troll tausend Jahre lang versteinert im Meer stehen könnte, dann genau hier.


Húnaþing vestra - Freistehplatz
65.67184923467289, -20.658513880084094
Parken auf ebenem Gelände (Steine, aber mit dem Auto erreichbar). Windiger Ort, aber herrliche Aussicht auf die Bucht von Húnafjördur und das Kap Skagi!


Ich habe mich für einen anderen Platz entschieden. Das Parken für 2x2 wäre in einer Senke gewesen. Keine schöne Aussicht. 


Dennoch führe ich diesen Wegpunkt hier auf, da ich entgegen der Routenplanung von freeontour einfach der 711 weiter gefolgt bin.


Hamarsrétt
65.52584912044003, -20.96488539306416

Nach meinem Besuch am Hvítserkur führte mich die Straße weiter entlang der Nordküste von Vatnsnes. Die Schotterpiste zog sich durch eine Landschaft, die mich immer wieder zum Anhalten zwang. Nicht weil ich musste. Sondern weil ich nicht anders konnte. Rechts das Meer. Links die grünen Hänge der Halbinsel. Dazwischen Fritz und ich. Je weiter ich nach Norden kam, desto einsamer wurde es. Die wenigen Fahrzeuge verschwanden. Die Straßen wurden schmaler. Die Welt wurde größer. Der Nordatlantik lag ruhig unter dem Himmel. Mal silbern. Mal tiefblau. Mal verschwand er fast im Dunst des Seenebels. Immer wieder öffneten sich neue Buchten. Kleine Strände. Schwarze Felsen. Grüne Wiesen. Und über allem lag diese besondere Ruhe, die ich bisher nur in Island gefunden habe. Es war einer jener Momente, in denen das Fahren selbst zum Erlebnis wird. Nicht das Ziel. Nicht die Sehenswürdigkeit. Der Weg.


Der Wind strich über die Küste. Möwen begleiteten mich ein Stück. Schafe grasten zwischen Meer und Bergen. Und während Fritz Kilometer um Kilometer über die Schotterstraße rollte, hatte ich das Gefühl, immer tiefer in die Seele Islands vorzudringen. Die Landschaft wirkte uralt. Unberührt. Fast zeitlos. 


Ich dachte an die ersten Siedler. An Flóki. An all jene, die diese Küsten vor über tausend Jahren zum ersten Mal gesehen haben mussten. Was mussten sie empfunden haben? Vielleicht genau das, was ich heute fühlte. Ehrfurcht. Vor der Weite. Vor der Natur. Vor den Elementen.


Am späten Nachmittag erreichte ich schließlich Hamarsrétt. Und sofort wusste ich: Hier bleibe ich. Der Parkplatz lag direkt oberhalb der Steilküste. Vor mir der unendliche Nordatlantik. Hinter mir die sanften Hügel der Halbinsel. Kein Verbotsschild. Keine Menschen. Keine Hektik. Nur Wind. Meer. Und Freiheit.


Als ich später hinunter zum Kiesstrand blickte, entdeckte ich Seehunde. Wild. Neugierig. Ganz in ihrem Element. Sie tauchten zwischen den Wellen auf und verschwanden wieder in der Tiefe. Selbst Fritz hatte von seinem Platz aus einen perfekten Blick auf das Schauspiel.


Die Erde trug mich.

Die Luft brachte den Duft des Meeres.

Das Wasser erzählte seine uralten Geschichten.

Und tief unter Island schlummerte noch immer das Feuer, das all diese Schönheit erschaffen hatte.


Während die Abendsonne langsam tiefer sank und das Licht über den Atlantik wanderte, wurde mir wieder bewusst, weshalb ich diese Reise liebe. Nicht wegen der Sehenswürdigkeiten. Nicht wegen der Fotos. Sondern wegen solcher Abende. Allein mit den Elementen. Allein mit der Natur. Und doch niemals allein.


05. Jun. 2026 - 05. Jun. 2026
Short vom Fjord - Auf Schotterstraßen zu den alten Geistern des Nordens

Heute war kein Tag der großen Wasserfälle. Kein Tag der spektakulären Wanderungen. Kein Tag der touristischen Höhepunkte. Heute war ein Tag der Straße. Ein Tag der Küsten. Ein Tag der alten Geschichten. Genau jene Art von Tag, an denen man Odin eher begegnet als Reisebussen.


Am Morgen brach ich in Skagaströnd auf. Der Himmel war freundlich, der Wind zurückhaltend und Fritz bereit für die nächste Etappe. Heute sollte die Halbinsel Vatnsnes auf dem Programm stehen. Die berühmte Straße 711. Viele Reisende schrecken vor dem hohen Schotteranteil zurück. Doch als ich auf die ersten Kilometer einbog, musste ich schmunzeln. Nach allem, was Fritz und ich auf dieser Reise bereits erlebt haben, war diese Straße beinahe entspannend. Die 870 bei Kópasker hatte deutlich mehr Charakter. Natürlich verlangt die 711 Aufmerksamkeit. Man muss wissen, wie man auf Schotter fährt. Wie man mit Wellblechpisten umgeht. Wie man bergauf und bergab die richtige Linie findet. Doch genau diese Erfahrungen habe ich auf meinen Reisen durch Norwegen und das Baltikum gesammelt. Man spürt irgendwann den Untergrund. Man hört den Wagen. Man fährt nicht mehr gegen die Straße. Man fährt mit ihr. Und Fritz? Wie immer machte er seinen Job mit Bravour. 


Doch bevor die Küstenrunde begann, wartete noch ein anderer Ort auf mich. Der Kolugljúfur-Canyon. Schon beim ersten Blick wurde klar, dass dieser Ort mehr ist als nur ein Wasserfall. Das Wasser stürzt hier in mehreren Kaskaden durch die enge Schlucht. Weiß. Wild. Ungezähmt. Ich trat näher an die Kante. Und plötzlich spürte ich es. Nicht nur das Donnern. Sondern die Vibration. Die Kraft des Wassers übertrug sich auf den Boden. Durch die Schuhe. Durch die Beine. Bis tief in den Körper hinein. Als ich kurz die Augen schloss, war da nur noch das Element Wasser. Nicht sichtbar. Sondern fühlbar. Ein uralter Herzschlag der Erde. Und ausnahmsweise kostete der Parkplatz nichts. Ein seltenes Geschenk auf dieser Reise.


Mein nächster Halt führte mich zu Borgarvirki. Schon von weitem wirkt dieser Ort besonders. Ein alter Vulkanschlot. Von Menschen zu einer Festung umgebaut. Natur und Mensch haben hier gemeinsam Geschichte geschrieben. Ich stellte Fritz unterhalb des Felsens ab und blickte hinauf. Wie oft mögen hier Menschen gestanden haben? Wikinger. Bauern. Reisende. Alle auf der Suche nach Schutz. Nach Aussicht. Nach Orientierung. Vielleicht genau wie ich.


Danach begann die eigentliche Küstenrunde. Die Straße wurde besser. Die Landschaft immer größer. Und schließlich erschien er. Hvítserkur. Der berühmte Basaltfelsen. Wie ein uraltes Wesen, das aus dem Meer steigt. Der Legende nach ein Troll, der vom ersten Sonnenlicht überrascht und zu Stein wurde. Ich mag diese Geschichten. Weil sie zeigen, wie sehr die Menschen früher mit ihrer Landschaft verbunden waren.


1200 ISK Parkgebühr. Etwa acht Euro. Für ein Foto. Ich musste lachen. Aber Island wäre nicht Island ohne seine Eigenheiten. Und der Anblick war jede Krone wert. 


Danach setzte ich meine Fahrt fort. Kilometer um Kilometer führte die Schotterstraße entlang der Küste. Ich überholte einen Graveler. Beobachtete die wechselnden Farben des Meeres. Sah die Berge auf der anderen Seite des Fjordes. Und wieder wurde mir bewusst, weshalb ich diese Art des Reisens liebe. Nicht das Ankommen. Sondern der Weg. Die Landschaft. Die kleinen Entdeckungen zwischen den bekannten Orten. Die Einsamkeit. Die Nordspitze von Vatnsnes war überwältigend. Keine spektakulären Attraktionen. Keine Menschenmassen. Nur Meer. Himmel. Wind. Und Weite.


Mein ursprünglich geplanter Übernachtungsplatz überzeugte mich nicht. Also fuhr ich weiter. Wie so oft auf dieser Reise. Nicht nach Plan. Sondern nach Gefühl. Und genau das wurde belohnt. Am Abend erreichte ich Hamarsrétt. Ein einfacher Parkplatz. Keine Verbotsschilder. Keine Hektik. Dafür ein freier Blick auf den Nordatlantik.


Unterhalb des Platzes lag ein Kiesstrand. Dort entdeckte ich Seehunde. Wild. Unberührt. Ganz in ihrem Element. Sie spielten im Wasser. Tauchten auf. Verschwanden wieder. Sogar Fritz konnte sie von seinem Platz aus beobachten. Ich blieb lange stehen. Das Wasser vor mir. Die Erde unter mir.


Die Luft voller Salz und Meeresgeruch. Und tief unter Island das Feuer, das diese Insel einst erschaffen hat. Alle vier Elemente waren wieder da. Und irgendwo zwischen ihnen fand ich erneut das, was mich auf dieser Reise begleitet. Ruhe. Dankbarkeit. Und das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.


Tag 11
06.06.2026 Hexen und Fjorde - Entlang der Fjorde der Hexen
06. Jun. 2026 - 06. Jun. 2026
Tag 11 Hamarsrett nach Holmavik

km-Stand : 55.266   gef. Strecke : 161

Standort Morgens : FS Hammarsrett

Standort Abends : FS Hólmavíkurkirkjugarður GPS : 65.6992, -21.6939


06. Jun. 2026 - 06. Jun. 2026
Museum of Icelandic Sorcery and Witchcraft
65.70658918230647, -21.665594879229772

Das Museum of Icelandic Sorcery and Witchcraft in Hólmavík widmet sich einem faszinierenden und oft wenig bekannten Kapitel der isländischen Geschichte. Die Ausstellung erzählt von Hexerei, Magie und Volksglauben in Island zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert. Besonders interessant ist, dass in Island die meisten wegen Hexerei verurteilten und hingerichteten Personen Männer waren – ein deutlicher Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern.

Zu sehen sind alte Zauberzeichen, Runen, Schutzamulette und Überlieferungen über magische Rituale. Berühmt ist vor allem die Darstellung der sogenannten „Nábrók“, einer makabren Zauberhose aus der isländischen Folklore. Das Museum verbindet historische Fakten mit den Sagen und dem Aberglauben der damaligen Zeit und vermittelt einen spannenden Einblick in die mystische Welt der Westfjorde. 


Für mich war der Besuch weniger ein Museumsbesuch als eine Reise in die Gedankenwelt der Menschen, die einst in dieser rauen und abgelegenen Landschaft lebten. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Geschichte, Mythologie und den Kräften der Natur – und genau deshalb passt dieser Ort so gut zu den Westfjorden. 


06. Jun. 2026 - 07. Jun. 2026
Hólmavíkurkirkjugarður
65.69926904759656, -21.693954515095736

Freistehplatz neben einem Friedhof


06. Jun. 2026 - 06. Jun. 2026
Short vom Fjord - Entlang der Fjorde der Hexen

Heute war ein Tag der Küsten. Ein Tag der Fjorde. Ein Tag der alten Geschichten. Am Morgen verabschiedete ich mich von meinem Stellplatz in Hamarsrétt. Noch einmal blickte ich hinaus auf den Nordatlantik. Noch einmal suchte ich die Seehunde am Strand. Dann starteten Fritz und ich in Richtung Westfjorde. Der Himmel zeigte sich von seiner besten Seite. Tiefblau. Klar. Fast wolkenlos.


Solches Wetter macht Island noch schöner, als es ohnehin schon ist. Mein Weg führte mich entlang des gewaltigen Húnaflói. Kilometer um Kilometer folgte ich den Küstenlinien der Fjorde. Zuerst der Hrútafjörður. Dann der Bitrufjörður. Später der Kollafjörður. Und schließlich der Steingrímsfjörður. Jeder Fjord hatte seinen eigenen Charakter. Und doch waren sie alle durch dieselbe wilde Schönheit verbunden.


Die Straße schmiegte sich an die Küsten. Mal direkt am Wasser. Mal hoch oben über dem Meer. Immer wieder musste ich anhalten. Nicht weil es eine Sehenswürdigkeit gab. Sondern weil die Landschaft selbst die Sehenswürdigkeit war. 


Die Berge spiegelten sich in den Fjorden. Der Himmel verschmolz mit dem Meer. Die Küsten wirkten unendlich. Und während Fritz ruhig Kilometer um Kilometer sammelte, wurde mir bewusst, wie klein wir Menschen in dieser Landschaft eigentlich sind.


Die Fahrt verlangte Konzentration. Steile Anstiege. Steile Abfahrten. Enge Kurven. Manche Straßen klebten förmlich an den Berghängen. Links die Felsen. Rechts der Fjord. Doch genau solche Straßen liebe ich. Hier zeigt sich, ob Fahrer und Fahrzeug ein Team geworden sind. Fritz meisterte jede Steigung. Jede Kurve. Jede Küstenpassage. Und ich merkte wieder, wie viel mir meine Reisen durch Norwegen und das Baltikum gebracht haben. Man fährt solche Straßen irgendwann nicht mehr mit den Händen. Man fährt sie mit Erfahrung. 


Stunden später erreichte ich schließlich Hólmavík. Das Tor zu den Westfjorden. Schon lange hatte ich mich auf diesen Ort gefreut. Nicht wegen der Landschaft. Nicht wegen eines Wasserfalls. Sondern wegen seiner Geschichten. Mein Ziel war das Museum of Icelandic Sorcery and Witchcraft. Ein Ort, der perfekt zu Island passt. Denn kaum eine Region der Insel ist so eng mit den alten Erzählungen über Magie, Hexerei und Volksglauben verbunden wie die Westfjorde. Während in Europa vor allem Frauen verfolgt wurden, trafen die Hexenprozesse Islands überwiegend Männer. Runen. Schutzzeichen. Beschwörungen. Alte Überlieferungen. Die Ausstellung war faszinierend. Nicht weil sie spektakulär war. Sondern weil sie einen Einblick in eine Zeit gab, in der die Menschen die Kräfte der Natur noch ganz anders verstanden. Eine Zeit, in der die Grenze zwischen Wirklichkeit und Mythologie fließend war. Und vielleicht ist sie das hier draußen bis heute geblieben.


Während ich später durch Hólmavík ging, dachte ich daran, dass morgen ein neues Kapitel meiner Reise beginnt. Die Westfjorde. Die wildeste. Die einsamste. Und vielleicht auch die mystischste Region Islands. Die Landschaft wird rauer werden. Die Straßen schmaler. Die Fjorde tiefer. Und die Geschichten älter. Ich freue mich darauf. Denn irgendwo dort draußen warten bereits neue Sagen. Neue Kraftorte. Neue Begegnungen mit den Elementen. 


Die Erde wird mich tragen.

Das Wasser wird mich begleiten.

Die Luft wird die Geschichten der Fjorde erzählen.

Und das Feuer wird tief unter Island weiter schlafen.


Morgen beginne ich mein Abenteuer in den Westfjorden. Und ich habe das Gefühl, dass Odin dort bereits auf mich wartet.

Ich werde in Holmavik nochmal einkaufen (Sonntags ist hier immer geöffnet) und Vorräte aufstocken.

Mein Tipp für die Westfjorde. Ab morgen werden die Orte kleiner und die Entfernungen größer. Bevor du tiefer in die Westfjorde fährst, würde ich in Hólmavík noch einmal:

  • Wasser auffüllen
  • Lebensmittel ergänzen
  • Diesel tanken

Viele der kleinen Orte haben zwar Läden, aber deutlich kleinere Auswahl und teilweise eingeschränkte Öffnungszeiten.


Für einen Reisenden wie Flóki wäre das egal gewesen. Für Fritz und seinen Fahrer empfiehlt sich dagegen ein voller Tank und ein voller Kühlschrank. 


Tag 12
07.06.2026 Hinein in die Westfjorde
Tag 12 Holmavik - Seal lookout

km-Stand : 55.440    gef. Strecke : 174

Standort Morgens : FS Holmavik

Standort Abends : FS Seal Lookout Dardjup   GPS : 65.9946, -22.8136


07. Jun. 2026 - 07. Jun. 2026
Straße 61 (Djúpvegur)

Die Straße 61 (Djúpvegur)   sieht grundsätzlich gut aus und ist eine der wichtigsten Verbindungen in die Westfjorde. Sie ist komplett asphaltiert und ganzjährig befahrbar.

Für Fritz bedeutete das:

✅ Keine F-Straße
✅ Kein 4x4 erforderlich
✅ Keine Furten
✅ Überwiegend guter Fahrbahnbelag


Die Westfjorde bleiben die Westfjorde.

Die Straße folgt den Fjorden und führt immer wieder über Pässe, entlang steiler Berghänge, durch enge Kurven und über längere An- und Abstiege. Teilweise gibt es Abschnitte ohne Leitplanken und mit beeindruckenden Tiefblicken auf die Fjorde. Landschaftlich beginnt einer der schönsten Abschnitte meiner Reise. Die Fjorde werden tiefer. Die Berge rücken näher ans Meer. Die Siedlungen werden seltener. Und die Straßen folgen immer enger den Küstenlinien. Kurz gesagt: Dieser Tag ist kein Tag für Eile. Dies ist ein Tag für Fotostopps, Kaffee mit Blick auf einen Fjord und das Gefühl, langsam in das wilde Herz der Westfjorde einzutauchen. 


Hörgshlíðarlaug
65.83045670109819, -22.625835980009747

Der Hörgshlíðarlaug war genau die Art von Ort, die ich auf dieser Reise suche. Kein großes Thermalbad. Keine Eintrittskasse. Keine Reisebusse. Nur ein kleiner Hot Pot direkt am Fjord.


Als ich Fritz am Straßenrand abstellte und die wenigen Schritte zum Becken ging, öffnete sich vor mir eine Landschaft, die kaum schöner hätte sein können. Der Fjord lag ruhig unter dem blauen Himmel. Die Berge spiegelten sich im Wasser. Der Wind war kaum zu spüren. Natürlich musste zuerst die Messpistole her. 41 Grad. Ordentlich warm. Ich stieg hinein und spürte sofort, wie die Wärme der Erde meinen Körper umschloss. Dort saß ich nun. Allein. Mitten in den Westfjorden. Vor mir das Element Wasser. Unter mir die Wärme des Feuers tief im Inneren Islands. Die diesen HotPot erhitzt. Über mir die klare Luft. Und um mich herum die uralten Berge. Alle vier Elemente waren an diesem Ort vereint.


Während ich im heißen Wasser saß, ließ ich meinen Blick immer wieder über den Fjord schweifen. Natürlich hielt ich Ausschau nach Walen. Nach meiner Begegnung im Eyjafjörður schaut man irgendwie automatisch auf jede Bewegung im Wasser. Doch heute zeigte sich keiner. Das spielte keine Rolle. Denn manchmal genügt es, einfach dazusitzen. Zu schauen. Zu lauschen. Zu sein. Die Stille dieses Ortes war beeindruckender als jede Sehenswürdigkeit. Kein Verkehr. Keine Stimmen.


Nur das leise Plätschern des Wassers und der Blick hinaus auf den Fjord. Viel zu lange hielt ich es allerdings bei 41 Grad nicht aus. Irgendwann begann selbst mein Island-erprobter Kreislauf zu protestieren. Als ich mich wieder abtrocknete, wurde mir bewusst, warum solche Orte zu meinen schönsten Erinnerungen gehören werden. Nicht wegen ihrer Bekanntheit. Nicht wegen spektakulärer Fotos. Sondern wegen dieses Gefühls. Allein mit Fritz unterwegs. Tief in den Westfjorden. Und für einen kurzen Moment vollkommen im Einklang mit der Landschaft.


Seal lookout
65.99220075540235, -22.814143850800573

Ein weiterer Stopp auf dem Weg in die Westfjorde war ein unscheinbarer Ort direkt an der Straße 61. Zugleich mein Stellplatz für die Nacht. Ein Ort ohne große Schilder. Ohne Besucherzentrum. Ohne Reisebusse. Dafür mit den eigentlichen Bewohnern dieser Küste. Seehunden. Bereits auf meiner Reise entlang von Vatnsnes hatte ich diese faszinierenden Tiere beobachten dürfen. Doch hier, am Eingang zu den Westfjorden, begegneten sie mir erneut. Als wollten sie mich in ihrer Welt willkommen heißen. Ich stellte Fritz an einem Pier ab und ging ein Stück die Straße entlang. Der eigentliche Aussichtspunkt lag etwas zu weit entfernt, um die Tiere wirklich beobachten zu können. Der Aussichtsplatz ist wohl neu gestaltet. Nicht zu nah. Nicht störend. Nur nah genug, um die Natur wirken zu lassen. Vor mir lag der Fjord. Still. Weit. Fast spiegelglatt. Zwischen den Algenwäldern tauchten immer wieder die Köpfe der Seehunde auf. Manche lagen entspannt auf den Steinen und genossen die Sonne. Andere schwammen neugierig durch die Bucht. Für einen Moment schien es, als würden sie mich genauso beobachten wie ich sie. Ich stand dort allein. Kein Mensch weit und breit. Nur ich. Die Seehunde. Der Fjord. Und Fritz, der geduldig am Pier auf mich wartete.


Der Wind brachte den salzigen Geruch des Meeres mit sich. Möwen kreisten über dem Wasser. Die Berge spiegelten sich auf der Oberfläche des Fjords. Wieder war es das Element Wasser, das diesen Ort bestimmte. Nicht als tosende Gewalt wie am Dettifoss. Nicht als donnernder Wasserfall wie am Goðafoss. Sondern als ruhige, lebendige Heimat für all die Geschöpfe, die hier leben. Ich blieb lange stehen. Schaute. Lauschte. Genoss. Denn genau deswegen bin ich unterwegs. Nicht um möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Nicht um von einem Fotostopp zum nächsten zu hetzen. Sondern um solche Momente zu erleben. Momente, in denen die Welt still wird. Momente, in denen man Teil der Landschaft wird. Momente, in denen man spürt, dass die Natur keinen Zuschauer braucht. Und während ich zurück zu Fritz ging, wusste ich: Die Westfjorde hatten gerade erst begonnen. Doch sie fühlten sich schon jetzt an wie das wilde Herz Islands.


Short vom Fjord - Das Tor zu den Westfjorden

Heute begann der Tag früh. Sehr früh. Die Sonne war bereits über den Fjord geklettert, als ich vor Fritz stand und die Scheiben vom Salz und Staub der letzten Tage befreite. Danach gab es Frühstück. Rührei in der Pfanne. Kaffee in der Hand. Nordatlantik vor der Tür.


Und während ich dort saß, geschah etwas Besonderes. Weit draußen im Fjord tauchte plötzlich ein Wal auf. Ein Atemstoß. Eine dunkle Rückenflosse. Dann verschwand er wieder in den Tiefen. So beginnt man gerne einen Reisetag.


Nachdem Wasser aufgefüllt und die üblichen Ver- und Entsorgungsarbeiten erledigt waren, verabschiedete ich mich von meinem Stellplatz. Heute sollte es in die Westfjorde gehen. Der Himmel zeigte sich freundlich. Tiefblau. Nur wenige Wolken zogen über die Berge. 


Schon die Fahrt auf der 61 war ein Erlebnis. Die Fjorde wurden tiefer. Die Berge steiler. Die Landschaft rauer. Immer wieder musste ich anhalten. Nicht wegen einer Sehenswürdigkeit. Sondern weil die Natur selbst die Sehenswürdigkeit war. An einem Fjordufer entdeckte ich plötzlich einen braunen Polarfuchs. Nur für wenige Augenblicke. Er bewegte sich lautlos durch die Landschaft, als wäre er ein Geist der Westfjorde. Bevor ich die Kamera richtig bereit hatte, war er bereits wieder verschwunden. Später erreichte ich ein Flussdelta. Dort hatte sich eine große Schwanenkolonie versammelt. Weiße Punkte inmitten der weiten Landschaft.


Ich ließ die Drohne steigen. Von oben zeigte sich das wahre Ausmaß dieser Region. Fjorde. Berge. Wasserläufe. Und dazwischen die schmale Straße, auf der Fritz und ich unterwegs waren. Hier beginnen die Westfjorde.

Und das spürt man. Die Straße führte immer höher hinauf. Kurve um Kurve. Bis auf etwa 440 Meter Höhe. Und dann öffnete sich plötzlich die Landschaft. Vor mir lagen die Westfjorde. Gewaltige Fjorde schnitten tief in das Land. Die Berge fielen steil ins Meer.


Mein erstes Ziel war die Schotterstraße 633. Eine dieser Straßen, die genau meinem Geschmack entsprechen. Nicht spektakulär. Nicht berühmt. Aber wunderschön.


Am Ende wartete Hörgshlíðarlaug. Ein kostenloser Hot Pot direkt am Fjord. Natürlich musste zuerst die Messpistole her. 41 Grad. Ordentlich. Für einen kurzen Moment überlegte ich. Dann siegte die Neugier. Also hinein. Das heiße Wasser umschloss mich sofort. Die Wärme stieg durch den Körper. Der Blick wanderte über den Fjord. Die Berge spiegelten sich auf der Wasseroberfläche. Ein perfekter Ort. Lange hielt ich es allerdings nicht aus. Der Hot Pot begann seinen Kampf gegen meinen Kreislauf zu gewinnen. Als ich wieder herausstieg, traf ein deutsches Pärchen ein. Ihre Reaktion war herrlich. Rein. "Puh!" Raus. Manchmal sagt ein einziges Wort alles. 


Danach führte mich mein Weg weiter zu einem Aussichtspunkt für Seehunde. Und tatsächlich. Überall im Wasser tauchten Köpfe auf. Neugierige Augen beobachteten mich ebenso aufmerksam, wie ich sie beobachtete. Zwei Tiere lieferten sich direkt vor mir sogar einen kleinen Schaukampf. Kein Ernst. Mehr ein Kräftemessen. Für einige Minuten vergaß ich völlig die Zeit. Ich stand einfach dort und schaute zu. Solche Begegnungen kann man nicht planen. Sie sind Geschenke der Natur. Der Höhepunkt des Tages wartete jedoch noch auf mich. 


Die Straßen wirkten winzig. Ich hielt an. Stieg aus. Und ließ den Blick schweifen. Die Erde zeigte sich hier in ihrer ganzen Größe. Das Wasser formte die Fjorde. Die Luft trug den Duft des Nordatlantiks. Und tief unter all dem schlummerte das Feuer, das diese Landschaft einst erschaffen hatte. Für einen Moment war alles still. Nur Wind. Nur Weite. Nur Island. Und wieder spürte ich diese tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, diesen Ort sehen zu dürfen. Dankbarkeit dafür, diesen Weg fahren zu dürfen. Und Dankbarkeit dafür, dass Fritz und ich immer weiter nach Norden, Westen und hinein in die Geschichten dieser Insel reisen.


Tag 13
08.06.2026 Wenn Odin den Reiseplan ändert
08. Jun. 2026 - 08. Jun. 2026
Tag 13 Seal Lookout - Flokalandur

km-Stand : 55.640    gef. Strecke : 200

Standort Morgens : FS Seal Lookout

Standort Abends : CP Flokalandur
GPS : 65.57741242806385, -23.172131131588003


Arctic Fox Centre
66.03065218783284, -22.992016405112032

Mein erster Halt des Tages war das Arctic Fox Center. Ein kleines Informationszentrum in einem alten Holzhaus direkt am Fjord. Von außen unscheinbar. Von innen voller Geschichten. Schon beim Betreten wurde schnell klar, dass es hier nicht nur um einen niedlichen Bewohner Islands geht. Es geht um eine Beziehung. Eine schwierige Beziehung.

Eine Geschichte, die seit über 1100 Jahren andauert. Der Polarfuchs war bereits auf Island zuhause, lange bevor die ersten Wikinger mit ihren Schiffen die Küsten erreichten. Als die Siedler kamen, begann ein Konflikt, der bis heute nicht vollständig beendet ist. Über Jahrhunderte galt der Polarfuchs als Konkurrent des Menschen. Als Räuber. Als Bedrohung für Schafe und Geflügel. Im Museum wird eindrucksvoll dargestellt, wie dieser jahrhundertelange Kampf zwischen Mensch und Fuchs das Leben in Island geprägt hat. Besonders faszinierend fand ich die Geschichte der Fuchsjagd. Sie gilt als die älteste bezahlte Tätigkeit Islands. Generationen von Jägern zogen hinaus in die Berge und Fjorde. Mit einfachen Waffen. Mit Fallen. Mit Hunden. Nicht aus Abenteuerlust. Sondern um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Ausstellung zeigte alte Ausrüstungsgegenstände, Jagdmethoden und Geschichten aus einer Zeit, in der das Überleben eng mit den Kräften der Natur verbunden war. Ebenso spannend war der Blick auf die Fuchsfarmen, die später entstanden und deren Einfluss auf die wilden Populationen Islands. Doch trotz aller Konflikte spürte ich während des Besuchs etwas anderes. Respekt. Respekt vor einem Tier, das es geschafft hat, in einer der härtesten Landschaften Europas zu überleben. Der Polarfuchs trotzt Schneestürmen. Der Dunkelheit des Winters. Der Einsamkeit. Er lebt dort, wo viele andere Tiere längst aufgegeben hätten. Im Gehege des Centers begegnete ich schließlich einem einzelnen Polarfuchs. Er wirkte ruhig. Beobachtete seine Umgebung aufmerksam. Fast so, als würde er über die Besucher urteilen. Für einen Moment erinnerte er mich an die Westfjorde selbst. Still. Unnahbar. Wild. Und während ich später wieder zu Fritz zurückging, musste ich daran denken, dass wir Menschen oft glauben, die Natur beherrschen zu können. Doch Orte wie das Arctic Fox Center erinnern daran, dass wir letztlich nur Gäste sind. Die Füchse waren schon hier, bevor die ersten Siedler ihre Langhäuser bauten. Sie waren hier vor den Straßen. Vor den Städten. Vor den Kirchen. Und wenn die Geschichten der Menschen längst vergessen sind, werden ihre Nachfahren wahrscheinlich noch immer durch die Fjorde und Berge Islands streifen.


08. Jun. 2026 - 08. Jun. 2026
WhaleWatching Aussichtspunkt
66.09553998529752, -23.023611232912796

Dynjandi - der schönste Wasserfall der Insel
65.73369605498793, -23.19371783676637

Da  der Bolafjall und Mini-Bakki für nicht 4x4 gesperrt war bin ich gleich durch zum Wasserfall Dynjandi gefahren.


Der Wasserfall Dynjandi ist der höchste Wasserfall im Gebiet der Westfjorde. Er stürzt von der Hochfläche Dynjandisheiði über zahllose Stufen rund 100 Meter in die Tiefe und wird dabei immer breiter. Noch im 19. Jahrhundert war der Wasserfall als Fjallfoss bekannt. Sein heutiger Name – er bedeutet soviel wie „Dröhner“ – leitet sich vom lauten Dröhnen des fallenden Wassers ab, dass über große Entfernung zu hören ist. Unterhalb des Dynjandi liegen viele kleinere Wasserfälle und hinter dem Göngumannafoss kann man sogar vorbeigehen.

Gísli Saga signs
65.67140617374342, -23.23673365963415

Während meiner Fahrt auf der 61 begegnete mir immer wieder ein Name: Gísli.


An verschiedenen Stellen entlang der Straße stehen Hinweistafeln zur Gísla Saga Súrssonar, einer der bekanntesten Isländersagas. Plötzlich wird die Landschaft lebendig. Die Fjorde. Die Berge. Die einsamen Täler. All das ist nicht mehr nur Natur.

Es wird zur Bühne einer Geschichte, die hier vor über tausend Jahren gespielt haben soll. 


Die Saga erzählt von Gísli Súrsson, einem Mann, dessen Schicksal von Treue, Rache, Verrat und Ehre bestimmt wurde. Durch einen Streit innerhalb der eigenen Familie geriet er in einen Strudel aus Konflikten und Blutrache. Schließlich wurde er zum Geächteten erklärt und musste jahrelang als Flüchtiger durch die wilden Fjorde und Berge dieser Region ziehen.


Während ich die Straße entlangfuhr, versuchte ich mir vorzustellen, wie Gísli einst durch genau diese Landschaft wanderte. Ohne Straße. Ohne Karte. Ohne Fritz. Nur mit seinem Mut. Seinem Schicksal. Und den Göttern. Die steilen Berghänge der Westfjorde wirkten plötzlich noch rauer. Die Fjorde noch einsamer. Hier draußen konnte man verstehen, warum die alten Sagas so eng mit der Natur verbunden sind. Die Menschen kämpften nicht nur gegeneinander. Sie kämpften auch gegen Wind, Kälte, Hunger und die gewaltige Landschaft selbst. 


Vielleicht faszinieren mich die Sagas deshalb so sehr. Weil sie zeigen, dass Island nie nur aus Bergen, Wasserfällen und Fjorden bestand. Island besteht aus Geschichten. Und manchmal genügt ein einfaches Schild am Straßenrand, um einen für einen Moment tausend Jahre in die Vergangenheit reisen zu lassen.


Flókalundur Campsite
65.57578077606831, -23.163599686522474

08. Jun. 2026 - 08. Jun. 2026
Short vom Fjord - Wenn Odin den Reiseplan ändert

Heute war wieder einer dieser Tage, die man nicht planen kann. Einer jener Tage, an denen die Straße entscheidet. Das Wetter entscheidet. Und manchmal vielleicht auch Odin.


Die Nacht war unruhig. Nicht wegen Lärm. Nicht wegen Menschen. Sondern wegen des Regens. Die ganze Nacht prasselte er auf Fritz herab. Während ich am Ufer stand, lauschte ich dem Trommeln auf dem Dach und fragte mich, wie die Piste am Morgen aussehen würde. Als ich die Tür öffnete, war die Welt noch immer nass. Doch alle Sorgen waren unbegründet. Fritz rollte ohne Murren vom Platz. Keine Probleme. Kein Festfahren. Kein Drama. Wieder einmal zeigte sich, dass Erfahrung und Gelassenheit oft die besten Reisebegleiter sind.


Mein erster Halt war das Arctic Fox Center. Ein kleines Informationszentrum in einem alten Holzhaus. Von außen urig. Gemütlich. Fast wie ein altes Fischerhaus. Drinnen erfuhr ich einiges über den Polarfuchs, den einzigen ursprünglich in Island heimischen Landsäuger. Ein einsamer Fuchs im Gehege blickte mich aufmerksam an. Irgendwie passte er zu diesem Tag. Allein. Still. Ein Bewohner einer rauen Welt. 


Danach wurde es deutlich weltlicher. AdBlue auffüllen. Lebensmittel einkaufen. Und ein Besuch in der Vínbúðin. Dem einzigen Ort Islands, an dem man Bier und Hochprozentiges kaufen kann. Und wie so oft auf dieser Reise geschah etwas, das mich zum Schmunzeln brachte. Mitten in den Westfjorden. Weit weg von Zuhause. Und wen trifft man? Deutsche aus dem Ländle. Die Welt ist manchmal wirklich erstaunlich klein.


Eigentlich hatte ich für heute andere Pläne. Bolafjall. Minnibakki. Die wilden Küsten ganz im Nordwesten. Doch Island hatte andere Vorstellungen. Je weiter ich fuhr, desto dichter wurde der Nebel. Irgendwann verschwand die Landschaft vollständig. Die Sichtweite schrumpfte auf wenige Meter. Alles wurde grau. Still. Verschluckt von den Wolken. Eine echte Waschküche. Gleichzeitig waren die Zufahrten für Fahrzeuge ohne Allrad gesperrt. Damit war die Entscheidung gefallen. Kein Bolafjall. Kein Minnibakki. Früher hätte mich so etwas vielleicht geärgert. Heute weiß ich:

Island zeigt dir nicht immer das, was du sehen möchtest. Sondern das, was du sehen sollst.


Also änderte ich den Plan. Wie so oft auf dieser Reise. Und genau das wurde belohnt. Mein Weg führte mich stattdessen zum Dynjandi. Dem König der Wasserfälle in den Westfjorden. Schon von weitem war sein weißes Band zwischen den Bergen zu erkennen. Je näher ich kam, desto gewaltiger wirkte er. Eine kurze Wanderung führte mich hinauf. Vorbei an kleineren Wasserfällen. Immer begleitet vom Rauschen des Wassers. Mit jedem Schritt wurde die Kraft dieses Ortes spürbarer. Das Wasser stürzt hier nicht einfach in die Tiefe. Es breitet sich wie ein gewaltiger Schleier über den Fels aus. Als würde die Erde selbst einen weißen Mantel tragen. Ich blieb lange stehen. Spürte die Gischt. Lauschte dem Donnern. Und dankte dem Element Wasser für diesen Moment. 


Danach begann die eigentliche Herausforderung des Tages. Die Straßen der Westfjorde. Steile Bergpässe. Enge Kurven. Lange Anstiege. Tiefe Fjorde. Kilometer um Kilometer arbeitete sich Fritz durch die Landschaft. Manchmal fühlte es sich weniger wie Autofahren an. Mehr wie Reiten. Als würde ich ein treues Pferd durch die Berge führen. Und Fritz trug mich zuverlässig über jeden Pass. Immer weiter hinein in die wilde Schönheit dieser Halbinsel. 


Nach rund 200 Kilometern erreichte ich schließlich Flókalundur. Ein guter Ort zum Ankommen. Ein guter Ort zum Durchatmen. Und während die Wolken langsam über die Fjorde zogen, dachte ich an den heutigen Tag. Nichts war so gekommen wie geplant. Und doch war alles genau richtig. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion dieser Reise. Nicht gegen Island arbeiten. Mit Island reisen.


Denn die schönsten Geschichten entstehen oft dort, wo man seinen Plan loslässt und dem Weg vertraut.


Tag 14
09.06.2026 Von den Hinterlassenen und den Kräften der Elemente
Tag14 Flokalandur nach Látrabjarg

km-Stand : 55.782    gef. Strecke : 142 km

Standort Morgens : CP Flokalandur

Standort Abends : CP Breidavik Camping   GPS : 65.5498, -24.3525


Für Fritz (2WD-Camper) ist die Strecke von Flókalundur → Straße 60 → 62 → 612 → Látrabjarg (Papageientaucherklippen) grundsätzlich machbar, aber sie wird mit jedem Kilometer anspruchsvoller.

Abschnitt 1: Straße 60 (Vestfjarðavegur)

  • Überwiegend asphaltiert.
  • Einige steile Passagen und Serpentinen.
  • Nach Dynjandi aktuell teilweise Straßenarbeiten und mögliche Verzögerungen. Für Fritz: problemlos.

Abschnitt 2: Straße 62 (Barðastrandarvegur)

  • Mischung aus Asphalt und gutem Schotter.
  • Küstenstraße mit einigen engen Kurven.
  • Teilweise Schlaglöcher und Wellblech möglich.

Für Fritz: problemlos, aber gemütlich fahren.

Abschnitt 3: Straße 612 (Örlygshafnarvegur)

Jetzt beginnt der interessante Teil. Die 612 startet relativ harmlos, wird aber mit jedem Kilometer rauer. Der Schotter wird gröber, die Fahrbahn schmaler und die Schlaglöcher häufiger. Mehrere Reiseberichte beschreiben die Straße als deutlich schlechter als die 60 oder 62. Für normale Pkw ist sie im Sommer grundsätzlich befahrbar, ein 4x4 ist nicht zwingend notwendig, erhöht aber Komfort und Sicherheitsreserven deutlich. Für dich persönlich

Nach allem, was du bereits gefahren bist:

  • 870 bei Kópasker
  • 711 auf Vatnsnes
  • diverse Ostfjord-Schotterstrecken
  • 633 Richtung Hörgshlíðarlaug

wird dich die 612 fahrerisch nicht überraschen. Das eigentliche Risiko

Nicht die Straße. Sondern das Wetter.

Die Region ist berüchtigt für:

  • Nebel
  • niedrige Wolken
  • Seitenwind
  • plötzlich schlechte Sicht

Gerade an den Klippen kann innerhalb weniger Minuten aus blauem Himmel eine komplette Waschküche werden. So wie tags zuvor bei Minibakki. 


Aber dieses mal war alles anders. Das Wetter wurde immer besser bis zum Schluss blauer Himmel. Der Wind war kaum spürbar. Die Straßen waren wie vorhergesagt. Erforderten Aufmerksamkeit. Aber Fritz bewältigte die Gravel- und GranitFelsbrocken mit gewohnter Gelassenheit.


Reykjafjarðarlaug Hot Pool
65.62251780130427, -23.46529688738424
Am Ende des Reykjaförður, einem kleinen Seitenfjord des Arnarfjörður, liegt das Bad Reykjafjarðarlaug direkt an der Straße 63. Das große Betonbecken (16 x 10 Meter) wurde im Jahr 1975 gebaut. Es hat eine Tiefe von 1,2 - 1,8m und eine Temperatur von 32°C. Ein Umkleidehäuschen steht zur Verfügung. Einige Meter vom Betonbecken entfernt wurde ein Bach aufgestaut. Es hat sich ein kleiner Teich von 5 x 4 Metern und 50cm Tiefe gebildet, das Wasser hat eine Temperatur von knapp über 40°C.

The A-house Abandoned Barn Fossfjörður - Fotostop
65.61118043487954, -23.527040645818854
In Fossfjörður, einem der Seitenfjorde von Arnarfjörður, befindet sich das A-Haus. Ein kleines, charmantes Haus, das in den sozialen Medien für Aufsehen sorgte und bei Reisenden und Fotografen sehr beliebt ist. Das verlassene Haus hat eine besondere Form und seine charmante Lage hat die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf sich gezogen, die auf den holprigen Straßen der Westfjorde unterwegs sind.

Garðar BA 64 - Fotospot
65.51742440935098, -23.838398401031316

Das Walfangschiff Garðar BA 64, norwegischen Ursprungs, wurde bereits 1912 gebaut (dem Jahr der Titanic-Katastrophe) und ist das älteste Stahlschiff in Island. Seit 1981 befindet es sich „an Land“ an der Küste der Westfjorde.

Du findest die Garðar BA 64 am Strand entlang der Straße 612, etwa einen Kilometer von der Abzweigung der Straße 62 entfernt. Du wirst den Ort sicherlich nicht verfehlen, wenn du die Papageitaucher an den Látrabjarg-Klippen besuchen möchtest.


Hnjótur
65.56268218566093, -24.158031089905425

Ein weiterer Halt auf meinem Weg durch die Westfjorde führte mich nach Hnjótur. Eigentlich bekannt durch sein kleines Museum, das die Geschichte der Region, der Seefahrt und der Luftrettung erzählt. Doch heute blieb die Tür für mich geschlossen. Nicht weil das Museum geschlossen war. Sondern weil mich etwas anderes anzog. Draußen. Auf dem Gelände. Mitten zwischen Wind, Gras und den Geschichten vergangener Zeiten. Dort steht das Wrack eines alten Flugzeugs der US Navy. Ein stiller Zeuge einer längst vergangenen Epoche. Während des Zweiten Weltkriegs unterhielten die Amerikaner auch in den entlegenen Regionen Islands Beobachtungs- und Versorgungsstützpunkte. Die Westfjorde waren strategisch wichtig für die Überwachung des Nordatlantiks. Heute erinnert dieses Flugzeug an jene Zeit. Verwittert. Rostig. Vom Wind gezeichnet. Und doch wirkt es irgendwie fehl am Platz. Als hätte es jemand vor Jahrzehnten hier abgestellt und anschließend vergessen. Ich lief einige Male um das Wrack herum. Machte Fotos. Die raue Natur der Westfjorde. Die grünen Wiesen. Die umliegenden Berge. Und mittendrin diese Maschine aus Metall. Ein Stück Menschheitsgeschichte in einer Landschaft, die sich um Geschichte wenig zu kümmern scheint. Wind. Regen. Salz. Die Elemente holen sich hier alles irgendwann zurück. Während ich meine Aufnahmen machte, dachte ich daran, wie viele Menschen einst mit solchen Maschinen unterwegs gewesen sein müssen. Wie viele Geschichten dieses Flugzeug erzählen könnte. Heute schweigt es. Und genau deshalb passte es perfekt zu meinem heutigen Reisetag. Ein weiterer Ort der Verlassenen und Hinterlassenen. Ein weiterer Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Látrabjarg – Am Ende Europas
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Als ich an den Klippen von Látrabjarg stand, hatte ich das Gefühl, nicht nur am Rand Islands zu stehen. Sondern am Rand einer Welt. Vor mir lag nichts mehr. Nur der Nordatlantik.


Tagelang könnte man nach Westen fahren, ohne auf Land zu treffen. Der Wind kam direkt vom offenen Meer. Ungebremst. Frei. Uralt. Die Westfjorde sind die ältesten Landschaften Islands. Lange bevor die Vulkane im Süden und im Hochland ihre Feuer spuckten, waren diese Berge bereits hier.


Vor Millionen von Jahren entstanden aus gewaltigen Basaltströmen die Fundamente dieser Region. Später kamen die Gletscher und schnitten tiefe Fjorde in das harte Gestein. Wenn man heute auf den Klippen steht, kann man diese Geschichte sehen. Schicht für Schicht. Fels für Fels. Jahrmillionen liegen offen vor einem. 


Doch wie so oft in Island erzählen die Menschen eine andere Geschichte. Eine schönere. Eine, die besser zu diesem wilden Land passt. Der Sage nach wollten einst drei Nachttrolle die Nordwestfjorde vom Rest Islands trennen. Sie begannen, einen gewaltigen Graben auszuheben und wollten aus den Westfjorden eine eigene Insel machen. Die ganze Nacht arbeiteten sie. Schaufel um Schaufel. Fels um Fels. Doch bevor sie ihr Werk vollenden konnten, ging die Sonne auf. Wie alle Trolle wurden sie vom ersten Licht getroffen und augenblicklich zu Stein.


Der gewaltige Aushub ihres gescheiterten Vorhabens soll noch heute sichtbar sein. In den zahllosen Inseln des Breiðafjörður und des Kollafjörður. Als ich über die Landschaft blickte, musste ich lächeln. Denn in Island wirken selbst die größten Landschaften oft so, als hätte tatsächlich ein Riese oder ein Troll seine Hände im Spiel gehabt.


Látrabjarg selbst ist kaum zu beschreiben. Über sechzehn Kilometer ziehen sich die Klippen entlang der Küste. An manchen Stellen fallen sie fast vierhundert Meter senkrecht ins Meer. Der Blick nach unten lässt einen klein werden. Der Blick nach oben ebenso. Und überall Leben. Papageientaucher. Lummen. Möwen. Unzählige Seevögel nutzen die Felswände als Brutplätze. Die Luft ist erfüllt von ihren Rufen. Ihre Bahnen ziehen sie scheinbar mühelos entlang der Aufwinde. Während tief unten die Brandung gegen die Felsen schlägt.


Ich stand lange dort. Spürte den Wind. Spürte die Weite. Spürte die Kraft dieses Ortes. Die Erde zeigte hier ihr uraltes Gesicht. Das Wasser arbeitete seit Jahrmillionen an den Klippen. Die Luft trug die Vögel über den Abgrund. Und tief unter den ältesten Bergen Islands schlummerte noch immer das Feuer, das all dies einst erschaffen hatte.


Hier am Ende Europas wurde mir wieder bewusst, warum ich diese Reise mache. Nicht um Ziele abzuhaken. Nicht um Fotos zu sammeln. Sondern um solche Orte zu erleben. Orte, an denen Landschaft, Geschichte, Sagen und die Elemente miteinander verschmelzen. Und während ich auf den Horizont blickte, hatte ich für einen Moment das Gefühl, als würde hinter dem Meer bereits die Welt der alten Götter beginnen.


09. Jun. 2026 - 09. Jun. 2026
Breiðavík, der goldene Strand der Westfjorde
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Manchmal findet man einen Ort nicht auf der Landkarte. Man findet ihn im Herzen. So ging es mir heute mit Breiðavík. Bereits auf dem Weg zu den Klippen von Látrabjarg war mir die Bucht aufgefallen. Wie ein goldener Fleck inmitten der wilden Westfjorde.

Ein Anblick, den man in Island kaum erwartet. Zwischen den dunklen Bergen und den schroffen Klippen lag plötzlich ein weiter Sandstrand. Kein schwarzer Vulkanstrand. Keine Kiesel. Kein Lavageröll. Sondern echter Sand. Hell. Weich. Goldfarben. Fast unwirklich.


Als ich später von Látrabjarg zurückkehrte, wusste ich sofort: Hier möchte ich bleiben. Die Bucht wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Eine kleine Kirche. Einige wenige Gebäude. Eine Handvoll Menschen. Doch genau das macht ihren Zauber aus. Kein Trubel. Keine Menschenmassen. Keine Hektik. Nur die Bucht. Der Strand. Der Wind. Und das Meer.


Während ich langsam durch die Landschaft rollte, wurde mir klar, dass ich mein Ziel für die nächsten Tage bereits gefunden hatte. Breiðavík schenkte mir genau das, wonach ich auf dieser Reise immer wieder suche: Ruhe. Weite. Zeit. Also beschloss ich spontan, zwei Nächte zu bleiben. Die Reiseplanung gibt das problemlos her.


Und manchmal ist es wichtiger, einen besonderen Ort wirklich zu erleben, als möglichst viele Kilometer zu sammeln. Gleichzeitig fiel eine andere Entscheidung. Den geplanten Abstecher nach Melanes werde ich streichen. Die Zufahrt hätte Fritz vermutlich einiges abverlangt. Und ganz ehrlich: Warum weiterfahren, wenn man bereits angekommen ist?


Der Nachmittag zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Sonne ließ den Strand leuchten. Der Atlantik glitzerte.

Die Wolken warfen ihre Schatten über die Berge. Natürlich musste die Drohne noch einmal in die Luft. Von oben wurde die ganze Schönheit dieses Ortes sichtbar. Die geschwungene Küstenlinie. Die mächtigen Klippen. Die Weite des Ozeans. Und mittendrin mein kleiner Fritz. Ein winziger Punkt in einer gewaltigen Landschaft.


Genau so fühlt sich Island oft an. Man erkennt, wie klein man selbst ist. Und gleichzeitig, wie groß das Geschenk ist, solche Orte erleben zu dürfen. 


Morgen wird ein besonderer Tag. Ein Tag ohne Kilometer. Ein Tag ohne Passstraßen. Ein Tag ohne neue Ziele. Fritz darf auf seiner Wiese stehen bleiben. Ich werde den Strand genießen. Dem Wind lauschen. Über das Meer blicken. Und einfach dort sein, wo ich gerade bin.


Denn manchmal besteht die Kunst des Reisens nicht darin, weiterzufahren. Sondern darin, zu bleiben.


Breidavik Campground
65.5493, -24.3506

Der Campingplatz ist sehr schön gelegen, mit Blick auf das Meer. Die Sanitäranlagen sind sauber, es gibt eine Waschmaschine und eine überaus gut ausgestattete Küche. Die Mitarbeiterin, die uns willkommen geheißen hat war sehr freundlich. Ein tolles extra ist die Nähe zum Latrabjarg ( westlichster Punkt Islands). Vom Platz aus kann man wirklich toll den Sonnenuntergang beobachten !


09. Jun. 2026 - 09. Jun. 2026
Short vom Fjord - Von den Hinterlassenen und den Kräften der Elemente

Heute war ein besonderer Tag. Ein Tag der Verlassenen. Ein Tag der Hinterlassenen. Ein Tag der Elemente.


Schon in der Nacht zeigten die Westfjorde ihren Charakter. Der Wind fegte über Flokalandur und rüttelte an Fritz. Obwohl ich ihn sauber in den Wind gestellt hatte, schaukelte mein treuer Begleiter immer wieder in den Böen. Während andere vielleicht schlecht schlafen, höre ich solchen Nächten inzwischen einfach zu. Der Wind erzählt Geschichten. Von Fjorden. Von Stürmen. Von all den Wintern, die diese Landschaft bereits erlebt hat.


Am Morgen studierte ich zunächst die Straßenbedingungen. Ein Ritual, das inzwischen genauso zu meiner Reise gehört wie der erste Kaffee. Die Vorhersagen bestätigten sich. Und doch hatte Island wieder eine Überraschung für mich. Das Wetter wurde immer besser. Als hätte Odin persönlich beschlossen, mir heute einen Blick auf das Ende Europas zu schenken.


Mein erster Halt war der Reykjafjarðarlaug Hot Pot. Ein wunderschöner Ort. Still. Abgelegen. Mit Blick auf die Bucht. Heute zog es mich allerdings nicht ins heiße Wasser. Ich machte einige Aufnahmen, telefonierte nach Hause und genoss einfach den Moment. Manchmal reicht das vollkommen.


Der nächste Halt war das sogenannte A-House. Ein verlassenes Haus mitten in der Einsamkeit der Westfjorde. Irgendwann wurde es aufgegeben. Doch die Reisenden haben es nicht vergessen. Im Laufe der Jahre brachten Besucher kleine Erinnerungen mit. Gegenstände. Botschaften. Spuren ihrer Anwesenheit. Ein verlassenes Gebäude wurde so zu einer Sammlung von Geschichten. Ein kurzer Fotostopp.

Ein kurzer Blick in vergangene Zeiten. Dann ging die Reise weiter.


Als Nächstes wartete die Garðar BA 64 auf mich. Das älteste Stahlschiff Islands. Heute liegt es still am Ufer. Dem Wind. Dem Regen. Und der salzigen Luft überlassen. Ein Schiff, das einst die Meere befuhr. Heute ein Denkmal für die Vergänglichkeit. Ich ließ die Drohne steigen. Machte einige Aufnahmen. Platziert einen Aufkleber. Und zog weiter.


Das nächste Relikt der Vergangenheit wartete bereits. Das Flugzeugwrack der United States Navy. Während des Zweiten Weltkriegs unterhielten die Amerikaner hier draußen eine Beobachtungsstation. Mit diesem Flugzeug wurden Menschen, Ausrüstung und Versorgungsgüter an einen Ort gebracht, der selbst heute noch abgelegen wirkt. Nach dem Ende der Station blieb das Flugzeug zurück. Wie eine Erinnerung daran, dass selbst die entlegensten Winkel Islands einst Teil der großen Geschichte der Welt waren.


Dann begann der fahrerische Teil des Tages. Die Straße wurde schmaler. Die Straße wurde rauer. Zuerst Schotter. Dann grober Schotter. Dann Schlaglöcher. Viele Schlaglöcher. Die Geschwindigkeit sank. Die Konzentration stieg. Doch genau dafür sind Fritz und ich inzwischen ein eingespieltes Team. Langsam. Sauber. Vorausschauend. Die Westfjorde verlangen keine Geschwindigkeit. Sie verlangen Respekt. Und während die Reifen über die Piste rollten, erhielt Fritz sein neuestes Island-Andenken. Eine frische Schicht Westfjord-Schlamm. Neue Tarnfarbe. Direkt aus der Natur. Schließlich erreichten wir unser Ziel. Látrabjarg.


Die westlichsten Klippen Europas. Der Wind war kräftig. Doch weit entfernt von dem, was ich erwartet hatte. Die Natur ließ mich passieren. Und was sich dort vor mir auftat, lässt sich kaum in Worte fassen. Die Westfjorde gehören zu den ältesten Landschaften Islands. Rund 60 Millionen Jahre alt. Älter als alles, was ich bisher auf dieser Reise gesehen habe. Hier leben nur wenige tausend Menschen. Doch die Küstenlinie umfasst fast ein Drittel der gesamten Insel. Plötzlich verstand ich warum. Alles ist hier größer. Nicht einfach groß. XXL. Die Fjorde. Die Berge. Die Küsten. Die Wasserfälle. Die Entfernungen. Island denkt hier nicht in normalen Maßstäben. Jeder Blick wirkt wie ein Gemälde, das jemand versehentlich viel zu groß gemalt hat. Mal karg und felsig. Mal saftig grün. Mal schwarze Steilhänge. Mal fruchtbare Wiesen. Und dann kam noch eine weitere Überraschung.


Ein Sandstrand. Ein echter Sandstrand. Nach Wochen voller schwarzer Vulkanstrände und dunkler Kiesel lag plötzlich heller Sand vor mir. Fast wie an der Nordsee. Fast wie auf Sylt. Nur mit steilen Klippen, Papageientauchern und den gewaltigen Westfjorden im Rücken.


Island hört einfach nicht auf, mich zu überraschen. Am Abend erreichte ich schließlich den Campingplatz von Breiðavík. Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich nicht das Gefühl, weiterfahren zu müssen. Ich habe Zeit. Genau dafür habe ich sie eingeplant. Also bleibe ich. Zwei Nächte. Am Rand Europas. Zwischen Meer und Himmel. Zwischen Wind und Stille.


Die Erde trägt mich.

Der Wind singt über die Klippen.

Das Wasser schlägt gegen die Küsten.

Und tief unter Island schläft noch immer das Feuer.


Ein weiterer Tag im Land der Götter.

Und wieder einer, den nur das Leben selbst hätte schreiben können.


Tag 15
10.06.2026
Short vom Fjord

nix geplant... nur relaxen


Manchmal ist es in der Natur so ruhig das nur der Biolärm - also die Brandung und die Seevögel - zu hören sind. So auch immer hier auf Island Die Bekassine (Isländisch: Hrossagaukur)


Dieser Watvogel hat einen extrem langen Schnabel. Die Männchen lassen sich im Frühjahr aus großer Höhe im Sturzflug nach unten fallen. Dabei vibrieren die abgespreizten Schwanzfedern im Wind und erzeugen einen lauten, meckernden oder pfeifenden Ton. Weil das Geräusch an eine blökende Ziege erinnert, wird die Bekassine im Volksmund auch "Himmelsziege" genannt.


Insgesamt ist die Natur jedoch atemberaubend. Man kniet vor Demut nieder und fühlt sich klein. Zwischen den gewaltigen Bergen zu stehen. Auf einer Lagune mit Sand gefüllt. Die Sonne spiegelt sich in der Dänemark-Straße. Mein Blick ist Richtung Grönland gewandt. Das Blaue des Himmels tanzt zwischen der weißen Gischt der Brandung. Die Barkasse schimpft. Für mich klingt es wie eine Ouvertüre der Natur für so viel Schönheit.


ein paar wenige Fotos vom Tage

Tag 16
11.06.2026 Von heißen Quellen, kaltem Wind und den Straßen der Westfjorde
11. Jun. 2026 - 11. Jun. 2026
Tag16

Standort Morgens : CP Breidavik Tacho-Stand : 55.870 gef. Strecke : 88 km

Standort Abends : FS Flokalundur GPS : 65.5774, -23.1590


Steinskulptur Kleifabúi auf der Kleifaheiði
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Nach der Abzweigung in Richtung Látrabjarg steigt die Straße 62 in Serpentinen hinauf zur Kleifaheiði und von dort weiter nach Brjánslækur. Etwa 1,5 Kilometer vor dem 404 Meter hohen Pass steht auf der linken Seite der Steinmann Kleifabúi, der 1947 von Straßenabuarbeitern errichtet wurde.

11. Jun. 2026 - 11. Jun. 2026
Barðastrandarsandur
65.46882177290469, -23.600628048555162
Ja, das ist immer noch Island! Willkommen an einem der atemberaubenden weißen Sandstrände der Westfjorde. Direkt an der Straße gelegen, ist dieser Ort einen kurzen Halt und einen kurzen Spaziergang wert.


Wenn Wetter und Wassertemperatur passt auch ein Badespass im Atlantik


11. Jun. 2026 - 11. Jun. 2026
Krosslaug hot spring - Wer es warm mag
65.51946802462862, -23.40541727116862
Das Freibad Krosslaug liegt an der Südseite der Nordwestfjorde auf Höhe des Weilers Birkimelur unterhalb der Straße 62 direkt an der Küste. Eine etwa 200m lange Schotterpiste führt von der Straße hinunter zum Bad. Das 5 x 13 m große Betonbecken hat eine Tiefe von 1-2 Metern und eine Temperatur von etwa 35°C. Neben dem Betonbecken befindet sich in der Wiese auch noch ein Hotpot aus Natursteinen.


Leider war der Hotpot voll bestückt. Ein Sachse wurde forsch und wollte nicht fotografiert werden. Was ich auch nicht vor hatte. So sind halt unsere Mitmenschen. Bin weitergefahren.


Fiskabúrið
65.5510937876179, -23.198296714407327

Am Fiskaburid hab ich Lachs und Süßes gekauft. Selbstbezahl Laden. Top


Floki Gedenkstein
65.57567665922438, -23.169734059174985

Er erinnert an den Wikinger Flóki Vilgerðarson ("Raben-Flóki") und seine Mannen, die im 9. Jahrhundert zu den ersten Nordmänner gehörten, die Island erreichten. Seinen ersten Winter soll Flóki hier im Vatnsfjörður verbracht haben. Einige Stein- und Graswälle auf einer Wiese nahe des Fähranlegers sollen die Ruinen seines ersten Langhauses sein.


Flóki war auch der Namensgeber der Insel nachdem er im ersten Winter vom Gipfel eines Berges aus einen Fjord voller Eis erblickt hatte. Der Gedenkstein zitiert daher seine Worte aus dem Landnahmebuch: "...und man nenne das Land Ísland"


Floki entdeckt Island in der Serie „Vikings“ in der 5. Staffel, genauer gesagt in der 1. Folge der 5. Staffel („The Fisher King“).

Hier der kurze Kontext:

  • Nach dem Tod von Helga ist Floki innerlich gebrochen und verlässt Kattegat allein in einem kleinen Boot, getrieben vom Glauben, dass die Götter ihn führen.

  • Er lässt sich auf dem Meer treiben, verliert Ruder und Segel, und erreicht schließlich ein mysteriöses, nebliges Land – Island.

  • In dieser Folge und den folgenden Episoden (v. a. Folge 2–5) erkundet er das neue Land, findet heiße Quellen, Vulkane und bizarre Landschaften – alles reale isländische Drehorte.

In der Serie glaubt Floki, dass er Asgard, das Land der Götter, gefunden hat – tatsächlich ist es aber das historische Island.


Þingmannaá Waterfall
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Der Fluss Þingmannaá fließt vom Þingmannadalur-Tal hinunter zum Vatnsfjörður- Fjord und bietet in seinen Schluchten bezaubernde Wasserfälle. Entdecker können hinter einen der Wasserfälle gehen und ihn von der Seite des herabstürzenden Wassers betrachten. Ein Parkplatz befindet sich günstig etwa 100 Meter von der Straße entfernt und von dort aus sind es nur noch fünf Gehminuten bis zum Wasserfall.


Die kleine Wanderung habe ich mir gegönnt. Der Halulaug HotPot war sehr voll und so habe ich die Zeit für diese Wanderung genutzt. Den HotPot auf später verschoben. Und trotz nochmaligem Warten konnte ich den warmen Pool dann endlich für mich nutzen.


Hellulaug
65.57720100699453, -23.159715925045965

Hellulaug ist ein geothermisches Becken, direkt an der 60, nahe dem Strand in Vatnsfjörður. Es ist herrlich, im Becken (38°) zu entspannen und den Blick über den Fjord zu genießen. Bei meinem Besuch war das Becken aber nur 28° warm. Das Becken ist von der Straße aus nicht zu sehen, aber es gibt einen Parkplatz neben dem Weg, der nach Hellulaug führt. Das Becken ist 60 cm tief. 


11. Jun. 2026 - 12. Jun. 2026
Flókalundur Campsite
65.57840284608012, -23.172616250156334

Short vom Fjord - Von heißen Quellen, kaltem Wind und den Straßen der Westfjorde
Heute zeigte sich Island von seiner freundlichen Seite. Blauer Himmel. Sonnenschein. Klare Sicht. Fast schon ungewohnt nach den letzten Tagen.
Am Morgen verabschiedete ich mich von Breiðavík und den gewaltigen Klippen von Látrabjarg. Noch einmal blickte ich über den goldenen Sandstrand. Noch einmal lauschte ich dem Wind vom Atlantik.Dann machte ich mich auf den Rückweg Richtung Flókalundur. Dieses Mal führte mich der Weg über die Straße 62.
Zunächst ging es wieder durch den Rauðisandur und anschließend über den Pass von Rauðasandur. Die Schotterstraße zog sich am Steilhang entlang. Kurve um Kurve. Rechts die Berge. Links die Weite der Fjorde. An manchen Stellen erinnerte mich die Strecke an Norwegen. An anderen wieder an die einsamen Pisten des Baltikums. Fritz und ich kannten solche Straßen inzwischen gut. Die Baustelle unterwegs sorgte dann noch für das passende Westfjord-Andenken. Eine frische Schicht Schlamm. Neues Tarnmuster. Direkt aus Island.
Als mich schließlich wieder Asphalt unter den Reifen begrüßte, fühlte sich das beinahe luxuriös an. Mein erster entspannter Halt war bei Kleifakarl. Einer einsamen Steinskulptur, die über die Landschaft wacht. Wie so viele Orte in Island wirkte auch dieser Platz, als hätte jemand eine Geschichte in Stein gemeißelt. Der Wind strich über die Hügel. Die Sonne wärmte mein Gesicht. Und für einige Minuten genoss ich einfach die Stille. 
Später erreichte ich den Barðastrandarsandur. Eine Küstenlandschaft, die mich erneut staunen ließ. Der Strand zog sich scheinbar endlos am Meer entlang. Sand in allen Schattierungen. Dahinter die Berge. Davor der Nordatlantik. Natürlich musste die Drohne in die Luft. Erst aus der Vogelperspektive wurde sichtbar, wie gewaltig diese Landschaft wirklich ist.
Die Westfjorde denken nicht in normalen Dimensionen. Hier ist alles größer. Weiter. Wilder. 
Eigentlich hatte ich danach einen kostenpflichtigen Hot Pot auf meiner Liste. Doch manchmal entscheidet die Stimmung über den weiteren Weg. Die Besucher dort wirkten ungefähr so einladend wie ein Schneesturm im Hochland. Also sparte ich mir die 1700 Kronen. Die Natur hält schließlich genügend Alternativen bereit. 
Wenig später entdeckte ich am Straßenrand eine kleine Selbstbedienungs-Fischbude. So etwas liebe ich an Island. Keine Verkäufer. Keine Hektik. Einfach Vertrauen. Ich gönnte mir frischen Lachs und etwas Süßes. Ein kleiner Luxus für unterwegs. 
Mein eigentliches Ziel war anschließend der Natur-Hot-Pot Hellulaug. Doch dort angekommen bot sich ein vertrautes Bild. Voll. Viel zu voll. Anstatt mich darüber zu ärgern, beschloss ich, die Zeit sinnvoll zu nutzen.
Also fuhr ich weiter zum Wasserfall Þingmannaá. Und genau das war die richtige Entscheidung. Keine Parkgebühr. Keine Menschenmassen. Keine Absperrungen. Nur Wasser. Natur. Und Stille. Ich ließ die Drohne steigen und folgte dem Flusslauf über mehrere Kilometer. Aus der Luft wirkte die Landschaft fast wie ein Gemälde. Das Wasser suchte sich seinen Weg durch die Berge. Kurve um Kurve. Kaskade um Kaskade. Zu Fuß erkundete ich nur einen kleinen Teil davon. Der Rest gehörte heute den Flügeln meiner Drohne.
Als ich später erneut bei Hellulaug vorbeischaute, hatte sich das Bild komplett verändert. Der Hot Pot war leer. Ganz leer. Nur ich. Der Pool. Der Himmel. Und das Meer. Also stieg ich hinein. Heiß war das Wasser nicht. Eher lauwarm. Doch das spielte keine Rolle. Denn manchmal ist es nicht die Temperatur, die einen Ort besonders macht. Sondern der Moment. Ich saß dort allein. Mit Blick über die Bucht. Dem Wind im Gesicht. Und dem Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.
Das Wasser um mich herum.

Die Erde unter mir.

Die Luft über dem Meer.

Und tief unter Island das Feuer, das diese Quelle einst erschaffen hat.


Wieder trafen sich die vier Elemente. Und wieder erinnerte mich Island daran, dass die schönsten Erlebnisse oft ungeplant entstehen. Nicht dort, wo man sie sucht. Sondern dort, wo man ihnen Raum gibt. Natur. Am Fjord. Was will man mehr.


Tag 17
12.06.2026 Auf den Spuren der Entdecker
Tag 17 Flokalandur - Búðardalur/Snaeffelsnesvegur

Standort Morgens : FS Flokalundur Tacho-Stand : 56.118 gef. Strecke : 248 km

Standort Abends.. :FS Snaefelsnesvegur GPS : 65.0248, -22.1345


Drifandagil Waterfall
65.32072729946223, -21.74349671151976

Am Straßenrand, schöner Parkplatz, neben einem herrlichen Wasserfall, wenn der Wind nicht wäre. Schnell Fotos gemacht und die Tränen aus den Augen gewischt.


Guðrúnarlaug Hot Spring - Campsite
65.2467, -21.8033

Da Island eine Vulkaninsel ist, findet man dort zahlreiche heiße Quellen mit natürlichem Thermalwasser. Eine davon, aber künstlich angelegt, ist die Guðrúnarlaug-Thermalquelle. Nicht meine Wahl und nachdem so viele Besucher da waren, habe ich verzichtet.


Krambúðin & Vínbúðin Búðardal
65.10829721251292, -21.76364005863496

Vorräte aufgefüllt !


Eiríksstaðir - Viking Longhouse - Auf den Spuren von Erik dem Roten und Leif dem Glücklichen
65.05677897187478, -21.53368735452229

Manche Orte besucht man wegen ihrer Schönheit. Andere wegen ihrer Geschichte. Eiríksstaðir gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.


Als ich aus Fritz stieg, war zunächst nicht viel zu sehen. Grüne Wiesen. Einige Hügel. Die typische Ruhe Islands. Und doch begann genau hier eine Geschichte, die die Welt verändern sollte. Hier lebte einst Erik der Rote. Der Mann, der später Grönland besiedelte. Hier wuchs sein Sohn Leif der Glückliche auf. Der Mann, der Jahrhunderte vor Kolumbus Nordamerika erreichte.


Während ich über das Gelände ging, wurde mir bewusst, dass dies kein gewöhnliches Museum ist. Hier geht es nicht um Vitrinen. Nicht um Bildschirme. Nicht um moderne Technik. Hier geht es um Geschichten. Geschichten, die seit über tausend Jahren erzählt werden. Die isländischen Sagas berichten von Erik, seiner Familie und ihren Reisen nach Westen. Von Mut. Von Entdeckungen. Von Verbannung. Von dem Drang, hinter den Horizont zu schauen. 


Besonders beeindruckend war das rekonstruierte Langhaus. Schon beim Betreten änderte sich die Atmosphäre. Das Licht wurde dunkler. Der Duft von Holz und Torf lag in der Luft. Der Rauch zog durch die Dachöffnung nach draußen. Plötzlich war es leicht, sich vorzustellen, wie die Menschen hier vor über tausend Jahren gelebt haben. Wie sie an langen Winterabenden um das Feuer saßen. Wie Geschichten erzählt wurden. Wie die Sagas entstanden.


Draußen pfiff der Wind über Island. Drinnen herrschte Wärme. Geborgenheit. Gemeinschaft. Für einen Moment fühlte es sich an, als wäre die Zeit stehen geblieben. Besonders bewegend war der Gedanke, dass genau hier die Wurzeln einer der größten Entdeckergeschichten der nordischen Welt liegen. Vielleicht saß der junge Leif genau an solch einem Feuer. Vielleicht blickte auch er hinaus in die Landschaft und fragte sich, was hinter dem Meer liegen könnte.


Viele Jahrhunderte später stand nun ich dort. Nicht mit einem Wikingerschiff. Sondern mit meinem treuen Fritz. Und doch erkannte ich etwas Vertrautes. Den Wunsch aufzubrechen. Neue Landschaften zu entdecken. Dem Ruf des Horizonts zu folgen. Die alten Nordmänner vertrauten ihren Schiffen. Ich vertraue meinem Camper. Sie folgten den Sternen. Ich folge den Straßen Islands. Und dennoch verbindet uns dieselbe Sehnsucht: Zu sehen, was hinter der nächsten Bucht, hinter dem nächsten Fjord oder hinter dem nächsten Horizont wartet.


Als ich Eiríksstaðir verließ, hatte ich nicht einfach ein Museum besucht. Ich hatte einen Ort betreten, an dem Geschichte, Saga und Wirklichkeit miteinander verschmelzen. Einen Ort, an dem die großen Entdecker des Nordens ihren Anfang nahmen. Und einen Ort, der mir zeigte, dass jede Reise – ob mit Langschiff oder Campervan – immer mit derselben Entscheidung beginnt: Loszufahren.


Die Saga von Erik dem Roten
Alle Sagas beginnen irgendwo….

...aber hier in Eiríksstaðir begann mehr als auf den meisten anderen Bauernhöfen aus der Wikingerzeit. Die Familie, die das ursprüngliche Langhaus errichtete, ist nicht nur in einer, sondern in vier verschiedenen isländischen Sagas zu finden, wobei zwei ausschließlich ihren eigenen Abenteuern gewidmet sind.


Eiríks saga rauða (Die Saga von Erik dem Roten)


Wo genau Erik geboren wurde, ist ungewiss – in einem Bericht heißt es, er sei als Kind aus Norwegen nach Island gekommen, während andere vermuten, er sei hier als Sohn norwegischer Eltern geboren worden. Auf jeden Fall wuchs er im Westen Islands auf, wo er seine zukünftige Frau Thjodhildr kennenlernte. Zu ihrem Glück besaßen ihre Eltern ein großes Stück Land in Haukadal, sodass sie dem jungen Paar ein kleines Stück davon schenken konnten, auf dem sie ihren eigenen Bauernhof gründen konnten. Sie nannten diesen Bauernhof Eiríksstaðir, was übersetzt „Eriks Stätte/Stadel“ bedeutet.


Das Paar lebte einige Jahre auf dem Hof und bekam zwischen 970 und 980 drei Söhne. Außerdem lebten Sklaven mit der Familie zusammen, was der Auslöser für all die dramatischen Ereignisse war, die die Heldentaten der Familie nicht nur zu den Hauptfiguren einer, sondern zwei berühmten Sagas machten. Diese Sklaven wurden beschuldigt, einen Erdrutsch verursacht zu haben, der direkt auf dem Nachbarhof Valþjófsstaðir landete und großen Schaden anrichtete.

 

Normalerweise wären Angelegenheiten wie diese von einem örtlichen Rat der Landbesitzer geregelt worden und eine Entschädigung wäre berechnet und Erik in Rechnung gestellt worden – vorausgesetzt, die Sklaven wären überhaupt schuldig gewesen. Der Nachbar jedoch tötete die Sklaven, anstatt den Rechtsweg zu gehen und eine Zahlung von Erik zu verlangen. Natürlich kam es hierdurch zu einem weiteren tödlichen Kampf.

Da beide Bauern bei dem Streit das Gesetz missachtet hatten, forderte der Gemeinderat Eirik auf, das Tal zu verlassen und seinen Hof aufzugeben – eine Entscheidung, die ihn zwang, seine Habseligkeiten, einschließlich des Hauses, zusammenzupacken und auf eine Insel im Fjord einige Kilometer weiter westlich zu ziehen.

 

Es dauerte nicht lange, bis er in einen weiteren heftigen Streit verwickelt wurde - und dieses Mal wurde er damit bestraft, Island für drei ganze Jahre verlassen zu müssen.

Da er das Land nicht für immer verlassen wollte, beschlossen Erik und seine Familie, nach Inseln vor der Küste Islands zu suchen, auf denen sie die Verbannung abwarten konnten. Was sie fanden, war jedoch weitaus besser als eine felsige Insel, denn sie wurden stattdessen die ersten Europäer, die sich dauerhaft in Grönland niederließen - einem Land, das damals weitaus gastfreundlicher war als heute. Sie fanden ein gemäßigtes Klima, Weideland, Holz und reichlich Fisch vor.

 

Das Beste jedoch war, dass sie Elfenbein fanden. Natürlich nicht von Elefanten, sondern von den Stoßzähnen der Walrösser und den Hörnern von Narwalen. Diese beiden Entdeckungen machten Erik zu einem unglaublich reichen und einflussreichen Mann, als er schließlich nach Island zurückkehren und den Menschen von dem rohstoffreichen neuen Land weiter westlich erzählen konnte.
Eirik verbrachte den Rest seines Lebens als Häuptling der neuen Siedlung in Grönland. Sein Haus – Brattahlíð – kann heute noch von allen besucht werden, die abenteuerlustig genug sind, sich dorthin zu begeben.


Original: https://www.eiriksstadir.is/de/the-sagas


Snæfellsnesvegur
65.02653448721853, -22.135129079668594

Nach kurzer Suche fand ich diesen herrlich ruhigen Platz am Fjord. Perfekt für mich.


Short vom Fjord - Auf den Spuren der Entdecker

Heute zeigte sich Island erneut von seiner sonnigen Seite. Doch die Sonne hatte einen mächtigen Begleiter mitgebracht. Den Wind.


Schon am Morgen pfiffen die Böen über die Landschaft. Bis zu 16 Meter pro Sekunde. Nicht gefährlich. Aber genug, um jederzeit konzentriert zu bleiben. Gerade in den Westfjorden und auf den offenen Hochflächen merkt man schnell, wer am Steuer sitzt. Und wer vom Wind gefahren wird. Fritz und ich hielten Kurs.


Mein erster Halt führte mich zum Drífandagil-Wasserfall. Eigentlich ein schöner Ort. Doch heute hatte der Wind andere Pläne. Kaum stieg ich aus, peitschten mir die Böen ins Gesicht. Meine Augen begannen sofort zu tränen. Der Wind trug Wasser, Staub und die Kraft der Berge gleichermaßen mit sich. Lange blieb ich nicht. Einige Fotos. Ein kurzer Blick. Dann zurück in die schützende Kabine von Fritz. Dort begegnete ich auch den drei Reisenden wieder, die ich bereits am Hellulaug getroffen hatte. Island ist groß. Und gleichzeitig erstaunlich klein. Auch sie verschwanden nach kurzer Zeit wieder. Der Wind machte heute niemandem Geschenke.


Mein nächstes Ziel war Guðrúnarlaug. Ein rekonstruierter Hot Pot, eingebettet in ein Hotel- und Campinggelände. Doch schon beim Heranfahren sah ich genügend Menschen im Wasser sitzen. Und genau in diesem Moment wusste ich:

Heute nicht. Nicht jeder Hot Pot muss besucht werden. Ich genieße die heißen Quellen am liebsten dann, wenn ich die Landschaft hören kann. Nicht die Gespräche anderer Besucher. Also blieb die Tür von Fritz geschlossen und die Reise ging weiter.


In Búðardalur legte ich eine Versorgungspause ein. Die üblichen Dinge des Reisenden. Einkaufen. Vorräte auffüllen. Ein Besuch in der Vínbúðin und in der Krambudin. Dabei musste ich wieder schmunzeln. Viele Namen hier klingen für deutsche Ohren erstaunlich vertraut. Als würden irgendwo tief unter der isländischen Sprache noch immer alte germanische Wurzeln durchscheinen.


Danach wartete ein Ort, auf den ich mich besonders gefreut hatte. Das Langhaus von Erik der Rote. Und die Geschichten seines Sohnes Leif Eriksson. Hier begann ein Kapitel der nordischen Entdeckergeschichte.


Erik der Rote. Der Mann, der Grönland besiedelte. Und sein Sohn Leif. Leif der Glückliche. Der Seefahrer, der Jahrhunderte vor Kolumbus die Küsten Nordamerikas erreichte. Als ich dort stand, musste ich an meine eigene Reise denken. Natürlich sind meine Wege ungleich einfacher. Ich habe Straßen. Karten. Wetterberichte. Und Fritz. Doch der Wunsch, hinter den nächsten Horizont zu schauen, verbindet uns vielleicht bis heute.


Die alten Nordmänner vertrauten den Sternen. Den Göttern. Und ihrem Mut. Ich vertraue meiner Erfahrung. Der Straße. Und manchmal ebenfalls den Göttern.


Am Nachmittag verließ ich schließlich die Region und fuhr weiter Richtung Snæfellsnes.mnDie Landschaft wurde sanfter. Die Straßen breiter. Der Verkehr etwas dichter. Und doch fand ich am Abend genau das, wonach ich gesucht hatte. Einen kleinen Platz an einem Fjordarm. Eigentlich nur eine Rampe, um Boote ins Wasser zu lassen. Für mich jedoch ein perfekter Ort. Das Wasser lag ruhig vor mir. Die Berge spiegelten sich auf der Oberfläche. Der Wind hatte sich etwas beruhigt. Ich stellte Fritz ab. Öffnete die Tür. Und setzte mich einfach nach draußen. Keine Sehenswürdigkeit. Kein Programmpunkt. Kein Zeitplan. Nur der Fjord. Der Himmel. Und die Stille. 


Während die Abendsonne langsam tiefer sank, dachte ich an Erik und Leif. An all jene, die einst von diesen Küsten aufbrachen, ohne zu wissen, was hinter dem Horizont auf sie wartete. Vielleicht liegt genau darin die Magie des Reisens. Nicht alles zu wissen. Sondern neugierig genug zu sein, trotzdem loszufahren.


Und so endete ein weiterer Tag im Land aus Eis und Feuer. Mit Fritz am Fjord. Mit Dankbarkeit im Herzen. Und mit Vorfreude auf das, was hinter der nächsten Kurve wartet.


Tag 18
13.06.2026 Zwischen Instagram und Island
Tag 19 Snaeffelsnesvegur 371 -> Snaeffelsnesvegur 351

Standort Morgens : FS Snaeffelsnesvegur 371   Tacho-Stand-Abends : 56.257 gef. Strecke : 139

Standort Abends.. :  FS Snaeffelsnesvegur 351    GPS : 64.9502991513557, -23.476034245267478


Bootswrack
65.04838739162186, -22.553496145024507

Tolles altes Schiffsfrack. Allerdings schwierig zu Fuß zu erreichen. Der Weg zum Ufer ist matschig. Das Schiff ist schon stark eingerostet und Marode - einsturzgefahr! Trotzdem toll anzuschauen. Ich hattes es aus der Ferne mit Teleobjektiv Fotografiert.


Súgandisey Island Light Beacon
65.08022209360216, -22.723386105531265
Der Leuchtturm Súgandisey steht auf dem höchsten Punkt der Basaltinsel Súgandisey, die dem Hafen von Stykkishólmur auf der Halbinsel Snæfellsnes im Westen Islands vorgelagert ist und diesen schützt. Er unterstützt die Navigation im Breiðafjörður.

Selvallafoss
64.94128599577084, -22.90874422548341

Selvallafoss, auch bekannt als der Schafwasserfall, ist einer der weniger bekannten Wasserfälle in Island. Trotzdem ist er unglaublich schön und gehört zu den Orten, an denen man leicht die Zeit vergisst. Man könnte dort eine Stunde verbringen und das Gefühl haben, dass nur fünf Minuten vergangen sind.

 

Der Wasserfall besteht aus mehreren Kaskaden, wobei der höchste Teil etwa 11 Meter hoch ist. Es gibt keinen einzelnen besten Aussichtspunkt auf den Wasserfall; es liegt an dir, den perfekten Winkel zu finden.

 

Neben dem Wasserfall selbst bietet der Ort atemberaubende Ausblicke auf einen großen Teil der Nordküste der Snæfellsnes-Halbinsel.

 

Selvallafoss befindet sich auf der Snæfellsnes-Halbinsel, direkt an der Straße Nummer 56, nur wenige Kilometer von der Kreuzung mit der Straße Nummer 54 entfernt. Der Wasserfall ist von der Straße aus nicht sichtbar, aber du wirst den Ort an einem kleinen Parkplatz erkennen.


Lava Rocks Formations
64.97263259612646, -22.938479358654547
Vor 4000 Jahren sollen durch den Ausbruch von vier Schlackenkratern die Lavafelder entstanden sein. Die Lava soll von den Berghängen des Bjarnarhafnarfjall bis zum Meer (Hraunsfjörður und Hraunsvík) geflossen sein.


Jeder Winkel Islands ist reich an Geschichte und mit unzähligen Sagen verbunden. Auch die Lavafelder bilden da keine Ausnahme. Berserkjahraun ist Teil der Eyrbyggja-Saga, die erzählt, dass ein Bauer zwei Berserker aus Schweden auf die Halbinsel brachte. Später schenkte er einen der Berserker seinem Bruder Víga-Styr, der auf der anderen Seite des Lavafelds lebte. Die Saga besagt weiter, dass sich einer der Schweden in Víga-Styrs Tochter verliebte. Víga-Styr forderte die Schweden daraufhin heraus, den Weg zu seinem Bauernhof freizuräumen. Obwohl die Herausforderung als unmöglich galt, bewältigten die Schweden sie entschlossen und im Handumdrehen. Anschließend lud Víga-Styr die Schweden zu sich nach Hause zum Mittagessen ein. Der Legende nach hielt Víga-Styr sein Versprechen jedoch nicht. Stattdessen tötete er die Schweden und begrub sie in der Nähe des Weges selbst.


Búlandshöfði View Point
64.94579123476072, -23.491573174688934
Búlandshöfði ist ein Kap von 325 m Höhe im Westen von Island.

Snæfellsnesvegur 351
64.9503, -23.4761
Großer, sehr ruhiger Innenhof mit traumhafter Aussicht. Perfekt zum Übernachten. Am Abend und am Morgen besuchte mich eine kleine Schafherde.

Short vom Fjord - Zwischen Instagram und Island

Heute war einer dieser Tage, die einem wieder zeigen, warum man unterwegs ist. Und warum man manchmal ganz bewusst andere Wege geht als die meisten.


Der Morgen begann auf der Gravelroad 54. Schotter. Staub. Konzentration. Nichts Dramatisches. Aber genau die Art von Straße, die Aufmerksamkeit verlangt. Kurve für Kurve arbeitete ich mich durch die Landschaft. Mein erster Halt war ein Aussichtspunkt auf ein altes Schiffswrack. Weit draußen. Klein in der Ferne. Vom Wind und vom Meer langsam zurückerobert. Ein stiller Zeuge vergangener Zeiten.


Als schließlich wieder Asphalt unter den Reifen erschien, fühlte sich das beinahe luxuriös an. Mein Weg führte mich weiter nach Stykkishólmur. Eine Stadt, die mich sofort an Helgoland erinnerte. Zumindest ein kleines bisschen. Der Hafen liegt geschützt zwischen den Inseln des Breiðafjörður. Über allem thront der kleine Leuchtturmhügel. Ich stieg aus und schlenderte durch den Hafen. Das Wasser war glasklar. So klar, dass ich bis auf den Grund blicken konnte. Und tatsächlich. Zwischen den Steinen lag ein Seestern. Mitten im Hafenbecken. Solche kleinen Begegnungen gefallen mir oft besser als die großen Sehenswürdigkeiten. Sie passieren einfach. Ohne Eintrittskarte. Ohne Hinweisschild. Ohne Instagram-Hotspot.


Anschließend ging es weiter zum Selvallafoss, dem Schafsfell-Wasserfall. Dort erwartete mich ein Anblick, der mich schmunzeln ließ. Ein junges Paar hatte beschlossen, im eiskalten Becken unter dem Wasserfall zu baden. Freiwillig. Bei geschätzten 1,4 Grad Wassertemperatur. Und völlig unbekleidet. Manche Menschen suchen die Erleuchtung. Andere die Kälte. Jeder hat seinen eigenen Weg. Ich selbst beließ es beim Fotografieren. Natürlich führte mich mein Weg auch hinter den Wasserfall. Ein Ort, an dem man das Element Wasser unmittelbar erlebt. Nicht als Beobachter. Sondern als Teil davon. Der Nebel. Das Donnern. Die Gischt. Doch irgendwo auf dem Weg nach oben zog ich mir eine Zerrung im Oberschenkel zu. Nichts Dramatisches. Aber deutlich genug, um mich daran zu erinnern, dass auch mein Körper irgendwann ein Wörtchen mitreden möchte.


Ich hoffe, dass sich das bis morgen wieder beruhigt. Denn Island hat noch viele Wasserfälle für mich vorbereitet. Später führte mich die Reise weiter durch das Gebiet der Berserkjahraun. Schwarze Lava. Zerrissene Felsen. Moos. Eine Landschaft, die wirkt, als hätte sich hier einst ein Kampf zwischen Riesen abgespielt. Und vielleicht erzählen die alten Sagas deshalb genau solche Geschichten.


Der eigentliche Erkenntnisteil des Tages begann jedoch erst später. Am Kirkjufell. Dem wohl meistfotografierten Berg Islands. Schon von weitem konnte ich die Menschen sehen. Sie rannten. Posierten. Fotografierten. Weiter zum nächsten Spot. Hier ein Selfie. Dort ein Drohnenvideo. Noch schnell ein Bild für Instagram. Und wieder weiter. Es erinnerte mich mehr an einen Flughafen als an einen Kraftort der Natur. Natürlich ist der Berg wunderschön. Keine Frage. Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass viele Menschen gar nicht mehr sehen, wo sie eigentlich sind. Sie sammeln Bilder. Keine Erinnerungen. Sie reisen von Haken zu Haken auf einer Liste. "Wir waren da." Doch waren sie wirklich dort? Haben sie den Wind gespürt? Das Wasser gehört? Die Erde unter den Füßen wahrgenommen? Ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich deshalb allein unterwegs. Weil ich Island nicht sammeln möchte. Ich möchte Island erleben.


Nicht weit entfernt fand ich schließlich meinen Platz für die Nacht. Eine Klippe. Ein Stück Küste. Kein Mensch. Nur Fritz und ich. Der Nordatlantik unter uns. Die Berge in der Ferne. Der Wind als ständiger Begleiter. Ein perfekter Ort. Solche Plätze werden im Süden der Insel selten. Das weiß ich. Umso mehr weiß ich sie jetzt zu schätzen.


Als die Sonne langsam tiefer sank, wurde mir bewusst, wie stimmig dieser Tag eigentlich gewesen war. 


Das Wasser begleitete mich den ganzen Tag. In den Fjorden. Im Hafen. Am Wasserfall. Am Meer.

Die Erde trug mich über Lavafelder und Küstenklippen.

Die Luft war klar und frisch wie nur in Island.

Und das Feuer zeigte sich in den uralten Lavafeldern, die noch immer von seiner Kraft erzählen.

Wieder waren alle vier Elemente an meiner Seite.


Und während viele Menschen heute ihr perfektes Foto vom Kirkjufell suchten, saß ich mit Fritz auf einer einsamen Klippe. Für mich war das das deutlich bessere Motiv.


Tag 19
14.06.2026 Vor den Reisebussen
Tag 19 Kirkjufell -> Vatnsborg

Standort Morgens : FS Snaeffelsnesvegur 351   Tacho-Stand-Abends : 56.321 gef. Strecke : 64 km

Standort Abends.. :  FS Vatnsborg    GPS : 64.8725120830171, -24.00536753248824


Snæfellsjökull-Nationalpark
Der Nationalpark Snæfellsjökull wurde 2001 gegründet und erstreckt sich auf etwa 170 km2 an der westlichsten Spitze der Halbinsel Snæfellsnes. Der Park ist nach dem wunderschön geformten und legendären Stratovulkan und Gletscher Snæfellsjökull benannt, der Krone des Nationalparks.Die Grenzen des Parks verlaufen von der vielfältigen Küste bis zur Spitze des Snæfellsjökull, der bis auf 1.446 m über dem Meeresspiegel aufragt. Der Snæfellsjökull ist eines der 32 aktiven Vulkansysteme Islands und brach zuletzt vor etwa 1.800 Jahren aus. Auf dem Gipfel des Snæfellsjökull befindet sich eine kleine Eiskappe. 

DIE INSPIRIERENDE KRAFT DES SNÆFELLSJÖKULL

Die Schönheit des Snæfellsjökull hat die Menschen schon immer spirituell beeinflusst, und der Berg war Inspiration für Schriftsteller, Maler und andere Künstler. Das bekannteste Werk ist wohl Jule Vernes Science-Fiction-Roman Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, den er unter dem Eindruck des Vulkans schrieb. Ob der Vulkan nun tatsächlich der Eingang zum Mittelpunkt der Erde ist, eines der sieben „Chakren“ der Erde, oder ob in ihm der Geist von Bárður aus der Saga von Bárður Snæfellsás wohnt – die Schönheit des Vulkans und seiner Umgebung lässt wohl niemanden unberührt.


Kirkjufell Viewpoint
64.92238792967773, -23.284665038968804

In der Landschaftsfotografie ist Kirkjufell der bekannteste Berg Islands. Er liegt in der Nähe der Kleinstadt Grundarfjörður und diente als Kulisse für „Game of Thrones“ und „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“. Für die ikonische Aufnahme von Kirkjufell und Kirkjufellsfoss benötigen Sie ein Weitwinkelobjektiv. Ein 16-mm-Objektiv funktioniert sehr gut, aber mit einem 14-mm-Objektiv haben Sie noch mehr Freiheit bei der Wahl Ihrer perfekten Komposition. Den vielen Instagrammern bin ich früh morgens zuvor gekommen. Als ich ging kam mir der erste Bus entgegen. Habe mir nicht nehmen lassen auch ein InstaPosing zu machen. Ich bespiele aber keinen Account.



Wanderung zum Grundarfoss-Wasserfall
64.92288513191467, -23.22318114919703

Wanderung zum Grundarfoss-Wasserfall 

Der Wasserfall ist ein verborgener Schatz und einer der schönsten Wasserfälle Islands . Wenn Sie also die Zeit und Gelegenheit haben, die Wanderung dorthin auf sich zu nehmen, werden Sie mit einem unvergesslichen Anblick belohnt. Um zum Wasserfall zu gelangen, müssen Sie einige hundert Meter wandern. Dies kann etwa 15 Minuten dauern. Je nach Ihrem Tempo und der Nähe, die Sie zum Fuß des Wasserfalls haben möchten, kann es jedoch auch länger dauern. Der Weg beginnt flach und besteht hauptsächlich aus Schotter und ist von Gräsern umgeben. Wenn Sie sich dem Wasserfall nähern, wird der Weg felsig und weist verschiedene Steigungen auf.  Obwohl es sich um eine kurze Wanderung handelt, kann sie knifflig sein. Sie werden an einigen Stellen auf Gewässer und Flussufer stoßen, die überquert werden müssen. Tragen Sie daher unbedingt bequeme Schuhe. Seien Sie bei dieser kurzen Wanderung vorsichtig, da einige der Grundstücke Privatbesitz sind. Aber keine Sorge! Einige Schilder entlang des Weges weisen Ihnen den richtigen Weg, damit Sie auf dem richtigen Weg bleiben.  Wenn Sie den Wasserfall erreichen, sehen Sie das wunderschöne, klare Wasser vor der Kulisse der Landschaft. Es ist ein unvergleichlicher Anblick. Machen Sie ein paar Fotos, um dieses großartige isländische Erlebnis festzuhalten. 


Bugsfoss
64.88639821846445, -23.644335206592018

Der Bugsfoss ist ein wunderschöner, versteckter Wasserfall auf der isländischen Halbinsel Snæfellsnes. Aufgrund der steilen Schluchten in der Umgebung ist der Wasserfall allerdings nicht über einen offiziellen Wanderweg zu Fuß erreichbar. Der Wasserfall ist ein klassischer „Park-and-Knips“-Stopp. Sie können ihn direkt von der asphaltierten Straße 574 (nahe der Abzweigung) sehen und fotografieren.


Bæjarfoss
64.89360086318709, -23.720465130458706

Bæjarfoss – der städtische Wasserfall, ist ein 35 Meter hoher Wasserfall hinter dem Städtchen Ólafsvík. Vom Kirchplatz aus führt ein Weg zu ihm, den man in 10 Minuten bewältigen kann. Sie können auch vom Parkplatz am westlichen Stadtausgang auf der Straße 35 dorthin gehen. Bæjarfoss gehört sicherlich nicht zu den größten Attraktionen der Halbinsel.


Svöðufoss - 2 Stunden Wanderung
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Der Svöðufoss ist ein Wasserfall auf der Halbinsel Snæfellsnes im Westen von Island.

Rund um den Svartifoss fand ich insbesondere die Basaltsäulen interessant und fotogen.


Die Wege zum Wasserfall sind besonders gut ausgebaut. Auch Barrierefrei.


Murals of Hellissandur - Street Art
64.91872298427498, -23.885839961980892

Erleben Sie die kunstvollen Wandmalereien von Hellissandur, einem abgelegenen Küstenort auf der Halbinsel Snæfellsnes in Westisland, der sich in eine beeindruckende Freiluftgalerie verwandelt hat. Mit über 40 großflächigen Kunstwerken, die Häuser und öffentliche Plätze schmücken, trägt Hellissandur stolz den Titel „Islands Hauptstadt der Street Art“.


Skarðsvík Beach
64.88085801349041, -23.985643730607155

Der goldene Sandstrand Skardsvík an der nordwestlichen Spitze der Halbinsel Snaefellsnes ist ein außergewöhnliches Naturjuwel, selbst für isländische Verhältnisse. 


Im Gegensatz zu den meisten schwarzen Sandstränden in Island erinnert Skardsvík mit seinem aquamarinblauen, türkisfarbenen Wasser und der umliegenden dunklen Vulkanlandschaft an eine Mittelmeerküste. Der Muschelsand ist weiß-creme-schwarz gefärbt.


Freistehen - Vatnsborg & Grasholshellir
64.8732, -24.0072

Kleiner Wanderparkplatz umgeben von Vulkangestein mit Sicht auf das Meer. Den Platz erreicht man auf einem relativ gut befahrbaren Schotterweg (1,5km). Ich habe hier die Nacht im Fritz verbracht. Keine Schilder, die das verbieten. Ein Polarfuchs kam vorbei.


Short vom Fjord - Vor den Reisebussen

Heute war wieder einer dieser herrlichen Sommertage auf Island. Blauer Himmel. Sonnenschein. Klare Sicht. Und deshalb klingelte der Wecker früh. Sehr früh. Ich hatte mir vorgenommen, dem Trubel zuvorzukommen.


Mein erstes Ziel war der Kirkjufellsfoss. Einer der meistfotografierten Orte Islands. Als ich ankam, war die Welt noch in Ordnung. Nur das Wasser rauschte. Der Wind strich über die Wiesen. Und der markante Kirkjufell erhob sich über der Landschaft. Keine Reisebusse. Keine Menschenmassen. Keine Selfie-Paraden. Genau so mag ich Island.


Ich genoss die Ruhe, machte meine Aufnahmen und hatte den Ort fast für mich allein. Kurz bevor der erste Bus eintraf, war ich bereits wieder unterwegs. Der frühe Vogel bekommt eben nicht nur den Wurm. Sondern manchmal auch ganz Island.


Danach wanderte ich zum Grundarfoss. Mein Oberschenkel meldete sich zwar noch gelegentlich zu Wort, hielt sich aber erfreulich zurück. Langsam. Vorsichtig. Ohne Eile. So erreichte ich den Wasserfall problemlos. Unterwegs sammelte ich etwas Schafswolle. Island schenkt einem die schönsten Souvenirs oft kostenlos. Kein Laden. Keine Kasse. Nur der Wind, der die Wolle über die Zäune trägt.


Im weiteren Verlauf des Tages wurden die Wasserfälle zunehmend bescheidener. Der Búðafoss zeigte sich noch recht eindrucksvoll. Doch beim Bæjarfoss war vom großen Auftritt nicht mehr viel übrig. Eher ein kleines Rinnsal als ein Wasserfall. Doch auch das gehört zu Island. Nicht jeder Ort muss spektakulär sein. Manche sind einfach Teil der Landschaft.


Später führte mich mein Weg zum Svöðufoss. Ein schöner Wanderweg brachte mich bis an den Fuß des Wasserfalls. Der Aufstieg darüber hinaus wäre zwar möglich gewesen. Doch heute entschied die Vernunft. Mein Oberschenkel hatte bereits genug Abenteuer erlebt. Also blieb ich unten. Die Drohne durfte stattdessen die letzten Meter übernehmen. Man muss nicht jeden Gipfel selbst erklimmen. Manchmal reicht es, ihn zu betrachten.


Anschließend erreichte ich Hellissandur. Das kleine Künstlerdorf überraschte mich. Überall bemalte Häuser. Große Wandbilder. Farben zwischen Lava, Meer und Bergen. Die Kunst wirkte nicht aufgesetzt. Sondern als natürlicher Teil des Ortes. Fast so, als hätten die Bewohner beschlossen, dem rauen Klima einfach etwas Farbe entgegenzusetzen. Und genau so war es auch. Als ich über den Küstenweg schlenderte sagte mir ein Rasenmähermann : "Go Ahead. It´s nice" Ich tat es und ja, es war schön. Informativ und Entspannend.


Mein letzter Programmpunkt führte mich schließlich zum Skarðsvík-Strand. Und wieder überraschte mich Island. Der Strand war anders als alles, was ich bisher gesehen hatte. Zwischen den schwarzen vulkanischen Körnern mischten sich helle, gelbliche Muschelreste. Dadurch entstand eine faszinierende Mischung aus Schwarz und Gold. Natürlich musste eine kleine Probe mit. Ein weiteres Stück Island für Zuhause.

Am Abend fuhr ich nur noch wenige Kilometer weiter.


Bei Vatnsborg fand ich einen wunderschönen Platz für die Nacht. Ruhig. Einsam. Mit Blick über die Küste. Fritz bekam seinen Platz. Und dann schenkte mir Island noch einen letzten Moment. Am späten Nachmittag erschien plötzlich ein Polarfuchs. Ganz ruhig. Ganz selbstverständlich. Er näherte sich vorsichtig dem Platz. Vielleicht hatte er etwas gerochen. Vielleicht war er einfach neugierig. Für einige Augenblicke beobachteten wir uns gegenseitig. Dann verschwand er wieder zwischen den Hügeln. So lautlos, wie er gekommen war.


Ein würdiger Abschluss für diesen Tag. Wieder waren die Elemente meine Begleiter. 


Das Wasser in den Wasserfällen.

Die Erde der Lavafelder und Küsten.

Die klare Luft über Snæfellsnes.

Und das Feuer, das diese Halbinsel einst erschaffen hat.


Und während die Abendsonne langsam über dem Atlantik versank, saßen Fritz und ich an unserem Platz. Allein. Still. Und genau dort, wo wir sein wollten.


Tag 20
15.06.2026 Im Land der Trolle, Elfen und Riesen
15.06.2026

Standort Morgens : FS Vatnsborg   Tacho-Stand-Abends : 56.383 gef. Strecke : 62 km

Standort Abends.. :  FS Axlarholar GPS : 64.82153695154105, -23.440218456040423


15. Jun. 2026 - 15. Jun. 2026
Svörtuloft Leuchtturm
64.86370548035575, -24.038961607858077

Der Svörtuloft Leuchtturm ist ein leuchtend orangefarbener Turm auf den schwarzen Lavafelsen am westlichsten Punkt der Snæfellsnes-Halbinsel. Der 12 Meter hohe Turm aus dem Jahr 1931 hebt sich markant gegen die dunklen Klippen und den Nordatlantik ab. Die Umgebung ist geprägt von dramatischen Felsformationen und einer wilden, zerklüfteten Küstenlinie. Bei klarem Wetter reicht der Blick weit über das Meer, während im Sommer Möwen und Lummen in den Klippen nisten. Besonders bei Sonnenuntergang entfaltet der Kontrast zwischen dem orangefarbenen Leuchtturm und der schwarzen Lavaküste seine volle Wirkung. Die etwa 5 km lange Zufahrt ist eine unbefestigte Schotterstraße mit zahlreichen Schlaglöchern und tiefen Rillen. Die Fahrt dauert rund 15 Minuten und erfordert langsames Fahren. Der kleine Parkplatz bietet Platz für etwa 4 Fahrzeuge und ist an Wochenenden oft belegt. Der Leuchtturm selbst ist nicht zugänglich, die Umgebung lässt sich aber zu Fuß erkunden. Eine Aussichtsplattform in der Nähe bietet freien Blick über den Atlantik. Der Ort liegt im Snæfellsjökull-Nationalpark und eignet sich für einen kurzen Stopp mit intensiver Naturerfahrung. Ich hatte hier eine ruhige Nacht verbracht. Ein Polarfuchs sagte mir gute Nacht.


Saxhóll Crater - kleine Wanderung 1 Stunde (huz)
64.8512365796571, -23.92393645551429

Der Aufstieg über die Treppe zum Gipfel des Saxholl-Kraters ist eine der beliebtesten Aktivitäten im Nationalpark. Dank des großen, kostenlosen Parkplatzes am Fuße des Kraters ist er mit dem Wagen leicht zu erreichen. Nach dem Parken können Besucher jeden Alters die flache Metalltreppe mit 396 Stufen zur Aussichtsplattform auf dem Kratergipfel hinaufsteigen. Die Treppe entlang des Saxholl bietet nicht nur einen Service für Besucher, sondern trägt auch dazu bei, die Formation für zukünftige Generationen zu erhalten.


Hólahólar Krater - befahrbar -
64.78364053107306, -23.923284588442012

Der Holaholor Krater ist mit dem Auto befahrbar.


Djúpalónssandur beach
64.75349529706422, -23.89516918903745

Am Fuße des mächtigen Snæfellsjökull liegt der Strandabschnitt Djúpalónssandur. Der dunkle Strand ist durch einen Vulkanausbruch entstanden, dessen Lava bis fast zum Meer floss. Allein der Weg zum Strand ist märchenhaft. Skurril geformte Fels- und Lavagesteine säumen den Weg. Moose, bunte Flechten, Tang, Algen und Muscheln aber vor allem seine kleinen glattgeschliffenen schwarzen Kiesel machen diesen Strand zu einem besonderen Erlebnis. Man nennt diese Kiesel auch „Perlen von Djúpalón“. Im Jahre 1948 strandete ein großer Trawler an der Küste. Noch heute sind hier rostige Teile des Wracks zu finden. Diese sollten aber auf keinen Fall mitgenommen werden, da sie unter Schutz stehen.


Lóndrangar View Point
64.7359493667116, -23.77576577736475

Die Londrangar-Klippen auf der isländischen Halbinsel Snæfellsnes sind zwei imposante Basaltfelsen, die sich aus dem Atlantik erheben. Als Teil des Nationalparks Snæfellsjökull sind diese vulkanischen Formationen ein absolutes Muss für Reisende, die die Halbinsel Snæfellsnes besuchen .

Abgesehen von der atemberaubenden Landschaft ist Londrangar auch eng mit der isländischen Folklore verbunden. Geschichten von Trollen und verborgenen Wesen ranken sich um die umliegenden Lavafelder. Die Mischung aus Geologie, Tierwelt und lokalen Legenden macht den Ort zu weit mehr als nur einem Fotostopp in Island .


Arnarstapi - Klippenwanderung
64.7702334685837, -23.62133395865688

Die dramatische Küste von Arnarstapi, die durch jahrhundertelange vulkanische Aktivität und unerbittliche Meereswellen geformt wurde, ist gesäumt von hoch aufragenden Basaltklippen, natürlichen Bögen und Meereshöhlen, die einer Vielzahl von Seevögeln Schutz bieten.

Fügen Sie dazu den ruhigen Charme eines traditionellen isländischen Dorfes und die mythische Präsenz hinzu, die über die Landschaft wacht, und Sie werden feststellen, dass Arnarstapi eine seltene Mischung aus Ruhe, Folklore und atemberaubender Landschaft bietet. Es ist nicht nur ein Wegpunkt – es ist ein Ziel, das Sie einlädt, langsamer zu werden und sich mit dem wilden Herzen Islands zu verbinden.


15. Jun. 2026 - 16. Jun. 2026
Axlarhólar - Freistehplatz
64.82353784820991, -23.43819856530843

Von der Straße zurückgesetzter Parkplatz neben einem Telefonmasten. Tolle Aussicht, aber voller Wind. Kein Verbot.


Short vom Fjord - Im Land der Trolle, Elfen und Riesen

Heute zeigte sich Island von seiner schottischen Seite. Schon am Morgen hing ein feiner Nieselregen in der Luft. Kein richtiger Regen. Kein Sonnenschein. Einfach dieses ständige, feuchte Grau, das man stundenlang kaum bemerkt und das einen trotzdem langsam durchnässt.


Doch genau dieses Wetter passte perfekt zu dem, was mich heute erwartete. Die Halbinsel Snæfellsnes ist ein Land der Sagen. Ein Land der verborgenen Wesen. Und je länger ich unterwegs war, desto besser verstand ich warum.


Mein erster Halt führte mich zum Svörtuloft-Leuchtturm. Die Klippen fielen steil in den Nordatlantik ab. Die Brandung schlug gegen die Felsen. Der Wind trug den salzigen Geruch des Meeres bis hinauf zum Leuchtturm. Hier sammelten die Menschen früher Vogeleier von den Klippen. Hier wurden während der Brutzeit Vögel mit Netzen gefangen. Ein harter Lebensunterhalt. Wenn man heute auf die tosenden Wellen blickt, kann man nur erahnen, welchen Mut die Menschen damals aufbringen mussten.


Danach begann mein persönlicher Kratertag. Erster Halt: Saxhóll. Der Aufstieg auf den Kraterrand wurde gleichzeitig zum Belastungstest für meinen Oberschenkel. Die gute Nachricht: Fast alles wieder wie vorher. Jeder Schritt fühlte sich besser an. Oben angekommen blickte ich über die Lavafelder und die weite Landschaft von Snæfellsnes. Drohnenflüge waren dort nicht erlaubt. Also fuhr ich später ein Stück weiter und ließ meine Drohne aus respektvollem Abstand aufsteigen. Island findet immer einen Weg. Als ich den Parkplatz verließ, rollte gerade der erste Reisebus heran. Meine inzwischen vertraute chinesische Reisegruppe stieg aus. Wir sollten uns heute noch öfter begegnen.


Weiter ging es zum Krater Hólahólar. Dieses Mal fuhr ich sogar direkt in den Krater hinein. Der Nieselregen wurde inzwischen hartnäckiger. Die Tropfen sammelten sich auf der Drohne. Die Technik begann vorsichtig zu protestieren. Doch die Aufnahmen waren im Kasten.


Danach führte mich mein Weg nach Djúpalónssandur. Einem schwarzen Kieselstrand voller Geschichte. Schon der Weg dorthin wirkt wie der Eingang in eine andere Welt. Zerklüftete Lavaformationen. Dunkle Felsen. Moosbewachsene Steine. Alles wirkt, als hätte hier einst ein Troll seine Werkstatt gehabt. Früher arbeiteten hier jedes Frühjahr hunderte Fischer. Bis zu sechshundert Männer sollen in den Monaten April und Mai hier gelebt und gearbeitet haben. Jahr für Jahr. Generation für Generation. Die See gab. Die See nahm. Noch heute liegen die Überreste eines Schiffes am Strand. Verrostete Metallteile. Vom Atlantik gezeichnet. Sie erinnern daran, wie gefährlich das Leben an dieser Küste einst war.


Während ich entlang der Küste wanderte, wurde mir klar, warum die Isländer so viele Geschichten über Trolle, Elfen und verborgene Wesen erzählen. Diese Landschaft fordert solche Geschichten geradezu heraus. Zwischen Nebel, Lava und Meer scheint jederzeit etwas aus den Felsen hervortreten zu können. Und als ich zum Aussichtspunkt zurückkehrte, begegnete ich wieder meiner Reisegruppe vom Saxhóll. Offenbar hatten wir heute dieselbe Route gewählt.


Der nächste Halt war Lóndrangar. Die gewaltigen Basaltfelsen ragten wie Burgtürme aus dem Meer. Überall kreisten Möwen. Tausende. Ihre Hinterlassenschaften hatten die dunklen Felsen vielerorts weiß gefärbt. Die Luft war erfüllt von ihren Rufen. Und natürlich war auch meine Reisegruppe wieder vor Ort. Langsam begann ich zu glauben, wir würden gemeinsam Island umrunden.


In Arnarstapi angekommen, wartete bereits der nächste Bus. Und wieder dieselben Gesichter. Hier machte ich eine Küstenwanderung entlang der Klippen. Die Landschaft war wunderschön. Keine Frage. Doch ich bemerkte deutlich, dass ich dem Golden Circle und den touristischen Zentren immer näher komme. Mehr Busse. Mehr Menschen. Mehr Eile. Den Menschen kann man keinen Vorwurf machen. Sie wollen Island sehen.


Aber ich spürte heute wieder, warum ich die einsamen Fjorde und die abgelegenen Küsten so sehr liebe. Dort hört man die Natur. Hier hört man manchmal die Reisegruppen. Als ich schließlich genug Eindrücke gesammelt hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem ruhigen Platz für die Nacht.


Und ich fand ihn. Am Axlarhólar. Allein. Ruhig. Mit Blick auf den mächtigen Snæfellsjökull. Während ich mein Abendessen zubereitete, begann das eigentliche Schauspiel des Tages. Die Wolken glitten um den Gletscher. Sie umarmten den Berg. Zogen über die Flanken. Und fielen wie Wasserfälle aus Nebel die Berghänge hinab auf die weiten Sandflächen darunter. Ich saß lange dort. Und beobachtete. Kein Foto. Kein Video. Kein Reisebus. Nur ich. Der Fritz. Der Gletscher. Und die Wolken. Am Ende des Tages blieb eine Erkenntnis. Island ist in allem groß. Die Berge sind groß. Die Wasserfälle sind groß. Die Fjorde sind groß. 


Und genauso groß sind die Geschichten.

Von Trollen.

Von Zwergen.

Von Elfen.

Von Feen.

Von Riesen.


Je länger ich durch dieses Land reise, desto besser verstehe ich die Menschen, die diese Geschichten erfunden haben. Denn wer durch solche Landschaften wandert, beginnt irgendwann zu glauben, dass hinter dem nächsten Felsen tatsächlich ein Troll wohnen könnte.


Tag 21
16.06.2026 Die Erde heilt
Tag 21 FS Axlarholar - FS Landbrotalaug

Standort Morgens : FS Axlarholar  End-km-Stand : 56.475   gef. Strecke : 93

Standort Abends : FS Landbrotalaug GPS : 64.83304199555553, -22.31633566313197


Rauðfeldsgjá Gorge
64.80030470975538, -23.642576450878547
Sehr schöne Wanderung zu einer Felsspalte auf der Halbinsel. Parkplätze sind zahlreich verfügbar und kostenlos. In der Spalte selbst fließt ein kleiner Fluß entlang, wer tiefer hinein will sollte evtl. Wasserdichte Schuhe mitnehmen, ansonsten kommt man auch mit normalen Schuhwerk relativ weit solange man nicht abrutscht.

Bjarnafoss - kleine Wanderung
64.84736515628047, -23.400376731341545
Bjarnafoss ist ein ca. 80 Meter hoher, zweistufiger Wasserfall im Westen Islands auf der Halbinsel Snæfellsnes, der durch den Fluss Bjarnaá gespeist wird. Er ist bekannt dafür, dass bei starkem Wind das Wasser komplett verweht werden kann, und liegt an der Straße 54. Eine besondere Legende besagt, dass die Fjallkonan (die „Dame der Berge“), eine Personifizierung Islands, am Fuße des Wasserfalls steht und das Wasser auf ihre Schultern fällt. 
  • Wanderweg: Vom Parkplatz führt ein gut ausgebauter Wanderweg zum Fuße des Wasserfalls, der auch zu den oberen Stufen weiterführt, was jedoch etwas mehr Bergerfahrung erfordert. 

Ytri Tunga - Robbenbeobachtung
64.80391756691654, -23.081464420516646

Ytri Tunga ist ein Strand an der Südküste der isländischen Halbinsel Snæfellsnes, der vor allem für seine Robbenbeobachtung bekannt ist. Der Strand zeichnet sich durch goldenen Sand aus und ist einer der besten Orte in Island, um Seehunde und Kegelrobben zu sehen, besonders in den Sommermonaten und bei Ebbe. Dem ist nicht so. Parkgebühr 900 ISK und kaum Robben gesehen. Nur mit Teleobjektiv zu fotografieren. Der wesentlich bessere Ort ist Seal Lookout in den Westfjorden.


Ölkelduvatn Mineral Spring - Wasserflaschen auftanken
64.83597710042373, -22.977641653347344

Auf dem Bauernhof Olkelda, in der Nähe von Stadarstadur, im Süden von Snaefellsnes, gibt es eine Mineralquelle mit kohlensäurehaltigem Wasser.

Mineralquellen werden heilende Eigenschaften zugeschrieben, also nehmen Sie ruhig einen Schluck.

Der Name des Bauernhauses lautet Olkelda, was auf Isländisch „Mineralquelle“ bedeutet.


Rock formation - Gerðuberg Cliffs
64.85728360346478, -22.362618707700733

Die Klippe, auf der sich die Gerðuberg-Säulen befinden, ist über einen Kilometer lang. Die Säulen sind zwischen sieben und 14 Metern hoch und bis zu anderthalb Metern breit. Viele vergleichen das Gebilde mit einer Festungsmauer.

Das Ungewöhnlichste an Gerðuberg ist die geometrisch symmetrische Anordnung der Säulen, die wie von Hand gehauen wirkt. Solche Merkmale sind in Island und im Rest der Welt selten, lassen sich aber wissenschaftlich leicht erklären.

Bei einem Ausbruch vor Tausenden von Jahren flossen Lavaströme in sehr gleichmäßigen Strömen von den Klippen. Das Meer kühlte sie schnell ab, wodurch sie diese einzigartige und ungewöhnliche Form annahmen.


Landbrotalaug Hot Springs
64.83319485840227, -22.316466131573936

Landbrotalaug – die kleinste Hot Spring Islands - Ein winziges Becken mitten im Lavafeld.

Besonderheiten: maximal 2 Personen gleichzeitig, unglaublich ruhig, moosige Lava-Landschaft 

Erreichbarkeit: Nähe Kirkjubæjarklaustur, kurzer Feldweg, 2WD meist möglich

Für mich der Freistehplatz für heute Nacht. Sehr versteckt.


Short vom Fjord - Die Erde heilt

Heute war einer dieser Tage, an denen die Reise nicht von spektakulären Sehenswürdigkeiten bestimmt wurde. Sondern von der Verbindung zur Erde. Zu Fritz. Und zu mir selbst.


Der Morgen begann zunächst mit etwas, das auf jeder langen Reise irgendwann dazugehört. Reparaturen. Fritz hatte beschlossen, meine Aufmerksamkeit einzufordern. Ein Heißwasserschlauch der Wasserpumpe war geplatzt. Nichts Dramatisches. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigte mir schnell, wo ich suchen musste. Werkzeug heraus. Verkleidung öffnen. Schaden finden. Reparieren. Kurze Zeit später lief alles wieder wie gewohnt. Auch die vordere Dachluke verlangte nach Zuwendung. Die starken Winde der letzten Tage hatten eine Verankerung verklemmt. Auch dieses Problem ließ sich lösen. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, sein Fahrzeug zu kennen. Fritz ist längst mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Er ist Zuhause. Werkstatt. Schutzraum. Und treuer Begleiter zugleich.


Nach getaner Arbeit begann der eigentliche Reisetag. Mein erster Halt führte mich zu einer schmalen Felsspalte, tief eingeschnitten in die Erde. Zwischen moosbewachsenen Felsen floss ein kleiner Bach. Das Wasser verschwand zwischen den Steinen. Das Licht drang nur stellenweise in die Schlucht. Ein stiller Ort. Ein uralter Ort. Hier konnte man verstehen, warum die Isländer von verborgenen Wesen erzählen. Wenn irgendwo Trolle wohnen, dann an solchen Orten. Zwischen Moos. Stein.

Wasser. Und Stille.


Danach erreichte ich den kleinen Bjarnarfoss. Kein gewaltiger Wasserfall. Kein Naturwunder von gigantischen Ausmaßen. Aber genau das machte seinen Reiz aus. Ein kurzer Fotostopp. Ein kurzer Moment des Innehaltens.


Dann ging die Reise weiter. In Ytri-Tunga wollte ich anschließend Seehunde beobachten. Nun ja. Sagen wir es diplomatisch. Die Bilanz war überschaubar. 900 Kronen Parkgebühr. Ein einzelner Seehund in weiter Entfernung. Manchmal gewinnt die Natur. Und manchmal gewinnt die Parkuhr.


Die eigentliche Belohnung des Tages wartete ohnehin an anderer Stelle. Auf einem Bauernhof mit einer Mineralquelle. Dort sprudelte das Wasser direkt aus der Erde. Klar. Kalt. Mineralreich. Ich füllte mehrere Flaschen ab. Und während ich das Wasser trank, wurde mir bewusst, wie sehr mich diese Reise verändert hat. Früher hätte ich vielleicht einfach eine Sehenswürdigkeit fotografiert. Heute freue ich mich über Wasser. Über gutes Wasser. Über die Kraft der Erde. Besonders über das Magnesium, das mir in den letzten Tagen gutgetan hat. Es war, als würde die Erde selbst mir etwas zurückgeben.


Später begegnete ich erneut den Basaltsäulen dieser Insel. Millionen Jahre alte Lava. Geformt durch Feuer. Abgekühlt durch Zeit. Ich blieb lange dort stehen. Nicht um Fotos zu machen. Sondern um zu schauen. Die Linien. Die Formen. Die Ordnung in der scheinbaren Wildnis. Die Erde erzählt ihre Geschichte hier in Stein. Man muss nur bereit sein zuzuhören.


Am Nachmittag erreichte ich schließlich Landbrotalaug. Den kleinsten Hot Pot Islands. Platz für zwei Menschen. So zumindest die Legende. Der geheime Ort war allerdings längst nicht mehr geheim. Mehrere Besucher hatten dieselbe Idee. Meine Temperaturmesspistole zeigte gerade einmal 28 Grad. Für einen Hot Pot eindeutig zu wenig. Zumindest für meinen Geschmack. Also blieb ich draußen. Manchmal ist es wichtiger, einen Ort zu erleben, als ihn unbedingt zu benutzen.


Der Wind nahm im Laufe des Tages immer weiter zu. Böen fegten über die Landschaft. Wolken jagten über den Himmel. Und trotzdem blieb ich. Direkt gegenüber. Mit Blick auf die Lavafelder. Mit Blick auf den Vulkan, den ich morgen erwandern werde. Während ich am Abend vor Fritz saß, wurde mir bewusst, wie oft mich heute die Erde begleitet hatte.


In den Felsen. Im Moos. Im Mineralwasser. In den Basaltsäulen. Im Lavafeld. Die Erde trägt hier alles. Das Wasser fließt durch sie. Die Luft streicht über sie. Und das Feuer schläft tief in ihrem Inneren. Vielleicht ist genau das die größte Erkenntnis dieser Reise.


Dass Heilung nicht immer in Bewegung liegt. Nicht immer im Erreichen eines neuen Ziels. Manchmal liegt sie einfach darin, still zu werden. Die Erde unter den Füßen zu spüren. Und sich daran zu erinnern, dass auch wir Teil dieser Natur sind. Heute war ein Tag der Erdverbundenheit. Und die Erde hat mir gutgetan.


Tag 22
17.06.2026 100 km : Thermalquellen, Wasserfälle & Abenteuer Gletschereishöhle
Tag 22 FS Landbrotalaug - CP Husafell Camping

Standort Morgens : FS Landbrotalaug  Tacho-Tagesend-Stand : 56.592   gef. Strecke : 117

Standort Abends : CP Husafell-Campground  GPS : 64.70171858722347, -20.87053522770216


Eldborg Wanderung
64.77272428310653, -22.301255890532303

Eldborg ist ein typischer Krater, der sich 185 Meter über die umgebende Lava erhebt und der größte Krater innerhalb einer kurzen Spalte ist. Der Krater ist oval, hat einen Durchmesser von über 100 Metern und ist 100 Meter tief. Die Wände sind steil und bestehen aus einer hauchdünnen Lavaschicht. Eldborg wurde 1974 zum geschützten Naturdenkmal erklärt. Der Weg zum Krater ist abwechslungsreich. Unterwegs kann man wunderschöne Lavaformationen entdecken. Von der Kraterspitze aus hat man einen herrlichen Ausblick in alle Richtungen. Bei gutem Wetter und guter Sicht kann man sogar die Fjorde vom Snæfellsjökull-Gletscher bis nach Reykjanes sehen.  Der Weg beginnt im Rastplatz von Snorrastaðir, wo Sie Unterkünfte sowie Einrichtungen für Gruppen aller Größen und Arten finden. Der Weg weist unterschiedliche Oberflächen auf, der Großteil verläuft jedoch auf Lavauntergrund.  Beim Aufstieg auf den Eldborg-Hang können Wanderer die dort vorhandenen Ketten nutzen, um den Aufstieg oder Abstieg zu erleichtern.

  • Gebiet : Hnappadalur, Borgarbyggð
  • Straßennummer zum Ausgangspunkt : Snæfellsnesvegur (Nr. 54), Snorrastaðir
  • Schwierigkeitsgrad : Leicht, allerdings ist zu beachten, dass es auf dem Weg viele hohe Stufen gibt
  • Länge : 6,64 km / 4,12 Meilen (hin-und-zurück)
  • Höhe : 50–100 Meter. 
  • Markierungen : Kleine Markierungen auf dem Weg
  • Dauer : ca. 2 Stunde und 27 Minuten 
  • Routentyp : Kleine und große Steine, Lava und Mulchsubstrate 
  • Hindernisse auf dem Weg : Es gibt viele Schritte auf dem Weg / es kann schwierig sein, den Weg zu finden
  • Dienstleistungen in der Umgebung : Unterwegs steht eine Toilette zur Verfügung und Müll kann im Servicebereich Snorrastaðir entsorgt werden
  • Beleuchtung : Ein Teil der Strecke ist beleuchtet, von Snorrastaðir bis zum Beginn des Wanderwegs
  • Saison : Der Wanderweg ist ganzjährig geöffnet
  • GPS-Koordinaten Start- und Zielpunkt : N64°46.4456 W022°18.1262

The Settlement Center
64.53509422248922, -21.92469888268536

Ein sehr schön gestalteter Shop mit Bistro, indem man Buffet essen oder auch Speisen a la Card bestellen kann. Und das zu für Island moderaten Preisen. Das wichtigste aber ist diese Ausstellung über die Landnahme Islands. Die Ausstellung ist sehr spannend, kreativ und außergewöhnlich toll gestaltet und man erhält zusätzlich einen Audio-Guide in vielen Sprachen, der die Geschichte der Landnahme erzählt. Das dauert etwa eine halbe Stunde und wer mag, kann sich dann noch eine etwas gruselige und gewalttätige Sagen-Geschichte eines ersten Wikingers auf die selbe Art und Weise erzählen lassen und dazu ebenfalls durch eine Ausstellung gehen. Aber ACHTUNG: Unserer Meinung nach, sollten Kinder mindestens 8 Jahre alt oder sehr gefertigt sein für diese Geschichte. Unser Sohn (gerade 8 geworden) wollte diesen Vortrag abbrechen. - Alles in allem aber eine wirklich gelungene Ausstellung und Location, die man zum Beispiel gut besuchen kann, wenn das Wetter mal mies ist. Es war in unserem Fall auch überhaupt nicht überlaufen. Absolute Empfehlung. 👍😊


Deildartunguhver - Heiße Quellen & Spa
64.66343139124369, -21.40946113082391
Die Thermalquelle Deildartunguhver

Direkt neben dem Thermalbad Krauma liegt im Reykholtsdalur die heiße Quelle Deildartunguhver. Sie gilt als die Thermalquelle mit der größten zu Tage tretenden Wassermenge in ganz Europa. Pro Sekunde strömen rund 180 Liter Wasser mit einer Temperatur von 97°C aus mehreren Löchern. Die Quelle ist seit vielen Jahren mit einer Betonmauer umfasst und das Wasser wird gesammelt. Durch eine Pipeline fließt es bis nach Akranes und versorgt ein großes Gebiet im Westen Islands mit heißem Wasser. Das Geothermalfeld von Rykholt ist das größte und aktivste Niedertemperaturgebiet in Island. Es hat eine Fläche von fast 300 Quadratkilometern.


Hraunfossar Waterfall & Barnafoss
64.70187792030886, -20.978328556882442

Das Lavafeld, durch das Hraunfossar rieselt, entstand bei einem Ausbruch eines der Vulkane unter dem nahegelegenen Gletscher Langjökull , der zweitgrößten Eiskappe Islands. Die Wasserfälle ergießen sich von Felsvorsprüngen aus weniger porösem Gestein in der Lava in den Fluss Hvítá.

Da es in der Gegend um Hraunfossar früher immer wieder zu Ausbrüchen kam, sind die Lavafelder für ihre versteckten Höhlen bekannt. Die längste Höhle des Landes,  Víðgelmir , befindet sich in der Nähe des Wasserfalls . Diese erstaunliche Höhle ist 1.595 Meter lang, bis zu 15,8 Meter hoch und 16,5 Meter breit.

Seine geologische Geschichte mag faszinierend sein, da es erst tausend Jahre alt ist, doch seine menschliche Geschichte weckt ebenso viel Faszination, da das Lavafeld einst die Heimat von Banditen war und der Folklore zufolge die Heimat von Trollen ist.

Eine weitere bedeutende Sehenswürdigkeit in der Nähe von Hraunfossar ist nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Obwohl es sich ebenfalls um einen Wasserfall handelt, könnte er nicht unterschiedlicher sein. Barnafoss stürzt mit ungeheurer Kraft durch ein enges, felsiges Tal und schäumt und schäumt spektakulär. Der Legende nach führte die Kraft dieser Stromschnellen jedoch zu einer Tragödie.

Es heißt, dass einst eine alte Steinbrücke über den Wasserfall führte und zwei Jungen auf einem nahegelegenen Bauernhof, die sich zu Hause langweilten, versuchten, sie zu überqueren, um ihre Eltern in der Kirche zu treffen. Aufgrund der Höhe wurde ihnen jedoch schwindelig, sie stürzten und ertranken.

Die Legende endet auf zwei verschiedene Arten. Die weniger interessante besagt, dass die Mutter aus Trauer einfach die Zerstörung der Brücke befahl. Andere Geschichten besagen, dass sie die Brücke mit einer isländischen Rune verfluchte, sodass alle, die sie überquerten, das gleiche Schicksal erleiden würden wie ihre Söhne.

In dieser Version wurden die Brücke und der Fluch später durch ein Erdbeben zerstört.

Der Wasserfall erhielt seinen Namen aufgrund dieser Geschichte; er bedeutet „Kinderwasserfall“.


Húsafell Camping
64.69954324622314, -20.868708953155988

Ein großer und beliebter Campingplatz in der Region Húsafell mit Blick auf den Eiríksjökull-Gletscher und zahlreichen Freizeitmöglichkeiten, darunter ein Golfplatz.

In der Nähe befinden sich die wunderschönen Wasserfälle Hraunfossar.


Short vom Fjord - Der Erde ganz nah Teil 1
Heute war ein besonderer Tag. Einer dieser Tage, die man nicht plant. Sondern geschenkt bekommt.

Bereits um drei Uhr morgens war die Nacht für mich vorbei. Zunächst war es der Wind. Er rüttelte am Fritz, als wolle er mich daran erinnern, dass Island niemals wirklich schläft. Dann kam die Sonne. Oder besser gesagt: Sie verschwand gar nicht erst richtig. Zu dieser Jahreszeit berührt sie nachts nur kurz den Horizont, bevor sie wieder aufsteigt. Heute war der Himmel wolkenlos. Das goldene Licht strömte durch die Fenster und tauchte den Innenraum von Fritz in warme Farben. Ein magischer Moment. Natürlich musste ich sofort zur Kamera greifen. Solche Augenblicke kann man nicht planen. Man kann sie nur erleben. Später am Morgen gratulierte ich meiner Tochter zum Geburtstag. Ein besonderer Moment. Auch wenn mich viele hundert Kilometer Meer und Landschaft von zuhause trennen. Danach gab es ein ausgiebiges Frühstück. Rührei. Kaffee. Und die Vorfreude auf einen neuen Tag.


Mein erstes Ziel war der Eldborg-Krater. Schon lange hatte ich mich auf diese Wanderung gefreut. Der Weg begann angenehm. Über grüne Wiesen. Vorbei an einigen Ziegen. Dann wechselte die Landschaft. Der Boden wurde dunkler. Lavagestein tauchte auf. Erst einzelne Brocken. Dann ganze Felder aus erstarrtem Feuer. Schließlich führte mich der Pfad durch einen fast mystisch wirkenden Hain. Moos. Büsche. Stille. Fast eine Stunde wanderte ich durch diese Landschaft, bis sich vor mir der Krater erhob. Und dort wartete eine angenehme Überraschung. Treppen. Die Isländer wissen offenbar, wie man Wanderern das Leben erleichtert. Die Stufen führten weit hinauf. Die letzten Meter mussten jedoch an Ketten überwunden werden. Doch auch das gelang problemlos. Mein Oberschenkel machte hervorragend mit. Nach den letzten Tagen war das vielleicht die schönste Erkenntnis überhaupt. Ich bin wieder voll einsatzfähig. Oben angekommen empfing mich der Wind. Kräftig. Klar. Unverfälscht. Und darunter lag Island. Der Atlantik glitzerte in der Ferne. Die Lavafelder zogen sich bis zum Horizont. Der Himmel spannte sich in tiefem Blau über die Landschaft. Unter meinen Füßen befand sich der Rand eines erloschenen Kraters. Etwa hundert Meter tief. Ich war nach 3,3 Kilometern auf 184 Meter aufgestiegen. Hier wurde mir wieder bewusst, wie lebendig diese Insel eigentlich ist. Die Erde schläft nicht. Sie atmet. Sie bewegt sich. Sie erschafft. Und für einen Moment stand ich genau dort, wo einst Feuer aus ihrem Inneren hervorbrach. Der Erde so nah wie selten zuvor. Nach dem Abstieg wartete Fritz bereits auf mich.


Ich sattelte meinen treuen Begleiter und machte mich auf den Weg nach Borgarnes. Dort besuchte ich das Settlement Center. Über einen Audioguide lauschte ich erneut den Geschichten der Landnahme Islands. Norwegische Wikinger. Schwedische Siedler. Dänische Einflüsse. Geschichten, die ich bereits kannte. Und dennoch höre ich sie immer wieder gerne. Vielleicht weil Island ohne seine Sagas und seine Geschichte nur halb so faszinierend wäre. Vielleicht auch, weil ich mich auf dieser Reise immer wieder selbst auf den Spuren dieser frühen Entdecker wiederfinde. Natürlich wurden in Borgarnes auch die Vorräte aufgefüllt. Und ja. Ein wenig Süßes musste ebenfalls mit. Man soll schließlich nicht nur von Geschichten leben.


Danach führte mich mein Weg zum größten Geothermalgebiet Europas. Deildartunguhver. Schon von weitem stiegen Dampfwolken auf. Die Erde brodelte. Fauchte. Atmete. Überall drängte heißes Wasser aus ihrem Inneren an die Oberfläche. Hier wird die Kraft der Erde direkt genutzt.

Das heiße Wasser versorgt ganze Ortschaften mit Wärme. Unter anderem Borgarnes. Während ich den Dampf beobachtete, wurde mir bewusst, wie selbstverständlich die Isländer mit den Kräften ihrer Insel leben. Was andernorts als Naturgewalt gilt, ist hier Teil des Alltags.


Auf meinem weiteren Weg begegnete ich auch Snorralaug. Dem Bad von Snorri Sturluson. Dem großen Geschichtsschreiber Islands. Seine Geschichten begleiten die Insel bis heute. Und viele davon erinnern mich an die Sagen, die ich bereits in Norwegen kennengelernt habe. 


Am Nachmittag warteten schließlich zwei weitere Naturwunder. Hraunfossar. Und Barnafoss. Wasserfälle. Und doch ganz anders als alle anderen. Hier stürzt das Wasser nicht von einer Klippe. Es tritt direkt aus dem Lavafeld hervor. Aus dem Gestein. Aus der Erde. Als würde die Insel selbst Wasser hervorbringen. Ein faszinierender Anblick. Und wieder ein Ort, an dem sich die Elemente begegnen.


Das Wasser.

Die Erde.

Das Feuer vergangener Vulkanausbrüche.

Und die Luft, die den feinen Nebel davonträgt.


Am Abend erreichte ich schließlich Húsafell. Ausnahmsweise keinen Freistehplatz. Sondern einen Campingplatz. Denn morgen wartet etwas ganz Besonderes. Ich werde in das Innere eines Gletschers hinabsteigen. Und später in das Innere der Erde. Eine Eishöhle. Eine Lavahöhle. Zwei Welten. Zwei Gegensätze. Eis und Feuer. Genau das, was Island ausmacht. Und während ich heute Abend vor Fritz sitze, wird mir klar: 


Diese Reise führt mich nicht nur über Straßen. Nicht nur durch Landschaften. Sie führt mich durch die Elemente selbst. Morgen werde ich das Eis betreten. Und anschließend die Welt des Feuers. Ich freue mich darauf.


Tag 23
18.06.2026 Eishöle & Lavahöhle
Abenteuer Gletschereishöhle 10-14 Uhr
64.69930334182241, -20.868097690944975
Beschreibung

Langjökull, auch bekannt als „der Lange Gletscher“, erwartet uns!
Sie treffen Ihren professionellen Guide in Húsafell, kleiden sich in einen Schneeanzug und steigen in unseren speziell umgebauten Gletschertruck. Wir fahren über den Gletscher zum Höhleneingang, der auf der Eiskappe auf Sie wartet. Im Inneren bestaunen Sie die leuchtend blauen Farbtöne, jahrzehntealten Eisschichten und Vulkanasche, die Islands Naturgeschichte widerspiegeln. Während Ihr Guide Sie durch die Gletschergänge führt, erfahren Sie mehr über die Geologie und Geschichte der Gletscher, ihre Entstehung und ihre Bewegung.
Begleiten Sie uns auf einer lehrreichen, familienfreundlichen Eishöhlen-Odyssee, die das ganze Jahr über angeboten wird!

Enthält : 

Monstertruck-Fahrt, Eintritt in die Eishöhle, Führung, Steigeisen für sicheres Gehen auf dem Eis, Schneeanzüge, Jacken und wasserdichte Stiefelüberzüge


Was du mitbringen solltest : 

  • Hut
  • Wasserdichte Kamera
  • Handschuhe
  • Wettergerechte Kleidung
  • Regenbekleidung

Into the Glacier – Im Herzen des Eises

Heute durfte ich eines der außergewöhnlichsten Abenteuer meiner Islandreise erleben.


Schon die Anfahrt fühlte sich an wie eine Reise in eine andere Welt. Mit einem speziell umgebauten 4x4-Bus ging es hinaus in die karge Hochlandlandschaft des Langjökull. Die Umgebung wirkte beinahe außerirdisch. Schwarze Vulkanasche. Graue Ebenen. Schnee und Eis in der Ferne. Wie eine Mischung aus Island und dem Mond.


Während sich der Bus langsam den Bergen entgegenarbeitete, wirbelten die Reifen feine Aschewolken auf. Nach etwa vierzig Minuten erreichten wir das Basislager Klaki. 

Langjökull Klaki Basecamp. Ein Ort, der eindrucksvoll zeigt, wie lebendig Island ist. Noch in den 1960er Jahren reichte die Gletscherzunge des Langjökull bis hierher. Heute liegt das Eis weit entfernt. Ein stilles Zeugnis dafür, wie sich die Natur ständig verändert. Von dort wechselten wir das Fahrzeug. Nun wartete ein umgebauter MAN-LKW auf uns. Ein gewaltiges Gefährt mit riesigen Reifen. Am Fuß des Gletschers ließ der Fahrer sogar Luft aus den Reifen ab, um genügend Auflagefläche für die Fahrt über Schnee und Eis zu erhalten. Langsam arbeiteten wir uns immer höher hinauf. Die Landschaft wurde weißer. Rauer. Stiller. Bis schließlich vor uns der Eingang erschien. Eine Öffnung im ewigen Eis. Ein Tor in das Innere des Gletschers. Vor vielen Jahren wurde hier ein fast einen Kilometer langer Tunnel - eine Röhre in den Langjökull gebohrt. Ursprünglich diente er wissenschaftlichen Untersuchungen. Heute erlaubt er Besuchern etwas, das nur an wenigen Orten der Welt möglich ist: Einen Gletscher von innen zu erleben. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung und dem Anlegen von Steigeisen begann der eigentliche Weg. Schritt für Schritt führte uns der Tunnel tiefer in das Herz des Eises. Natürlich hörte ich aufmerksam den Erklärungen unseres Guides zu. Über das Wachstum des Gletschers. Über das Schmelzen. Über die Bewegung des Eises. Doch immer wieder zog mich etwas anderes an. Das Eis selbst. Ich musste es berühren. Es fühlte sich ganz anders an, als ich erwartet hatte. Nicht wie ein Eiswürfel aus dem Gefrierfach.

Nicht wie Schnee. Sondern lebendig. Glasklar. Von einem feinen Wasserfilm überzogen. Als würde die Erde hier ihr eigenes Kristall erschaffen. Es war faszinierend zu erfahren, dass der Gletscher gleichzeitig wächst und schmilzt. Während sich oben neue Schneeschichten bilden, fließen im Inneren bereits Bäche und Flüsse. Es entstehen Hohlräume. Kammern. Sogar Wasserfälle. Ein Teil des ursprünglichen Tunnels musste deshalb bereits aufgegeben werden. Das Eis verändert sich ständig. Nichts bleibt dauerhaft gleich. Selbst die Tunnelröhre erzählt davon. Einst verlief sie schnurgerade. Heute führt sie bergauf und bergab. Durch Kurven und leichte Verwerfungen. Der Gletscher bewegt sich unaufhörlich. Langsam. Aber unaufhaltsam.


Während wir durch das blaue Licht des Eises gingen, verlor ich irgendwann das Gefühl für die Zeit. Ich blieb stehen. Legte meine Hand auf die eisige Wand. Spürte die Jahrhunderte unter meinen Fingern. Schnee vergangener Winter. Zusammengedrückt zu Eis. Schicht über Schicht. Jahr für Jahr. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie klein wir Menschen eigentlich sind.


Der Langjökull existierte lange vor uns.

Und wird vielleicht noch lange nach uns existieren. Fast hätte ich dort unten die Zeit vergessen. Vielleicht, weil die Welt aus Eis anders funktioniert. Langsamer. Stiller. Ehrlicher.


Heute stand ich nicht auf einem Gletscher. Heute stand ich in seinem Inneren. Und wieder durfte ich erleben, wie eng auf Island die Elemente miteinander verbunden sind.


Das Eis speichert das Wasser.

Die Erde trägt den Gletscher.

Der Wind formt seine Oberfläche.

Und tief unter allem schläft noch immer das Feuer, das diese Insel einst erschaffen hat.


Viðgelmir - Lavahöhle 15-17 Uhr
64.75336754587363, -20.802180833811136

Buche diese unglaubliche geführte Exkursion und erhalte einfachen Zugang zur spektakulären Vidgelmir-Lavahöhle, einer der größten Höhlen Islands. Wer eine farbenfrohe unterirdische Welt auf einem unvergesslichen Ausflug entdecken möchte, sollte diese familienfreundliche Tour jetzt buchen.

Die Tour beginnt am Treffpunkt vor der Höhle. Hier triffst du deinen fachkundigen, englischsprachigen Guide und die anderen Teilnehmer der Tour. Dein Guide gibt dir einen Helm und eine Lampe für deine Sicherheit, und wenn du bereit bist, steigst du in die Höhle hinab.

Die Vidgelmir-Höhle ist eine der größten und beeindruckendsten Lavaröhren Islands und erstreckt sich über 1.585 Meter. Sie befindet sich im Lavafeld Hallmundarhraun und bietet einen faszinierenden Einblick in die vulkanische Vergangenheit der Insel. Sie ist auch eine der größten Lavahöhlen der Welt.

Das Lavafeld entstand vor über 1100 Jahren, während der Wikingerzeit, als unter dem Gletscher Langjökull Vulkankrater ausbrachen. Die Lavahöhle Vidgelmir wurde durch fließende Lava gebildet, die sich unter einer verhärteten Oberfläche bewegte, und ist einer der verborgenen Schätze Islands.

Höhlen sind oft dunkel und eng, aber die Lavahöhle Vidgelmir ist anders. Nach dem Abstieg in die Höhle geht es durch einen engen Tunnel, der einzige enge Raum, den man auf dieser Höhlentour durchquert.

Die Höhle öffnet sich zu einem riesigen Raum mit unzähligen Eiszapfen, beeindruckenden Farbspielen und Felsformationen. Im Winter kannst du einige wunderschöne Eisformationen sehen, die die Höhle schmücken.

Die riesigen Kammern der Höhle sind mit einzigartigen Lavaformationen gefüllt, darunter Stalaktiten und Stalagmiten, die durch abkühlende Lavaströme entstanden sind.

Der Zugangsweg, der von einer großen Halle zur nächsten führt, ist an ausgewählten Stellen mit fest installierten Leuchten beleuchtet. Wenn das Licht auf die Eiszapfen trifft, funkeln sie und die Farben der Wände werden regenbogenartig.

Die Vidgelmir-Höhle ist durchgehend gut beleuchtet und kann von allen Altersgruppen sicher erkundet werden. Der Guide wird an einem Punkt alle Lichter in der Höhle ausschalten, sodass du den beeindruckenden Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit erleben kannst.

Während der Tour erzählt der Guide mehr über die Entstehung und Geschichte der Höhle.

Nach etwa anderthalb Stunden in der Höhle ist es Zeit, in die Außenwelt zurückzukehren. Du kehrst zum Treffpunkt zurück und kannst von hier aus deine Abenteuer in Island fortsetzen oder die Heimreise antreten.

Verpasse nicht die Gelegenheit, die atemberaubende Schönheit dieser magischen Unterwelt auf dieser familienfreundlichen Reise zu erkunden. 


Víðgelmir – Im Inneren des Feuers

Nachdem ich am Vormittag das Herz des Eises betreten hatte, führte mich mein Weg am Nachmittag in das genaue Gegenteil.


Vom Inneren des Gletschers. Zum Inneren eines Vulkans. Island zeigte mir heute wieder seine beiden Gesichter.

Eis und Feuer. Am Eingang der Lavahöhle Víðgelmir begrüßte uns ein irischer Guide. Sein Englisch war mindestens so lebhaft wie die irischen Küstenwinde. Er sprach schnell. Sehr schnell. Manchmal musste ich mich mehr auf die Höhle konzentrieren als auf seine Erklärungen. Doch das machte nichts. Denn dieser Ort sprach ohnehin seine eigene Sprache.


Schon nach den ersten Metern wurde mir bewusst, welche gewaltigen Kräfte hier einst gewirkt haben mussten. Vor etwa eintausend Jahren floss an dieser Stelle glühende Lava durch das heutige Hallmundarhraun. Tag für Tag. Monat für Monat. Vielleicht sogar mehrere Jahre lang. Der Lavastrom schuf einen gewaltigen Tunnel. Einen unterirdischen Fluss aus Feuer. Heute wandert man auf Holzstegen durch diese längst erkaltete Welt. Die Haupthalle wirkte beinahe wie eine Kathedrale. Groß. Weit. Dunkel. Die Wände erzählten noch immer von ihrer feurigen Entstehung. An manchen Stellen sah die erstarrte Lava aus wie geschmolzene Schokolade, die langsam an einer Wand hinuntergelaufen war. Anderswo bildeten sich bizarre Formen und Wellen. Als hätte die Lava im Moment ihrer Erstarrung die Bewegung konserviert.


Besonders faszinierend waren die Eiszapfen im Inneren der Höhle. Stalaktiten und Stalagmiten aus Eis. Ein Anblick, den man tief im Bauch eines alten Lavastroms nicht unbedingt erwartet. Wieder begegneten sich die Gegensätze Islands. Das Feuer hatte die Höhle erschaffen. Das Eis schmückte sie. Je weiter wir in die Dunkelheit vordrangen, desto stärker spürte ich die Energie dieses Ortes. Hier war einst flüssiges Gestein hindurchgeflossen. Mit Temperaturen von weit über tausend Grad.


Heute herrschten Ruhe und Kühle. Und doch konnte man die gewaltige Kraft noch immer erahnen. Besonders beeindruckte mich die Vorstellung, dass dieses Lavafeld nach dem Troll Hallmundur benannt wurde. Einem Wesen aus der Grettis Saga. Der Legende nach lebte Hallmundur in diesen Bergen und bot dem Helden Grettir einst Schutz und Unterkunft.


Während ich durch die Höhle wanderte, musste ich schmunzeln. Denn wenn irgendwo ein Troll gelebt haben könnte, dann genau hier. In einer riesigen unterirdischen Halle aus schwarzem Lavagestein. Versteckt vor Wind und Wetter. Tief im Inneren der Erde. Die Isländer haben ihre Sagen nicht erfunden, weil sie fantasievoll waren. Sie haben sie erfunden, weil diese Landschaft danach verlangt.


Je länger man durch Island reist, desto leichter fällt es, an Trolle, Elfen und verborgene Wesen zu glauben. Am Ende der Tour trat ich wieder hinaus ans Tageslicht. Und mir wurde bewusst, wie außergewöhnlich dieser Tag gewesen war. Am Vormittag stand ich im Inneren eines Gletschers. Am Nachmittag im Inneren eines Lavastroms. 


Während ich durch das Innere eines Gletschers und einer Lavahöhle wanderte, schlief das Feuer Islands nicht. Tief unter der Reykjanes-Halbinsel sammelt sich weiterhin Magma. Der letzte Ausbruch an der Sundhnúkur-Kraterreihe endete erst im August 2025. Die Erde ruht hier niemals wirklich – sie wartet nur auf ihren nächsten Atemzug.


Eis und Feuer. Die beiden Kräfte, die Island erschaffen haben. Heute durfte ich beide Welten betreten. Und wieder wurde mir klar, warum ich diese Reise so liebe. Weil sie mich nicht nur durch Landschaften führt. Sondern mitten hinein in die Elemente selbst.


Húsafell Camping
Hálsasveit, 311, Borgarnes, Island

Tag 24
19.06.2026 Geysirtag
30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Tag 24 CP Husafell - CP Geysir

Standort Morgens : FS CP Husafell-Campground  Tacho-Tagesend-Stand : 56.782   gef. Strecke : 190

Standort Abends : CP Geysir  GPS : 64.3090037015482, -20.303927720680512


Camping Geysir
64.30943881977412, -20.304960432991678

Wohnmobil Stellplatz Island: Campingplatz direkt neben dem Geysir


Short vom Fjord - Der Weg ist das Ziel

Der heutige „Short vom Fjord“ handelt weniger von Sehenswürdigkeiten. Er handelt von einer Erkenntnis. Von einer Erkenntnis, die man auf Roadtrips immer wieder macht.


Pläne sind wichtig. Aber Freiheit ist wichtiger. Eigentlich hatte ich für heute etwas ganz anderes vorgesehen. Mein Ziel war Þingvellir. Das historische Alþing. Der Ort, an dem die alten Wikinger ihre Gesetze sprachen und Island seine politische Seele fand. Doch Island hatte andere Pläne. Bald ist Sonnenwende. Und wie so oft feiern die Isländer ihre Feste mit Leidenschaft. In der Region rund um Reykjavík herrscht bereits reger Betrieb. Die drei großen Campingplätze bei Þingvellir wurden für ein Festival reserviert und geschlossen.


Manche Reisende hätten sich wahrscheinlich geärgert. Ich nicht. Genau deshalb reise ich mit Fritz. Keine Hotelbuchungen. Keine festen Zeitfenster. Keine Verpflichtungen. Wenn sich ein Weg schließt, nimmt man eben einen anderen. Also wurde kurzerhand umgeplant. Die Sehenswürdigkeiten rund um den Geysir ziehe ich vor. Þingvellir wandert einfach zwei Tage nach hinten. So einfach kann Reisen sein.


Am Nachmittag erreichte ich den Campingplatz am Geysir. Ein idealer Platz. Der Strokkur liegt praktisch vor der Haustür. Oder besser gesagt: Vor der Schiebetür von Fritz. Keine langen Anfahrten. Keine Parkplatzsuche. Einfach aussteigen und loslaufen. Natürlich musste die Drohne bereits einmal in die Luft. Von oben konnte ich beobachten, wie der Strokkur seine Wasserfontäne in den Himmel schleuderte. Doch die eigentliche Begegnung habe ich mir für morgen aufgehoben. Wenn die meisten Menschen noch schlafen. Mein Plan steht bereits fest. Um drei Uhr morgens werde ich aufstehen. Dann, wenn die Sonne nur knapp über dem Horizont schwebt. Wenn die Luft still ist. Wenn die Reisebusse noch auf ihren Parkplätzen stehen. Dann möchte ich den Strokkur erleben. Nicht als Sehenswürdigkeit. Sondern als Naturereignis. Danach gibt es Frühstück. Und anschließend geht die Reise weiter zum Gullfoss. Auch dort hoffe ich, den Menschenmassen zuvorzukommen. 


So endet dieser Tag ohne große Abenteuer. Ohne Wanderung. Ohne Wasserfall. Ohne Vulkan. Und doch war er wichtig. Denn heute erinnerte mich Island wieder daran, dass die schönsten Reisen nicht nach einem festen Plan verlaufen. Sie verlaufen entlang der Möglichkeiten. Man folgt nicht einer Route. Man folgt dem Augenblick. Und genau deshalb liebe ich diese Art des Reisens. Fritz steht bereit. Der Wecker ist gestellt.


Und während die meisten Festivalbesucher noch feiern werden, werde ich morgen schon wieder unterwegs sein. Dem Sonnenaufgang entgegen. Dem Wasser entgegen. Und den nächsten Geschichten, die nur Island schreiben kann.


Großer Geysir + Strokkur
64.30933692241796, -20.30340334327286
Zum Goldenen Ring gehörendes geothermisches Gebiet mit heißen Quellen, aktiven Geysiren und Schlammtöpfen.


Vielbesuchter geothermischer Geysir, der alle 8 bis 10 Minuten ausbricht und Höhen von bis zu 20 m erreicht.


Es lohnt sich in jedem Fall, am frühen Morgen, direkt vom Campingplatz aus, das Thermalgebiet aufzusuchen und den Geysir Strokkur bei seinen Ausbrüchen zuzuschauen. So hat man (vielleicht) die Chance, dieses Naturschauspiel ohne viele andere Touristen zu genießen. Tagsüber ist hier, selbst in der Nebensaison, schon ein mächtiger Ansturm. Der Park hat aber noch mehr zu bieten: Überall blubbert es und die heiße Quelle Blesi mit ihrer intensiv blauen Farbe ist ebenfalls sehr beeindruckend.


Tag 25
20.06.2026 Fosstag
20. Jun. 2026 - 21. Jun. 2026
Tag 25 CP Geysir - FS Gamli vegurinn yfir Lyngdalsheiði

Standort Morgens : CP Geysir-Campground  Tacho-Tagesend-Stand : 56.883   gef. Strecke : 101

Standort Abends : FS Gamli vegurinn yfir Lyngdalsheiði  GPS : 64.3090037015482, -20.303927720680512


20. Jun. 2026 - 20. Jun. 2026
Gullfoss, der Goldene Wasserfall
64.32531300354005, -20.129930219915206
Der wohl bekannteste Wasserfall Islands dürfte der Gullfoss, der Goldene Wasserfall sein. Er liegt im Südwesten des Landes, in der Nähe der heißen Quellen und Geysire des Haukadalur. Über zwei gewaltige, fast im rechten Winkel aufeinanderstehende Kaskaden stürzt das Wasser des Gletscherflusses Hvítá in eine 2,5km lange und 70 m tiefe Schlucht. An warmen Sommertagen donnern pro Sekunde bis zu 1200 KubikmeterWasser in die Tiefe. Die obere Stufe des Wasserfalls hat eine Höhe von 11m, die untere Stufe erreicht eine Höhe von 20m. Die Fallkante beider Stufen wird durch zwei Lavaschichten gebildet. Zwischen den beiden Lavaschichten befindet sich eine weiche Schicht aus Flußschotter. Auch unter der zweiten Basaltschicht liegt Flußschotter. Das fallende Wasser kann diese weichen Schottereinlagerungen leicht abtragen, die Basaltschichten werden unterspült und brechen regelmäßig ab. So ist in den letzten 10.000 Jahren, also seit dem Ende der Eiszeit, die Schlucht entstanden. Im Schnitt beträgt die erosive Rückschreitung 30cm pro Jahr. Besonders starke Erosionskraft entfaltet das Wasser bei Gletscherläufen und während der Schneeschmelze. Eine Verdoppelung der Strömungsgeschwindigkeit kann das Transportvermögen des Wassers um den Faktor 60 vergrößern. Dies erklärt auch, weshalb an und in vielen Flüssen Steinblöcke liegen, die bei normaler Wasserführung nie transportiert werden könnten.

Faxafoss
64.22614400736778, -20.338792406632702

Der Faxafoss, auch Faxi oder Vatnsleysufoss genannt, ist ein Wasserfall des Flusses Tungufljót. Dieser mündet weiter flussabwärts in die Hvítá.

Das Wasser fällt am Faxafoss auf einer Breite von 80 Metern um 7 Meter in die Tiefe. Im Tungufljót gibt es viele Lachse, direkt neben dem Wasserfall befindet sich auch eine Lachstreppe, damit die Fische den Höhenunterschied überwinden können. Auch können im Fluss oft Angler beobachtet werden.

Vom Parkplatz führt ein breiter Holzsteg mit mehreren Aussichtsplattformen bis fast nach unten. Auf halber Höhe befindet sich das Café Við Faxa. Vom Ende des Steges kann man dann weiter bis zum Fuss des Wasserfalls laufen, hier wird man im Nieselregen aber schnell nass. Ein schmaler Pfad führt auch am Ufer des Flusses entlang.


Brúarfoss
64.2625188337312, -20.52111871407992
Der nur etwa 5 Meter hohe Wasserfall Brúarfoss gilt als einer der schönsten in Island und eine 3 km lange Stichstraße führt zu einem Parkplatz direkt am Wasserfall.
Der Wasserfall ist bekannt für sein leuchtend blaues Wasser, das von zwei Seiten in eine schmale Spalte fällt. Brúarfoss bedeutet übersetzt "Brücken-Wasserfall" und er verdankt seinen Namen einer natürlichen Steinbrücke. Sie soll nördlich des Wasserfalls über den Fluß geführt haben.
Nach einer Legende gab der Bischof von Skálholt im Jahr 1602 den Auftrag zur Zerstörung der Naturbrücke. Zu dieser Zeit gab es in Island eine Hungersnot. Durch die Zerstörung der Brücke sollte hungrigen Bauern und Bettlern der Zugang zu den fruchtbaren Feldern des Bischofs verwehrt werden.

20. Jun. 2026 - 21. Jun. 2026
Gamli vegurinn yfir Lyngdalsheiði
64.21130339661897, -20.773782824491946

anspruchsvolle Schotterpiste (noch 2x2 möglich) bei den Caves of Laugarvatn reinfahren und scharf rechts. Geht aber auch asphaltiert von Laugarvatn aus


Short vom Fjord - Die Kraft des Wassers
Heute gehörte der Tag dem Wasser. Und deshalb klingelte mein Wecker zu einer Zeit, in der die meisten Menschen noch tief schlafen. Drei Uhr morgens. Genau die richtige Uhrzeit, um Island wieder einmal ganz für mich allein zu haben. 
Mein Ziel war der Strokkur. Tagsüber einer der meistbesuchten Orte Islands. Jetzt jedoch herrschte vollkommene Ruhe. Kein Reisebus. Keine Menschenschlange. Keine Selfie-Sticks. Nur ich. Die Erde. Und die Geothermie. Zuerst ließ ich die Drohne aufsteigen. Von oben konnte ich beobachten, wie die Erde ihren Atem anhielt. Wie sich die Wassersäule aufwölbte. Wie sie mit gewaltiger Kraft aus dem Inneren der Erde hervorbrach. Anschließend stellte ich mich selbst an den Rand des Geysirs. Lange blieb ich dort. Spürte die Wärme unter meinen Füßen. Roch den Schwefel. Beobachtete das Wasser. Hier wird einem bewusst, dass Island lebt. Die Erde schläft nicht. Sie arbeitet. Ununterbrochen. Tag und Nacht. 
Danach fuhr ich weiter zum Gullfoss. Einem weiteren Ort, der tagsüber von Menschenmassen besucht wird. Auch hier war ich fast allein. Doch die Natur zeigte sich heute rau. Der Wind peitschte über die Schlucht. Die Gischt des Wasserfalls traf mich wie feiner Regen. Viele Besucher interessieren sich für Höhe, Wassermenge oder geologische Fakten. Mich faszinierte etwas anderes. Die Atmosphäre. Die kalte Gischt im Gesicht. Der tosende Klang des Wassers. Der kräftige Aufwind. Die frischen acht Grad am frühen Morgen. Hier stand ich nicht vor einem Wasserfall. Ich stand mitten in seiner Kraft. Und genau das macht den Unterschied.
Später führte mich ein Zufall zum Faxi. Ein Wasserfall, der ursprünglich gar nicht auf meiner Liste stand. Doch genau solche Orte gehören oft zu den schönsten Begegnungen einer Reise. Ich ließ die Drohne steigen und wanderte bis ans Wasser. Der Fluss stürzte breit über die Felskante. Die Fischtreppe daneben erinnerte daran, dass die Natur hier nicht nur kraftvoll, sondern auch voller Leben ist. Und dann erschien plötzlich ein Regenbogen. Ein echter. Geschaffen aus Sonne, Wasser und Luft. Einer dieser Momente, die man nicht planen kann.
Nach einem ausgiebigen Frühstück wartete schließlich die längste Aktivität des Tages. Der Wanderweg entlang der Brúará zum Brúarfoss. Sieben Kilometer. Mehrere Wasserfälle. Und ein Fluss, der mich vom ersten Moment an begeisterte. Zu Beginn floss er noch ruhig durch die Landschaft. Breit. Gelassen. Fast unscheinbar. Doch je weiter ich wanderte, desto wilder wurde er. Die Ufer rückten näher zusammen. Die Strömung nahm zu. Die Farben wurden intensiver. Und dann erschien dieses unglaubliche Blau. Türkis. Milchig. Leuchtend. Fast unwirklich. Ich musste schmunzeln. Seit diesem Moment trägt die Brúará bei mir einen neuen Namen. Der Odol-Fluss. Denn genau daran erinnerte mich dieses Wasser.Die Wanderung selbst war angenehm. Mal über Wurzeln. Mal über Steine. Mal über große Felsbrocken. Nur einmal meldete sich mein rechter Oberschenkel kurz zurück. Beim Überspringen eines kleinen Baches. Eine freundliche Erinnerung daran, dass auch Heilung ihre Zeit braucht.
Als ich schließlich den Brúarfoss erreichte, waren bereits viele Besucher dort. Sie kamen vom nahen Parkplatz. Machten ihre Fotos. Und verschwanden wieder. Ich dagegen hatte den Fluss erlebt. Seinen Weg. Seine Veränderung. Seine Farben. Und genau das war für mich das eigentliche Erlebnis. Nicht der Zielpunkt. Sondern der Weg dorthin.
Vielleicht ist das auf dieser Reise ohnehin die wichtigste Erkenntnis. Die schönsten Orte sind oft nicht die Sehenswürdigkeiten. Sondern die Momente zwischen ihnen. Am Nachmittag versuchte ich noch einen Platz in der Region Þingvellir zu finden. Vergeblich. Zu viele Menschen.

Zu viele Fahrzeuge. Zu viele Feierlichkeiten rund um die Sonnenwende. Also tat ich das, was auf Roadtrips oft die beste Lösung ist. Ich änderte meinen Plan. Und genau das wurde belohnt. Schließlich fand ich einen Platz bei Lyngdalsheiði.

Allein auf einem Hügel. Mit weitem Blick über die Landschaft. Draußen herrschte allerdings Fliegenalarm. Keine Stechmücken. Aber nervig genug. Also zog ich mich in Fritz zurück. Durch das Fliegengitter strömte die kühle Abendluft herein. Etwa siebzehn Grad.

Ein leichter Wind. Perfekt. Während die Sonne langsam über Island kreiste und die Nacht wieder nur streifte, ließ ich den Tag Revue passieren.


Heute war ein Tag des Wassers. 

Der Strokkur zeigte mir die Kraft der Erde.

Der Gullfoss die Kraft der Natur.

Der Faxi die Schönheit des Augenblicks.

Und die Brúará die Magie des Weges.


Dazu die Erde unter meinen Füßen.

Die Luft über den Hochebenen.

Und das Feuer tief im Inneren der Insel. Wieder waren alle Elemente an meiner Seite.


Und während Fritz leise im Wind stand, wurde mir bewusst: Ich bin genau dort, wo ich sein möchte.


Tag 26
21.06.2026 Althing - Auf den Spuren der Wikingere Almannagja wandern
Tag 26 FS Gamli - CP Phingvellir

Standort Morgens : FS Gamli vegurinn yfir Lyngdalsheiði Tacho-Tagesend-Stand : 56.912   gef. Strecke : 29 km

Standort Abends :   CP Pingvellir GPS : 64.27726026539992, -21.09308513345964


ÞINGVELLIR-NATIONALPARK: DAS KRONJUWEL ISLANDS

Der Ort Þingvellir gilt aufgrund seiner großen historischen und geologischen Bedeutung als Nationalheiligtum Islands. Der Name Þingvellir bedeutet wörtlich übersetzt „Ebene der Volksversammlung“ und der Ort symbolisiert die Geschichte Islands. Das Alþingi, das isländische Parlament, wurde im Jahr 930 hier gegründet und ist damit das älteste noch bestehende Parlament der Welt. Das Parlament tagte 868 Jahre lang bzw. bis 1798 an den Ufern des Flusses Öxará. Viele bedeutsame Ereignisse in der Geschichte Islands haben folglich hier stattgefunden und die Isländer betrachten den Ort als die Wiege ihres Landes. Die magische Landschaft von Þingvellir ist in der einzigartigen geographischen Umgebung eines tektonischen Grabens zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Kontinentalplatte entstanden. Die Lavafelder von Þingvellir werden von tektonischen Kräften auseinandergerissen. Dadurch entstehen außergewöhnliche Spalten und Schluchten. Almannagjá oder die Allmännerschlucht, die beeindruckendste von ihnen, ist das Highlight des Nationalparks.

Ein Wanderweg führt durch die gewaltige Schlucht zum Lögberg, dem „Gesetzesfelsen“, und zum Fluss Öxará, der von eindrucksvollen Basaltfelsen eingerahmt wird.

Der tektonische Graben ist zum Teil mit Grundwasser gefüllt und speist Islands größten natürlichen See, den Þingvallavatn. Der See ist Heimat eines einzigartigen Ökosystems, in dem sich seit dem Ende der letzten Eiszeit vier verschiedene Arten des Seesaiblings entwickelt haben.

Auf seinem Weg zu diesem See fließt der wunderschöne Quellfluss Öxará teilweise durch die Almannagjá-Schlucht und ergießt sich am Eingang in einem atemberaubenden Wasserfall. Einige Spalten sind zum Teil mit Grundwasser gefüllt und das kristallklare Wasser gibt Tauchern in Silfra das Gefühl, in der Luft zu schweben. Dieses einzigartige Erlebnis hat der Silfra-Spalte einen Platz unter den 10 besten Tauchplätzen der Welt eingebracht.

Þingvellir ist eine der Hauptattraktionen des Golden-Circle-Tagesausflugs und liegt 40 Autominuten von Reykjavík entfernt. Im Nationalpark gibt es verschiedene Wanderwege und man kann angeln, reiten und in der Silfra-Spalte tauchen.

Das Besucher- und Servicezentrum bietet ein Café mit Souvenirladen und eine Ausstellung zur Geschichte und Natur des Parks namens „Heart of Iceland“. Der Nationalpark selbst ist rund um die Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei. Eine Gebühr wird jedoch fürs Parken und den Besuch der Ausstellung erhoben.


Wenn du auf dem Campingplatz Leirar in Þingvellir stehst (wo die meisten Camper stehen), dann bist du bereits direkt beim Servicezentrum des Nationalparks.

Für den Weg zum eigentlichen Besucherzentrum Hakið und zum historischen Althing-Gelände solltest du rechnen mit:

  • ca. 2–2,5 km einfacher Weg
  • 25–35 Minuten zu Fuß
  • gut ausgebauter Wanderweg entlang der Almannagjá-Spalte

Meine Empfehlung für morgen

🚐 Fritz auf dem Campingplatz stehen lassen.

Dann zu Fuß:

  1. Campingplatz Leirar
  2. Besucherzentrum Hakið
  3. Almannagjá-Spalte
  4. Lögberg (Gesetzesfelsen)
  5. Öxarárfoss
  6. Rückweg über die Spalte oder entlang des Flusses

Als Rundweg kommst du auf etwa 5–7 km, je nachdem wie viele Abstecher du machst. Das ist für deinen inzwischen wieder fitten Oberschenkel gut machbar.

Für dein Reisetagebuch wird besonders der Abschnitt durch die Almannagjá beeindruckend sein: Du wanderst dort buchstäblich zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte hindurch. Gleichzeitig gehst du auf den Wegen, auf denen vor über 1000 Jahren die Wikinger zum Alþingi zogen.

Das ist einer der wenigen Orte in Island, an dem sich deine drei Lieblingsthemen gleichzeitig treffen:

  • die Kraft der Erde,
  • die Geschichte der Wikinger,
  • und die Sagen der alten Götter

Camping Thingvellir
64.27684871015704, -21.09240317294405

Direkt im Nationalpark befindet sich dieser großzügig angelegte Campingplatz. Neben dem Platz befindet sich gleich das Besucherzentrum des populären Nationalparks. Man befindet sich hier quasi inmitten dieses beeindruckenden Gebiets und ist somit in unmittelbarer Nähe einiger bekannter Sehenswürdigkeiten.

Informationen sowie einige Tipps zum und über den Nationalpark kann man beim netten Personal erfragen. Dazu gibt es auch gleich ein kleinen Kiosk mit einigen Lebensmitteln, Souvenirs und ein kleiner Imbiss ist auch vorhanden. 


Dead Man Walk
64.27084891257365, -21.110154030391524

Ein besonders eindrucksvoller Moment erwartete mich in der Almannagjá-Schlucht. Die Isländer nennen diesen Weg den Totenpfad. Ein Name, der etwas Düsteres vermuten lässt. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Dieser Ort wirkte auf mich lebendig. Kraftvoll. Und voller Harmonie. Der schmale Pfad zog sich wie ein braunes Band durch die Schlucht. Links und rechts erhoben sich die gewaltigen Felswände der Kontinentalplatten. Während ich langsam hindurchwanderte, wurde mir bewusst, dass ich mich zwischen zwei Welten bewegte. Zu meiner linken Seite lag Europa. Zu meiner rechten Seite Nordamerika. Zwei Kontinente. Getrennt durch die Kräfte der Erde. Und ich mittendrin. Ein merkwürdiges Gefühl. Als würde man nicht nur durch eine Schlucht wandern, sondern durch die Geschichte unseres Planeten. Der Boden der Spalte war von saftigem Grün bedeckt. Dazwischen leuchteten unzählige Blumen. Purpurfarbene Blüten des Storchschnabels mischten sich mit den gelben Tupfern der Hahnenfußblüten. Es wirkte, als hätte Mutter Erde selbst einen Teppich ausgelegt. Der dunkle Basalt zu meiner Linken war von Moosen überzogen. Auf der anderen Seite zeigten sich die gleichen vulkanischen Gesteine in anderen Formen und Farben. Und dennoch gehörten beide Seiten zusammen. Wie zwei Teile einer Geschichte. Der Wind strich sanft durch die Schlucht. Vögel sangen.Kein Ort der Toten.Sondern ein Ort der Erde. Ein Ort, an dem man die gewaltigen Kräfte unseres Planeten nicht nur sehen, sondern spüren kann. 


Öxarárfoss
64.26581035602507, -21.117859339837093

Der Wasserfall fließt aus dem Fluss Öxara und stürzt in zwei Kaskaden über die Klippen der Almannagja-Schlucht, die die östliche Grenze der nordamerikanischen und eurasischen tektonischen Platten markiert.


Der Wasserfall hat eine Höhe von 13 Metern und eine durchschnittliche Breite von sechs Metern. Das Wasserbecken am Fuße des Wasserfalls ist mit großen, glatten Felsen übersät, die im Winter besonders eisig werden. Der Wasserfall kann das ganze Jahr über besucht werden, aber in der Hochsaison im Sommer ist mit großen Menschenmengen zu rechnen. 

Im tiefsten Winter ist der Wasserfall komplett zugefroren. Es ist bekannt, dass Eiskletterer den Wasserfall erklimmen, aber das sollte nur mit und von Experten gemacht werden.


Der Öxararfoss ist eine der beliebtesten Attraktionen des Thingvellir Nationalparks, der wiederum eine der beliebtesten Attraktionen Islands ist. 


Thingvellir liegt, wie bereits erwähnt, zwischen den tektonischen Platten liegt. Wenn sie sich auseinanderziehen, wird das Land zerrissen, und so gibt es viele schöne Schluchten und Lavafelder zu entdecken.


Lögberg
64.25975087905776, -21.12237297959277
Der Pfad durch die Almannagjá-Schlucht führt weiter zum Lögberg, dem eigentlichen Zentrum des Althings der Isländer aus der Wikingerzeit. Der Lögberg ist der eigentliche Gesetzesfelsen, an dem die im Althing beschlossenen Gesetze kundgetan wurde. Symbolisch festgehalten wird diese Tatsache durch die gehisste isländische Nationalflagge.


Unterhalb dieses Platzes tagten in der Vorzeit die Stammesführer (Goden) und diskutierten über neue Gesetze. Zuhören und debattieren durften alle anwesenden freien Männer. Abgestimmt wurde schließlich aber nur unter den Goden (36, später sollen es 39 gewesen sein). Ebenso verhandelt wurden Streitigkeiten an diesem Ort.

Island war in der Wikingerzeit in 4 Teile gegliedert. Deshalb gab es vier Provinzgerichte und ein fünftes Gericht für strittige Fälle, also praktisch so eine Art „Bundesverfassungsgericht“ der alten Wikinger. Den Tagungen wurde eine so große Bedeutung beigemessen, dass die jährlich stattfindenden Verhandlungen von fast allen freien Männern besucht wurden. Man kann die Bedeutung ermessen, wenn man bedenkt, dass die Bewohner der Ostfjorde über zwei Wochen unterwegs waren, um den Althing zu erreichen.


Þingvallakirkja
64.25583811711078, -21.123708397774124
Der anglisierte Name lautet „Thingvellier“. An diesem atemberaubenden Ort tagte zwischen 930 und 1798 die parlamentarische Generalversammlung von Althing. Seit über 1.000 Jahren befindet sich hier auch eine Kirche.

Nachdem Island um 1000 n. Chr. das Christentum angenommen hatte, wurden aus Norwegen Holz für den Bau einer Kirche und eine Glocke zur Verzierung des Turms als Geschenk des liebevoll benannten Königs Olaf dem Dicken geschickt, wie aus der von Snorri Sturluson niedergeschriebenen Geschichte der norwegischen Könige hervorgeht. der isländische Dichter und Historiker. Es war eine schöne kleine Ergänzung zu der üppigen natürlichen Umgebung, in der Islands Regierung jahrhundertelang gebildet und tätig war.

Die Kirche, die sich derzeit an dieser Stelle befindet, stammt aus dem Jahr 1859 und heißt Þingvallakirkja. Klein, aber nicht weniger schön: Die Kirche mit ihrem wärmenden Holzinnenraum ähnelt eher einer gemütlichen Hütte im schneebedeckten Wald als einem Gotteshaus. Die historische Kirche wurde im Laufe der Jahre mehrmals repariert und modernisiert, aber auch heute noch wirkt die kleine Kirche wie etwas aus der Vergangenheit.

Neben der Kirche befindet sich ein bescheidener Friedhof mit etwa 30 Gräbern, eine friedliche letzte Ruhestätte für eine Handvoll Seelen, gelegen an einem der schönsten Orte der Welt.

Short vom Fjord - Auf den Spuren der Wikinger

Heute stand die Geschichte im Mittelpunkt. Nach einer ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Schlaf machte ich mich auf den Weg nach Þingvellir.


Der Campingplatz war gerade erst wieder geöffnet worden. Gestern hatte hier noch ein großes Festival stattgefunden. Wo heute Camper stehen, parkten gestern noch die Fahrzeuge der Besucher. Ich war einer der ersten, die nach der Freigabe ankamen. Kaum hatte ich Fritz abgestellt, zog es mich hinaus. Ich wusste, dass dieser Ort nicht lange ruhig bleiben würde.


Þingvellir gehört zu den bekanntesten Orten Islands. Und wo Geschichte, Natur und Reiseführer zusammenkommen, sind die Menschenmassen meist nicht weit. Also schnürte ich meine Wanderschuhe und machte mich auf den Weg. Schon nach wenigen Metern begann die Reise in die Vergangenheit.


Die Almannagjá, die Allmännerschlucht, öffnete sich vor mir. Eine gewaltige Narbe in der Erde. Entstanden durch die Kräfte zweier Kontinente, die sich seit Jahrmillionen voneinander entfernen. Doch während Geologen hier die Geschichte unseres Planeten lesen, hörte ich die Geschichten der Wikinger. Vor meinem inneren Auge zogen Männer und Frauen durch diese Schlucht. Reiter. Häuptlinge. Bauern. Gesetzessprecher. Jahr für Jahr kamen sie hierher. Nicht für Krieg. Nicht für Eroberungen. Sondern um Recht zu sprechen. Gesetze zu beschließen. Streitigkeiten zu schlichten. Hier entstand das Alþing.


Eines der ältesten Parlamente der Welt. Während ich den Pfad entlangwanderte, fühlte ich mich für einen Moment wie auf den Wegen der alten Nordmänner. Der Weg führte weiter über den Fluss Öxará. Eine unscheinbare Brücke. Doch unter ihr verbirgt sich eine düstere Geschichte. Dort liegt der sogenannte Ertränkungsteich. Über viele Jahrhunderte wurden hier zum Tode verurteilte Frauen hingerichtet. Ein Ort, der zeigt, dass Geschichte nicht nur aus Heldentaten und großen Geschichten besteht. Sondern auch aus Schatten. Ich blieb einen Moment stehen. Nicht lange. Aber lange genug, um darüber nachzudenken.


Anschließend führte mich mein Weg weiter zum Lögberg. Dem Gesetzesfelsen. Hier stand einst der Gesetzessprecher. Hier wurden die Gesetze vorgetragen. Hier lauschten die Menschen den Entscheidungen des Alþings. Und genau hier wurde am 17. Juni 1944 die Unabhängigkeit Islands ausgerufen. Von diesem Felsen aus wurde die Proklamation der Republik Island verlesen. Ein Ort, an dem über tausend Jahre Geschichte zusammenlaufen.


Später erreichte ich die Aussichtsplattform über der Ebene. Von dort konnte ich die gesamte Landschaft überblicken. Die Schlucht. Den Fluss. Die Ebenen. Die Versammlungsplätze. In Gedanken versuchte ich mir vorzustellen, wie es hier vor über tausend Jahren ausgesehen haben musste. Keine Straßen. Keine Reisebusse. Keine Besucherzentren. Nur Zelte. Pferde. Lagerfeuer. Und Menschen. Menschen, die versuchten, eine Gesellschaft aufzubauen am Rand der bekannten Welt.


Wie so oft stand auch hier eine Kirche. Ein vertrauter Anblick. Die Christen errichteten ihre Gotteshäuser oft dort, wo bereits zuvor wichtige Versammlungsorte existierten. Geschichte wiederholt sich. Nur die Geschichten ändern sich. Auf dem Rückweg wurde ich immer stiller. Nicht wegen der Landschaft. Nicht wegen der Menschen. Sondern wegen der Gedanken. Ich dachte über die Entstehung dieser Erde nach. Über die Kontinente, die sich hier langsam voneinander entfernen. Über die gewaltigen Kräfte unter meinen Füßen. Und ich dachte über die Menschen nach, die hier vor über tausend Jahren lebten. Über ihre Sorgen. Ihre Hoffnungen. Ihre Reisen.


Vielleicht standen sie genau an denselben Stellen. Vielleicht blickten sie in dieselbe Landschaft. Vielleicht fragten sie sich dieselben Fragen. Wer sind wir? Woher kommen wir? Und welchen Platz haben wir in dieser großen Welt?


Heute war kein Tag der Wasserfälle. Kein Tag der Vulkane. Kein Tag spektakulärer Abenteuer. Heute war ein Tag der Geschichte. Und manchmal berührt einen die Vergangenheit genauso tief wie die gewaltigste Naturgewalt.


Tag 27
22.06.2026 zur Halbinselspitze Reykjanes
Tag 27

Standort Morgens : CP Thingvellir Tacho-Tagesend-Stand : 57.040   gef. Strecke : 128 km

Standort Abends :   FS Gunnuhver GPS : 63.8184251118838, -22.687164977715863


Viking World
63.9767382597029, -22.529004758356145

Vikingaheimar ist die Heimat des Wikingerschiffs Íslendingur (der Isländer). Die 1996 erbaute Íslendingur ist eine exakte Nachbildung des berühmten Gokstad-Schiffs, eines bemerkenswerten archäologischen Fundes eines nahezu vollständig erhaltenen Wikingerschiffs, das 1882 in Norwegen ausgegraben wurde. Kapitän Gunnar Marel Eggertsson ließ sich von seiner Erfahrung als Schiffbauer und Seemann inspirieren, eine Replik dieses wunderschönen Schiffes zu bauen. Er kopierte das Original Nagel für Nagel. Im Jahr 2000 segelte er mit einem Stipendium der Leifur-Eiríksson-Kommission Islands von Island nach New York – eine Reise von 4200 Seemeilen. Seine Reise lenkte die weltweite Aufmerksamkeit auf die Entdeckung Amerikas durch Leif Eriksson und Bjarni Herjólfsson, die laut isländischen Sagas auf genau das Jahr 1000 n. Chr. datiert wird. Der Bau der Icelander war eine außergewöhnliche Leistung: Mit einer Länge von 23 Metern, einer Breite von 5,25 Metern und einer Ladekapazität von 80 Tonnen (nach heutigen Maßstäben) benötigte sie zwei Jahre Bauzeit.


Bridge Between Continents
63.86646317278579, -22.676095795874947

Die Brücke zwischen den Kontinenten ist eine Fußgängerbrücke, die einen flachen Graben zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen tektonischen Platte überspannt. Sie liegt entlang des Mittelatlantischen Rückens und bietet die seltene Gelegenheit, zwischen zwei Kontinenten zu stehen und die Auswirkungen tektonischer Bewegungen aus nächster Nähe zu beobachten. Dieses geologische Wahrzeichen liegt auf der Halbinsel Reykjanes, etwa 50 Kilometer von Reykjavik und 23 Kilometer vom internationalen Flughafen Keflavik entfernt. Die Nähe zu beiden macht es zu einem idealen Zwischenstopp für Reisende, die die Umgebung erkunden möchten.


Great Auk Monument
63.813036938126416, -22.71478768907435

An der Spitze der Halbinsel Reykjanes, unterhalb von Valahnjúk, befindet sich die Skulptur „Geirfuglinn“ (Der Riesenalk) des amerikanischen Künstlers Todd McGrain. Die Skulptur ist eine Hommage an die ausgestorbene Vogelart Riesenalk und Teil von McGrains Projekt „Lost Bird“. 

Der Riesenalk war ein flugunfähiger Vogel, der im gesamten Nordatlantik lebte und ein guter Schwimmer war. Die Art starb Mitte des 18. Jahrhunderts aufgrund von Überjagung aus.  Die Skulptur zeigt einen aus Bronze gefertigten Riesenalk, der aufs Meer hinausblickt, in Richtung der Insel Eldey, wo das letzte dokumentierte Riesenalkpaar getötet wurde.


Thermalquellen Gunnuhver
63.81841865843416, -22.687073839478156

Die Schlammquelle Gunnuhver im Südwesten der Halbinsel Reykjanes ist nach der Figur Gunna aus einer Volkssage benannt. Gunnuhver ist auch der Name des in der Nähe befindlichen Vulkans.

Bei ‚guten‘ Bedingungen schleudert Gunnuhver heißes Wasser und Schlamm in bis zu 4 Meter Höhe. Das vorhandene Wasser ist ausschließlich Grundwasser und Oberflächenwasser von Niederschlägen. Die Temperaturen unter der Erdoberfläche erreichen über 300°C. Somit ist hier Islands heißester Ort. Neben Wasser und Schlamm kommt hier auch Schwefel vor, was an der gelben Färbung und vor allem auch am Geruch deutlich zu erkennen ist.

Auf ausgewiesenen Wegen kann man zwischen den dampfenden, zischenden und blubbernden Erdlöchern spazieren.


Und heute mein Stellplatz.


Short vom Fjord

Heute war ein Tag der Geschichte. Nicht nur der Geschichte der Menschen. Sondern auch der Geschichte unseres Planeten. 


Am Morgen machte ich mich auf den Weg Richtung Reykjavík. Der Regen begleitete mich dabei wie ein alter Bekannter. Mal stärker. Mal schwächer. Aber immer präsent. Je näher ich der Hauptstadt kam, desto klarer wurde mir, dass ich meine ursprünglichen Pläne ändern würde. Das Wikingerfestival war bereits vorbei. Wale hatte ich auf meiner Reise mehrfach erleben dürfen. Und durch das Innere eines Gletschers war ich erst vor wenigen Tagen gewandert. Warum also Dinge wiederholen? Island hält noch genug Neues bereit. Also ließ ich die Museen und Attraktionen Reykjavíks hinter mir und fuhr direkt weiter nach Viking World in Reykjanesbær.


Dort wartete der Nachbau des Schiffes von Leif Eriksson. Dem Mann, der lange vor Kolumbus den Nordatlantik überquerte und die Küsten Nordamerikas erreichte. Als ich vor dem Schiff stand, musste ich unweigerlich an meine eigene Reise denken. Natürlich ist Fritz deutlich komfortabler als ein offenes Wikingerschiff. Doch die Sehnsucht nach dem Horizont verbindet uns. Leif und seine Mannschaft verließen die Sicherheit ihrer Heimat. Sie vertrauten Wind, Wellen und ihrem Mut. Und irgendwann tauchte vor ihnen ein unbekanntes Land auf. Wenn man vor diesem Schiff steht, wird einem bewusst, welche Leistung das gewesen sein muss. Der Nordatlantik ist selbst heute mit moderner Technik kein friedliches Meer. Mit einem Holzschiff dorthin aufzubrechen erforderte mehr als Können. Es erforderte Glauben.


Danach wechselte die Geschichte von der Menschheitsgeschichte zur Erdgeschichte. Mein nächster Halt war die berühmte Brücke zwischen den Kontinenten. Ein schmaler Steg über einer Spalte. Auf der einen Seite die Eurasische Platte. Auf der anderen die Nordamerikanische. Eigentlich hatte ich dieses Schauspiel der Erdkräfte bereits gestern in Þingvellir erlebt. Und doch beeindruckt es mich jedes Mal aufs Neue. Hier wird sichtbar, dass unsere Erde nicht stillsteht. Sie bewegt sich. Langsam. Unaufhaltsam. Kontinente driften auseinander. Gebirge entstehen. Ozeane verändern ihre Form. Und wir Menschen erleben davon meist nur einen winzigen Augenblick.


Von dort führte mich mein Weg weiter zur Südspitze der Reykjanes-Halbinsel. Zum Thermalgebiet Gunnuhver. Hier zeigte Island erneut sein wahres Gesicht. Dampf stieg aus der Erde. Der Boden brodelte. Die Luft roch nach Schwefel. Die Erde atmete. Nicht still. Nicht verborgen. Sondern sichtbar und hörbar. Man spürt hier förmlich, dass unter den Füßen gewaltige Kräfte wirken. Das Feuer schläft nur wenige Kilometer unter der Oberfläche. Kein Wunder, dass die Reykjanes-Halbinsel in den vergangenen Jahren immer wieder von Vulkanausbrüchen erschüttert wurde.


Der Parkplatz am nördlichen Zugang wurde schließlich mein Platz für die Nacht. Ein würdiger Ort, um den Tag ausklingen zu lassen. Doch vorher zog es mich noch einmal an die Küste. Für die inzwischen fast schon typisch isländischen 1000 Kronen Parkgebühr. Dort steht ein Denkmal für den Riesenalk. Jenen flugunfähigen Seevogel, der einst die Küsten des Nordatlantiks bevölkerte. Bis der Mensch ihn ausrottete. Als ich vor dem Monument stand, wurde mir bewusst, dass Geschichte nicht immer von Entdeckungen und Erfolgen erzählt. Manchmal erzählt sie auch von Verlusten. Von Dingen, die nie wieder zurückkehren. Die Brandung rollte an die Küste. Der Wind kam vom Atlantik. Und irgendwo zwischen den Geschichten von Leif Eriksson, den wandernden Kontinenten, den brodelnden Thermalfeldern und dem Schicksal des Riesenalks wurde mir klar: Heute war ein Tag, der zeigte, wie klein der Mensch eigentlich ist. Die Erde bewegt sich seit Millionen von Jahren. Die Ozeane formen Küsten. Vulkane erschaffen neues Land.


Und wir hinterlassen für einen kurzen Augenblick unsere Spuren darin. So wie Leif Eriksson. So wie die Siedler Islands. Und so wie ich mit Fritz auf dieser Reise.


Tag 28
23.06.2026 Lava-Feld-Wanderung
Tag 28

Standort Morgens : FS Gunnuhver Tacho-Tagesend-Stand : 57.102   gef. Strecke : 62 km

Standort Abends :   FS Strandakirkja GPS : 63.83645403067687, -21.708840300302906


Brimketill Lava Rock Pool
63.820418441467986, -22.60601440851568
Brimketill ist ein küstennaher Felsenpool auf der Halbinsel Reykjanes, der für seine unterschiedlichen Schönheiten im Wechsel der Jahreszeiten und seine Folklore bekannt ist.

Der heutige Name Brimketill bedeutet übersetzt „Wildwasserkessel“, obwohl er nicht immer so genannt wurde. In der Vergangenheit war er als Oddnýjarlaug oder „Oddnýs Pool“ bekannt, benannt nach einer Riesin oder einem Troll.

Der Legende nach benutzte Oddný den Pool, um zu baden und ihre Kleider zu waschen. Deshalb wurde er nachts gemieden, wenn sie aktiv war (Trolle verwandeln sich laut isländischer Überlieferung bei Sonnenlicht in Stein).


Grindavik - Fotoausstellung
63.84643718394719, -22.436478200545462
Grindavík (deutsch „Gitterbucht“) ist eine Hafenstadt in Südwestisland auf der Halbinsel Reykjanesskagi, deren Geschichte fast ein Jahrtausend umfasst. Die Stadt ist seit 2023 stark von den Begleiterscheinungen der Vulkanausbrüche an der Sundhnúkur-Kraterkette betroffen. Im Dezember 2023 / Januar 2024 trat Lava aus mehreren Spalten im Norden nahe der Stadt aus. In der Stadt gab es am Anfang Zerstörungen durch Erdbeben und Bodenrisse, im Januar durch Lava, die am Stadtrand ausgeflossen war, bis zum Wohngebiet floss und dort drei Häuser zerstörte.

Wanderung zum Geldingadalir / Fagradalsfjall
63.865596811927595, -22.315562363649178

Der Fagradalsfjall ist ein junges Vulkanfeld, das zwischen 2021 und 2024 mehrfach ausgebrochen ist. Die Wanderung führt über Lavafelder und Hügel mit fantastischer Aussicht auf den Atlantik. 


Daten zur Wanderung: • Start: Parkplatz P2 (oder P1) • Distanz: ca. 7–9 km (Hin- und Rückweg) • Dauer: 2,5–3 Stunden • Höhenmeter: ca. 300 m • Schwierigkeit: mittel • Wegbeschaffenheit: Schotter, Lavagestein, teils rutschig 


Wegbeschreibung: 1. Vom Parkplatz folgt man den markierten Pfählen über den ersten Hügel. 2. Nach etwa 1 Stunde erreicht man den Hauptkraterbereich von Geldingadalir. 3. Von Aussichtspunkten sieht man die Lavafelder der Ausbrüche 2021–2024. 4. Rückweg auf gleichem Pfad.


Hinweise: • Feste Wanderschuhe & Windjacke • Trinkwasser & Snacks mitnehmen  • Drohnen erlaubt, Abstand zu Fumarolen halten 


An einen Drohnenstart war bei dem Wind nicht zu denken. Freistehen auf diesem Parkplatz auch nicht. Hatte eh nur ein Ticket bis 24Uhr 1089 Kronen ca.7,50€. In allem für mich eine anstrengende aber schöne Wanderung. Zum Krater selbst kommt man nicht, aber der Aussichtspunkt Störhöll bat einen sehr guten Rundumblick.


Strandarkirkja
63.836364080324294, -21.704456481632963

Die Strandarkirkja ist eine lutherische Pfarrkirche und befindet sich in der Gemeinde Selvogur. Sie wurde ursprünglich im 12. Jahrhundert erbaut. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1888. Sie wurde nach Renovierungsarbeiten 1968 neu geweiht. 1996 wurde das Innere der Kirche renoviert. Die Geschichte erzählt, dass während einer Nacht Seeleute versuchten, im Sturm mit ihrem Schiff nach Island zurückzukehren. Die verzweifelten Seeleute beteten für eine sichere Rückkehr und schworen, dort wo sie landen würden, eine Kirche zu errichten. Als sie ihr Gebet beendet hatten, erschien ein Lichtengel vor ihrem Bug. Der Engel führte sie durch die raue Brandung zur sicheren Landung in eine Bucht. Die Seeleute hielten ihr Versprechen und bauten an dieser Stelle eine Holzkirche und nannten sie Strandarkirkja. Die Bucht in der Nähe heißt Engilsvík (Engelsbucht), um an den Vorfall zu erinnern.


Short vom Fjord - Lila – Schwarz – Lila

Heute stand der Tag ganz im Zeichen der Farben. Lila. Schwarz. Und wieder Lila.


Die Farben dieses besonderen Tages. Am Morgen verabschiedete ich mich von meinem Stellplatz am Gunnuhver. Die Erde dampfte noch immer unter ihren dünnen Krusten. Der Schwefelgeruch hing in der Luft. Und tief unter mir schlummerte das Feuer der Reykjanes-Halbinsel. Von dort führte mich mein Weg zunächst durch endlose Lupinenfelder. Lila soweit das Auge reichte. Wie ein Teppich hatten sich die Blüten über die Landschaft gelegt. Zwischen schwarzem Lavagestein und grünem Moos wirkten sie beinahe unwirklich.


Mein erstes Ziel war der Brimketill. Kein Hot Pot. Kein Badeplatz. Sondern ein von der Brandung ausgewaschener Felsenpool direkt am Atlantik. Ich setzte mich auf die Klippen und beobachtete das Schauspiel. Wellen rollten heran. Zerschellten an den schwarzen Felsen. Füllten das Becken. Und wurden vom Meer wieder zurückgezogen. Die Kraft des Wassers war hier allgegenwärtig. 


Über meinem Kopf zog gleichzeitig ein anderer Strom vorbei. Im Minutentakt näherten sich Flugzeuge dem Flughafen von Keflavík. Die großen Maschinen schwebten tief über die Küste. Manchmal wirkten sie fast wie riesige Seevögel. Oder wie jene Drachen, die man sich in den alten Sagas vorgestellt haben könnte. 


Von dort fuhr ich weiter nach Grindavík. Eine Stadt, deren Geschichte inzwischen eng mit den jüngsten Vulkanausbrüchen verbunden ist. Dort besuchte ich eine Freiluft-Fotoausstellung über die Lavaereignisse vom Januar 2024. Häuser. Straßen. Lavaströme. Alles Zeugnisse einer Insel, die niemals wirklich stillsteht. Die Ausstellung war eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass Island kein fertiges Land ist. Es entsteht noch immer. Tag für Tag. Jahr für Jahr.


Mein eigentliches Ziel wartete jedoch noch auf mich. Der Stóri-Hrútur-Krater. Eine Wanderung durch junges Vulkanland. Schon der Weg dorthin war beeindruckend. Schwarze Lavafelder zogen sich über die Landschaft. Erstarrte Feuerströme. Gefrorene Bewegung. Während ich langsam höher stieg, wurde immer deutlicher sichtbar, welche Kräfte hier gewirkt hatten. Täler, die einst offen waren, lagen nun unter mächtigen Lavadecken verborgen. Die Erde hatte ihre Form verändert. Nicht über Jahrmillionen. Sondern innerhalb weniger Wochen. Oben angekommen wehte ein kräftiger Wind. Vor mir lag das junge Vulkanfeld. Schwarz. Roh. Ungezähmt. Ein Ort, an dem die Erde noch frisch von ihrem letzten Atemzug erzählt. Hier spürte ich wieder jene Ehrfurcht, die mich auf dieser Reise so oft begleitet. Nicht Angst. Nicht Respekt. Ehrfurcht. Vor Kräften, die weit größer sind als wir selbst.


Am Nachmittag begann schließlich die Suche nach einem Platz für die Nacht. Und wie so oft fand mich der richtige Ort, bevor ich ihn fand. Mein Stellplatz liegt heute bei der Strandarkirkja. Einer Kirche, die der Überlieferung nach von geretteten Seefahrern aus Dankbarkeit errichtet wurde. Ein Ort der Hoffnung. Ein Ort der Dankbarkeit. Genau die richtige Umgebung für einen ruhigen Abend. Die Kirche steht eingebettet zwischen weiten Lupinenfeldern. Wieder dieses Lila. Die Wärme des Bodens scheint den Pflanzen hier besonders gutzutun. Der Wind streicht durch die Blüten. Die Abendsonne taucht alles in sanftes Licht. Und Fritz steht mittendrin.


So endet dieser Tag, wie er begonnen hat. Lila. Schwarz. Und wieder Lila. Die Farben der Lupinen. Die Farben der Lava. Die Farben Islands.


Und während der Abend langsam über die Küste zieht, denke ich darüber nach, wie eng hier alles miteinander verbunden ist. Das Feuer erschafft die Lava. Die Lava erwärmt die Erde. Die Erde nährt die Pflanzen. Und die Lupinen schenken der Landschaft ihr leuchtendes Kleid.


Wieder einmal haben mir die Elemente gezeigt, dass auf Island alles zusammengehört. Und ich darf für eine kurze Zeit Teil davon sein.


Tag 29
24.06.2026 Zwischen Menschenmassen und stillen Wasserfällen
Tag 29

Standort Morgens : FS Strandakirkja Tacho-Tagesend-Stand : 57.229   gef. Strecke : 127 km

Standort Abends :   FS Ægissíðufoss GPS : 63.82067794094575, -20.412418605487535


Koma Auðar djúpúðgu (Audur's arrivals)
63.85365009760224, -21.36512663638851

Koma Auðar djúpúðgu ist ein malerischer Aussichtspunkt in der isländischen Küstenstadt Þorlákshöfn. Er liegt an der Straße Nesbraut direkt an der Küste und bietet einen herrlichen Blick über den Nordatlantik sowie Zugang zu einem Fußweg, der zum Leuchtturm Hafnarnes führt


24. Jun. 2026 - 24. Jun. 2026
Reykjadalur Hot Spring Thermal River
64.02200072555571, -21.211149797388053
Island bietet zahlreiche Hot Pots und Hot Springs – natürlich beheizte Quellen und Becken, die durch die vulkanische Aktivität der Insel gespeist werden. Doch es gibt ein ganz besonderes Erlebnis, das selbst in einem Land voller Naturwunder heraussticht: Der geothermale Fluss im Tal Reykjadalur. Hier kannst du in einem warmen, fließenden Bach baden, umgeben von dampfenden Hügeln

Kerið Crater Trail
64.04138132728214, -20.888529855796417
Der Kerið-Krater-Trail ist eine kurze, einfache Wanderung rund um einen Vulkankratersee in Island, die etwa 1,4 km lang ist und etwa 25–30 Minuten dauert. Der Weg ist leicht zugänglich und bietet Stufen, die hinunter zum See führen, und einen Weg rund um den Kraterrand. Es ist eine beliebte Station auf der Golden Circle-Route und erfordert eine geringe Eintrittsgebühr für die Instandhaltung des Geländes.

Opinn Skógur Snæfoksstaðir
64.02647648817542, -20.92124327230142

Opinn Skogur - Offener Wald


"Island" und "Wald" ist ja immer wieder ein beliebtes Thema. Dabei gibt es durchaus Bäume und Wälder auf Island. 
Die Anfänge der isländischen Forstwirtschaft gehen auf das Jahr 1898 zurück, als ein Däne im Rahmen eines Stipendiums der dänischen Landwirtschaftsvereinigung mit forstwirtschaftlichen Experimenten zur Wiederaufforstung eines Kiefernhains bei Þingvellir begann. Auch an anderen Stellen begann man in der Folgezeit mit der Wiederaufforstung. Im Jahr 1930 wurde in Þingvellir der isländische Forstverband gegründet.

Urriðafoss
63.92474927701379, -20.675288578845173
Urriðafoss ist ein kleinerer (und oft übersehener) Wasserfall am Þjórsá-Fluss, der etwa 10 Kilometer östlich der Stadt Selfoss liegt. Aufgrund seiner Lage, nur wenige hundert Meter von der Route 1 entfernt, ist er auf jeden Fall einen kurzen Besuch wert.

Ægissíðufoss
63.81875817213707, -20.41974182795265

Der Wasserfall Aegissidufoss liegt am Ytri-Ranga, einem Quellfluss in Südisland. Er befindet sich 4,5 Kilometer südlich der Stadt Hella .

Der Aegissidufoss hat zwar nur einen kleinen Wasserfall, ist aber breit und bedeckt die gesamte Flussbreite. Er ist ideal für beschauliche Momente in der Natur und bietet einen ruhigen Ort zum Entspannen abseits des Trubels.

Der Fluss Ytri-Ranga zählt zu den besten Lachsangelrevieren Islands und bringt jährlich 4.000 bis 7.000 Lachse hervor. Der Wasserfall Aegissidufoss ist ein fantastischer Angelplatz mit einer Lachstreppe für wandernde Fische. Zum Angeln dort ist eine Angelerlaubnis erforderlich .

Einst war der Bau einer Brücke über den Aegissidufoss geplant. Die Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt, und stattdessen wurde die Brücke dort errichtet, wo Hella liegt. So können Besucher die unberührte Naturlandschaft des Wasserfalls genießen.

Der Aegissidufoss ist ein atemberaubender Ort zum Fotografieren. An einem klaren Tag kann man den Wasserfall mit dem Vulkan Hekla im Hintergrund fotografieren.


https://youtu.be/Ruz3SQvmlEI



Mein YouTube Beitrag

https://youtu.be/Ruz3SQvmlEI


Short vom Fjord - Menschenmassen vs stillen Wasserfällen
Heute war wieder einer dieser Tage, die zeigen, warum Island gleichzeitig faszinierend und anstrengend sein kann.


Der Morgen begann sehr früh. Noch bevor die meisten Menschen ihren ersten Kaffee tranken, hatte ich Fritz bereits gesattelt. Die Nacht an der Strandarkirkja war ruhig gewesen. Doch die Küsterin der Kirche beobachtete mich am Morgen mit einer Intensität, die mich etwas schmunzeln ließ. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie lieber ihre Kirche als meinen Camper im Blickfeld hatte. Also beschloss ich, mein Frühstück an einen anderen Ort zu verlegen. Eine gute Entscheidung.


Mein Weg führte mich zunächst nach Þorlákshöfn. Oder wie ich den Ort inzwischen nenne: Lachshausen.

Denn hier scheint sich alles um den Lachs zu drehen. Große Industrieanlagen. Zuchtbecken. Verarbeitung. Verladung. Tonnenweise Fisch, der später seinen Weg nach Europa und Amerika findet. Interessant war vor allem die Erkenntnis, dass hier kaum etwas gefangen wird. Der Lachs wächst in riesigen Anlagen heran. Fast wie Landwirtschaft. Nur eben im Wasser.


Danach machte ich mich auf den Weg zum Reykjadalur. Eigentlich hatte ich den berühmten Thermalfluss auf dem Plan. Den mit den Holzstegen und den Badestellen. Gefunden habe ich stattdessen einen dampfenden Bach. Heiß. Rauchend. Und durchaus sehenswert. Aber eben nicht den Ort, den ich gesucht hatte. Vielleicht war ich falsch. Vielleicht Google Maps. Wer weiß. Die Parkgebühr erschien mir ohnehin etwas übertrieben für einen kurzen Fotostopp. Also genoss ich den Anblick des heißen Wassers und zog weiter.


Je länger ich durch Südisland fahre, desto mehr fällt mir auf, wie unterschiedlich die Regionen dieser Insel wirken. Der Norden. Die Ostfjorde. Die Westfjorde. Dort spricht die Landschaft ständig mit einem. Hier im Süden wirkt vieles sanfter. Zugänglicher. Touristischer. Kein Wunder. Der Golden Circle liegt in Reichweite des Flughafens. Viele Menschen erleben Island nur hier. Und genau deshalb konzentriert sich auch ein Großteil des Tourismus auf diese Region.


Mein nächstes Ziel war der Kerið-Krater. Und dort traf mich genau das, was ich auf dieser Reise am wenigsten suche. Menschenmassen. Busse. Busse. Und noch mehr Busse. Der Parkplatz war überfüllt. Menschen liefen kreuz und quer. Jeder wollte sein Foto. 700 Kronen Eintritt. Für einen Krater. Und für ein paar Minuten Aussicht. Ich machte meine Aufnahmen. Und verschwand genauso schnell wieder. Nicht weil der Ort hässlich wäre. Ganz im Gegenteil. Sondern weil die Atmosphäre für mich verloren gegangen war. Wenn die Natur zur Kulisse für Massenabfertigung wird, verliere ich den Zugang zu ihr.


Nur wenige Kilometer weiter fand ich einen kleinen aufgeforsteten Wald. Dort parkte ich Fritz. Und ging einfach spazieren. Keine Sehenswürdigkeit. Keine Eintrittskarte. Keine Busse. Nur Bäume. Wind. Und Ruhe. Genau das hatte ich gebraucht.


Danach gehörte der Tag wieder den Wasserfällen. Und plötzlich war das Island zurück, das ich so liebe. Zuerst erreichte ich den Urriðafoss. Das Wasser war glasklar. Hier treffen sich Naturgewalt und Leben. Nicht umsonst gilt dieser Abschnitt als beliebtes Revier für Lachsangler. Der Fluss wirkte kraftvoll. Lebendig. Und der Wasserfall selbst ließ den Boden leicht vibrieren. Ein wunderbarer Ort.


Noch schöner wurde es wenig später am Ægissíðufoss. Kein großer Name. Keine Reisebusse. Keine Menschenmassen. Nur ein kleiner Parkplatz. Ein paar Angler. Und das Rauschen des Wassers. Genau solche Orte bleiben mir oft länger in Erinnerung als die berühmten Attraktionen. Weil sie echt sind. Weil sie nicht inszeniert wirken. Weil man die Natur dort noch für sich selbst entdecken darf.


Hier fand ich schließlich auch meinen Platz für die Nacht. Ein stiller Ort. Ein Platz zum Durchatmen. Ein Platz für Fritz und mich. Während die Abendsonne langsam tiefer sank, plante ich die nächsten Tage meiner Reise.


Und wieder wurde mir bewusst, dass Island für mich nicht aus den großen Sehenswürdigkeiten besteht. Sondern aus den stillen Momenten dazwischen. Dem Rauschen eines Wasserfalls. Dem Wind über einer Wiese. Dem Gespräch der Elemente. Heute begann der Tag zwischen Menschenmassen. Und endete dort, wo ich Island am liebsten erlebe: Allein mit der Natur.



Tag 30
25.06.2026 Das verborgene Grün Islands
Tag 30

Standort Morgens : FS Ægissíðufoss Tacho-Tagesend-Stand : 57.293   gef. Strecke : 64 km

Standort Abends :   FS Nauthúsafoss GPS : 63.67370618723232, -19.857556326993517


Gluggafoss (Merkjárfoss)
63.721434824736235, -19.89185299778939

Gluggafoss, auch bekannt als Merkjárfoss, ist ein Kaskadenwasserfall aus drei kleineren Wasserfällen am Fluss Merkjá. Der Wasserfall ist bei Reisenden nicht besonders beliebt, was ihn für Fotografen interessant machen könnte.


Nauthúsagil
63.67414485999824, -19.85641499652721

die mystische Nauthúsagil-Schlucht 

In der Schlucht von Nauthúsagil gibt es einen Wasserfall, ich glaube sogar mehrere.

Um zum ersten Wasserfall am Ende der Schlucht zu gelangen, muss man den kleinen Fluss durchwaten oder über Trittsteine ​​springen. An einer Stelle sind jedoch Ketten angebracht, die beim Überklettern eines kleinen Wasserfalls auf dem Weg helfen.  

Es ist relativ einfach.


Local Guide : 
Ein unscheinbarer Parkplatz. Ein Zugang durch eine spektakuläre Schlucht und abschliessend der riesig grosse versteckteste Wasserfall von Island (ALLES GRATIS). Ein langer total flacher Weg mit zwar schön verlegten Plastik-Stabilisation-Steinen (aber keiner weiss warum) neben dem flachen Gewässer, dass aus einem Spalt fliesst, auf den Ihr zuläuft! UND DANN… EINFACH REIN UND NICHT AUFGEBEN. Die Schlucht-Durchquerung bis zum Wasserfall dauert knapp 10 Minuten. Sobald die Kette kommt habt Ihr es auch gleich geschafft. Via der Kette geht es einfacher als Ihr zuerst denkt. Die Halle (Film u. Foto) mit dem spektakulären Wasserfall kommt kurz (1 Minute) nach der Kette. Erst wenn Ihr raus seit, realisiert Ihr langsam Euren einzigartigen tollen Besuch zu dem verstecktestem Wasserfall von Island.


Short vom Fjord - Das verborgene Grün Islands

Heute Morgen begrüßte mich Island zunächst mit seiner schottischen Seite. Aus dem feinen Nieselregen wurde schon bald ein kräftiger Landregen.


Als ich aus Fritz blickte, stand er bereits mitten in einer großen Pfütze. An Weiterfahren war zunächst ohnehin nicht zu denken. Also nutzte ich die Zeit sinnvoll. Aus dem Reisetag wurde für ein paar Stunden ein Bürotag. Laptop auf. Kaffee dazu. Ein wenig arbeiten. Auch das gehört zu einem langen Roadtrip. Man wartet nicht auf besseres Wetter. Man lebt mit dem Wetter.


Gegen Mittag verzogen sich schließlich die Regenwolken. Zeit, wieder loszufahren. Mein erster Halt war der Gluggafoss. Ein Wasserfall, der sich in mehreren Kaskaden den Hang hinunterarbeitet. Von unten konnte ich zunächst nur die beiden unteren Stufen erkennen. Die oberen Abschnitte blieben hinter den Felsen verborgen. Also durfte die Drohne wieder zeigen, was sie am besten kann. Trotz kräftiger Windböen kämpfte sie sich tapfer durch die Luft und schenkte mir wunderbare Aufnahmen des gesamten Wasserfalls.


Danach stand eigentlich einer der berühmtesten Orte Islands auf meinem Plan. Seljalandsfoss und Gljúfrabúi. Doch schon bei der Anfahrt wusste ich, dass ich dort heute nicht glücklich werden würde. Busse. Busse. Und noch mehr Busse. Reisegruppen strömten über die Wege. Parkplätze waren überfüllt. Für viele Menschen gehört genau das zu Island. Für mich nicht.


Also traf ich eine Entscheidung, die sich später als genau richtig herausstellen sollte. Ich fuhr weiter. Die Schotterstraße zum Nauthúsagil begann. Und mit jedem Meter wurde es ruhiger. Die Busse verschwanden. Der Verkehr wurde weniger. Die Natur übernahm wieder das Kommando.


Schon bei der Ankunft wusste ich: Hier bleibe ich. Der kleine Parkplatz wurde gleichzeitig mein Stellplatz für die Nacht. Morgen werde ich noch vor den ersten Besuchern aufbrechen und die Schlucht erneut erleben. Doch heute konnte ich mir bereits einen ersten Eindruck verschaffen. Und was für einen.


Die Wanderung durch das Nauthúsagil war viel mehr als nur ein Spaziergang. Sie war eine kleine Mutprobe. Immer wieder musste ich den Bach über Trittsteine queren. Mal vorsichtig. Mal mit einem etwas größeren Sprung. Die moosbewachsenen Felswände rückten immer näher zusammen. Alles leuchtete in sattem Grün. Ein Grün, wie ich es auf dieser Reise kaum zuvor gesehen hatte. Fast wirkte die Schlucht wie ein geheimer Garten. Ein Ort, den Mutter Erde sorgsam zwischen den Felsen verborgen hält. Je weiter ich hineinging, desto stiller wurde es. Nur das Rauschen des Wassers begleitete mich. Am Ende der Schlucht erreichte ich schließlich den versteckten Wasserfall. Ein Ort, der jede Mühe wert war. Dort traf ich auf eine kleine Gruppe aus Lettland. Freundliche Menschen. Ruhig. Naturverbunden. Man begrüßte sich. Tauschte ein paar Worte aus. Und jeder genoss diesen besonderen Ort auf seine Weise. Genau so wünsche ich mir Begegnungen auf Reisen. Ohne Hektik. Ohne Gedränge. Ohne Eile. Auf dem Rückweg traf ich noch einen Schotten. Wie passend. Erst morgens das Wetter, dann das Grüne satt und zum Abschluss noch ein Schotte himself.


Zurück bei Fritz ließ ich den Tag gemütlich ausklingen. Es gab Gulasch zum Abendessen. Während draußen langsam wieder Ruhe einkehrte, dachte ich noch einmal an diesen Tag zurück.


Er hatte regnerisch begonnen. Fast schon unscheinbar. Und endete an einem der grünsten Orte meiner gesamten Islandreise. Wieder einmal zeigte mir Island, dass sich Geduld auszahlt. Nicht die bekanntesten Sehenswürdigkeiten berühren mich am tiefsten. Sondern die versteckten Orte. Die stillen Schluchten. Die moosbewachsenen Felsen. Das leise Rauschen eines kleinen Baches. Dort, wo die Natur keine Bühne braucht.

Sondern einfach sie selbst sein darf.


Tag 31
24.06.2026
Tag 31

Standort Morgens : FS Nauthúsafoss Tacho-Tagesend-Stand : 57.371   gef. Strecke : 78 km

Standort Abends :   CP Vik i Myrdal GPS : 63.45105749476957, -18.993476873868538


Seljalandsfoss
63.615716368390196, -19.993797641018748

Seljalandsfoss ist ein ikonischer Wasserfall an der Südküste Islands, knapp zwei Autostunden von Reykjavik entfernt. Ein Weg führt Besucher hinter die Kaskaden, was den Ort zu einem beliebten Fotomotiv macht.

Der Wasserfall Seljalandsfoss ist eine der atemberaubendsten Naturattraktionen Islands.


Gljúfrabúi
63.620862174337695, -19.986406504338927

Der Gljúfrabúi oder Gljúfurárfoss ist ein Wasserfall in der Nähe des bekannten Seljalandsfoss. Obwohl nur weniger als einen Kilometer von diesem entfernt, wird man hier von den Tausenden von Touristen verschont.

Der Name Gljúfrabúi bedeutet wörtlich ‚der, der in der Schlucht lebt‚. Der 40 Meter hohe Wasserfall ist größtenteils hinter einer Felsklippe versteckt. Von außen ist nur die Fallkante und der obere Teil zu sehen, dann verschwindet er in einer Schlucht, die begehbar ist. Der kleine Fluss Gljúfurá fließt unterhalb des Wasserfalls durch einen Spalt in der Klippe und wer sich dem Wasserfall nähern möchten, muss durch diesen Bach gehen. Nach einigen Metern zwischen den Felswänden öffnet sich ein kleiner Raum, in den der Gljúfrabúi stürzt. Der Weg in die Höhle ist durch die glitschigen und wackeligen Steine im Flussbett leicht anspruchsvoll und man wird mit Sicherheit nass. Deshalb sollte man auch gut auf die Kameraausrüstung achten!


Skogafoss-Wasserfall
63.525207780759914, -19.490014310329045

Der Skogafoss ist einer der größten und schönsten Wasserfälle in Island mit einer erstaunlichen Breite von 25 Metern und einem Gefälle von 60 Metern.

Am Fluss Skoga gelegen, ist dieser mächtige Wasserfall von der Ringstraße aus gut sichtbar und ein ausgezeichneter Ort, um anzuhalten und sich die Beine zu vertreten, während man die isländische Südküste bereist. Der Fluss unterhalb des Skogafoss beheimatet eine große Saiblings- und Lachspopulation und ist daher im Sommer ein beliebter Ort für Angler.

Aufgrund der Menge an Gischt, die der Wasserfall produziert, ist jedes Mal, wenn die Sonne hinter den Wolken hervortritt, mindestens ein Regenbogen vorhanden.

Das Gelände unter dem Wasserfall ist sehr flach, sodass die Besucher bis an die Wasserwand gehen können. Dadurch wirst du durchnässt, obwohl es an einem Sommertag recht verlockend sein kann.

Der Skogafoss kann auch von oben betrachtet werden, da eine steile Treppe zu einer Beobachtungsplattform über dem Wasserfall führt. Auf dem Weg nach oben kann man viele nistende Seevögel beobachten.


Kvernufoss
63.52879985461337, -19.481339231638188

Kvernufoss ist ein 30 Meter hoher Wasserfall im Süden Islands, in der Nähe der kleinen Stadt Skógar. Im Gegensatz zu seinem berühmteren Nachbarn, Skógafoss, der große Menschenmengen anzieht, ist Kvernufoss relativ unbekannt und wird von weit weniger Besuchern besucht. Er liegt in einer engen Schlucht, was ihm eine abgeschiedene, friedliche Atmosphäre verleiht. Der Wasserfall stürzt über den Rand einer Klippe, umgeben von rauen Basaltformationen, moosbewachsenen Felsen und üppigem Grün in den Sommermonaten.

Eine der einzigartigen Eigenschaften des Kvernufoss Wasserfalls ist die Möglichkeit, hinter ihm entlangzulaufen, ähnlich wie bei Seljalandsfoss. Das Erlebnis, hinter dem Wasserfall zu stehen und den Nebel auf der Haut zu spüren, ist magisch und bietet eine atemberaubende Perspektive für die Fotografie.


Campingplatz in Vik i Myrdal
63.41932029739254, -18.995577634942308

Fakten / Details: Campingplatz in Vik i Myrdal

  • Saison: Mitte Mai – Mitte September (variiert aber je nach Witterung und Nachfrage laut der Aussage von zwei netten Damen, die auf dem Campingplatz beschäftigt sind)
  • geeignet für Kastenwagen / Vans / Wohnmobile / Gespanne / Zelte
  • WLAN gegen Gebühr / Mobilfunknetz sehr gut (4G – bester Empfang)
  • Infrastruktur (Supermarkt, Tankstelle, Hotel, Autowerkstatt, Geschäfte, Café, Restaurant etc.) direkt in fußläufiger Entfernung im Dorf
  • Toiletten, Duschen, Aufenthaltsraum, Kleines Bistro, Versorgung und Entsorgung in der Saison verfügbar
  • Spielplatz auf dem Platz
  • Stellplatz kann gut als Zwischenübernachtung auf einer Tour um Island auf der Ringstraße 1 genutzt werden

Short vom Fjord - Dem Morgen voraus
Heute begann der Tag lange bevor Island erwachte. Ich hatte mir vorgenommen, den Reisebussen wieder einmal zuvorzukommen.


Und mein Plan ging auf. Als ich den Parkplatz am Seljalandsfoss erreichte, war er fast menschenleer. Gestern war hier kein freier Platz mehr zu finden. Heute gehörte dieser besondere Ort noch ganz der Natur. Mit jedem Schritt hörte ich das Donnern des Wassers lauter werden. Der Seljalandsfoss stürzte wie ein silberner Vorhang von der Felskante herab. Langsam umrundete ich den Wasserfall. Schon auf der Anfahrt hatte mich ein kräftiger Regenschauer begleitet. Doch wie so oft auf Island änderte sich das Wetter innerhalb weniger Minuten. Die Wolken öffneten sich. Die Sonne erschien. Und plötzlich glitzerte jede einzelne Wasserperle in der Luft. Trocken blieb ich trotzdem nicht. Nicht der Regen machte mich nass. Sondern die Gischt. Sie legte sich wie ein feiner Schleier über Kleidung, Kamera und Gesicht. Doch genau das gehört dazu. Wer einen Wasserfall wirklich erleben möchte, muss ihn fühlen.


Nur wenige Schritte weiter wartete bereits der nächste verborgene Schatz. Der Gljúfrabúi. Wieder führte mich der Weg in eine schmale Felsspalte. Es war inzwischen der dritte Wasserfall meiner Reise, der sich hinter Felsen versteckt hielt. Und doch hatte jeder seinen ganz eigenen Charakter. Der Einstieg war kurz. Doch kaum stand ich im Inneren der Schlucht, wurde ich erneut vollkommen von der Gischt eingehüllt. Hier regnete es nicht vom Himmel. Hier kam das Wasser von allen Seiten. Die enge Felshöhle verstärkte das Donnern des Wassers. Das Echo erfüllte jeden Winkel. Ein weiterer jener Orte, an denen man die Kraft des Elements Wasser nicht nur sieht, sondern körperlich spürt.


Als ich den Parkplatz wieder verließ, begegneten mir bereits die ersten Reisebusse. Dann noch einer. Und noch einer. Ich musste schmunzeln. Mein früher Start hatte sich wieder einmal gelohnt.


Auch am Skógafoss war ich noch rechtzeitig. Nur wenige Besucher standen vor dem mächtigen Wasserfall. Ich trat ganz nah heran. Die Gischt war so dicht, dass sie beinahe wie feiner Regen wirkte. Ich stand direkt unter dem Wasserfall. Allein. Ein Moment, den man an diesem Ort nur selten erlebt. 


Nicht weit entfernt führte mich anschließend eine kleine Wanderung zum Kvernufoss. Schon der Weg dorthin war ruhig. Abseits der bekannten Touristenpfade. Als ich die Schlucht erreichte, wurde es still. Der Wasserfall stürzte vor mir in die Tiefe.

Auch hinter ihm konnte man entlanggehen. Doch diesmal zog mich weniger der Wasserfall selbst in seinen Bann. Es war der gesamte Ort. Das Wasser plätscherte durch den Bach. Der Wasserfall ließ sein Echo zwischen den Felswänden tanzen. Über mir kreisten Möwen im Aufwind. Das satte Grün der Moose leuchtete im feuchten Licht. Jeder Regentropfen glitzerte wie ein kleiner Kristall. Ich blieb einfach stehen. Ohne Kamera. Ohne Eile. Nur ich. Die Erde. Das Wasser. Der Wind. Solche Orte muss man nicht fotografieren. Man muss sie fühlen.


Am Nachmittag verzichtete ich bewusst auf weitere bekannte Sehenswürdigkeiten. Der Golden Circle zeigte inzwischen wieder sein anderes Gesicht. Reisebusse. Parkplätze. Menschenmengen. Ich hatte heute alles gesehen, was ich sehen wollte. 


Also fuhr ich entspannt weiter nach Vík í Mýrdal. Der Campingplatz wurde mein Zuhause für diese Nacht. Der Wecker ist bereits wieder gestellt. Morgen werde ich erneut vor den ersten Bussen unterwegs sein. Denn Island gehört für mich den frühen Morgenstunden.


Wenn die Landschaft noch schweigt. Wenn nur die Elemente miteinander sprechen. Und wenn Fritz und ich wieder ganz allein unterwegs sind.


Tag 32
27.06.2025
Tag 32

Standort Morgens : CP Vik i Myrdal Tacho-Tagesend-Stand : 57.480   gef. Strecke : 109 km

Standort Abends :   FS Botnavegur GPS : 63.688932207586866, -18.3402055391035


Dyrhólaey Aussichtspunkt
63.40508925917936, -19.12823226175347
Der Aussichtspunkt Dyrhólaey an Islands Südküste bietet fantastische Panoramen über die schwarze Sandküste, das Felsentor und die Felsnadeln Reynisdrangar. Es gibt verschiedene Aussichtspunkte, darunter den Bereich am Leuchtturm, von dem aus man einen beeindruckenden Blick auf den Felsbogen, die Reynisdrangar und die Gletscher Mýrdalsjökull und Eyjafjallajökull hat. Von Mai bis August kann man hier zudem Papageitaucher beobachten.

Hálsanefshellir Cave
63.40411961943621, -19.04372678515748

Halsanefshellir ist eine Meereshöhle, die für ihre sechseckigen Basaltsäulen berühmt ist. Sie befindet sich am schwarzen Sandstrand Reynisfjara in der Nähe der Stadt Vik an der Südküste Islands.

Halsanefshellir ist eine wunderschöne Höhle am weltberühmten schwarzen Sandstrand Reynisfjara . Sie wurde über Jahrtausende von der unerbittlichen Kraft des Nordatlantiks geformt und ist durch die Basaltsäulen, die ihren Eingang einrahmen, charakteristisch.

Halsanefshellir ist eine flache Höhle, deren Erkundung nicht lange dauert. Sie ist aber ein fantastischer Ort für wunderschöne Fotos. Die Höhle und die umliegenden Felsformationen können nur bei optimalen Bedingungen am Strand von Reynisfjara erkundet werden. Begeben Sie sich niemals bei Flut oder schlechtem Wetter in die Nähe der Höhle! Aufgrund der extrem gefährlichen Reynisfjara-Wellen besteht Lebensgefahr .


Hjörleifshöfði Cave Gígjagjá
63.41807080704335, -18.767069125262026

Hjörleifshöfði ist ein 220 Meter hoher Berg aus Palagonit. Er ist nach Hjörleifur Hróðmarsson benannt, einem der ersten Siedler in Island, der sich am Ende des 9. Jahrhunderts in dieser Gegend niederließ. Wie viele Erhebungen in dieser Gegend war auch Hjörleifshöfði ursprünglich eine Insel, obwohl der Name nicht die dafür typische Endung -ey aufweist.
Man kann den Berg auf einer geschotterten Stichstraße von der Ringstraße aus erreichen. Der Weg ist zwar etwas holperig, sollte bei vorsichtiger Fahrweise zumindest im Sommer aber auch mit einem normalen Pkw zu bewältigen sein.

Auf halbem Weg gibt es einen kleinen Parkplatz mit Informationstafeln. Von hier aus kann man den Berg auch besteigen. Am südlichen Ende des Berges befindet sich eine Höhle, die Gýgagjá oder Hjörleifshöfði Cave. Für Touristen bekannter wurde der Ort als 2015 hier Szenen für den Film Rogue One: A Star Wars Story gedreht wurden.
Die Höhle ist nicht übermäßig groß, aber 20-30 Meter hoch. Sie bietet eine interessante Akustik und einen wunderschönen Blick nach draußen. Die Höhle wird vom Iceland Wedding Planner sogar als Location für Hochzeiten angeboten.


27. Jun. 2026 - 28. Jun. 2026
Botnavegur
63.68583704031162, -18.33886297560382

Short vom Fjord - Wenn die Elemente ihre Kraft zeigen
Heute zeigte Island wieder seine raue Seite. Schon die Nacht war vom unaufhörlichen Regen begleitet.


Der Wind strich über den Campingplatz von Vík und ließ Fritz immer wieder leicht erzittern. Ich schlief nur unruhig. Nicht wegen des Wetters. Sondern weil ich immer wieder daran denken musste, ob sich Fritz am Morgen auf der nassen Wiese festfahren würde. Doch wieder einmal machte ich mir mehr Gedanken als nötig. Als ich den Motor startete, rollte Fritz ganz gelassen von seinem Stellplatz. Ohne Mühe. Ohne Drama. Fast so, als wollte er mir sagen: "Vertrau mir."


Mit tief hängenden Wolken und wenig Sicht begann schließlich mein Tag. Mein erstes Ziel war Dyrhólaey. Die südlichste Landzunge Islands. Ich war früh genug dort. Der Leuchtturm stand einsam auf den Klippen. Unter mir schlugen die Wellen gegen den schwarzen Fels. Und zwischen den Grashängen saßen die Papageitaucher, völlig unbeeindruckt von Wind und Regen. Ich machte meine Aufnahmen zügig. Der Wind peitschte mir den Regen ins Gesicht. Ich musste die Augen zu schmalen Schlitzen zusammenkneifen, um überhaupt etwas erkennen zu können. Hier oben bestimmten nicht die Menschen den Rhythmus. Hier bestimmten Wind und Meer.


Kaum verließ ich den Aussichtspunkt, rollte bereits der erste Reisebus heran. Ein vertrautes Bild. Ich dagegen saß längst wieder im warmen Fritz und fuhr dem nächsten Ziel entgegen.


Am Reynisfjara, mit der Hálsanefshellir-Höhle und ihren gewaltigen Basaltsäulen, zeigte sich Island von einer anderen Seite. Hier warteten bereits zahlreiche Besucher. Menschen aus aller Welt. Zwischen ihnen hindurch suchte ich meine Motive. Doch trotz des Trubels zog mich etwas ganz anderes in den Bann. Die Wellen. Nicht umsonst gelten sie als die gefährlichsten an Islands Küsten. Sie kamen scheinbar harmlos. Und im nächsten Moment bauten sie sich zu mächtigen Wasserbergen auf, die weit den schwarzen Strand hinaufliefen. In solchen Augenblicken wird einem bewusst, wie klein der Mensch gegenüber den Kräften der Natur ist. Das Meer kennt keine Rücksicht. Keine Eile. Keine Gnade. Es folgt allein seinen eigenen Gesetzen. Ich blieb auf Abstand. Beobachtete. Fotografierte.

Und ließ den Wellen den Respekt, den sie verdienen.


Anschließend führte mich mein Weg zur Hjörleifshöfði-Höhle. Eine unscheinbare Öffnung im Fels. Erst aus dem richtigen Blickwinkel erkennt man ihre besondere Form. Sie erinnert tatsächlich an das Gesicht von Meister Yoda. Die Natur erschafft manchmal Skulpturen, die kein Künstler besser hätte formen können. Nur die Parkgebühr ließ mich kurz schmunzeln. Für ein paar Minuten Fotografie war sie alles andere als günstig. Doch manchmal gehören auch solche Erfahrungen zu einer Reise.


Am Nachmittag hatte ich genug Eindrücke gesammelt. Ich fuhr noch einige Kilometer weiter. Mitten hinein in ein altes Lavafeld. Dort fand ich einen ruhigen Platz für Fritz. Schwarzes Lavagestein. Grüne Moose. Lila Lupinen. Leichter Regen. Der Wind strich über die erstarrten Feuerströme. 


Ein Ort, an dem die vier Elemente wieder zusammenfanden. Das Wasser fiel unaufhörlich vom Himmel. Der Wind trug die Wolken über das Land. Die Erde erzählte von uralten Vulkanausbrüchen. Und tief unter allem schlummerte noch immer das Feuer, das diese Landschaft einst erschaffen hatte.


Während ich den Tag Revue passieren ließ, wurde mir wieder bewusst, weshalb mich Island so tief berührt. Nicht wegen der berühmten Sehenswürdigkeiten. Nicht wegen der Fotos. Sondern wegen der Naturgewalten. Sie zeigen dem Menschen jeden Tag aufs Neue seinen Platz. Nicht als Beherrscher der Erde. Sondern als Gast.


Und genau so fühle ich mich hier. Als stiller Gast in einer Landschaft, die schon lange vor uns existierte und noch lange nach uns bestehen wird.


Tag 33
28.06.2026 Die Sprache der Landschaft
Tag 33

Standort Morgens : FS Botnavegur Tacho-Tagesend-Stand : 57.575   gef. Strecke : 95 km

Standort Abends :   CP Skaftafell Campground GPS : 64.01552955782793, -16.97168215340227


Fjaðrárgljúfur Schlucht
63.77026917527089, -18.171700004650358
Der Fjadrargljufur-Canyon ist eines der atemberaubendsten Naturwunder Islands; ein dramatischer Gletschercanyon, der über Millionen von Jahren geformt wurde. Mit seinen moosbedeckten Klippen, dem gewundenen Fluss und den filmreifen Ausblicken bietet er ein unvergessliches Erlebnis für Naturliebhaber, Fotografen und Südküsten-Entdecker.

Lómagnúpur Scenic Spot
63.95450870543515, -17.473431204442452
Lómagnúpur ist einer dieser kolossalen Felsen Islands, die viele Menschen faszinieren, an denen man aber meist einfach vorbeigeht, weil man es eilig hat, viele andere beeindruckende Orte zu fotografieren. Wenn Sie jedoch etwas Zeit hier verbringen, können Sie einige absolut atemberaubende Fotos machen.


Lómagnúpur ist buchstäblich schon von weitem zu sehen. An klaren Tagen ist er sogar vom Skaftafell-Nationalpark aus zu sehen, der etwa 30 km entfernt auf der anderen Seite der schwarzen Wüste liegt. Er ist leicht zu finden, da er an der Hauptstraße A1 im Süden Islands direkt am Felsen vorbeiführt. Parkplätze sind in der Gegend leicht zu finden, ohne auf der Hauptstraße parken zu müssen. Fahren Sie daher unbedingt von der Straße ab, bevor Sie Ihr Auto abstellen.


Skaftafell Glacier
64.02337353592135, -16.94268747374844
Von dem Nationalparkplatz sehr gut und einfach zu erreichen. Der Weg zum Gletscher hat nahezu keinen Höhenunterschied und ist gut ausgebaut, sodass dieser wirklich nicht anspruchsvoll ist. Wie für Gletscher üblich ist er leider am Anfang dunkel und verschmutzt. Dafür hat man davor noch einen Gletschersee, in dem abgebrochene Gletscherbroclen schwimmen. Da viele Leute sowieso zum Svartifoss gehen kann man diesen Gletscher gerne noch mitnehmen, da er vom gleichen Parkplatz zu erreichen ist.

Skaftafell Campground
64.015499323119, -16.971617566446444

Fakten / Details: Campingplatz im Nationalpark Skaftafell

  • ganzjährig geöffnet
  • Rezeption im Nationalpark-Informationszentrum (etwa 3 Minuten zu Fuß entfernt) / dort auch WIFI (WLAN)
  • Duschen kostenfrei
  • geeignet für Kastenwagen / Vans / Wohnmobile / Gespanne / Zelte
  • WLAN gegen Gebühr an der Rezeption / Mobilfunknetz sehr gut (4G)
  • Infrastruktur (Café in der Hauptsaison, Gletschertouren-Anbieter, Souvenirshop) direkt auf dem Gelände
  • Toiletten, Duschen, Abwaschraum und weitere Angebote (Ent- und Versorgung) vor Ort verfügbar
  • Optimaler Ausgangspunkt für Wanderungen zum Svartifossen, zum Gletscher und in den Nationalpark
  • Stellplatz kann gut als Zwischenübernachtung auf einer Tour um Island auf der Ringstraße 1 genutzt werden

Short vom Fjord - Die Sprache der Landschaft

Heute erzählte mir Island seine Geschichte nicht durch Wasserfälle oder Vulkane. Heute sprach die Landschaft selbst.


Schon am Morgen hing der Himmel tief über dem Land. Feiner Nieselregen legte sich wie ein Schleier über die Berge. Nebelschwaden zogen lautlos durch die Täler. Genau das richtige Wetter für meinen ersten Halt. 


Die Fjaðrárgljúfur-Schlucht empfing mich mit einer Stimmung, wie ich sie mir kaum schöner hätte wünschen können. Obwohl bereits einige Reisebusse eingetroffen waren, verlor dieser Ort nichts von seiner Magie. Der Fluss schlängelte sich tief unten durch die Schlucht. Die moosbewachsenen Hänge leuchteten in sattem Grün. Über den Felswänden zogen Nebelfetzen vorbei und ließen die Landschaft beinahe unwirklich erscheinen. Für einen Moment fühlte ich mich eher in einem norwegischen Fjord als im Süden Islands. Nur dass hier kein Meer zwischen den Felsen lag. Sondern ein Fluss. Still. Geduldig. Über Jahrhunderte die Schlucht in den Fels gegraben. Ein weiteres Werk der Elemente. 


Von dort führte mich die Ringstraße wie an einer Perlenkette von einem Naturdenkmal zum nächsten. Am Dverghamrar blieb ich stehen. Die Basaltsäulen wirkten, als hätte ein Riese unzählige steinerne Stäbe senkrecht in den Boden gesteckt. Die Natur erschafft Formen, auf die kein Mensch kommen würde. Kein Wunder, dass die Isländer hier von Zwergen, Trollen und verborgenen Wesen erzählen. Nur wenig später erreichte ich den Fossálar. Kein gewaltiger Wasserfall. Eher eine breite Stromschnelle. Doch auch hier zeigte das Wasser seine Kraft. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern stetig. So formt die Natur ihre Landschaft. Nicht immer mit Gewalt. Oft mit Geduld.


Einer der eindrucksvollsten Momente des Tages erwartete mich wenig später am Aussichtspunkt Lómagnúpur. Ich ließ die Drohne aufsteigen. Erst aus der Luft wurde sichtbar, wie gewaltig diese Landschaft wirklich ist. Ein verzweigtes Flussdelta. Schwarze Lavafelder. Grüne Moose. Und darüber die mächtigen Berge. Hier erkennt man, wie eng Wasser und Feuer miteinander verbunden sind. Wo einst glühende Lava floss, sucht sich heute das Wasser seinen Weg. 


In der Ferne tauchten schließlich die ersten Gletscher auf. Der mächtige Hvannadalshnúkur, Islands höchster Gipfel. Daneben die Eiswelten von Skaftafell. Zum ersten Mal auf dieser Reise standen nun die Gletscher im Mittelpunkt. Am Campingplatz angekommen hielt es mich nicht lange bei Fritz. Ich machte mich sofort auf den Weg. Je näher ich dem Eis kam, desto stiller wurde die Welt. Das Weiß der Gletscher hob sich eindrucksvoll gegen das dunkle Lavagestein ab.


Schade nur, dass hier nahezu überall Drohnenverbot herrscht. Gerade diese Landschaft hätte ich gerne auch aus der Vogelperspektive erlebt. Doch manchmal ist es gut, die Kamera beiseitezulegen. Denn manche Eindrücke lassen sich ohnehin nicht vollständig einfangen. Sie gehören nicht auf eine Speicherkarte. Sondern ins Herz.


Während ich am Abend vor Fritz saß und auf die weißen Gletscher blickte, wurde mir bewusst, wie vielfältig Island ist. Vor wenigen Tagen wanderte ich noch durch junges Lavagestein auf der Reykjanes-Halbinsel. Heute stehe ich vor uraltem Eis. Feuer und Wasser. Hitze und Kälte. Lava und Gletscher. Genau diese Gegensätze machen Island zu dem, was es ist. Und ich darf sie Tag für Tag erleben.


Morgen werde ich den Svartifoss erkunden. Danach warten die Gletscherlagunen mit ihren treibenden Eisbergen. Ich freue mich schon jetzt darauf, dem Element Wasser in seiner wohl reinsten Form wieder ein Stück näherzukommen.


Tag 34
26.06.2026 Gletschertag
Tag 34

Standort Morgens : CP Skaftafell Campground Tacho-Tagesend-Stand : 57.634   gef. Strecke : 59 km

Standort Abends :   FS Jökulsárlón Glacier Lagoon GPS : 64.04153192705954, -16.21536015723519


Svartifoss Trail

Sein Name bedeutet so viel wie „der schwarze Wasserfall“, und obwohl er nicht hoch und sehr schmal ist, gibt er ein tolles Fotomotiv ab: Eingebettet von dunklen Basaltsäulen vulkanischen Ursprungs stürzt er idyllisch in ein steiniges, grün beflecktes Becken. 


Der ca. 2 Kilometer lange Wanderweg (Höhenleistung 145m) führt dich vorbei an den Hundafoss und Magnusarfoss bis zum Svartifoss.


Svartifoss
64.02742378913871, -16.975439917501376

Sein Name bedeutet so viel wie „der schwarze Wasserfall“, und obwohl er nicht hoch und sehr schmal ist, gibt er ein tolles Fotomotiv ab: Eingebettet von dunklen Basaltsäulen vulkanischen Ursprungs stürzt er idyllisch in ein steiniges, grün beflecktes Becken. 


Svínafellsjökull Glacier
64.00268530409832, -16.879500297089255

Wunderbare Attraktion. Großartige Farben und Stimmung im Oktober. Man ist sehr nah dran am Ausläufer des Gletschers. Relativ gut besucht. Aber keinesfalls überlaufen bei meinem Besuch am späteren Nachmittag. Parkplatz ist noch kostenlos, hat aber keine Infrastruktur. Vom Parkplatz aus sind es ca 400 Meter zu Fuß durch leichtes Gelände bis zum Rand des Gletschersees. Davor befindet sich ein Hügel, von dem aus man einen tollen Überblick hat. Sehr zu empfehlen.


Hofskirkja - Fotostop
63.90954158348492, -16.707685599858326

Hofskirkja. Wenn Sie zwischen der Stadt Vík und der Gletscherlagune unterwegs sind, wird diese kleine Rasen- Kirche, die mit Gras bedeckt ist, fast zu einem Wallfahrtsort und einem wichtigen Grund für einen Stopp. Auch die Verfügbarkeit von Toiletten könnte nützlich sein.

Sie finden die Hofskirkja im Dorf Hof in Öræfi, im Südosten Islands. Sie ist eine der letzten Rasen-Kirchen, die gebaut wurden und veranschaulicht eine traditionelle Bauweise, bei der natürliche Materialien wie Rasen und Stein verwendet wurden, um sich harmonisch in die Landschaft einzufügen. Dieser Stil war in Island aufgrund des Mangels an Holz, das geschont werden musste, weit verbreitet. Die Hofskirkja, erbaut im Jahr 1884, ist noch in Betrieb und auch ein geschütztes Denkmal. Die Architektur der Kirche mit ihrem mit Gras bedeckten Dach bietet nicht nur Isolierung, sondern fügt sich auch wunderschön in die umgebende Landschaft ein, was sie zu einem malerischen Ort macht, der das Wesen des historischen und kulturellen Erbes Islands einfängt.


Fjallsjökull Gletscher
64.01648850563377, -16.365957115989637

Der beige-graue Gletscher

Der Auslassgletscher Fjallsjökull, der aus dem Vatnajökull entspringt , erstreckt sich bis zur Oberfläche der Lagune, wo große Eisberge von der Eiskappe abbrechen und ins darunterliegende Wasser stürzen.

Mit den vielen hundert Eisbergen, die auf der Oberfläche der Lagune schwimmen, gilt Fjallsárlón als starker Konkurrent nach der nahegelegenen und berühmteren Gletscherlagune Jökulsárlón .

Obwohl es kleiner als sein Nachbar ist, ist es weniger bekannt und daher weniger von anderen Besuchern überlaufen.

Wie Jökulsárlón zeichnet sich auch Fjallsárlón durch seine einzigartigen, glitzernden Eisberge aus. Kein Eisberg gleicht dem anderen, Hunderte von Eisbergen in verschiedenen Formen und Größen treiben träge auf dem Wasser. Während die Eisberge von Ort zu Ort treiben, kollidieren sie oft und erzeugen ein lautes Stöhnen, wenn das Eis aneinander reibt.


Auf dem Fjallsárlón können Sie Bootstouren unternehmen. Diese bieten eine hervorragende Möglichkeit, die Eisberge aus nächster Nähe zu erleben und die ruhige Atmosphäre der Lagune mit einem Hauch von Abenteuer zu bereichern. Wer sich für eine Bootsfahrt entscheidet, erhält warme Schutzanzüge und eine Sicherheitseinweisung, die Sie über die umliegenden Gletscher und ihre Entstehung informiert.

Diese Touren werden mit Schlauchbooten durchgeführt, d. h. jede Reise ist individuell und auf kleine Gruppen (max. 10 Teilnehmer) zugeschnitten. Die Bootsfahrten auf der Fjallsárlón dauern etwa 45 Minuten.


Der kostenlose Parkplatz war hervorragend.


29. Jun. 2026 - 29. Jun. 2026
Jökulsárlón Glacier Lagoon
64.0485852268642, -16.179282004455192

Die Jökulsarlon-Gletscherlagune liegt im Südosten Islands im Vatnajökull-Nationalpark, südlich des größten Gletschers Europas, des Vatnajökull. Eisberge brechen vom nahegelegenen Breidamerkurjökull ab und treiben über die Lagune, bevor sie das Meer erreichen. Einige davon werden zurück an Land gespült und verteilen sich am Diamond Beach auf dem Breidamerkursandur, wo sie sich eindrucksvoll vom schwarzen Sand abheben.


Diamond Beach
64.04462165794963, -16.178837680295754

Der Diamond Beach ist ein schwarzer Sandstrand an der Südküste Islands, der durch Eisberge und Eissplitter berühmt ist, die von der nahegelegenen Jökulsárlón-Gletscherlagune ins Meer und an den Strand gespült werden. Diese Eisbrocken, die auf dem schwarzen Vulkansand wie Diamanten funkeln, machen den Ort zu einem beliebten Fotospot. 


Jökulsárlón Glacier Lagoon - kostenloser Parkplatz
64.04182284459968, -16.215849007769325

Auf KAI´s Empfehlung suchte ich diesen Stellplatz als Beobachtungpunkt aus. Um zu sehen wann die Menschenmassen abebben. Das Wetter war super. So machte ich mich gleich auf eine Wanderung. zum Diamond Beach. Die Menschenmassen blieben aus. Bzw. waren am anderen Ufer. Haha, Perfekt. Also habe ich die Lagune von der westlichen Seite genossen.


Der Sonnenuntergang blieb mir verwehrt doch nachts ist dieser Parkplatz so gut wie leer. Nur Besucher, Wanderer. Ich blieb hier bis zum Morgen. 


Short vom Fjord - Das ewige Eis
Heute gehörte der Tag dem wohl kostbarsten Element Islands. Dem Wasser. Nicht als Fluss. Nicht als Wasserfall. Sondern als Eis.
Seit Jahrtausenden ruht es auf den Gipfeln des Vatnajökull. Langsam fließt es talwärts. Meter für Meter. Jahr für Jahr. Heute durfte ich ihm ganz nah kommen. 
Da ich gestern bereits den Skaftafellsjökull erkundet hatte, begann mein Tag mit der Wanderung zum Svartifoss. Direkt neben meinem Stellplatz führte der Wanderweg bergauf. 1,8 Kilometer. 145 Höhenmeter. Der Aufstieg war angenehm. Nicht leicht. Aber gut zu gehen. Unterwegs begleiteten mich bereits der Hundafoss und der Magnúsarfoss. Zwei Wasserfälle, die wie Vorboten des eigentlichen Ziels wirkten. Die Wege waren hervorragend angelegt. Immer wieder öffneten sich schöne Ausblicke über die Landschaft. Am Svartifoss angekommen blieb ich nur einen Moment. Der Blick ins Tal genügte mir. Nicht, weil der Wasserfall nicht beeindruckend gewesen wäre. Sondern weil ich wusste, dass heute noch etwas ganz Besonderes auf mich wartete. Die Gletscher.
Nur wenige Kilometer weiter erreichte ich den Svínafellsjökull. Schon von Weitem wirkte das Eis vollkommen anders als am Skaftafellsjökull. Während der erste Gletscher für mich dunkel und kraftvoll erschien, wirkte dieser heller und viel näher. Deshalb bekam er von mir seinen eigenen Namen. Der nahe Gletscher. Hier konnte ich das Eis beinahe greifen. Die Spalten. Die Strukturen. Die unterschiedlichen Blautöne. Je länger ich hinsah, desto mehr entdeckte ich. Das Eis war keineswegs weiß. Es schimmerte in unzähligen Farben. Ähnlich wie in der Eishöhle auf dem Langjökul. Hellblau. Türkis. Grau. Fast schwarz. Jede Schicht erzählte ihre eigene Geschichte. Drohnen waren hier nicht erlaubt. Also durfte meine lange Kamerastange einspringen. Und sie machte ihre Aufgabe hervorragend.
Anschließend führte mich mein Weg weiter zur kleinen Hofskirkja, bevor ich den mächtigen Hvannadalshnúkur, Islands höchsten Berg, umrundete.
Mein Ziel war der Fjallsárlón. Und dort verschlug es mir beinahe die Sprache. Vor mir lag ein Gletschersee. Ruhig. Fast vollkommen still. Aus der mächtigen Eiswand lösten sich immer wieder große Stücke. Langsam trieben sie als Eisberge über den See. Das Wasser war milchig beige gefärbt. Feinster Gletscherschliff schwebte darin. So bekam dieser Gletscher von mir seinen eigenen Namen. Der beigegraue Gletscher. Dann geschah etwas, das man nicht planen kann. Plötzlich hallte ein dumpfer Knall über den See. Fast wie Donner. Ein Stück des Gletschers war abgebrochen. Das sogenannte Kalben. Sehen konnte ich den Abbruch nicht. Die Eiswand lag fast drei Kilometer entfernt. Doch hören konnte ich die gewaltige Kraft. Selbst in dieser Entfernung ließ mich das Geräusch ehrfürchtig werden. Die kleinen Amphibienboote auf dem See wirkten daneben wie Spielzeug.
Zum Abschluss des Tages erreichte ich schließlich die Jökulsárlón-Gletscherlagune. Schon vom kostenlosen Parkplatz aus begann einer der schönsten Spaziergänge meiner Reise. Der Weg führte direkt am Ufer entlang. Die Lagune leuchtete in einem intensiven Türkis. Ein Farbton, den ich so noch nie gesehen hatte. Zwischen den Eisbergen schwamm plötzlich ein Seehund vorbei. Ganz ruhig. Als gehöre er selbstverständlich zu dieser Eiswelt. Auch dieser Gletscher bekam von mir einen Namen. Die Blue Lagoon unter den Gletschern. Denn dieses Blau war einfach unbeschreiblich.
Am Diamond Beach zeigte sich anschließend die Kraft des Atlantiks. Hohe Wellen rollten an den schwarzen Strand. Heute trieben nur wenige Eisstücke hinaus aufs Meer. Die Gezeiten hielten die meisten Eisberge noch in der Lagune zurück. Doch gerade dadurch wurde mir etwas bewusst. Die eigentliche Schönheit lag heute nicht am Strand. Sondern auf dem Weg dorthin. In der Lagune. Im Spiel zwischen Licht, Wasser und Eis.
Das tiefschwarze Lavagestein bildete einen eindrucksvollen Kontrast zu den glitzernden Eisstücken. Hier begegneten sich Feuer und Eis. Die beiden Elemente, die Island erschaffen haben. Ich setzte mich noch eine Weile an den Strand. Der Wind spielte mit den Wellen. Das Meer rauschte. Die Eisberge glitzerten im Licht. Meine Gedanken wanderten nach Hause. Mir wurde bewusst, welches Geschenk diese Reise ist. Dass ich all das erleben darf. Und dass dies nur möglich ist, weil meine Familie mir den Rücken freihält und mich auf meinem Weg unterstützt. Dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit.
Als ich zum Parkplatz zurückkehrte, war er nahezu leer. Also beschloss ich, genau hier zu bleiben. Direkt neben der Gletscherlagune. Heute durfte ich erleben, wie Wasser zu Stein werden kann. Wie Eis lebt. Wie Gletscher atmen.


Und wie die Natur selbst in ihrer größten Kälte voller Leben ist.


Tag 35
30.06.2026 Zwischen Eis und Enttäuschung
Tag 35

Standort Morgens : FS Jökulsárlón Glacier Lagoon Tacho-Tagesend-Stand : 57.716   gef. Strecke : 82 km

Standort Abends :   Vestrahorn Camping GPS : 64.25500521292595, -14.992969528553747


30. Jun. 2026 - 01. Jul. 2026
Vestrahorn Camping
64.25525324516677, -14.993610799654084

Nicht zu empfehlen. Reine Abzocke.


Viking Village (Film Set)
64.26051431293182, -14.985202979426386

Das Wikingerdorf-Filmset ist eine Nachbildung einer Wikingersiedlung am Fuße des Berges Vestrahorn. Es liegt auf der Halbinsel Stokksnes und wurde ursprünglich für ein Filmprojekt gebaut, das nie fertiggestellt wurde. Seitdem wurde es in mehreren Produktionen verwendet, darunter in der Netflix-Serie The Witcher: Blood Origin.

Obwohl das Dorf fiktiven Ursprungs ist, spiegelt es wider, wie die Strukturen der Wikingerzeit in den ersten Jahrhunderten der Besiedlung an Islands Südküste ausgesehen haben könnten. Seine verwitterten Holzgebäude, die mit Torf gedeckten Hallen und die dramatische Küstenlage machen es zu einem attraktiven Zwischenstopp für Besucher, die sich für Geschichte und Landschaft interessieren.


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Zwischen Eis und Enttäuschung

Die Nacht war kürzer, als ich sie mir gewünscht hätte. Obwohl Fritz und ich direkt an der Gletscherlagune standen, fand ich nur wenig Schlaf. 


Der Parkplatz lag unmittelbar an der Ringstraße. Immer wieder kamen Besucher. Fahrzeuge hielten an. Fuhren weiter. Doch die Natur selbst blieb ruhig.


Als am Morgen die Sonne den Himmel in ein klares Blau tauchte, machte ich mich wieder auf den Weg. Zunächst führte mich die Straße noch einmal über die Brücke am Diamond Beach. Gerade lief das Wasser aus der Lagune zurück ins Meer. Langsam setzte sich auch das Eis in Bewegung. Die großen Eisberge trieben gemächlich der Brücke entgegen, bevor sie schließlich ihren Weg in den Atlantik fanden. Es wirkte fast so, als würde der Gletscher seine Geschichten hinaus aufs Meer schicken.


Je weiter ich Richtung Höfn fuhr, desto ruhiger wurde mein Geist. Nach einem kurzen Einkauf machte ich noch einen Abstecher zu einem kleinen Aussichtspunkt. Vor mir lagen gleich mehrere Gletscherzungen. Keine Reisebusse. Keine Warteschlangen. Nur ich. Die Schafe. Und das ewige Eis. Genau solche Momente sind es, die meine Reise so besonders machen. Die Stille. Die Weite. Die Kraft der Landschaft.


Als ich zu Fritz zurückkehrte, war der kleine Parkplatz inzwischen bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich musste schmunzeln. Island erinnert einen immer wieder daran, dass Ruhe oft nur ein flüchtiger Augenblick ist.


Am Nachmittag führte mich mein Weg weiter nach Stokksnes. Eigentlich hatte ich mich auf diesen Ort gefreut. Der markante Vestrahorn. Der Leuchtturm. Das kleine Wikingerdorf. Doch schon an der Einfahrt änderte sich meine Stimmung. Eine Schranke versperrte den Weg. Nicht nur Fahrzeuge. Sogar Fußgänger mussten Eintritt bezahlen. Natürlich verstehe ich, dass Natur gepflegt und Wege unterhalten werden müssen. Doch hier hatte ich das Gefühl, dass nicht mehr die Landschaft im Mittelpunkt steht.

Sondern das Geschäft. Ich blieb dennoch über Nacht. Das nachgebaute Wikingerdorf wirkte auf mich wenig authentisch. Die sanitären Anlagen waren in die Jahre gekommen. Das Internet funktionierte kaum. Und für fast alles wurde eine zusätzliche Gebühr verlangt. 


Je länger ich dort blieb, desto mehr merkte ich, dass dieser Ort nicht zu meiner Art des Reisens passt. Ich suche keine Kulissen. Ich suche die echte Landschaft. Die Geschichten der Erde. Die Kraft der Elemente.


Am nächsten Morgen wollte ich wenigstens noch den Leuchtturm besuchen. Doch selbst dafür galt mein Ticket nicht mehr als Durchfahrt. Ich betrachtete den Passierschein noch einen Moment. Dann warf ich ihn weg. Manchmal ist Loslassen die bessere Entscheidung. Ich startete den Motor. Fritz rollte langsam davon.


Und schon wenige Kilometer später war sie wieder da. Die Freiheit. Der Wind strich über die Küste. Die Berge spiegelten sich im Meer. Und ich wusste wieder, weshalb ich Island bereise. Nicht wegen Eintrittskarten. Nicht wegen Kulissen. Sondern wegen der Orte, an denen die Natur noch ihre eigenen Geschichten erzählt. Spät Nachmittags fand ich dann meinen Stellplatz für die Nacht. Alleine an einer wunderschönen Klippe. Abseits der Touristen-Parkplätze. Bei Fauskasandur.


Tag 36
01.07.2026
Tag 36

Standort Morgens : Vestrahorn Camping Tacho-Tagesend-Stand : 57.772   gef. Strecke : 56 km

Standort Abends :  FS Fauksasandur  GPS : 64.48509358357677, -14.481160315518036


01. Jul. 2026 - 01. Jul. 2026
Skútafoss
64.34207002328343, -14.94756772759769

Skútafoss ist ein Wasserfall am Fluss Þorgeirsstaðaá im Tal Þorgeirsstaðadalur. Allerdings ist Skútafoss relativ unbekannt und viele Menschen fahren einfach daran vorbei. Ein bemerkenswertes Merkmal ist die Höhle unter dem Wasserfall, die ein großartiger Ort für ein Picknick ist.


Ich war aber nur bis zum ersten kleineren. Das Wetter und mein Gemüt standen dagegen.


Fauskasandur
64.48391315486631, -14.482714387138245

Der schwarze Sandstrand von Fauskasandur liegt in Ostisland , einer Region mit steilen Bergen, wunderschönen Fjorden, Hochlandbauernhöfen, bizarren Basaltfelsen und skandinavischen Fischerdörfern. Hier leben auch die ursprünglich aus Norwegen stammenden Rentiere in freier Wildbahn.  Der Strand von Fauskasandur ist bekannt für seinen schwarzen Sand und einen riesigen Monolithen, der sich aus dem Ufer erhebt. Der fast rechteckige Felsen wirkte deplatziert und ragte wie ein fehlendes Stück aus dem Fuße der umliegenden Berge hervor.


Short vom Fjord - Die Rückkehr der Stille

Heute Morgen fiel mir der Abschied von Stokksnes leicht. Ich warf das Ticket endgültig in den Mülleimer, startete Fritz und fuhr Richtung Osten.


Schon nach wenigen Kilometern merkte ich, wie etwas von mir abfiel. Nicht nur die Schranke lag hinter mir. Auch der Trubel. Die Straße wurde leerer. Der Verkehr verschwand. Und langsam kehrte genau das zurück, weshalb ich Island so liebe. Die Stille.


Mein erster Halt war der Skútafoss. Ein kleiner Wasserfall, den viele Reisende einfach passieren. Gerade deshalb zog er mich an. Als ich ankam, war ich allein. Nur das Wasser, der Wind und ich. Ich genoss diesen stillen Augenblick. Hörte dem Wasser zu. Atmete die klare Luft ein. Und ließ die Natur auf mich wirken. Als ich wenig später weiterfuhr, hatte sich der kleine Parkplatz bereits gefüllt. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie wertvoll die frühen Morgenstunden auf dieser Reise sind. Nicht nur wegen des Lichts. Sondern wegen der Ruhe.


Danach begann meine Suche nach einem Platz für den Abend. Zunächst führte mich mein Weg zum Hvalnes Beach. Die Landschaft war wunderschön. Doch der Platz fühlte sich für mich nicht richtig an. Also fuhr ich weiter.


Auch an den Klippen von Fauskasandur hatte ich mir mehr Einsamkeit erhofft. Doch auch dort waren bereits viele Menschen unterwegs. Manchmal muss man auf Reisen einfach weiterfahren. Nicht, weil ein Ort schlecht ist.

Sondern weil er sich in diesem Moment nicht richtig anfühlt.

Und genau das wurde heute belohnt. Nur wenige Kilometer später entdeckte ich einen Platz, der wie für Fritz und mich geschaffen schien. Abseits der Straße. Mit weitem Blick über das Meer. Umgeben von den rauen Küsten der Ostfjorde. Kein Stimmengewirr. Keine Reisebusse. Nur das Rauschen des Nordatlantiks. Der Wind. Die Möwen. Und die unendliche Weite.


Ich stellte Fritz ab. Öffnete die Schiebetür. Und setzte mich einfach nur hin. Die Sonne ließ das Meer silbern glitzern. Die Wellen schlugen gleichmäßig gegen die Küste. Die salzige Luft erinnerte mich daran, wie eng Wasser und Wind hier miteinander verbunden sind. In solchen Momenten braucht es keine großen Sehenswürdigkeiten. Keine Eintrittskarten. Keine spektakulären Attraktionen. Die Landschaft selbst genügt.


Heute habe ich wieder das Island gefunden, nach dem ich die ganze Reise gesucht habe. Ein Island der Stille. Ein Island der Weite. Ein Island, in dem die vier Elemente ohne Worte miteinander sprechen. Und Fritz und ich dürfen ihnen einfach nur zuhören.


Tag 37
02.07.2026 Die Rückkehr der Fjorde - ein Fjordfahrtag -
TAG 37

Standort Morgens : FS Fauksasandur Tacho-Tagesend-Stand : 57.873   gef. Strecke : 101 km

Standort Abends : FS 

Streitisviti Lighthouse

  GPS : 64.73018093073941, -13.986082802645482


Gleich nach dem Losfahren habe ich Rentiere gesehen


Völustígur í Sandey
64.63477366498469, -14.256197918496467

Hier kann man über die Landebahn den schwarzen Strand erreichen. Wenn man sich links hält erreicht man eine mächtige Sandbank mit einem Steinkreis. Ist bei Ebbe und Flut erreichbar.


Eggin í Gleðivík
64.66135214313819, -14.299792662066695
Eggin í Gleðivík ist ein faszinierendes Kunstwerk, das überlebensgroße Eier von Vögeln zeigt, die häufig in Island nisten. Unter anderem finden sich hier natürlich die Eier der beliebten Papageitaucher und der verhassten Großen Skua.

Nykurhylsfoss
64.7533914321442, -14.478900336343946

Sveinsstekksfoss ist der letzte Wasserfall des Flusses Fossá (Wasserfallfluss) im Tal, das treffend Fossádalur (Wasserfalltal) genannt wird. Daher wird es Sie sicherlich auch nicht überraschen, dass der Wasserfall noch einen inoffiziellen Namen hat – Fossárfoss (Wasserfall-Wasserfall). Der Wasserfall ist etwa 15 Meter hoch und ziemlich zerklüftet, da er in eine Felsschlucht eingebettet ist. Man kann ihn von beiden Seiten des Flusses Fossá bewundern, wobei der traditionelle Blickpunkt und der Ort, an dem eine Aussichtsplattform errichtet wurde, sich am linken Ufer befinden. Vom rechten Ufer aus muss man den Wasserfall über einen Wanderweg erreichen, der Weg ist zwar länger, aber jeder kann ihn bewältigen und die Ausblicke auf den Wasserfall sind interessanter.

 

Sveinsstekksfoss befindet sich 500 Meter von der Straße Nr. 1, etwa 15 Kilometer nördlich des Städtchens Djúpivogur in den Ostfjorden.


02. Jul. 2026 - 02. Jul. 2026
Green rock Formationen Blabjörg
64.70677640160184, -14.314273765616036

Der „Green Rock“ in Island (auch bekannt als Blábjörg) ist eine beeindruckende, etwa 10 Millionen Jahre alte Felsformation an der Küste der Ostfjorde. Die leuchtend grün-blaue Färbung stammt vom Mineral Chlorit, das bei historischen Vulkaneruptionen entstand.


Streitisviti Lighthouse
64.72931129237597, -13.987503778686635
Direkt an der Hauptstraße findest du den charmanten Leuchtturm Streitisviti, einen malerischen Halt entlang der dramatischen Küste der Ostfjorde. Vom Parkplatz aus ist es ein einfacher Spaziergang über einen kurzen Feldweg, um ihn aus der Nähe zu betrachten. Dort wirst du mit atemberaubenden Ausblicken auf den rauen Ozean und die beeindruckenden Berge hinter dir belohnt. Die Gegend ist auch für ihre einzigartige Geologie bekannt, also nimm dir einen Moment Zeit, um am felsigen Ufer entlangzuwandern und die wilde, natürliche Schönheit dieser ruhigen Ecke Islands aufzusaugen.

Short vom Fjord - Die Rückkehr der Fjorde

Heute war wieder ein richtiger Island-Tag. So einer, den man schon beim Aufwachen spürt. Der Himmel war strahlend blau. Die Sonne begrüßte den Morgen. Und Fritz und ich machten uns gut gelaunt auf den Weg.


Mein erstes Ziel führte mich nach Djúpivogur. Doch bevor ich den Ort selbst erreichte, zog es mich zunächst zum Úlfseyjarsandur. Ich stellte Fritz am stillgelegten Flugfeld ab. Heute starten hier nur noch gelegentlich kleine Privatmaschinen. Ansonsten herrscht Stille. Ich lief die alte Start- und Landebahn entlang. Mit jedem Schritt wurde es ruhiger. Nur der Wind. Ein paar Möwen. Und das leise Rauschen des Meeres begleiteten mich. Am Ende der Rollbahn öffnete sich vor mir der schwarze Sandstrand. Eine unendliche Weite. Keine Menschen. Keine Stimmen. Nur die Natur. Ich begann eine kleine Strandwanderung.


Vor mir erhoben sich sanfte Dünen.

Sie erinnerten mich an Sylt. Und doch waren sie vollkommen anders. Hier war der Sand tiefschwarz. Geformt aus vulkanischem Gestein. Ein Werk des Feuers. Vom Wind zu eleganten Wellen modelliert. Mitten zwischen den Dünen entdeckte ich ein kleines Steinlabyrinth. Jemand hatte sich hier Zeit genommen. Stein für Stein. Vielleicht aus Freude. Vielleicht zum Nachdenken. Vielleicht einfach nur, um der Landschaft etwas zurückzugeben. Dankbar für diese Ruhe kehrte ich zu Fritz zurück.


Im Hafen von Djúpivogur wartete anschließend ein kleiner Fotostopp. Die Eggin í Gleðivík. 34 kunstvoll gestaltete Granit-Eier. Jedes steht für eine Vogelart, die in dieser Region heimisch ist. Schlicht. Unaufgeregt. Und genau deshalb passend zu diesem kleinen Ort. Doch eigentlich zog mich etwas ganz anderes an.


Die Ostfjorde. Endlich lagen sie wieder vor mir. Die Straße schmiegte sich an die Küste. Die Berge stürzten steil ins Meer. Jeder Fjord eröffnete eine neue Perspektive. Mein Herz schlug schneller. Ich hatte sie vermisst. Die großen Fjorde. Die Weite. Die Einsamkeit. Hier fühlte ich mich wieder zu Hause.


Während ich den ersten Fjord umrundete, fiel mir am Straßenrand ein kleiner Wasserfall auf. Ein spontaner Halt. Der kostenlose Parkplatz erschien mir fast wie eine Einladung der Natur.


Der Nykurhylsfoss überraschte mich völlig. Zunächst sah ich nur einen kleinen Wasserfall, der in einen ruhigen See stürzte. Ich überquerte eine Brücke und machte einige Fotos. Doch dann führte mich der Weg höher. Dort öffnete sich plötzlich ein ganz anderes Bild. Ein weiterer Wasserfall. Größer. Kraftvoller. Ich folgte den Hinweisschildern weiter flussaufwärts. Immer in der Hoffnung, die angekündigte Brücke zu erreichen. Stattdessen entdeckte ich noch weitere Wasserfälle. Jeder mit seinem eigenen Charakter. Irgendwann musste ich schmunzeln. Manche Orte geben einfach nicht alles auf einmal preis. Meine spätere Recherche bestätigte meinen Eindruck. Der Fluss trägt noch viele weitere Wasserfälle in sich. Doch nicht heute. Die Menschen wurden langsam mehr. Und ich wusste: Es ist Zeit weiterzufahren.


Mein nächstes Ziel waren die Green Cliffs. Die Basaltfelsen schimmerten in einem sanften Grün. Fast dieselben Farben hatte ich bereits gestern an den Klippen der Ostküste entdeckt. Moose. Mineralien. Feuchtigkeit. Gemeinsam verleihen sie dem dunklen Gestein eine ganz besondere Ausstrahlung. Ein paar kleine Steine aus diesem uralten Vulkanland durften mich als Erinnerung begleiten. Am Abend begann schließlich die Suche nach einem ruhigen Platz.


Und wie so oft fand nicht ich den Stellplatz. Sondern der Stellplatz fand mich. Am Wanderparkplatz des Streitisviti-Leuchtturms stellte ich Fritz für die Nacht ab. Bevor die Sonne langsam tiefer sank, unternahm ich noch eine kleine Wanderung entlang der Klippen. Ein kräftiger Wind blies vom Nordatlantik herauf. Die Wellen schlugen gegen die Felsen. Möwen glitten scheinbar mühelos durch die Luft. Ich blieb stehen. Schaute hinaus auf das Meer. Und ließ die vergangenen Wochen noch einmal vor meinem inneren Auge vorbeiziehen.


Wie viele Landschaften durfte ich sehen. Wie viele Geschichten hören. Wie viele Wunder erleben. In diesem Moment empfand ich vor allem eines. Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber meiner Familie. Sie haben mir den Rücken freigehalten. Sie haben mir die Freiheit geschenkt, diese Reise so erleben zu dürfen. Und während der Wind um Fritz strich und die Ostfjorde langsam im Abendlicht versanken, wusste ich: Nicht nur Island wird für immer ein Teil von mir bleiben. Auch diese Reise wird mich mein Leben lang begleiten.


Tag 38
03.07.2026 Die Schönheit des Augenblicks
Tag 38

Standort Morgens : FS Streitisviti Lighthouse Tacho-Tagesend-Stand : 57.986   gef. Strecke : 113 km

Standort Abends : FS Vattenes

 GPS : 65.01687320665074, -14.207583831495663


Petras Steinsammlung
64.83554795668884, -13.883520018005285
VOM 1. MAI BIS 31. OKTOBER TÄGLICH GEÖFFNET. ÖFFNUNGSZEITEN: 9.00 bis 17.00 Uhr Steinsammlung in Privatbesitz in einem wunderschönen botanischen Garten Die Steine wurden in Island von Frau Petroa gesammelt, die sie sorgfältig in ihrem Haus und Garten zwischen den Blumen platzierte, sodass interessierte Besucher sie beobachten und genießen konnten.

Vattarnes Sea Cliffs
64.92490465531029, -13.684239196796833

Die Ostfjorde liegen an Islands Ostküste und gehören zu den am meisten unterschätzten Regionen des Landes. Hier stürzen majestätische Berge in enge Fjorde, Rentiere grasen in freier Wildbahn und farbenfrohe Fischerdörfer schmiegen sich an die friedliche Küste. Anders als die geschäftige Südküste oder der Golden Circle bietet Ostisland ein ruhiges, malerisches Erlebnis mit weniger Menschenmassen. Es ist ideal für alle, die Naturschönheiten suchen .  Leider sind die Vattarnes Seeklippen und der Leuchtturm auf Privatbesitz und nicht begehbar. Ich machte mir einen Kaffee und fotografierte die Umgebung.


03. Jul. 2026 - 04. Jul. 2026
Vattanes
65.01687320665074, -14.207583831495663

Habe einen super Stellplatz gefunden. Seht selbst.


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Die Schönheit des Augenblicks
Heute war einer dieser Tage, an denen einfach alles zusammenpasste.


Ich erwachte bei strahlendem Sonnenschein. Der Himmel war tiefblau. Die Luft angenehm warm. Fast zwanzig Grad zeigte das Thermometer. Vor mir ragte der Leuchtturm in den Himmel. Unter den Klippen schlug der Nordatlantik gegen die Felsen. In der Morgensonne glitzerte die Brandung wie tausende kleine Kristalle. Ich nahm mir Zeit. Heute gab es Rührei mit Speck. Draußen. Unter freiem Himmel. Kein Zeitdruck. Kein Plan, der mich hetzte. Nur Fritz, die Natur und ich. Vielleicht war ich sogar etwas zu früh unterwegs. Doch genau das gehört inzwischen zu meinem Rhythmus.


Mein erster Halt führte mich zu Petra's Steinsammlung. Schon beim Betreten musste ich schmunzeln. Wie vertraut mir dieser Ort vorkam. Zu Hause kenne ich schließlich auch jemanden, der mit derselben Leidenschaft Steine sammelt. Petra hatte aus dieser Leidenschaft ihr Lebenswerk geschaffen. Island besitzt rund 150 verschiedene Gesteinsarten. Und gefühlt hatte Petra von jeder einzelnen unzählige Exemplare zusammengetragen. Eine beeindruckende Sammlung. Nicht pompös. Nicht laut. Sondern mit viel Liebe zur Natur entstanden. Als schließlich ein Reisebus eintraf, verabschiedete ich mich. Das Wohnhaus ließ ich bewusst aus. Mir genügte das, was ich bereits gesehen hatte.


Anschließend begann wieder das, was ich an Island wohl am meisten vermissen werde. Die Fjorde. Einer nach dem anderen öffnete sich vor mir.

Jede Kurve brachte einen neuen Ausblick. Jeder Berg spiegelte sich im Wasser. Jeder Fjord erzählte seine eigene Geschichte. Immer wieder hielt ich an. Nicht weil es eine Sehenswürdigkeit war. Sondern weil mich die Landschaft dazu einlud. Manche Orte muss man nicht besichtigen. Man muss sie einfach auf sich wirken lassen.


Mein nächstes Ziel sollte zugleich der östlichste Punkt meiner gesamten Reise werden. Die Klippen von Vattarnes. Doch manchmal entscheidet die Natur. Und manchmal der Mensch. Ein abgesperrtes Privatgelände machte den Plan zunichte. Kein Wanderweg. Kein Zugang. Früher hätte mich so etwas vielleicht geärgert. Heute nicht mehr.


Island hat mir auf dieser Reise beigebracht, Pläne loszulassen. Also wurde aus dem geplanten Fotostopp einfach eine gemütliche Kaffeepause. Auch das gehört zum Reisen.


Später folgte ich dem Reyðarfjörður. Die Straße schmiegte sich an den Fjord. Das Wasser lag ruhig da. Die Berge spiegelten sich in seinem tiefen Blau. Langsam begann ich nach einem Platz für die Nacht zu suchen. Einige schöne Plätze fand ich entlang kleiner Schotterstraßen. Doch einer zog mich sofort in seinen Bann. Direkt an einem Gletscherfluss. Nicht weit von meiner morgigen Route entfernt. Ein Ort voller Ruhe. Kein Straßenlärm. Keine Menschen. Nur das stetige Rauschen des Wassers. Der Wind in den Gräsern. Und die Stimmen der Vögel. Manche nennen es Lärm. Für mich ist es die schönste Musik der Welt.


Ich setzte mich auf einen großen Felsen am Flussufer. Ließ die Beine baumeln. Und blickte noch einmal zurück. Vor achtunddreißig Tagen begann dieses Abenteuer. Seitdem durfte ich Vulkane besteigen. Durch Gletscher wandern. Lavahöhlen erkunden. Heiße Quellen genießen. Wale und Polarfüchse beobachten. Die Westfjorde erleben. Und unzählige Wasserfälle entdecken. Jetzt, da sich die Rückreise langsam ankündigt, spüre ich vor allem eines. Tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für diese Reise.


Für Fritz, der mich zuverlässig über tausende Kilometer getragen hat. Für meine Familie, die mir all das ermöglicht. Und für Island. Diese Insel hat mir weit mehr geschenkt als schöne Bilder. Sie hat mich gelehrt, wieder genauer hinzusehen. Die Sprache des Windes zu hören. Das Wasser zu verstehen. Die Kraft der Erde zu spüren. Und das Feuer zu achten, das tief unter allem weiterlebt.


Morgen wartet noch einmal ein Canyon auf mich. Übermorgen werden mich weitere Wasserfälle begleiten. Und dann führt mich mein Weg langsam zurück zu jenem Fjord, an dem diese Reise begann. Dort, wo Fritz und ich vor 38 Tagen zum ersten Mal isländischen Boden unter den Rädern hatten. Ein Kreis schließt sich. Doch die Erinnerungen werden bleiben.


Tag 39
04.07.2026 Die Sprache der Steine
Tag 39

Standort Morgens : FS Vattenes Lighthouse Tacho-Tagesend-Stand : 58.096   gef. Strecke : 110 km

Standort Abends : CP Studlagil

 GPS : 65.16422666575572, -15.310574097073188


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Stuðlagil Canyon
65.16359708446532, -15.309618648617858

Studlagil Canyon Camping
65.16421564948078, -15.310564975321164

Short vom Fjord - Die Sprache der Steine

Heute war weniger ein Tag der großen Erlebnisse. Heute war ein Tag der Erkenntnis. Ein Tag der inneren Einkehr.


Die Fahrt selbst verlief völlig entspannt. Gut einhundert Kilometer lagen vor Fritz und mir. Früher hätte ich darüber wahrscheinlich anders gedacht. Heute fühlt sich so eine Strecke an, als würde man einmal kurz um die Ecke fahren. Fritz schnurrte zuverlässig über die Straßen. Die Landschaft zog gemächlich an uns vorbei. Und ich merkte einmal mehr, wie sehr wir inzwischen ein eingespieltes Team geworden sind.


Mein Ziel war der Stuðlagil-Canyon. Zunächst steuerte ich die Ostseite an. Nach einer etwa drei Kilometer langen Wanderung öffnete sich plötzlich die Landschaft. Und dann stand ich da. Sprachlos. Vor mir erhoben sich unzählige Basaltsäulen. Präzise. Kraftvoll. Zeitlos.


Der türkisfarbene Fluss hatte sich tief zwischen ihnen seinen Weg gebahnt. Ich blieb einfach stehen. Keine Kamera. Keine Drohne. Nur schauen. Nur staunen. Es gibt Orte, die man nicht beschreiben kann. Man muss sie erleben. Die gewaltigen Basaltsäulen strahlten eine Ruhe aus, die tief in mir etwas berührte. Ich fühlte mich der Erde so nah wie selten zuvor. Diese Steine entstanden aus glühender Lava. Vor Millionen von Jahren. Heute stehen sie dort wie riesige Säulen einer uralten Kathedrale. Die Natur selbst hat sie erschaffen. Nicht für den Menschen. Nicht für Fotos. Sondern einfach, weil die Erde ihren eigenen Weg geht. 


In diesem Moment wurde mir etwas bewusst. Diese Art zu reisen. Dieses einfache Leben im Camper. Das Unterwegssein. Die Nähe zur Natur. Genau das entspricht meinem Wesen. Hier fühle ich mich zuhause. Nicht zwischen Mauern. Sondern zwischen Himmel, Wasser, Wind und Fels.


Nach der Wanderung wechselte ich auf die Westseite des Canyons. Statt die Parkgebühr zu bezahlen, entschied ich mich für den Campingplatz. So konnte ich den Canyon auch von dieser Seite erkunden und hatte gleichzeitig meinen Stellplatz für die Nacht.


Die Wege waren deutlich besser ausgebaut. Entsprechend mehr Besucher waren unterwegs. Doch erstaunlicherweise verlief sich alles gut. Bis auf wenige Ausnahmen konnte jeder diesen besonderen Ort in Ruhe genießen.  Und das tat auch ich.


Am Abend zog ich mich schließlich wieder in Fritz zurück. Während draußen langsam Ruhe einkehrte, ließ ich meine Gedanken schweifen. Mir wurde bewusst, dass sich diese Reise langsam ihrem Ende nähert. In wenigen Tagen werde ich an Bord der Norröna stehen. Dann beginnt ein neuer Abschnitt dieser Reise. Nicht mehr das Erleben. Sondern das Erinnern. Aus tausenden Bildern und vielen Stunden Videomaterial wird langsam ein Film entstehen. Ein Film über Island. Aber vor allem ein Film über das Leben unterwegs.


Wenn ich heute auf die vergangenen Wochen zurückblicke, bleibt vor allem ein Gefühl. Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass ich diese Reise erleben durfte. Dass Fritz mich sicher durch Lavafelder, Fjorde, über Schotterstraßen und entlang gewaltiger Küsten getragen hat. Und Dankbarkeit gegenüber meiner Familie, die mir diese Freiheit ermöglicht.


Eines weiß ich heute mit Sicherheit. Ich würde diese Reise wieder machen. Vielleicht nicht morgen. Vielleicht nicht nächstes Jahr. Aber irgendwann. Denn ich habe hier nicht nur Island kennengelernt. Ich habe auch ein Stück von mir selbst gefunden. Zwischen Basalt und Gletschereis. Zwischen heißen Quellen und dem kalten Nordatlantik. Zwischen Wind, Wasser, Erde und Feuer. Und genau dort fühle ich mich angekommen.


Tag 40
Tag 40

Standort Morgens : CP Studlagil Tacho-Tagesend-Stand : 58.208   gef. Strecke : 112 km

Standort Abends : FS 

Upphéraðsvegur  GPS : 65.07082697421006, -14.8203426319972

Rjukanda Waterfall
65.33492354205988, -15.080918799735832

Rjúkandi (Rjúkandafoss) ist ein 93 Meter hoher Wasserfall am Fluss Yst i Rjúkandi. Er gehört zu den wenigen großen Wasserfällen im Norden Islands und liegt nur wenige hundert Meter von der Route 1 entfernt.

 

Was ihn besonders macht, ist seine Form: Im ersten Teil des Wasserfalls ist Rjúkandi ein einziger Strom, der sich dann in drei Ströme teilt, die sich unterhalb des Wasserfalls wieder zu einem einzigen Fluss des Yst i Rjúkandi vereinen.


Litlanesfoss
65.08388883387558, -14.884191108066041

Litlanesfoss, zusammen mit Svartifoss und Aldeyjarfoss, ist ein weiterer Wasserfall in Island, der durch seine Basaltsäulen gekennzeichnet ist. Mit einer Höhe von 30 Metern und einer interessanten Struktur wäre er an vielen Orten in Island ein attraktives Ziel. Hier dient er jedoch hauptsächlich als Weg zu einem anderen Wasserfall – Hengifoss.


Hengifoss
65.09523048093754, -14.889387513930552

Hengifoss ist einer der höchsten Wasserfälle in Island (128 Meter) und aufgrund seiner interessanten Gesteinsstruktur im Hintergrund sicherlich der schönste und faszinierendste Wasserfall im Osten Islands.

 

Hengifoss befindet sich 35 Kilometer südwestlich der Stadt Egilsstaðir. Nach der Ankunft auf dem Parkplatz (der über Toiletten verfügt) müssen Sie fast eine Stunde zu Fuß gehen, um Hengifoss in seiner ganzen Pracht zu sehen. Die Wanderung ist nicht besonders schwierig, aber Sie gehen den Fluss entlang bergauf. Unterwegs kommen Sie auch an einem weiteren isländischen Wasserfall vorbei, dem 30 Meter hohen Litlanesfoss.


05. Jul. 2026 - 06. Jul. 2026
Upphéraðsvegur
65.07138524350341, -14.82062549050856

Short vom Fjord - Zurück zu den Anfängen

Heute stand wieder ein kleiner Fahrtag auf dem Programm. Gerade einmal 112 Kilometer. Nach den vielen langen Etappen der vergangenen Wochen fühlte sich das fast wie ein gemütlicher Sonntagsausflug an.


Das Wetter zeigte sich noch einmal von seiner schönsten Seite. Blauer Himmel. Warme 21 Grad.bKaum Wind. Genau das richtige Wetter, um die Landschaft noch einmal bewusst in sich aufzunehmen.


Mein erster Halt führte mich zum Rjúkandi. Schon zweimal war ich an diesem Wasserfall vorbeigefahren. Beide Male war der kleine Parkplatz hoffnungslos überfüllt. Heute hatte ich Glück. Kein Gedränge. Kein Warten. Nur das stetige Rauschen des Wassers. Der Wasserfall stürzt in mehreren Kaskaden den Berghang hinab und wirkt beinahe, als würde er über den Felsen schweben. Ich blieb eine Weile stehen und genoss diesen ruhigen Moment. Manchmal lohnt es sich, einen Ort nicht sofort zu erzwingen. Manchmal schenkt Island einem genau den richtigen Augenblick.


Anschließend erreichte ich wieder Egilsstaðir. Die Vorräte mussten noch einmal aufgefüllt werden. Der Alltag holte mich für einen kurzen Moment ein. Der Kassierer schien mit der Sonntagsarbeit nicht besonders glücklich zu sein. Seine Laune konnte meiner jedoch nichts anhaben. Dafür war dieser Tag viel zu schön. Der eigentliche Höhepunkt wartete ohnehin noch auf mich.


Die Wanderung zum Hengifoss. Der Weg dorthin war deutlich anspruchsvoller, als ich ihn in Erinnerung hatte. Etwa zweieinhalb Kilometer führten stetig bergauf. Rund 130 Höhenmeter. Manche Abschnitte waren überraschend steil. Immer wieder blieb ich kurz stehen. Nicht aus Erschöpfung. Sondern um die Aussicht zu genießen. :-)


Unter mir wurde der See Lagarfljót immer kleiner. Vor mir rückte der Wasserfall langsam näher. Als ich schließlich oben ankam, wurde ich für jeden Schritt belohnt.


Der Hengifoss gehört für mich zu den eindrucksvollsten Wasserfällen Islands. Nicht allein wegen seiner Höhe. Sondern wegen der roten Gesteinsschichten, die sich wie feine Linien durch den Fels ziehen. Hier erzählt die Erde ihre eigene Geschichte. Schicht für Schicht. Jahrmillionen übereinandergelegt. Geformt von Feuer, Wasser und Zeit. 


Der Rückweg verlief deutlich entspannter. Bergab läuft es sich eben leichter. Am Nachmittag machte ich mich schließlich auf den Weg zu jenem Stellplatz, den ich bereits gestern für mich entdeckt hatte. Hoch über dem Lagarfljót fand ich wieder die Ruhe, die mich auf dieser Reise so oft begleitet hat. Fritz stand auf einer kleinen Anhöhe. Vor uns lag der See. Darüber spannte sich ein tiefblauer Himmel. Die Sonne wärmte angenehm. Ein leichter Wind strich durch das Gras. Ich setzte mich noch eine Weile hinaus. Nicht, um etwas zu tun. Sondern einfach, um diesen Augenblick zu genießen.


Langsam schließt sich der Kreis meiner Reise. Vor Wochen begann hier im Osten Islands mein Abenteuer. Nun führen mich die letzten Etappen wieder zurück an den Ausgangspunkt. Es fühlt sich nicht wie das Ende einer Reise an. Sondern wie der Abschluss eines großen Kreises. Ein Kreis voller Begegnungen mit den Elementen. Mit Feuer und Eis. Mit Wind und Wasser. Mit Bergen, Fjorden und unzähligen Wasserfällen.


Und während die Abendsonne den Lagarfljót in goldenes Licht tauchte, wurde mir wieder bewusst: Nicht die Kilometer machen eine Reise unvergesslich. Sondern die Momente, in denen man innehält und erkennt, wie reich einen die Natur beschenkt.


Tag 41
06.07.2026
Tag 41

Standort Morgens : FS Upphéraðsvegur Tacho-Tagesend-Stand : 58.300   gef. Strecke : 92 km

Standort Abends : FS Strandarvegur GPS : 65.2804978678505, -13.926211091877855


Strandarvegur
65.2793, -13.9299

Wunderschöner Übernachtungsplatz mit fantastischem Blick auf den Fjord und angeblich kann man manchmal sogar Wale sehen! Mehrere Plätze entlang dieser „Strecke“, dieser ist etwas größer. Absolut ruhig, nachts kein Verkehr, nur ein paar Autos am Morgen.


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Manchmal entscheidet die Natur
Der Tag begann ganz entspannt. Nach dem Frühstück gönnte ich Fritz erst einmal eine kleine Pflege. Ich putzte die Frontscheibe.


Schließlich sollte heute eine der schönsten Panoramastraßen meiner Reise auf mich warten. Mit sauberer Scheibe sieht man die Landschaft eben noch ein Stück intensiver. Während ich beschäftigt war, hielt plötzlich ein Auto neben mir. Ein Mann stieg aus und sprach mich auf Deutsch an. Er erklärte mir freundlich, dass das Übernachten außerhalb offizieller Stellplätze auf Island nicht erlaubt sei. Ich nickte und sagte ihm, dass ich ohnehin gleich weiterfahren würde. Später traf ich ihn zufällig noch einmal am Hengifoss bei einer Tasse Kaffee. Da musste ich innerlich schmunzeln. Es ist schon irgendwie typisch.


Da reist man bis nach Island... ...und wird von einem Deutschen auf die Regeln hingewiesen. Nun ja. So sind wir Deutschen eben. 


Eigentlich hatte ich heute Großes vor. Mein Ziel war das Hochland. Über die Route 910, die früher eine Hochlandpiste war und inzwischen bis zum Kárahnjúkavirkjun-Staudamm vollständig asphaltiert wurde. Voller Vorfreude machte ich mich auf den Weg. Meter für Meter schraubte sich Fritz die Straße hinauf. Etwa fünfhundert Höhenmeter hatten wir bereits hinter uns gelassen. Dann änderte sich die Welt schlagartig. Der Nebel kam. Nicht ein paar Wolken.

Sondern eine dichte weiße Wand. Die Sicht schrumpfte auf wenige Meter. Die Landschaft, auf die ich mich so gefreut hatte, verschwand vollständig. Ich wartete eine ganze Weile. Vielleicht würde der Wind die Wolken vertreiben. Vielleicht würde sich das Hochland noch zeigen. Doch die Natur hatte heute andere Pläne. Der Nebel blieb. 


Also traf ich eine Entscheidung. Nicht gegen die Natur. Sondern mit ihr. Ich drehte um. Island hat mich auf dieser Reise gelehrt, dass man die Elemente nicht bezwingen kann. Man akzeptiert sie. Und passt sich ihnen an.


Auf dem Rückweg sah ich einen Bauern, der mit seinem Quad seine Rinder zusammentrieb. Ein alltäglicher Anblick. Und doch passte er wunderbar zu dieser Landschaft. Wenig später entdeckte ich eine Informationstafel. Dort wurde noch einmal deutlich erklärt, dass selbst viele geländegängige Wohnmobile das eigentliche Hochland nicht befahren dürfen. Nur echte Geländewagen mit entsprechender Ausstattung sind dort zugelassen. Auch das zeigt den Respekt, den man dieser Landschaft entgegenbringen sollte. Nicht alles, was technisch möglich erscheint, ist auch sinnvoll.


Wieder unten im Tal wurde mein Entschluss immer klarer. In wenigen Tagen wartet bereits die Norröna auf Fritz und mich. Warum also noch Kilometer sammeln? Warum nicht einfach dort bleiben, wo es schön ist? Ich beschloss, die letzten Tage meiner Islandreise ganz bewusst ruhiger anzugehen. Wenn mich niemand vertreibt, bleibe ich hier am Fjord. Ein Ort, der mir inzwischen vertraut geworden ist. Ein Ort zum Durchatmen. Zum Nachdenken. Zum Abschiednehmen.


Die Reise neigt sich langsam ihrem Ende entgegen. Doch ich empfinde keine Traurigkeit. Eher Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass ich lernen durfte, Pläne loszulassen. Dass nicht immer das Ziel entscheidend ist. Sondern der Weg dorthin. Und manchmal besteht der schönste Weg darin, einfach anzuhalten. Den Blick über den Fjord schweifen zu lassen. Dem Wind zuzuhören. Und nichts weiter zu tun, als den Augenblick zu genießen.


Tag 42 bis 44
07. & 08.07.2026
Seydisfjordur Camping Site
65.25984806161777, -14.012318552265466

Seyðisfjörður Camping Site wird für viele Touristen ziemlich sicher der letzte oder der erste Campingplatz auf einer Island Umrundung sein – zumindest wenn man mit der Fähre nach Island reist. So war es auch bei mir: Seyðisfjörður Camping Site war der letzte Campingplatz, den ich auf meinem Kastenwagen Roadtrip ansteuerte. Mit einer Übernachtung im Ort geht man zumindest sicher, dass man die Abfahrt der Fähre nicht durch ungeplante Ereignisse verpasst. Der Campingplatz von Seydisfördur liegt unweit des Fährterminals der Smyril Line direkt neben dem Hafen. Somit hat man am Abreisetag kaum Stress, denn man steht quasi schon fast am Check In der Fähre.


07. Jul. 2026 - 08. Jul. 2026
Rückblick auf 40 Tage Island – Mehr als nur eine Reise

Heute endet meine Reise durch Island.

Morgen wird Fritz wieder auf die Norröna rollen und langsam Kurs auf die Heimat nehmen. Während ich am Fjord sitze und noch einmal über das Wasser blicke, fällt es mir schwer, diese vergangenen vierzig Tage in Worte zu fassen. Es war weit mehr als ein Roadtrip. Es war eine Reise zu einer Insel, aber auch eine Reise zu mir selbst.

Island hat mir gezeigt, dass Schönheit nicht laut sein muss. Die eindrucksvollsten Momente waren oft jene, in denen ich ganz allein war. Ein einsamer Wasserfall. Ein Fjord ohne ein einziges Auto. Ein Gletschersee, auf dem lautlos Eisberge trieben. Der Wind an einer Steilküste. Das Rauschen eines Flusses. Genau dort habe ich die größte Ruhe gefunden.

Ich durfte nahezu alle Landschaftsformen dieser einzigartigen Insel erleben. Die endlosen Fjorde im Osten und Westen. Schwarze Lavafelder. Aktive Geothermalgebiete. Gewaltige Wasserfälle. Vulkankrater. Heiße Quellen. Gletscherzungen und Gletscherlagunen voller treibender Eisberge. Jeder Tag zeigte mir eine neue Seite Islands, und doch gehörte alles zusammen. Feuer und Eis. Wasser und Wind. Gegensätze, die sich hier nicht bekämpfen, sondern gemeinsam eine Landschaft erschaffen, wie es sie kein zweites Mal auf der Erde gibt.

Besonders tief berührt haben mich die Orte, an denen die Natur noch die Hauptrolle spielt. Nicht dort, wo Reisebusse im Minutentakt Besucher ausspucken, sondern dort, wo Stille herrscht. An den Westfjorden. Auf einsamen Schotterstraßen. In moosbewachsenen Schluchten. An kleinen Wasserfällen, die kaum jemand kennt. Dort spürte ich eine Erdverbundenheit, die sich nur schwer beschreiben lässt. Es war, als würde die Natur selbst mit einem sprechen – ohne Worte und doch unmissverständlich.

Diese Reise hat mir auch gezeigt, wie wenig man eigentlich braucht. Mein Zuhause war vierzig Tage lang Fritz. Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Aussichtsterrasse zugleich. Jeder Stellplatz bot ein neues Panorama. Jeder Morgen begann mit einem anderen Ausblick. Ich habe gelernt, langsamer zu werden, Pläne auch einmal loszulassen und die Entscheidungen der Natur anzunehmen. Nebel, Regen oder Sturm waren keine Gegner, sondern Teil dieser Reise.

Natürlich gab es auch Momente, die mich nachdenklich machten. Die zunehmende Vermarktung mancher Orte. Hohe Parkgebühren. Schranken mitten in der Natur. Sehenswürdigkeiten, die mehr Kulisse als Erlebnis geworden sind. Doch selbst daraus habe ich etwas mitgenommen. Island besteht nicht aus den bekannten Hotspots. Das wahre Island beginnt oft dort, wo die Reisebusse umkehren.

Besonders dankbar bin ich dafür, dass ich diese Reise überhaupt erleben durfte. Meiner Familie, die mir den Rücken freigehalten und mich auf meinem Traum unterstützt hat. Ohne sie wäre all das nicht möglich gewesen. Diese Dankbarkeit hat mich während der gesamten Reise begleitet und ist mit jedem Tag größer geworden.

Auch Fritz hat seinen Anteil an diesem Abenteuer. Tausende Kilometer hat er mich zuverlässig über Asphalt, Schotter, Pässe und Küstenstraßen getragen. Gemeinsam haben wir Wind, Regen, Sonne und Nebel erlebt. Wir haben an Fjorden übernachtet, auf Klippen gestanden und mitten in Lavafeldern den Tag ausklingen lassen. Er war weit mehr als nur ein Fahrzeug. Er war mein Zuhause.

Was nehme ich aus Island mit?

Nicht nur tausende Fotos und viele Stunden Filmmaterial.

Ich nehme Gelassenheit mit.

Ich nehme Demut mit.

Ich nehme die Erkenntnis mit, dass Glück oft in den einfachen Dingen liegt. Im Rauschen eines Wasserfalls. Im Duft von nassem Moos. Im warmen Wasser einer heißen Quelle. Im Blick über einen stillen Fjord. Oder einfach darin, mit einer Tasse Kaffee vor dem Camper zu sitzen und den Elementen zuzuhören.

Würde ich diese Reise noch einmal machen?

Ohne einen Moment zu zögern.

Ja.

Denn ich habe in Island nicht nur eine der beeindruckendsten Landschaften Europas kennengelernt.

Ich habe auch eine Lebensweise gefunden, die zu mir passt.

Das Reisen im Camper. Die Nähe zur Natur. Das einfache Leben unterwegs. Genau dort fühle ich mich frei.

Morgen beginnt die Heimreise.

Doch ich weiß schon heute:

Ein Teil von mir wird immer hierbleiben.

Zwischen den Fjorden.

Den Gletschern.

Den Vulkanen.

Den Wasserfällen.

Und den vier Elementen, die Island zu dem machen, was es ist.

Takk fyrir, Ísland.

Bis irgendwann.


Tag 44
TAG 44, 09.07.2026 zum Fährhafen Ab 8:00h da sein
Smyril line
65.26272384046638, -14.00204063926778

Seyðisfjarðarkaupstaður
Island
Wegpunkte
Der Wikinger auf Rädern in mir - Fernweh ruft ... ISLAND ruft !!!

Der Wind kommt aus dem Norden. Er riecht nach Salz, nach Regen, nach Ferne. Ein Wind, der einem sagt, dass man nicht bleiben sollte. Früher stachen Männer mit Drachenbooten in See. Sie folgten keinem Plan, nur dem Horizont. Heute sitze ich hinter einem Lenkrad, und mein Schiff aus Stahl heißt Fritz. Er knarzt manchmal im Seitenwind und sein Motor brummt wie ein alter Seebär. Aber er trägt mich zuverlässig nach Norden, dorthin, wo Land, Meer und Himmel noch nicht voneinander getrennt wirken.


Die Straßen werden leerer, die Orte kleiner, die Gedanken weiter. Mit jedem Kilometer fällt etwas von mir ab – Lärm, Erwartungen, Gewohnheiten. Das Leben, das immer so wichtig schien, wird im Rückspiegel kleiner.


Der Norden verlangt nicht viel. Er fragt nicht, wer du bist, was du erreicht hast
oder wohin du noch willst. Er gibt dir Wind, Regen und Stille. Und er wartet ab, was davon in dir übrig bleibt.


Island liegt irgendwo vor mir, jenseits von Wasser und Zeit. Eine Insel aus Feuer und Eis, auf der Menschen schon immer gelernt haben, mit wenig auszukommen. Vielleicht fahre ich dorthin, weil ich wissen will, wie viel Mensch übrig bleibt, wenn alles Überflüssige verschwindet.


Fritz rollt weiter, ruhig und unbeirrt, als wüsste er längst, dass wir beide nicht einfach nur reisen. Wir folgen einem Ruf, den man nicht erklären kann. Ein alter Ruf aus dem Norden.

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YouTube - Reisevideos - Playlist

https://www.youtube.com/playlist?list=PLD3KxOtxoJUFxHP3niP7I2FCv_Puru3rJ

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Fährverbindung
Hirtshals
Region Nordjütland, Dänemark
2 T. 18 Std.
Seyðisfjarðarkaupstaður
Island
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Die Fährfahrt

Da ich sehr früh beim Check-In war lief alles unproblematisch. Über mein Kennzeichen wurden meine Daten erfasst. Ich bekam Fahrkarte und Kabinenschlüssel. Wurde in die Reihe eingewiesen und das Boarding konnte beginnen. Viele Camper und Offroader standen in der Reihe. Auch Claudi Datscher von der Tankstelle in Hirtshals.


Dafür das ich der "Kleine" unter den Großen Campern bin wurde mir auch gleich ein Parkplatz direkt an der Auffahrt zur zweiten Ebene zugewiesen. Super zu merkender Stellplatz. Direkt an der Tür. Perfekt. Habe hier auch einen tollen CamperVan (Offroader) mit dem Namen RAGNAR gesehen. 


Ein Holländer sah mich beim Aussteigen aus dem Fritz und sprach mich auf Englisch an. Als er merkte ich komme aus Deutschland sagte er zu mir : "TOP. Sehr Stimmig. Du und dein Auto". Er meinte wohl das Aussehen. Tja, Fritz und ich wir passen gut zueinander.


Die Fährfahrt war wie jede andere auch. Sehr viele Deutsche auf der Norröna. Mit einigen bin ich ins lapidare Gespräch gekommen. Ich genoss aber lieber die Ruhe und das Summen der Motoren.


Als wir die Farör-Inseln mit einem Zwischenstop anliefen konnte ich kurz von Bord und habe mir Thorshavn angeschaut.

Nachdem wir die Shetland-Inseln passiert hatten kamen wir in den Nordatlantik. Ab da wurde der Seegang sehr heftig. Viele auf dem Schiff hatten sich Pflaster hinter die Ohren geklebt.


Als wir in den Fjord auf Island einfuhren wechselte das Wetter von hohem Wellengang in starken Westwinden. Der Wind peitschte kräftig.

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Tag 1
27.05.2026 Ankommen und Puffins
Mi., 27. Mai. 2026
Tag 01 Seydisfjordur-Álfaborg Campsite - Borgarfjörður eystra

km-Stand : 53.928   gef. Strecke : 102 km 

Standort Morgens : Fähre Seydisfjördur

Standort Abends : Álfaborg Campsite   GPS : 65.5240, -13.8086

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Hafnarhólmi - Papagaientaucherhügel
65.54343298567166, -13.7639839028026
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106,4 km 1 Std. 54 Min.
Álfaborg - Stadt der Elfen
65.52243516399724, -13.807275256659423
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4,9 km 6 Min.
Álfaborg Campsite - Borgarfjörður eystra
65.5240342155496, -13.808644254255697
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Short vom Fjord - Ankunft im Land der Götter

Heute bin ich mit der MS Norröna in Seyðisfjörður angekommen. Und schon die Überfahrt war mehr als nur eine Reise. Alles war dabei. Nieselregen. Sonnenschein. Starker Wind. Schwerer Seegang. Genau richtig. Kein Handy. Kein Internet. Und plötzlich bleibt nur noch das Wesentliche. Das Meer. Der Himmel. Der Wind. Und man selbst. Es tat gut. Dieses gezwungene Herunterkommen. Keine Ablenkung mehr. Keine Dauerbeschallung. Einfach Zeit.


Ich habe unterwegs einige nette Gespräche geführt. Nicht viele. Nicht oberflächlich. Sondern genau diese kurzen Begegnungen, die unterwegs entstehen und genauso schnell wieder verschwinden. Interessant. Echt. Manche davon habe ich später abends in Álfaborg tatsächlich wiedergetroffen.

Island verbindet irgendwie.


Die Zollpassage? Fast surreal einfach. Weiterfahren. 


Und dann… die ersten Kilometer durch Island. Strahlend blauer Himmel. Die Berge. Die Fjorde. Diese Weite. Es ist schwer zu beschreiben, was dabei passiert. Denn Island zeigt sich nicht einfach nur. Es wirkt. Die Landschaft hier ist größer als Gedanken. Größer als Sorgen. Und genau das macht etwas mit mir. Diese Reise ist mehr als ein Roadtrip. Ich merke das bereits am ersten Tag. Die Natur holt mich zurück. Zur Erde. Zu mir selbst. Hier draußen wird alles stiller. Klarer. Jeder Windstoß. Jeder Berg. Jeder Wasserfall. Scheint etwas in mir geradezurücken.


Die alten Götter fühlen sich hier nicht wie Geschichten an. Sondern wie etwas, das noch immer zwischen den Bergen lebt. Im Nebel. Im Meer. Im Stein. Als ich das erste Mal anhielt und über die Landschaft blickte, blieb mir nichts anderes übrig als niederzuknien. Nicht aus Inszenierung. Sondern aus Ehrfurcht. Ein stiller Dank. An die Erde. An die Götter. An diesen Moment. Danach ging es weiter.


Mit mehreren Fotostops. Wobei „Fotostop“ eigentlich falsch klingt. Denn ich halte nicht an, um Fotos zu machen. Ich halte an, weil mich diese Landschaft immer wieder zwingt stehenzubleiben. Und dann kamen die Puffins. Endlich. Und diesmal wirklich der Jackpot. Ein Hügel mitten an der Kolonie. So nah dran wie nie zuvor. Diese kleinen Wesen wirken gleichzeitig unbeholfen und vollkommen frei. Der Wind trägt sie mühelos über die Klippen. Unter ihnen das Meer. Über ihnen der Himmel. Ich stand einfach nur da. Kamera in der Hand. Und grinste wahrscheinlich wie ein kleines Kind. Perfekte Fotos. Ja.


Aber vor allem perfekte Momente. Heute war erst der Anfang.

Und trotzdem fühlt es sich an, als hätte Island bereits begonnen, mich zu verändern.

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Tag 2
28.05.2026 Staubschnee, Odin und die rohe Kraft Islands
Tag 2 Alfaborg Campsite nach Ásbyrgi Campground

km-Stand : 54.168    gef. Strecke : 240 km

Standort Morgens : Alfaborg

Standort Abends :  Ásbyrgi campground   GPS : 66.0254, -16.4954

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0,4 km 1 Min.
Lagarfossvirkjun - Wasserkraftwerk
65.50713574699478, -14.363806256800004
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43,8 km 59 Min.
Geirsstaðakirkja - Wikingerkirche
65.50432757624188, -14.519428077692034
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10,3 km 11 Min.
Dettifoss West-Parkplatz
65.812746832744, -16.400670240082498
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149,6 km 1 Std. 53 Min.
Ásbyrgi - Hufabdruck Sleipnirs
66.0178814855077, -16.505785476996863
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37,1 km 52 Min.
Ásbyrgi campground
66.02599111508157, -16.496741713244347
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Short vom Fjord - Sleipnir lässt grüssen

Heute musste ich meine Route ändern. Für die kommenden Tage wurde Schneefall angekündigt und die geplante Hochlandstrecke ist ohnehin noch gesperrt. Also habe ich beschlossen, die große Hochlandfahrt ans Ende der Reise zu legen. Island entscheidet hier draußen mit. Und genau das gefällt mir.


Also ging es heute Richtung Norden. Zum Dettifoss und weiter nach Ásbyrgi – dem hufeisenförmigen Canyon, der laut alter Saga vom achtbeinigen Pferd Sleipnir geschaffen wurde. Dem Pferd Odins. Schon allein dieser Gedanke passt zu Island. Hier wirken die alten Geschichten nicht wie Märchen. Sondern wie Erinnerungen der Landschaft selbst. 


Unterwegs machte ich zuerst Halt an einem modernisierten Wasserkraftwerk. Das alte Kraftwerk lag trocken.nFast verlassen. Doch die Wassermassen daneben wirkten gewaltig. Ungezähmt. Dieses Donnern des Wassers begleitet einen hier überall. Es ist nicht einfach nur Natur. Es ist Kraft. Immer wieder traf ich unterwegs Deutsche. Viele Deutsche. An fast jedem Aussichtspunkt hörte man vertraute Stimmen. Und trotzdem fühlt sich Island nie voll an. Die Landschaft verschluckt die Menschen einfach.


Danach ging es weiter über die Gravel Road. Schotter. Wellblech. Staub. Und Fritz? Der macht einfach seinen Job. Mit etwa 50 km/h schwebte er regelrecht über die Querrillen. Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben. Man fährt nicht mehr gegen die Straße. Man beginnt mit ihr zu arbeiten. Die Landschaft wurde rauer. Karger.


Dann stand plötzlich eine kleine Grassodenkirche vor mir. Ein winziges Kirchlein. Still. Fast verloren in der Weite. Und endlich verstand ich das Wort „Kirkja“. Nicht nur als Übersetzung. Sondern als Gefühl.

Ein Schutzraum. Ein stiller Ort mitten in der Wildnis. 


Später erreichte ich den Dettifoss. Den mächtigsten Wasserfall Europas. Schon beim Aussteigen peitschte mir der Wind entgegen. Mit voller Wucht. Die Gischt flog waagerecht. Fotos zu machen war schwierig. Teilweise musste ich die Kamera schützen wie einen Schatz. Aber dieser Wasserfall… Er ist nicht schön im klassischen Sinn. Er ist brutal. Roh. Gewaltig. Das Wasser donnert in die Tiefe, als würde die Erde selbst aufbrechen. Und genau dort spürt man wieder diese Ehrfurcht. Diese Erkenntnis, wie klein man eigentlich ist. Auch hier traf ich wieder Menschen von der Fähre. Man beginnt langsam bekannte Gesichter wiederzusehen. Als würden sich unsere Wege immer wieder kreuzen.


Am Nachmittag entschloss ich mich, die Fahrt in Ásbyrgi zu beenden. Das Wetter wurde härter. Nieselschnee. Hier nennt man ihn Staubschnee. Und manchmal fällt er tatsächlich waagerecht. Getrieben vom Wind. Trotzdem hat dieser Ort etwas Friedliches. Der Canyon wirkt wie ein geschützter Raum mitten in der Wildnis. Fast mystisch. Vielleicht liegt es an der Saga. Vielleicht an der Form. Oder einfach an der Energie dieses Ortes. 


Ich sitze jetzt im Fritz. Draußen tanzt der Schnee durch die Luft. Der Wind zieht über die Ebene. Und trotzdem fühle ich mich ruhig. Geerdet. Diese Reise verändert etwas in mir. Nicht laut. Nicht plötzlich. Sondern langsam. Mit jedem Kilometer. Mit jedem Wasserfall. Mit jedem Sturm.


Morgen werde ich hier eine kleine Wanderung auf die Felseninsel machen. Und danach weiterfahren. Zum Arctic Henge. Ich bin gespannt, welche Geschichten Island dort für mich bereithält.

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Tag 3
29.05.2026 Arctic Henge - Polarsonnenkreiswende
Tag 3 GravelRoad Kopasker Strönd

km-Stand : 54.168    gef. Strecke : 138

Standort Morgens : Asbyrgi Camp

Standort Abends : Kópasker strönd   GPS : 66.3815, -16.5081

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1,2 km 2 Min.
heimskautsgerðið - arctic henge
66.4624769869376, -15.949341290799744
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71,4 km 51 Min.
Kópasker strönd – Wo die Erde mit dem Meer spricht
66.38150477987934, -16.508290022371604
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Short vom Fjord - Der Weg des Windes – allein mit Fritz ans Ende der Stille

Heute hat Island wieder entschieden.

Nicht ich. Eigentlich wollte ich morgens die Felseninsel Eyjan im Ásbyrgi bewandern. Noch einmal eintauchen in diesen mystischen Ort. In den Hufabdruck von Sleipnir. Doch der Weg war geschlossen. Absturzgefahr. Also änderte sich der Plan. Und ich merke immer mehr: Genau darin liegt die Magie dieser Reise. Nicht festhalten. Nicht erzwingen. Den Weg annehmen.


Der Straßenzustandsbericht zeigte mir: Die Straße 85 ist verschneit. Teilweise angefroren. Also führte mich Island auf einen anderen Weg. Die 870 Gravel Road. Und was zuerst wie eine Notlösung aussah… wurde ein Geschenk. 70 Kilometer Schotter. Wildnis. Einsamkeit.


Aus meinem Baltikum-Roadtrip wusste ich noch: Eine Wellblechpiste darf man nicht bekämpfen. Man muss ihren Rhythmus finden. Nicht zu langsam. Nicht verkrampft. Also fanden Fritz und ich unser Tempo. 50 bis 70 km/h. Und plötzlich… schwebten wir. Der Wagen wurde ruhig. Die Schläge verschwanden. Die Straße und wir hatten denselben Takt. Links das Wasser. Rechts die Weite. Eine unglaubliche Vogelwelt begleitete mich. Immer wieder hielt ich an. Nicht weil ich musste. Sondern weil Island mich anhielt. Keine Menschen. Kein Lärm. Nur Wind. Vögel. Meer. Und Fritz. Ein perfekter Moment der Freiheit.


Dann erreichte ich das Arctic Henge. Schon beim Aussteigen zeigte Island wieder sein anderes Gesicht. Der Wind pfiff mit eisigem Atem. Alles, was nicht geschützt war, wurde innerhalb kürzester Zeit kalt. Finger. Gesicht. Dieser Wind diskutiert nicht. Er herrscht. Ich machte meine Fotos. Schnell. Bewusst. Die Drohne blieb im Fritz. Keine Chance. Aber vielleicht passte genau das. Manchmal soll man einen Ort nicht aus der Luft sehen. Sondern ihn spüren. Mit beiden Füßen auf der Erde. Das Arctic Henge wirkte wie ein moderner Tempel. Ein Kreis zwischen Himmel und Erde. Ein Ort für Sonne, Jahreszeiten und die alten Geschichten. Wieder diese Verbindung. Zu dem, was vor uns war. Zu den Göttern. Zur Natur.


Die Straße 85 blieb kritisch. Also vertraute ich meinem Gefühl. Zurück über die 870. Noch einmal diese wilde Strecke. Noch einmal diese Einsamkeit. Eigentlich war ein Campingplatz in Húsavík geplant. Doch ich wollte heute nicht zwischen Häusern stehen. Ich wollte genau das, weswegen ich hier bin. Natur. Stille. Freiheit. Also entschied ich mich für Kópasker strönd. Alleine. Direkt an der Küste. Und es war die richtige Entscheidung.


Ich ging hinunter zum Strand. Eine geschützte Bucht. Schwarzer Kies. Basaltsäulen. Der Nordatlantik. Genau das Island, das ich gesucht habe. Ich hob ein paar kleine schwarze Steine auf. Für meine Frau. Ein Stück Island für Zuhause. Dann blieb ich einfach stehen. Über mir die Schreie der Seevögel. Vor mir das Meer. Unter mir die Erde. Niemand sonst. Nur ich. Und die Elemente. 


Die Erde – der schwarze Stein unter meinen Füßen.

Das Wasser – der kalte Atlantik vor mir.
Die Luft – der Wind, der alles reinigt.
Das Feuer – verborgen tief unter dieser Insel.


Hier draußen verstehe ich wieder etwas. Heilung kommt nicht immer durch Antworten. Manchmal kommt sie durch Stille. Durch einen Ort. Durch einen Moment, in dem man nichts mehr sucht. Heute war kein geplanter Tag. Aber vielleicht genau deshalb

ein perfekter. Fritz steht hinter mir. Mein Zuhause. Der Wind zieht weiter. Die Vögel rufen. Und ich bin dankbar. Den Göttern. Der Natur. Meiner Familie. Und diesem Weg.

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Tag 4
30.05.2026 Husavik Port & Sea View - Fjördblick mit Walsichtung
Tag 4 Kopasker Strönd - Husavik Viewpoint Parking

km-Stand : 54.414     gef. Strecke : 108

Standort Morgens : Kopasker Strönd

Standort Abends :  Husavik Viewpoint Parking   GPS : 66.0622, -17.3440

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54,5 km 41 Min.
Husavik Port - Whale Watchin
66.04309724498724, -17.332675978614667
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Di., 30. Nov. -0001
Husavik - Walmuseum
Das Walmuseum in Húsavík ist ein Museum. Es wurde 1997 mit dem Ziel gegründet, die Öffentlichkeit über Wale zu informieren. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Biologie und Bedrohung der in isländischen Gewässern vorkommenden Wale
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107,5 km 1 Std. 19 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Husavik Viewpoint Parking
66.06226527224248, -17.344032231150177
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Short vom Fjord - Der Wal, der nicht geplant war

Die Nacht am Kópasker Strönd war genau so, wie ich es mir erhofft hatte. Still. Tief. Unberührt. Kein  Verkehr. Keine Stimmen. Nur das Meer. Der Wind. Und Fritz.


Als ich am Morgen die Tür öffnete, hing feiner Nieselregen in der Luft. Der Himmel war grau. Aber nicht bedrückend. Eher typisch isländisch. Ich machte mir einen Kaffee. Schaute noch einmal hinaus auf die Bucht. Atmete tief durch. Dann starteten Fritz und ich erneut Richtung Westen. Über die vertraute 870. Zurück Richtung Ásbyrgi. Und weiter nach Húsavík.


Unterwegs hielt ich an zwei Aussichtspunkten. Am Viewpoint 85. Und am Öxarfjörður. Die Landschaft lag ruhig da. Der Nieselregen zog über die Fjorde. Der Wind bewegte das Gras. Nichts Spektakuläres. Und genau deshalb wunderschön. Es sind diese stillen Stunden auf der Straße, in denen ich merke, warum ich diese Reise mache. Nicht um möglichst viel zu sehen. Sondern um möglichst viel zu fühlen. 


Gegen Mittag erreichte ich Húsavík. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, heute auf Whale Safari zu gehen. Doch manchmal entscheidet das Leben anders. Ich hatte das letzte Schiff verpasst. Früher hätte mich das geärgert. Heute nicht mehr. Island lehrt Gelassenheit. Wenn etwas nicht klappt, kommt meistens etwas anderes. Und so war es auch heute. Statt auf ein Schiff zu steigen,

landete ich vor einem Teller Fish & Chips. Und ehrlich: Sie waren fantastisch. Knusprig. Frisch. Genau das Richtige nach einem Tag auf der Straße.


Danach besuchte ich das Húsavík Whale Museum. Zwischen den gewaltigen Skeletten der Wale wird einem bewusst, wie klein wir Menschen eigentlich sind. Diese Tiere durchqueren ganze Ozeane. Folgen uralten Wegen. Leben in einer Welt,

die wir nur an der Oberfläche kennen.

Ich verbrachte dort mehr Zeit als geplant. Und als ich später wieder hinausging, hatte ich das Meer plötzlich mit anderen Augen betrachtet.


Bevor ich mir einen Platz für die Nacht suchte, fuhr ich noch einmal zum Sea View Point oberhalb von Húsavík. Der Regen hatte nachgelassen. Der Fjord lag ruhig vor mir. Ich stand einfach da.

Schaute hinaus. Ohne Erwartungen. Und genau dann passierte es. Eine Bewegung. Weit draußen. Noch eine. Dann erschien kurz ein dunkler Rücken auf der Wasseroberfläche. Ein Wal. Kein Schiff. Keine Tour. Keine Menschenmenge. Nur ich. Und dieser Augenblick. Ich musste lachen. Den ganzen Tag wollte ich Wale sehen. Verpasste das Schiff. Änderte meine Pläne. Und am Ende schenkte mir Island die Begegnung trotzdem. Einfach so. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Lektion dieser Reise. Nicht alles kontrollieren zu wollen. Den Dingen Raum zu geben. Den Göttern. Der Natur. Dem Leben. Ich blieb noch lange dort stehen. Der Wind strich über die Bucht. Die Möwen zogen ihre Kreise. Und irgendwann wusste ich: Heute fahre ich nicht weiter. Also blieb ich. Freistehen mit Blick auf den Fjord. Fritz stand ruhig auf seinem Platz. Mein Zuhause. Mein Begleiter. Die Nacht zog langsam herauf. Und ich saß noch lange draußen. Dankbar. Für den Regen. Für die Straße. Für den Wal. Und für die Erkenntnis, dass die schönsten Begegnungen oft genau dann passieren, wenn man aufgehört hat, sie erzwingen zu wollen.

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Tag 5
31.05.2026 Myvatn Geothermie & Vulkane - Wo die Erde atmet
So., 31. Mai. 2026
Tag 5 Husavik nach Myvatn

km-Stand : 54510   gef. Strecke : 96

Standort Morgens : Husavik

Standort Abends : Vogar bei Myvatn   GPS : 65.6237, -16.9186

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2,8 km 5 Min.
Námafjall Hverir Viewpoint
65.64111458382672, -16.807957841483287
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62,6 km 49 Min.
Krafla - Vulkan - Kalderasee
65.71713587340949, -16.754414957294625
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9,6 km 13 Min.
Hot Spring Shower
65.67994720798782, -16.774323141218222
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4,7 km 6 Min.
Grjótagjá - Schauplatz von Games of Thrones
65.62619223295854, -16.88249339058251
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9,9 km 12 Min.
So., 31. Mai. 2026
Aufstiegspunkt zum Vulkan Hverfjall
65.60857399804782, -16.87736262195546
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5,6 km 8 Min.
Vogar Travel Service - Campsite
Vogar, 660, Mývatn, Island
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Short vom Fjord - Myvatn : Wo die Erde atmet

Heute führte mich mein Weg von Húsavík nach Mývatn. Schon am Morgen, als ich die Tür von Fritz öffnete, spürte ich diese besondere Ruhe. Die Nacht an meinem Viewpoint war still gewesen. Nur der Wind hatte immer wieder leise über den Fjord gestrichen. Sieben Grad zeigte das Thermometer. Frisch, aber angenehm. Genau die richtige Temperatur, um aufzubrechen. Ich verabschiedete mich vom Meer und folgte weiter meinem Vegvísir. Nicht dem gezeichneten Symbol. Sondern dem inneren Wegweiser, den Odin jedem schenkt, der bereit ist zuzuhören.


Die Landschaft erinnerte mich stellenweise an Schottland. Sanfte Hügel, tiefe Wolken und dieses Gefühl von Weite. Doch je näher ich Mývatn kam, desto mehr veränderte sich die Welt. Hier herrscht nicht mehr das Wasser. Hier spricht die Erde. Schon von weitem stiegen Dampfschwaden auf. Weiße Geister, die aus den Tiefen aufsteigen und den Himmel berühren. Am Námafjall angekommen dauerte es nicht lange, bis ich die ersten Spuren Islands an den Schuhen trug. Die matschigen Wege machten kurzen Prozess mit meiner Vorstellung von sauberen Wanderschuhen. Aber genau darum geht es hier nicht. Island möchte nicht betrachtet werden. Island möchte erlebt werden. Der Schwefelgeruch lag schwer in der Luft. Nicht unangenehm. Eher wie eine Erinnerung daran, dass tief unter meinen Füßen noch immer die Kräfte wirken, die diese Insel erschaffen haben. Überall blubberte und brodelte es. Die Erde atmete. Die Farben waren unglaublich. Gelb. Orange. Rot. Grau. Blau. Farben, die man eher auf einer Künstlerpalette vermuten würde als in einer Landschaft. Ich blieb lange stehen. Spürte die Wärme unter meinen Füßen. Spürte die Hohlräume unter der Erde. Nirgendwo auf meiner Reise war ich dem Inneren unseres Planeten so nahe gekommen wie hier. Hier zeigt die Erde ihr Herz. Unverhüllt. Ungezähmt. Ehrlich. Die Elemente waren heute besonders präsent. Die Erde unter mir voller Kraft. Das Wasser in Form von Dampf und kochenden Quellen. Die Luft, die den Schwefelgeruch über die Ebene trug. Und das Feuer, verborgen unter der Oberfläche, aber überall spürbar.


Danach führte mich mein Weg weiter zum Víti-Krater. Ein kurzer Halt. Ein paar Fotos. Viele Menschen. Busse. Kameras. Und auffallend viele chinesische Reisegruppen. Der Krater selbst war beeindruckend. Doch seine eigentliche Wirkung lag für mich in dem Gedanken, dass hier einst die Erde aufgebrochen war. Dass selbst solche Gewalt irgendwann zu Schönheit werden kann. Vielleicht gilt das nicht nur für Vulkane.


Auf dem Weg hielt ich an einer Outdoor-Dusche. Mitten in dieser unwirklichen Landschaft. Island überrascht mich immer wieder. Hier scheint alles möglich.


Kurz darauf erreichte ich Grjótagjá.

Die kleine Höhle aus Game of Thrones.

Auch hier nur ein kurzer Fotostopp.

Doch das warme Wasser, die Felsen und das Licht in der Höhle hatten etwas Magisches. Als würde die Erde dort Geheimnisse bewahren. Mein eigentliches Ziel wartete jedoch noch.

Hverfjall.


Der Vulkan. Schon beim Blick nach oben wusste ich, dass der Aufstieg kein Spaziergang werden würde. Und doch fühlte ich mich bereit. Die letzten Monate Training waren nicht umsonst gewesen. Schritt für Schritt arbeitete ich mich nach oben. Der Wind wurde stärker. Die Beine schwerer. Der Atem tiefer. Doch ich ging weiter. Allein. Mit mir. Mit der Erde. Mit Odin.


Als ich schließlich oben ankam, war jede Anstrengung vergessen. Der Blick über den Mývatn war gewaltig. Wasser. Lava. Berge. Wolken. Eine Landschaft, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Dort oben blieb ich lange sitzen. Ohne Eile. Ohne Ziel. Einfach nur sein. Und wieder spürte ich diese Heilung. Nicht als plötzliche Erkenntnis. Nicht als Wunder. Sondern als langsames Zurückfinden. Zur Natur. Zur Erde. Zu mir selbst.


Am Nachmittag fuhr ich schließlich zum Vogar Campingplatz. Freistehen ist hier rund um Mývatn verboten und wird kontrolliert. 3350 ISK fast 30 € für eine Nacht sind durchaus eine Ansage. Aber manchmal gehört auch das dazu. Nicht jeder Platz auf dieser Reise ist ein einsamer Fjord. Nicht jede Nacht verbringt man allein mit den Elementen. Und so sitze ich nun hier. Der Wind streicht über den See. Die Erde unter mir schläft niemals. Und irgendwo tief unter meinen Füßen erinnert mich Island daran, dass die größten Kräfte oft unsichtbar sind.


So wie die Götter. So wie Heilung. So wie der Weg.

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Tag 6
01.06.2026 Godafoss - Dem Wasser der Götter folgend
Di., 30. Nov. -0001
Tag 6 Myvatn nach Laufas

km-Stand : 54.608   gef. Strecke : 98
Standort Morgens : Vogar Myvatn
Standort Abends : Laufas   GPS : 65.8989, -18.0664

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3,7 km 5 Min.
Mo., 01. Jun. 2026
Dimmuborgir
65.59162442213808, -16.912614150761993
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4,2 km 8 Min.
Skútustaðagígar Rundwanderweg 3km
65.57003811868134, -17.035874634370916
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11,3 km 17 Min.
Goðafoss - Wasserfall (größter Europas)
65.68398394892095, -17.54051017560249
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38,0 km 32 Min.
Laufas Freilichtmuseum mit Torfbauten
65.89238575606376, -18.075073609476107
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44,9 km 37 Min.
Mo., 01. Jun. 2026
Laufas Freistehplatz
65.89891736061948, -18.066482625126895
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Di., 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Dem Wasser der Götter folgend

Heute war einer dieser Tage, die nicht laut beginnen. Und genau deshalb besonders werden. Der Morgen begann ruhig auf dem Campingplatz am Mývatn. Die Nacht war friedlich gewesen. Der Wind hatte sich zurückgezogen und selbst die Mücken schienen für ein paar Stunden Waffenstillstand geschlossen zu haben. Beim Frühstück traf ich wieder einige bekannte Gesichter von der Norröna. Es ist erstaunlich. Seit Tagen kreuzen sich unsere Wege immer wieder. Mal an einem Wasserfall. Mal auf einem Parkplatz. Mal auf einem Campingplatz. Jeder folgt seiner eigenen Route und doch scheint Island unsere Wege immer wieder miteinander zu verweben. Immer wieder treffe ich Claudi Datsch und ihr Mann. Zuerst sprach Sie mich vor der Fähre in Hirtshals an. Aber nicht nur mich, sondern jeden der nicht weggerannt ist.

Mein erster Halt führte mich heute in die Lavawelt von Dimmuborgir. Die dunklen Burgen. Die schwarzen Tore. Die versteinerten Wesen. So nennen viele diesen Ort. Als ich dort ankam, war ich vollkommen allein. Kein Mensch. Keine Stimmen. Keine Kameras. Nur Stille. Eine Stille, die man fast hören konnte. Zwischen den Lavaformationen führte mich der Weg durch uralte Schornsteine und Felstore. Vor Jahrtausenden hatte hier flüssige Lava gebrodelt. Heute wachsen Heidebüsche zwischen den Felsen. Die einzigen Geräusche kamen von den Hummeln. Sie summten geschäftig zwischen den Blüten. Ein leises Brummen. Sonst nichts. Für einen Moment blieb ich einfach stehen. Und lauschte. Die Erde sprach hier nicht laut. Sie flüsterte. Ich verstand sofort, warum sich um diesen Ort so viele Geschichten ranken. Wenn irgendwo Elfen, Trolle oder die alten Wesen Islands leben, dann hier. Odin schien heute nicht über Donner und Sturm zu sprechen. Sondern über Stille.


Danach fuhr ich weiter zu den Kratern von Skútustaðagígar. Dort empfing mich sofort die andere Seite Islands. Mücken.

Unzählige Mücken. Kaum ausgestiegen, waren sie da. Überall. Sie hatten offensichtlich deutlich mehr Interesse an mir als ich an ihnen. Also zog ich den Rundweg zügig durch. Ein paar Fotos. Ein paar Blicke über die Pseudokrater. Dann weiter. Manchmal gewinnt die Natur. Und heute waren eindeutig die Mücken am Zug.


Doch dann kam der Höhepunkt des Tages. Der Goðafoss. Der Wasserfall der Götter. Schon beim ersten Blick wusste ich: Dieser Ort ist anders. Das Wasser stürzt nicht einfach in die Tiefe. Es breitet sich aus. Mächtig. Elegant. Fast vollkommen.


Der Legende nach wurden hier die alten Götterbilder ins Wasser geworfen, als Island das Christentum annahm. Ob die Geschichte wahr ist, spielt keine Rolle. Die Energie dieses Ortes ist real. Ich stand lange dort. Spürte die Gischt. Hörte das Donnern. Und wieder wurde mir bewusst, warum ich hier bin. Diese Reise ist keine Flucht. Sie ist eine Rückkehr. Zur Erde. Zu den Elementen. Zu mir selbst. Die Erde trug mich. Das Wasser zeigte seinen Weg. Die Luft war erfüllt vom Nebel des Wasserfalls. Und das Feuer lebte tief unter Island weiter. Unsichtbar. Aber immer präsent.


Von dort führte mich mein Weg weiter nach Laufás. Ein alter Großbauernhof. Ein Ort, an dem Menschen seit über tausend Jahren mit dieser Landschaft leben. Die Grassodenhäuser schmiegen sich in die Erde. Fast so, als wollten sie nicht gegen die Natur bestehen. Sondern mit ihr. Ein Gedanke, der mir gefiel. Vielleicht haben die Menschen früher verstanden, was wir heute oft vergessen. Dass man nicht gegen die Erde lebt. Sondern mit ihr. Am Nachmittag folgte ich dem Wasser. Dem Wasser des Goðafoss. Flussabwärts. Immer weiter. Bis hinaus zum Nordatlantik. Dort öffnete sich ein Fjord. Still. Weit. Friedlich. Die Sonne zeigte sich kurz zwischen den Wolken. Das Wasser wurde silbern. Und ich wusste: Hier bleibe ich. Ich fand einen ruhigen Freistehplatz. Kein Lärm. Keine Menschen. Nur Fritz. Der Fjord. Und ich. Später kochte ich mir etwas zu essen. Saß noch lange draußen. Und schaute auf das Wasser.


Heute gab es keine großen Abenteuer. Keine schwierigen Straßen. Keine Stürme. Und vielleicht war genau das das Geschenk dieses Tages. Denn heute fühlte ich mich der Erde näher als jemals zuvor. Nicht als Besucher. Nicht als Reisender. Sondern als Teil von ihr.


Und während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand, dankte ich Odin für den Weg. Nicht für das Ziel. Nicht für die Sehenswürdigkeiten. Sondern für die Fähigkeit, die Schönheit dazwischen zu erkennen.

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Tag 7
02.06.2026 Walbeobachtung im Hauganes – Begegnung mit den Riesen des Nordens
Di., 02. Jun. 2026
Tag 7 Laufas nach Dalvik

km-Stand : 54688   gef. Strecke : 80

Standort Morgens : Laufas

Standort Abends : Dalvik   GPS : 65.9751, -18.5536

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0,9 km 4 Min.
Walsafari in Hauganes – Dem Wasser ganz nah
65.92249120895805, -18.304073090983103
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66,5 km 57 Min.
Di., 02. Jun. 2026
Stellplatz oberhalb von Dalvík – Das Lied des Wassers
65.9751999565759, -18.553576619556413
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Short vom Fjord

Mein Weg führte mich nach Hauganes, einem kleinen Dorf am Ufer des gewaltigen Fjords. Schon bei der Ankunft war klar, warum dieser Ort etwas Besonderes ist. Die Berge fielen steil zum Wasser ab. Der Fjord lag ruhig vor mir. Die Wolken spiegelten sich auf der Oberfläche des Meeres. Alles wirkte friedlich. Fast ehrfürchtig.


Hier beginnt die Reise zu den größten Bewohnern Islands. Unser Schiff war kein modernes Ausflugsschiff. Es war ein alter Fischerkutter aus Eichenholz. Robust. Ehrlich. Mit Geschichten in jedem Brett. Schon beim Betreten hatte ich das Gefühl, dass dieses Boot hierher gehört. Zum Meer. Zum Wind. Zu den Walen. Kurz darauf liefen wir aus. Langsam glitt das Schiff durch den Fjord. Die Häuser von Hauganes wurden kleiner. Die Berge größer. Der Wind war kühl. Die Sicht zu Anfang betrübt. Reichte aber für mein Vorhaben. Doch in meinem warmen Overall wurde die Kälte schnell nebensächlich. Je weiter wir hinausfuhren, desto stiller wurde ich. Das Meer besitzt eine besondere Kraft. Es verlangt keine Aufmerksamkeit. Und genau deshalb bekommt es sie. Der Kaptein - so heißen die Schiffskapitäne hier -  erzählte von den Buckelwalen, die jedes Jahr in den Eyjafjörður zurückkehren. Von ihren Wanderungen. Von ihren Jagdgebieten. Von ihrem Leben. Doch irgendwann verstummten die Erklärungen. Denn plötzlich zeigte jemand nach vorne. Eine Fontäne. Dann noch eine. Mitten auf dem Fjord. Und da war er. Ein Buckelwal.


Langsam durchbrach sein dunkler Rücken die Wasseroberfläche. Ruhig. Mächtig. Vollkommen selbstverständlich. Keine Show. Keine Inszenierung. Nur ein Tier in seinem Element. Das Boot verlangsamte sich. Niemand sprach mehr.


Man hört oft, dass Wale groß sind.

Aber erst wenn man ihnen begegnet, versteht man wirklich, was Größe bedeutet. Dieser Wal war größer als unser Boot. Und gleichzeitig bewegte er sich mit einer Leichtigkeit, die fast unwirklich erschien. Er tauchte auf. Atmete. Verschwand wieder. Und jedes Mal warteten wir gespannt auf den nächsten Moment. Dann geschah es. Der Wal setzte zum Abtauchen an. Langsam hob sich seine gewaltige Schwanzfluke aus dem Wasser. Für einen Augenblick stand sie vollkommen frei in der Luft. Dann verschwand sie lautlos in der Tiefe. Ein Bild, das sich für immer eingebrannt hat. Während der nächsten Stunden begegneten wir weiteren Walen. Immer wieder tauchten sie in der Nähe des Bootes auf. Manche nur wenige Meter entfernt. Nie hatte ich das Gefühl, Gast in einem Ausflug zu sein. Vielmehr fühlte ich mich wie ein Besucher in einer anderen Welt. Einer Welt, die schon lange vor uns existierte. Und die hoffentlich noch lange nach uns bestehen wird. Dort draußen wurde mir wieder bewusst, weshalb ich diese Reise mache. Die Erde zeigt sich nicht nur in Bergen und Vulkanen. Auch das Meer erzählt ihre Geschichten. Das Wasser trug uns. Die Luft war erfüllt vom Atem der Wale. Die Erde zeigte sich in den Bergen des Fjords. Und das Feuer lebte tief unter Island, unsichtbar und doch allgegenwärtig. Für einen kurzen Moment schien alles miteinander verbunden. Der Fjord. Die Wale. Das Meer. Der Wind. Und ich.


Als wir später nach Hauganes zurückkehrten, lag der Fjord noch immer ruhig vor uns. Doch ich war nicht mehr derselbe wie am Morgen.  Denn wer einmal einem Buckelwal in die Augen seiner Welt geblickt hat, versteht: Wir Menschen sind nicht die Herren dieser Erde. Wir sind nur Gäste. Und manchmal schenkt uns die Natur einen Augenblick, in dem wir das nicht nur wissen. Sondern fühlen.

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Tag 8
03.06.2026 Über eine einzigartige Küstenstraße - Auf den Spuren von Flóki
Mi., 03. Jun. 2026
Tag 8 FS Dalvik nach CP Grettislaug

km-Stand : 54832    gef. Strecke : 144

Standort Morgens : Dalvik (FS)

Standort Abends : Grettislaug    GPS : 65.8829, -19.7370

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15,9 km 18 Min.
Mígandifoss - Wasserfall - Foto und Drohnenstop
66.06633178800566, -18.52297420278085
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Straße 748 - Steckenzustandsbericht

Für deine Fahrt von Mývatn bzw. Nordisland zur Grettislaug über die Straße 748 sieht es derzeit grundsätzlich gut aus.

Die 748 ist keine Hochlandstraße (keine F-Straße), sondern eine Küstenstraße auf der Halbinsel Reykjaströnd nördlich von Sauðárkrókur. Der letzte Abschnitt zur Grettislaug ist allerdings Schotterpiste. Unter normalen Sommerbedingungen ist sie problemlos mit einem normalen Wohnmobil oder Camper wie Fritz befahrbar.

Was dich morgen voraussichtlich erwartet

  • Die ersten Kilometer sind gut ausgebaut.
  • Der nördliche Abschnitt wird zunehmend zu einer Schotterstraße.
  • Nach Regen können einzelne Passagen weich, matschig oder ausgewaschen sein.
  • Lose Steine und Wellblechabschnitte sind möglich.
  • 40–60 km/h sind meist angenehmer als langsameres "Hoppeln".

Meine Einschätzung für Fritz

Wenn du die 870 bei Kópasker und die Straßen um Dettifoss bereits problemlos gefahren bist, dann wird die 748 für dich vermutlich eher entspannt wirken.

Die Strecke ist landschaftlich wunderschön:

  • Blick über den Skagafjörður
  • Küstenabschnitte mit Sicht auf die Insel Drangey
  • wenig Verkehr
  • viel Weite und Ruhe

Vor der Abfahrt

Island bleibt Island. Die tatsächlichen Bedingungen können sich über Nacht ändern. Deshalb würde ich morgen früh unbedingt noch einmal die offizielle Straßenkarte prüfen:

Iceland Road Administration – aktuelle Straßenlage

Mein Tipp für deinen Roadtrip

Plane für die 748 etwas Zeit ein und fahre nicht einfach nur zur Grettislaug. Die ganze Halbinsel Reykjaströnd hat etwas sehr Ursprüngliches. Sie erinnert an viele der stillen Küstenabschnitte der Ostfjorde, die du so magst.

Wenn das Wetter mitspielt, hast du dort fantastische Ausblicke auf:

  • den Fjord
  • die Insel Drangey
  • die Berge des Skagafjörður

Und nach einem langen Reisetag wartet dann die heiße Quelle der Grettislaug direkt am Meer – ein würdiger Platz für Fritz und einen naturverbundenen Tagesausklang. 


Nach der Strecke muss ich sagen. Grandios. Einige wenige kurze Stücke und die letztn 5 Kilometer waren Gravelroad (Schotterstraße). Sonst alles Asphaltiert.

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11,5 km 13 Min.
Sauðanesviti - Halbinsel Trollaskagi - Leuchtturm - Fotostop
66.1843199721384, -18.947931604667822
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28,7 km 31 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Hrafna-Flóki – Der Mann, der Island seinen Namen gab
66.06480079973963, -19.154569128971872
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26,3 km 23 Min.
Grafarkirkja - Fotostop
65.86971499395911, -19.368825650929704
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31,8 km 24 Min.
Reykir - Grettislaug
65.88144926045342, -19.741959353135627
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49,3 km 50 Min.
Grettislaug Campsite in Reykhólar
65.88126058688229, -19.736298599910384
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Di., 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Auf den Spuren von Flóki

Heute fiel es mir schwer, meinen Stellplatz zu verlassen. Vielleicht sogar schwerer als an jedem anderen Tag dieser Reise. Der Wildwasserbach rauschte noch immer neben Fritz. Die Berge hielten den Wind fern. Und die Nacht war voller Ruhe gewesen. Ich ließ mir Zeit. Trank meinen Kaffee. Lauschte dem Wasser. Eigentlich wollte ich meinen Frischwassertank noch auffüllen. Doch die Pumphöhe machte mir einen Strich durch die Rechnung. Der Bach blieb heute nur Begleiter. Nicht Versorger.


Als ich schließlich aufbrach, kam mir eine Schulwanderung entgegen.  Bunt gemischt. Lachend. Neugierig. Es gefiel mir. Vielleicht weil die Natur hier nicht etwas Besonderes ist. Sondern ein Teil des Alltags. Dann setzte ich meinen Weg fort.


Dichter Seenebel lag über der Küste. Nicht der freundliche Nebel eines Herbstmorgens. Sondern eine weiße Wand. Die Landschaft verschwand. Die Berge verschwanden. Selbst das Meer war oft nur zu erahnen. Heute musste ich lernen, etwas nicht sehen zu können.

Ein großer Wasserfall lag auf meiner Route. Doch der Nebel verschluckte ihn vollständig. Kein Foto. Kein Panorama. Keine Aussicht. Früher hätte mich das vielleicht geärgert. Heute nicht mehr. Island zeigt sich nur dann, wenn Island es möchte. Und vielleicht liegt genau darin die Lektion.


Auch Flóki konnte nicht immer  sehen,wohin seine Reise führte. Als Hrafna-Flóki einst mit seinen Raben den Nordatlantik überquerte, wusste er ebenfalls nicht, was hinter dem Horizont lag. Er vertraute. Den Vögeln. Dem Meer. Den Göttern. Auch ich folge auf dieser Reise oft mehr meinem Gefühl als einem festen Plan. Nicht ganz so mutig wie Flóki. Aber vielleicht derselben Sehnsucht folgend. Der Sehnsucht nach dem Unbekannten. Später erreichte ich das Heringsmuseum. Geschlossen. Also fuhr ich weiter. Und plötzlich geschah etwas. Der Nebel begann sich aufzulösen. Langsam. Fast feierlich. Die Küstenstraße 76 öffnete ihre Bühne. Fjorde. Buchten. Berge. Eine Landschaft von solcher Schönheit, dass ich mehrfach anhalten musste. Nicht um Fotos zu machen. Sondern um zu begreifen,

wo ich gerade war. Drei Tunnel führten mich durch die Berge. Und dahinter öffnete sich eine Bucht. Hier soll einst Flóki gelandet sein. Hier blickte er auf dieses wilde Land. Hier begann seine Geschichte mit Island. Ich stand am Wasser. Und versuchte mir vorzustellen, wie es gewesen sein muss. Keine Straßen. Keine Tunnel. Keine Karten. Nur Meer. Wind. Und Hoffnung. Später werde ich ihm in den Westfjorden noch einmal begegnen. Doch heute war es genug, seinen Spuren ein Stück zu folgen. Mein nächster Halt war die Grafarkirkja.


Die älteste Kirche Islands. Von außen wirkte sie klein. Bescheiden. Fast unscheinbar. Die Tür war verschlossen. Doch durch die Fenster konnte ich hineinsehen. Und sofort war spürbar, dass dieser Ort noch lebt. Kein Museum. Keine Kulisse. Ein Gotteshaus. Ein Ort des Glaubens. Seit Jahrhunderten.


Die Grassoden verschmelzen beinahe mit der Landschaft. Nicht gegen die Erde gebaut. Sondern aus ihr heraus. So wie die Menschen früher lebten. Am Nachmittag erreichte ich schließlich mein Ziel.


Grettislaug. Ein Bauernhof. Ein Campingplatz. Zwei natürliche Hot Pots direkt am Meer. 55 Euro. Eigentlich viel Geld. Und doch war jede Krone gut investiert. Denn als ich zum ersten Mal im heißen Wasser saß, während draußen der Wind über den Fjord strich, vergaß ich jede Rechnung. Das Wasser umhüllte mich. Die Muskeln entspannten sich. Die Gedanken wurden still. Die Erde schenkte Wärme. Das Wasser schenkte Ruhe. Die Luft brachte den Duft des Meeres. Und das Feuer kam aus den Tiefen Islands. Alle vier Elemente waren bei mir. Ich ging mehrfach hinein. Immer wieder. Jedes Mal fiel etwas von mir ab. Ein Stück Anspannung. Ein Stück Alltag. Ein Stück Last. Als die Sonne tiefer sank, saß ich erneut im Hot Pot. Schaute über das Land - Island. Zur Insel Drangey. Zu den Bergen. Und dachte an Flóki. Auch er hatte dieses Meer gesehen. Diesen Himmel. Diese Küsten. Tausend Jahre trennen uns. Und doch verbindet uns etwas. Die Suche. Nicht nach einem Ort. Sondern nach einem Gefühl. Dem Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein.


Heute habe ich es gefunden. Im warmen Wasser von Grettislaug. Zwischen Erde, Meer und Himmel.

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Tag 9
04.06.2026 Zwischen den Welten
Do., 04. Jun. 2026
Tag 9 CP Grettislaug nach CP Skagaströnd

km-Stand : 54.967   gef. Strecke : 135

Standort Morgens : CP Grettislaug

Standort Abends : CP Skagaströnd   GPS : 65.8268, -20.2919

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0,6 km 2 Min.
Glaumbær Turf Farm & Museum
65.61832923471238, -19.50571884891491
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34,1 km 36 Min.
Olís Varmahlíð
65.55067315341003, -19.440035045872154
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9,0 km 8 Min.
Fosslaug geothermic pool
65.48876151799313, -19.382843159617764
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8,5 km 8 Min.
Museum of Prophecies
65.81574881022482, -20.3117353224938
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77,1 km 1 Std. 5 Min.
Skagaströnd Campsite
65.82686092929924, -20.291957755697485
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Short vom Fjord - Zwischen den Welten

Heute Morgen fiel mir der Abschied schwer. Noch einmal saß ich im heißen Wasser von Grettislaug. Noch einmal blickte ich hinaus auf das Meer. Noch einmal ließ ich die Wärme der Erde durch meinen Körper fließen. 


Dann war es Zeit. Zeit weiterzuziehen. Fritz und ich verließen den Bauernhof und fuhren die Schotterstraße zurück Richtung Ringstraße. Die Landschaft zeigte sich heute von einer ihrer schönen Seiten. Immer wieder musste ich anhalten. Nicht weil ich etwas Bestimmtes sehen wollte. Sondern weil die Natur mich dazu zwang. Island besitzt die seltene Fähigkeit, einen Menschen sprachlos zu machen. Man steht da. Schaut. Und versteht plötzlich, warum die alten Völker ihre Götter in Bergen, Flüssen und Wolken fanden. Mehr als einmal verspürte ich den Wunsch, einfach niederzuknien. Nicht aus Pflicht. Sondern aus Dankbarkeit. Für diese Schönheit. Für diese Erde. Für diese Reise. Während ich durch die Landschaft fuhr, stellte sich ein merkwürdiges Gefühl ein. Ein Déjà-vu. Nicht nur bei mir. Auch Fritz schien es zu kennen. Mal erinnerte mich die Umgebung an Schottland. An die Highlands. An die weiten grünen Hügel. Dann wieder an Norwegen. An die Fjorde. An die Küstenstraßen. Und plötzlich tauchten Landschaften auf, die genauso gut irgendwo in Nordamerika hätten liegen können. Canyons. Schluchten. Weite Ebenen. Pferdefarmen. Pick-ups. Große Trucks. Island ist vieles. Und vielleicht genau deshalb so faszinierend. Es vereint scheinbar die Landschaften einer ganzen Welt auf einer einzigen Insel. 


Mein erster Halt war heute bei den Torfhäusern von Glaumbaer  Die kleine Kirche besuchte ich kurz. Danach umrundete ich die alten Gebäude. Die Grasdächer schienen mit der Landschaft zu verschmelzen. Fast so, als wären die Häuser aus der Erde gewachsen. Vor dem Museum stand bereits ein Reisebus. Viele Menschen. Viele Kameras. Da entschied ich mich weiterzufahren. In Laufás hatte ich bereits erlebt, wie diese Häuser einst genutzt wurden. Heute genügte mir der Blick von außen. 


An einer Kreuzung bei OLIS hielt ich an. Proviant auffüllen. Brot. Getränke. Ein paar Vorräte. Alles war vorhanden. Nur das Wasser fehlte. Mein WasserTank verlangte nach Nachschub. 


Den fand ich später am Reykjafoss. 1500 ISK Parkgebühr. Für einen Moment musste ich schmunzeln. Die Parkgebühren in Island sind manchmal beeindruckender als manche Sehenswürdigkeit. Andererseits: Fast alle Naturwunder sind frei zugänglich. Vielleicht ist das der Preis dafür. Mit vollem Tank ging es weiter. 


Mein nächstes Ziel war Skagaströnd. Dort befindet sich das Museum der Wahrsagung. Und ich musste lachen. Wenn es einen Ort auf Island gibt, der zu mir passt, dann vermutlich dieser. Ein kleines Wellblechhaus. Unscheinbar. Bescheiden. Doch innen öffnet sich eine Welt voller alter Symbole und Geschichten. Runen. Tarotkarten. Knochen. Würfel. Handlesen. All die alten Versuche des Menschen, einen Blick hinter den Schleier der Zukunft zu werfen. Vielleicht suche ich deshalb auf dieser Reise immer wieder die Nähe zu den alten Geschichten. Zu Odin. Zu Flóki. Zu den Sagas. Nicht weil ich Antworten suche. Sondern weil ich die Fragen mag. Die großen Fragen. Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welchem Weg soll ich folgen? Mein Vegvísir (Wegweiser) beantwortet sie nicht. Aber er erinnert mich daran, weiterzugehen. Weiterzufahren. Und darauf zu vertrauen, dass der Weg sich zeigt. 


Als der Nachmittag langsam in den Abend überging, bezog ich den einfachen Campingplatz in Skagaströnd. Nichts Besonderes. Und doch genau richtig. Fritz steht ruhig. Der Wind trägt den Duft des Meeres herüber. Die Möwen ziehen ihre Kreise. Ein weiterer Tag auf dieser Reise geht zu Ende. Die Erde hat mich heute wieder getragen. Das Wasser hat meinen Durst gestillt. Die Luft hat Geschichten über Berge und Fjorde erzählt. Und das Feuer schläft noch immer tief unter Island. 


Morgen werde ich weiterziehen. Durch neue Landschaften. Zu neuen Geschichten. Und irgendwo dort draußen wartet bereits das nächste Kapitel. 

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Tag 10
05.06.2026 Auf Schotterstraßen zu den alten Geistern des Nordens
Tag 10 Skagaströnd nach Vatnsnesvegur

km-Stand : 55.105   gef. Strecke : 138

Standort Morgens : CP Skagaströnd

Standort Abends : FS Hamarsrett   GPS : 65.5253, -20.9648

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1,4 km 3 Min.
Kolugljúfur Canyon
65.33221364449906, -20.576070148383803
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67,5 km 1 Std. 1 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Borgarvirki
65.4754307875133, -20.597021499850147
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20,9 km 25 Min.
Fr., 05. Jun. 2026
Hvítserkur - Fotostop
65.60467229343564, -20.63365357062793
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17,3 km 24 Min.
Húnaþing vestra - Freistehplatz
65.67184923467289, -20.658513880084094
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8,2 km 11 Min.
Hamarsrétt
65.52584912044003, -20.96488539306416
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Fr., 05. Jun. 2026
Short vom Fjord - Auf Schotterstraßen zu den alten Geistern des Nordens

Heute war kein Tag der großen Wasserfälle. Kein Tag der spektakulären Wanderungen. Kein Tag der touristischen Höhepunkte. Heute war ein Tag der Straße. Ein Tag der Küsten. Ein Tag der alten Geschichten. Genau jene Art von Tag, an denen man Odin eher begegnet als Reisebussen.


Am Morgen brach ich in Skagaströnd auf. Der Himmel war freundlich, der Wind zurückhaltend und Fritz bereit für die nächste Etappe. Heute sollte die Halbinsel Vatnsnes auf dem Programm stehen. Die berühmte Straße 711. Viele Reisende schrecken vor dem hohen Schotteranteil zurück. Doch als ich auf die ersten Kilometer einbog, musste ich schmunzeln. Nach allem, was Fritz und ich auf dieser Reise bereits erlebt haben, war diese Straße beinahe entspannend. Die 870 bei Kópasker hatte deutlich mehr Charakter. Natürlich verlangt die 711 Aufmerksamkeit. Man muss wissen, wie man auf Schotter fährt. Wie man mit Wellblechpisten umgeht. Wie man bergauf und bergab die richtige Linie findet. Doch genau diese Erfahrungen habe ich auf meinen Reisen durch Norwegen und das Baltikum gesammelt. Man spürt irgendwann den Untergrund. Man hört den Wagen. Man fährt nicht mehr gegen die Straße. Man fährt mit ihr. Und Fritz? Wie immer machte er seinen Job mit Bravour. 


Doch bevor die Küstenrunde begann, wartete noch ein anderer Ort auf mich. Der Kolugljúfur-Canyon. Schon beim ersten Blick wurde klar, dass dieser Ort mehr ist als nur ein Wasserfall. Das Wasser stürzt hier in mehreren Kaskaden durch die enge Schlucht. Weiß. Wild. Ungezähmt. Ich trat näher an die Kante. Und plötzlich spürte ich es. Nicht nur das Donnern. Sondern die Vibration. Die Kraft des Wassers übertrug sich auf den Boden. Durch die Schuhe. Durch die Beine. Bis tief in den Körper hinein. Als ich kurz die Augen schloss, war da nur noch das Element Wasser. Nicht sichtbar. Sondern fühlbar. Ein uralter Herzschlag der Erde. Und ausnahmsweise kostete der Parkplatz nichts. Ein seltenes Geschenk auf dieser Reise.


Mein nächster Halt führte mich zu Borgarvirki. Schon von weitem wirkt dieser Ort besonders. Ein alter Vulkanschlot. Von Menschen zu einer Festung umgebaut. Natur und Mensch haben hier gemeinsam Geschichte geschrieben. Ich stellte Fritz unterhalb des Felsens ab und blickte hinauf. Wie oft mögen hier Menschen gestanden haben? Wikinger. Bauern. Reisende. Alle auf der Suche nach Schutz. Nach Aussicht. Nach Orientierung. Vielleicht genau wie ich.


Danach begann die eigentliche Küstenrunde. Die Straße wurde besser. Die Landschaft immer größer. Und schließlich erschien er. Hvítserkur. Der berühmte Basaltfelsen. Wie ein uraltes Wesen, das aus dem Meer steigt. Der Legende nach ein Troll, der vom ersten Sonnenlicht überrascht und zu Stein wurde. Ich mag diese Geschichten. Weil sie zeigen, wie sehr die Menschen früher mit ihrer Landschaft verbunden waren.


1200 ISK Parkgebühr. Etwa acht Euro. Für ein Foto. Ich musste lachen. Aber Island wäre nicht Island ohne seine Eigenheiten. Und der Anblick war jede Krone wert. 


Danach setzte ich meine Fahrt fort. Kilometer um Kilometer führte die Schotterstraße entlang der Küste. Ich überholte einen Graveler. Beobachtete die wechselnden Farben des Meeres. Sah die Berge auf der anderen Seite des Fjordes. Und wieder wurde mir bewusst, weshalb ich diese Art des Reisens liebe. Nicht das Ankommen. Sondern der Weg. Die Landschaft. Die kleinen Entdeckungen zwischen den bekannten Orten. Die Einsamkeit. Die Nordspitze von Vatnsnes war überwältigend. Keine spektakulären Attraktionen. Keine Menschenmassen. Nur Meer. Himmel. Wind. Und Weite.


Mein ursprünglich geplanter Übernachtungsplatz überzeugte mich nicht. Also fuhr ich weiter. Wie so oft auf dieser Reise. Nicht nach Plan. Sondern nach Gefühl. Und genau das wurde belohnt. Am Abend erreichte ich Hamarsrétt. Ein einfacher Parkplatz. Keine Verbotsschilder. Keine Hektik. Dafür ein freier Blick auf den Nordatlantik.


Unterhalb des Platzes lag ein Kiesstrand. Dort entdeckte ich Seehunde. Wild. Unberührt. Ganz in ihrem Element. Sie spielten im Wasser. Tauchten auf. Verschwanden wieder. Sogar Fritz konnte sie von seinem Platz aus beobachten. Ich blieb lange stehen. Das Wasser vor mir. Die Erde unter mir.


Die Luft voller Salz und Meeresgeruch. Und tief unter Island das Feuer, das diese Insel einst erschaffen hat. Alle vier Elemente waren wieder da. Und irgendwo zwischen ihnen fand ich erneut das, was mich auf dieser Reise begleitet. Ruhe. Dankbarkeit. Und das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

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Tag 11
06.06.2026 Hexen und Fjorde - Entlang der Fjorde der Hexen
Sa., 06. Jun. 2026
Tag 11 Hamarsrett nach Holmavik

km-Stand : 55.266   gef. Strecke : 161

Standort Morgens : FS Hammarsrett

Standort Abends : FS Hólmavíkurkirkjugarður GPS : 65.6992, -21.6939

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70,7 km 1 Std. 28 Min.
Sa., 06. Jun. 2026
Museum of Icelandic Sorcery and Witchcraft
65.70658918230647, -21.665594879229772
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159,9 km 2 Std. 11 Min.
Sa., 06. Jun. 2026 - So., 07. Jun. 2026
Hólmavíkurkirkjugarður
65.69926904759656, -21.693954515095736
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Sa., 06. Jun. 2026
Short vom Fjord - Entlang der Fjorde der Hexen

Heute war ein Tag der Küsten. Ein Tag der Fjorde. Ein Tag der alten Geschichten. Am Morgen verabschiedete ich mich von meinem Stellplatz in Hamarsrétt. Noch einmal blickte ich hinaus auf den Nordatlantik. Noch einmal suchte ich die Seehunde am Strand. Dann starteten Fritz und ich in Richtung Westfjorde. Der Himmel zeigte sich von seiner besten Seite. Tiefblau. Klar. Fast wolkenlos.


Solches Wetter macht Island noch schöner, als es ohnehin schon ist. Mein Weg führte mich entlang des gewaltigen Húnaflói. Kilometer um Kilometer folgte ich den Küstenlinien der Fjorde. Zuerst der Hrútafjörður. Dann der Bitrufjörður. Später der Kollafjörður. Und schließlich der Steingrímsfjörður. Jeder Fjord hatte seinen eigenen Charakter. Und doch waren sie alle durch dieselbe wilde Schönheit verbunden.


Die Straße schmiegte sich an die Küsten. Mal direkt am Wasser. Mal hoch oben über dem Meer. Immer wieder musste ich anhalten. Nicht weil es eine Sehenswürdigkeit gab. Sondern weil die Landschaft selbst die Sehenswürdigkeit war. 


Die Berge spiegelten sich in den Fjorden. Der Himmel verschmolz mit dem Meer. Die Küsten wirkten unendlich. Und während Fritz ruhig Kilometer um Kilometer sammelte, wurde mir bewusst, wie klein wir Menschen in dieser Landschaft eigentlich sind.


Die Fahrt verlangte Konzentration. Steile Anstiege. Steile Abfahrten. Enge Kurven. Manche Straßen klebten förmlich an den Berghängen. Links die Felsen. Rechts der Fjord. Doch genau solche Straßen liebe ich. Hier zeigt sich, ob Fahrer und Fahrzeug ein Team geworden sind. Fritz meisterte jede Steigung. Jede Kurve. Jede Küstenpassage. Und ich merkte wieder, wie viel mir meine Reisen durch Norwegen und das Baltikum gebracht haben. Man fährt solche Straßen irgendwann nicht mehr mit den Händen. Man fährt sie mit Erfahrung. 


Stunden später erreichte ich schließlich Hólmavík. Das Tor zu den Westfjorden. Schon lange hatte ich mich auf diesen Ort gefreut. Nicht wegen der Landschaft. Nicht wegen eines Wasserfalls. Sondern wegen seiner Geschichten. Mein Ziel war das Museum of Icelandic Sorcery and Witchcraft. Ein Ort, der perfekt zu Island passt. Denn kaum eine Region der Insel ist so eng mit den alten Erzählungen über Magie, Hexerei und Volksglauben verbunden wie die Westfjorde. Während in Europa vor allem Frauen verfolgt wurden, trafen die Hexenprozesse Islands überwiegend Männer. Runen. Schutzzeichen. Beschwörungen. Alte Überlieferungen. Die Ausstellung war faszinierend. Nicht weil sie spektakulär war. Sondern weil sie einen Einblick in eine Zeit gab, in der die Menschen die Kräfte der Natur noch ganz anders verstanden. Eine Zeit, in der die Grenze zwischen Wirklichkeit und Mythologie fließend war. Und vielleicht ist sie das hier draußen bis heute geblieben.


Während ich später durch Hólmavík ging, dachte ich daran, dass morgen ein neues Kapitel meiner Reise beginnt. Die Westfjorde. Die wildeste. Die einsamste. Und vielleicht auch die mystischste Region Islands. Die Landschaft wird rauer werden. Die Straßen schmaler. Die Fjorde tiefer. Und die Geschichten älter. Ich freue mich darauf. Denn irgendwo dort draußen warten bereits neue Sagen. Neue Kraftorte. Neue Begegnungen mit den Elementen. 


Die Erde wird mich tragen.

Das Wasser wird mich begleiten.

Die Luft wird die Geschichten der Fjorde erzählen.

Und das Feuer wird tief unter Island weiter schlafen.


Morgen beginne ich mein Abenteuer in den Westfjorden. Und ich habe das Gefühl, dass Odin dort bereits auf mich wartet.

Ich werde in Holmavik nochmal einkaufen (Sonntags ist hier immer geöffnet) und Vorräte aufstocken.

Mein Tipp für die Westfjorde. Ab morgen werden die Orte kleiner und die Entfernungen größer. Bevor du tiefer in die Westfjorde fährst, würde ich in Hólmavík noch einmal:

  • Wasser auffüllen
  • Lebensmittel ergänzen
  • Diesel tanken

Viele der kleinen Orte haben zwar Läden, aber deutlich kleinere Auswahl und teilweise eingeschränkte Öffnungszeiten.


Für einen Reisenden wie Flóki wäre das egal gewesen. Für Fritz und seinen Fahrer empfiehlt sich dagegen ein voller Tank und ein voller Kühlschrank. 

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Tag 12
07.06.2026 Hinein in die Westfjorde
Tag 12 Holmavik - Seal lookout

km-Stand : 55.440    gef. Strecke : 174

Standort Morgens : FS Holmavik

Standort Abends : FS Seal Lookout Dardjup   GPS : 65.9946, -22.8136

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So., 07. Jun. 2026
Straße 61 (Djúpvegur)

Die Straße 61 (Djúpvegur)   sieht grundsätzlich gut aus und ist eine der wichtigsten Verbindungen in die Westfjorde. Sie ist komplett asphaltiert und ganzjährig befahrbar.

Für Fritz bedeutete das:

✅ Keine F-Straße
✅ Kein 4x4 erforderlich
✅ Keine Furten
✅ Überwiegend guter Fahrbahnbelag


Die Westfjorde bleiben die Westfjorde.

Die Straße folgt den Fjorden und führt immer wieder über Pässe, entlang steiler Berghänge, durch enge Kurven und über längere An- und Abstiege. Teilweise gibt es Abschnitte ohne Leitplanken und mit beeindruckenden Tiefblicken auf die Fjorde. Landschaftlich beginnt einer der schönsten Abschnitte meiner Reise. Die Fjorde werden tiefer. Die Berge rücken näher ans Meer. Die Siedlungen werden seltener. Und die Straßen folgen immer enger den Küstenlinien. Kurz gesagt: Dieser Tag ist kein Tag für Eile. Dies ist ein Tag für Fotostopps, Kaffee mit Blick auf einen Fjord und das Gefühl, langsam in das wilde Herz der Westfjorde einzutauchen. 

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1,9 km 4 Min.
Hörgshlíðarlaug
65.83045670109819, -22.625835980009747
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86,0 km 1 Std. 4 Min.
Seal lookout
65.99220075540235, -22.814143850800573
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Short vom Fjord - Das Tor zu den Westfjorden

Heute begann der Tag früh. Sehr früh. Die Sonne war bereits über den Fjord geklettert, als ich vor Fritz stand und die Scheiben vom Salz und Staub der letzten Tage befreite. Danach gab es Frühstück. Rührei in der Pfanne. Kaffee in der Hand. Nordatlantik vor der Tür.


Und während ich dort saß, geschah etwas Besonderes. Weit draußen im Fjord tauchte plötzlich ein Wal auf. Ein Atemstoß. Eine dunkle Rückenflosse. Dann verschwand er wieder in den Tiefen. So beginnt man gerne einen Reisetag.


Nachdem Wasser aufgefüllt und die üblichen Ver- und Entsorgungsarbeiten erledigt waren, verabschiedete ich mich von meinem Stellplatz. Heute sollte es in die Westfjorde gehen. Der Himmel zeigte sich freundlich. Tiefblau. Nur wenige Wolken zogen über die Berge. 


Schon die Fahrt auf der 61 war ein Erlebnis. Die Fjorde wurden tiefer. Die Berge steiler. Die Landschaft rauer. Immer wieder musste ich anhalten. Nicht wegen einer Sehenswürdigkeit. Sondern weil die Natur selbst die Sehenswürdigkeit war. An einem Fjordufer entdeckte ich plötzlich einen braunen Polarfuchs. Nur für wenige Augenblicke. Er bewegte sich lautlos durch die Landschaft, als wäre er ein Geist der Westfjorde. Bevor ich die Kamera richtig bereit hatte, war er bereits wieder verschwunden. Später erreichte ich ein Flussdelta. Dort hatte sich eine große Schwanenkolonie versammelt. Weiße Punkte inmitten der weiten Landschaft.


Ich ließ die Drohne steigen. Von oben zeigte sich das wahre Ausmaß dieser Region. Fjorde. Berge. Wasserläufe. Und dazwischen die schmale Straße, auf der Fritz und ich unterwegs waren. Hier beginnen die Westfjorde.

Und das spürt man. Die Straße führte immer höher hinauf. Kurve um Kurve. Bis auf etwa 440 Meter Höhe. Und dann öffnete sich plötzlich die Landschaft. Vor mir lagen die Westfjorde. Gewaltige Fjorde schnitten tief in das Land. Die Berge fielen steil ins Meer.


Mein erstes Ziel war die Schotterstraße 633. Eine dieser Straßen, die genau meinem Geschmack entsprechen. Nicht spektakulär. Nicht berühmt. Aber wunderschön.


Am Ende wartete Hörgshlíðarlaug. Ein kostenloser Hot Pot direkt am Fjord. Natürlich musste zuerst die Messpistole her. 41 Grad. Ordentlich. Für einen kurzen Moment überlegte ich. Dann siegte die Neugier. Also hinein. Das heiße Wasser umschloss mich sofort. Die Wärme stieg durch den Körper. Der Blick wanderte über den Fjord. Die Berge spiegelten sich auf der Wasseroberfläche. Ein perfekter Ort. Lange hielt ich es allerdings nicht aus. Der Hot Pot begann seinen Kampf gegen meinen Kreislauf zu gewinnen. Als ich wieder herausstieg, traf ein deutsches Pärchen ein. Ihre Reaktion war herrlich. Rein. "Puh!" Raus. Manchmal sagt ein einziges Wort alles. 


Danach führte mich mein Weg weiter zu einem Aussichtspunkt für Seehunde. Und tatsächlich. Überall im Wasser tauchten Köpfe auf. Neugierige Augen beobachteten mich ebenso aufmerksam, wie ich sie beobachtete. Zwei Tiere lieferten sich direkt vor mir sogar einen kleinen Schaukampf. Kein Ernst. Mehr ein Kräftemessen. Für einige Minuten vergaß ich völlig die Zeit. Ich stand einfach dort und schaute zu. Solche Begegnungen kann man nicht planen. Sie sind Geschenke der Natur. Der Höhepunkt des Tages wartete jedoch noch auf mich. 


Die Straßen wirkten winzig. Ich hielt an. Stieg aus. Und ließ den Blick schweifen. Die Erde zeigte sich hier in ihrer ganzen Größe. Das Wasser formte die Fjorde. Die Luft trug den Duft des Nordatlantiks. Und tief unter all dem schlummerte das Feuer, das diese Landschaft einst erschaffen hatte. Für einen Moment war alles still. Nur Wind. Nur Weite. Nur Island. Und wieder spürte ich diese tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, diesen Ort sehen zu dürfen. Dankbarkeit dafür, diesen Weg fahren zu dürfen. Und Dankbarkeit dafür, dass Fritz und ich immer weiter nach Norden, Westen und hinein in die Geschichten dieser Insel reisen.

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Tag 13
08.06.2026 Wenn Odin den Reiseplan ändert
Mo., 08. Jun. 2026
Tag 13 Seal Lookout - Flokalandur

km-Stand : 55.640    gef. Strecke : 200

Standort Morgens : FS Seal Lookout

Standort Abends : CP Flokalandur
GPS : 65.57741242806385, -23.172131131588003

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65,4 km 50 Min.
Arctic Fox Centre
66.03065218783284, -22.992016405112032
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51,5 km 32 Min.
Mo., 08. Jun. 2026
WhaleWatching Aussichtspunkt
66.09553998529752, -23.023611232912796
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8,1 km 6 Min.
Dynjandi - der schönste Wasserfall der Insel
65.73369605498793, -23.19371783676637
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66,2 km 49 Min.
Gísli Saga signs
65.67140617374342, -23.23673365963415
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15,9 km 14 Min.
Flókalundur Campsite
65.57578077606831, -23.163599686522474
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Mo., 08. Jun. 2026
Short vom Fjord - Wenn Odin den Reiseplan ändert

Heute war wieder einer dieser Tage, die man nicht planen kann. Einer jener Tage, an denen die Straße entscheidet. Das Wetter entscheidet. Und manchmal vielleicht auch Odin.


Die Nacht war unruhig. Nicht wegen Lärm. Nicht wegen Menschen. Sondern wegen des Regens. Die ganze Nacht prasselte er auf Fritz herab. Während ich am Ufer stand, lauschte ich dem Trommeln auf dem Dach und fragte mich, wie die Piste am Morgen aussehen würde. Als ich die Tür öffnete, war die Welt noch immer nass. Doch alle Sorgen waren unbegründet. Fritz rollte ohne Murren vom Platz. Keine Probleme. Kein Festfahren. Kein Drama. Wieder einmal zeigte sich, dass Erfahrung und Gelassenheit oft die besten Reisebegleiter sind.


Mein erster Halt war das Arctic Fox Center. Ein kleines Informationszentrum in einem alten Holzhaus. Von außen urig. Gemütlich. Fast wie ein altes Fischerhaus. Drinnen erfuhr ich einiges über den Polarfuchs, den einzigen ursprünglich in Island heimischen Landsäuger. Ein einsamer Fuchs im Gehege blickte mich aufmerksam an. Irgendwie passte er zu diesem Tag. Allein. Still. Ein Bewohner einer rauen Welt. 


Danach wurde es deutlich weltlicher. AdBlue auffüllen. Lebensmittel einkaufen. Und ein Besuch in der Vínbúðin. Dem einzigen Ort Islands, an dem man Bier und Hochprozentiges kaufen kann. Und wie so oft auf dieser Reise geschah etwas, das mich zum Schmunzeln brachte. Mitten in den Westfjorden. Weit weg von Zuhause. Und wen trifft man? Deutsche aus dem Ländle. Die Welt ist manchmal wirklich erstaunlich klein.


Eigentlich hatte ich für heute andere Pläne. Bolafjall. Minnibakki. Die wilden Küsten ganz im Nordwesten. Doch Island hatte andere Vorstellungen. Je weiter ich fuhr, desto dichter wurde der Nebel. Irgendwann verschwand die Landschaft vollständig. Die Sichtweite schrumpfte auf wenige Meter. Alles wurde grau. Still. Verschluckt von den Wolken. Eine echte Waschküche. Gleichzeitig waren die Zufahrten für Fahrzeuge ohne Allrad gesperrt. Damit war die Entscheidung gefallen. Kein Bolafjall. Kein Minnibakki. Früher hätte mich so etwas vielleicht geärgert. Heute weiß ich:

Island zeigt dir nicht immer das, was du sehen möchtest. Sondern das, was du sehen sollst.


Also änderte ich den Plan. Wie so oft auf dieser Reise. Und genau das wurde belohnt. Mein Weg führte mich stattdessen zum Dynjandi. Dem König der Wasserfälle in den Westfjorden. Schon von weitem war sein weißes Band zwischen den Bergen zu erkennen. Je näher ich kam, desto gewaltiger wirkte er. Eine kurze Wanderung führte mich hinauf. Vorbei an kleineren Wasserfällen. Immer begleitet vom Rauschen des Wassers. Mit jedem Schritt wurde die Kraft dieses Ortes spürbarer. Das Wasser stürzt hier nicht einfach in die Tiefe. Es breitet sich wie ein gewaltiger Schleier über den Fels aus. Als würde die Erde selbst einen weißen Mantel tragen. Ich blieb lange stehen. Spürte die Gischt. Lauschte dem Donnern. Und dankte dem Element Wasser für diesen Moment. 


Danach begann die eigentliche Herausforderung des Tages. Die Straßen der Westfjorde. Steile Bergpässe. Enge Kurven. Lange Anstiege. Tiefe Fjorde. Kilometer um Kilometer arbeitete sich Fritz durch die Landschaft. Manchmal fühlte es sich weniger wie Autofahren an. Mehr wie Reiten. Als würde ich ein treues Pferd durch die Berge führen. Und Fritz trug mich zuverlässig über jeden Pass. Immer weiter hinein in die wilde Schönheit dieser Halbinsel. 


Nach rund 200 Kilometern erreichte ich schließlich Flókalundur. Ein guter Ort zum Ankommen. Ein guter Ort zum Durchatmen. Und während die Wolken langsam über die Fjorde zogen, dachte ich an den heutigen Tag. Nichts war so gekommen wie geplant. Und doch war alles genau richtig. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion dieser Reise. Nicht gegen Island arbeiten. Mit Island reisen.


Denn die schönsten Geschichten entstehen oft dort, wo man seinen Plan loslässt und dem Weg vertraut.

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Tag 14
09.06.2026 Von den Hinterlassenen und den Kräften der Elemente
Tag14 Flokalandur nach Látrabjarg

km-Stand : 55.782    gef. Strecke : 142 km

Standort Morgens : CP Flokalandur

Standort Abends : CP Breidavik Camping   GPS : 65.5498, -24.3525


Für Fritz (2WD-Camper) ist die Strecke von Flókalundur → Straße 60 → 62 → 612 → Látrabjarg (Papageientaucherklippen) grundsätzlich machbar, aber sie wird mit jedem Kilometer anspruchsvoller.

Abschnitt 1: Straße 60 (Vestfjarðavegur)

  • Überwiegend asphaltiert.
  • Einige steile Passagen und Serpentinen.
  • Nach Dynjandi aktuell teilweise Straßenarbeiten und mögliche Verzögerungen. Für Fritz: problemlos.

Abschnitt 2: Straße 62 (Barðastrandarvegur)

  • Mischung aus Asphalt und gutem Schotter.
  • Küstenstraße mit einigen engen Kurven.
  • Teilweise Schlaglöcher und Wellblech möglich.

Für Fritz: problemlos, aber gemütlich fahren.

Abschnitt 3: Straße 612 (Örlygshafnarvegur)

Jetzt beginnt der interessante Teil. Die 612 startet relativ harmlos, wird aber mit jedem Kilometer rauer. Der Schotter wird gröber, die Fahrbahn schmaler und die Schlaglöcher häufiger. Mehrere Reiseberichte beschreiben die Straße als deutlich schlechter als die 60 oder 62. Für normale Pkw ist sie im Sommer grundsätzlich befahrbar, ein 4x4 ist nicht zwingend notwendig, erhöht aber Komfort und Sicherheitsreserven deutlich. Für dich persönlich

Nach allem, was du bereits gefahren bist:

  • 870 bei Kópasker
  • 711 auf Vatnsnes
  • diverse Ostfjord-Schotterstrecken
  • 633 Richtung Hörgshlíðarlaug

wird dich die 612 fahrerisch nicht überraschen. Das eigentliche Risiko

Nicht die Straße. Sondern das Wetter.

Die Region ist berüchtigt für:

  • Nebel
  • niedrige Wolken
  • Seitenwind
  • plötzlich schlechte Sicht

Gerade an den Klippen kann innerhalb weniger Minuten aus blauem Himmel eine komplette Waschküche werden. So wie tags zuvor bei Minibakki. 


Aber dieses mal war alles anders. Das Wetter wurde immer besser bis zum Schluss blauer Himmel. Der Wind war kaum spürbar. Die Straßen waren wie vorhergesagt. Erforderten Aufmerksamkeit. Aber Fritz bewältigte die Gravel- und GranitFelsbrocken mit gewohnter Gelassenheit.

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13,7 km 10 Min.
Reykjafjarðarlaug Hot Pool
65.62251780130427, -23.46529688738424
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25,1 km 26 Min.
The A-house Abandoned Barn Fossfjörður - Fotostop
65.61118043487954, -23.527040645818854
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4,9 km 5 Min.
Garðar BA 64 - Fotospot
65.51742440935098, -23.838398401031316
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56,6 km 46 Min.
Hnjótur
65.56268218566093, -24.158031089905425
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19,9 km 28 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Látrabjarg – Am Ende Europas
65.50243327882774, -24.529727070174904
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23,1 km 32 Min.
Di., 09. Jun. 2026
Breiðavík, der goldene Strand der Westfjorde
65.54929986112411, -24.36965842124684
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13,4 km 20 Min.
Breidavik Campground
65.5493, -24.3506
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Di., 09. Jun. 2026
Short vom Fjord - Von den Hinterlassenen und den Kräften der Elemente

Heute war ein besonderer Tag. Ein Tag der Verlassenen. Ein Tag der Hinterlassenen. Ein Tag der Elemente.


Schon in der Nacht zeigten die Westfjorde ihren Charakter. Der Wind fegte über Flokalandur und rüttelte an Fritz. Obwohl ich ihn sauber in den Wind gestellt hatte, schaukelte mein treuer Begleiter immer wieder in den Böen. Während andere vielleicht schlecht schlafen, höre ich solchen Nächten inzwischen einfach zu. Der Wind erzählt Geschichten. Von Fjorden. Von Stürmen. Von all den Wintern, die diese Landschaft bereits erlebt hat.


Am Morgen studierte ich zunächst die Straßenbedingungen. Ein Ritual, das inzwischen genauso zu meiner Reise gehört wie der erste Kaffee. Die Vorhersagen bestätigten sich. Und doch hatte Island wieder eine Überraschung für mich. Das Wetter wurde immer besser. Als hätte Odin persönlich beschlossen, mir heute einen Blick auf das Ende Europas zu schenken.


Mein erster Halt war der Reykjafjarðarlaug Hot Pot. Ein wunderschöner Ort. Still. Abgelegen. Mit Blick auf die Bucht. Heute zog es mich allerdings nicht ins heiße Wasser. Ich machte einige Aufnahmen, telefonierte nach Hause und genoss einfach den Moment. Manchmal reicht das vollkommen.


Der nächste Halt war das sogenannte A-House. Ein verlassenes Haus mitten in der Einsamkeit der Westfjorde. Irgendwann wurde es aufgegeben. Doch die Reisenden haben es nicht vergessen. Im Laufe der Jahre brachten Besucher kleine Erinnerungen mit. Gegenstände. Botschaften. Spuren ihrer Anwesenheit. Ein verlassenes Gebäude wurde so zu einer Sammlung von Geschichten. Ein kurzer Fotostopp.

Ein kurzer Blick in vergangene Zeiten. Dann ging die Reise weiter.


Als Nächstes wartete die Garðar BA 64 auf mich. Das älteste Stahlschiff Islands. Heute liegt es still am Ufer. Dem Wind. Dem Regen. Und der salzigen Luft überlassen. Ein Schiff, das einst die Meere befuhr. Heute ein Denkmal für die Vergänglichkeit. Ich ließ die Drohne steigen. Machte einige Aufnahmen. Platziert einen Aufkleber. Und zog weiter.


Das nächste Relikt der Vergangenheit wartete bereits. Das Flugzeugwrack der United States Navy. Während des Zweiten Weltkriegs unterhielten die Amerikaner hier draußen eine Beobachtungsstation. Mit diesem Flugzeug wurden Menschen, Ausrüstung und Versorgungsgüter an einen Ort gebracht, der selbst heute noch abgelegen wirkt. Nach dem Ende der Station blieb das Flugzeug zurück. Wie eine Erinnerung daran, dass selbst die entlegensten Winkel Islands einst Teil der großen Geschichte der Welt waren.


Dann begann der fahrerische Teil des Tages. Die Straße wurde schmaler. Die Straße wurde rauer. Zuerst Schotter. Dann grober Schotter. Dann Schlaglöcher. Viele Schlaglöcher. Die Geschwindigkeit sank. Die Konzentration stieg. Doch genau dafür sind Fritz und ich inzwischen ein eingespieltes Team. Langsam. Sauber. Vorausschauend. Die Westfjorde verlangen keine Geschwindigkeit. Sie verlangen Respekt. Und während die Reifen über die Piste rollten, erhielt Fritz sein neuestes Island-Andenken. Eine frische Schicht Westfjord-Schlamm. Neue Tarnfarbe. Direkt aus der Natur. Schließlich erreichten wir unser Ziel. Látrabjarg.


Die westlichsten Klippen Europas. Der Wind war kräftig. Doch weit entfernt von dem, was ich erwartet hatte. Die Natur ließ mich passieren. Und was sich dort vor mir auftat, lässt sich kaum in Worte fassen. Die Westfjorde gehören zu den ältesten Landschaften Islands. Rund 60 Millionen Jahre alt. Älter als alles, was ich bisher auf dieser Reise gesehen habe. Hier leben nur wenige tausend Menschen. Doch die Küstenlinie umfasst fast ein Drittel der gesamten Insel. Plötzlich verstand ich warum. Alles ist hier größer. Nicht einfach groß. XXL. Die Fjorde. Die Berge. Die Küsten. Die Wasserfälle. Die Entfernungen. Island denkt hier nicht in normalen Maßstäben. Jeder Blick wirkt wie ein Gemälde, das jemand versehentlich viel zu groß gemalt hat. Mal karg und felsig. Mal saftig grün. Mal schwarze Steilhänge. Mal fruchtbare Wiesen. Und dann kam noch eine weitere Überraschung.


Ein Sandstrand. Ein echter Sandstrand. Nach Wochen voller schwarzer Vulkanstrände und dunkler Kiesel lag plötzlich heller Sand vor mir. Fast wie an der Nordsee. Fast wie auf Sylt. Nur mit steilen Klippen, Papageientauchern und den gewaltigen Westfjorden im Rücken.


Island hört einfach nicht auf, mich zu überraschen. Am Abend erreichte ich schließlich den Campingplatz von Breiðavík. Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich nicht das Gefühl, weiterfahren zu müssen. Ich habe Zeit. Genau dafür habe ich sie eingeplant. Also bleibe ich. Zwei Nächte. Am Rand Europas. Zwischen Meer und Himmel. Zwischen Wind und Stille.


Die Erde trägt mich.

Der Wind singt über die Klippen.

Das Wasser schlägt gegen die Küsten.

Und tief unter Island schläft noch immer das Feuer.


Ein weiterer Tag im Land der Götter.

Und wieder einer, den nur das Leben selbst hätte schreiben können.

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Tag 15
10.06.2026
Short vom Fjord

nix geplant... nur relaxen


Manchmal ist es in der Natur so ruhig das nur der Biolärm - also die Brandung und die Seevögel - zu hören sind. So auch immer hier auf Island Die Bekassine (Isländisch: Hrossagaukur)


Dieser Watvogel hat einen extrem langen Schnabel. Die Männchen lassen sich im Frühjahr aus großer Höhe im Sturzflug nach unten fallen. Dabei vibrieren die abgespreizten Schwanzfedern im Wind und erzeugen einen lauten, meckernden oder pfeifenden Ton. Weil das Geräusch an eine blökende Ziege erinnert, wird die Bekassine im Volksmund auch "Himmelsziege" genannt.


Insgesamt ist die Natur jedoch atemberaubend. Man kniet vor Demut nieder und fühlt sich klein. Zwischen den gewaltigen Bergen zu stehen. Auf einer Lagune mit Sand gefüllt. Die Sonne spiegelt sich in der Dänemark-Straße. Mein Blick ist Richtung Grönland gewandt. Das Blaue des Himmels tanzt zwischen der weißen Gischt der Brandung. Die Barkasse schimpft. Für mich klingt es wie eine Ouvertüre der Natur für so viel Schönheit.

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ein paar wenige Fotos vom Tage
Tag 16
11.06.2026 Von heißen Quellen, kaltem Wind und den Straßen der Westfjorde
Do., 11. Jun. 2026
Tag16

Standort Morgens : CP Breidavik Tacho-Stand : 55.870 gef. Strecke : 88 km

Standort Abends : FS Flokalundur GPS : 65.5774, -23.1590

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0,6 km 2 Min.
Steinskulptur Kleifabúi auf der Kleifaheiði
65.53576373748321, -23.736036144642394
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36,6 km 50 Min.
Do., 11. Jun. 2026
Barðastrandarsandur
65.46882177290469, -23.600628048555162
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12,8 km 9 Min.
Do., 11. Jun. 2026
Krosslaug hot spring - Wer es warm mag
65.51946802462862, -23.40541727116862
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11,9 km 7 Min.
Fiskabúrið
65.5510937876179, -23.198296714407327
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17,9 km 11 Min.
Floki Gedenkstein
65.57567665922438, -23.169734059174985
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3,2 km 2 Min.
Þingmannaá Waterfall
65.58349796608849, -23.11192026559068
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3,8 km 6 Min.
Hellulaug
65.57720100699453, -23.159715925045965
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3,3 km 5 Min.
Do., 11. Jun. 2026 - Fr., 12. Jun. 2026
Flókalundur Campsite
65.57840284608012, -23.172616250156334
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Short vom Fjord - Von heißen Quellen, kaltem Wind und den Straßen der Westfjorde
Heute zeigte sich Island von seiner freundlichen Seite. Blauer Himmel. Sonnenschein. Klare Sicht. Fast schon ungewohnt nach den letzten Tagen.
Am Morgen verabschiedete ich mich von Breiðavík und den gewaltigen Klippen von Látrabjarg. Noch einmal blickte ich über den goldenen Sandstrand. Noch einmal lauschte ich dem Wind vom Atlantik.Dann machte ich mich auf den Rückweg Richtung Flókalundur. Dieses Mal führte mich der Weg über die Straße 62.
Zunächst ging es wieder durch den Rauðisandur und anschließend über den Pass von Rauðasandur. Die Schotterstraße zog sich am Steilhang entlang. Kurve um Kurve. Rechts die Berge. Links die Weite der Fjorde. An manchen Stellen erinnerte mich die Strecke an Norwegen. An anderen wieder an die einsamen Pisten des Baltikums. Fritz und ich kannten solche Straßen inzwischen gut. Die Baustelle unterwegs sorgte dann noch für das passende Westfjord-Andenken. Eine frische Schicht Schlamm. Neues Tarnmuster. Direkt aus Island.
Als mich schließlich wieder Asphalt unter den Reifen begrüßte, fühlte sich das beinahe luxuriös an. Mein erster entspannter Halt war bei Kleifakarl. Einer einsamen Steinskulptur, die über die Landschaft wacht. Wie so viele Orte in Island wirkte auch dieser Platz, als hätte jemand eine Geschichte in Stein gemeißelt. Der Wind strich über die Hügel. Die Sonne wärmte mein Gesicht. Und für einige Minuten genoss ich einfach die Stille. 
Später erreichte ich den Barðastrandarsandur. Eine Küstenlandschaft, die mich erneut staunen ließ. Der Strand zog sich scheinbar endlos am Meer entlang. Sand in allen Schattierungen. Dahinter die Berge. Davor der Nordatlantik. Natürlich musste die Drohne in die Luft. Erst aus der Vogelperspektive wurde sichtbar, wie gewaltig diese Landschaft wirklich ist.
Die Westfjorde denken nicht in normalen Dimensionen. Hier ist alles größer. Weiter. Wilder. 
Eigentlich hatte ich danach einen kostenpflichtigen Hot Pot auf meiner Liste. Doch manchmal entscheidet die Stimmung über den weiteren Weg. Die Besucher dort wirkten ungefähr so einladend wie ein Schneesturm im Hochland. Also sparte ich mir die 1700 Kronen. Die Natur hält schließlich genügend Alternativen bereit. 
Wenig später entdeckte ich am Straßenrand eine kleine Selbstbedienungs-Fischbude. So etwas liebe ich an Island. Keine Verkäufer. Keine Hektik. Einfach Vertrauen. Ich gönnte mir frischen Lachs und etwas Süßes. Ein kleiner Luxus für unterwegs. 
Mein eigentliches Ziel war anschließend der Natur-Hot-Pot Hellulaug. Doch dort angekommen bot sich ein vertrautes Bild. Voll. Viel zu voll. Anstatt mich darüber zu ärgern, beschloss ich, die Zeit sinnvoll zu nutzen.
Also fuhr ich weiter zum Wasserfall Þingmannaá. Und genau das war die richtige Entscheidung. Keine Parkgebühr. Keine Menschenmassen. Keine Absperrungen. Nur Wasser. Natur. Und Stille. Ich ließ die Drohne steigen und folgte dem Flusslauf über mehrere Kilometer. Aus der Luft wirkte die Landschaft fast wie ein Gemälde. Das Wasser suchte sich seinen Weg durch die Berge. Kurve um Kurve. Kaskade um Kaskade. Zu Fuß erkundete ich nur einen kleinen Teil davon. Der Rest gehörte heute den Flügeln meiner Drohne.
Als ich später erneut bei Hellulaug vorbeischaute, hatte sich das Bild komplett verändert. Der Hot Pot war leer. Ganz leer. Nur ich. Der Pool. Der Himmel. Und das Meer. Also stieg ich hinein. Heiß war das Wasser nicht. Eher lauwarm. Doch das spielte keine Rolle. Denn manchmal ist es nicht die Temperatur, die einen Ort besonders macht. Sondern der Moment. Ich saß dort allein. Mit Blick über die Bucht. Dem Wind im Gesicht. Und dem Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.
Das Wasser um mich herum.

Die Erde unter mir.

Die Luft über dem Meer.

Und tief unter Island das Feuer, das diese Quelle einst erschaffen hat.


Wieder trafen sich die vier Elemente. Und wieder erinnerte mich Island daran, dass die schönsten Erlebnisse oft ungeplant entstehen. Nicht dort, wo man sie sucht. Sondern dort, wo man ihnen Raum gibt. Natur. Am Fjord. Was will man mehr.

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Tag 17
12.06.2026 Auf den Spuren der Entdecker
Tag 17 Flokalandur - Búðardalur/Snaeffelsnesvegur

Standort Morgens : FS Flokalundur Tacho-Stand : 56.118 gef. Strecke : 248 km

Standort Abends.. :FS Snaefelsnesvegur GPS : 65.0248, -22.1345

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0,7 km
Drifandagil Waterfall
65.32072729946223, -21.74349671151976
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147,1 km 1 Std. 46 Min.
Guðrúnarlaug Hot Spring - Campsite
65.2467, -21.8033
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11,5 km 9 Min.
Krambúðin & Vínbúðin Búðardal
65.10829721251292, -21.76364005863496
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19,4 km 16 Min.
Eiríksstaðir - Viking Longhouse - Auf den Spuren von Erik dem Roten und Leif dem Glücklichen
65.05677897187478, -21.53368735452229
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Die Saga von Erik dem Roten
Alle Sagas beginnen irgendwo….

...aber hier in Eiríksstaðir begann mehr als auf den meisten anderen Bauernhöfen aus der Wikingerzeit. Die Familie, die das ursprüngliche Langhaus errichtete, ist nicht nur in einer, sondern in vier verschiedenen isländischen Sagas zu finden, wobei zwei ausschließlich ihren eigenen Abenteuern gewidmet sind.


Eiríks saga rauða (Die Saga von Erik dem Roten)


Wo genau Erik geboren wurde, ist ungewiss – in einem Bericht heißt es, er sei als Kind aus Norwegen nach Island gekommen, während andere vermuten, er sei hier als Sohn norwegischer Eltern geboren worden. Auf jeden Fall wuchs er im Westen Islands auf, wo er seine zukünftige Frau Thjodhildr kennenlernte. Zu ihrem Glück besaßen ihre Eltern ein großes Stück Land in Haukadal, sodass sie dem jungen Paar ein kleines Stück davon schenken konnten, auf dem sie ihren eigenen Bauernhof gründen konnten. Sie nannten diesen Bauernhof Eiríksstaðir, was übersetzt „Eriks Stätte/Stadel“ bedeutet.


Das Paar lebte einige Jahre auf dem Hof und bekam zwischen 970 und 980 drei Söhne. Außerdem lebten Sklaven mit der Familie zusammen, was der Auslöser für all die dramatischen Ereignisse war, die die Heldentaten der Familie nicht nur zu den Hauptfiguren einer, sondern zwei berühmten Sagas machten. Diese Sklaven wurden beschuldigt, einen Erdrutsch verursacht zu haben, der direkt auf dem Nachbarhof Valþjófsstaðir landete und großen Schaden anrichtete.

 

Normalerweise wären Angelegenheiten wie diese von einem örtlichen Rat der Landbesitzer geregelt worden und eine Entschädigung wäre berechnet und Erik in Rechnung gestellt worden – vorausgesetzt, die Sklaven wären überhaupt schuldig gewesen. Der Nachbar jedoch tötete die Sklaven, anstatt den Rechtsweg zu gehen und eine Zahlung von Erik zu verlangen. Natürlich kam es hierdurch zu einem weiteren tödlichen Kampf.

Da beide Bauern bei dem Streit das Gesetz missachtet hatten, forderte der Gemeinderat Eirik auf, das Tal zu verlassen und seinen Hof aufzugeben – eine Entscheidung, die ihn zwang, seine Habseligkeiten, einschließlich des Hauses, zusammenzupacken und auf eine Insel im Fjord einige Kilometer weiter westlich zu ziehen.

 

Es dauerte nicht lange, bis er in einen weiteren heftigen Streit verwickelt wurde - und dieses Mal wurde er damit bestraft, Island für drei ganze Jahre verlassen zu müssen.

Da er das Land nicht für immer verlassen wollte, beschlossen Erik und seine Familie, nach Inseln vor der Küste Islands zu suchen, auf denen sie die Verbannung abwarten konnten. Was sie fanden, war jedoch weitaus besser als eine felsige Insel, denn sie wurden stattdessen die ersten Europäer, die sich dauerhaft in Grönland niederließen - einem Land, das damals weitaus gastfreundlicher war als heute. Sie fanden ein gemäßigtes Klima, Weideland, Holz und reichlich Fisch vor.

 

Das Beste jedoch war, dass sie Elfenbein fanden. Natürlich nicht von Elefanten, sondern von den Stoßzähnen der Walrösser und den Hörnern von Narwalen. Diese beiden Entdeckungen machten Erik zu einem unglaublich reichen und einflussreichen Mann, als er schließlich nach Island zurückkehren und den Menschen von dem rohstoffreichen neuen Land weiter westlich erzählen konnte.
Eirik verbrachte den Rest seines Lebens als Häuptling der neuen Siedlung in Grönland. Sein Haus – Brattahlíð – kann heute noch von allen besucht werden, die abenteuerlustig genug sind, sich dorthin zu begeben.


Original: https://www.eiriksstadir.is/de/the-sagas

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23,7 km 27 Min.
Snæfellsnesvegur
65.02653448721853, -22.135129079668594
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Short vom Fjord - Auf den Spuren der Entdecker

Heute zeigte sich Island erneut von seiner sonnigen Seite. Doch die Sonne hatte einen mächtigen Begleiter mitgebracht. Den Wind.


Schon am Morgen pfiffen die Böen über die Landschaft. Bis zu 16 Meter pro Sekunde. Nicht gefährlich. Aber genug, um jederzeit konzentriert zu bleiben. Gerade in den Westfjorden und auf den offenen Hochflächen merkt man schnell, wer am Steuer sitzt. Und wer vom Wind gefahren wird. Fritz und ich hielten Kurs.


Mein erster Halt führte mich zum Drífandagil-Wasserfall. Eigentlich ein schöner Ort. Doch heute hatte der Wind andere Pläne. Kaum stieg ich aus, peitschten mir die Böen ins Gesicht. Meine Augen begannen sofort zu tränen. Der Wind trug Wasser, Staub und die Kraft der Berge gleichermaßen mit sich. Lange blieb ich nicht. Einige Fotos. Ein kurzer Blick. Dann zurück in die schützende Kabine von Fritz. Dort begegnete ich auch den drei Reisenden wieder, die ich bereits am Hellulaug getroffen hatte. Island ist groß. Und gleichzeitig erstaunlich klein. Auch sie verschwanden nach kurzer Zeit wieder. Der Wind machte heute niemandem Geschenke.


Mein nächstes Ziel war Guðrúnarlaug. Ein rekonstruierter Hot Pot, eingebettet in ein Hotel- und Campinggelände. Doch schon beim Heranfahren sah ich genügend Menschen im Wasser sitzen. Und genau in diesem Moment wusste ich:

Heute nicht. Nicht jeder Hot Pot muss besucht werden. Ich genieße die heißen Quellen am liebsten dann, wenn ich die Landschaft hören kann. Nicht die Gespräche anderer Besucher. Also blieb die Tür von Fritz geschlossen und die Reise ging weiter.


In Búðardalur legte ich eine Versorgungspause ein. Die üblichen Dinge des Reisenden. Einkaufen. Vorräte auffüllen. Ein Besuch in der Vínbúðin und in der Krambudin. Dabei musste ich wieder schmunzeln. Viele Namen hier klingen für deutsche Ohren erstaunlich vertraut. Als würden irgendwo tief unter der isländischen Sprache noch immer alte germanische Wurzeln durchscheinen.


Danach wartete ein Ort, auf den ich mich besonders gefreut hatte. Das Langhaus von Erik der Rote. Und die Geschichten seines Sohnes Leif Eriksson. Hier begann ein Kapitel der nordischen Entdeckergeschichte.


Erik der Rote. Der Mann, der Grönland besiedelte. Und sein Sohn Leif. Leif der Glückliche. Der Seefahrer, der Jahrhunderte vor Kolumbus die Küsten Nordamerikas erreichte. Als ich dort stand, musste ich an meine eigene Reise denken. Natürlich sind meine Wege ungleich einfacher. Ich habe Straßen. Karten. Wetterberichte. Und Fritz. Doch der Wunsch, hinter den nächsten Horizont zu schauen, verbindet uns vielleicht bis heute.


Die alten Nordmänner vertrauten den Sternen. Den Göttern. Und ihrem Mut. Ich vertraue meiner Erfahrung. Der Straße. Und manchmal ebenfalls den Göttern.


Am Nachmittag verließ ich schließlich die Region und fuhr weiter Richtung Snæfellsnes.mnDie Landschaft wurde sanfter. Die Straßen breiter. Der Verkehr etwas dichter. Und doch fand ich am Abend genau das, wonach ich gesucht hatte. Einen kleinen Platz an einem Fjordarm. Eigentlich nur eine Rampe, um Boote ins Wasser zu lassen. Für mich jedoch ein perfekter Ort. Das Wasser lag ruhig vor mir. Die Berge spiegelten sich auf der Oberfläche. Der Wind hatte sich etwas beruhigt. Ich stellte Fritz ab. Öffnete die Tür. Und setzte mich einfach nach draußen. Keine Sehenswürdigkeit. Kein Programmpunkt. Kein Zeitplan. Nur der Fjord. Der Himmel. Und die Stille. 


Während die Abendsonne langsam tiefer sank, dachte ich an Erik und Leif. An all jene, die einst von diesen Küsten aufbrachen, ohne zu wissen, was hinter dem Horizont auf sie wartete. Vielleicht liegt genau darin die Magie des Reisens. Nicht alles zu wissen. Sondern neugierig genug zu sein, trotzdem loszufahren.


Und so endete ein weiterer Tag im Land aus Eis und Feuer. Mit Fritz am Fjord. Mit Dankbarkeit im Herzen. Und mit Vorfreude auf das, was hinter der nächsten Kurve wartet.

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Tag 18
13.06.2026 Zwischen Instagram und Island
Tag 19 Snaeffelsnesvegur 371 -> Snaeffelsnesvegur 351

Standort Morgens : FS Snaeffelsnesvegur 371   Tacho-Stand-Abends : 56.257 gef. Strecke : 139

Standort Abends.. :  FS Snaeffelsnesvegur 351    GPS : 64.9502991513557, -23.476034245267478

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37,8 km 39 Min.
Bootswrack
65.04838739162186, -22.553496145024507
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22,3 km 25 Min.
Súgandisey Island Light Beacon
65.08022209360216, -22.723386105531265
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33,9 km 37 Min.
Selvallafoss
64.94128599577084, -22.90874422548341
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20,6 km 19 Min.
Lava Rocks Formations
64.97263259612646, -22.938479358654547
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5,4 km 4 Min.
Búlandshöfði View Point
64.94579123476072, -23.491573174688934
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31,1 km 25 Min.
Snæfellsnesvegur 351
64.9503, -23.4761
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Short vom Fjord - Zwischen Instagram und Island

Heute war einer dieser Tage, die einem wieder zeigen, warum man unterwegs ist. Und warum man manchmal ganz bewusst andere Wege geht als die meisten.


Der Morgen begann auf der Gravelroad 54. Schotter. Staub. Konzentration. Nichts Dramatisches. Aber genau die Art von Straße, die Aufmerksamkeit verlangt. Kurve für Kurve arbeitete ich mich durch die Landschaft. Mein erster Halt war ein Aussichtspunkt auf ein altes Schiffswrack. Weit draußen. Klein in der Ferne. Vom Wind und vom Meer langsam zurückerobert. Ein stiller Zeuge vergangener Zeiten.


Als schließlich wieder Asphalt unter den Reifen erschien, fühlte sich das beinahe luxuriös an. Mein Weg führte mich weiter nach Stykkishólmur. Eine Stadt, die mich sofort an Helgoland erinnerte. Zumindest ein kleines bisschen. Der Hafen liegt geschützt zwischen den Inseln des Breiðafjörður. Über allem thront der kleine Leuchtturmhügel. Ich stieg aus und schlenderte durch den Hafen. Das Wasser war glasklar. So klar, dass ich bis auf den Grund blicken konnte. Und tatsächlich. Zwischen den Steinen lag ein Seestern. Mitten im Hafenbecken. Solche kleinen Begegnungen gefallen mir oft besser als die großen Sehenswürdigkeiten. Sie passieren einfach. Ohne Eintrittskarte. Ohne Hinweisschild. Ohne Instagram-Hotspot.


Anschließend ging es weiter zum Selvallafoss, dem Schafsfell-Wasserfall. Dort erwartete mich ein Anblick, der mich schmunzeln ließ. Ein junges Paar hatte beschlossen, im eiskalten Becken unter dem Wasserfall zu baden. Freiwillig. Bei geschätzten 1,4 Grad Wassertemperatur. Und völlig unbekleidet. Manche Menschen suchen die Erleuchtung. Andere die Kälte. Jeder hat seinen eigenen Weg. Ich selbst beließ es beim Fotografieren. Natürlich führte mich mein Weg auch hinter den Wasserfall. Ein Ort, an dem man das Element Wasser unmittelbar erlebt. Nicht als Beobachter. Sondern als Teil davon. Der Nebel. Das Donnern. Die Gischt. Doch irgendwo auf dem Weg nach oben zog ich mir eine Zerrung im Oberschenkel zu. Nichts Dramatisches. Aber deutlich genug, um mich daran zu erinnern, dass auch mein Körper irgendwann ein Wörtchen mitreden möchte.


Ich hoffe, dass sich das bis morgen wieder beruhigt. Denn Island hat noch viele Wasserfälle für mich vorbereitet. Später führte mich die Reise weiter durch das Gebiet der Berserkjahraun. Schwarze Lava. Zerrissene Felsen. Moos. Eine Landschaft, die wirkt, als hätte sich hier einst ein Kampf zwischen Riesen abgespielt. Und vielleicht erzählen die alten Sagas deshalb genau solche Geschichten.


Der eigentliche Erkenntnisteil des Tages begann jedoch erst später. Am Kirkjufell. Dem wohl meistfotografierten Berg Islands. Schon von weitem konnte ich die Menschen sehen. Sie rannten. Posierten. Fotografierten. Weiter zum nächsten Spot. Hier ein Selfie. Dort ein Drohnenvideo. Noch schnell ein Bild für Instagram. Und wieder weiter. Es erinnerte mich mehr an einen Flughafen als an einen Kraftort der Natur. Natürlich ist der Berg wunderschön. Keine Frage. Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass viele Menschen gar nicht mehr sehen, wo sie eigentlich sind. Sie sammeln Bilder. Keine Erinnerungen. Sie reisen von Haken zu Haken auf einer Liste. "Wir waren da." Doch waren sie wirklich dort? Haben sie den Wind gespürt? Das Wasser gehört? Die Erde unter den Füßen wahrgenommen? Ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich deshalb allein unterwegs. Weil ich Island nicht sammeln möchte. Ich möchte Island erleben.


Nicht weit entfernt fand ich schließlich meinen Platz für die Nacht. Eine Klippe. Ein Stück Küste. Kein Mensch. Nur Fritz und ich. Der Nordatlantik unter uns. Die Berge in der Ferne. Der Wind als ständiger Begleiter. Ein perfekter Ort. Solche Plätze werden im Süden der Insel selten. Das weiß ich. Umso mehr weiß ich sie jetzt zu schätzen.


Als die Sonne langsam tiefer sank, wurde mir bewusst, wie stimmig dieser Tag eigentlich gewesen war. 


Das Wasser begleitete mich den ganzen Tag. In den Fjorden. Im Hafen. Am Wasserfall. Am Meer.

Die Erde trug mich über Lavafelder und Küstenklippen.

Die Luft war klar und frisch wie nur in Island.

Und das Feuer zeigte sich in den uralten Lavafeldern, die noch immer von seiner Kraft erzählen.

Wieder waren alle vier Elemente an meiner Seite.


Und während viele Menschen heute ihr perfektes Foto vom Kirkjufell suchten, saß ich mit Fritz auf einer einsamen Klippe. Für mich war das das deutlich bessere Motiv.

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Tag 19
14.06.2026 Vor den Reisebussen
Tag 19 Kirkjufell -> Vatnsborg

Standort Morgens : FS Snaeffelsnesvegur 351   Tacho-Stand-Abends : 56.321 gef. Strecke : 64 km

Standort Abends.. :  FS Vatnsborg    GPS : 64.8725120830171, -24.00536753248824

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Snæfellsjökull-Nationalpark
Der Nationalpark Snæfellsjökull wurde 2001 gegründet und erstreckt sich auf etwa 170 km2 an der westlichsten Spitze der Halbinsel Snæfellsnes. Der Park ist nach dem wunderschön geformten und legendären Stratovulkan und Gletscher Snæfellsjökull benannt, der Krone des Nationalparks.Die Grenzen des Parks verlaufen von der vielfältigen Küste bis zur Spitze des Snæfellsjökull, der bis auf 1.446 m über dem Meeresspiegel aufragt. Der Snæfellsjökull ist eines der 32 aktiven Vulkansysteme Islands und brach zuletzt vor etwa 1.800 Jahren aus. Auf dem Gipfel des Snæfellsjökull befindet sich eine kleine Eiskappe. 

DIE INSPIRIERENDE KRAFT DES SNÆFELLSJÖKULL

Die Schönheit des Snæfellsjökull hat die Menschen schon immer spirituell beeinflusst, und der Berg war Inspiration für Schriftsteller, Maler und andere Künstler. Das bekannteste Werk ist wohl Jule Vernes Science-Fiction-Roman Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, den er unter dem Eindruck des Vulkans schrieb. Ob der Vulkan nun tatsächlich der Eingang zum Mittelpunkt der Erde ist, eines der sieben „Chakren“ der Erde, oder ob in ihm der Geist von Bárður aus der Saga von Bárður Snæfellsás wohnt – die Schönheit des Vulkans und seiner Umgebung lässt wohl niemanden unberührt.

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9,7 km 15 Min.
Kirkjufell Viewpoint
64.92238792967773, -23.284665038968804
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16,7 km 18 Min.
Wanderung zum Grundarfoss-Wasserfall
64.92288513191467, -23.22318114919703
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3,2 km 4 Min.
Bugsfoss
64.88639821846445, -23.644335206592018
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24,7 km 21 Min.
Bæjarfoss
64.89360086318709, -23.720465130458706
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5,4 km 8 Min.
Svöðufoss - 2 Stunden Wanderung
64.90012273893649, -23.810733794806108
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5,7 km 9 Min.
Murals of Hellissandur - Street Art
64.91872298427498, -23.885839961980892
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8,0 km 10 Min.
Skarðsvík Beach
64.88085801349041, -23.985643730607155
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6,5 km 7 Min.
Freistehen - Vatnsborg & Grasholshellir
64.8732, -24.0072
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Short vom Fjord - Vor den Reisebussen

Heute war wieder einer dieser herrlichen Sommertage auf Island. Blauer Himmel. Sonnenschein. Klare Sicht. Und deshalb klingelte der Wecker früh. Sehr früh. Ich hatte mir vorgenommen, dem Trubel zuvorzukommen.


Mein erstes Ziel war der Kirkjufellsfoss. Einer der meistfotografierten Orte Islands. Als ich ankam, war die Welt noch in Ordnung. Nur das Wasser rauschte. Der Wind strich über die Wiesen. Und der markante Kirkjufell erhob sich über der Landschaft. Keine Reisebusse. Keine Menschenmassen. Keine Selfie-Paraden. Genau so mag ich Island.


Ich genoss die Ruhe, machte meine Aufnahmen und hatte den Ort fast für mich allein. Kurz bevor der erste Bus eintraf, war ich bereits wieder unterwegs. Der frühe Vogel bekommt eben nicht nur den Wurm. Sondern manchmal auch ganz Island.


Danach wanderte ich zum Grundarfoss. Mein Oberschenkel meldete sich zwar noch gelegentlich zu Wort, hielt sich aber erfreulich zurück. Langsam. Vorsichtig. Ohne Eile. So erreichte ich den Wasserfall problemlos. Unterwegs sammelte ich etwas Schafswolle. Island schenkt einem die schönsten Souvenirs oft kostenlos. Kein Laden. Keine Kasse. Nur der Wind, der die Wolle über die Zäune trägt.


Im weiteren Verlauf des Tages wurden die Wasserfälle zunehmend bescheidener. Der Búðafoss zeigte sich noch recht eindrucksvoll. Doch beim Bæjarfoss war vom großen Auftritt nicht mehr viel übrig. Eher ein kleines Rinnsal als ein Wasserfall. Doch auch das gehört zu Island. Nicht jeder Ort muss spektakulär sein. Manche sind einfach Teil der Landschaft.


Später führte mich mein Weg zum Svöðufoss. Ein schöner Wanderweg brachte mich bis an den Fuß des Wasserfalls. Der Aufstieg darüber hinaus wäre zwar möglich gewesen. Doch heute entschied die Vernunft. Mein Oberschenkel hatte bereits genug Abenteuer erlebt. Also blieb ich unten. Die Drohne durfte stattdessen die letzten Meter übernehmen. Man muss nicht jeden Gipfel selbst erklimmen. Manchmal reicht es, ihn zu betrachten.


Anschließend erreichte ich Hellissandur. Das kleine Künstlerdorf überraschte mich. Überall bemalte Häuser. Große Wandbilder. Farben zwischen Lava, Meer und Bergen. Die Kunst wirkte nicht aufgesetzt. Sondern als natürlicher Teil des Ortes. Fast so, als hätten die Bewohner beschlossen, dem rauen Klima einfach etwas Farbe entgegenzusetzen. Und genau so war es auch. Als ich über den Küstenweg schlenderte sagte mir ein Rasenmähermann : "Go Ahead. It´s nice" Ich tat es und ja, es war schön. Informativ und Entspannend.


Mein letzter Programmpunkt führte mich schließlich zum Skarðsvík-Strand. Und wieder überraschte mich Island. Der Strand war anders als alles, was ich bisher gesehen hatte. Zwischen den schwarzen vulkanischen Körnern mischten sich helle, gelbliche Muschelreste. Dadurch entstand eine faszinierende Mischung aus Schwarz und Gold. Natürlich musste eine kleine Probe mit. Ein weiteres Stück Island für Zuhause.

Am Abend fuhr ich nur noch wenige Kilometer weiter.


Bei Vatnsborg fand ich einen wunderschönen Platz für die Nacht. Ruhig. Einsam. Mit Blick über die Küste. Fritz bekam seinen Platz. Und dann schenkte mir Island noch einen letzten Moment. Am späten Nachmittag erschien plötzlich ein Polarfuchs. Ganz ruhig. Ganz selbstverständlich. Er näherte sich vorsichtig dem Platz. Vielleicht hatte er etwas gerochen. Vielleicht war er einfach neugierig. Für einige Augenblicke beobachteten wir uns gegenseitig. Dann verschwand er wieder zwischen den Hügeln. So lautlos, wie er gekommen war.


Ein würdiger Abschluss für diesen Tag. Wieder waren die Elemente meine Begleiter. 


Das Wasser in den Wasserfällen.

Die Erde der Lavafelder und Küsten.

Die klare Luft über Snæfellsnes.

Und das Feuer, das diese Halbinsel einst erschaffen hat.


Und während die Abendsonne langsam über dem Atlantik versank, saßen Fritz und ich an unserem Platz. Allein. Still. Und genau dort, wo wir sein wollten.

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Tag 20
15.06.2026 Im Land der Trolle, Elfen und Riesen
15.06.2026

Standort Morgens : FS Vatnsborg   Tacho-Stand-Abends : 56.383 gef. Strecke : 62 km

Standort Abends.. :  FS Axlarholar GPS : 64.82153695154105, -23.440218456040423

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1,4 km 2 Min.
Mo., 15. Jun. 2026
Svörtuloft Leuchtturm
64.86370548035575, -24.038961607858077
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2,6 km 7 Min.
Saxhóll Crater - kleine Wanderung 1 Stunde (huz)
64.8512365796571, -23.92393645551429
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12,8 km 17 Min.
Hólahólar Krater - befahrbar -
64.78364053107306, -23.923284588442012
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10,0 km 8 Min.
Djúpalónssandur beach
64.75349529706422, -23.89516918903745
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5,6 km 6 Min.
Lóndrangar View Point
64.7359493667116, -23.77576577736475
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8,1 km 9 Min.
Arnarstapi - Klippenwanderung
64.7702334685837, -23.62133395865688
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8,7 km 8 Min.
Mo., 15. Jun. 2026 - Di., 16. Jun. 2026
Axlarhólar - Freistehplatz
64.82353784820991, -23.43819856530843
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Short vom Fjord - Im Land der Trolle, Elfen und Riesen

Heute zeigte sich Island von seiner schottischen Seite. Schon am Morgen hing ein feiner Nieselregen in der Luft. Kein richtiger Regen. Kein Sonnenschein. Einfach dieses ständige, feuchte Grau, das man stundenlang kaum bemerkt und das einen trotzdem langsam durchnässt.


Doch genau dieses Wetter passte perfekt zu dem, was mich heute erwartete. Die Halbinsel Snæfellsnes ist ein Land der Sagen. Ein Land der verborgenen Wesen. Und je länger ich unterwegs war, desto besser verstand ich warum.


Mein erster Halt führte mich zum Svörtuloft-Leuchtturm. Die Klippen fielen steil in den Nordatlantik ab. Die Brandung schlug gegen die Felsen. Der Wind trug den salzigen Geruch des Meeres bis hinauf zum Leuchtturm. Hier sammelten die Menschen früher Vogeleier von den Klippen. Hier wurden während der Brutzeit Vögel mit Netzen gefangen. Ein harter Lebensunterhalt. Wenn man heute auf die tosenden Wellen blickt, kann man nur erahnen, welchen Mut die Menschen damals aufbringen mussten.


Danach begann mein persönlicher Kratertag. Erster Halt: Saxhóll. Der Aufstieg auf den Kraterrand wurde gleichzeitig zum Belastungstest für meinen Oberschenkel. Die gute Nachricht: Fast alles wieder wie vorher. Jeder Schritt fühlte sich besser an. Oben angekommen blickte ich über die Lavafelder und die weite Landschaft von Snæfellsnes. Drohnenflüge waren dort nicht erlaubt. Also fuhr ich später ein Stück weiter und ließ meine Drohne aus respektvollem Abstand aufsteigen. Island findet immer einen Weg. Als ich den Parkplatz verließ, rollte gerade der erste Reisebus heran. Meine inzwischen vertraute chinesische Reisegruppe stieg aus. Wir sollten uns heute noch öfter begegnen.


Weiter ging es zum Krater Hólahólar. Dieses Mal fuhr ich sogar direkt in den Krater hinein. Der Nieselregen wurde inzwischen hartnäckiger. Die Tropfen sammelten sich auf der Drohne. Die Technik begann vorsichtig zu protestieren. Doch die Aufnahmen waren im Kasten.


Danach führte mich mein Weg nach Djúpalónssandur. Einem schwarzen Kieselstrand voller Geschichte. Schon der Weg dorthin wirkt wie der Eingang in eine andere Welt. Zerklüftete Lavaformationen. Dunkle Felsen. Moosbewachsene Steine. Alles wirkt, als hätte hier einst ein Troll seine Werkstatt gehabt. Früher arbeiteten hier jedes Frühjahr hunderte Fischer. Bis zu sechshundert Männer sollen in den Monaten April und Mai hier gelebt und gearbeitet haben. Jahr für Jahr. Generation für Generation. Die See gab. Die See nahm. Noch heute liegen die Überreste eines Schiffes am Strand. Verrostete Metallteile. Vom Atlantik gezeichnet. Sie erinnern daran, wie gefährlich das Leben an dieser Küste einst war.


Während ich entlang der Küste wanderte, wurde mir klar, warum die Isländer so viele Geschichten über Trolle, Elfen und verborgene Wesen erzählen. Diese Landschaft fordert solche Geschichten geradezu heraus. Zwischen Nebel, Lava und Meer scheint jederzeit etwas aus den Felsen hervortreten zu können. Und als ich zum Aussichtspunkt zurückkehrte, begegnete ich wieder meiner Reisegruppe vom Saxhóll. Offenbar hatten wir heute dieselbe Route gewählt.


Der nächste Halt war Lóndrangar. Die gewaltigen Basaltfelsen ragten wie Burgtürme aus dem Meer. Überall kreisten Möwen. Tausende. Ihre Hinterlassenschaften hatten die dunklen Felsen vielerorts weiß gefärbt. Die Luft war erfüllt von ihren Rufen. Und natürlich war auch meine Reisegruppe wieder vor Ort. Langsam begann ich zu glauben, wir würden gemeinsam Island umrunden.


In Arnarstapi angekommen, wartete bereits der nächste Bus. Und wieder dieselben Gesichter. Hier machte ich eine Küstenwanderung entlang der Klippen. Die Landschaft war wunderschön. Keine Frage. Doch ich bemerkte deutlich, dass ich dem Golden Circle und den touristischen Zentren immer näher komme. Mehr Busse. Mehr Menschen. Mehr Eile. Den Menschen kann man keinen Vorwurf machen. Sie wollen Island sehen.


Aber ich spürte heute wieder, warum ich die einsamen Fjorde und die abgelegenen Küsten so sehr liebe. Dort hört man die Natur. Hier hört man manchmal die Reisegruppen. Als ich schließlich genug Eindrücke gesammelt hatte, machte ich mich auf die Suche nach einem ruhigen Platz für die Nacht.


Und ich fand ihn. Am Axlarhólar. Allein. Ruhig. Mit Blick auf den mächtigen Snæfellsjökull. Während ich mein Abendessen zubereitete, begann das eigentliche Schauspiel des Tages. Die Wolken glitten um den Gletscher. Sie umarmten den Berg. Zogen über die Flanken. Und fielen wie Wasserfälle aus Nebel die Berghänge hinab auf die weiten Sandflächen darunter. Ich saß lange dort. Und beobachtete. Kein Foto. Kein Video. Kein Reisebus. Nur ich. Der Fritz. Der Gletscher. Und die Wolken. Am Ende des Tages blieb eine Erkenntnis. Island ist in allem groß. Die Berge sind groß. Die Wasserfälle sind groß. Die Fjorde sind groß. 


Und genauso groß sind die Geschichten.

Von Trollen.

Von Zwergen.

Von Elfen.

Von Feen.

Von Riesen.


Je länger ich durch dieses Land reise, desto besser verstehe ich die Menschen, die diese Geschichten erfunden haben. Denn wer durch solche Landschaften wandert, beginnt irgendwann zu glauben, dass hinter dem nächsten Felsen tatsächlich ein Troll wohnen könnte.

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Tag 21
16.06.2026 Die Erde heilt
Tag 21 FS Axlarholar - FS Landbrotalaug

Standort Morgens : FS Axlarholar  End-km-Stand : 56.475   gef. Strecke : 93

Standort Abends : FS Landbrotalaug GPS : 64.83304199555553, -22.31633566313197

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15,6 km 13 Min.
Rauðfeldsgjá Gorge
64.80030470975538, -23.642576450878547
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10,9 km 8 Min.
Bjarnafoss - kleine Wanderung
64.84736515628047, -23.400376731341545
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14,2 km 11 Min.
Ytri Tunga - Robbenbeobachtung
64.80391756691654, -23.081464420516646
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17,7 km 13 Min.
Ölkelduvatn Mineral Spring - Wasserflaschen auftanken
64.83597710042373, -22.977641653347344
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7,7 km 7 Min.
Rock formation - Gerðuberg Cliffs
64.85728360346478, -22.362618707700733
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33,9 km 25 Min.
Landbrotalaug Hot Springs
64.83319485840227, -22.316466131573936
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Short vom Fjord - Die Erde heilt

Heute war einer dieser Tage, an denen die Reise nicht von spektakulären Sehenswürdigkeiten bestimmt wurde. Sondern von der Verbindung zur Erde. Zu Fritz. Und zu mir selbst.


Der Morgen begann zunächst mit etwas, das auf jeder langen Reise irgendwann dazugehört. Reparaturen. Fritz hatte beschlossen, meine Aufmerksamkeit einzufordern. Ein Heißwasserschlauch der Wasserpumpe war geplatzt. Nichts Dramatisches. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigte mir schnell, wo ich suchen musste. Werkzeug heraus. Verkleidung öffnen. Schaden finden. Reparieren. Kurze Zeit später lief alles wieder wie gewohnt. Auch die vordere Dachluke verlangte nach Zuwendung. Die starken Winde der letzten Tage hatten eine Verankerung verklemmt. Auch dieses Problem ließ sich lösen. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, sein Fahrzeug zu kennen. Fritz ist längst mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Er ist Zuhause. Werkstatt. Schutzraum. Und treuer Begleiter zugleich.


Nach getaner Arbeit begann der eigentliche Reisetag. Mein erster Halt führte mich zu einer schmalen Felsspalte, tief eingeschnitten in die Erde. Zwischen moosbewachsenen Felsen floss ein kleiner Bach. Das Wasser verschwand zwischen den Steinen. Das Licht drang nur stellenweise in die Schlucht. Ein stiller Ort. Ein uralter Ort. Hier konnte man verstehen, warum die Isländer von verborgenen Wesen erzählen. Wenn irgendwo Trolle wohnen, dann an solchen Orten. Zwischen Moos. Stein.

Wasser. Und Stille.


Danach erreichte ich den kleinen Bjarnarfoss. Kein gewaltiger Wasserfall. Kein Naturwunder von gigantischen Ausmaßen. Aber genau das machte seinen Reiz aus. Ein kurzer Fotostopp. Ein kurzer Moment des Innehaltens.


Dann ging die Reise weiter. In Ytri-Tunga wollte ich anschließend Seehunde beobachten. Nun ja. Sagen wir es diplomatisch. Die Bilanz war überschaubar. 900 Kronen Parkgebühr. Ein einzelner Seehund in weiter Entfernung. Manchmal gewinnt die Natur. Und manchmal gewinnt die Parkuhr.


Die eigentliche Belohnung des Tages wartete ohnehin an anderer Stelle. Auf einem Bauernhof mit einer Mineralquelle. Dort sprudelte das Wasser direkt aus der Erde. Klar. Kalt. Mineralreich. Ich füllte mehrere Flaschen ab. Und während ich das Wasser trank, wurde mir bewusst, wie sehr mich diese Reise verändert hat. Früher hätte ich vielleicht einfach eine Sehenswürdigkeit fotografiert. Heute freue ich mich über Wasser. Über gutes Wasser. Über die Kraft der Erde. Besonders über das Magnesium, das mir in den letzten Tagen gutgetan hat. Es war, als würde die Erde selbst mir etwas zurückgeben.


Später begegnete ich erneut den Basaltsäulen dieser Insel. Millionen Jahre alte Lava. Geformt durch Feuer. Abgekühlt durch Zeit. Ich blieb lange dort stehen. Nicht um Fotos zu machen. Sondern um zu schauen. Die Linien. Die Formen. Die Ordnung in der scheinbaren Wildnis. Die Erde erzählt ihre Geschichte hier in Stein. Man muss nur bereit sein zuzuhören.


Am Nachmittag erreichte ich schließlich Landbrotalaug. Den kleinsten Hot Pot Islands. Platz für zwei Menschen. So zumindest die Legende. Der geheime Ort war allerdings längst nicht mehr geheim. Mehrere Besucher hatten dieselbe Idee. Meine Temperaturmesspistole zeigte gerade einmal 28 Grad. Für einen Hot Pot eindeutig zu wenig. Zumindest für meinen Geschmack. Also blieb ich draußen. Manchmal ist es wichtiger, einen Ort zu erleben, als ihn unbedingt zu benutzen.


Der Wind nahm im Laufe des Tages immer weiter zu. Böen fegten über die Landschaft. Wolken jagten über den Himmel. Und trotzdem blieb ich. Direkt gegenüber. Mit Blick auf die Lavafelder. Mit Blick auf den Vulkan, den ich morgen erwandern werde. Während ich am Abend vor Fritz saß, wurde mir bewusst, wie oft mich heute die Erde begleitet hatte.


In den Felsen. Im Moos. Im Mineralwasser. In den Basaltsäulen. Im Lavafeld. Die Erde trägt hier alles. Das Wasser fließt durch sie. Die Luft streicht über sie. Und das Feuer schläft tief in ihrem Inneren. Vielleicht ist genau das die größte Erkenntnis dieser Reise.


Dass Heilung nicht immer in Bewegung liegt. Nicht immer im Erreichen eines neuen Ziels. Manchmal liegt sie einfach darin, still zu werden. Die Erde unter den Füßen zu spüren. Und sich daran zu erinnern, dass auch wir Teil dieser Natur sind. Heute war ein Tag der Erdverbundenheit. Und die Erde hat mir gutgetan.

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Tag 22
17.06.2026 100 km : Thermalquellen, Wasserfälle & Abenteuer Gletschereishöhle
Tag 22 FS Landbrotalaug - CP Husafell Camping

Standort Morgens : FS Landbrotalaug  Tacho-Tagesend-Stand : 56.592   gef. Strecke : 117

Standort Abends : CP Husafell-Campground  GPS : 64.70171858722347, -20.87053522770216

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7,1 km 7 Min.
Eldborg Wanderung
64.77272428310653, -22.301255890532303
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9,8 km 9 Min.
The Settlement Center
64.53509422248922, -21.92469888268536
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38,9 km 32 Min.
Deildartunguhver - Heiße Quellen & Spa
64.66343139124369, -21.40946113082391
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36,8 km 31 Min.
Hraunfossar Waterfall & Barnafoss
64.70187792030886, -20.978328556882442
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24,2 km 34 Min.
Húsafell Camping
64.69954324622314, -20.868708953155988
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Short vom Fjord - Der Erde ganz nah Teil 1
Heute war ein besonderer Tag. Einer dieser Tage, die man nicht plant. Sondern geschenkt bekommt.

Bereits um drei Uhr morgens war die Nacht für mich vorbei. Zunächst war es der Wind. Er rüttelte am Fritz, als wolle er mich daran erinnern, dass Island niemals wirklich schläft. Dann kam die Sonne. Oder besser gesagt: Sie verschwand gar nicht erst richtig. Zu dieser Jahreszeit berührt sie nachts nur kurz den Horizont, bevor sie wieder aufsteigt. Heute war der Himmel wolkenlos. Das goldene Licht strömte durch die Fenster und tauchte den Innenraum von Fritz in warme Farben. Ein magischer Moment. Natürlich musste ich sofort zur Kamera greifen. Solche Augenblicke kann man nicht planen. Man kann sie nur erleben. Später am Morgen gratulierte ich meiner Tochter zum Geburtstag. Ein besonderer Moment. Auch wenn mich viele hundert Kilometer Meer und Landschaft von zuhause trennen. Danach gab es ein ausgiebiges Frühstück. Rührei. Kaffee. Und die Vorfreude auf einen neuen Tag.


Mein erstes Ziel war der Eldborg-Krater. Schon lange hatte ich mich auf diese Wanderung gefreut. Der Weg begann angenehm. Über grüne Wiesen. Vorbei an einigen Ziegen. Dann wechselte die Landschaft. Der Boden wurde dunkler. Lavagestein tauchte auf. Erst einzelne Brocken. Dann ganze Felder aus erstarrtem Feuer. Schließlich führte mich der Pfad durch einen fast mystisch wirkenden Hain. Moos. Büsche. Stille. Fast eine Stunde wanderte ich durch diese Landschaft, bis sich vor mir der Krater erhob. Und dort wartete eine angenehme Überraschung. Treppen. Die Isländer wissen offenbar, wie man Wanderern das Leben erleichtert. Die Stufen führten weit hinauf. Die letzten Meter mussten jedoch an Ketten überwunden werden. Doch auch das gelang problemlos. Mein Oberschenkel machte hervorragend mit. Nach den letzten Tagen war das vielleicht die schönste Erkenntnis überhaupt. Ich bin wieder voll einsatzfähig. Oben angekommen empfing mich der Wind. Kräftig. Klar. Unverfälscht. Und darunter lag Island. Der Atlantik glitzerte in der Ferne. Die Lavafelder zogen sich bis zum Horizont. Der Himmel spannte sich in tiefem Blau über die Landschaft. Unter meinen Füßen befand sich der Rand eines erloschenen Kraters. Etwa hundert Meter tief. Ich war nach 3,3 Kilometern auf 184 Meter aufgestiegen. Hier wurde mir wieder bewusst, wie lebendig diese Insel eigentlich ist. Die Erde schläft nicht. Sie atmet. Sie bewegt sich. Sie erschafft. Und für einen Moment stand ich genau dort, wo einst Feuer aus ihrem Inneren hervorbrach. Der Erde so nah wie selten zuvor. Nach dem Abstieg wartete Fritz bereits auf mich.


Ich sattelte meinen treuen Begleiter und machte mich auf den Weg nach Borgarnes. Dort besuchte ich das Settlement Center. Über einen Audioguide lauschte ich erneut den Geschichten der Landnahme Islands. Norwegische Wikinger. Schwedische Siedler. Dänische Einflüsse. Geschichten, die ich bereits kannte. Und dennoch höre ich sie immer wieder gerne. Vielleicht weil Island ohne seine Sagas und seine Geschichte nur halb so faszinierend wäre. Vielleicht auch, weil ich mich auf dieser Reise immer wieder selbst auf den Spuren dieser frühen Entdecker wiederfinde. Natürlich wurden in Borgarnes auch die Vorräte aufgefüllt. Und ja. Ein wenig Süßes musste ebenfalls mit. Man soll schließlich nicht nur von Geschichten leben.


Danach führte mich mein Weg zum größten Geothermalgebiet Europas. Deildartunguhver. Schon von weitem stiegen Dampfwolken auf. Die Erde brodelte. Fauchte. Atmete. Überall drängte heißes Wasser aus ihrem Inneren an die Oberfläche. Hier wird die Kraft der Erde direkt genutzt.

Das heiße Wasser versorgt ganze Ortschaften mit Wärme. Unter anderem Borgarnes. Während ich den Dampf beobachtete, wurde mir bewusst, wie selbstverständlich die Isländer mit den Kräften ihrer Insel leben. Was andernorts als Naturgewalt gilt, ist hier Teil des Alltags.


Auf meinem weiteren Weg begegnete ich auch Snorralaug. Dem Bad von Snorri Sturluson. Dem großen Geschichtsschreiber Islands. Seine Geschichten begleiten die Insel bis heute. Und viele davon erinnern mich an die Sagen, die ich bereits in Norwegen kennengelernt habe. 


Am Nachmittag warteten schließlich zwei weitere Naturwunder. Hraunfossar. Und Barnafoss. Wasserfälle. Und doch ganz anders als alle anderen. Hier stürzt das Wasser nicht von einer Klippe. Es tritt direkt aus dem Lavafeld hervor. Aus dem Gestein. Aus der Erde. Als würde die Insel selbst Wasser hervorbringen. Ein faszinierender Anblick. Und wieder ein Ort, an dem sich die Elemente begegnen.


Das Wasser.

Die Erde.

Das Feuer vergangener Vulkanausbrüche.

Und die Luft, die den feinen Nebel davonträgt.


Am Abend erreichte ich schließlich Húsafell. Ausnahmsweise keinen Freistehplatz. Sondern einen Campingplatz. Denn morgen wartet etwas ganz Besonderes. Ich werde in das Innere eines Gletschers hinabsteigen. Und später in das Innere der Erde. Eine Eishöhle. Eine Lavahöhle. Zwei Welten. Zwei Gegensätze. Eis und Feuer. Genau das, was Island ausmacht. Und während ich heute Abend vor Fritz sitze, wird mir klar: 


Diese Reise führt mich nicht nur über Straßen. Nicht nur durch Landschaften. Sie führt mich durch die Elemente selbst. Morgen werde ich das Eis betreten. Und anschließend die Welt des Feuers. Ich freue mich darauf.

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Tag 23
18.06.2026 Eishöle & Lavahöhle
6,4 km 10 Min.
Abenteuer Gletschereishöhle 10-14 Uhr
64.69930334182241, -20.868097690944975
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Into the Glacier – Im Herzen des Eises

Heute durfte ich eines der außergewöhnlichsten Abenteuer meiner Islandreise erleben.


Schon die Anfahrt fühlte sich an wie eine Reise in eine andere Welt. Mit einem speziell umgebauten 4x4-Bus ging es hinaus in die karge Hochlandlandschaft des Langjökull. Die Umgebung wirkte beinahe außerirdisch. Schwarze Vulkanasche. Graue Ebenen. Schnee und Eis in der Ferne. Wie eine Mischung aus Island und dem Mond.


Während sich der Bus langsam den Bergen entgegenarbeitete, wirbelten die Reifen feine Aschewolken auf. Nach etwa vierzig Minuten erreichten wir das Basislager Klaki. 

Langjökull Klaki Basecamp. Ein Ort, der eindrucksvoll zeigt, wie lebendig Island ist. Noch in den 1960er Jahren reichte die Gletscherzunge des Langjökull bis hierher. Heute liegt das Eis weit entfernt. Ein stilles Zeugnis dafür, wie sich die Natur ständig verändert. Von dort wechselten wir das Fahrzeug. Nun wartete ein umgebauter MAN-LKW auf uns. Ein gewaltiges Gefährt mit riesigen Reifen. Am Fuß des Gletschers ließ der Fahrer sogar Luft aus den Reifen ab, um genügend Auflagefläche für die Fahrt über Schnee und Eis zu erhalten. Langsam arbeiteten wir uns immer höher hinauf. Die Landschaft wurde weißer. Rauer. Stiller. Bis schließlich vor uns der Eingang erschien. Eine Öffnung im ewigen Eis. Ein Tor in das Innere des Gletschers. Vor vielen Jahren wurde hier ein fast einen Kilometer langer Tunnel - eine Röhre in den Langjökull gebohrt. Ursprünglich diente er wissenschaftlichen Untersuchungen. Heute erlaubt er Besuchern etwas, das nur an wenigen Orten der Welt möglich ist: Einen Gletscher von innen zu erleben. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung und dem Anlegen von Steigeisen begann der eigentliche Weg. Schritt für Schritt führte uns der Tunnel tiefer in das Herz des Eises. Natürlich hörte ich aufmerksam den Erklärungen unseres Guides zu. Über das Wachstum des Gletschers. Über das Schmelzen. Über die Bewegung des Eises. Doch immer wieder zog mich etwas anderes an. Das Eis selbst. Ich musste es berühren. Es fühlte sich ganz anders an, als ich erwartet hatte. Nicht wie ein Eiswürfel aus dem Gefrierfach.

Nicht wie Schnee. Sondern lebendig. Glasklar. Von einem feinen Wasserfilm überzogen. Als würde die Erde hier ihr eigenes Kristall erschaffen. Es war faszinierend zu erfahren, dass der Gletscher gleichzeitig wächst und schmilzt. Während sich oben neue Schneeschichten bilden, fließen im Inneren bereits Bäche und Flüsse. Es entstehen Hohlräume. Kammern. Sogar Wasserfälle. Ein Teil des ursprünglichen Tunnels musste deshalb bereits aufgegeben werden. Das Eis verändert sich ständig. Nichts bleibt dauerhaft gleich. Selbst die Tunnelröhre erzählt davon. Einst verlief sie schnurgerade. Heute führt sie bergauf und bergab. Durch Kurven und leichte Verwerfungen. Der Gletscher bewegt sich unaufhörlich. Langsam. Aber unaufhaltsam.


Während wir durch das blaue Licht des Eises gingen, verlor ich irgendwann das Gefühl für die Zeit. Ich blieb stehen. Legte meine Hand auf die eisige Wand. Spürte die Jahrhunderte unter meinen Fingern. Schnee vergangener Winter. Zusammengedrückt zu Eis. Schicht über Schicht. Jahr für Jahr. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie klein wir Menschen eigentlich sind.


Der Langjökull existierte lange vor uns.

Und wird vielleicht noch lange nach uns existieren. Fast hätte ich dort unten die Zeit vergessen. Vielleicht, weil die Welt aus Eis anders funktioniert. Langsamer. Stiller. Ehrlicher.


Heute stand ich nicht auf einem Gletscher. Heute stand ich in seinem Inneren. Und wieder durfte ich erleben, wie eng auf Island die Elemente miteinander verbunden sind.


Das Eis speichert das Wasser.

Die Erde trägt den Gletscher.

Der Wind formt seine Oberfläche.

Und tief unter allem schläft noch immer das Feuer, das diese Insel einst erschaffen hat.

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0,2 km
Viðgelmir - Lavahöhle 15-17 Uhr
64.75336754587363, -20.802180833811136
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Víðgelmir – Im Inneren des Feuers

Nachdem ich am Vormittag das Herz des Eises betreten hatte, führte mich mein Weg am Nachmittag in das genaue Gegenteil.


Vom Inneren des Gletschers. Zum Inneren eines Vulkans. Island zeigte mir heute wieder seine beiden Gesichter.

Eis und Feuer. Am Eingang der Lavahöhle Víðgelmir begrüßte uns ein irischer Guide. Sein Englisch war mindestens so lebhaft wie die irischen Küstenwinde. Er sprach schnell. Sehr schnell. Manchmal musste ich mich mehr auf die Höhle konzentrieren als auf seine Erklärungen. Doch das machte nichts. Denn dieser Ort sprach ohnehin seine eigene Sprache.


Schon nach den ersten Metern wurde mir bewusst, welche gewaltigen Kräfte hier einst gewirkt haben mussten. Vor etwa eintausend Jahren floss an dieser Stelle glühende Lava durch das heutige Hallmundarhraun. Tag für Tag. Monat für Monat. Vielleicht sogar mehrere Jahre lang. Der Lavastrom schuf einen gewaltigen Tunnel. Einen unterirdischen Fluss aus Feuer. Heute wandert man auf Holzstegen durch diese längst erkaltete Welt. Die Haupthalle wirkte beinahe wie eine Kathedrale. Groß. Weit. Dunkel. Die Wände erzählten noch immer von ihrer feurigen Entstehung. An manchen Stellen sah die erstarrte Lava aus wie geschmolzene Schokolade, die langsam an einer Wand hinuntergelaufen war. Anderswo bildeten sich bizarre Formen und Wellen. Als hätte die Lava im Moment ihrer Erstarrung die Bewegung konserviert.


Besonders faszinierend waren die Eiszapfen im Inneren der Höhle. Stalaktiten und Stalagmiten aus Eis. Ein Anblick, den man tief im Bauch eines alten Lavastroms nicht unbedingt erwartet. Wieder begegneten sich die Gegensätze Islands. Das Feuer hatte die Höhle erschaffen. Das Eis schmückte sie. Je weiter wir in die Dunkelheit vordrangen, desto stärker spürte ich die Energie dieses Ortes. Hier war einst flüssiges Gestein hindurchgeflossen. Mit Temperaturen von weit über tausend Grad.


Heute herrschten Ruhe und Kühle. Und doch konnte man die gewaltige Kraft noch immer erahnen. Besonders beeindruckte mich die Vorstellung, dass dieses Lavafeld nach dem Troll Hallmundur benannt wurde. Einem Wesen aus der Grettis Saga. Der Legende nach lebte Hallmundur in diesen Bergen und bot dem Helden Grettir einst Schutz und Unterkunft.


Während ich durch die Höhle wanderte, musste ich schmunzeln. Denn wenn irgendwo ein Troll gelebt haben könnte, dann genau hier. In einer riesigen unterirdischen Halle aus schwarzem Lavagestein. Versteckt vor Wind und Wetter. Tief im Inneren der Erde. Die Isländer haben ihre Sagen nicht erfunden, weil sie fantasievoll waren. Sie haben sie erfunden, weil diese Landschaft danach verlangt.


Je länger man durch Island reist, desto leichter fällt es, an Trolle, Elfen und verborgene Wesen zu glauben. Am Ende der Tour trat ich wieder hinaus ans Tageslicht. Und mir wurde bewusst, wie außergewöhnlich dieser Tag gewesen war. Am Vormittag stand ich im Inneren eines Gletschers. Am Nachmittag im Inneren eines Lavastroms. 


Während ich durch das Innere eines Gletschers und einer Lavahöhle wanderte, schlief das Feuer Islands nicht. Tief unter der Reykjanes-Halbinsel sammelt sich weiterhin Magma. Der letzte Ausbruch an der Sundhnúkur-Kraterreihe endete erst im August 2025. Die Erde ruht hier niemals wirklich – sie wartet nur auf ihren nächsten Atemzug.


Eis und Feuer. Die beiden Kräfte, die Island erschaffen haben. Heute durfte ich beide Welten betreten. Und wieder wurde mir klar, warum ich diese Reise so liebe. Weil sie mich nicht nur durch Landschaften führt. Sondern mitten hinein in die Elemente selbst.

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11,1 km 20 Min.
Húsafell Camping
Hálsasveit, 311, Borgarnes, Island
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Tag 24
19.06.2026 Geysirtag
Di., 30. Nov. -0001
Tag 24 CP Husafell - CP Geysir

Standort Morgens : FS CP Husafell-Campground  Tacho-Tagesend-Stand : 56.782   gef. Strecke : 190

Standort Abends : CP Geysir  GPS : 64.3090037015482, -20.303927720680512

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11,1 km 20 Min.
Camping Geysir
64.30943881977412, -20.304960432991678
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Short vom Fjord - Der Weg ist das Ziel

Der heutige „Short vom Fjord“ handelt weniger von Sehenswürdigkeiten. Er handelt von einer Erkenntnis. Von einer Erkenntnis, die man auf Roadtrips immer wieder macht.


Pläne sind wichtig. Aber Freiheit ist wichtiger. Eigentlich hatte ich für heute etwas ganz anderes vorgesehen. Mein Ziel war Þingvellir. Das historische Alþing. Der Ort, an dem die alten Wikinger ihre Gesetze sprachen und Island seine politische Seele fand. Doch Island hatte andere Pläne. Bald ist Sonnenwende. Und wie so oft feiern die Isländer ihre Feste mit Leidenschaft. In der Region rund um Reykjavík herrscht bereits reger Betrieb. Die drei großen Campingplätze bei Þingvellir wurden für ein Festival reserviert und geschlossen.


Manche Reisende hätten sich wahrscheinlich geärgert. Ich nicht. Genau deshalb reise ich mit Fritz. Keine Hotelbuchungen. Keine festen Zeitfenster. Keine Verpflichtungen. Wenn sich ein Weg schließt, nimmt man eben einen anderen. Also wurde kurzerhand umgeplant. Die Sehenswürdigkeiten rund um den Geysir ziehe ich vor. Þingvellir wandert einfach zwei Tage nach hinten. So einfach kann Reisen sein.


Am Nachmittag erreichte ich den Campingplatz am Geysir. Ein idealer Platz. Der Strokkur liegt praktisch vor der Haustür. Oder besser gesagt: Vor der Schiebetür von Fritz. Keine langen Anfahrten. Keine Parkplatzsuche. Einfach aussteigen und loslaufen. Natürlich musste die Drohne bereits einmal in die Luft. Von oben konnte ich beobachten, wie der Strokkur seine Wasserfontäne in den Himmel schleuderte. Doch die eigentliche Begegnung habe ich mir für morgen aufgehoben. Wenn die meisten Menschen noch schlafen. Mein Plan steht bereits fest. Um drei Uhr morgens werde ich aufstehen. Dann, wenn die Sonne nur knapp über dem Horizont schwebt. Wenn die Luft still ist. Wenn die Reisebusse noch auf ihren Parkplätzen stehen. Dann möchte ich den Strokkur erleben. Nicht als Sehenswürdigkeit. Sondern als Naturereignis. Danach gibt es Frühstück. Und anschließend geht die Reise weiter zum Gullfoss. Auch dort hoffe ich, den Menschenmassen zuvorzukommen. 


So endet dieser Tag ohne große Abenteuer. Ohne Wanderung. Ohne Wasserfall. Ohne Vulkan. Und doch war er wichtig. Denn heute erinnerte mich Island wieder daran, dass die schönsten Reisen nicht nach einem festen Plan verlaufen. Sie verlaufen entlang der Möglichkeiten. Man folgt nicht einer Route. Man folgt dem Augenblick. Und genau deshalb liebe ich diese Art des Reisens. Fritz steht bereit. Der Wecker ist gestellt.


Und während die meisten Festivalbesucher noch feiern werden, werde ich morgen schon wieder unterwegs sein. Dem Sonnenaufgang entgegen. Dem Wasser entgegen. Und den nächsten Geschichten, die nur Island schreiben kann.

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159,7 km 2 Std. 30 Min.
Großer Geysir + Strokkur
64.30933692241796, -20.30340334327286
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Tag 25
20.06.2026 Fosstag
Sa., 20. Jun. 2026 - So., 21. Jun. 2026
Tag 25 CP Geysir - FS Gamli vegurinn yfir Lyngdalsheiði

Standort Morgens : CP Geysir-Campground  Tacho-Tagesend-Stand : 56.883   gef. Strecke : 101

Standort Abends : FS Gamli vegurinn yfir Lyngdalsheiði  GPS : 64.3090037015482, -20.303927720680512

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0,1 km
Sa., 20. Jun. 2026
Gullfoss, der Goldene Wasserfall
64.32531300354005, -20.129930219915206
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9,9 km 12 Min.
Faxafoss
64.22614400736778, -20.338792406632702
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21,0 km 21 Min.
Brúarfoss
64.2625188337312, -20.52111871407992
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15,5 km 24 Min.
Sa., 20. Jun. 2026 - So., 21. Jun. 2026
Gamli vegurinn yfir Lyngdalsheiði
64.21130339661897, -20.773782824491946
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Short vom Fjord - Die Kraft des Wassers
Heute gehörte der Tag dem Wasser. Und deshalb klingelte mein Wecker zu einer Zeit, in der die meisten Menschen noch tief schlafen. Drei Uhr morgens. Genau die richtige Uhrzeit, um Island wieder einmal ganz für mich allein zu haben. 
Mein Ziel war der Strokkur. Tagsüber einer der meistbesuchten Orte Islands. Jetzt jedoch herrschte vollkommene Ruhe. Kein Reisebus. Keine Menschenschlange. Keine Selfie-Sticks. Nur ich. Die Erde. Und die Geothermie. Zuerst ließ ich die Drohne aufsteigen. Von oben konnte ich beobachten, wie die Erde ihren Atem anhielt. Wie sich die Wassersäule aufwölbte. Wie sie mit gewaltiger Kraft aus dem Inneren der Erde hervorbrach. Anschließend stellte ich mich selbst an den Rand des Geysirs. Lange blieb ich dort. Spürte die Wärme unter meinen Füßen. Roch den Schwefel. Beobachtete das Wasser. Hier wird einem bewusst, dass Island lebt. Die Erde schläft nicht. Sie arbeitet. Ununterbrochen. Tag und Nacht. 
Danach fuhr ich weiter zum Gullfoss. Einem weiteren Ort, der tagsüber von Menschenmassen besucht wird. Auch hier war ich fast allein. Doch die Natur zeigte sich heute rau. Der Wind peitschte über die Schlucht. Die Gischt des Wasserfalls traf mich wie feiner Regen. Viele Besucher interessieren sich für Höhe, Wassermenge oder geologische Fakten. Mich faszinierte etwas anderes. Die Atmosphäre. Die kalte Gischt im Gesicht. Der tosende Klang des Wassers. Der kräftige Aufwind. Die frischen acht Grad am frühen Morgen. Hier stand ich nicht vor einem Wasserfall. Ich stand mitten in seiner Kraft. Und genau das macht den Unterschied.
Später führte mich ein Zufall zum Faxi. Ein Wasserfall, der ursprünglich gar nicht auf meiner Liste stand. Doch genau solche Orte gehören oft zu den schönsten Begegnungen einer Reise. Ich ließ die Drohne steigen und wanderte bis ans Wasser. Der Fluss stürzte breit über die Felskante. Die Fischtreppe daneben erinnerte daran, dass die Natur hier nicht nur kraftvoll, sondern auch voller Leben ist. Und dann erschien plötzlich ein Regenbogen. Ein echter. Geschaffen aus Sonne, Wasser und Luft. Einer dieser Momente, die man nicht planen kann.
Nach einem ausgiebigen Frühstück wartete schließlich die längste Aktivität des Tages. Der Wanderweg entlang der Brúará zum Brúarfoss. Sieben Kilometer. Mehrere Wasserfälle. Und ein Fluss, der mich vom ersten Moment an begeisterte. Zu Beginn floss er noch ruhig durch die Landschaft. Breit. Gelassen. Fast unscheinbar. Doch je weiter ich wanderte, desto wilder wurde er. Die Ufer rückten näher zusammen. Die Strömung nahm zu. Die Farben wurden intensiver. Und dann erschien dieses unglaubliche Blau. Türkis. Milchig. Leuchtend. Fast unwirklich. Ich musste schmunzeln. Seit diesem Moment trägt die Brúará bei mir einen neuen Namen. Der Odol-Fluss. Denn genau daran erinnerte mich dieses Wasser.Die Wanderung selbst war angenehm. Mal über Wurzeln. Mal über Steine. Mal über große Felsbrocken. Nur einmal meldete sich mein rechter Oberschenkel kurz zurück. Beim Überspringen eines kleinen Baches. Eine freundliche Erinnerung daran, dass auch Heilung ihre Zeit braucht.
Als ich schließlich den Brúarfoss erreichte, waren bereits viele Besucher dort. Sie kamen vom nahen Parkplatz. Machten ihre Fotos. Und verschwanden wieder. Ich dagegen hatte den Fluss erlebt. Seinen Weg. Seine Veränderung. Seine Farben. Und genau das war für mich das eigentliche Erlebnis. Nicht der Zielpunkt. Sondern der Weg dorthin.
Vielleicht ist das auf dieser Reise ohnehin die wichtigste Erkenntnis. Die schönsten Orte sind oft nicht die Sehenswürdigkeiten. Sondern die Momente zwischen ihnen. Am Nachmittag versuchte ich noch einen Platz in der Region Þingvellir zu finden. Vergeblich. Zu viele Menschen.

Zu viele Fahrzeuge. Zu viele Feierlichkeiten rund um die Sonnenwende. Also tat ich das, was auf Roadtrips oft die beste Lösung ist. Ich änderte meinen Plan. Und genau das wurde belohnt. Schließlich fand ich einen Platz bei Lyngdalsheiði.

Allein auf einem Hügel. Mit weitem Blick über die Landschaft. Draußen herrschte allerdings Fliegenalarm. Keine Stechmücken. Aber nervig genug. Also zog ich mich in Fritz zurück. Durch das Fliegengitter strömte die kühle Abendluft herein. Etwa siebzehn Grad.

Ein leichter Wind. Perfekt. Während die Sonne langsam über Island kreiste und die Nacht wieder nur streifte, ließ ich den Tag Revue passieren.


Heute war ein Tag des Wassers. 

Der Strokkur zeigte mir die Kraft der Erde.

Der Gullfoss die Kraft der Natur.

Der Faxi die Schönheit des Augenblicks.

Und die Brúará die Magie des Weges.


Dazu die Erde unter meinen Füßen.

Die Luft über den Hochebenen.

Und das Feuer tief im Inneren der Insel. Wieder waren alle Elemente an meiner Seite.


Und während Fritz leise im Wind stand, wurde mir bewusst: Ich bin genau dort, wo ich sein möchte.

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Tag 26
21.06.2026 Althing - Auf den Spuren der Wikingere Almannagja wandern
Tag 26 FS Gamli - CP Phingvellir

Standort Morgens : FS Gamli vegurinn yfir Lyngdalsheiði Tacho-Tagesend-Stand : 56.912   gef. Strecke : 29 km

Standort Abends :   CP Pingvellir GPS : 64.27726026539992, -21.09308513345964

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ÞINGVELLIR-NATIONALPARK: DAS KRONJUWEL ISLANDS

Der Ort Þingvellir gilt aufgrund seiner großen historischen und geologischen Bedeutung als Nationalheiligtum Islands. Der Name Þingvellir bedeutet wörtlich übersetzt „Ebene der Volksversammlung“ und der Ort symbolisiert die Geschichte Islands. Das Alþingi, das isländische Parlament, wurde im Jahr 930 hier gegründet und ist damit das älteste noch bestehende Parlament der Welt. Das Parlament tagte 868 Jahre lang bzw. bis 1798 an den Ufern des Flusses Öxará. Viele bedeutsame Ereignisse in der Geschichte Islands haben folglich hier stattgefunden und die Isländer betrachten den Ort als die Wiege ihres Landes. Die magische Landschaft von Þingvellir ist in der einzigartigen geographischen Umgebung eines tektonischen Grabens zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Kontinentalplatte entstanden. Die Lavafelder von Þingvellir werden von tektonischen Kräften auseinandergerissen. Dadurch entstehen außergewöhnliche Spalten und Schluchten. Almannagjá oder die Allmännerschlucht, die beeindruckendste von ihnen, ist das Highlight des Nationalparks.

Ein Wanderweg führt durch die gewaltige Schlucht zum Lögberg, dem „Gesetzesfelsen“, und zum Fluss Öxará, der von eindrucksvollen Basaltfelsen eingerahmt wird.

Der tektonische Graben ist zum Teil mit Grundwasser gefüllt und speist Islands größten natürlichen See, den Þingvallavatn. Der See ist Heimat eines einzigartigen Ökosystems, in dem sich seit dem Ende der letzten Eiszeit vier verschiedene Arten des Seesaiblings entwickelt haben.

Auf seinem Weg zu diesem See fließt der wunderschöne Quellfluss Öxará teilweise durch die Almannagjá-Schlucht und ergießt sich am Eingang in einem atemberaubenden Wasserfall. Einige Spalten sind zum Teil mit Grundwasser gefüllt und das kristallklare Wasser gibt Tauchern in Silfra das Gefühl, in der Luft zu schweben. Dieses einzigartige Erlebnis hat der Silfra-Spalte einen Platz unter den 10 besten Tauchplätzen der Welt eingebracht.

Þingvellir ist eine der Hauptattraktionen des Golden-Circle-Tagesausflugs und liegt 40 Autominuten von Reykjavík entfernt. Im Nationalpark gibt es verschiedene Wanderwege und man kann angeln, reiten und in der Silfra-Spalte tauchen.

Das Besucher- und Servicezentrum bietet ein Café mit Souvenirladen und eine Ausstellung zur Geschichte und Natur des Parks namens „Heart of Iceland“. Der Nationalpark selbst ist rund um die Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei. Eine Gebühr wird jedoch fürs Parken und den Besuch der Ausstellung erhoben.


Wenn du auf dem Campingplatz Leirar in Þingvellir stehst (wo die meisten Camper stehen), dann bist du bereits direkt beim Servicezentrum des Nationalparks.

Für den Weg zum eigentlichen Besucherzentrum Hakið und zum historischen Althing-Gelände solltest du rechnen mit:

  • ca. 2–2,5 km einfacher Weg
  • 25–35 Minuten zu Fuß
  • gut ausgebauter Wanderweg entlang der Almannagjá-Spalte

Meine Empfehlung für morgen

🚐 Fritz auf dem Campingplatz stehen lassen.

Dann zu Fuß:

  1. Campingplatz Leirar
  2. Besucherzentrum Hakið
  3. Almannagjá-Spalte
  4. Lögberg (Gesetzesfelsen)
  5. Öxarárfoss
  6. Rückweg über die Spalte oder entlang des Flusses

Als Rundweg kommst du auf etwa 5–7 km, je nachdem wie viele Abstecher du machst. Das ist für deinen inzwischen wieder fitten Oberschenkel gut machbar.

Für dein Reisetagebuch wird besonders der Abschnitt durch die Almannagjá beeindruckend sein: Du wanderst dort buchstäblich zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte hindurch. Gleichzeitig gehst du auf den Wegen, auf denen vor über 1000 Jahren die Wikinger zum Alþingi zogen.

Das ist einer der wenigen Orte in Island, an dem sich deine drei Lieblingsthemen gleichzeitig treffen:

  • die Kraft der Erde,
  • die Geschichte der Wikinger,
  • und die Sagen der alten Götter
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18,5 km 29 Min.
Camping Thingvellir
64.27684871015704, -21.09240317294405
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26,2 km 21 Min.
Dead Man Walk
64.27084891257365, -21.110154030391524
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1,9 km 2 Min.
Öxarárfoss
64.26581035602507, -21.117859339837093
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3,3 km 5 Min.
Lögberg
64.25975087905776, -21.12237297959277
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0,3 km
Þingvallakirkja
64.25583811711078, -21.123708397774124
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Short vom Fjord - Auf den Spuren der Wikinger

Heute stand die Geschichte im Mittelpunkt. Nach einer ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Schlaf machte ich mich auf den Weg nach Þingvellir.


Der Campingplatz war gerade erst wieder geöffnet worden. Gestern hatte hier noch ein großes Festival stattgefunden. Wo heute Camper stehen, parkten gestern noch die Fahrzeuge der Besucher. Ich war einer der ersten, die nach der Freigabe ankamen. Kaum hatte ich Fritz abgestellt, zog es mich hinaus. Ich wusste, dass dieser Ort nicht lange ruhig bleiben würde.


Þingvellir gehört zu den bekanntesten Orten Islands. Und wo Geschichte, Natur und Reiseführer zusammenkommen, sind die Menschenmassen meist nicht weit. Also schnürte ich meine Wanderschuhe und machte mich auf den Weg. Schon nach wenigen Metern begann die Reise in die Vergangenheit.


Die Almannagjá, die Allmännerschlucht, öffnete sich vor mir. Eine gewaltige Narbe in der Erde. Entstanden durch die Kräfte zweier Kontinente, die sich seit Jahrmillionen voneinander entfernen. Doch während Geologen hier die Geschichte unseres Planeten lesen, hörte ich die Geschichten der Wikinger. Vor meinem inneren Auge zogen Männer und Frauen durch diese Schlucht. Reiter. Häuptlinge. Bauern. Gesetzessprecher. Jahr für Jahr kamen sie hierher. Nicht für Krieg. Nicht für Eroberungen. Sondern um Recht zu sprechen. Gesetze zu beschließen. Streitigkeiten zu schlichten. Hier entstand das Alþing.


Eines der ältesten Parlamente der Welt. Während ich den Pfad entlangwanderte, fühlte ich mich für einen Moment wie auf den Wegen der alten Nordmänner. Der Weg führte weiter über den Fluss Öxará. Eine unscheinbare Brücke. Doch unter ihr verbirgt sich eine düstere Geschichte. Dort liegt der sogenannte Ertränkungsteich. Über viele Jahrhunderte wurden hier zum Tode verurteilte Frauen hingerichtet. Ein Ort, der zeigt, dass Geschichte nicht nur aus Heldentaten und großen Geschichten besteht. Sondern auch aus Schatten. Ich blieb einen Moment stehen. Nicht lange. Aber lange genug, um darüber nachzudenken.


Anschließend führte mich mein Weg weiter zum Lögberg. Dem Gesetzesfelsen. Hier stand einst der Gesetzessprecher. Hier wurden die Gesetze vorgetragen. Hier lauschten die Menschen den Entscheidungen des Alþings. Und genau hier wurde am 17. Juni 1944 die Unabhängigkeit Islands ausgerufen. Von diesem Felsen aus wurde die Proklamation der Republik Island verlesen. Ein Ort, an dem über tausend Jahre Geschichte zusammenlaufen.


Später erreichte ich die Aussichtsplattform über der Ebene. Von dort konnte ich die gesamte Landschaft überblicken. Die Schlucht. Den Fluss. Die Ebenen. Die Versammlungsplätze. In Gedanken versuchte ich mir vorzustellen, wie es hier vor über tausend Jahren ausgesehen haben musste. Keine Straßen. Keine Reisebusse. Keine Besucherzentren. Nur Zelte. Pferde. Lagerfeuer. Und Menschen. Menschen, die versuchten, eine Gesellschaft aufzubauen am Rand der bekannten Welt.


Wie so oft stand auch hier eine Kirche. Ein vertrauter Anblick. Die Christen errichteten ihre Gotteshäuser oft dort, wo bereits zuvor wichtige Versammlungsorte existierten. Geschichte wiederholt sich. Nur die Geschichten ändern sich. Auf dem Rückweg wurde ich immer stiller. Nicht wegen der Landschaft. Nicht wegen der Menschen. Sondern wegen der Gedanken. Ich dachte über die Entstehung dieser Erde nach. Über die Kontinente, die sich hier langsam voneinander entfernen. Über die gewaltigen Kräfte unter meinen Füßen. Und ich dachte über die Menschen nach, die hier vor über tausend Jahren lebten. Über ihre Sorgen. Ihre Hoffnungen. Ihre Reisen.


Vielleicht standen sie genau an denselben Stellen. Vielleicht blickten sie in dieselbe Landschaft. Vielleicht fragten sie sich dieselben Fragen. Wer sind wir? Woher kommen wir? Und welchen Platz haben wir in dieser großen Welt?


Heute war kein Tag der Wasserfälle. Kein Tag der Vulkane. Kein Tag spektakulärer Abenteuer. Heute war ein Tag der Geschichte. Und manchmal berührt einen die Vergangenheit genauso tief wie die gewaltigste Naturgewalt.

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Tag 27
22.06.2026 zur Halbinselspitze Reykjanes
Tag 27

Standort Morgens : CP Thingvellir Tacho-Tagesend-Stand : 57.040   gef. Strecke : 128 km

Standort Abends :   FS Gunnuhver GPS : 63.8184251118838, -22.687164977715863

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3,2 km 7 Min.
Viking World
63.9767382597029, -22.529004758356145
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90,9 km 1 Std. 9 Min.
Bridge Between Continents
63.86646317278579, -22.676095795874947
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18,2 km 15 Min.
Great Auk Monument
63.813036938126416, -22.71478768907435
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8,5 km 8 Min.
Thermalquellen Gunnuhver
63.81841865843416, -22.687073839478156
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Short vom Fjord

Heute war ein Tag der Geschichte. Nicht nur der Geschichte der Menschen. Sondern auch der Geschichte unseres Planeten. 


Am Morgen machte ich mich auf den Weg Richtung Reykjavík. Der Regen begleitete mich dabei wie ein alter Bekannter. Mal stärker. Mal schwächer. Aber immer präsent. Je näher ich der Hauptstadt kam, desto klarer wurde mir, dass ich meine ursprünglichen Pläne ändern würde. Das Wikingerfestival war bereits vorbei. Wale hatte ich auf meiner Reise mehrfach erleben dürfen. Und durch das Innere eines Gletschers war ich erst vor wenigen Tagen gewandert. Warum also Dinge wiederholen? Island hält noch genug Neues bereit. Also ließ ich die Museen und Attraktionen Reykjavíks hinter mir und fuhr direkt weiter nach Viking World in Reykjanesbær.


Dort wartete der Nachbau des Schiffes von Leif Eriksson. Dem Mann, der lange vor Kolumbus den Nordatlantik überquerte und die Küsten Nordamerikas erreichte. Als ich vor dem Schiff stand, musste ich unweigerlich an meine eigene Reise denken. Natürlich ist Fritz deutlich komfortabler als ein offenes Wikingerschiff. Doch die Sehnsucht nach dem Horizont verbindet uns. Leif und seine Mannschaft verließen die Sicherheit ihrer Heimat. Sie vertrauten Wind, Wellen und ihrem Mut. Und irgendwann tauchte vor ihnen ein unbekanntes Land auf. Wenn man vor diesem Schiff steht, wird einem bewusst, welche Leistung das gewesen sein muss. Der Nordatlantik ist selbst heute mit moderner Technik kein friedliches Meer. Mit einem Holzschiff dorthin aufzubrechen erforderte mehr als Können. Es erforderte Glauben.


Danach wechselte die Geschichte von der Menschheitsgeschichte zur Erdgeschichte. Mein nächster Halt war die berühmte Brücke zwischen den Kontinenten. Ein schmaler Steg über einer Spalte. Auf der einen Seite die Eurasische Platte. Auf der anderen die Nordamerikanische. Eigentlich hatte ich dieses Schauspiel der Erdkräfte bereits gestern in Þingvellir erlebt. Und doch beeindruckt es mich jedes Mal aufs Neue. Hier wird sichtbar, dass unsere Erde nicht stillsteht. Sie bewegt sich. Langsam. Unaufhaltsam. Kontinente driften auseinander. Gebirge entstehen. Ozeane verändern ihre Form. Und wir Menschen erleben davon meist nur einen winzigen Augenblick.


Von dort führte mich mein Weg weiter zur Südspitze der Reykjanes-Halbinsel. Zum Thermalgebiet Gunnuhver. Hier zeigte Island erneut sein wahres Gesicht. Dampf stieg aus der Erde. Der Boden brodelte. Die Luft roch nach Schwefel. Die Erde atmete. Nicht still. Nicht verborgen. Sondern sichtbar und hörbar. Man spürt hier förmlich, dass unter den Füßen gewaltige Kräfte wirken. Das Feuer schläft nur wenige Kilometer unter der Oberfläche. Kein Wunder, dass die Reykjanes-Halbinsel in den vergangenen Jahren immer wieder von Vulkanausbrüchen erschüttert wurde.


Der Parkplatz am nördlichen Zugang wurde schließlich mein Platz für die Nacht. Ein würdiger Ort, um den Tag ausklingen zu lassen. Doch vorher zog es mich noch einmal an die Küste. Für die inzwischen fast schon typisch isländischen 1000 Kronen Parkgebühr. Dort steht ein Denkmal für den Riesenalk. Jenen flugunfähigen Seevogel, der einst die Küsten des Nordatlantiks bevölkerte. Bis der Mensch ihn ausrottete. Als ich vor dem Monument stand, wurde mir bewusst, dass Geschichte nicht immer von Entdeckungen und Erfolgen erzählt. Manchmal erzählt sie auch von Verlusten. Von Dingen, die nie wieder zurückkehren. Die Brandung rollte an die Küste. Der Wind kam vom Atlantik. Und irgendwo zwischen den Geschichten von Leif Eriksson, den wandernden Kontinenten, den brodelnden Thermalfeldern und dem Schicksal des Riesenalks wurde mir klar: Heute war ein Tag, der zeigte, wie klein der Mensch eigentlich ist. Die Erde bewegt sich seit Millionen von Jahren. Die Ozeane formen Küsten. Vulkane erschaffen neues Land.


Und wir hinterlassen für einen kurzen Augenblick unsere Spuren darin. So wie Leif Eriksson. So wie die Siedler Islands. Und so wie ich mit Fritz auf dieser Reise.

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Tag 28
23.06.2026 Lava-Feld-Wanderung
Tag 28

Standort Morgens : FS Gunnuhver Tacho-Tagesend-Stand : 57.102   gef. Strecke : 62 km

Standort Abends :   FS Strandakirkja GPS : 63.83645403067687, -21.708840300302906

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1,6 km 2 Min.
Brimketill Lava Rock Pool
63.820418441467986, -22.60601440851568
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4,9 km 5 Min.
Grindavik - Fotoausstellung
63.84643718394719, -22.436478200545462
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11,6 km 10 Min.
Wanderung zum Geldingadalir / Fagradalsfjall
63.865596811927595, -22.315562363649178
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7,7 km 7 Min.
Strandarkirkja
63.836364080324294, -21.704456481632963
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Short vom Fjord - Lila – Schwarz – Lila

Heute stand der Tag ganz im Zeichen der Farben. Lila. Schwarz. Und wieder Lila.


Die Farben dieses besonderen Tages. Am Morgen verabschiedete ich mich von meinem Stellplatz am Gunnuhver. Die Erde dampfte noch immer unter ihren dünnen Krusten. Der Schwefelgeruch hing in der Luft. Und tief unter mir schlummerte das Feuer der Reykjanes-Halbinsel. Von dort führte mich mein Weg zunächst durch endlose Lupinenfelder. Lila soweit das Auge reichte. Wie ein Teppich hatten sich die Blüten über die Landschaft gelegt. Zwischen schwarzem Lavagestein und grünem Moos wirkten sie beinahe unwirklich.


Mein erstes Ziel war der Brimketill. Kein Hot Pot. Kein Badeplatz. Sondern ein von der Brandung ausgewaschener Felsenpool direkt am Atlantik. Ich setzte mich auf die Klippen und beobachtete das Schauspiel. Wellen rollten heran. Zerschellten an den schwarzen Felsen. Füllten das Becken. Und wurden vom Meer wieder zurückgezogen. Die Kraft des Wassers war hier allgegenwärtig. 


Über meinem Kopf zog gleichzeitig ein anderer Strom vorbei. Im Minutentakt näherten sich Flugzeuge dem Flughafen von Keflavík. Die großen Maschinen schwebten tief über die Küste. Manchmal wirkten sie fast wie riesige Seevögel. Oder wie jene Drachen, die man sich in den alten Sagas vorgestellt haben könnte. 


Von dort fuhr ich weiter nach Grindavík. Eine Stadt, deren Geschichte inzwischen eng mit den jüngsten Vulkanausbrüchen verbunden ist. Dort besuchte ich eine Freiluft-Fotoausstellung über die Lavaereignisse vom Januar 2024. Häuser. Straßen. Lavaströme. Alles Zeugnisse einer Insel, die niemals wirklich stillsteht. Die Ausstellung war eine eindrucksvolle Erinnerung daran, dass Island kein fertiges Land ist. Es entsteht noch immer. Tag für Tag. Jahr für Jahr.


Mein eigentliches Ziel wartete jedoch noch auf mich. Der Stóri-Hrútur-Krater. Eine Wanderung durch junges Vulkanland. Schon der Weg dorthin war beeindruckend. Schwarze Lavafelder zogen sich über die Landschaft. Erstarrte Feuerströme. Gefrorene Bewegung. Während ich langsam höher stieg, wurde immer deutlicher sichtbar, welche Kräfte hier gewirkt hatten. Täler, die einst offen waren, lagen nun unter mächtigen Lavadecken verborgen. Die Erde hatte ihre Form verändert. Nicht über Jahrmillionen. Sondern innerhalb weniger Wochen. Oben angekommen wehte ein kräftiger Wind. Vor mir lag das junge Vulkanfeld. Schwarz. Roh. Ungezähmt. Ein Ort, an dem die Erde noch frisch von ihrem letzten Atemzug erzählt. Hier spürte ich wieder jene Ehrfurcht, die mich auf dieser Reise so oft begleitet. Nicht Angst. Nicht Respekt. Ehrfurcht. Vor Kräften, die weit größer sind als wir selbst.


Am Nachmittag begann schließlich die Suche nach einem Platz für die Nacht. Und wie so oft fand mich der richtige Ort, bevor ich ihn fand. Mein Stellplatz liegt heute bei der Strandarkirkja. Einer Kirche, die der Überlieferung nach von geretteten Seefahrern aus Dankbarkeit errichtet wurde. Ein Ort der Hoffnung. Ein Ort der Dankbarkeit. Genau die richtige Umgebung für einen ruhigen Abend. Die Kirche steht eingebettet zwischen weiten Lupinenfeldern. Wieder dieses Lila. Die Wärme des Bodens scheint den Pflanzen hier besonders gutzutun. Der Wind streicht durch die Blüten. Die Abendsonne taucht alles in sanftes Licht. Und Fritz steht mittendrin.


So endet dieser Tag, wie er begonnen hat. Lila. Schwarz. Und wieder Lila. Die Farben der Lupinen. Die Farben der Lava. Die Farben Islands.


Und während der Abend langsam über die Küste zieht, denke ich darüber nach, wie eng hier alles miteinander verbunden ist. Das Feuer erschafft die Lava. Die Lava erwärmt die Erde. Die Erde nährt die Pflanzen. Und die Lupinen schenken der Landschaft ihr leuchtendes Kleid.


Wieder einmal haben mir die Elemente gezeigt, dass auf Island alles zusammengehört. Und ich darf für eine kurze Zeit Teil davon sein.

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Tag 29
24.06.2026 Zwischen Menschenmassen und stillen Wasserfällen
Tag 29

Standort Morgens : FS Strandakirkja Tacho-Tagesend-Stand : 57.229   gef. Strecke : 127 km

Standort Abends :   FS Ægissíðufoss GPS : 63.82067794094575, -20.412418605487535

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38,1 km 25 Min.
Koma Auðar djúpúðgu (Audur's arrivals)
63.85365009760224, -21.36512663638851
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19,1 km 19 Min.
Mi., 24. Jun. 2026
Reykjadalur Hot Spring Thermal River
64.02200072555571, -21.211149797388053
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25,0 km 23 Min.
Kerið Crater Trail
64.04138132728214, -20.888529855796417
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26,7 km 21 Min.
Opinn Skógur Snæfoksstaðir
64.02647648817542, -20.92124327230142
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2,4 km 1 Min.
Urriðafoss
63.92474927701379, -20.675288578845173
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31,8 km 24 Min.
Ægissíðufoss
63.81875817213707, -20.41974182795265
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Mein YouTube Beitrag

https://youtu.be/Ruz3SQvmlEI

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Short vom Fjord - Menschenmassen vs stillen Wasserfällen
Heute war wieder einer dieser Tage, die zeigen, warum Island gleichzeitig faszinierend und anstrengend sein kann.


Der Morgen begann sehr früh. Noch bevor die meisten Menschen ihren ersten Kaffee tranken, hatte ich Fritz bereits gesattelt. Die Nacht an der Strandarkirkja war ruhig gewesen. Doch die Küsterin der Kirche beobachtete mich am Morgen mit einer Intensität, die mich etwas schmunzeln ließ. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie lieber ihre Kirche als meinen Camper im Blickfeld hatte. Also beschloss ich, mein Frühstück an einen anderen Ort zu verlegen. Eine gute Entscheidung.


Mein Weg führte mich zunächst nach Þorlákshöfn. Oder wie ich den Ort inzwischen nenne: Lachshausen.

Denn hier scheint sich alles um den Lachs zu drehen. Große Industrieanlagen. Zuchtbecken. Verarbeitung. Verladung. Tonnenweise Fisch, der später seinen Weg nach Europa und Amerika findet. Interessant war vor allem die Erkenntnis, dass hier kaum etwas gefangen wird. Der Lachs wächst in riesigen Anlagen heran. Fast wie Landwirtschaft. Nur eben im Wasser.


Danach machte ich mich auf den Weg zum Reykjadalur. Eigentlich hatte ich den berühmten Thermalfluss auf dem Plan. Den mit den Holzstegen und den Badestellen. Gefunden habe ich stattdessen einen dampfenden Bach. Heiß. Rauchend. Und durchaus sehenswert. Aber eben nicht den Ort, den ich gesucht hatte. Vielleicht war ich falsch. Vielleicht Google Maps. Wer weiß. Die Parkgebühr erschien mir ohnehin etwas übertrieben für einen kurzen Fotostopp. Also genoss ich den Anblick des heißen Wassers und zog weiter.


Je länger ich durch Südisland fahre, desto mehr fällt mir auf, wie unterschiedlich die Regionen dieser Insel wirken. Der Norden. Die Ostfjorde. Die Westfjorde. Dort spricht die Landschaft ständig mit einem. Hier im Süden wirkt vieles sanfter. Zugänglicher. Touristischer. Kein Wunder. Der Golden Circle liegt in Reichweite des Flughafens. Viele Menschen erleben Island nur hier. Und genau deshalb konzentriert sich auch ein Großteil des Tourismus auf diese Region.


Mein nächstes Ziel war der Kerið-Krater. Und dort traf mich genau das, was ich auf dieser Reise am wenigsten suche. Menschenmassen. Busse. Busse. Und noch mehr Busse. Der Parkplatz war überfüllt. Menschen liefen kreuz und quer. Jeder wollte sein Foto. 700 Kronen Eintritt. Für einen Krater. Und für ein paar Minuten Aussicht. Ich machte meine Aufnahmen. Und verschwand genauso schnell wieder. Nicht weil der Ort hässlich wäre. Ganz im Gegenteil. Sondern weil die Atmosphäre für mich verloren gegangen war. Wenn die Natur zur Kulisse für Massenabfertigung wird, verliere ich den Zugang zu ihr.


Nur wenige Kilometer weiter fand ich einen kleinen aufgeforsteten Wald. Dort parkte ich Fritz. Und ging einfach spazieren. Keine Sehenswürdigkeit. Keine Eintrittskarte. Keine Busse. Nur Bäume. Wind. Und Ruhe. Genau das hatte ich gebraucht.


Danach gehörte der Tag wieder den Wasserfällen. Und plötzlich war das Island zurück, das ich so liebe. Zuerst erreichte ich den Urriðafoss. Das Wasser war glasklar. Hier treffen sich Naturgewalt und Leben. Nicht umsonst gilt dieser Abschnitt als beliebtes Revier für Lachsangler. Der Fluss wirkte kraftvoll. Lebendig. Und der Wasserfall selbst ließ den Boden leicht vibrieren. Ein wunderbarer Ort.


Noch schöner wurde es wenig später am Ægissíðufoss. Kein großer Name. Keine Reisebusse. Keine Menschenmassen. Nur ein kleiner Parkplatz. Ein paar Angler. Und das Rauschen des Wassers. Genau solche Orte bleiben mir oft länger in Erinnerung als die berühmten Attraktionen. Weil sie echt sind. Weil sie nicht inszeniert wirken. Weil man die Natur dort noch für sich selbst entdecken darf.


Hier fand ich schließlich auch meinen Platz für die Nacht. Ein stiller Ort. Ein Platz zum Durchatmen. Ein Platz für Fritz und mich. Während die Abendsonne langsam tiefer sank, plante ich die nächsten Tage meiner Reise.


Und wieder wurde mir bewusst, dass Island für mich nicht aus den großen Sehenswürdigkeiten besteht. Sondern aus den stillen Momenten dazwischen. Dem Rauschen eines Wasserfalls. Dem Wind über einer Wiese. Dem Gespräch der Elemente. Heute begann der Tag zwischen Menschenmassen. Und endete dort, wo ich Island am liebsten erlebe: Allein mit der Natur.


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Tag 30
25.06.2026 Das verborgene Grün Islands
Tag 30

Standort Morgens : FS Ægissíðufoss Tacho-Tagesend-Stand : 57.293   gef. Strecke : 64 km

Standort Abends :   FS Nauthúsafoss GPS : 63.67370618723232, -19.857556326993517

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21,4 km 17 Min.
Gluggafoss (Merkjárfoss)
63.721434824736235, -19.89185299778939
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45,8 km 44 Min.
Nauthúsagil
63.67414485999824, -19.85641499652721
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Short vom Fjord - Das verborgene Grün Islands

Heute Morgen begrüßte mich Island zunächst mit seiner schottischen Seite. Aus dem feinen Nieselregen wurde schon bald ein kräftiger Landregen.


Als ich aus Fritz blickte, stand er bereits mitten in einer großen Pfütze. An Weiterfahren war zunächst ohnehin nicht zu denken. Also nutzte ich die Zeit sinnvoll. Aus dem Reisetag wurde für ein paar Stunden ein Bürotag. Laptop auf. Kaffee dazu. Ein wenig arbeiten. Auch das gehört zu einem langen Roadtrip. Man wartet nicht auf besseres Wetter. Man lebt mit dem Wetter.


Gegen Mittag verzogen sich schließlich die Regenwolken. Zeit, wieder loszufahren. Mein erster Halt war der Gluggafoss. Ein Wasserfall, der sich in mehreren Kaskaden den Hang hinunterarbeitet. Von unten konnte ich zunächst nur die beiden unteren Stufen erkennen. Die oberen Abschnitte blieben hinter den Felsen verborgen. Also durfte die Drohne wieder zeigen, was sie am besten kann. Trotz kräftiger Windböen kämpfte sie sich tapfer durch die Luft und schenkte mir wunderbare Aufnahmen des gesamten Wasserfalls.


Danach stand eigentlich einer der berühmtesten Orte Islands auf meinem Plan. Seljalandsfoss und Gljúfrabúi. Doch schon bei der Anfahrt wusste ich, dass ich dort heute nicht glücklich werden würde. Busse. Busse. Und noch mehr Busse. Reisegruppen strömten über die Wege. Parkplätze waren überfüllt. Für viele Menschen gehört genau das zu Island. Für mich nicht.


Also traf ich eine Entscheidung, die sich später als genau richtig herausstellen sollte. Ich fuhr weiter. Die Schotterstraße zum Nauthúsagil begann. Und mit jedem Meter wurde es ruhiger. Die Busse verschwanden. Der Verkehr wurde weniger. Die Natur übernahm wieder das Kommando.


Schon bei der Ankunft wusste ich: Hier bleibe ich. Der kleine Parkplatz wurde gleichzeitig mein Stellplatz für die Nacht. Morgen werde ich noch vor den ersten Besuchern aufbrechen und die Schlucht erneut erleben. Doch heute konnte ich mir bereits einen ersten Eindruck verschaffen. Und was für einen.


Die Wanderung durch das Nauthúsagil war viel mehr als nur ein Spaziergang. Sie war eine kleine Mutprobe. Immer wieder musste ich den Bach über Trittsteine queren. Mal vorsichtig. Mal mit einem etwas größeren Sprung. Die moosbewachsenen Felswände rückten immer näher zusammen. Alles leuchtete in sattem Grün. Ein Grün, wie ich es auf dieser Reise kaum zuvor gesehen hatte. Fast wirkte die Schlucht wie ein geheimer Garten. Ein Ort, den Mutter Erde sorgsam zwischen den Felsen verborgen hält. Je weiter ich hineinging, desto stiller wurde es. Nur das Rauschen des Wassers begleitete mich. Am Ende der Schlucht erreichte ich schließlich den versteckten Wasserfall. Ein Ort, der jede Mühe wert war. Dort traf ich auf eine kleine Gruppe aus Lettland. Freundliche Menschen. Ruhig. Naturverbunden. Man begrüßte sich. Tauschte ein paar Worte aus. Und jeder genoss diesen besonderen Ort auf seine Weise. Genau so wünsche ich mir Begegnungen auf Reisen. Ohne Hektik. Ohne Gedränge. Ohne Eile. Auf dem Rückweg traf ich noch einen Schotten. Wie passend. Erst morgens das Wetter, dann das Grüne satt und zum Abschluss noch ein Schotte himself.


Zurück bei Fritz ließ ich den Tag gemütlich ausklingen. Es gab Gulasch zum Abendessen. Während draußen langsam wieder Ruhe einkehrte, dachte ich noch einmal an diesen Tag zurück.


Er hatte regnerisch begonnen. Fast schon unscheinbar. Und endete an einem der grünsten Orte meiner gesamten Islandreise. Wieder einmal zeigte mir Island, dass sich Geduld auszahlt. Nicht die bekanntesten Sehenswürdigkeiten berühren mich am tiefsten. Sondern die versteckten Orte. Die stillen Schluchten. Die moosbewachsenen Felsen. Das leise Rauschen eines kleinen Baches. Dort, wo die Natur keine Bühne braucht.

Sondern einfach sie selbst sein darf.

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Tag 31
24.06.2026
Tag 31

Standort Morgens : FS Nauthúsafoss Tacho-Tagesend-Stand : 57.371   gef. Strecke : 78 km

Standort Abends :   CP Vik i Myrdal GPS : 63.45105749476957, -18.993476873868538

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27,8 km 49 Min.
Seljalandsfoss
63.615716368390196, -19.993797641018748
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10,7 km 27 Min.
Gljúfrabúi
63.620862174337695, -19.986406504338927
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1,1 km 1 Min.
Skogafoss-Wasserfall
63.525207780759914, -19.490014310329045
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30,2 km 23 Min.
Kvernufoss
63.52879985461337, -19.481339231638188
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0,0 km
Campingplatz in Vik i Myrdal
63.41932029739254, -18.995577634942308
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Short vom Fjord - Dem Morgen voraus
Heute begann der Tag lange bevor Island erwachte. Ich hatte mir vorgenommen, den Reisebussen wieder einmal zuvorzukommen.


Und mein Plan ging auf. Als ich den Parkplatz am Seljalandsfoss erreichte, war er fast menschenleer. Gestern war hier kein freier Platz mehr zu finden. Heute gehörte dieser besondere Ort noch ganz der Natur. Mit jedem Schritt hörte ich das Donnern des Wassers lauter werden. Der Seljalandsfoss stürzte wie ein silberner Vorhang von der Felskante herab. Langsam umrundete ich den Wasserfall. Schon auf der Anfahrt hatte mich ein kräftiger Regenschauer begleitet. Doch wie so oft auf Island änderte sich das Wetter innerhalb weniger Minuten. Die Wolken öffneten sich. Die Sonne erschien. Und plötzlich glitzerte jede einzelne Wasserperle in der Luft. Trocken blieb ich trotzdem nicht. Nicht der Regen machte mich nass. Sondern die Gischt. Sie legte sich wie ein feiner Schleier über Kleidung, Kamera und Gesicht. Doch genau das gehört dazu. Wer einen Wasserfall wirklich erleben möchte, muss ihn fühlen.


Nur wenige Schritte weiter wartete bereits der nächste verborgene Schatz. Der Gljúfrabúi. Wieder führte mich der Weg in eine schmale Felsspalte. Es war inzwischen der dritte Wasserfall meiner Reise, der sich hinter Felsen versteckt hielt. Und doch hatte jeder seinen ganz eigenen Charakter. Der Einstieg war kurz. Doch kaum stand ich im Inneren der Schlucht, wurde ich erneut vollkommen von der Gischt eingehüllt. Hier regnete es nicht vom Himmel. Hier kam das Wasser von allen Seiten. Die enge Felshöhle verstärkte das Donnern des Wassers. Das Echo erfüllte jeden Winkel. Ein weiterer jener Orte, an denen man die Kraft des Elements Wasser nicht nur sieht, sondern körperlich spürt.


Als ich den Parkplatz wieder verließ, begegneten mir bereits die ersten Reisebusse. Dann noch einer. Und noch einer. Ich musste schmunzeln. Mein früher Start hatte sich wieder einmal gelohnt.


Auch am Skógafoss war ich noch rechtzeitig. Nur wenige Besucher standen vor dem mächtigen Wasserfall. Ich trat ganz nah heran. Die Gischt war so dicht, dass sie beinahe wie feiner Regen wirkte. Ich stand direkt unter dem Wasserfall. Allein. Ein Moment, den man an diesem Ort nur selten erlebt. 


Nicht weit entfernt führte mich anschließend eine kleine Wanderung zum Kvernufoss. Schon der Weg dorthin war ruhig. Abseits der bekannten Touristenpfade. Als ich die Schlucht erreichte, wurde es still. Der Wasserfall stürzte vor mir in die Tiefe.

Auch hinter ihm konnte man entlanggehen. Doch diesmal zog mich weniger der Wasserfall selbst in seinen Bann. Es war der gesamte Ort. Das Wasser plätscherte durch den Bach. Der Wasserfall ließ sein Echo zwischen den Felswänden tanzen. Über mir kreisten Möwen im Aufwind. Das satte Grün der Moose leuchtete im feuchten Licht. Jeder Regentropfen glitzerte wie ein kleiner Kristall. Ich blieb einfach stehen. Ohne Kamera. Ohne Eile. Nur ich. Die Erde. Das Wasser. Der Wind. Solche Orte muss man nicht fotografieren. Man muss sie fühlen.


Am Nachmittag verzichtete ich bewusst auf weitere bekannte Sehenswürdigkeiten. Der Golden Circle zeigte inzwischen wieder sein anderes Gesicht. Reisebusse. Parkplätze. Menschenmengen. Ich hatte heute alles gesehen, was ich sehen wollte. 


Also fuhr ich entspannt weiter nach Vík í Mýrdal. Der Campingplatz wurde mein Zuhause für diese Nacht. Der Wecker ist bereits wieder gestellt. Morgen werde ich erneut vor den ersten Bussen unterwegs sein. Denn Island gehört für mich den frühen Morgenstunden.


Wenn die Landschaft noch schweigt. Wenn nur die Elemente miteinander sprechen. Und wenn Fritz und ich wieder ganz allein unterwegs sind.

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Tag 32
27.06.2025
Tag 32

Standort Morgens : CP Vik i Myrdal Tacho-Tagesend-Stand : 57.480   gef. Strecke : 109 km

Standort Abends :   FS Botnavegur GPS : 63.688932207586866, -18.3402055391035

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34,5 km 27 Min.
Dyrhólaey Aussichtspunkt
63.40508925917936, -19.12823226175347
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19,3 km 20 Min.
Hálsanefshellir Cave
63.40411961943621, -19.04372678515748
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19,7 km 25 Min.
Hjörleifshöfði Cave Gígjagjá
63.41807080704335, -18.767069125262026
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25,6 km 39 Min.
Sa., 27. Jun. 2026 - So., 28. Jun. 2026
Botnavegur
63.68583704031162, -18.33886297560382
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Short vom Fjord - Wenn die Elemente ihre Kraft zeigen
Heute zeigte Island wieder seine raue Seite. Schon die Nacht war vom unaufhörlichen Regen begleitet.


Der Wind strich über den Campingplatz von Vík und ließ Fritz immer wieder leicht erzittern. Ich schlief nur unruhig. Nicht wegen des Wetters. Sondern weil ich immer wieder daran denken musste, ob sich Fritz am Morgen auf der nassen Wiese festfahren würde. Doch wieder einmal machte ich mir mehr Gedanken als nötig. Als ich den Motor startete, rollte Fritz ganz gelassen von seinem Stellplatz. Ohne Mühe. Ohne Drama. Fast so, als wollte er mir sagen: "Vertrau mir."


Mit tief hängenden Wolken und wenig Sicht begann schließlich mein Tag. Mein erstes Ziel war Dyrhólaey. Die südlichste Landzunge Islands. Ich war früh genug dort. Der Leuchtturm stand einsam auf den Klippen. Unter mir schlugen die Wellen gegen den schwarzen Fels. Und zwischen den Grashängen saßen die Papageitaucher, völlig unbeeindruckt von Wind und Regen. Ich machte meine Aufnahmen zügig. Der Wind peitschte mir den Regen ins Gesicht. Ich musste die Augen zu schmalen Schlitzen zusammenkneifen, um überhaupt etwas erkennen zu können. Hier oben bestimmten nicht die Menschen den Rhythmus. Hier bestimmten Wind und Meer.


Kaum verließ ich den Aussichtspunkt, rollte bereits der erste Reisebus heran. Ein vertrautes Bild. Ich dagegen saß längst wieder im warmen Fritz und fuhr dem nächsten Ziel entgegen.


Am Reynisfjara, mit der Hálsanefshellir-Höhle und ihren gewaltigen Basaltsäulen, zeigte sich Island von einer anderen Seite. Hier warteten bereits zahlreiche Besucher. Menschen aus aller Welt. Zwischen ihnen hindurch suchte ich meine Motive. Doch trotz des Trubels zog mich etwas ganz anderes in den Bann. Die Wellen. Nicht umsonst gelten sie als die gefährlichsten an Islands Küsten. Sie kamen scheinbar harmlos. Und im nächsten Moment bauten sie sich zu mächtigen Wasserbergen auf, die weit den schwarzen Strand hinaufliefen. In solchen Augenblicken wird einem bewusst, wie klein der Mensch gegenüber den Kräften der Natur ist. Das Meer kennt keine Rücksicht. Keine Eile. Keine Gnade. Es folgt allein seinen eigenen Gesetzen. Ich blieb auf Abstand. Beobachtete. Fotografierte.

Und ließ den Wellen den Respekt, den sie verdienen.


Anschließend führte mich mein Weg zur Hjörleifshöfði-Höhle. Eine unscheinbare Öffnung im Fels. Erst aus dem richtigen Blickwinkel erkennt man ihre besondere Form. Sie erinnert tatsächlich an das Gesicht von Meister Yoda. Die Natur erschafft manchmal Skulpturen, die kein Künstler besser hätte formen können. Nur die Parkgebühr ließ mich kurz schmunzeln. Für ein paar Minuten Fotografie war sie alles andere als günstig. Doch manchmal gehören auch solche Erfahrungen zu einer Reise.


Am Nachmittag hatte ich genug Eindrücke gesammelt. Ich fuhr noch einige Kilometer weiter. Mitten hinein in ein altes Lavafeld. Dort fand ich einen ruhigen Platz für Fritz. Schwarzes Lavagestein. Grüne Moose. Lila Lupinen. Leichter Regen. Der Wind strich über die erstarrten Feuerströme. 


Ein Ort, an dem die vier Elemente wieder zusammenfanden. Das Wasser fiel unaufhörlich vom Himmel. Der Wind trug die Wolken über das Land. Die Erde erzählte von uralten Vulkanausbrüchen. Und tief unter allem schlummerte noch immer das Feuer, das diese Landschaft einst erschaffen hatte.


Während ich den Tag Revue passieren ließ, wurde mir wieder bewusst, weshalb mich Island so tief berührt. Nicht wegen der berühmten Sehenswürdigkeiten. Nicht wegen der Fotos. Sondern wegen der Naturgewalten. Sie zeigen dem Menschen jeden Tag aufs Neue seinen Platz. Nicht als Beherrscher der Erde. Sondern als Gast.


Und genau so fühle ich mich hier. Als stiller Gast in einer Landschaft, die schon lange vor uns existierte und noch lange nach uns bestehen wird.

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Tag 33
28.06.2026 Die Sprache der Landschaft
Tag 33

Standort Morgens : FS Botnavegur Tacho-Tagesend-Stand : 57.575   gef. Strecke : 95 km

Standort Abends :   CP Skaftafell Campground GPS : 64.01552955782793, -16.97168215340227

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42,0 km 40 Min.
Fjaðrárgljúfur Schlucht
63.77026917527089, -18.171700004650358
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17,6 km 14 Min.
Lómagnúpur Scenic Spot
63.95450870543515, -17.473431204442452
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46,5 km 36 Min.
Skaftafell Glacier
64.02337353592135, -16.94268747374844
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32,0 km 23 Min.
Skaftafell Campground
64.015499323119, -16.971617566446444
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Short vom Fjord - Die Sprache der Landschaft

Heute erzählte mir Island seine Geschichte nicht durch Wasserfälle oder Vulkane. Heute sprach die Landschaft selbst.


Schon am Morgen hing der Himmel tief über dem Land. Feiner Nieselregen legte sich wie ein Schleier über die Berge. Nebelschwaden zogen lautlos durch die Täler. Genau das richtige Wetter für meinen ersten Halt. 


Die Fjaðrárgljúfur-Schlucht empfing mich mit einer Stimmung, wie ich sie mir kaum schöner hätte wünschen können. Obwohl bereits einige Reisebusse eingetroffen waren, verlor dieser Ort nichts von seiner Magie. Der Fluss schlängelte sich tief unten durch die Schlucht. Die moosbewachsenen Hänge leuchteten in sattem Grün. Über den Felswänden zogen Nebelfetzen vorbei und ließen die Landschaft beinahe unwirklich erscheinen. Für einen Moment fühlte ich mich eher in einem norwegischen Fjord als im Süden Islands. Nur dass hier kein Meer zwischen den Felsen lag. Sondern ein Fluss. Still. Geduldig. Über Jahrhunderte die Schlucht in den Fels gegraben. Ein weiteres Werk der Elemente. 


Von dort führte mich die Ringstraße wie an einer Perlenkette von einem Naturdenkmal zum nächsten. Am Dverghamrar blieb ich stehen. Die Basaltsäulen wirkten, als hätte ein Riese unzählige steinerne Stäbe senkrecht in den Boden gesteckt. Die Natur erschafft Formen, auf die kein Mensch kommen würde. Kein Wunder, dass die Isländer hier von Zwergen, Trollen und verborgenen Wesen erzählen. Nur wenig später erreichte ich den Fossálar. Kein gewaltiger Wasserfall. Eher eine breite Stromschnelle. Doch auch hier zeigte das Wasser seine Kraft. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern stetig. So formt die Natur ihre Landschaft. Nicht immer mit Gewalt. Oft mit Geduld.


Einer der eindrucksvollsten Momente des Tages erwartete mich wenig später am Aussichtspunkt Lómagnúpur. Ich ließ die Drohne aufsteigen. Erst aus der Luft wurde sichtbar, wie gewaltig diese Landschaft wirklich ist. Ein verzweigtes Flussdelta. Schwarze Lavafelder. Grüne Moose. Und darüber die mächtigen Berge. Hier erkennt man, wie eng Wasser und Feuer miteinander verbunden sind. Wo einst glühende Lava floss, sucht sich heute das Wasser seinen Weg. 


In der Ferne tauchten schließlich die ersten Gletscher auf. Der mächtige Hvannadalshnúkur, Islands höchster Gipfel. Daneben die Eiswelten von Skaftafell. Zum ersten Mal auf dieser Reise standen nun die Gletscher im Mittelpunkt. Am Campingplatz angekommen hielt es mich nicht lange bei Fritz. Ich machte mich sofort auf den Weg. Je näher ich dem Eis kam, desto stiller wurde die Welt. Das Weiß der Gletscher hob sich eindrucksvoll gegen das dunkle Lavagestein ab.


Schade nur, dass hier nahezu überall Drohnenverbot herrscht. Gerade diese Landschaft hätte ich gerne auch aus der Vogelperspektive erlebt. Doch manchmal ist es gut, die Kamera beiseitezulegen. Denn manche Eindrücke lassen sich ohnehin nicht vollständig einfangen. Sie gehören nicht auf eine Speicherkarte. Sondern ins Herz.


Während ich am Abend vor Fritz saß und auf die weißen Gletscher blickte, wurde mir bewusst, wie vielfältig Island ist. Vor wenigen Tagen wanderte ich noch durch junges Lavagestein auf der Reykjanes-Halbinsel. Heute stehe ich vor uraltem Eis. Feuer und Wasser. Hitze und Kälte. Lava und Gletscher. Genau diese Gegensätze machen Island zu dem, was es ist. Und ich darf sie Tag für Tag erleben.


Morgen werde ich den Svartifoss erkunden. Danach warten die Gletscherlagunen mit ihren treibenden Eisbergen. Ich freue mich schon jetzt darauf, dem Element Wasser in seiner wohl reinsten Form wieder ein Stück näherzukommen.

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Tag 34
26.06.2026 Gletschertag
Tag 34

Standort Morgens : CP Skaftafell Campground Tacho-Tagesend-Stand : 57.634   gef. Strecke : 59 km

Standort Abends :   FS Jökulsárlón Glacier Lagoon GPS : 64.04153192705954, -16.21536015723519

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Svartifoss Trail

Sein Name bedeutet so viel wie „der schwarze Wasserfall“, und obwohl er nicht hoch und sehr schmal ist, gibt er ein tolles Fotomotiv ab: Eingebettet von dunklen Basaltsäulen vulkanischen Ursprungs stürzt er idyllisch in ein steiniges, grün beflecktes Becken. 


Der ca. 2 Kilometer lange Wanderweg (Höhenleistung 145m) führt dich vorbei an den Hundafoss und Magnusarfoss bis zum Svartifoss.

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0,6 km 1 Min.
Svartifoss
64.02742378913871, -16.975439917501376
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1,3 km 2 Min.
Svínafellsjökull Glacier
64.00268530409832, -16.879500297089255
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7,6 km 16 Min.
Hofskirkja - Fotostop
63.90954158348492, -16.707685599858326
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16,3 km 19 Min.
Fjallsjökull Gletscher
64.01648850563377, -16.365957115989637
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29,1 km 25 Min.
Mo., 29. Jun. 2026
Jökulsárlón Glacier Lagoon
64.0485852268642, -16.179282004455192
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10,7 km 13 Min.
Diamond Beach
64.04462165794963, -16.178837680295754
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0,4 km 1 Min.
Jökulsárlón Glacier Lagoon - kostenloser Parkplatz
64.04182284459968, -16.215849007769325
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Short vom Fjord - Das ewige Eis
Heute gehörte der Tag dem wohl kostbarsten Element Islands. Dem Wasser. Nicht als Fluss. Nicht als Wasserfall. Sondern als Eis.
Seit Jahrtausenden ruht es auf den Gipfeln des Vatnajökull. Langsam fließt es talwärts. Meter für Meter. Jahr für Jahr. Heute durfte ich ihm ganz nah kommen. 
Da ich gestern bereits den Skaftafellsjökull erkundet hatte, begann mein Tag mit der Wanderung zum Svartifoss. Direkt neben meinem Stellplatz führte der Wanderweg bergauf. 1,8 Kilometer. 145 Höhenmeter. Der Aufstieg war angenehm. Nicht leicht. Aber gut zu gehen. Unterwegs begleiteten mich bereits der Hundafoss und der Magnúsarfoss. Zwei Wasserfälle, die wie Vorboten des eigentlichen Ziels wirkten. Die Wege waren hervorragend angelegt. Immer wieder öffneten sich schöne Ausblicke über die Landschaft. Am Svartifoss angekommen blieb ich nur einen Moment. Der Blick ins Tal genügte mir. Nicht, weil der Wasserfall nicht beeindruckend gewesen wäre. Sondern weil ich wusste, dass heute noch etwas ganz Besonderes auf mich wartete. Die Gletscher.
Nur wenige Kilometer weiter erreichte ich den Svínafellsjökull. Schon von Weitem wirkte das Eis vollkommen anders als am Skaftafellsjökull. Während der erste Gletscher für mich dunkel und kraftvoll erschien, wirkte dieser heller und viel näher. Deshalb bekam er von mir seinen eigenen Namen. Der nahe Gletscher. Hier konnte ich das Eis beinahe greifen. Die Spalten. Die Strukturen. Die unterschiedlichen Blautöne. Je länger ich hinsah, desto mehr entdeckte ich. Das Eis war keineswegs weiß. Es schimmerte in unzähligen Farben. Ähnlich wie in der Eishöhle auf dem Langjökul. Hellblau. Türkis. Grau. Fast schwarz. Jede Schicht erzählte ihre eigene Geschichte. Drohnen waren hier nicht erlaubt. Also durfte meine lange Kamerastange einspringen. Und sie machte ihre Aufgabe hervorragend.
Anschließend führte mich mein Weg weiter zur kleinen Hofskirkja, bevor ich den mächtigen Hvannadalshnúkur, Islands höchsten Berg, umrundete.
Mein Ziel war der Fjallsárlón. Und dort verschlug es mir beinahe die Sprache. Vor mir lag ein Gletschersee. Ruhig. Fast vollkommen still. Aus der mächtigen Eiswand lösten sich immer wieder große Stücke. Langsam trieben sie als Eisberge über den See. Das Wasser war milchig beige gefärbt. Feinster Gletscherschliff schwebte darin. So bekam dieser Gletscher von mir seinen eigenen Namen. Der beigegraue Gletscher. Dann geschah etwas, das man nicht planen kann. Plötzlich hallte ein dumpfer Knall über den See. Fast wie Donner. Ein Stück des Gletschers war abgebrochen. Das sogenannte Kalben. Sehen konnte ich den Abbruch nicht. Die Eiswand lag fast drei Kilometer entfernt. Doch hören konnte ich die gewaltige Kraft. Selbst in dieser Entfernung ließ mich das Geräusch ehrfürchtig werden. Die kleinen Amphibienboote auf dem See wirkten daneben wie Spielzeug.
Zum Abschluss des Tages erreichte ich schließlich die Jökulsárlón-Gletscherlagune. Schon vom kostenlosen Parkplatz aus begann einer der schönsten Spaziergänge meiner Reise. Der Weg führte direkt am Ufer entlang. Die Lagune leuchtete in einem intensiven Türkis. Ein Farbton, den ich so noch nie gesehen hatte. Zwischen den Eisbergen schwamm plötzlich ein Seehund vorbei. Ganz ruhig. Als gehöre er selbstverständlich zu dieser Eiswelt. Auch dieser Gletscher bekam von mir einen Namen. Die Blue Lagoon unter den Gletschern. Denn dieses Blau war einfach unbeschreiblich.
Am Diamond Beach zeigte sich anschließend die Kraft des Atlantiks. Hohe Wellen rollten an den schwarzen Strand. Heute trieben nur wenige Eisstücke hinaus aufs Meer. Die Gezeiten hielten die meisten Eisberge noch in der Lagune zurück. Doch gerade dadurch wurde mir etwas bewusst. Die eigentliche Schönheit lag heute nicht am Strand. Sondern auf dem Weg dorthin. In der Lagune. Im Spiel zwischen Licht, Wasser und Eis.
Das tiefschwarze Lavagestein bildete einen eindrucksvollen Kontrast zu den glitzernden Eisstücken. Hier begegneten sich Feuer und Eis. Die beiden Elemente, die Island erschaffen haben. Ich setzte mich noch eine Weile an den Strand. Der Wind spielte mit den Wellen. Das Meer rauschte. Die Eisberge glitzerten im Licht. Meine Gedanken wanderten nach Hause. Mir wurde bewusst, welches Geschenk diese Reise ist. Dass ich all das erleben darf. Und dass dies nur möglich ist, weil meine Familie mir den Rücken freihält und mich auf meinem Weg unterstützt. Dafür empfinde ich tiefe Dankbarkeit.
Als ich zum Parkplatz zurückkehrte, war er nahezu leer. Also beschloss ich, genau hier zu bleiben. Direkt neben der Gletscherlagune. Heute durfte ich erleben, wie Wasser zu Stein werden kann. Wie Eis lebt. Wie Gletscher atmen.


Und wie die Natur selbst in ihrer größten Kälte voller Leben ist.

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Tag 35
30.06.2026 Zwischen Eis und Enttäuschung
Tag 35

Standort Morgens : FS Jökulsárlón Glacier Lagoon Tacho-Tagesend-Stand : 57.716   gef. Strecke : 82 km

Standort Abends :   Vestrahorn Camping GPS : 64.25500521292595, -14.992969528553747

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1,8 km 1 Min.
Di., 30. Jun. 2026 - Mi., 01. Jul. 2026
Vestrahorn Camping
64.25525324516677, -14.993610799654084
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76,8 km 1 Std. 1 Min.
Viking Village (Film Set)
64.26051431293182, -14.985202979426386
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Di., 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Zwischen Eis und Enttäuschung

Die Nacht war kürzer, als ich sie mir gewünscht hätte. Obwohl Fritz und ich direkt an der Gletscherlagune standen, fand ich nur wenig Schlaf. 


Der Parkplatz lag unmittelbar an der Ringstraße. Immer wieder kamen Besucher. Fahrzeuge hielten an. Fuhren weiter. Doch die Natur selbst blieb ruhig.


Als am Morgen die Sonne den Himmel in ein klares Blau tauchte, machte ich mich wieder auf den Weg. Zunächst führte mich die Straße noch einmal über die Brücke am Diamond Beach. Gerade lief das Wasser aus der Lagune zurück ins Meer. Langsam setzte sich auch das Eis in Bewegung. Die großen Eisberge trieben gemächlich der Brücke entgegen, bevor sie schließlich ihren Weg in den Atlantik fanden. Es wirkte fast so, als würde der Gletscher seine Geschichten hinaus aufs Meer schicken.


Je weiter ich Richtung Höfn fuhr, desto ruhiger wurde mein Geist. Nach einem kurzen Einkauf machte ich noch einen Abstecher zu einem kleinen Aussichtspunkt. Vor mir lagen gleich mehrere Gletscherzungen. Keine Reisebusse. Keine Warteschlangen. Nur ich. Die Schafe. Und das ewige Eis. Genau solche Momente sind es, die meine Reise so besonders machen. Die Stille. Die Weite. Die Kraft der Landschaft.


Als ich zu Fritz zurückkehrte, war der kleine Parkplatz inzwischen bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich musste schmunzeln. Island erinnert einen immer wieder daran, dass Ruhe oft nur ein flüchtiger Augenblick ist.


Am Nachmittag führte mich mein Weg weiter nach Stokksnes. Eigentlich hatte ich mich auf diesen Ort gefreut. Der markante Vestrahorn. Der Leuchtturm. Das kleine Wikingerdorf. Doch schon an der Einfahrt änderte sich meine Stimmung. Eine Schranke versperrte den Weg. Nicht nur Fahrzeuge. Sogar Fußgänger mussten Eintritt bezahlen. Natürlich verstehe ich, dass Natur gepflegt und Wege unterhalten werden müssen. Doch hier hatte ich das Gefühl, dass nicht mehr die Landschaft im Mittelpunkt steht.

Sondern das Geschäft. Ich blieb dennoch über Nacht. Das nachgebaute Wikingerdorf wirkte auf mich wenig authentisch. Die sanitären Anlagen waren in die Jahre gekommen. Das Internet funktionierte kaum. Und für fast alles wurde eine zusätzliche Gebühr verlangt. 


Je länger ich dort blieb, desto mehr merkte ich, dass dieser Ort nicht zu meiner Art des Reisens passt. Ich suche keine Kulissen. Ich suche die echte Landschaft. Die Geschichten der Erde. Die Kraft der Elemente.


Am nächsten Morgen wollte ich wenigstens noch den Leuchtturm besuchen. Doch selbst dafür galt mein Ticket nicht mehr als Durchfahrt. Ich betrachtete den Passierschein noch einen Moment. Dann warf ich ihn weg. Manchmal ist Loslassen die bessere Entscheidung. Ich startete den Motor. Fritz rollte langsam davon.


Und schon wenige Kilometer später war sie wieder da. Die Freiheit. Der Wind strich über die Küste. Die Berge spiegelten sich im Meer. Und ich wusste wieder, weshalb ich Island bereise. Nicht wegen Eintrittskarten. Nicht wegen Kulissen. Sondern wegen der Orte, an denen die Natur noch ihre eigenen Geschichten erzählt. Spät Nachmittags fand ich dann meinen Stellplatz für die Nacht. Alleine an einer wunderschönen Klippe. Abseits der Touristen-Parkplätze. Bei Fauskasandur.

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Tag 36
01.07.2026
Tag 36

Standort Morgens : Vestrahorn Camping Tacho-Tagesend-Stand : 57.772   gef. Strecke : 56 km

Standort Abends :  FS Fauksasandur  GPS : 64.48509358357677, -14.481160315518036

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0,8 km 1 Min.
Mi., 01. Jul. 2026
Skútafoss
64.34207002328343, -14.94756772759769
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15,1 km 17 Min.
Fauskasandur
64.48391315486631, -14.482714387138245
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Short vom Fjord - Die Rückkehr der Stille

Heute Morgen fiel mir der Abschied von Stokksnes leicht. Ich warf das Ticket endgültig in den Mülleimer, startete Fritz und fuhr Richtung Osten.


Schon nach wenigen Kilometern merkte ich, wie etwas von mir abfiel. Nicht nur die Schranke lag hinter mir. Auch der Trubel. Die Straße wurde leerer. Der Verkehr verschwand. Und langsam kehrte genau das zurück, weshalb ich Island so liebe. Die Stille.


Mein erster Halt war der Skútafoss. Ein kleiner Wasserfall, den viele Reisende einfach passieren. Gerade deshalb zog er mich an. Als ich ankam, war ich allein. Nur das Wasser, der Wind und ich. Ich genoss diesen stillen Augenblick. Hörte dem Wasser zu. Atmete die klare Luft ein. Und ließ die Natur auf mich wirken. Als ich wenig später weiterfuhr, hatte sich der kleine Parkplatz bereits gefüllt. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie wertvoll die frühen Morgenstunden auf dieser Reise sind. Nicht nur wegen des Lichts. Sondern wegen der Ruhe.


Danach begann meine Suche nach einem Platz für den Abend. Zunächst führte mich mein Weg zum Hvalnes Beach. Die Landschaft war wunderschön. Doch der Platz fühlte sich für mich nicht richtig an. Also fuhr ich weiter.


Auch an den Klippen von Fauskasandur hatte ich mir mehr Einsamkeit erhofft. Doch auch dort waren bereits viele Menschen unterwegs. Manchmal muss man auf Reisen einfach weiterfahren. Nicht, weil ein Ort schlecht ist.

Sondern weil er sich in diesem Moment nicht richtig anfühlt.

Und genau das wurde heute belohnt. Nur wenige Kilometer später entdeckte ich einen Platz, der wie für Fritz und mich geschaffen schien. Abseits der Straße. Mit weitem Blick über das Meer. Umgeben von den rauen Küsten der Ostfjorde. Kein Stimmengewirr. Keine Reisebusse. Nur das Rauschen des Nordatlantiks. Der Wind. Die Möwen. Und die unendliche Weite.


Ich stellte Fritz ab. Öffnete die Schiebetür. Und setzte mich einfach nur hin. Die Sonne ließ das Meer silbern glitzern. Die Wellen schlugen gleichmäßig gegen die Küste. Die salzige Luft erinnerte mich daran, wie eng Wasser und Wind hier miteinander verbunden sind. In solchen Momenten braucht es keine großen Sehenswürdigkeiten. Keine Eintrittskarten. Keine spektakulären Attraktionen. Die Landschaft selbst genügt.


Heute habe ich wieder das Island gefunden, nach dem ich die ganze Reise gesucht habe. Ein Island der Stille. Ein Island der Weite. Ein Island, in dem die vier Elemente ohne Worte miteinander sprechen. Und Fritz und ich dürfen ihnen einfach nur zuhören.

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Tag 37
02.07.2026 Die Rückkehr der Fjorde - ein Fjordfahrtag -
TAG 37

Standort Morgens : FS Fauksasandur Tacho-Tagesend-Stand : 57.873   gef. Strecke : 101 km

Standort Abends : FS 

Streitisviti Lighthouse

  GPS : 64.73018093073941, -13.986082802645482


Gleich nach dem Losfahren habe ich Rentiere gesehen

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40,7 km 38 Min.
Völustígur í Sandey
64.63477366498469, -14.256197918496467
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46,2 km 40 Min.
Eggin í Gleðivík
64.66135214313819, -14.299792662066695
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2,7 km 5 Min.
Nykurhylsfoss
64.7533914321442, -14.478900336343946
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14,4 km 12 Min.
Do., 02. Jul. 2026
Green rock Formationen Blabjörg
64.70677640160184, -14.314273765616036
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19,0 km 14 Min.
Streitisviti Lighthouse
64.72931129237597, -13.987503778686635
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Short vom Fjord - Die Rückkehr der Fjorde

Heute war wieder ein richtiger Island-Tag. So einer, den man schon beim Aufwachen spürt. Der Himmel war strahlend blau. Die Sonne begrüßte den Morgen. Und Fritz und ich machten uns gut gelaunt auf den Weg.


Mein erstes Ziel führte mich nach Djúpivogur. Doch bevor ich den Ort selbst erreichte, zog es mich zunächst zum Úlfseyjarsandur. Ich stellte Fritz am stillgelegten Flugfeld ab. Heute starten hier nur noch gelegentlich kleine Privatmaschinen. Ansonsten herrscht Stille. Ich lief die alte Start- und Landebahn entlang. Mit jedem Schritt wurde es ruhiger. Nur der Wind. Ein paar Möwen. Und das leise Rauschen des Meeres begleiteten mich. Am Ende der Rollbahn öffnete sich vor mir der schwarze Sandstrand. Eine unendliche Weite. Keine Menschen. Keine Stimmen. Nur die Natur. Ich begann eine kleine Strandwanderung.


Vor mir erhoben sich sanfte Dünen.

Sie erinnerten mich an Sylt. Und doch waren sie vollkommen anders. Hier war der Sand tiefschwarz. Geformt aus vulkanischem Gestein. Ein Werk des Feuers. Vom Wind zu eleganten Wellen modelliert. Mitten zwischen den Dünen entdeckte ich ein kleines Steinlabyrinth. Jemand hatte sich hier Zeit genommen. Stein für Stein. Vielleicht aus Freude. Vielleicht zum Nachdenken. Vielleicht einfach nur, um der Landschaft etwas zurückzugeben. Dankbar für diese Ruhe kehrte ich zu Fritz zurück.


Im Hafen von Djúpivogur wartete anschließend ein kleiner Fotostopp. Die Eggin í Gleðivík. 34 kunstvoll gestaltete Granit-Eier. Jedes steht für eine Vogelart, die in dieser Region heimisch ist. Schlicht. Unaufgeregt. Und genau deshalb passend zu diesem kleinen Ort. Doch eigentlich zog mich etwas ganz anderes an.


Die Ostfjorde. Endlich lagen sie wieder vor mir. Die Straße schmiegte sich an die Küste. Die Berge stürzten steil ins Meer. Jeder Fjord eröffnete eine neue Perspektive. Mein Herz schlug schneller. Ich hatte sie vermisst. Die großen Fjorde. Die Weite. Die Einsamkeit. Hier fühlte ich mich wieder zu Hause.


Während ich den ersten Fjord umrundete, fiel mir am Straßenrand ein kleiner Wasserfall auf. Ein spontaner Halt. Der kostenlose Parkplatz erschien mir fast wie eine Einladung der Natur.


Der Nykurhylsfoss überraschte mich völlig. Zunächst sah ich nur einen kleinen Wasserfall, der in einen ruhigen See stürzte. Ich überquerte eine Brücke und machte einige Fotos. Doch dann führte mich der Weg höher. Dort öffnete sich plötzlich ein ganz anderes Bild. Ein weiterer Wasserfall. Größer. Kraftvoller. Ich folgte den Hinweisschildern weiter flussaufwärts. Immer in der Hoffnung, die angekündigte Brücke zu erreichen. Stattdessen entdeckte ich noch weitere Wasserfälle. Jeder mit seinem eigenen Charakter. Irgendwann musste ich schmunzeln. Manche Orte geben einfach nicht alles auf einmal preis. Meine spätere Recherche bestätigte meinen Eindruck. Der Fluss trägt noch viele weitere Wasserfälle in sich. Doch nicht heute. Die Menschen wurden langsam mehr. Und ich wusste: Es ist Zeit weiterzufahren.


Mein nächstes Ziel waren die Green Cliffs. Die Basaltfelsen schimmerten in einem sanften Grün. Fast dieselben Farben hatte ich bereits gestern an den Klippen der Ostküste entdeckt. Moose. Mineralien. Feuchtigkeit. Gemeinsam verleihen sie dem dunklen Gestein eine ganz besondere Ausstrahlung. Ein paar kleine Steine aus diesem uralten Vulkanland durften mich als Erinnerung begleiten. Am Abend begann schließlich die Suche nach einem ruhigen Platz.


Und wie so oft fand nicht ich den Stellplatz. Sondern der Stellplatz fand mich. Am Wanderparkplatz des Streitisviti-Leuchtturms stellte ich Fritz für die Nacht ab. Bevor die Sonne langsam tiefer sank, unternahm ich noch eine kleine Wanderung entlang der Klippen. Ein kräftiger Wind blies vom Nordatlantik herauf. Die Wellen schlugen gegen die Felsen. Möwen glitten scheinbar mühelos durch die Luft. Ich blieb stehen. Schaute hinaus auf das Meer. Und ließ die vergangenen Wochen noch einmal vor meinem inneren Auge vorbeiziehen.


Wie viele Landschaften durfte ich sehen. Wie viele Geschichten hören. Wie viele Wunder erleben. In diesem Moment empfand ich vor allem eines. Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber meiner Familie. Sie haben mir den Rücken freigehalten. Sie haben mir die Freiheit geschenkt, diese Reise so erleben zu dürfen. Und während der Wind um Fritz strich und die Ostfjorde langsam im Abendlicht versanken, wusste ich: Nicht nur Island wird für immer ein Teil von mir bleiben. Auch diese Reise wird mich mein Leben lang begleiten.

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Tag 38
03.07.2026 Die Schönheit des Augenblicks
Tag 38

Standort Morgens : FS Streitisviti Lighthouse Tacho-Tagesend-Stand : 57.986   gef. Strecke : 113 km

Standort Abends : FS Vattenes

 GPS : 65.01687320665074, -14.207583831495663

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17,0 km 12 Min.
Petras Steinsammlung
64.83554795668884, -13.883520018005285
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27,8 km 22 Min.
Vattarnes Sea Cliffs
64.92490465531029, -13.684239196796833
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45,2 km 44 Min.
Fr., 03. Jul. 2026 - Sa., 04. Jul. 2026
Vattanes
65.01687320665074, -14.207583831495663
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Di., 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Die Schönheit des Augenblicks
Heute war einer dieser Tage, an denen einfach alles zusammenpasste.


Ich erwachte bei strahlendem Sonnenschein. Der Himmel war tiefblau. Die Luft angenehm warm. Fast zwanzig Grad zeigte das Thermometer. Vor mir ragte der Leuchtturm in den Himmel. Unter den Klippen schlug der Nordatlantik gegen die Felsen. In der Morgensonne glitzerte die Brandung wie tausende kleine Kristalle. Ich nahm mir Zeit. Heute gab es Rührei mit Speck. Draußen. Unter freiem Himmel. Kein Zeitdruck. Kein Plan, der mich hetzte. Nur Fritz, die Natur und ich. Vielleicht war ich sogar etwas zu früh unterwegs. Doch genau das gehört inzwischen zu meinem Rhythmus.


Mein erster Halt führte mich zu Petra's Steinsammlung. Schon beim Betreten musste ich schmunzeln. Wie vertraut mir dieser Ort vorkam. Zu Hause kenne ich schließlich auch jemanden, der mit derselben Leidenschaft Steine sammelt. Petra hatte aus dieser Leidenschaft ihr Lebenswerk geschaffen. Island besitzt rund 150 verschiedene Gesteinsarten. Und gefühlt hatte Petra von jeder einzelnen unzählige Exemplare zusammengetragen. Eine beeindruckende Sammlung. Nicht pompös. Nicht laut. Sondern mit viel Liebe zur Natur entstanden. Als schließlich ein Reisebus eintraf, verabschiedete ich mich. Das Wohnhaus ließ ich bewusst aus. Mir genügte das, was ich bereits gesehen hatte.


Anschließend begann wieder das, was ich an Island wohl am meisten vermissen werde. Die Fjorde. Einer nach dem anderen öffnete sich vor mir.

Jede Kurve brachte einen neuen Ausblick. Jeder Berg spiegelte sich im Wasser. Jeder Fjord erzählte seine eigene Geschichte. Immer wieder hielt ich an. Nicht weil es eine Sehenswürdigkeit war. Sondern weil mich die Landschaft dazu einlud. Manche Orte muss man nicht besichtigen. Man muss sie einfach auf sich wirken lassen.


Mein nächstes Ziel sollte zugleich der östlichste Punkt meiner gesamten Reise werden. Die Klippen von Vattarnes. Doch manchmal entscheidet die Natur. Und manchmal der Mensch. Ein abgesperrtes Privatgelände machte den Plan zunichte. Kein Wanderweg. Kein Zugang. Früher hätte mich so etwas vielleicht geärgert. Heute nicht mehr.


Island hat mir auf dieser Reise beigebracht, Pläne loszulassen. Also wurde aus dem geplanten Fotostopp einfach eine gemütliche Kaffeepause. Auch das gehört zum Reisen.


Später folgte ich dem Reyðarfjörður. Die Straße schmiegte sich an den Fjord. Das Wasser lag ruhig da. Die Berge spiegelten sich in seinem tiefen Blau. Langsam begann ich nach einem Platz für die Nacht zu suchen. Einige schöne Plätze fand ich entlang kleiner Schotterstraßen. Doch einer zog mich sofort in seinen Bann. Direkt an einem Gletscherfluss. Nicht weit von meiner morgigen Route entfernt. Ein Ort voller Ruhe. Kein Straßenlärm. Keine Menschen. Nur das stetige Rauschen des Wassers. Der Wind in den Gräsern. Und die Stimmen der Vögel. Manche nennen es Lärm. Für mich ist es die schönste Musik der Welt.


Ich setzte mich auf einen großen Felsen am Flussufer. Ließ die Beine baumeln. Und blickte noch einmal zurück. Vor achtunddreißig Tagen begann dieses Abenteuer. Seitdem durfte ich Vulkane besteigen. Durch Gletscher wandern. Lavahöhlen erkunden. Heiße Quellen genießen. Wale und Polarfüchse beobachten. Die Westfjorde erleben. Und unzählige Wasserfälle entdecken. Jetzt, da sich die Rückreise langsam ankündigt, spüre ich vor allem eines. Tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit für diese Reise.


Für Fritz, der mich zuverlässig über tausende Kilometer getragen hat. Für meine Familie, die mir all das ermöglicht. Und für Island. Diese Insel hat mir weit mehr geschenkt als schöne Bilder. Sie hat mich gelehrt, wieder genauer hinzusehen. Die Sprache des Windes zu hören. Das Wasser zu verstehen. Die Kraft der Erde zu spüren. Und das Feuer zu achten, das tief unter allem weiterlebt.


Morgen wartet noch einmal ein Canyon auf mich. Übermorgen werden mich weitere Wasserfälle begleiten. Und dann führt mich mein Weg langsam zurück zu jenem Fjord, an dem diese Reise begann. Dort, wo Fritz und ich vor 38 Tagen zum ersten Mal isländischen Boden unter den Rädern hatten. Ein Kreis schließt sich. Doch die Erinnerungen werden bleiben.

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Tag 39
04.07.2026 Die Sprache der Steine
Tag 39

Standort Morgens : FS Vattenes Lighthouse Tacho-Tagesend-Stand : 58.096   gef. Strecke : 110 km

Standort Abends : CP Studlagil

 GPS : 65.16422666575572, -15.310574097073188

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29,2 km 31 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Stuðlagil Canyon
65.16359708446532, -15.309618648617858
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106,0 km 1 Std. 30 Min.
Studlagil Canyon Camping
65.16421564948078, -15.310564975321164
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Short vom Fjord - Die Sprache der Steine

Heute war weniger ein Tag der großen Erlebnisse. Heute war ein Tag der Erkenntnis. Ein Tag der inneren Einkehr.


Die Fahrt selbst verlief völlig entspannt. Gut einhundert Kilometer lagen vor Fritz und mir. Früher hätte ich darüber wahrscheinlich anders gedacht. Heute fühlt sich so eine Strecke an, als würde man einmal kurz um die Ecke fahren. Fritz schnurrte zuverlässig über die Straßen. Die Landschaft zog gemächlich an uns vorbei. Und ich merkte einmal mehr, wie sehr wir inzwischen ein eingespieltes Team geworden sind.


Mein Ziel war der Stuðlagil-Canyon. Zunächst steuerte ich die Ostseite an. Nach einer etwa drei Kilometer langen Wanderung öffnete sich plötzlich die Landschaft. Und dann stand ich da. Sprachlos. Vor mir erhoben sich unzählige Basaltsäulen. Präzise. Kraftvoll. Zeitlos.


Der türkisfarbene Fluss hatte sich tief zwischen ihnen seinen Weg gebahnt. Ich blieb einfach stehen. Keine Kamera. Keine Drohne. Nur schauen. Nur staunen. Es gibt Orte, die man nicht beschreiben kann. Man muss sie erleben. Die gewaltigen Basaltsäulen strahlten eine Ruhe aus, die tief in mir etwas berührte. Ich fühlte mich der Erde so nah wie selten zuvor. Diese Steine entstanden aus glühender Lava. Vor Millionen von Jahren. Heute stehen sie dort wie riesige Säulen einer uralten Kathedrale. Die Natur selbst hat sie erschaffen. Nicht für den Menschen. Nicht für Fotos. Sondern einfach, weil die Erde ihren eigenen Weg geht. 


In diesem Moment wurde mir etwas bewusst. Diese Art zu reisen. Dieses einfache Leben im Camper. Das Unterwegssein. Die Nähe zur Natur. Genau das entspricht meinem Wesen. Hier fühle ich mich zuhause. Nicht zwischen Mauern. Sondern zwischen Himmel, Wasser, Wind und Fels.


Nach der Wanderung wechselte ich auf die Westseite des Canyons. Statt die Parkgebühr zu bezahlen, entschied ich mich für den Campingplatz. So konnte ich den Canyon auch von dieser Seite erkunden und hatte gleichzeitig meinen Stellplatz für die Nacht.


Die Wege waren deutlich besser ausgebaut. Entsprechend mehr Besucher waren unterwegs. Doch erstaunlicherweise verlief sich alles gut. Bis auf wenige Ausnahmen konnte jeder diesen besonderen Ort in Ruhe genießen.  Und das tat auch ich.


Am Abend zog ich mich schließlich wieder in Fritz zurück. Während draußen langsam Ruhe einkehrte, ließ ich meine Gedanken schweifen. Mir wurde bewusst, dass sich diese Reise langsam ihrem Ende nähert. In wenigen Tagen werde ich an Bord der Norröna stehen. Dann beginnt ein neuer Abschnitt dieser Reise. Nicht mehr das Erleben. Sondern das Erinnern. Aus tausenden Bildern und vielen Stunden Videomaterial wird langsam ein Film entstehen. Ein Film über Island. Aber vor allem ein Film über das Leben unterwegs.


Wenn ich heute auf die vergangenen Wochen zurückblicke, bleibt vor allem ein Gefühl. Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass ich diese Reise erleben durfte. Dass Fritz mich sicher durch Lavafelder, Fjorde, über Schotterstraßen und entlang gewaltiger Küsten getragen hat. Und Dankbarkeit gegenüber meiner Familie, die mir diese Freiheit ermöglicht.


Eines weiß ich heute mit Sicherheit. Ich würde diese Reise wieder machen. Vielleicht nicht morgen. Vielleicht nicht nächstes Jahr. Aber irgendwann. Denn ich habe hier nicht nur Island kennengelernt. Ich habe auch ein Stück von mir selbst gefunden. Zwischen Basalt und Gletschereis. Zwischen heißen Quellen und dem kalten Nordatlantik. Zwischen Wind, Wasser, Erde und Feuer. Und genau dort fühle ich mich angekommen.

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Tag 40
Tag 40

Standort Morgens : CP Studlagil Tacho-Tagesend-Stand : 58.208   gef. Strecke : 112 km

Standort Abends : FS 

Upphéraðsvegur  GPS : 65.07082697421006, -14.8203426319972
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Rjukanda Waterfall
65.33492354205988, -15.080918799735832
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23,1 km 29 Min.
Litlanesfoss
65.08388883387558, -14.884191108066041
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78,5 km 54 Min.
Hengifoss
65.09523048093754, -14.889387513930552
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So., 05. Jul. 2026 - Mo., 06. Jul. 2026
Upphéraðsvegur
65.07138524350341, -14.82062549050856
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Short vom Fjord - Zurück zu den Anfängen

Heute stand wieder ein kleiner Fahrtag auf dem Programm. Gerade einmal 112 Kilometer. Nach den vielen langen Etappen der vergangenen Wochen fühlte sich das fast wie ein gemütlicher Sonntagsausflug an.


Das Wetter zeigte sich noch einmal von seiner schönsten Seite. Blauer Himmel. Warme 21 Grad.bKaum Wind. Genau das richtige Wetter, um die Landschaft noch einmal bewusst in sich aufzunehmen.


Mein erster Halt führte mich zum Rjúkandi. Schon zweimal war ich an diesem Wasserfall vorbeigefahren. Beide Male war der kleine Parkplatz hoffnungslos überfüllt. Heute hatte ich Glück. Kein Gedränge. Kein Warten. Nur das stetige Rauschen des Wassers. Der Wasserfall stürzt in mehreren Kaskaden den Berghang hinab und wirkt beinahe, als würde er über den Felsen schweben. Ich blieb eine Weile stehen und genoss diesen ruhigen Moment. Manchmal lohnt es sich, einen Ort nicht sofort zu erzwingen. Manchmal schenkt Island einem genau den richtigen Augenblick.


Anschließend erreichte ich wieder Egilsstaðir. Die Vorräte mussten noch einmal aufgefüllt werden. Der Alltag holte mich für einen kurzen Moment ein. Der Kassierer schien mit der Sonntagsarbeit nicht besonders glücklich zu sein. Seine Laune konnte meiner jedoch nichts anhaben. Dafür war dieser Tag viel zu schön. Der eigentliche Höhepunkt wartete ohnehin noch auf mich.


Die Wanderung zum Hengifoss. Der Weg dorthin war deutlich anspruchsvoller, als ich ihn in Erinnerung hatte. Etwa zweieinhalb Kilometer führten stetig bergauf. Rund 130 Höhenmeter. Manche Abschnitte waren überraschend steil. Immer wieder blieb ich kurz stehen. Nicht aus Erschöpfung. Sondern um die Aussicht zu genießen. :-)


Unter mir wurde der See Lagarfljót immer kleiner. Vor mir rückte der Wasserfall langsam näher. Als ich schließlich oben ankam, wurde ich für jeden Schritt belohnt.


Der Hengifoss gehört für mich zu den eindrucksvollsten Wasserfällen Islands. Nicht allein wegen seiner Höhe. Sondern wegen der roten Gesteinsschichten, die sich wie feine Linien durch den Fels ziehen. Hier erzählt die Erde ihre eigene Geschichte. Schicht für Schicht. Jahrmillionen übereinandergelegt. Geformt von Feuer, Wasser und Zeit. 


Der Rückweg verlief deutlich entspannter. Bergab läuft es sich eben leichter. Am Nachmittag machte ich mich schließlich auf den Weg zu jenem Stellplatz, den ich bereits gestern für mich entdeckt hatte. Hoch über dem Lagarfljót fand ich wieder die Ruhe, die mich auf dieser Reise so oft begleitet hat. Fritz stand auf einer kleinen Anhöhe. Vor uns lag der See. Darüber spannte sich ein tiefblauer Himmel. Die Sonne wärmte angenehm. Ein leichter Wind strich durch das Gras. Ich setzte mich noch eine Weile hinaus. Nicht, um etwas zu tun. Sondern einfach, um diesen Augenblick zu genießen.


Langsam schließt sich der Kreis meiner Reise. Vor Wochen begann hier im Osten Islands mein Abenteuer. Nun führen mich die letzten Etappen wieder zurück an den Ausgangspunkt. Es fühlt sich nicht wie das Ende einer Reise an. Sondern wie der Abschluss eines großen Kreises. Ein Kreis voller Begegnungen mit den Elementen. Mit Feuer und Eis. Mit Wind und Wasser. Mit Bergen, Fjorden und unzähligen Wasserfällen.


Und während die Abendsonne den Lagarfljót in goldenes Licht tauchte, wurde mir wieder bewusst: Nicht die Kilometer machen eine Reise unvergesslich. Sondern die Momente, in denen man innehält und erkennt, wie reich einen die Natur beschenkt.

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Tag 41
06.07.2026
Tag 41

Standort Morgens : FS Upphéraðsvegur Tacho-Tagesend-Stand : 58.300   gef. Strecke : 92 km

Standort Abends : FS Strandarvegur GPS : 65.2804978678505, -13.926211091877855

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3,6 km 4 Min.
Strandarvegur
65.2793, -13.9299
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Di., 30. Nov. -0001
Short vom Fjord - Manchmal entscheidet die Natur
Der Tag begann ganz entspannt. Nach dem Frühstück gönnte ich Fritz erst einmal eine kleine Pflege. Ich putzte die Frontscheibe.


Schließlich sollte heute eine der schönsten Panoramastraßen meiner Reise auf mich warten. Mit sauberer Scheibe sieht man die Landschaft eben noch ein Stück intensiver. Während ich beschäftigt war, hielt plötzlich ein Auto neben mir. Ein Mann stieg aus und sprach mich auf Deutsch an. Er erklärte mir freundlich, dass das Übernachten außerhalb offizieller Stellplätze auf Island nicht erlaubt sei. Ich nickte und sagte ihm, dass ich ohnehin gleich weiterfahren würde. Später traf ich ihn zufällig noch einmal am Hengifoss bei einer Tasse Kaffee. Da musste ich innerlich schmunzeln. Es ist schon irgendwie typisch.


Da reist man bis nach Island... ...und wird von einem Deutschen auf die Regeln hingewiesen. Nun ja. So sind wir Deutschen eben. 


Eigentlich hatte ich heute Großes vor. Mein Ziel war das Hochland. Über die Route 910, die früher eine Hochlandpiste war und inzwischen bis zum Kárahnjúkavirkjun-Staudamm vollständig asphaltiert wurde. Voller Vorfreude machte ich mich auf den Weg. Meter für Meter schraubte sich Fritz die Straße hinauf. Etwa fünfhundert Höhenmeter hatten wir bereits hinter uns gelassen. Dann änderte sich die Welt schlagartig. Der Nebel kam. Nicht ein paar Wolken.

Sondern eine dichte weiße Wand. Die Sicht schrumpfte auf wenige Meter. Die Landschaft, auf die ich mich so gefreut hatte, verschwand vollständig. Ich wartete eine ganze Weile. Vielleicht würde der Wind die Wolken vertreiben. Vielleicht würde sich das Hochland noch zeigen. Doch die Natur hatte heute andere Pläne. Der Nebel blieb. 


Also traf ich eine Entscheidung. Nicht gegen die Natur. Sondern mit ihr. Ich drehte um. Island hat mich auf dieser Reise gelehrt, dass man die Elemente nicht bezwingen kann. Man akzeptiert sie. Und passt sich ihnen an.


Auf dem Rückweg sah ich einen Bauern, der mit seinem Quad seine Rinder zusammentrieb. Ein alltäglicher Anblick. Und doch passte er wunderbar zu dieser Landschaft. Wenig später entdeckte ich eine Informationstafel. Dort wurde noch einmal deutlich erklärt, dass selbst viele geländegängige Wohnmobile das eigentliche Hochland nicht befahren dürfen. Nur echte Geländewagen mit entsprechender Ausstattung sind dort zugelassen. Auch das zeigt den Respekt, den man dieser Landschaft entgegenbringen sollte. Nicht alles, was technisch möglich erscheint, ist auch sinnvoll.


Wieder unten im Tal wurde mein Entschluss immer klarer. In wenigen Tagen wartet bereits die Norröna auf Fritz und mich. Warum also noch Kilometer sammeln? Warum nicht einfach dort bleiben, wo es schön ist? Ich beschloss, die letzten Tage meiner Islandreise ganz bewusst ruhiger anzugehen. Wenn mich niemand vertreibt, bleibe ich hier am Fjord. Ein Ort, der mir inzwischen vertraut geworden ist. Ein Ort zum Durchatmen. Zum Nachdenken. Zum Abschiednehmen.


Die Reise neigt sich langsam ihrem Ende entgegen. Doch ich empfinde keine Traurigkeit. Eher Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass ich lernen durfte, Pläne loszulassen. Dass nicht immer das Ziel entscheidend ist. Sondern der Weg dorthin. Und manchmal besteht der schönste Weg darin, einfach anzuhalten. Den Blick über den Fjord schweifen zu lassen. Dem Wind zuzuhören. Und nichts weiter zu tun, als den Augenblick zu genießen.

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Tag 42 bis 44
07. & 08.07.2026
63,1 km 56 Min.
Seydisfjordur Camping Site
65.25984806161777, -14.012318552265466
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Di., 07. Jul. 2026 - Mi., 08. Jul. 2026
Rückblick auf 40 Tage Island – Mehr als nur eine Reise

Heute endet meine Reise durch Island.

Morgen wird Fritz wieder auf die Norröna rollen und langsam Kurs auf die Heimat nehmen. Während ich am Fjord sitze und noch einmal über das Wasser blicke, fällt es mir schwer, diese vergangenen vierzig Tage in Worte zu fassen. Es war weit mehr als ein Roadtrip. Es war eine Reise zu einer Insel, aber auch eine Reise zu mir selbst.

Island hat mir gezeigt, dass Schönheit nicht laut sein muss. Die eindrucksvollsten Momente waren oft jene, in denen ich ganz allein war. Ein einsamer Wasserfall. Ein Fjord ohne ein einziges Auto. Ein Gletschersee, auf dem lautlos Eisberge trieben. Der Wind an einer Steilküste. Das Rauschen eines Flusses. Genau dort habe ich die größte Ruhe gefunden.

Ich durfte nahezu alle Landschaftsformen dieser einzigartigen Insel erleben. Die endlosen Fjorde im Osten und Westen. Schwarze Lavafelder. Aktive Geothermalgebiete. Gewaltige Wasserfälle. Vulkankrater. Heiße Quellen. Gletscherzungen und Gletscherlagunen voller treibender Eisberge. Jeder Tag zeigte mir eine neue Seite Islands, und doch gehörte alles zusammen. Feuer und Eis. Wasser und Wind. Gegensätze, die sich hier nicht bekämpfen, sondern gemeinsam eine Landschaft erschaffen, wie es sie kein zweites Mal auf der Erde gibt.

Besonders tief berührt haben mich die Orte, an denen die Natur noch die Hauptrolle spielt. Nicht dort, wo Reisebusse im Minutentakt Besucher ausspucken, sondern dort, wo Stille herrscht. An den Westfjorden. Auf einsamen Schotterstraßen. In moosbewachsenen Schluchten. An kleinen Wasserfällen, die kaum jemand kennt. Dort spürte ich eine Erdverbundenheit, die sich nur schwer beschreiben lässt. Es war, als würde die Natur selbst mit einem sprechen – ohne Worte und doch unmissverständlich.

Diese Reise hat mir auch gezeigt, wie wenig man eigentlich braucht. Mein Zuhause war vierzig Tage lang Fritz. Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Aussichtsterrasse zugleich. Jeder Stellplatz bot ein neues Panorama. Jeder Morgen begann mit einem anderen Ausblick. Ich habe gelernt, langsamer zu werden, Pläne auch einmal loszulassen und die Entscheidungen der Natur anzunehmen. Nebel, Regen oder Sturm waren keine Gegner, sondern Teil dieser Reise.

Natürlich gab es auch Momente, die mich nachdenklich machten. Die zunehmende Vermarktung mancher Orte. Hohe Parkgebühren. Schranken mitten in der Natur. Sehenswürdigkeiten, die mehr Kulisse als Erlebnis geworden sind. Doch selbst daraus habe ich etwas mitgenommen. Island besteht nicht aus den bekannten Hotspots. Das wahre Island beginnt oft dort, wo die Reisebusse umkehren.

Besonders dankbar bin ich dafür, dass ich diese Reise überhaupt erleben durfte. Meiner Familie, die mir den Rücken freigehalten und mich auf meinem Traum unterstützt hat. Ohne sie wäre all das nicht möglich gewesen. Diese Dankbarkeit hat mich während der gesamten Reise begleitet und ist mit jedem Tag größer geworden.

Auch Fritz hat seinen Anteil an diesem Abenteuer. Tausende Kilometer hat er mich zuverlässig über Asphalt, Schotter, Pässe und Küstenstraßen getragen. Gemeinsam haben wir Wind, Regen, Sonne und Nebel erlebt. Wir haben an Fjorden übernachtet, auf Klippen gestanden und mitten in Lavafeldern den Tag ausklingen lassen. Er war weit mehr als nur ein Fahrzeug. Er war mein Zuhause.

Was nehme ich aus Island mit?

Nicht nur tausende Fotos und viele Stunden Filmmaterial.

Ich nehme Gelassenheit mit.

Ich nehme Demut mit.

Ich nehme die Erkenntnis mit, dass Glück oft in den einfachen Dingen liegt. Im Rauschen eines Wasserfalls. Im Duft von nassem Moos. Im warmen Wasser einer heißen Quelle. Im Blick über einen stillen Fjord. Oder einfach darin, mit einer Tasse Kaffee vor dem Camper zu sitzen und den Elementen zuzuhören.

Würde ich diese Reise noch einmal machen?

Ohne einen Moment zu zögern.

Ja.

Denn ich habe in Island nicht nur eine der beeindruckendsten Landschaften Europas kennengelernt.

Ich habe auch eine Lebensweise gefunden, die zu mir passt.

Das Reisen im Camper. Die Nähe zur Natur. Das einfache Leben unterwegs. Genau dort fühle ich mich frei.

Morgen beginnt die Heimreise.

Doch ich weiß schon heute:

Ein Teil von mir wird immer hierbleiben.

Zwischen den Fjorden.

Den Gletschern.

Den Vulkanen.

Den Wasserfällen.

Und den vier Elementen, die Island zu dem machen, was es ist.

Takk fyrir, Ísland.

Bis irgendwann.

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Tag 44
TAG 44, 09.07.2026 zum Fährhafen Ab 8:00h da sein
5,1 km 9 Min.
Smyril line
65.26272384046638, -14.00204063926778
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1,1 km 3 Min.
Fährverbindung
Seyðisfjarðarkaupstaður
Island
2 T. 2 Std.
Hirtshals
Region Nordjütland, Dänemark
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