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Routen
Baltikum Roadtrip 2025 - Reisetagebuch
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Gefahren Öffentlich
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Baltikum Roadtrip 2025 - Reisetagebuch

Selbstreflektion - Eine Reise zu sich selbst Es gibt Momente im Leben, da wird es plötzlich leise. Nicht außen – sondern innen. Nach der Operation (Zungenkrebs) war nichts spektakulär anders. Keine Erleuchtung, kein großes Versprechen. Aber Zeit bekam ein anderes Gewicht. Sie fühlte sich nicht mehr selbstverständlich an, sondern kostbar. Und fragil. Ich merkte, dass ich Antworten nicht finden würde, indem ich schneller wurde. Sondern langsamer. Der Roadtrip war kein Fluchtversuch. Er war eine Einladung. An mich selbst. Mit Fritz, meinem 2x2-Citroën-Campervan, wollte ich der Ostsee folgen, Grenzen queren, Geschichte lesen – nicht in Büchern, sondern im Gelände. Und irgendwo zwischen Asphalt, Wald und Wind herausfinden, wie viel Richtung man braucht, wenn man Zeit sucht Mit einem Roadtrip entlang der Ostsee bis nach Tallin und zurück erkunde ich das gesamte Baltikum bis zur russischen Grenze in Narva. Bei diesem Roadtrip nutze ich meine Erfahrung aus meinem vorherigen Nordland-Roadtrip und werde mir mehr Zeit an den jeweiligen Stehplätzen nehmen. Also ruhig mal 2-3 Tage die Umgebung erkunden. Das Kameraequipment (ACE, X3 + Drohnen) besser einsetzen und Zeit für den Video-Schnitt (höhere Qualität und besserer Inhalt) einplanen. Meine YoutTube - Playliste für diesen Trip : https://www.youtube.com/playlist?list=PLD3KxOtxoJUEFzNUngHZ07k4O6srmbxIm


Routeninfo
5616 Kilometer
52 Tage
01.08.2025 - 21.09.2025
215 Wegpunkte

Reisebericht

Tag 1
01.08.2025
Mein Buch bei Amazon

https://www.amazon.de/dp/B0GR1N6CKF?psc=1&smid=AFIBQIMF3ENWD&ref_=chk_typ_imgToDp


Meine YouTube-Videos und Playlist

https://www.youtube.com/playlist?list=PLD3KxOtxoJUEFzNUngHZ07k4O6srmbxIm


Tag 1 – Der Moment des Losfahrens

Der erste Tag ist kein Abschied. Er ist ein Innehalten mit Bewegung.
Als ich Fritz starte, verändert sich nichts sichtbar – und doch verschiebt sich etwas Entscheidendes. Der Alltag bleibt zurück wie ein Raum, dessen Tür man leise schließt, um niemanden zu wecken.

Die Straße liegt offen vor mir, aber sie fordert keine Eile. Ich fahre nicht, um anzukommen. Ich fahre, um mich zu lösen. Nach der Operation hat Zeit ein anderes Gewicht bekommen. Sie ist kein Vorrat mehr, sondern ein Zustand. Und heute ist sie großzügig.

Der Himmel ist weit, die Gedanken noch ungeordnet. Ich lasse sie fahren wie lose Blätter. Der Roadtrip beginnt nicht mit einem Ziel, sondern mit der Erlaubnis, keines zu brauchen.


Wollin 01.-03.08.2025
Zamkowa, Wollin, Landkreis Cammin, Woiwodschaft Westpommern, Polen

Wikingerfest Wollin Swinemünde


Nach langer aber staufreier Anfahrt über Usedom nach Wollin besuchte ich das dortige Wikingerfest. Einfach IRRE. Super gemacht. Sehr viele Schausteller und Besucher (ca. 30.000). Das Slawen- und Wikingerfestival in Wolin (Wollin), Polen, ist eines der größten und bekanntesten Reenactment-Events dieser Art weltweit. Es findet jährlich auf der Insel Wolin in der Nähe des Dorfes Recław statt. 


Stellplatz für die Nacht
53.921538692771755, 14.276911929676555

Freiparken für die Nacht auf dem Parkplatz in Swinemünde


53.921538692771755, 14.276911929676555


Tag 2
02.08.2025
Tag 2 – Kilometer, die tragen

Freiheit ist romantisch – und technisch.
Die Batterie meldet sich, leise, aber bestimmt. Sie verlangt Bewegung, fordert Kilometer ein. Es ist kein Konflikt, eher ein stiller Vertrag zwischen mir und der Maschine.

Ich fahre weiter, nicht schneller, sondern bewusster. Jeder Kilometer lädt nicht nur Strom, sondern auch Vertrauen. Vertrauen in den Rhythmus der Reise. In das Zusammenspiel aus Planung und Loslassen.

Am Abend stehe ich still. Nicht erschöpft, sondern gesammelt. Ich merke, dass diese Reise nicht gegen Grenzen fährt, sondern mit ihnen arbeitet.


01. Aug. 2025 - 01. Aug. 2025
Swinemünde
Woiwodschaft Westpommern, Polen
Swinemünde ist eine Hafenstadt, die sich auf eine Inselgruppe im Nordwesten von Polen verteilt. Hier befinden sich Befestigungsanlagen aus der Preußenzeit und ein Fischereimuseum mit Modellschiffen und Aquarien. Der Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert verfügt über eine Aussichtsplattform mit Blick auf Hafen und Ostsee. In der Nähe liegen der Kurpark, eine Gartenanlage aus dem 19. Jahrhundert mit mediterranen Pflanzen, und die Christuskirche mit einem über dem Mittelgang hängenden Schiffsmodell.

30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Kolberger Deep
Wyzwolenia 5, Kolberger Deep, Landkreis Kolberg, Woiwodschaft Westpommern, Polen
Dzwirzyno (deutsch Kolberger Deep) ist einer der beliebtesten Badeorte an der polnischen Ostseeküste. Das ca. 700 Einwohner zählende Dzwirzyno liegt in Westpommern und gehört zur Gemeinde Kolobrzeg, ca. 13 km von Kolberg entfernt. Dzwirzyno zeichnet sich durch seine reizvolle Lage aus: zwischen der Ostseeküste und dem Resko-See. Der von einem Kiefernwald umsäumte Strand gehört zu den schönsten an der polnischen Ostseeküste. 


Für mich waren das aber zuviele Menschen. 


Mein Youtube-Video zu Swinemünde

https://youtu.be/NnRze_vEStU


Tag 3
03.08.2025
Tag 3 – Die Küste als Linie der Zeit

Die Ostsee erscheint nicht plötzlich. Sie kündigt sich an.
Der Wind verändert sich, die Luft wird salziger, die Landschaft offener. Küsten sind Übergänge – zwischen Land und Wasser, Gegenwart und Geschichte.

Hier haben Menschen immer gewusst, dass nichts bleibt, wie es ist. Ich spüre das beim Gehen, beim Schauen. Die See urteilt nicht. Sie erinnert.

Ich denke an Ordensritter, Händler, Kriege und Wege. Geschichte liegt hier nicht hinter Glas, sie liegt unter den Füßen. Und sie fragt nicht, was ich suche. Sie zeigt nur, dass andere vor mir gesucht haben.


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Rügenwalde
54.41975142507914, 16.407034984758837
Rügenwalde Erik I. und die Teewurst


Heute wollte ich eigentlich nach Kolberg und noch einige andere Küstenorte. Da war es so voll. Naja, Sonntag und Urlaubszeit. Das waren für mich zu viele Menschen auf einmal. Ich bin dann nach Rügenwalde gefahren. Dort habe ich das Schloss von Erik I. von Pommern - auch ein König von Dänemark, Schweden und Norwegen - besucht und auch den Ursprung der Rügenwalder Teewurst gefunden.


Die Geschichte der Rügenwalder Teewurst
Die Rügenwalder Teewurst wurde 1903 von Carl Wilhelm Gottfried Müller im pommerschen Rügenwalde (heute Darłowo, Polen) erfunden und durch die Idee seiner Frau Alwine mit einer roten Mühle als Markenzeichen versehen. Ursprünglich als streichfähige Rohwurst für die Nachmittagsteezeit gedacht, wurde sie durch den herben Geschmack und die hohe Qualität schnell überregional bekannt. Nach der Vertreibung 1945 baute die Familie das Unternehmen im niedersächsischen Bad Zwischenahn neu auf, wo es sich zur bekannten „Rügenwalder Mühle“ entwickelte

Stellplatz für die Nacht
54.41975142507914, 16.407034984758837

Freistehplatz für diese Nacht


Koordinaten : 54.41975142507914, 16.407034984758837


Tag 4
04.08.2025
Tag 4 – Alleinsein ist ein Raum

Allein unterwegs zu sein bedeutet nicht, leer zu sein. Es bedeutet, sich selbst nicht auszuweichen. Gespräche fallen weg, Geräusche werden klarer. Der eigene Atem wird hörbar.


Ich verbringe den Tag langsam. Beobachte mehr, als ich tue. Fritz ist zuverlässig, stiller Begleiter, kein Gesprächspartner, aber ein guter Zeuge.


Am Abend merke ich: Einsamkeit ist ein Gefühl. Alleinsein ist eine Entscheidung. 


Und diese Entscheidung fühlt sich richtig an.


30. Jul. 2025 - 30. Jul. 2025
Stolpmünde
Uroczysko, Stolpmünde, powiat słupski, Woiwodschaft Pommern, Polen
Stolpmünde Blücher Bunker Bernsteinküste


Heute bin ich nach Stolpmünde gefahren. Habe mir den Hafen angeschaut. Dabei meine DJI Neo verloren. Ist im Hafenbecken auf Tauchfahrt gegangen. Danach besuchte ich den Blücher Bunker. Eine Küstenbatterie aus dem 2. WK. Danach noch an diversen Stellen versucht an die Bernsteinküste zu kommen. Anschliessend bin ich nach Leba - zur größten Wanderdüne Polens - und die Massen haben einen schlicht erschlagen. Unfreundliche Förster wollten noch nicht einmal das ich als Deutscher Camper auf einen Wanderparkplatz parke obwohl ich deutlich machte hier nur wandern zu wollen. Mein Entschluss stand fest. Weit weg von der polnischen Ostseeküste, weg von den Touristenströmen. Nach Leba bzw. dem Versuch einer Wanderung lasse ich meine Reiseplanung fallen und suche erst einmal Ruhe am Frischen Haff. 


Stellplatz für die Nacht
54.72636408492827, 17.56960937758385

Freistehplatz zwischen Straße und Gleis


Koordinaten : 54.72636408492827, 17.56960937758385


Tag 5
05.08.2025
Tag 5 – Geschichte ohne Pathos

Ich lese über Orte, während ich durch sie fahre.
Burgen, Mauern, Namen. Die Geschichte des Deutschritterordens ist komplex, widersprüchlich, unbequem. Sie erzählt von Macht und Mission, von Ordnung und Gewalt.

Ich versuche nicht zu urteilen. Ich versuche zu verstehen. Geschichte als Spiegel – nicht, um mich darin zu bewundern, sondern um meine eigene Zeit einzuordnen.

Die Stille hilft dabei. Sie macht Platz für Fragen, die sonst keinen Raum bekommen.


Suche nach Tiefe Ruhe, Zeit & Natur

Zur Ferienzeit ist die polnische Ostseeküste ein zweigeteiltes Wesen.

Da sind zuerst die Badeorte: Mielno, Kołobrzeg, Władysławowo, Łeba, Międzyzdroje. Im Juli und August verwandeln sie sich in ein dichtes, lärmendes Band aus Menschen, Handtüchern und Stimmen. Die Strände sind breit, ja – aber sie fühlen sich schmal an, weil jede freie Fläche besetzt ist. Windschutz an Windschutz, dazwischen Kühlboxen, aufblasbare Flamingos, der Geruch von Sonnencreme, gebratenem Fisch und Zuckerwatte. Lautsprecher aus Strandbars mischen sich mit Kinderrufen, Möwengeschrei und dem dumpfen Wummern von Sommerhits. Die Promenaden sind ein Strom ohne Pause: Eis in der Hand, Souvenirs aus Plastik, Gedränge bis spät in die Nacht. Das Meer ist da – aber es gehört allen gleichzeitig, und dadurch fast niemandem.


Und dann kommt der Moment der Flucht.

Man fährt ein paar Kilometer weiter. Verlässt den Ort. Lässt die Promenade hinter sich, biegt ab auf schmale Straßen, Waldwege, Sandpisten. Parkt dort, wo kein Kiosk mehr steht, wo die Schilder fehlen. Der Wald öffnet sich – und plötzlich ist Stille.

Hier sind die anderen Strände: zwischen Kiefern und Dünen, fern von Orten, oft namenlos. Der Sand ist heller, feiner, unberührt von tausend Fußabdrücken. Der Wind hat Platz, das Meer atmet breiter. Man hört nur Wellen, Gras, vielleicht einen Vogel. Manchmal sieht man kilometerweit keinen Menschen. Nur Horizont. Nur Weite. Die Ostsee wirkt hier rauer, ehrlicher – nicht dekoriert, nicht gezähmt.

Diese Flucht ist kein großes Abenteuer. Sie ist leise. Sie besteht aus Weglassen: keine Musik, keine Buden, keine Reihen aus Liegestühlen. Stattdessen barfuß durch kalten Sand, Salz auf der Haut, Blick ins Nichts. Man bleibt länger. Oder man geht einfach, ohne Ziel, den Strand entlang, bis der Gedanke langsamer wird.

Die polnische Ostseeküste kann laut sein, dicht, übervoll.
Aber sie kann auch einsam, weit und tröstlich sein – wenn man bereit ist, den ersten Strand nicht gelten zu lassen und weiterzugehen, bis das Meer wieder sich selbst gehört.

Die Frische Nehrung an der russischen Grenze ist so ein Ort.


Frische Nehrung
Polen
Friesen in Preußen 


Die Frische Nehrung ist eine rund 60 Kilometer lange Landzunge, die das Frische Haff von der Danziger Bucht trennt. Sie erstreckt sich von der Weichselmündung im Westen bis zur russischen Grenze im Osten und beeindruckt mit ihrer abwechslungsreichen Landschaft: Endlose Sandstrände, imposante Dünenlandschaften, dichte Kiefernwälder und ruhige Haffufer machen die Region zu einem faszinierenden Reiseziel für Naturfreunde und Erholungssuchende.

Interessanterweise hat der Name Frische Nehrung nichts mit der frischen Meeresbrise zu tun. Wahrscheinlich leitet er sich von den Friesen ab, die im Mittelalter mit den Ordensrittern in den Osten auswanderten. Aus der ursprünglichen „Friesischen Nehrung“ wurde so im Laufe der Zeit die „Frische Nehrung“. Auf Polnisch trägt sie den Namen Weichsel-Nehrung, da sich hier Polens längster Fluss, die Weichsel, ins Meer ergießt.


Mein Youtube-Video zur Frischen Nehrung

https://youtu.be/IN9XyQiZBrU


Stellplatz für diese Nacht
54.39671069567296, 19.490264633453975

Beim Russen im Vorgarten


Koordinaten : 54.39671069567296, 19.490264633453975


Tag 6
06.08.2025
Tag 6 – Der Körper erinnert sich

Heute denke ich an die Operation. Nicht aus Angst, sondern aus Klarheit.
Der Körper hat etwas durchgestanden. Er trägt es weiter, ohne Drama. Und ich lerne, ihm zuzuhören.

Diese Reise ist kein Triumphzug. Sie ist ein Gespräch. Zwischen mir und dem, was bleibt, wenn vieles nicht mehr selbstverständlich ist. Ich fahre weniger. Stehe mehr. Zeit beginnt, sich zu dehnen.


Museum Stutthof
Muzealna 6, Stutthof, powiat nowodworski, Woiwodschaft Pommern, Polen
In der Nähe des Dorfes Stutthof (polnisch: Sztutowo), etwa 34 Kilometer östlich von Danzig (polnisch: Gdańsk) entfernt, errichte die SS im September 1939 ein Lager, das bis Ende April 1945 bestand. Seit 1962 erinnert eine Gedenkstätte an die etwa 65.000 Opfer des Konzentrationslagers.

Frauenburg
Mikołaja Kopernika, Frauenburg, powiat braniewski, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen
Der Frauenburger Dom, der auch unter dem Namen Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Andreas bekannt ist, befindet sich in Frombork in Ostpreussen. Er ist vor allem durch seine opulente barocke Ausstattung bekannt und ist weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten. Im Jahre 1994 wurde der Frauenburger Dom zum Geschichtsdenkmal erklärt. Jedes Jahr kommen daher zahlreiche Touristen nach Frauenburg, um das eindrucksvolle Bauwerk zu bestaunen. Der Glockenturm im Frauenburger Dom befindet sich gegenüber des gotischen Doms in Frauenburg und bietet einen herrlichen Ausblick über das Frische Haff. An schönen Tagen kann man manchmal sogar bis zur russischen Exklave Kaliningrad sehen. Neben diesem beeindruckenden Ausblick findet man im Frauenburger Dom auch noch ein Planetarium mit einem faszinierenden Foucault'sches Pendel, das einmalig in der ganzen Umgebung von Frombork ist.

Stellplatz für die Nacht
54.05010057346393, 19.0491961484541

Koordinaten : 54.05010057346393, 19.0491961484541


Tag 7
07.08.2025
Tag 7 – Übergänge

Grenzen sind heute formell. Aber innerlich sind sie spürbar.
Ich lasse Vertrautes zurück und fahre weiter nach Osten. Die Landschaft wird ruhiger, weniger erklärend. Sie verlangt keine Aufmerksamkeit – sie erlaubt sie.

Ich beginne, weniger zu suchen. Mehr zuzulassen. Die Reise verändert ihren Ton. Sie wird leiser, tiefer.


07. Aug. 2025 - 07. Aug. 2025
Marienburg
powiat malborski, Woiwodschaft Pommern, Polen

Ich besuchte die Marienburg. Dank Audioguide (Kopfhörer) und früh am Eintritt waren die Menschenmassen nicht so aufdringlich. Es ist immer eine gute Strategie Abends vor Ort zu sein um Morgens vor den Massen den Ort zu besichtigen. Mein eBike hat mir sehr gute Dienste geleistet. So hatte ich meinen eigenen Park&Ride Platz. 



Mein YouTube-Video zur Marienburg

https://youtu.be/o1XwxbHbeuk


Oberländischer Kanal
Polen
Später fuhr ich zum Oberländer Kanal und sah Schiffe an Land fahren.


Stellplatz : 53.9972656390149, 19.61439317965984


Mein YouTube-Video zum Oberländer Kanal

https://youtu.be/T4wemGaxYQI


Tag 8
08.08.2025
Tag 8 – Unterwegs ohne Eile

Der Tag hat keinen Höhepunkt. Und genau das macht ihn wertvoll.
Ich fahre, halte an, fahre weiter. Keine Checkliste, kein Muss.

Stille wird zur Orientierung. Nicht als Abwesenheit, sondern als Kompass. Ich merke, wie Entscheidungen leichter werden, wenn sie nicht begründet werden müssen.


08. Aug. 2025 - 08. Aug. 2025
Tannenberg-Denkmal Reste
Parkowa, Hohenstein, powiat olsztyński, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen

Das Tannenberg-Denkmal (offiziell Tannenberg-Nationaldenkmal, ab 1935 Reichsehrenmal Tannenberg) wurde von 1924 bis 1927 bei Hohenstein in der Provinz Ostpreußen errichtet. Es erinnerte an die Schlacht bei Tannenberg 1410 während des Polnisch-Litauisch-Deutschen Krieges, die Tannenbergschlacht im August 1914 und die Schlacht an den Masurischen Seen im September 1914. Pioniere der Wehrmacht sprengten das Denkmal im Januar 1945 vor der anrückenden Roten Armee. Von 1934 bis 1945 standen die Särge Paul von Hindenburgs und seiner Frau Gertrud in einer Gruft im Hindenburgturm des Denkmals.


An den kaum noch sichtbaren Ruinen habe ich auch ein deutsches Camper-Pärchen getroffen, die auch die alten deutsche Geschichtspunkte abfahren.


Meine Reflektion zur deutschen Geschichtslehre

bei der Planung meines Baltikum-Roadtrips wurde mir klar das Deutschland viel viel größer ist bzw war als zu erwarten. Hier fehlt ganz klar Wissen und schulische Bildung. Ich bin Jahrgang 1963 und hatte mich bisher nicht damit befasst, denn wenn man mehr über unser Deutschland erfahren möchte muss man nun mal Autodiktakt werden. Aufschlussreich ist es allemal. Das gesamte Gebiet unserer ehemaligen Ostgebiete (Pommern, West- und Ostpreußen) sowie die ehemaligen Gebiete des Deutschen Ordens wie Kurland, Livland, die Inseln Ösel & Dagö und Estland waren hauptsächlich und jahrhunderte lang DEUTSCH geprägt. Bis nach Tallin wurde bis 1918 deutsch gesprochen. Auch wenn sich die Balten jeder mit ihrer eigenen Sprache ganz klar identifizieren werden bei vielen Städten und Dörfern immer noch die deutschen Bezeichnung hinzu genannt. 


Bei diesem Trip handelt es sich größtenteils um unsere alten deutschen Ostgebiete Pommern und Preußen, sowie Gebiete der Deutschordensritter. Hier sollen auch die historischen deutschen Orte besser und ausführlicher beleuchtet werden. Die Geschichte des Deutschen Ordens zwischen 1230 und 1525 ist eng mit dem Schicksal des Deutschordensstaats verknüpft, aus dem später das Herzogtum Preußen, Lettland und Estland hervorgingen. 

Der Deutschordensstaat umfasste im Kern etwa das Gebiet Alt-Preußens zwischen Weichsel und Memel (das spätere West- und Ostpreußen) sowie als eigenständiges Meistertum Livland im Baltikum bis 1561 etwa das heutige Estland und Lettland.


Flugplatz Wolf
powiat kętrzyński, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen

Der Flughafen Wolf, gelegen an der Straße Kętrzyn-Gierłoż 11-400 (Czerniki, Flurstück 91/1), ist eine hervorragende Ergänzung zum Erlebnis „Wolfsschanze“ für alle Besucher.

Auf dem Flughafen Wilcze kann man eine sehr interessante Ausstellung besichtigen, die viele einzigartige Erinnerungsstücke polnischer Staffeln präsentiert, darunter auch die Nr. 1 der Luftschlacht um England, die 303. Staffel. Zu sehen ist unter anderem ein Modell einer Hawker Hurricane aus dem Film „Die 303. Staffel“.

Die Ausstellung ist eine der größten Luftfahrtausstellungen in Polen, die allen IIWS-Luftformationen gewidmet ist.

Das Museum ist in zwei Bereiche unterteilt: die alliierte und die deutsche Luftfahrt. Der alliierte Bereich konzentriert sich hauptsächlich auf Exponate zur 303. Staffel. Dort werden Uniformen und Fliegeranzüge der Luftwaffe ausgestellt. Darunter befindet sich auch die Silhouette eines Piloten in zeitgenössischer Kleidung, komplett mit einem originalen Fallschirm aus dem Jahr 1940!

Der Abschnitt über deutsche Piloten im Zweiten Weltkrieg beginnt mit einer detaillierten Karte Polens, auf der die Schlachtfelder von 1939 bis 1945 eingezeichnet sind, gefolgt von Propagandaplakaten des Dritten Reichs. 

Auf dem Parkplatz durfte ich auf freundlicher Nachfrage auch über Nacht stehen. So konnte ich morgens früh direkt zur Wolfsschanze.


Stellplatz : 54.0813875489253, 21.4687297295286


Tag 9
09.08.2025
Tag 9 – Der Blick nach innen

Heute bleibt der Blick länger im Inneren.
Gedanken kommen, gehen, bleiben. Ich schreibe. Nicht, um festzuhalten, sondern um loszulassen.

Die Reise hat mir nichts Neues gezeigt. Sie hat Bekanntes neu sortiert. Und das genügt.


09. Aug. 2025 - 09. Aug. 2025
Rastenburg - Wolfsschanze
powiat kętrzyński, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen

Wolfsschanze (auch Wolfschanze) war der Tarnname für ein militärisches Lagezentrum des Führungsstabes der deutschen Wehrmacht. Es war eines der Führerhauptquartiere während des Zweiten Weltkrieges und lag in der Nähe von Rastenburg (heute Kętrzyn) beim Dorf Görlitz (Gierłoż) in Ostpreußen, heute in Polen. Adolf Hitler verbrachte während des Zweiten Weltkriegs auf der Wolfsschanze mit über 800 Tagen mehr Zeit als an jedem anderen Ort.[1]


Ich habe mit einem sehr guten Audio-Guide per Kopfhörer alles genau angeschaut. Nunja, Polen neigen dazu alles kitschig zu vermarkten. Da ist diese Anlage keine Ausnahme. Eigentlich schade. Doch der Audio-Guide war super.


Mein YouTube-Video zu den Mazuren

https://youtu.be/2OEO_3A1ldo


07. Aug. 2025 - 07. Aug. 2025
Mauerwald & Schleuse Fürstenau
powiat węgorzewski, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen

Einer der besterhaltenen, unbeschädigten deutschen Bunkerkomplexe aus dem Zweiten Weltkrieg in Polen. In den Jahren 1940-1944 wurden für die 40 höchsten Generäle und Feldmarschälle, 1500 Offiziere und Soldaten der Wehrmacht über 250 Objekte gebaut, darunter 30 Stahlbetonbunker, die bis heute unbeschädigt erhalten sind. Die Deutschen schafften es zeitlich nicht mehr, die Bunker in die Luft zu sprengen. Sie wurden von den Truppen der Wehrmacht im Januar 1945 kampflos aufgegeben.

Durch diesen Ort sind die wichtigsten Befehle an die Truppen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg gegangen. 4 Jahre lang versuchte man die UdSSR zu besiegen. Hier verschwor man sich gegen A. Hitler, als Deutschland dabei war, den Krieg zu verlieren. Hier wurde der Befehl zur Niederschlagung des Warschauer Aufstands erteilt. Eine zusätzliche Attraktion ist ein 30-Meter langer unterirdischer Tunnel, der zwei Bunker miteinander verbindet.


Mein Fazit zu Polen
- Die polnische Ostsee ist in den Sommerferien (bis Ende August) hoffnungslos überlaufen
- Die polnischen Straßen sind und werden gut ausgebaut. Leider ohne Parkplätze. 

- Die Pooolen Überhooolen überall. Die polnischen Kraftfahrer sind rücksichtslos.

- Freistehen auch ohne Campingverhalten ist in Polen hoffnungslos. Die wollen das nicht.

- unfreundliche Förster mögen wohl auch deutsche Kennzeichen nicht. 
"No Parking. Weg weg weg"
- wird man als Deutscher erkannt, wird wenn überhaupt man abwertend behandelt

09. Aug. 2025 - 09. Aug. 2025
Meteliai - Dusia See
Seirijų g. 36A, Meteliai, Seirijų seniūnija, Bezirk Alitten, Litauen

Am Dusia See endlich angekommen sind keine erlaubten Freistehplätze zu ergattern. Musste dann 20 € auf einem Campingplatz ohne Strom und ohne VE-Sorgung lappen. Sie sprachen gutes Deutsch und die Lage war auch gut.


Tag 10
10.08.2025
Tag 10 – Zeit als Landschaft, Gedanken fehlen lassen

Zeit fühlt sich heute räumlich an.
Sie ist nicht mehr linear, sondern weit. Ich bewege mich in ihr, nicht durch sie.

Ich denke weniger an gestern, kaum an morgen. Die Gegenwart reicht aus. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion dieser Reise. 

Nach den intensiven Eindrücken aus Polen – der Wucht der Backsteinburgen, den Spuren der Geschichte, den stillen, nachdenklich stimmenden Orten – taucht ein leiser Wunsch auf: einfach abschalten.

Vielleicht ist Gedankenlosigkeit gar kein Mangel, sondern ein Ziel. Nicht das Fehlen von Bewusstsein, sondern das Loslassen. Kein Grübeln über Vergangenheit, keine inneren Monologe, kein „Was kommt als Nächstes?“.

Die Baltikumreise könnte genau das werden: Weite Straßen, Wälder, Meer, Himmel. Kilometer, die Gedanken strecken, bis sie sich auflösen. Tage, die nicht gefüllt, sondern offen sind. Ein Zustand, in dem Eindrücke nicht mehr verarbeitet werden müssen, sondern nur noch vorbeiziehen dürfen.

Nachdenken wich langsam dem Wahrnehmen. Wahrnehmen dem Sein.
Und vielleicht ist genau das das eigentliche Ankommen.


Stellplatz am See
54.54158957512556, 25.162682917158946

Ich hatte einen super Freistehplatz im Wald am See. Hier kann man es länger aushalten.


Rund um Tarnėnai ist die Natur typisch litauisch: sanfte Hügel, Kiefern‑ und Mischwälder, kleine Teiche und Seen im Grün. Die Wälder reichen oft direkt an die Wasserflächen heran, die Ufer sind meist natürlich und unerschlossen.


Solche Seen oder Teiche geben eine stille, friedliche Atmosphäre – kein Badebetrieb, kein Krach, nur Vogelstimmen, das Plätschern im Schilf und weiter Blick über dunkle Wasserflächen. Sie wirken am Morgen besonders still, wenn der Nebel über dem Wasser liegt, und am Abend, wenn die Sonne tief steht und das Licht im Wald tanzt. Zugang zu diesen kleinen Gewässern erfolgt meist über Waldwege und Trampelpfade – viele davon sind nicht ausgeschildert. Wer Ruhe sucht, findet oft spots, wo man alleine ist, weil es keine offiziellen Strände oder Badeplätze gibt.


Stellplatz : 54.541760478738006, 25.162457042074102


Tag 11
11.08.2025
Tag 11 – Geschichte wird still

Die Orte erzählen weniger laut.
Nicht jede Mauer braucht Erklärung. Nicht jeder Ort ein Schild.


Ich verstehe, dass Geschichte nicht immer verstanden werden will. Manchmal will sie nur respektiert werden. Die Stille hilft dabei.


In Vilnius mischt sich Schönheit mit Geschichte. Barocke Fassaden, ruhige Innenhöfe, Kopfsteinpflaster – und darunter Schichten aus Jahrhunderten.


Zwischen Kirchen, Gassen und Plätzen entsteht ein stiller Respekt. Kein lautes Gedenken, kein aufdringliches Erinnern. Eher ein leises Bewusstsein: Hier wurde gelebt, gehofft, gelitten. Reiche Zeiten, dunkle Zeiten, Brüche.


Man geht langsamer. Spricht leiser.
Nicht aus Pflicht, sondern aus Gefühl.


Geschichte ist hier nicht nur Information, sondern Atmosphäre. Sie liegt nicht schwer, aber spürbar in der Luft. Und während man durch die Altstadt streift, wird klar: Respekt bedeutet manchmal einfach, wahrzunehmen – ohne zu bewerten, ohne zu stören. Nur da sein. 


11. Aug. 2025 - 11. Aug. 2025
Vilnius City
Laisves pr. 5, 04215, Vilnius, Lithuania

Eigentlich meide ich die Hauptstädte. Aber bei den kleinen Ländern im Baltikum kann man eine Ausnahme machen. Ein wenig Sightseeing in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Ich hatte einen Parkplatz direkt am 

Gediminas-Hügel in der Innenstadt. Koordinaten : 54.68748495218506, 25.2941962476239


Vilnius hat eine überraschend dichte historische Verbindung zum Deutschritterorden, auch wenn das heute nicht sofort sichtbar ist. Die Stadt war im Mittelalter ein Brennpunkt der Konflikte zwischen dem aufstrebenden Großfürstentum Litauen und dem Orden, der aus dem heutigen Deutschland stammte.


Der Deutschritterorden, gegründet 1190 in Akkon und ab 1226 im Baltikum aktiv, expandierte nach Preußen und ins heutige Lettland/Litauen, um das Christentum zu verbreiten und Territorien zu kontrollieren.


Kurz gesagt: Vilnius war für den Deutschritterorden ein strategisches Ziel, für Litauen ein Bollwerk der Unabhängigkeit. Heute sind es die Burgreste, historische Karten und Museumsausstellungen, die diese mittelalterliche Konfrontation noch spürbar machen – mitten in einer Stadt, die später viel europäische Architektur und Kultur aufnahm, aber ihre mittelalterliche Widerstandsgeschichte nie ganz verlor. 


11. Aug. 2025 - 11. Aug. 2025
Rumšiškės - Litauisches Freilichtmuseum
A. Baranausko g. 7, Rumšiškės, Rumšiškių seniūnija, Bezirk Kauen, Litauen

Das Litauische Ethnographische Freilichtmuseum in Rumšiškės, Lietuvos liaudies buities muziejus, zählt zu den populärsten Sehenswürdigkeiten des Landes, und man sollte ausreichend Zeit einplanen. Das Museum zeigt eindrucksvoll, wie die Landbevölkerung Litauens vom 18. Jh. an lebte. Überall im Land wurden Bauten abgetragen, nach Rumšiškės transportiert und hier wieder aufgebaut. Um die regionalen Besonderheiten Litauens herauszustellen, ist das Gelände am Ufer des Kaunasser Meeres in vier Bereiche gegliedert: Dzukija (Südlitauen), Aukštatijia (Nordostlitauen), Suvalkija (Südwestlitauen) und Zemaitija (Westlitauen). Das Areal ist weiträumig und der Rundgang ganze 6 km lang.



Stellplatz : 54.86545992139076, 24.201395080998672


Tag 12
12.08.2025
Tag 12 – Ein leiser Wendepunkt

Heute spüre ich, dass sich etwas gesetzt hat.


Nicht abgeschlossen – aber ausgerichtet.

Die Reise hat noch viele Tage vor sich. Doch ein innerer Punkt ist erreicht. Ich bin unterwegs, ohne zu fliehen. Suchend, ohne zu jagen.


Stille ist kein Ziel mehr.
Sie ist mein Kompass.


Kaunas
Jonavos g. 1F, Kaunas, Bezirk Kauen, Litauen

Habe in Kaunas eine kleine Stadtbesichtigung gemacht.


Kaunas spielt in der Geschichte des Deutschritterordens eine noch direktere Rolle als Vilnius, weil die Stadt im Mittelalter Grenzposten und Festung gegen die Ritter war.


Kaunas liegt am Zusammenfluss von Nemunas und Neris, strategisch wichtig für die Kontrolle von Handelswegen und militärischen Bewegungen.


Im 14. Jahrhundert war Litauen noch heidnisch, und der Deutschritterorden operierte von Preußen aus, um die baltischen Gebiete zu christianisieren und Territorien zu erobern.


Kaunas war damit direkt an der Frontlinie: Ritterzüge aus dem Westen bedrohten regelmäßig die Region.


Museum im IX Fort der Festung Kaunas - Gedenkstätte KZ Kauen
Spanguolių g., Giraitė, Užliedžių seniūnija, Bezirk Kauen, Litauen
Das neunte Fort (Fort IX) oder auch Festung Kaunas erinnert an die schmerzhaften Epochen der Region. Das Museum bietet einen aufschlussreichen Einblick in die einzigartige Kriegsarchitektur der Festungsanlagen von Kaunas. Artefakte aus dem Ersten Weltkrieg, darunter Waffen und Ausrüstungsgegenstände, erinnern an vergangene Schlachten. Führungen bieten einen Einblick in die Verteidigungsmauern und -tunnel der Festung. Die Chronik des Museums geht jedoch über die militärische Vergangenheit hinaus. Sie beleuchtet die harte Realität des Hartarbeitsgefängnisses von Kaunas und zeigt die täglichen Kämpfe der Insassen auf. Exponate schildern die repressive Herrschaft des NKWD und die von den Nazis begangenen Gräueltaten. Die tragische Geschichte der litauischen Juden, die erschütternden Geschichten aus dem Ghetto von Kaunas und die Massaker werden in den Originalzellen der Festung veranschaulicht.Als Tribut an die Opfer erhebt sich ein 32 Meter hohes Denkmal, das aus drei Skulpturengruppen besteht, die der Bildhauer Alfonsas Ambraziūnas eindrucksvoll geschaffen hat.

12. Aug. 2025 - 12. Aug. 2025
Pilis I - Schloss Panemunė
141, Pilis I, Skirsnemunės seniūnija, Bezirk Tauroggen, Litauen
Schloss Panemunė  ist ein litauisches Schloss am Ufer der Memel. Die an das Schloss angrenzende Siedlung trägt den Namen Pilis I (zu Deutsch Schloss I, früher polnisch Zamék). Schloss und Siedlung liegen im Amt Skirsnemunė der Rajongemeinde Jurbarkas.

30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Traumplatz an der Memel (russ.Grenze)
55.05319249420184, 22.04886896354286

Ein wunderschöner und ruhiger Ort an der Memel.


Koordinaten : 55.05319249420184, 22.04886896354286


Selbstreflektion

Mein Stellplatz liegt dort, wo die Memel langsamer wird, breiter, als hätte auch sie beschlossen, nichts mehr beweisen zu müssen. Der "Fritz" steht im Gras, ein wenig schief, genau richtig. Vor dir das Wasser, ruhig, dunkel, manchmal spiegelglatt, manchmal nur leicht gekräuselt vom Wind. Am anderen Ufer ziehen sich Wiesen und Baumreihen entlang, ohne Zaun, ohne Anspruch. Alles darf sein, nichts muss.

Es riecht nach feuchter Erde, nach Fluss, nach Sommer. Ab und zu ein Vogelruf, das leise Rascheln im Schilf, das Platschen eines Fisches – Geräusche, die nicht stören, sondern tragen. Kein Verkehr, keine Stimmen, kein Zeitdruck. Nur du, der Atem, der Blick, der immer wieder über die Memel wandert und irgendwo im Horizont hängen bleibt.

Du sitzt draußen, vielleicht mit einer Tasse in der Hand, vielleicht einfach nur mit verschränkten Armen. Gedanken kommen und gehen, ohne dass du sie festhältst. Dinge, die sonst laut sind, werden leise. Fragen verlieren ihre Schärfe. Erinnerungen tauchen auf, nicht um zu schmerzen, sondern um verstanden zu werden. Hier musst du nichts darstellen, niemandem erklären, warum du bist, wie du bist.

Die Stunden dehnen sich. Du merkst, wie sich etwas löst – nicht dramatisch, eher sanft. Als würdest du Schicht um Schicht ablegen: Erwartungen, Rollen, unnötige Härte gegen dich selbst. Die Memel fließt weiter, unbeeindruckt von deinen inneren Bewegungen, und genau das hilft. Sie zeigt dir, dass alles seinen Lauf hat, auch ohne dein Eingreifen.

In dieser Weite, in dieser stillen Selbstverständlichkeit des Daseins, findest du einen klaren Gedanken, fast unscheinbar, aber wahr. Kein großes Fazit, eher ein ruhiges Wissen, das bleibt: „Alleinsein sein ohne einsam zu sein.“


Und genau hier, an der Memel, fühlt sich das nicht wie ein Satz an – sondern wie Heimat.


Tag 13
13.08.2025
Tag 13 – Nebel und Rituale

Der Morgen bricht mit einem Dunst, der die Welt weich küsst. Alles ist von früherem Schlaf noch erfüllt – die Bäume, der Boden, selbst der Himmel scheint erst aufzuwachen. In dieser Stille beginne ich intuitiv den Tag, wie man es an Rauhnächten tut: mit einem Ritual des Loslassens, ohne großes Zeremoniell, nur mit einer Tasse Kaffee, Blick in den Nebel und dem leisen Satz:

Was nicht zu mir gehört, darf heute weiterziehen.

Es ist nicht mystisch. Es ist bewusst. Rauhnächte sind keine magischen Nächte, sondern Zeiten, in denen das Herz klarer schlägt und die Gedanken ungehindert wandern. Seit meiner Operation habe ich mehr davon gebraucht – nicht als Ritual, sondern als innere Haltung, als wiederkehrende Einladung, mich von altem Ballast zu lösen.


Heute nehme ich kein Bild auf. Ich schreibe keinen Blog. Ich sammle keine Orte. Ich atme.


Mein YouTube-Video zum Memelland

https://youtu.be/77mLb0FsMMk


Tag 14
14.08.2025
Tag 14 – Der Kreis der Zeit

Es ist nicht der Ort, der mich heute bewegt – es ist der Übergang zwischen gestern und morgen.

Als ich zwischen den alten Mauern stehe, spüre ich die Geschichte nicht nur als Sache von Datumszahlen und Schlachten. Sie ist ein Echo, das in mir nachhallt. Jeder Stein, jede Ruine hat Zeitalter gesehen, in denen Menschen lebten, kämpften, verloren und fanden – so wie ich jetzt.

Früher dachte ich, Geschichte sei etwas, das außerhalb meines Lebens stattfindet. Heute sehe ich sie als Schicht, die auch in mir liegt: alte Muster, ausgelaufene Gewohnheiten, vergangene Schmerzen. Und mit jedem Kilometer, den Fritz und ich in der Stille vorwärts ziehen, spüre ich, wie einiges von dem alten Gewicht sich auflöst, kaum merklich, wie Staub im Wind.


Heute frage ich mich: Kann ich als Eremit Vanlife leben?


Alleinsein ist keine Isolation. Es ist ein Raum, in dem die Präsenz des Selbst klarer wird. Ich brauche niemanden, um Mensch zu sein – nur einen Platz, an dem ich mich selbst hören kann.


Die Stille wird mein Spiegel und meine Landkarte zugleich. Sie zeigt mir, was ich tragen will und was nicht.


Bittehnen - Storchenkolonie
Nemuno g., Bittehnen, Lumpėnų seniūnija, Bezirk Tauroggen, Litauen

Die Storchenkolonie in Bitėnai (Bittehnen) im Memelland (Litauen) ist bekannt dafür, dass die Weißstörche ihre Nester seit etwa 1974 nicht auf Gebäuden, sondern in einem Kiefernwald am Ufer der Memel bauen. In der Kolonie befinden sich etwa 20 Nester in einer Gruppe von Kiefern. Sie gilt als größte Storchenkolonie der Region.


Uostadvaris Lighthouse
55.344184760560985, 21.291379741180084
Der Leuchtturm Uostadvaris (litauisch Uostadvario švyturys, deutsch Kuwertshof) ist ein Leuchtturm in Litauen. Er befindet sich im Memeldelta am Atamata-Südufer im Dorf Uostadvaris der Rajongemeinde Šilutė, Bezirk Klaipėda.

30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Klaipeda
55.70543591473054, 21.13200940791035
Memel (Klaipeda)


Heute bin ich an der Memel entlang gefahren und habe die Marina  Uostadvaris Lighthouse am Kurischen Haff besucht. Anschließend habe ich mir die Hafenstadt Memel (Klaipeda) angeschaut und einen Parkplatz für 5€ die Nacht direkt an der Zitadelle ergattert. Hier starten morgen auch die Fahrt zur Kurischen Nehrung.


Die Hafenstadt Klaipeda – das alte Memel
Klaipeda ist heute der bedeutendste Ostseehafen Litauens und gilt als Tor zur Kurischen Nehrung. Bis 1920 war die Stadt an der Dangemündung nördlichste Stadt Deutschlands und hieß Memel. Vor dem Krieg war Memel eine beschauliche Kleinstadt mit 40.000 Einwohnern, heute ist die Hafenstadt am Ausgang des Kurischen Haffs und des Memeldeltas in die Ostsee eine quirlige, boomende Stadt mit rund 185.000 Einwohnern.


Von Memel nach Klaipeda – Geschichte einer Stadt


Das heutige Klaipeda blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Besiedelt war das heutige Gebiet schon zu Beginn unserer Zeitrechnung von baltischen Stämmen, später gehörte es nacheinander zum Deutsche Orden, Preußen, Schweden, dem Deutschen Reich, zu Litauen durch die Annexion des Memellandes 1923, dann durch die Sowjetunion und heute wieder Litauen.

Anfang des 13. Jahrhunderts stieß der Livländische Schwertbrüderorden vom 1201 gegründeten Riga auf seinen Eroberungsfeldzügen Richtung Memel vor. Zur gleichen Zeit erreichte der Deutsche Ritterorden von Süden her in die Region am Memeldelta. Bald stand nur noch die Festung Klaipeda zwischen den beiden Ordensheeren und wurde nach schweren Kämpfen von den Ordensbrüdern erobert. Nun waren die beiden Ordensterritorien über den Strandweg vereint. Der Schwertbrüderorden baute 1252 an der Stelle die steinerne Burg Memele. Diese Burg war solange der Ordensstaat bestand von großer Bedeutung, denn sie hielt allen Angriffen der baltischen Stämme der Auksteiten, Kuren und Zemaiten stand. Bedrohlich wurde die Lage der Ordensterritorien erst, als sich Aukstaiten und Zemaiten 1323 zu einem litauischen Großreich unter Führung des Großfürsten Gediminas zusammenschlossen. Damit war eine neue Großmacht auf den Plan getreten, die bald Stadt und Burg Memel eroberte.
Darauf war ein rund 100 Jahre währender Krieg um Memel und das Memelgebiet entbrannt, schließlich war die Region nicht nur strategisch bedeutend, sondern beherrschte auch den Handel von der Ostsee vor allem mit den weißrussischen Gebieten über die Memel (Njemen). Nicht umsonst wurde Memel bereits 1254 Mitglied der Hanse. Die kriegerischen Auseinandersetzungen wurden erst im Frieden vom Melno-See 1422 beendet. Damals wurden die östlichen Grenzen des Ordensstaates festgelegt. Memel und das Memelgebiet kamen nun endgültig zum Staatsgebiet des Deutschen Ordens. Die Stadt Memel blühte auf und wurde zu einem bedeutenden Handels- und Schifffahrtszentrum. Memel blieb bis zum Ende Territorium des Ordensstaats und ging nach dessen Umwandlung in ein erbliches Herzogtum Preußen im Jahr 1525 an Preußen über. Bis zum Jahr 1923 blieb Memel ein Teil Ostpreußens. Durch den Versailler Vertrag (Art. 99) wurde das Memelland – die zuvor zum Deutschen Reich gehörenden Gebiete nördlich von Memel und Ruß – ohne Volksabstimmung abgetrennt und stand unter internationaler, von den Franzosen wahrgenommenen Herrschaft mit deutscher Verwaltung. Im Jahr 1923 besetzten litauischen Truppen das Memelland und im Jahr darauf wurde die Region als Klaipėda-Bezirk annektiert. Im Jahr 1939 wurde das Memelland dann noch einmal deutsch, nachdem Hitler Litauen zur Rückgabe nötigte. Nach dem Krieg wurde Memel der neu gegründeten litauischen Sowjetrepublik eingegliedert und nahm den alten Namen Klaipėda wieder an. Die Stadt blieb für Ausländer gesperrt, bis sich Litauen 1990 als erste Unionsrepublik der Sowjetunion zum selbständigen Staat erklärte.


Mein Stellplatz für die Nacht
55.70543591473054, 21.13200940791035

Koordinaten : 55.70543591473054, 21.13200940791035


Tag 15
15.08.2025
Tag 15 – Stille als Kompass

Es gibt Tage, an denen ich kaum ein Wort denke, an anderen, an denen jeder Gedanke ein Gewicht hat. Heute ist ein klarer Tag. Die Stille ist nicht Abwesenheit, sondern ein Raum, in dem ich mich finden kann.

Ich merke, dass ich in dieser Reise weniger navigiere – und mehr gelenkt werde. Nicht von einer Landkarte, sondern von der Stille in mir. Sie sagt mir nicht, wo ich langfahren soll, aber sie sagt mir, wo ich stehen bleiben darf.

Und in diesem Stehen wird jede Wegstrecke zu einer Geschichte, zu einem Spiegel, zu einer Möglichkeit, loszulassen, was nicht länger dient.


Naujoji perkėla (Smiltynė)
Stadtgemeinde Klaipėda, Bezirk Klaipėda, Litauen

Nehrung
Raganų kalnas, Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen
Unzweifelhaft ist die Naturlandschaft der kurischen Nehrung weltbekannt. Eine 100 km lange Halbinsel, die sich zwischen Russlands Enklave Kaliningrad und Litauen aufteilt. Zwischen 400m und 4 km ist sie etwa breit und eigentlich besteht sie nur aus hohen Sanddünen. Nachdem sie im großen nordischen Krieg gerodet wurde, begannen sie wieder zu wandern und besonders die Düne bei Nida verschüttete schon mehrere Dörfer. Am Ende der kurischen Nahrung bei Klaipeda mündet da kurische Haff und damit die Memel in die Ostsee.Beide Seiten – also Litauen und Russland – der kurischen Nehrung stehen unter Naturschutz, inzwischen auch von der  UNESCO zum Welterbe hinzugefügt.


Es ist gar nicht so einfach auf die kurische Nehrung zu kommen, denn es gibt keine Brücke. Im Winter gibt es von Klaipeda aus zwei Fähren – eine für Fußgänger und eine für Autos. Wer wie ich mit dem Wohnmobil auf die kurische Nehrung will, der nutzt die Autofähre.

  • Die Überfahrt mit Wohnmobil kostet 36,60 €  – bei der Überfahrt wird gleich Hin- und Rück bezahlt, bei der Rückfahrt gibt es dann keine Kontrolle.
  • Der Eintritt in das Naturschutzgebiet fällt mit 15 € (Wohnmobil / Winter) – 30 € (Sommer) recht üppig aus. Dabei ist egal, wie lang man bleibt.

Das wilde Campen auf der kurischen Nehrung ist verboten. Da sich im Sommer die Touristen stapeln, denke ich, dass auch kontrolliert wird. 


Größte Kormoran-Kolonie
Nidos-Smiltynės pl., Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen

Die größte Kormoran-Kolonie auf der Kurischen Nehrung befindet sich nahe Juodkrantė (Schwarzort) im litauischen Teil. Dort nisten tausende Vögel, deren ätzender Kot ein großes Waldgebiet abgestorbenen Bäumen hinterlassen hat, was zu ökologischen Konflikten führt. Der Geruch der Kolonie ist intensiv und weithin wahrnehmbar.


Die toten Dünen
Naglių gamtinio rezervato pažintinis takas, Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen

Die Tote Düne (auch Graue Düne oder Nagliai-Düne) auf der Kurischen Nehrung in Litauen ist eine beeindruckende, bis zu 60 Meter hohe Wanderdüne, die aufgrund starker Bepflanzung nicht mehr "wandert". Sie liegt zwischen Juodkrantė und Pervalka im Naturschutzgebiet Nagliai. Durch den Sand wurden im 17./18. Jahrhundert mehrere Dörfer begraben.


Ich hatte mich dort hoch begeben und neben einer schönen Aussicht auch tolle Fotos geschossen.


Die toten Dünen

Thomas Mann Museum
Skruzdynės g., Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen
Das Thomas-Mann-Haus in Nida (Nidden) steht in der faszinierenden Landschaft der Kurischen Nehrung zwischen Ostsee und Haff, heute in Litauen dicht an der EU Außengrenze zu Kaliningrad Oblast. Dieser Ort war früher ein Teil Ostpreußens im sogenannten Memelland.

Bernstein Museum
Naglių g., Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen
Die Besucher des Bernsteinmuseums erwartet Litauens größter Bernstein mit einem Gewicht von 3820 Gramm, der aus der Ostsee gefischt wurde und jetzt den Betrachtern Gelegenheit gibt, neue Energie aufzuladen. Neben dem eindrucksvollen Ausstellungsstück kann man die originell und künstlerisch vorgestellte Geschichte des Bernsteins erfahren, die wichtigsten physikalischen und therapeutischen Eigenschaften des Bernsteins kennen lernen, einen glückbringenden Talisman formen, eine Strecke entlang der „Bernsteinstraße“ wandern, die von professionellen Künstlern organisierten Ausstellungen besuchen oder zertifizierte Bernsteinschmuckstücke erwerben.

Naujoji perkėla (Smiltynė)
Stadtgemeinde Klaipėda, Bezirk Klaipėda, Litauen

Kurische Nehrung - mein Fazit

Lohnt nur als Radtour. Alles andere ist zu teuer. Obwohl ich recht früh noch vor den Menschenmassen vor Ort war, wurde ich mit Parkplatzgebühren abgezockt. Wucherpreise. Zum Mittag ging gar nix mehr. Massenweise werden mit Bussen die Leute angekarrt. Sehr unschön.


Mein YouTube-Video zur kurischen Nehrung

https://youtu.be/6f-sBSdAhsA


Mein Stellplatz für die Nacht
56.02935013646993, 21.90070073705099

Koordinaten : 56.02935013646993, 21.90070073705099


Tag 16
16.08.2025
Tag 16 – Rückblick: Kurische Nehrung

Der Tag auf der Kurischen Nehrung begann mit dieser Mischung aus Vorfreude und Erwartungsdruck: Ich hatte so oft von dieser langgezogenen Landzunge zwischen Ostsee und Kurischem Haff gehört — ein UNESCO-Weltkulturerbe, ein Naturwunder aus Dünen, Sand, Wald und Wasser.


Aber kaum war ich über die Fähre gefahren, die in die Halbinsel hineinreichte, spürte ich es bereits: Das ist nicht die einsame Natur, die ich mir erträumt hatte. Busse reihten sich am Eingang, Reisegruppen stiegen aus, Kameras klickten, und es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Eine Menschenflut, die scheinbar genau hierher gesteuert wurde.


Die Straßen und Parkplätze füllten sich schnell, und immer wieder sah ich riesige Busse, aus denen Menschenmassen herausschwappten – auf dem Weg zu den bekannten Aussichtspunkten und Dünen. Sie bewegten sich zielstrebig und in einer Art, die den natürlichen Rhythmus des Nationalparks überlagerte.


Dazwischen die Realität der Gebühren: Eintritts- und Parkkosten, ökologische Abgaben, immer wieder neue Schilder und Absperrungen, die mich an etwas anderes erinnerten als an reine Wildnis. Manchmal schien es, als würde hier nicht mehr nur Natur geschützt, sondern vielmehr Tourismus vermarktet. Viele Zahlen summierten sich schnell, bevor ich überhaupt einen wirklich stillen Moment gefunden hatte.


Und während ich all das sah, wurde mir klar, wie sehr ich in diesem Augenblick Sehnsucht nach Einsamkeit und Alleinsein hatte. Nicht nach dem „überlaufenen Postkarten-Motiv“, sondern nach diesem stillen Pfad zwischen Kiefern, wo nur das Zwitschern der Vögel klingt. Wo der Wind am Dünenkamm rauscht, ohne dass jemand mit Selfie-Stick hinter dir steht. Eine tiefe, leise Sehnsucht, die mir zeigte, wie mein Herz wirklich tickt:


Ich reise nicht, um Orte zu besichtigen – ich reise, um Orte zu erleben, allein, in ihrem eigenen Tempo.


Trotz all der Menschen und Gebühren blieb mir aber ein Moment, der genau das widerspiegelte: ein kurzer Spaziergang abseits der Hauptwege, wo der Blick über Wasser und Sand ruhte, und ich den Atem der Landschaft in meinem eigenen Rhythmus spüren konnte. Nicht laut, nicht überlaufen, sondern leise — und genau deswegen wertvoll.


Cold War Museum - Raketensilos
Plokštinės pažintinis takas, Platelių seniūnija, Bezirk Telsche, Litauen
Das Museum des Kalten Krieges befindet sich in einer alten Raketenbasis der ehemaligen Sowjetunion und zeigt die erschreckende Realität einer Ära, die von der unmittelbaren Gefahr eines Atomkriegs überschattet war. Zwischen 1963 und 1978 beherbergte diese Festung vier SS-4-Mittelstreckenraketen, die jeweils mit thermonuklearen 2-Megatonnen-Sprengköpfen bestückt waren und einen bedeutenden Teil des auf Europa gerichteten Atomwaffenarsenals darstellten. Hier werden Sie unmittelbar in ein vergangenes Zeitalter hineingezogen. Besonders, wenn Sie sich durch das restaurierte Sicherheitssystem und die Korridore navigieren, die einst mit Raketentreibstoffrohren ausgekleidet waren, oder aber die Kontrollräume erkunden, in denen ein Knopfdruck die Geschichte für immer hätte verändern können. Ein Gang durch die Raketentechnologiehalle zeigt die Konstruktion der SS-4-Raketen, während in einer nahe gelegenen Halle die Rüstungsausstellung untergebracht ist, die das Innenleben des Startkomplexes zeigt. Neben den kriegerischen Machenschaften geht es in der Ausstellung aber auch um die menschliche Seite des Kalten Krieges. Inmitten der Maschinerie und der drastischen Erinnerung an die nukleare Bedrohung werden Exponate mit politischer Propaganda gezeigt, die untrennbar mit dem Wettrüsten verbunden waren.

Mein Youtube-Video zum Cold-War-Museum

https://youtu.be/2U1OMO1Uc1E


Grenze zu Lettland - Mein Fazit zu Litauen

Die Litauer sind herzlich, freundlich und zuvorkommend. Viele sprechen Deutsch. Das Land ist atemberaubend schön. Die Straßen sind nicht asphaltiert. Eben natürlich. Das Tempo wird angeglichen und das Fahren ist rücksichtsvoll.


Pfad durch das Moor von Dunika
Dunikas purva taka, Dunikas pagasts, Lettland
Dieser 5,5 km lange Steg ist mit Brettern ausgelegt und er zieht sich durch das Tīrs-Moor bis zu dem Luknas-Buchenhain, der fast einanderthalb Jahrhunderte alt ist. Er ist der einzige Reinbestand von Buchen in Lettland.

Der Moorpfad von Dunika

Der Holzpfad beginnt unscheinbar. Ein schmaler Steg, der sich vorsichtig in das Moor legt, als wolle er nichts stören. Jeder Schritt klingt gedämpft, hohl, lebendig. Unter mir gibt das Holz leicht nach – nicht bedrohlich, aber ehrlich. Manche Planken sind dunkel, feucht, von Moos überzogen, an den Rändern brüchig, modrig, vom Wasser gezeichnet. Ich setze den Fuß bewusst. Langsam. Respektvoll.


Das Moor antwortet nicht laut.Es atmet.


Ich gehe in die Hocke, lege mich fast auf den Boden, um Fotos aus der Perspektive zu machen, die sonst niemand einnimmt. Die Kamera ist nah an den Bohlen, nah an den Halmen, nah am Leben. Die Welt wird größer, je tiefer ich mich absenke. Gräser ragen wie Wälder in den Himmel, Wasserflächen spiegeln Wolken, als hätten sie es schon immer getan.


Die Glaskugel kommt zum Einsatz. In ihr liegt das Moor auf dem Kopf. Himmel unten, Erde oben. Alles scheint richtig – gerade weil es falsch herum ist. Ich halte sie ruhig, fast ehrfürchtig, als trüge ich einen fremden Planeten in der Hand.


Der Steg führt weiter, tiefer hinein.
Links und rechts öffnen sich Teiche. Dunkles Wasser, ruhig, klar, offen. In einigen liegen kleine Schwimmplattformen, seltsam und zugleich selbstverständlich. Als hätte jemand hier verstanden, dass man der Stille auch Raum geben muss – selbst auf dem Wasser.


Dann taucht sie auf: eine Waldinsel mitten im Moor.


Feste Erde. Bäume. Schatten. Ein kleiner Grillplatz, verlassen, aber nicht vergessen. Spuren von Menschen, die hier nicht geblieben sind. Ich bleibe stehen und lächle. Selbst hier, in dieser weichen, nassen Welt, hat sich ein Ort gefunden, der trägt.


Der Himmel ist weit offen.
Blau, tief, ruhig. Weiße Wolken ziehen langsam, fast absichtlich. Der Kontrast ist überwältigend: sattes Grün des Moorbewuchses gegen dieses klare Blau. Leben unten, Weite oben.


Ich atme tief durch.Ein, aus. Noch einmal.


Die Fauna ist zurückhaltend, aber präsent. Ein Vogelruf, ein Rascheln, ein Flattern. Nichts drängt sich auf. Alles ist da, weil es hierhergehört.

Ich gehe weiter – und bleibe dann stehen.

Plötzlich reicht Gehen nicht mehr.

Ich knie nieder auf dem Holzpfad. Nicht aus Müdigkeit, sondern aus Ehrfurcht. Vor dieser Schönheit, die keine Bühne braucht. Vor dieser Natur, die nichts will, außer zu sein. Vor dem Moment, der mir erlaubt, Teil davon zu sein.


Ich schließe kurz die Augen. Gehe in mich.

Und für einen Augenblick ist alles still – nicht leer, sondern vollständig.


Mein Stellplatz für die Nacht
56.2120534130061, 21.103160489049667

Koordinaten : 56.2120534130061, 21.103160489049667


Tag 17
17.08.2025
Tag 17 – Wege ohne Zuschauer
Manchmal regen sich Zweifel, wenn niemand zusieht. Nicht Eremitentum im Sinne von Einsamkeit, sondern als Frage: Gehöre ich noch zur Welt, wenn ich draußen lebe?

Fritz steht ruhig neben mir. Seine Präsenz ist nicht laut, aber verlässlich – so wie mein Atem. Ich fahre weiter, nicht um ein Ziel zu erreichen, sondern um mich selbst zu begegnen. Die Landschaft zieht vorbei wie ein Gemälde, das nicht fordert, sondern schenkt. Bäume, Seen, leere Straßen. Medien bezeugen die Welt mit Lauten und Bildern – hier draußen spricht sie ohne Worte.

Ich spüre: Eremitentum ist kein Rückzug.
Es ist ein Hineingehen in die Welt – nur ohne die Stimmen, die sonst den Takt vorgeben.


Pape Nationalpark - Lagune Wildpferde und Bisons
Lettland

Der Naturpark Pape in Lettland, berühmt für seine Lagune und den angrenzenden Pape-See, ist ein bedeutendes Naturschutzgebiet, in dem seit 1999 Wildpferde (Koniks), Auerochsen und später auch Wisente (Bisons) angesiedelt wurden. Diese großen Pflanzenfresser pflegen die Landschaft und erhalten die Biodiversität. Führungen sind das ganze Jahr über buchbar.

Leider gab es keine Führungen für diesen Tag. Es regnete und der Führer wollte nicht. Dann bin ich weiter gefahren.


Rucavas pagasts
Lettland
Rucava im Bezirk Dienvidkurzeme ist die südwestlichste Ortschaft Lettlands, gelegen in Kurland nahe der Ostsee und der Grenze zu Litauen. Zur Gemeinde Rucava gehört der direkt an der Ostseeküste gelegene Ort Pape.

Mein Stellplatz für die Nacht
56.55805525411994, 21.002225247192822

Koordinaten :56.55805525411994, 21.002225247192822


Tag 18
18.08.2025
Tag 18 – Die Geschichte im Spiegel
Heute ist ein Tag, an dem Vergangenheit und Gegenwart sich ohne sichtbare Grenze berühren.

Die Spuren alter Burgen, verfallener Mauern, verloren geglaubter Pfade sind nicht mehr nur alte Steine. Sie sind Erzählungen von Menschen, die auch Entscheidungen treffen mussten – zwischen Festhalten und Loslassen, zwischen Kampf und Hingabe.

Ich sitze vor den Resten eines alten Tores, und ich frage mich: Was ist meine Geschichte? Was habe ich längst hinter mir gelassen und was trage ich noch mit mir?

Die Antwort ist kein Blitz. Sie ist ein sanftes Gewahrsein, das wie ein warmer Wind durch meine Gedanken zieht.


Leuchtturm Liepajas Ziemelu Mols Final Point
Roņu iela, Libau, Lettland
Die in Lettland längste Mole – die Nordmole – wurde Ende des 19. Jahrhunderts als ein sehr wichtiger Teil der Seefestung und des Militärhafens von Liepāja gebaut. Die Mole ist 1800 Meter lang und 7,35 Meter breit. Für die Bewohner von Liepāja ist die Mole ein beliebter Ort zum Beobachten von Sonnenuntergängen und zum Fischen, aber bei einem Sturm eröffnet sich eine atemberaubende Aussicht auf die mächtige See mit ihren gewaltigen Wellen.

Kathedrale zu Karosta
56.55292063194729, 21.0122948869796
Die Nikolaus-Kathedrale im Stadtteil Karosta der lettischen Stadt Liepāja ist eine russisch-orthodoxe Kathedrale. Der Bau der Kirche begann 1901, die Weihe erfolgte 1903 durch Zar Nikolaus II. persönlich. Sie wurde dem Heiligen der Seefahrer, dem Heiligen Nikolaus geweiht

Zarenfestung No.1
56.5910674206361, 21.014965506091734

Die nördlichen Festungen sind der bekannteste und optisch beeindruckendste Teil der Festung Liepāja. Sie wurden von der russischen zaristischen Armee im späten 19. Jahrhundert erbaut und tragen historisch den Namen Festungsbatterie Nr. 1

Im November 1908, weniger als zehn Jahre nach ihrer Errichtung, wurde die Festung Liepāja stillgelegt, da ihr Bau als strategischer Fehler eingestanden wurde. Einige Kanonen wurden demontiert und zur Festung Kaunas in Litauen gebracht, andere eingeschmolzen.


Goldingen - Kuldiga & Venta Wasserfall
Jelgavas iela 50A, Goldingen, Lettland

Ventas rumba in Kuldiga ist der breiteste Wasserfall Europas, wo fliegende Fische im Herbst und Frühling zu sehen sind. Der Wasserfall ist ungefähr 100 – 110 Meter breit und 1,8 – 2 Meter hoch.

Der Wasserfall kann von beiden Ufern, als auch von der alten Ziegelbrücke über den Fluss Venta, die ca. 200 m unterhalb des Wasserfalls befindet, in voller Länge besichtigt werden.


Windau - Ventspils
Loču iela 25A, Windau, Lettland
Ventspils ist eine Hafenstadt im Westen Lettlands an der Einmündung des Flusses Venta in die Ostsee. Sie ist eine der neun lettischen Republik-Städte und mit 32.679 Einwohnern die sechstgrößte Stadt des Landes.

Mein YouTube-Video zu Lindau, Golding und Windau

https://youtu.be/tmkAXie3Fbg


Mein Stellplatz für die Nacht
57.39686558378709, 21.535120502451857

Koordinaten : 57.39686558378709, 21.535120502451857


Ich habe wieder gratis gestanden. Es war eine sehr schöne ruhige Nacht im Hafenbecken. Eine Katze kam vorbei und freute sich über leckere Salamistückchen. Das Wetter war herrlich. Mit Blick auf den Hafen habe ich die Dämmerung genossen.


Tag 19
19.08.2025
Tag 19 – Die offene Zeit

Heute gibt es keinen Plan. Nur den Morgen, der sich langsam entfaltet. Ich sitze bei meinem Kaffee und schaue in die Landschaft, die leise atmet, so wie ich.
 

Rauhnächte laden dazu ein, die Zeit nicht als Feind zu sehen, der verstreicht, sondern als Begleiter, der sich ausdehnt, wenn man ihm Raum gibt. Die Reise hat mich gelehrt, dass die Stunden nicht schneller vergehen, nur weil das Leben vorwärts fährt.

Zeit ist kein Ziel. Zeit ist ein Horizont, zu dem ich immer weiter gehe.


Ich sattle meinen Fritz und verlasse dieses schöne Hafenbecken. Neues Entdecken drängt mich weiter zu fahren. Es ist ein sehr gutes Gefühl. Du, der Fritz und der Asphalt. Die Umgebung, die Natur, ohne Zwang, frei reisen das ist FREIHEIT.


Internationales Radio-Astronomie-Zentrum Ventspils
Vičaku dambis, Ances pagasts, Ventspils novads, Lettland

Das internationale Zentrum für Radioastronomie von Ventspils befindet sich in Irbene, im ehemaligen Städtchen der sowjetischen Armee und wird jetzt vom Ingenieurzentrum der Hochschule von Ventspils bewirtschaftet. Zu wissenschaftlichen Zwecken funktionieren hier immer noch in die 32 m große Parabolantenne TR-32, die die größte in Europa und die achtgrößte weltweit ist, sowie die zweite - 16 m große Antenne RT-16.

Wissenschaft

Die Aufgaben des internationalen Zentrums für Radioastronomie von Ventspils sind Durchführung von fundamentalen Forschungen in der Astronomie und Astrophysik sowie angewandte Forschungen im Bereich der Weltraumtechnologien.

Die Parabolantennen werden zur Beobachtung von Objekten im Bereich zwischen den Sternen, zur Radiowellen-Beobachtung der Sonne, zur Radiolokalisation von Asteroiden und von erdnahen künstlichen Objekten, zur interferometrischen Beobachtung, besonders außerhalb unseres Sonnensystems, verwendet.


Bootsfriedhof bei Mazirbe
Talsi-Dundaga-Mazirbe, Kolkas pagasts, Lettland

Mazirbe, historisch bekannt als das größte Liv-Zentrum, ist bekannt für den einzigen Friedhof für Fischerboote an der lettischen Küste. Er wurde in den 1960er Jahren gebaut, die letzten Boote wurden 1976 hierher gebracht. Die Boote landeten sowohl aus Gründen der Fischereibeschränkungen als auch aus Altersgründen hier.

Heute gibt es in Mazirbe weniger als zehn Wracks von Fischerbooten, aber in der Vergangenheit waren es viel mehr. Auch in anderen Küstendörfern wurden Boote beigesetzt, aber am deutlichsten ist dies heute auf dem Bootsfriedhof von Mazirbe zu sehen.

Der Bootsfriedhof von Mazirbe ist der einzige seiner Art an der lettischen Küste.


Kolkas pagasts - Kap Kolka
Lettland

Das Kap Kolka ist das ausgeprägteste Kap an der Meeresküste Lettlands, wo man den Zusammenstoß der Wellen  von zwei "Meeren" – der offenen Ostsee und der Rigaer Meeresbucht – beobachten kann. Während der Vogelwanderung fliegen Tausende von Vögeln darüber und hier ist der richtige Ort, von dem man seine Reise durch den Nationalpark Slītere beginnen kann.

Im Frühling ist das Kap Kolka ein idealer Ort zur Beobachtung der Vogelwanderung, im Sommer ist es wie ein Paradies zur Erholung am Strand, im Herbst und Winter ist es ein Ort, wo man die Mächtigkeit der Natur beobachten kann.


Mein YouTube Video zu Kap Kolka

https://youtu.be/fOj6miEYR30


Mein Stellplatz für die Nacht
57.75663966259361, 22.5911849975617

Koordinaten : 57.75663966259361, 22.5911849975617


Tag 20
20.08.2025
Tag 20 – Begegnungen mit der Stille
Es sind nicht die Menschen, die diese Reise definieren.

Es sind die Momente zwischen zwei Atemzügen, in denen ich das Vertraute hinter mir lasse und das Unbekannte nicht fürchte. Ich frage mich nicht mehr, ob ich als Eremit im Van leben kann. Ich lebe es, und es ist keine Flucht. Es ist ein Weg, in dem ich mich nicht verliere, sondern finde – in der Stille, im Jetzt und in jedem Sonnenaufgang, der mir sagt: “Du bist da.”


Engures pagasts - Naturpark mit Tarpanpferden
Lettland
Der Engure-See – der größte See an der Küste Lettlands. Er ist 6 km lang, und seine maximale Tiefe beträgt 2-3 Meter. Der Naturpark Engure-See überrascht mit seltenen Pflanzen, rosa wilden Kühen und Pferden. Es lohnt sich, ihn nicht nur während der jährlichen Vogelbeobachtungstage im Frühling und Herbst zu besuchen, sondern auch während der Blütezeit der wilden Orchideen in den heißesten Monaten des Jahres. Ich hatte wunderschöne Begegnungen mit freilaufenden Wildpferden. Ein einmaliges Erlebnis.

Kemeri Park
56.9475181868435, 23.50105205850614
Der Park wurde 1839 von K.H. Vagner, einem Gärtner aus Riga, angelegt. Im 18. Jahrhundert wurde in Jurmala aufgrund der heilenden Eigenschaften des Schwefelwassers ein Kurort gegründet. Der Kemeri-Park ist einer der ältesten und größten Parks außerhalb der Hauptstadt Riga. Er wurde als Landschaftspark mit einem Netz von Wegen, Einrichtungen und üppigen Grünanlagen, romantischen Brücken, Pavillons und Rotunden angelegt. Mit der Eröffnung des Kemeri-Hotels im Jahr 1936 entstand ein symmetrisches Gartenparterre mit Rasenflächen, Blumenpflanzungen und Alleen.

Dunduru Wiesen - Mein Stellplatz für die Nacht
56.82970721375198, 23.400665557786336
Spaziergänge durch die Weiden, auf denen Kühe und Pferde grasen, wurden dank den Worldwide Fund of Nature (WWF) und des Fonds für grosse europäische Grasfresser (Large Herbivorous Foundation) ermöglicht. Sie haben den Nationalpark von Kemeri 15 Kühe aus Belgien und 10 Pferde der Art Konik Polski aus Pape zur Verfügung gestellt. Am interessantesten sind diese Herde im Sommer, wenn sie junge Fohlen und  Kälber haben. An den Wiesen können die Besucher ihr Auto parken. Dort wurde auch ein 5 m grosser Wachturm sowie Informationsstände errichtet.

Mein Youtube-Video zu Dunduru

https://youtu.be/7p2s7cZAqJU


Tag 21
21.08.2025
Tag 21 – Das Ritual des Aufbruchs

Heute fahre ich weiter, aber nicht eiliger. Nicht schneller. Bewusster.


Rauhnächte sind vorbei im Kalender, aber sie leben in mir weiter – als Haltung, als sanfte Art, jedem Tag einen Raum zu geben, in dem Geschichte, Stille, Zeit und Erinnerung Platz haben. Bald kommen die Rauhnächte wieder und ich überlege sie einmal zu durchleben.


Der Motor brummt. Und auf einmal ist die Reise kein Weg mehr vor mir, sondern ein Weg in mir.


21. Aug. 2025 - 21. Aug. 2025
Riga
11. novembra krastmala, Riga, Lettland

Riga, die Hauptstadt Lettlands, liegt an der Mündung der Düna in die Ostsee. Sie gilt als kulturelles Zentrum und hat viele Museen und Konzertsäle. Außerdem ist die Stadt für ihre Gebäude aus Holz, die Jugendstilarchitektur und die mittelalterliche Altstadt bekannt. 


Wie man mich kennt bin ich kein Freund von Hauptstadtbesuchen, aber RIGA wollte ich mir schon gönnen. Die Alten Deutschen Gemäuer strahlen für mich immer noch eine stolze Erhabenheit aus.


Fazit Riga

Riga hat mir sehr gut gefallen. Viel Laufwege aber auch viel geschichtliche Erfahrung gesammelt. 


Insbesondere hat mich die Geschichte des Schwarzhäupter-Haus beeindruckt.

Das Schwarzhäupterhaus in Riga, erstmals 1334 als „Neues Haus der Großen Gilde“ erwähnt, ist ein prunkvolles Wahrzeichen am Rathausplatz. Ursprünglich Treffpunkt für Kaufleute, wurde es später Sitz der Bruderschaft der Schwarzhäupter – unverheirateter, meist deutscher Kaufleute. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg (1941) und Sprengung 1948, wurde das Gebäude bis 1999 originalgetreu wiederaufgebaut


Nun sattele ich den Fritz und wir fahren weiter den Deutsch-Ritter-Orden folgend Richtung Norden.


Mein YouTube-Video über Riga

https://youtu.be/jElI95LzDjU


Mein Stellplatz für die Nacht
57.18461848773389, 24.83352727777715

Koordinaten : 57.18461848773389, 24.83352727777715


Tag 22
22.08.2025
Tag 22 – Steine mit Erinnerung
Mit Fritz fahre ich weiter zu Orten, die Geschichte tragen.


Nicht museal, nicht aufbereitet – eher beiläufig. Reste von Mauern, Grundrisse, Namen, die kaum noch ausgesprochen werden.


Die Stätten des Deutschritter-Ordens erzählen keine einfachen Geschichten. Sie sprechen von Ordnung und Gewalt, von Glauben und Macht, von Menschen, die überzeugt waren, im Richtigen zu handeln. Ich gehe langsam durch diese Orte, nicht wertend, aber aufmerksam.

Geschichte wird hier nicht erklärt.
Sie wird gespürt.


Ich frage mich, was von unseren eigenen Überzeugungen bleiben wird. Welche Mauern wir errichten, die später nur noch Fragmente sind. Die Stille hilft, diese Fragen auszuhalten, ohne sofort Antworten zu verlangen.


Burg Treyden
57.18222368032275, 24.85026641023361
Die Burg Treyden ist die Ruine einer Bischofsburg des Erzbistums Riga, die zwischenzeitlich mehrere Jahrzehnte dem Livländischen Orden als Ordensburg diente. Sie wurde auf einem hohen Bergrücken am Rande des Gauja-Tals im Ortsteil Turaida der livländischen Stadt Sigulda im lettischen Bezirk Sigulda errichtet

Krimuldas muiža
Mednieku iela, Sigulda, Lettland
Das Gut Krimulda ( deutsch : Schloss Cremon ) liegt am Rande des alten Gauja-Tals , am rechten Ufer der Stadt Sigulda ( in Krimulda ). Unweit des Gutshofs befinden sich die Ruinen der mittelalterlichen Burg Krimulda . Das Gebäude zählt zu den eindrucksvollsten Beispielen klassizistischer Villenarchitektur in Lettland.

Gutmannshöhle
57.176135443596344, 24.842343347771383

Nun machte ich auf zu einer Wanderung. Nicht ganz ohne. Viele Holztreppen.


Die größte Höhle in den baltischen Staaten ist von Sagen umwoben und voller alter energetischer Kräfte. Die Gutmannshöhle ist die größte und höchste Höhle (oder genauer gesagt eine höhlenartige Nische oder Grotte) in Lettland und dem Baltikum. Sie entstand in der Nacheiszeit vor ca. 10.000 Jahren. Die Höhle ist 18,8 m lang, 12 m breit und bis zu 10 m hoch.

Eine Legende besagt, dass die Höhle in der Antike die Heimat eines guten Mannes war, der das Quellwasser zum Heilen von Menschen verwendete. Der Name der Höhle stammt vom deutschen Begriff "gut Mann", der "guter Mann" bedeutet. Daher glauben die Menschen, dass die Quelle heilende Eigenschaften hat.

Die Besucher der Höhle hören gerne deren Stimme, die von den Höhlenwänden widerhallt. Für einen Moment scheint es, dass die Wände leise antworten.


Schwertbrüderordensburg Segewold
Krimuldas iela 1A, Segewold, Lettland
Burg der Livonischen Ordersbruderschaft von Sigulda

Entstand im Jahre 1207 als Festung, die als Kastell aufgebaut wurde, später wurde sie umgebaut und bekam die Umrisse eines Konventbaus. Seit 2012 ist es möglich, auf den nördlichen und Haupttorturm zu steigen, die Burgmauern zu betreten und die mittelalterliche Atmosphäre zu genießen.


Mein YouTube-Video : Beim Schwertbrüderorden

https://youtu.be/hn4zCgxuGt4


Ligatnes dabas takas - Stellplatz für die Nacht
57.24833654319096, 25.01413200766349

Koordinaten : 57.24832952252204, 25.01413851576139

und morgen geht es ins Ligatnes Naturpark


Tag 23
23.08.2025
Tag 23 – Wenn der Wald atmet
Ich stehe im Wald und warte.

Nicht auf etwas Bestimmtes – nur auf den Moment.


Der Nebel liegt noch zwischen den Stämmen, hängt tief, tastend, als hätte er sich in der Nacht hierher zurückgezogen. Alles ist gedämpft. Geräusche verlieren ihre Kanten. Die Welt wirkt vorläufig, als müsse sie sich erst entscheiden, sichtbar zu werden.


Dann beginnt der Nebel sich zu lösen. Nicht plötzlich, sondern in Bewegungen, die man fast übersehen könnte. Licht fällt in Streifen durch die Kronen. Konturen entstehen. Der Wald tritt hervor, Baum für Baum, als würde er sich mir vorstellen. Ich atme tief ein.


Der Geruch von feuchter Erde, von Moos, von altem Holz füllt meine Lungen. Hier wird nichts erklärt. Hier darf alles sein. Ich stehe still, bis ich mich selbst wieder höre.

23. Aug. 2025 - 23. Aug. 2025
Naturpfade von LĪGATNE - Wildtierpfade Bären, Elche, Wölfe, etc.
Līgatne - Lieltītmaņi, Līgatnes pagasts, Lettland

Am Ufer der Gauja, in einer mit Wäldern bewachsenen Schluchten reichen Gegend, sind auf einer Länge von mehr als 5 km Pfade angelegt, wo man für die Fauna von Lettland typischen Wildtiere und Vögel beobachten kann.

Die Naturpfade von Līgatne im Nationalpark Gauja wurden im Jahr 1975 eingerichtet, um die Besucher mit den in Lettland lebenden Säugetierarten, der Vielfalt der Natur und der Notwendigkeit, die Natur zu schützen, bekanntzumachen.

Beim Besuch im Park  kann man Marder, Füchse, Eichhörnchen, Bären, Wildschweine, Elche, Hirsche, Rehe, Waschbären. Wolfshunde, Luchse, Igel sowie Vögel – Eulen, Uhus und andere Tiere zu sehen bekommen. Sei aufmerksam, weil die Tiere, von ihren Instinkten geleitet, sehr scheu sind!


Mein YouTube-Video : Unter wilden Tieren

https://youtu.be/z5-1-sF_NBQ


Archäologischer Park Āraiši
Drabeši — Līvi, Drabešu pagasts, Lettland

Die Burg Āraiši ist die einzige Rekonstruktion einer befestigten Inselsiedlung aus dem 8 / 9 – 10 Jahrhundert in Europa, ein einzigartiges Objekt, das als archäologisches Denkmal Lettlands 2020 nominiert wurde.

Der Park zeichnet sich durch unikale archäologische Funde, den Ort der Rekonstruktion in der ursprünglichen Umgebung und die für Vidzeme charakteristische, gut erhaltene historische Kulturlandschaft aus.

Am Ufer des Sees sind die Ruinen der mittelalterlichen Burg Āraiši zu sehen, aber gleich auf der Mädcheninsel sind die Gebäude zu besichtigen, die als Rekonstruktionen nach den in Lettland und den Nachbarländern erhaltenen archäologischen Angaben über diese Art von Stein- und Bronzezeithäusern gefertigt sind.


23. Aug. 2025 - 23. Aug. 2025
Munchhausen Museum
Minhauzena alus kausa taka, Liepupes pagasts, Lettland
Die Erzählungen des „Lügenbarons“, der über diesen Namen zu seinen Lebzeiten entsetzt war, speisten sich aus dessen Lebensweg und den Erlebnissen auf seinen Reisen und während seiner Militärzeit. Einige davon erlebte er vermutlich in Dunte im heutigen Lettland. Sechs Jahre lebte Münchhausen dort mit seiner ersten Frau Jacobine von Dunten auf dem livländischen Gutshof von deren Familie. Geheiratet hatte er die Tochter eines deutsch-baltischen Landadligen am 2. Februar 1744 in der Kirche von Pernigel, dem heutigen Liepupe nahe Dunte – der Eintrag im Kirchenregister ist erhalten geblieben. Münchhausen war zu der Zeit als Offizier in der damals zum russischen Zarenreich gehörenden Garnisonstadt Riga stationiert.
 
„Münchhausen ist ein interessanter Charakter gewesen. Alle denken, dass er nur eine Kunstfigur war. Aber er war eine reale Persönlichkeit“, so  Agnese Ašmane vom Münchhausen-Museum in Dunte. Dort, rund 60 Kilometer nördlich von Riga, ist der berühmte Fantast in der „Minhauzena pasaule“ – lettisch für „Münchhausens Welt“-  allgegenwärtig.

23. Aug. 2025 - 23. Aug. 2025
Mein Stellplatz für die Nacht
57.52010532191232, 24.378909125190784

Koordinaten : 57.52010532191232, 24.378909125190784


Ich traf einen Radwanderer aus Deutschland. Wir kamen ins Gespräch und er war gerade auf dem Rückweg vom Nordkap. Nur mit Rad und einem Zelt.


Tag 24
24.08.2025
Tag 24 – Weiterfahren heißt weiterdenken
Die Straße zieht sich ruhig dahin.

Fritz läuft gleichmäßig, vertraut. Ich merke, wie sehr ich diesen Rhythmus brauche: fahren, anhalten, schauen, weiterfahren.

Ich lasse Gedanken kommen und gehen.
Was bedeutet Neubeginn wirklich? Ist es ein Schnitt – oder ein allmähliches Verschieben? Vielleicht ist Loslassen kein Akt, sondern ein Prozess, der sich nur in der Bewegung zeigt.


Salacgrīvas pagasts - Vitrupemündung Übernachten am Meer
Rīga (Baltezers) — Igaunijas robeža (Ainaži), Salacgrīvas pagasts, Lettland
Steinige Livländische Küste (Vidzemes akmeņainā jūrmala): Ein einzigartiger Küstenabschnitt mit Felsen, Sandstränden und ruhiger Natur, ideal für Spaziergänge

Grenze Lettland-Estland
Tallinn — Pärnu — Ikla, Kreis Pärnu, Estland

Mein Fazit zu Lettland :


Eine sehr schöne Landschaft. Alles naturbelassen, wunderschön. Demnach auch die Straßen. Nur Schotterstraßen mit Quer-Rippenmuster-Wellen. Das Internet ist 1a und die Menschen auch sehr herzlich in Lettland.


Fazit : Lettland

- Das Land ist noch hübscher
- Die Balten sind sehr nett ! Rasenmähen ist eines ihrer Hobbies
- Das Internet funktioniert hier ganz gut
- Die Schotterstraßen sind fürchterlich
- überall freier Strandzugang
- Freistehen fast überall möglich


Wanderung Nationalpark Soomaa - der Moorpfad von Riisa
Riisa õpperada, Kreis Pärnu, Estland

Zuerst führt der Weg durch das Moor, dann kurz durch den Wald. An solchen Stellen kann man den Übergang des Waldes zum Moor und umgekehrt besichtigen – die trockene Landschaft wird zu einer feuchten und Sumpfpflanzen werden durch Fichtenurwald ersetzt. Weiter führt der Weg Sie zu schönen Moorteichen. 


Leider regnete es unentwegt und an Baden im Moor war nicht zu denken. Schade.


Mein Stellplatz für die Nacht
58.42223587014584, 24.997656432979575
RMK Tõramaa puisniidu lõkkekoht

Koordinaten : 58.42223587014584, 24.997656432979575


Ich habe es erst später erfahren, aber ich stand mitten in einem Überflutungsgebiet. Aber nicht alleine. Nachts kamen noch 2 Italiener.


Tag 25
25.08.2025 MUHU
Tag 25 – An der Schwelle

Heute stehe ich wieder still. Nicht weil ich müde bin, sondern weil etwas in mir ankommt.

Estland liegt vor mir. Mein insgeheimes Ziel dieser Reise. Voller Vorfreude was mich erwartet.


Die Reise hat mich verändert – nicht spektakulär, sondern leise.
Wie der Nebel, der sich lichtet, ohne Lärm zu machen.


Ich steige aus, lehne mich an Fritz, schaue in die Weite. Stille ist noch immer mein Kompass.

Und Geschichte mein Spiegel. Ich bin bereit, weiterzugehen.


Biberpfad im Soomaa Nationalpark
Kildu — Oksa — Tõramaa, Viljandi maakond, Estland
er Biber ist ein tüchtiges Nagetier und bekannt für seine Fähigkeiten im Bereich Dammbau. Der Pfad, der seine Aktivitäten vorstellt, beginnt am Naturzentrum des Nationalparks Soomaa und führt in den Wald, zu den von Bibern errichteten Biberbauten und -dämmen.
Auf dem ganzen Weg kann man Spuren der Lebenstätigkeit der Biber sehen – sind es dann die von ihnen gefällten Bäume und die errichteten Bauten.

Virtsu sadam
Risti — Virtsu — Kuivastu — Kuressaare, Werder, Kreis Pernau, Estland

Insel Muhu

Muhu ist eine weitgehend unentdeckte Inselperle Estlands. Wer dieses Eiland überhaupt kennt, kennt es meist nur, weil er es durchqueren muss, um auf die größte estnische Insel Saaremaa zu gelangen. Dabei lohnt es sich, dort anzuhalten, die Umgebung zu erkunden und dieser Insel die Aufmerksamkeit entgegenzubringen, die sie verdient.

Dank ihrer isolierten geografischen Lage und ihrer Funktion als Transitstrecke nach Saaremaa hat sich die Insel den Geist des alten Estlands bewahrt. Und im Falle Muhus gilt: Das ist wirklich eine gute Sache!

Die Fähre, die Sie nach Saaremaa bringt, legt im Hafen Kuivastu an. Sie sind jetzt nicht etwa schon auf Saaremaa, sondern eben auf der vorgelagerten Insel Muhu. Brettern Sie nun nicht gleich durch nach Saaremaa – auch wenn man sich darauf zu Recht freut. Es lohnt sich, einen Tag hier zu bleiben, um die lokale Kultur (die sich von der auf Saaremaa in einigen Details unterscheidet) zu entdecken und die örtlichen Spezialitäten zu genießen.


Üügu Cliff
Üügu tee, Saare maakond, Estland
Die nördliche und nordöstliche Küste der Insel Muhumaa ist von größeren und kleineren Steilküsten umsäumt. Die etwa 300 m lange Steilküste Üügu ist eine der ansehnlichsten. Die Steilküste liegt von der jetztigen Küstenlinie einwenig entfernt, aber vor Jahrhunderten hat die Brandung sie stark abgetragen und in den Fliesestein große Hohlräume gebohrt
Gut zu wissen: Die Steilküste Üügu ist die größte und schönste in Muhumaa. Vor dem I Weltkrieg wurde von der Steilküste Üügu Dolomit gebrochen und dies hat das Aussehen der Steilküste ein bisschen verdorben.

LEPANA MUUL
Pallasmaa matsi tee, Saare maakond, Estland

Stellplatz LEPANA MUUL : 58.6786213077754, 23.17230200616794


Über LebensLiebe

Ich genieße die Ruhe hier an der Lepana Muul. Viele Gedanken schießen mir durch den Kopf. Ich fokussiere mich auf die - meine - vermeindliche LebensLiebe.


Manchmal denke ich, dass Liebe viel früher beginnt, als wir glauben.

Nicht bei großen Worten. Nicht bei Versprechen. Sondern bei Berührung.


Zärtlichkeit ist kein Zusatz. Sie ist das Fundament.

Ohne sie bleibt Nähe theoretisch. Worte können dann viel behaupten, aber wenig tragen. Liebkosungen sind keine Nebensache, kein Luxus für gute Tage – sie sind das Erdreich, in dem Vertrauen wächst. Wo sie fehlen, bleibt alles andere fragil.


Ein Leben ohne diese Form von Liebe gleicht einem Haus, das auf Sand gebaut ist. Man kann es ausstatten, vergrößern, verschönern. Man kann Etagen hinzufügen, Anbauten errichten, Geschichten darin leben. Doch unter der Oberfläche fehlt der Halt. Und irgendwann beginnt alles zu rutschen.

Dann werden Gespräche hohl. Pläne verlieren ihr Gewicht. Gemeinsamkeit wird Kulisse. Aus Partner werden Geschwister.


Zärtlichkeit gibt Beziehung Tiefe, bevor sie Höhe bekommt. Sie erdet das Große im Kleinen. Ein Blick, der bleibt. Eine Hand, die weiß. Eine Nähe, die nicht fordert, sondern trägt.


Ich glaube, dass LebensLiebe nur dort Bestand hat, wo Berührung nicht verhandelt wird. Wo sie selbstverständlich ist, nicht als Besitz, sondern als Ausdruck von Achtung. Alles andere mag funktionieren – für eine Weile. Doch ohne dieses Fundament laufen alle Etagen Gefahr, sinn- und gegenstandslos zu werden.


Vielleicht ist Liebe am Ende nichts anderes als die Kunst, jemandem so nah zu sein, dass er nicht fallen muss.


Mein YouTube-Video zu Lepana Muul

https://youtu.be/_SI8z4dk5No


Tag 26
26.08.2025
26. Aug. 2025 - 26. Aug. 2025
Tag 26 – Muhu, die erste Insel
Die Insel empfängt mich nicht mit einem Gefühl von Ankunft, sondern mit einem Gefühl von Abstand.

Schon die Überfahrt wirkt wie ein Übergangszustand – Wasser unter mir, Wind um mich, Zeit ohne Richtung. Als ich Muhu erreiche, wird alles langsamer. Nicht bewusst. Natürlich.

Die Landschaft ist weit, flach, offen. Felder ziehen sich bis zum Horizont, unterbrochen von niedrigen Häusern, alten Steinmauern, vereinzelten Bäumen. Nichts drängt sich auf. Alles scheint genau dort zu sein, wo es hingehört.

Ich fahre mit Fritz über schmale Straßen, die eher Verbindungen als Wege sind. Kein Verkehr, kaum Geräusche. Die Stille hier ist nicht leer. Sie ist wach. Als würde sie mich prüfen: Bleibst du, wenn nichts passiert?

Ich halte an, steige aus, lasse den Blick schweifen.
Der Himmel ist hoch, das Licht weich. Ich atme tief durch. Zum ersten Mal seit Tagen habe ich das Gefühl, wirklich auf einer Schwelle zu stehen. Nicht geografisch – innerlich.


Muhu Museum
Piiri — Koguva, Saare maakond, Estland

Das Dorf Koguva an der Westküste der Insel Muhu ist eines der herausragendsten Beispiele der estnischen Bauernarchitektur. Das Museum Muhu ist in vier Häusern des Dorfes untergebracht:

1. Der Bauernhof Tooma, das Geburtshaus des Schriftstellers Juhan Smuul, mit allen Gebäuden und Besitztümern des Hofes, präsentiert die Architektur des Hofes sowie die Geschichte von Muhu und Koguva.

2. Das Schulgebäude des Dorfes sieht noch genauso aus wie zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

3. Im zweiten Stock des Bauernhofs Välja können Sie die Handarbeiten der Frauen der Insel Muhu bewundern.

4. Im Kunststall befindet sich ein kleiner Souvenirladen und dort finden verschiedene Ausstellungen statt.

Die meisten Gebäude im Dorf sind in Privatbesitz, folgen Sie also dem Dorfplan und den orangefarbenen Wegweisern zum Museum!


Straußenfarm auf der Insel Muhu (dt. Moon)
Piiri — Koguva, Saare maakond, Estland
Die Straußenfarm auf der Insel Muhu ist ein Tierpark, in dem Sie exotische Vögel und Tiere beobachten können. Auf dem Weg nach Saaremaa ist dies ein idealer Zwischenstopp für Familien mit Kindern. Wir sind der einzige Ort in Estland, an dem Sie afrikanische Zebras und Rote Riesenkängurus aus Australien sehen können.

Insel Saaremaa
Saaremaa ist mit etwa 2672 km² die größte Insel Estlands sowie der Moonsund-Inseln. Sie ist die viertgrößte Ostseeinsel nach Seeland, Gotland und Fünen und begrenzt den Rigaischen Meerbusen nach Norden.

Kaali Meteoritenkrater
Masa — Kaali, Saare maakond, Estland
Der ungefähre Zeitraum des Meteoriteneinschlags von Kaali liegt 7500-7600 Jahre zurück. Der Meteoriteneinschlag auf das bereits besiedelte Saaremaa verursachte eine so große Zerstörung, dass es mit der Explosion einer kleinen Atombombe verglichen wurde. In etwa 5-10 km Höhe zerschellte der Meteorit und regnete in zahlreichen Stücken auf die Erde herab, das größte dieser Stücke verursachte einen Krater von 110 m Durchmesser und 22 m Tiefe sowie 8 weiter kleinere Krater auf der Insel Saaremaa.

Etwa am Beginn der Zeitrechnung wurde der See Kaali mit einer massiven Steinmauer umgeben. An der Mauer hat man viele Haustierknochen gefunden, was zeigt, dass es als Opferstelle benutzt wurde.

Arensburg
1, Arensburg, Saare maakond, Estland

Die ehemalige Bischofsburg in Kuressaare (dt. Arensburg), im Volksmund auch als "Schloss Kuressaare" bekannt, ist eine der interessantesten und am besten erhaltenen Befestigungsanlagen in Estland. Aus der Burg entwickete sich im Verlauf von Bau- und Ausbauarbeiten vom 14. bis zum 19. Jahrhundert eines der bemerkenswertesten Gebäude Nordeuropas.

Im Burginneren gibt es ein Geschichtsmuseum, das den Besuchern mittels Dauer- und temporären Themen-Ausstellungen die Geschichte der Insel Saaremaa (dt. Ösel) und ihrer Bewohner nahebringt: von der fernsten Vergangenheit bis heute.


WW II Monument Russian & German
57.917750220850834, 22.06341902701872

Es ist schon seltsam. Hier am Ende der Welt leuchtet eine Kerze für russ. und deutsche gefallenen Soldaten. Und in BRD darf man nicht einmal die Nationalflagge hissen.


Mein Stellplatz für die Nacht
57.91817146330765, 22.065867099689417

Koordinaten : 57.91817146330765, 22.065867099689417


Tag 27
27.08.2025
Tag 27 – Steine, die bleiben
Heute begegnet mir Geschichte nicht als Erzählung, sondern als Material.

Alte Kirchen, Mauern, Grabsteine. Dinge, die überdauert haben, ohne sich zu erklären. Ich betrete einen dieser Orte langsam, fast vorsichtig. Nicht aus Ehrfurcht im religiösen Sinn, sondern aus Respekt vor der Zeit, die hier still geworden ist.


Die Steine sind kühl unter meinen Fingern. Sie tragen Spuren von Wetter, von Jahrhunderten, von Menschen, die gehofft, gezweifelt, geglaubt haben. Ich denke an den Deutschritterorden, an Macht und Mission, an Strukturen, die einst Sinn versprachen und später Fragen hinterließen. Geschichte wird hier nicht verklärt. Sie steht da – und schweigt.


Ich merke, wie gut mir dieses Schweigen tut. Es zwingt mich nicht zur Meinung. Es lädt mich ein, zu fühlen.


Der Leuchtturm von Sõrve
Sääre majaka tee, Saare maakond, Estland
1646 ließ der Generalgouverneur Livlands, Gabriel Oxenstierna, auf einer kleinen Insel jenseits der Spitze der Halbinsel Sõrve (dt. Sworbe) ein einfaches Leuchtfeuer errichten. Durch die Herbststürme wurde bald klar, dass die kleine Insel für den Standort des Leuchtfeuers ungeeignet war und man siedelte auf die Halbinsel Sõrve selbst um. 1770 wurde an gleicher Stelle ein Leuchtturm aus Stein errichtet, der im 1. Weltkrieg zerstört wurde. Der heutige kegelförmige Leuchtturm aus Monolithbeton steht seit 1960 an seiner Stelle.

Windmühle Ohessaare
Türju Rannatee, Saare maakond, Estland
Eine Schotterstraße führt zu einer Windmühle und einem süßen kleinen Café mit herzhaften Snacks (z.B. Brötchen mit selbstgemachten Brotaufstrichen) und sehr leckeren Kuchen in einer traumhaften Kulisse mit Blick aufs Meer.

Die Steilküste Panga
Pahapilli — Panga, Saare maakond, Estland
Die Steilküste Panga ist der höchste Untergrundaufschluss in Westestland und auf den Inseln. Die silurische Steilküste ist eine große Terrasse, die in Schweden auf der Insel Gotland beginnt, durch die Ostsee verläuft und an der Westküste der Insel Saaremaa an die Erdoberfläche gelangt. Die maximale Höhe der Steilküste beträgt 21,3 m, die Länge etwa 2,5 km. Die Steilküste Panga ragt als Kalksteinmauer direkt am Strand empor. An der höchsten Stelle befindet sich eine archaische Kultstätte; hier wurden dem Meer in alten Zeiten Opfer dargeboten.

Mein YouTube-Video zum Pangakliff

https://youtu.be/tLJ0TuqEtJA


Der Mühlenberg von Angla
Upa — Leisi, Saare maakond, Estland
In Angla erwartet Sie der einzige Mühlenberg, der auf der Insel Saaremaa (dt. Ösel) sein Erscheinungsbild erhalten hat. Vier der fünf Mühlen in Angla sind für die Insel Saaremaa typische Bockmühlen, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts erbaut wurden. Die Windmühle holländischen Typs wurde 1927 errichtet.
Sie können sich bei uns mit historischen landwirtschaftlichen Maschinen bekannt machen und im Sommer mit typischen Nutz-Tieren. Auf dem Mühlenberg liegen ein Museum, das  die lokale bäuerliche Kultur präsentiert, ein Café, ein Souvenirgeschäft und ein Festsaal. Auf Vorbestellung können Sie an verschiedenen Workshops teilnehmen.

Gut zu wissen: Die Mühlengruppe wurde zuletzt in den Jahren 2009–2011 restauriert. Sowohl die holländische Windmühle als auch eine Bockmühle sind für Besucher geöffnet. Es besteht die Möglichkeit zu einem Picknick.

Kuivastu sadam
Risti — Virtsu — Kuivastu — Kuressaare, Muhu vald, Saare maakond, Estland

Mein YouTube-Video zur Insel Muhu und Saaremaa

https://youtu.be/lFla98MvopA


Mein Stellplatz für die Nacht
58.580828013062046, 23.563755513604644
Virtsu raudteetamm


Koordinaten : 58.58082804896756, 23.56366802387456


Tag 28
28.08.2025
Tag 28 – Inselrhythmus
Muhu hat einen eigenen Takt.

Er ist nicht langsam im Sinne von träge, sondern ruhig im Sinne von stimmig. Ich beginne, mich ihm anzupassen. Fahre kürzere Strecken. Bleibe länger stehen. Lasse Gedanken kommen, ohne sie festzuhalten.

Ich frage mich: Kann ich so leben?
Nicht als Urlaub. Nicht als Ausnahme. Sondern als Alltag.

Ein eremitisches Vanlife ist kein Rückzug aus der Welt. Es ist eine Reduktion. Weniger Stimmen. Weniger Rollen. Mehr Wahrnehmung. Ich merke, dass mir nichts fehlt – außer vielleicht der Gewohnheit, etwas vermissen zu müssen.

Am Abend sitze ich bei Fritz, sehe dem Licht beim Verschwinden zu. Die Insel wird stiller, als wäre sie müde vom Tag. Und ich mit ihr.


Eisenbahn- und Kommunikationsmuseum Haapsalu
Lääne maakond, Estland

Der historische Bahnhof von Haapsalu beherbergt heute ein Museum mit Freilicht- und Innenausstellungen, das die Geschichte des estnischen Eisenbahnverkehrs und Informationsaustauschs beleuchtet.

Draußen finden Sie Züge, den einzigen in Estland erhaltenen Dieseltriebwagen und die älteste erhaltene Dampflokomotive einer Breitspurbahn! Das Museum bietet individuelle Führungen und Programme an. Das Gebäude selbst besteht aus 4 Bereichen, wie dem einzigartigen 216 m langen Bahnsteig, der seinerzeit der längste in Europa war!

Dieser ist heute einer der beliebtesten Fotospots in Haapsalu.


Museum der Bischofsburg in Haapsulu
Lossiplats, Haapsalu, Lääne maakond, Estland
Die Bischofsburg von Haapsalu (dt. Hapsal) ist eine architektonische Perle aus dem 13. Jahrhundert, sie war bis zum Ende des 17. Jahrhunderts die Residenz der lokalen Machthaber.
Im in der Hauptburg befindlichen Museum nimmt die Geschichte der Bischofsburg selbst eine wichtige Stelle ein. Sie werden mit der Baugeschichte der Burg bekannt gemacht, der Gründung der Stadt Haapsalu und dem Schicksal der Herrscher des Bistums Saare-Lääne (dt. Ösel-Wiek) und dem seiner Bewohner. Damit sie die damaligen Zeiten besser verstehen können, können die Besucher selbst Hand anlegen und verschiedene Mechanismen ausprobieren. Die auf den Mauern verlaufenden Gänge laden den Besucher ein, die Burg und die malerische Stadt Haapsalu von einer neuen, höheren Ebene aus zu betrachten.

Das Kloster Padise
Viikingi tee, Kreis Harju, Estland

Das Kloster wurde im 14. Jahrhundert von Mönchen des Zisterzienserordens angelegt. Die Bauarbeiten dauerten mit gelegentlichen Pausen über 200 Jahre. Nach den letzten, umfangreichen Renovierungsarbeiten ist das Kloster wieder für Besucher geöffnet.

Von der ursprünglichen mittelalterlichen Einrichtung des Klosters sind heutzutage die in der Kirche zu Risti befindliche Kirchenglocke aus dem 14. Jahrhundert (die älteste in Estland) und die aus der gleichen Zeitperiode stammende, heute in der Niguliste Kirche (Nikolaikirche) ausgestellte seltene Golgata-Gruppe erhalten geblieben.

Interessant zu wissen: Der Kirchensaal des Klosters Padise ist dank der guten Akustik und der besonderen Atmosphäre zu einer geschätzten Konzertstätte geworden.


Tagebau Rummu
Haapsalu mnt, Rummu, Kreis Harju, Estland

Die kristallklare hellgrün-blaue Lagune des Tagebaus Rummu und der angrenzende künstliche Hügel sind eine unglaublich einzigartige Mischung und ein außergewöhnliches Ausflugsziel.

Jahrzehntelang befand sich hier ein Kalksteinbergwerk und ein Gefängnis, aber nach dem Ende des Abbaus füllte sich das Gebiet schnell mit kristallklarem Wasser und setzte die Gefängnismauern und Gebäude unter Wasser. Dadurch verwandelte sich Rummu in eine bei Tauchern beliebte Unterwasserwelt!


Mein Stellplatz für die Nacht
59.39924014589724, 24.251268420304815
RMK Meremõisa telkimisala


Koordinaten : 59.39924014589724, 24.251268420304815


Einer der besten Freistehplätze in Estland


Mein YouTube-Video zu Haapsulu, Padise, Rummu, Mermeuse

https://youtu.be/wr31LRRlXC0


Tag 29
29.08.2025
Tag 29 – Loslassen üben
Heute denke ich viel an das, was hinter mir liegt.

Nicht mit Schwere, sondern mit Klarheit. An alte Vorstellungen, an Pläne, die einmal richtig waren und es jetzt nicht mehr sind. Loslassen fühlt sich hier nicht wie Verlust an, sondern wie Ordnung.

Ich brauche kein Ritual mit großen Gesten.
Das Gehen reicht.
Das Atmen.
Das bewusste Nicht-Festhalten.

Vielleicht ist das die eigentliche Kraft der Rauhnächte, die mich gedanklich begleiten: nicht das Magische, sondern das Erlauben. Dinge gehen zu lassen, ohne sie zu verurteilen.


Keila-Joa Keila-Wasserfall
Kreis Harju, Estland

Der Wasserfall ist 6 Meter hoch und einige Dutzend Meter breit, so dass er hinsichtlich seiner Mächtigkeit nur von den Wasserfällen Narva und Jägala übertroffen wird. Vom Park aus führt der Weg am Flussbett entlang über zwei Hängebrücken zum Wasserfall.

Gut zu wissen:
In Keila-Joa befindet sich ein renoviertes Wasserkraftwerk. Außerdem liegt in der Nähe ein saniertes und von der Neugotik inspiriertes Gutshaus – eines der prächtigsten unter seinesgleichen. Auf dem 3 km langen Keila-Joa-Naturlehrpfad kann man die herrliche Natur entdecken.


Mein Stellplatz für die Nacht
59.42202904505741, 24.330503564707268
Türisalu Cliff

Koordinaten : 59.42202904505741, 24.330503564707268


Tag 30
30.08.2025
Tag 30 – Der Blick nach Osten
Ich fahre weiter, langsam, bewusst.

Estland in seiner ganzen Weite. Ich spüre, dass sich etwas verschoben hat.

Nicht spektakulär. Nicht sichtbar. Aber spürbar. Die Stille ist nicht mehr nur Begleiter. Sie ist Maßstab geworden.

Als ich Fritz starte und den Blick noch einmal schweifen lasse, weiß ich: Diese Reise beginnt nicht neu. Sie geht tiefer. Und ich bin bereit, weiterzufahren.


Jägala-Wasserfall
59.447681146928154, 25.180311787163976
Der Jägala-Wasserfall ist ein Wasserfall am Unterlauf des Flusses Jägala, etwa vier Kilometer vor dessen Mündung in den Finnischen Meerbusen. Der Wasserfall ist fast acht Meter hoch und über 50 Meter breit. Es handelt sich um den breitesten natürlichen Wasserfall in Estland.

Narva
Kreis Ida-Viru, Estland
Narva ist die drittgrößte Stadt der Republik Estland, eine wichtige Industriestadt und das Zentrum der russischsprachigen Minderheit Estlands, zu der etwa 95 % der Einwohner Narvas gehören

30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Mein Stellplatz für die Nacht
59.373087554871454, 28.19965133731519

Koordinaten : 59.373087554871454, 28.19965133731519       KM-Stand : 46.248

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Mein YouTube-Video : Beim Russen im Vorgarten

https://youtu.be/5MV7iHvHcTg


Tag 31
31.08.2025
Tag 31 – Narva, die Grenze
Narva empfängt mich nicht weich.

Die Stadt steht da wie eine Frage, die man nicht umgeht. Hier endet Europa nicht – aber es wird sichtbar, wo es sich selbst betrachtet. Die Grenze ist kein Gedanke, sie ist Realität. Wasser trennt, Mauern erinnern, Geschichte steht sich gegenüber.

Ich stehe am Fluss.
Auf der einen Seite Narva, auf der anderen Iwangorod. Zwei Festungen, die sich seit Jahrhunderten ansehen. Nicht feindlich, nicht versöhnlich – einfach wachsam. Stein gegen Stein. Vergangenheit gegen Vergangenheit.

Ich spüre eine Unruhe, die nichts mit Angst zu tun hat. Eher mit Klarheit.
Grenzen sind nie nur politisch. Sie verlaufen auch in uns. Zwischen dem, was wir waren, und dem, was wir werden könnten.

Ich gehe langsam durch die Stadt. Plattenbauten, alte Mauern, dazwischen Stille. Narva ist kein Ort, der gefallen will. Er fordert Haltung.


Hermannsfeste in Narva
59.37573164277373, 28.199763779257182

Die Hermannsfeste (estnisch Hermanni linnus) in Narva ist eine bedeutende mittelalterliche Burg im äußersten Osten Estlands direkt an der russischen Grenze. Gegründet im 13. Jahrhundert von den Dänen, diente sie später dem Deutschen Orden als östlichste Bastion. Die restaurierte Anlage mit dem 51 Meter hohen Turm „Langer Hermann“ beherbergt heute das Narva-Museum und bietet Ausblicke auf die gegenüberliegende russische Festung Iwangorod.


Toolsburg
Võle — Vainupea — Kunda, Toolse küla, West-Wierland, Estland
Die Ordensburg Toolse ist die jüngste mittelalterliche Burg an der Nordküste Estlands, zugleich ist sie die dem Meer am nächsten gelegene Burg in Estland. Die Burg wurde hier vermutlich schon im 14. Jh. durch den Orden zum Schutz des Hafens, des Handelsplatzes und der Straßen errichtet. 


Die Tolsburg liegt auf einer Landzunge direkt am Finnischen Meerbusen und sollte als Schutz gegen Seeräuber dienen, die ihr Unwesen in diesem Gebiet trieben. Der Erbauer Wolthus von Herse gab ihr den Namen "Vredeborch" (Friedensburg), doch sie brachte keinen Frieden. Seine Reformen entfachten eine Opposition im Orden und Herse wurde getötet. Sein Nachfolger Bernd von der Borch gab ihr den Namen "Tolesborch", nach dem estnischen Namen des betreffenden Küstengebietes.


Während des Livländischen Krieges wurde sie von Hand zu Hand weitergegeben und blieb zuletzt im Besitz der schwedischen Streitkräfte. Die Burg wurde während des Großen Nordischen Krieges am Anfang des 18. Jh. endgültig vernichtet. Heute sind ihre Ruinen zu besichtigen.


Weiter nach Westen

Ich richte den Blick neu aus.
Narva liegt hinter mir, die Grenze im Rücken. Vor mir liegt das offene Estland, mit all seinen stillen Versprechen. Ich weiß noch nicht, wohin genau. Aber das ist nicht mehr beunruhigend.

Stille zeigt mir die Richtung.
Nicht als Pfeil – sondern als Gefühl.

Ich steige aus, lehne mich an Fritz, schaue in den Himmel. Weiße Wolken ziehen langsam über das Blau. Grün unter mir. Weite in mir. Ich fahre weiter.


Mein Stellplatz für die Nacht
Purekkari neeme tee, Kreis Harju, Estland
RMK Purekkari telkimisala

Koordinaten : 59.66803786991629, 25.696145492555296                              KM-Stand : 46438


Mein YouTube-Video : Freistehen am Meer

https://youtu.be/GxFfthTSisA


Begegnung mit mir selbst
Es regnet und ich schaue mir die schöne Umgebung aus dem Fritz an. Heute ist ein Tag ohne äußere Geschichte.

Kein besonderer Ort, kein historischer Marker. Und genau deshalb ist er wichtig. Ich bin allein mit meinen Gedanken, ohne Ablenkung, ohne Programm.


Ich denke an Nähe. An Lebensliebe. An Zärtlichkeit als Fundament. Und ich merke, wie sehr diese Reise mich nicht von Menschen entfernt hat – sondern von falschen Vorstellungen.


Eremitisch zu leben heißt nicht, auf Liebe zu verzichten. Selbstliebe und die Natur bewundern steht anstatt. 


Tag 32
01.09.2025
Tag 32 – Geschichte ohne Abstand
Heute gehe ich näher heran.

Die Festung, die Mauern, die Perspektiven. Geschichte ist hier nicht abgeschlossen. Sie wirkt nach, schiebt sich in den Alltag, formt Identitäten.

Ich denke an den Deutschritterorden, an Grenzziehungen, an das ewige Bedürfnis des Menschen, Ordnung zu schaffen – oft um den Preis von Freiheit. Die Toolsburg zeigt mir, dass Geschichte nicht vergeht. Sie verändert nur ihre Sprache.


Ich frage mich, welche Grenzen ich selbst gezogen habe. Welche Mauern noch stehen 


Ehemalige sowjetische U-Boot-Entmagnetisierungsstation
Loksa — Hara, Landgemeinde Kusal, Kreis Harrien, Estland

Entmagnetisierung von Schiffen/U-Booten

Der U-Boot-Hafen wurde erbaut, um U-Boote und Kriegsschiffe zu entmagnetisieren, die sich zuvor auf natürliche Weise durch das Erdmagnetfeld magnetisierten. Das Werkzeug dazu lag in großer Tiefe im Wasser der Bucht und damit war es unsichtbar für die Menschen. Der Vorgang konnte stundenlang andauern und der Grad der Schiffsmagnetisierung wurde bei der Durchfahrt durch die Passage gemessen und beurteilt.

Im Anschluss an die Behandlung waren die U-Boote nicht mehr auffindbar für Seeminen. Außerdem gelang es so, unbehindert US-Einrichtungen über Funk zu belauschen. Die U-Boote konnten sich fast geräuschlos annähern und wurden selten aufgespürt.


Wasserflugzeughafen
Vesilennuki 6, Tallinn, Kreis Harju, Estland
Eines der prächtigsten Schifffahrtsmuseen Nordeuropas befindet sich im Wasserflugzeughafen von Tallinn. Dort gibt es ein originales U-Boot, die EML Lembit, aus den 1930er-Jahren, verschiedene Boote und Segelboote, den hundert Jahre alten Dampfeisbrecher Suur Tõll, einen Nachbau des Wasserflugzeugs Short 184, Seeminen, Kanonen und viele weitere Exponate in Originalgröße. Eine Weltreise mit einem gelben U-Boot, Fotos in Marineuniformen, ein großes Aquarium und verschiedene Simulatoren machen einen Besuch im Wasserflugzeughafen zu einem unvergesslichen Erlebnis für die ganze Familie.

Mein Stellplatz bis zur Fährfahrt nach Helsinki
59.44906792886627, 24.756552520269455

Koordinaten : 59.44906792886627, 24.756552520269455                                   KM-Stand : 46734


Tag 33
02.09.2025
Tallin besichtigen

Tallinn – der Gedanken-Hafen

Der Hafen von Tallinn ist ein Ort des Wartens. Kein echtes Ankommen, noch kein Aufbruch. Die Fähre liegt bereit, groß und still, als wüsste sie, dass sie mehr transportiert als Menschen. Zeit. Gedanken. Unausgesprochene Wahrheiten.


Ich sitze in Fritz, schaue hinaus auf Stahl, Wasser, Bewegung. Möwen ziehen ihre Kreise, gleichgültig gegenüber Grenzen und Biografien. Mein Blick treibt – wie meine Gedanken.


Ich denke über Nähe nach. Über Partnerschaft. Über das, was trägt und das, was nur funktioniert.


Sex ist kein Beiwerk. Kein Luxus. Kein Thema, das man vertagt, wenn der Alltag wichtiger wird. Für mich ist er Fundament. So wie Zärtlichkeit. So wie Begehren. Nicht als Konsum, sondern als lebendige Verbindung. Als körperliche Sprache, die sagt: Ich bin hier. Und ich will dich.


Ohne diese Sprache wird Beziehung inkorrekt. Unordentlich. Leer. Ich habe oft erlebt, wie Partnerschaften sich in etwas verwandeln, das mehr an ein Kloster erinnert als an Liebe. Verheiratet mit einer „Schwester“. Verlässlich. Anständig. Kameradschaftlich. Und innerlich zölibatär. Kein Streit, aber auch kein Feuer. Kein Risiko – und keine Glut.

Ein klostergleiches Leben zu zweit ist kein Frieden. Es ist Stillstand mit Etikett.


Ich frage mich, wie viele Menschen ihre Sehnsucht stillschweigend abgeben, um nicht allein zu sein. Wie viele sich an Mauern gewöhnen, weil sie Sicherheit versprechen. Und wie viele dabei vergessen, dass Liebe nicht im Ausharren besteht, sondern im Lebendigsein.


Der Gedanke trifft mich klar und ohne Dramatik: Wenn ich wählen muss, dann lieber der Lebensabend im Van. Mit Weite vor dem Fenster, Himmel über dem Dach, Bewegung im Körper. Lieber unterwegs, mit offenem Herz, als sesshaft hinter einer Mauer, die Nähe simuliert, aber Leidenschaft ausschließt.

Ich will keine Klostermauer anstarren. Ich will Leben spüren.


Die Lautsprecher kündigen das Boarding an. Die Fähre nach Helsinki wartet.

Ich starte den Motor. Meine Gedanken sind noch unterwegs – aber sie kennen die Richtung.


Mein Youtube-Video zu Tallin

https://youtu.be/C8Zvw814F14


Tag 34
03.09.2025
Tallinna sünagoog
Karu 16, Tallinn, Kreis Harrien, Estland

Fährfahrt Tallin - Helsinki

Lenholmen - Stellplatz für die Nacht
Finnland

Koordinaten : 60.24777512275978, 22.214872644263625        KM-Stand : 46748


Nach der Fähre habe ich hier Dank - LivingToGo - einen schönen Freistehplatz gefunden. Und nicht nur ich. Hihi. Es ist eigentlich ein Wanderparkplatz jedoch hatte niemand Anstoss gefunden das wir nicht übernachten durften.


Man wandert durch Eichenwiesen mit immer wieder Blicken aufs Meer, wo die für den Schärengarten typische Landzunge deutlich zu erkennen ist.

Eichenwiesen sind in Finnland selten


Tag 35
04.09.2025
Lillviken - Der geilste Stellplatz in Finnland
60.18591908212818, 22.042105975593625

Koordinaten : 60.18591908212818, 22.042105975593625   KM-Stand : 46816


noch ein paar Bilder

Mein Youtube-Video zur Fähre und Lillandet

https://youtu.be/eV2COH3njCM


Tag 36
05.09.2025
Vargberget - Wanderung
60.135189408285115, 21.80436931120864
Der Vargberget, auch Susivuori genannt, liegt in Nauvo, in der nordöstlichen Ecke der Insel Storlandet. Der Weg zum Gipfel beginnt in Petsorintie und führt zunächst über einen Waldweg in Richtung Westen. Der Aufstieg ist sanft, und oben gibt es einen Naturturm und einen Unterstand. In der Umgebung gibt es auch einige Höhlen, die erkundet werden können.

Seo Nauvo
Parkvägen 1, Nauvo, Eigentliches Finnland, Finnland


Tag 37
06.09.2025
Limestone Quarry Pargas
60.29902909693588, 22.294807455168865

Aussichtspunkt des Kalksteinbruchs von Nordkalk.

Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, an denen ein Steinbruch so nah am Stadtzentrum liegt, okay, vielleicht in Kiruna.


Pikku-Pukintie - Mein Stellplatz für die Nacht
60.42258179739063, 22.168133763367237

Koordinaten : 60.42272699982855, 22.168447796698555    KM-Stand : 46889


noch ein geiler Stellpllatz. Im Vorgarten die riesigen Kreuzfahrt Schiffe


...

Ich stand mit meinem Camper direkt an der Pikku-Pukki Seaside Promenade, das Meer nur ein paar Schritte entfernt. Der Platz war ruhig, fast gelassen – diese Art von Ruhe, die man nur in Küstennähe findet, wenn die Stadt zwar da ist, sich aber respektvoll zurücknimmt.

Am Abend rollten die ersten Kreuzfahrtschiffe langsam in den Hafen. Riesige, schwebende Städte aus Stahl, die lautlos wirkten, obwohl man wusste, wie viel Kraft in ihnen steckte. Ich saß im Camper, Tür offen, Blick aufs Wasser gerichtet, und beobachtete, wie sie sich millimetergenau an ihren Liegeplätzen ausrichteten. Ein- und Auslaufen wurde hier fast zur Choreografie.

Die sommerliche Stimmung lag schwer und warm in der Luft. Menschen schlenderten an der Promenade entlang, irgendwo klirrten Gläser, Möwen zogen ihre Kreise. Der Sonnenuntergang färbte den Himmel erst weich orange, dann rosa, dann dieses tiefe Blau, das nur kurze Zeit existiert. Später, als alles stiller wurde, verschwand die Sonne nie ganz – sie streifte nur den Horizont, um wenige Stunden später wieder aufzutauchen.

Der Sonnenaufgang kam leise. Ein sanftes Licht, das sich über das Wasser schob, die Schiffe erneut in Szene setzte und den Camper in ein goldenes Morgenlicht tauchte. Für einen Moment fühlte sich alles zeitlos an, als gäbe es keinen Plan, keinen nächsten Ort.

Am nächsten Tag kam die Realität zurück. Ein Blick auf die Anzeige – und dieses vertraute, frustrierende Gefühl: die AGM-Batterie schon wieder leer. Kein Spielraum, kein „ich bleib noch“. Der Ort, so perfekt er auch war, musste aufgegeben werden. Ich ärgerte mich, nicht nur über die Batterie, sondern darüber, dass Technik manchmal genau dann Grenzen setzt, wenn man eigentlich bleiben möchte.

Ich startete den Motor, ein letzter Blick aufs Meer, auf die Promenade, auf die Kreuzfahrtschiffe – und fuhr weiter. Mit dem Wissen, dass diese Nacht trotzdem bleiben würde.


Mein Youtube-Video : Wenn ein Hochhaus vorbeifährt

https://youtu.be/tttj4Xam5kk


Tag 38
07.09.2025
Mein Youtube-Video : Unterwegs auf den fin. Schären

https://youtu.be/ZioZPNUMONM


Hiihtoparkki - Mein Stellplatz für die Nacht
60.493671235432416, 22.034509755977574

Koordinaten : 60.493671235432416, 22.034509755977574


Tag 39
08.09.2025
30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Naantali Camping
60.461994830024146, 22.02858358544974

Die Konsequenz war klar: ohne Strom ging es nicht weiter. Also verließ ich meinen Platz und suchte mir einen Stellplatz mit Landstrom. Die BGM-Batterie war völlig erschöpft – ganze zehn Stunden hing der Camper am Kabel, bis sie endlich wieder voll war. Zehn Stunden Stillstand, aber diesmal ein notwendiger.


Ich buchte mich auf dem Naantali Camping ein. Ein ungewöhnlicher Ort für mich, aber perfekt für diesen Moment. Der Platz lag direkt oberhalb der Fähre, erhöht, mit einer großartigen Aussicht: glattgeschliffene, vom Eis geformte Felsen, die sanft nach unten zum Fähranleger abfielen. Darunter das Wasser, ruhig und schwer, darüber diese nordische Klarheit in der Luft.

Der Campingplatz selbst war fast leer. Keine Kinderstimmen, kein Kommen und Gehen, nur vereinzelt Fahrzeuge und viel Raum. Ein netter Finne kam ins Gespräch mit mir und erklärte mir die Stille ganz nüchtern: Ferienende. Alle seien wieder zurück bei der Arbeit oder in der Schule. Was blieb, war diese wohltuende Leere – und das Gefühl, für einen Moment ein Land ganz für sich zu haben.


Ich nutzte die Zeit sinnvoll. Während der Camper Strom zog, lud ich die Batterien vom Fritz wieder vollständig auf, ordnete ein bisschen, atmete durch. Danach zog es mich hinaus. Ich sah mir die Umgebung an, lief über die Felsen, beobachtete die Fähre beim An- und Ablegen, dieses ruhige, kraftvolle Manöver, das hier zum Alltag gehört.


Es war kein Ort, den ich mir ausgesucht hätte, um zu bleiben – aber einer, der genau zur richtigen Zeit kam. Ein technischer Zwischenstopp, der sich unerwartet in eine ruhige, fast meditative Pause verwandelte.


Tag 40
09.09.2025
Turku satama
Satamakatu 1, Turku, Eigentliches Finnland, Finnland


Mein YouTube-Video : Fährfahrt durch die Schären (FIN-SWE)

https://youtu.be/Ti2J006YfGg


30. Nov. -0001 - 30. Nov. -0001
Borgmästarholmen - Mein Stellplatz für die Nacht
59.754120560408104, 18.72807818953795

Koordinaten : 59.754120560408104, 18.72807818953795   KM-Stand : 46920


Tag 41
10.09.2025
Vikingabyn Storholmen
Varjagvägen, Svanberga, Provinz Stockholm, Schweden

Storholmen ist ein archäologisches Freilichtmuseum in wunderschöner Lage auf einer Halbinsel im großen See Erken.

Storholmen besteht aus mehreren Häusern, die nach archäologischen Methoden errichtet wurden. Dazu gehören eine große Wikingerhalle (24 x 10 m) und sieben kleinere Gebäude. Außerdem gibt es eine Sauna, Wikingerboote und Kräutergärten.

Unmittelbar neben dem Wikingerdorf befindet sich ein Naturschutzgebiet und eine eisenzeitliche Gräberstätte mit 165 Wikinger-Grabhügeln und anderen Grabarten.

Das Museum befindet sich in einer geschichtsträchtigen Region, die von wichtigen Kontakten mit dem Osten erzählt. In der Region Roslagen gibt es viele Runensteine, einige davon in unmittelbarer Nähe von Storholmen.


Stockholm ABBA Museum
59.32507989346296, 18.095029804756418
ABBA The Museum ist eine interaktive Ausstellung über die Popgruppe ABBA, die am 7. Mai 2013 in der schwedischen Hauptstadt Stockholm eröffnet wurde. Als Teil der Swedish Music Hall of Fame befindet sich das Museum im Untergeschoss des Gebäudes auf Djurgården in Stockholm, in der Nähe des Gröna-Lund-Vergnügungsparks.


Ich habe direkt hinter dem ABBA-Museum geparkt. 4 Stunden für 12 €.


Von hier aus kann man aber auch zentral weitere Museen und die Innenstadt erkunden.


The Viking Museum
59.32653742022323, 18.09481075063002

Das Wikingerzeitalter – eine Ära der Entdeckungen, Handelsreisen, Schlachten und Mythen. Eine Zeit, in der Drachenschiffe über offene Meere segelten, beladen mit Waren, Träumen und Mut. Handelsrouten spannten sich über Kontinente, und Kulturen trafen in Handel wie auch in Konflikten aufeinander. Geschichten über Götter, Helden und Schicksale wurden am Feuer im Langhaus erzählt – und der Mythos der Wikinger wurde für kommende Jahrhunderte geprägt. 

Im The Viking Museum erwacht diese Welt zum Leben. Hier erwartet die ganze Familie ein unvergessliches Erlebnis – mit Führungen, einer Abenteurerfahrt und kulinarischen Momenten im Restaurant Eld. Tauchen Sie ein in die legendärste Epoche der skandinavischen Geschichte. 


Vasa-Museum
59.32798863766307, 18.091457650305898
Das Vasa-Museum ist ein maritimes Museum in Stockholm, Schweden. Es befindet sich auf der Insel Djurgården und zeigt das fast vollständig erhaltene, auf seiner Jungfernfahrt 1628 gesunkene Kriegsschiff Vasa sowie dessen Geschichte.

Mein Youtube-Video zu Stockholm

https://youtu.be/TwcSLELXEa8


Studsviks brygga
58.7584696679555, 17.38799974269843

Koordinaten : 58.7584696679555, 17.38799974269843


Tag 42
11.09.2025
Horsö-Värsnäs - Mein Stellplatz für die Nacht
56.72349327389944, 16.370523792383107

Koordinaten : 56.72349327389944, 16.370523792383107     KM-Stand : 47471


Tag 43
12.09.2025
Borgholms slottsruin
Bergdalavägen, Borgholm, Provinz Kalmar, Schweden
Schloss Borgholm liegt nahe der Stadt Borgholm auf der Westseite der schwedischen Insel Öland. Nach einem Brand im 19. Jahrhundert ist es heute nur noch als Ruine erhalten, aber noch immer eine der bedeutsamsten Sehenswürdigkeiten Schwedens.

Sollidens slott
Sollidenvägen, Borgholm, Provinz Kalmar, Schweden

Schloss Solliden ist ein Stückchen Kulturerbe, das mir sehr am Herzen liegt. Es wurde von meiner Urgroßmutter, Königin Victoria, erbaut und 1906 fertiggestellt.

Nach dem Ableben meines Urgroßvaters, Gustaf V. ging das Schloss 1950 auf mich über. Ich möchte das Schloss so bewahren, dass sich auch kommende Generationen an diesem unvergleichlichen Stückchen erfreuen können.

 – Carl Gustav – 


Eketorps
56.294307700465474, 16.486854854946447
Die Burg von Eketorp ist eine vollständig ausgegrabene alte Burg, deren Mauer und Häuser direkt auf den antiken Überresten nachgebaut wurden. Wenn Sie sich für Natur und Kultur interessieren, werden Sie in Alvaret von der interessanten Geschichte, Archäologie und Fauna des Schlosses begeistert sein.

Färjestaden - Mein Stellplatz für die Nacht
56.647242204639355, 16.465739969149404

Koordinaten : 56.64536854403214, 16.46523279803151     KM-Stand : 47657 


Färjestaden ist eine Ortschaft in der schwedischen Provinz Kalmar län und der historischen Provinz Öland. Er ist Teil der Gemeinde Mörbylånga und ist der größte Ort der Ostseeinsel Öland.

Ich  habe hier an einem Sportplatz sehr ruhig und kostenfrei gestanden. Mit Blick auf die Öland-Brücke.


Tag 44
13.09.2025
Karlskrona - Marinemuseum von Schweden
Provinz Blekinge, Schweden
Das Marinemuseum ist Schwedens Nationalmuseum zur Geschichte der schwedischen Marine, von 1522 bis heute. In der geschichtsträchtigen Umgebung der Insel Stumholmen in Karlskrona ragt das prachtvolle Gebäude des Marinemuseums auf einer Pier ins Meer, an einem Ort, der viele Hundert Jahre lang dem Militär vorbehalten war.

Kungagraven
Bredarörsvägen, Kivik, Provinz Schonen, Schweden
Das Grab von Kivik, auch Königsgrab in Bredarör nahe Kivik, in der schwedischen Region Österlen in Südost-Schonen, ist der restaurierte Rest einer Bestattung aus der Nordischen Bronzezeit. Die Röse wurde später nicht nur als Steinbruch genutzt, sondern zunächst auch nachlässig restauriert.

Ales stenar
Killevägen, Ystads kommun, Provinz Schonen, Schweden

Schwedens größte Steinsetzung ist über der Steilküste im Südosten der Region Skåne platziert. Es ist ein erhabener, fast mystischer Ort wie zwischen Meer und Himmel, an dem 58 Steine die Form eines Schiffes bilden – kein Wunder, dass Ales stenar spirituelle Energien zugeschrieben werden. Die ausgiebig untersuchte und restaurierte Anlage stammt aus Schwedens Vendelzeit (etwa zwischen 540 und 790), die der Wikingerära unmittelbar vorausging.


Smygehus badplats - Mein Stellplatz für die Nacht
55.34896743739549, 13.388175981532351

Koordinaten : 55.34896743739549, 13.388175981532351     KM-Stand : 48000




Tag 45
14.09.2025
Trelleborg
Provinz Schonen, Schweden
Trelleborg ist nicht nur Schwedens südlichste Stadt, sondern auch eine der ältesten. Wo vor tausend Jahren Wikinger erste Siedlungen gründeten und eine Ringburg, auf Schwedisch Trelleborg, bauten, findest du heute eine lebendige Kulturlandschaft an der Küste der Ostsee.

Fazit - Die Reise zu mir selbst

Wenn ich heute auf meine Reise zurückblicke, erkenne ich darin mehr als Orte, Wege und Erlebnisse. Sie wurde zu einer stillen Übung im Annehmen dessen, was nicht veränderbar ist, und im bewussten Handeln innerhalb dessen, was mir bleibt.


Wie im Gedanken des Schicksals (Urðr) zeigte sich mir immer wieder: Nicht alles lässt sich lenken. Menschenmengen, äußere Umstände, Technik, Müdigkeit, auch Enttäuschungen – sie traten auf, ohne dass ich sie verhindern konnte. Statt Widerstand zu leisten, lernte ich, ihnen mit einer Haltung zu begegnen, die Stärke nicht aus Kontrolle bezieht, sondern aus Akzeptanz. Daraus wuchs eine gewisse Furchtlosigkeit: nicht gegenüber dem Tod im wörtlichen Sinn, sondern gegenüber dem Verlust von Erwartungen. Ich begann, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mein Erleben aktiv zu gestalten, selbst dann, wenn der Rahmen unbequem war.


Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie wichtig Stille in der Aktivität ist. Die Reise führte mich durch belebte Orte, Lärm, Bewegung und Überforderung – und doch lag meine eigentliche Kraft darin, innerlich ruhig zu bleiben, mich nicht von der Unruhe außen forttragen zu lassen. Besonnenheit wurde zu einer Form von Widerstand: nicht laut, nicht kämpferisch, sondern klar. Je turbulenter es wurde, desto wertvoller war diese innere Zentrierung.

So wurde die Reise zu einer Spiegelung meines eigenen Weges:


Ich kann das Schicksal nicht verändern, aber ich kann entscheiden, wie ich ihm begegne.


Ich kann der Bewegung nicht entkommen, aber ich kann still in ihr stehen.


Aus dieser Verbindung entstand eine leise Erkenntnis:


Wahre Stärke liegt nicht im Ausweichen, sondern im bewussten Dasein – wach, aufrecht und innerlich frei.

Wegpunkte
Tag 1
01.08.2025
Mein Buch bei Amazon

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Meine YouTube-Videos und Playlist

https://www.youtube.com/playlist?list=PLD3KxOtxoJUEFzNUngHZ07k4O6srmbxIm

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Tag 1 – Der Moment des Losfahrens

Der erste Tag ist kein Abschied. Er ist ein Innehalten mit Bewegung.
Als ich Fritz starte, verändert sich nichts sichtbar – und doch verschiebt sich etwas Entscheidendes. Der Alltag bleibt zurück wie ein Raum, dessen Tür man leise schließt, um niemanden zu wecken.

Die Straße liegt offen vor mir, aber sie fordert keine Eile. Ich fahre nicht, um anzukommen. Ich fahre, um mich zu lösen. Nach der Operation hat Zeit ein anderes Gewicht bekommen. Sie ist kein Vorrat mehr, sondern ein Zustand. Und heute ist sie großzügig.

Der Himmel ist weit, die Gedanken noch ungeordnet. Ich lasse sie fahren wie lose Blätter. Der Roadtrip beginnt nicht mit einem Ziel, sondern mit der Erlaubnis, keines zu brauchen.

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Wollin 01.-03.08.2025
Zamkowa, Wollin, Landkreis Cammin, Woiwodschaft Westpommern, Polen
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36,8 km 34 Min.
Stellplatz für die Nacht
53.921538692771755, 14.276911929676555
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Tag 2
02.08.2025
Tag 2 – Kilometer, die tragen

Freiheit ist romantisch – und technisch.
Die Batterie meldet sich, leise, aber bestimmt. Sie verlangt Bewegung, fordert Kilometer ein. Es ist kein Konflikt, eher ein stiller Vertrag zwischen mir und der Maschine.

Ich fahre weiter, nicht schneller, sondern bewusster. Jeder Kilometer lädt nicht nur Strom, sondern auch Vertrauen. Vertrauen in den Rhythmus der Reise. In das Zusammenspiel aus Planung und Loslassen.

Am Abend stehe ich still. Nicht erschöpft, sondern gesammelt. Ich merke, dass diese Reise nicht gegen Grenzen fährt, sondern mit ihnen arbeitet.

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2,8 km 7 Min.
Fr., 01. Aug. 2025
Swinemünde
Woiwodschaft Westpommern, Polen
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110,6 km 1 Std. 33 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Kolberger Deep
Wyzwolenia 5, Kolberger Deep, Landkreis Kolberg, Woiwodschaft Westpommern, Polen
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Mein Youtube-Video zu Swinemünde

https://youtu.be/NnRze_vEStU

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Tag 3
03.08.2025
Tag 3 – Die Küste als Linie der Zeit

Die Ostsee erscheint nicht plötzlich. Sie kündigt sich an.
Der Wind verändert sich, die Luft wird salziger, die Landschaft offener. Küsten sind Übergänge – zwischen Land und Wasser, Gegenwart und Geschichte.

Hier haben Menschen immer gewusst, dass nichts bleibt, wie es ist. Ich spüre das beim Gehen, beim Schauen. Die See urteilt nicht. Sie erinnert.

Ich denke an Ordensritter, Händler, Kriege und Wege. Geschichte liegt hier nicht hinter Glas, sie liegt unter den Füßen. Und sie fragt nicht, was ich suche. Sie zeigt nur, dass andere vor mir gesucht haben.

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101,4 km 1 Std. 7 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Rügenwalde
54.41975142507914, 16.407034984758837
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Die Geschichte der Rügenwalder Teewurst
Die Rügenwalder Teewurst wurde 1903 von Carl Wilhelm Gottfried Müller im pommerschen Rügenwalde (heute Darłowo, Polen) erfunden und durch die Idee seiner Frau Alwine mit einer roten Mühle als Markenzeichen versehen. Ursprünglich als streichfähige Rohwurst für die Nachmittagsteezeit gedacht, wurde sie durch den herben Geschmack und die hohe Qualität schnell überregional bekannt. Nach der Vertreibung 1945 baute die Familie das Unternehmen im niedersächsischen Bad Zwischenahn neu auf, wo es sich zur bekannten „Rügenwalder Mühle“ entwickelte
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Stellplatz für die Nacht
54.41975142507914, 16.407034984758837
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Tag 4
04.08.2025
Tag 4 – Alleinsein ist ein Raum

Allein unterwegs zu sein bedeutet nicht, leer zu sein. Es bedeutet, sich selbst nicht auszuweichen. Gespräche fallen weg, Geräusche werden klarer. Der eigene Atem wird hörbar.


Ich verbringe den Tag langsam. Beobachte mehr, als ich tue. Fritz ist zuverlässig, stiller Begleiter, kein Gesprächspartner, aber ein guter Zeuge.


Am Abend merke ich: Einsamkeit ist ein Gefühl. Alleinsein ist eine Entscheidung. 


Und diese Entscheidung fühlt sich richtig an.

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39,3 km 39 Min.
Mi., 30. Jul. 2025
Stolpmünde
Uroczysko, Stolpmünde, powiat słupski, Woiwodschaft Pommern, Polen
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75,3 km 1 Std. 9 Min.
Stellplatz für die Nacht
54.72636408492827, 17.56960937758385
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Tag 5
05.08.2025
Tag 5 – Geschichte ohne Pathos

Ich lese über Orte, während ich durch sie fahre.
Burgen, Mauern, Namen. Die Geschichte des Deutschritterordens ist komplex, widersprüchlich, unbequem. Sie erzählt von Macht und Mission, von Ordnung und Gewalt.

Ich versuche nicht zu urteilen. Ich versuche zu verstehen. Geschichte als Spiegel – nicht, um mich darin zu bewundern, sondern um meine eigene Zeit einzuordnen.

Die Stille hilft dabei. Sie macht Platz für Fragen, die sonst keinen Raum bekommen.

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Suche nach Tiefe Ruhe, Zeit & Natur

Zur Ferienzeit ist die polnische Ostseeküste ein zweigeteiltes Wesen.

Da sind zuerst die Badeorte: Mielno, Kołobrzeg, Władysławowo, Łeba, Międzyzdroje. Im Juli und August verwandeln sie sich in ein dichtes, lärmendes Band aus Menschen, Handtüchern und Stimmen. Die Strände sind breit, ja – aber sie fühlen sich schmal an, weil jede freie Fläche besetzt ist. Windschutz an Windschutz, dazwischen Kühlboxen, aufblasbare Flamingos, der Geruch von Sonnencreme, gebratenem Fisch und Zuckerwatte. Lautsprecher aus Strandbars mischen sich mit Kinderrufen, Möwengeschrei und dem dumpfen Wummern von Sommerhits. Die Promenaden sind ein Strom ohne Pause: Eis in der Hand, Souvenirs aus Plastik, Gedränge bis spät in die Nacht. Das Meer ist da – aber es gehört allen gleichzeitig, und dadurch fast niemandem.


Und dann kommt der Moment der Flucht.

Man fährt ein paar Kilometer weiter. Verlässt den Ort. Lässt die Promenade hinter sich, biegt ab auf schmale Straßen, Waldwege, Sandpisten. Parkt dort, wo kein Kiosk mehr steht, wo die Schilder fehlen. Der Wald öffnet sich – und plötzlich ist Stille.

Hier sind die anderen Strände: zwischen Kiefern und Dünen, fern von Orten, oft namenlos. Der Sand ist heller, feiner, unberührt von tausend Fußabdrücken. Der Wind hat Platz, das Meer atmet breiter. Man hört nur Wellen, Gras, vielleicht einen Vogel. Manchmal sieht man kilometerweit keinen Menschen. Nur Horizont. Nur Weite. Die Ostsee wirkt hier rauer, ehrlicher – nicht dekoriert, nicht gezähmt.

Diese Flucht ist kein großes Abenteuer. Sie ist leise. Sie besteht aus Weglassen: keine Musik, keine Buden, keine Reihen aus Liegestühlen. Stattdessen barfuß durch kalten Sand, Salz auf der Haut, Blick ins Nichts. Man bleibt länger. Oder man geht einfach, ohne Ziel, den Strand entlang, bis der Gedanke langsamer wird.

Die polnische Ostseeküste kann laut sein, dicht, übervoll.
Aber sie kann auch einsam, weit und tröstlich sein – wenn man bereit ist, den ersten Strand nicht gelten zu lassen und weiterzugehen, bis das Meer wieder sich selbst gehört.

Die Frische Nehrung an der russischen Grenze ist so ein Ort.

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161,7 km 1 Std. 58 Min.
Frische Nehrung
Polen
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Mein Youtube-Video zur Frischen Nehrung

https://youtu.be/IN9XyQiZBrU

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20,7 km 24 Min.
Stellplatz für diese Nacht
54.39671069567296, 19.490264633453975
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Tag 6
06.08.2025
Tag 6 – Der Körper erinnert sich

Heute denke ich an die Operation. Nicht aus Angst, sondern aus Klarheit.
Der Körper hat etwas durchgestanden. Er trägt es weiter, ohne Drama. Und ich lerne, ihm zuzuhören.

Diese Reise ist kein Triumphzug. Sie ist ein Gespräch. Zwischen mir und dem, was bleibt, wenn vieles nicht mehr selbstverständlich ist. Ich fahre weniger. Stehe mehr. Zeit beginnt, sich zu dehnen.

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24,2 km 26 Min.
Museum Stutthof
Muzealna 6, Stutthof, powiat nowodworski, Woiwodschaft Pommern, Polen
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80,0 km 59 Min.
Frauenburg
Mikołaja Kopernika, Frauenburg, powiat braniewski, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen
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70,6 km 56 Min.
Stellplatz für die Nacht
54.05010057346393, 19.0491961484541
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Tag 7
07.08.2025
Tag 7 – Übergänge

Grenzen sind heute formell. Aber innerlich sind sie spürbar.
Ich lasse Vertrautes zurück und fahre weiter nach Osten. Die Landschaft wird ruhiger, weniger erklärend. Sie verlangt keine Aufmerksamkeit – sie erlaubt sie.

Ich beginne, weniger zu suchen. Mehr zuzulassen. Die Reise verändert ihren Ton. Sie wird leiser, tiefer.

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2,7 km 6 Min.
Do., 07. Aug. 2025
Marienburg
powiat malborski, Woiwodschaft Pommern, Polen
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Mein YouTube-Video zur Marienburg

https://youtu.be/o1XwxbHbeuk

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93,0 km 1 Std. 5 Min.
Oberländischer Kanal
Polen
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Mein YouTube-Video zum Oberländer Kanal

https://youtu.be/T4wemGaxYQI

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Tag 8
08.08.2025
Tag 8 – Unterwegs ohne Eile

Der Tag hat keinen Höhepunkt. Und genau das macht ihn wertvoll.
Ich fahre, halte an, fahre weiter. Keine Checkliste, kein Muss.

Stille wird zur Orientierung. Nicht als Abwesenheit, sondern als Kompass. Ich merke, wie Entscheidungen leichter werden, wenn sie nicht begründet werden müssen.

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45,5 km 30 Min.
Fr., 08. Aug. 2025
Tannenberg-Denkmal Reste
Parkowa, Hohenstein, powiat olsztyński, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen
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Meine Reflektion zur deutschen Geschichtslehre

bei der Planung meines Baltikum-Roadtrips wurde mir klar das Deutschland viel viel größer ist bzw war als zu erwarten. Hier fehlt ganz klar Wissen und schulische Bildung. Ich bin Jahrgang 1963 und hatte mich bisher nicht damit befasst, denn wenn man mehr über unser Deutschland erfahren möchte muss man nun mal Autodiktakt werden. Aufschlussreich ist es allemal. Das gesamte Gebiet unserer ehemaligen Ostgebiete (Pommern, West- und Ostpreußen) sowie die ehemaligen Gebiete des Deutschen Ordens wie Kurland, Livland, die Inseln Ösel & Dagö und Estland waren hauptsächlich und jahrhunderte lang DEUTSCH geprägt. Bis nach Tallin wurde bis 1918 deutsch gesprochen. Auch wenn sich die Balten jeder mit ihrer eigenen Sprache ganz klar identifizieren werden bei vielen Städten und Dörfern immer noch die deutschen Bezeichnung hinzu genannt. 


Bei diesem Trip handelt es sich größtenteils um unsere alten deutschen Ostgebiete Pommern und Preußen, sowie Gebiete der Deutschordensritter. Hier sollen auch die historischen deutschen Orte besser und ausführlicher beleuchtet werden. Die Geschichte des Deutschen Ordens zwischen 1230 und 1525 ist eng mit dem Schicksal des Deutschordensstaats verknüpft, aus dem später das Herzogtum Preußen, Lettland und Estland hervorgingen. 

Der Deutschordensstaat umfasste im Kern etwa das Gebiet Alt-Preußens zwischen Weichsel und Memel (das spätere West- und Ostpreußen) sowie als eigenständiges Meistertum Livland im Baltikum bis 1561 etwa das heutige Estland und Lettland.

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124,0 km 1 Std. 25 Min.
Flugplatz Wolf
powiat kętrzyński, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen
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Tag 9
09.08.2025
Tag 9 – Der Blick nach innen

Heute bleibt der Blick länger im Inneren.
Gedanken kommen, gehen, bleiben. Ich schreibe. Nicht, um festzuhalten, sondern um loszulassen.

Die Reise hat mir nichts Neues gezeigt. Sie hat Bekanntes neu sortiert. Und das genügt.

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7,2 km 8 Min.
Sa., 09. Aug. 2025
Rastenburg - Wolfsschanze
powiat kętrzyński, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen
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Mein YouTube-Video zu den Mazuren

https://youtu.be/2OEO_3A1ldo

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27,3 km 23 Min.
Do., 07. Aug. 2025
Mauerwald & Schleuse Fürstenau
powiat węgorzewski, Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen
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Mein Fazit zu Polen
- Die polnische Ostsee ist in den Sommerferien (bis Ende August) hoffnungslos überlaufen
- Die polnischen Straßen sind und werden gut ausgebaut. Leider ohne Parkplätze. 

- Die Pooolen Überhooolen überall. Die polnischen Kraftfahrer sind rücksichtslos.

- Freistehen auch ohne Campingverhalten ist in Polen hoffnungslos. Die wollen das nicht.

- unfreundliche Förster mögen wohl auch deutsche Kennzeichen nicht. 
"No Parking. Weg weg weg"
- wird man als Deutscher erkannt, wird wenn überhaupt man abwertend behandelt
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193,4 km 2 Std. 26 Min.
Sa., 09. Aug. 2025
Meteliai - Dusia See
Seirijų g. 36A, Meteliai, Seirijų seniūnija, Bezirk Alitten, Litauen
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Tag 10
10.08.2025
Tag 10 – Zeit als Landschaft, Gedanken fehlen lassen

Zeit fühlt sich heute räumlich an.
Sie ist nicht mehr linear, sondern weit. Ich bewege mich in ihr, nicht durch sie.

Ich denke weniger an gestern, kaum an morgen. Die Gegenwart reicht aus. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion dieser Reise. 

Nach den intensiven Eindrücken aus Polen – der Wucht der Backsteinburgen, den Spuren der Geschichte, den stillen, nachdenklich stimmenden Orten – taucht ein leiser Wunsch auf: einfach abschalten.

Vielleicht ist Gedankenlosigkeit gar kein Mangel, sondern ein Ziel. Nicht das Fehlen von Bewusstsein, sondern das Loslassen. Kein Grübeln über Vergangenheit, keine inneren Monologe, kein „Was kommt als Nächstes?“.

Die Baltikumreise könnte genau das werden: Weite Straßen, Wälder, Meer, Himmel. Kilometer, die Gedanken strecken, bis sie sich auflösen. Tage, die nicht gefüllt, sondern offen sind. Ein Zustand, in dem Eindrücke nicht mehr verarbeitet werden müssen, sondern nur noch vorbeiziehen dürfen.

Nachdenken wich langsam dem Wahrnehmen. Wahrnehmen dem Sein.
Und vielleicht ist genau das das eigentliche Ankommen.

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124,8 km 1 Std. 30 Min.
Stellplatz am See
54.54158957512556, 25.162682917158946
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Tag 11
11.08.2025
Tag 11 – Geschichte wird still

Die Orte erzählen weniger laut.
Nicht jede Mauer braucht Erklärung. Nicht jeder Ort ein Schild.


Ich verstehe, dass Geschichte nicht immer verstanden werden will. Manchmal will sie nur respektiert werden. Die Stille hilft dabei.


In Vilnius mischt sich Schönheit mit Geschichte. Barocke Fassaden, ruhige Innenhöfe, Kopfsteinpflaster – und darunter Schichten aus Jahrhunderten.


Zwischen Kirchen, Gassen und Plätzen entsteht ein stiller Respekt. Kein lautes Gedenken, kein aufdringliches Erinnern. Eher ein leises Bewusstsein: Hier wurde gelebt, gehofft, gelitten. Reiche Zeiten, dunkle Zeiten, Brüche.


Man geht langsamer. Spricht leiser.
Nicht aus Pflicht, sondern aus Gefühl.


Geschichte ist hier nicht nur Information, sondern Atmosphäre. Sie liegt nicht schwer, aber spürbar in der Luft. Und während man durch die Altstadt streift, wird klar: Respekt bedeutet manchmal einfach, wahrzunehmen – ohne zu bewerten, ohne zu stören. Nur da sein. 

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22,5 km 19 Min.
Mo., 11. Aug. 2025
Vilnius City
Laisves pr. 5, 04215, Vilnius, Lithuania
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76,2 km 45 Min.
Mo., 11. Aug. 2025
Rumšiškės - Litauisches Freilichtmuseum
A. Baranausko g. 7, Rumšiškės, Rumšiškių seniūnija, Bezirk Kauen, Litauen
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Tag 12
12.08.2025
Tag 12 – Ein leiser Wendepunkt

Heute spüre ich, dass sich etwas gesetzt hat.


Nicht abgeschlossen – aber ausgerichtet.

Die Reise hat noch viele Tage vor sich. Doch ein innerer Punkt ist erreicht. Ich bin unterwegs, ohne zu fliehen. Suchend, ohne zu jagen.


Stille ist kein Ziel mehr.
Sie ist mein Kompass.

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27,9 km 23 Min.
Kaunas
Jonavos g. 1F, Kaunas, Bezirk Kauen, Litauen
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7,9 km 12 Min.
Museum im IX Fort der Festung Kaunas - Gedenkstätte KZ Kauen
Spanguolių g., Giraitė, Užliedžių seniūnija, Bezirk Kauen, Litauen
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71,1 km 51 Min.
Di., 12. Aug. 2025
Pilis I - Schloss Panemunė
141, Pilis I, Skirsnemunės seniūnija, Bezirk Tauroggen, Litauen
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75,9 km 56 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Traumplatz an der Memel (russ.Grenze)
55.05319249420184, 22.04886896354286
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Selbstreflektion

Mein Stellplatz liegt dort, wo die Memel langsamer wird, breiter, als hätte auch sie beschlossen, nichts mehr beweisen zu müssen. Der "Fritz" steht im Gras, ein wenig schief, genau richtig. Vor dir das Wasser, ruhig, dunkel, manchmal spiegelglatt, manchmal nur leicht gekräuselt vom Wind. Am anderen Ufer ziehen sich Wiesen und Baumreihen entlang, ohne Zaun, ohne Anspruch. Alles darf sein, nichts muss.

Es riecht nach feuchter Erde, nach Fluss, nach Sommer. Ab und zu ein Vogelruf, das leise Rascheln im Schilf, das Platschen eines Fisches – Geräusche, die nicht stören, sondern tragen. Kein Verkehr, keine Stimmen, kein Zeitdruck. Nur du, der Atem, der Blick, der immer wieder über die Memel wandert und irgendwo im Horizont hängen bleibt.

Du sitzt draußen, vielleicht mit einer Tasse in der Hand, vielleicht einfach nur mit verschränkten Armen. Gedanken kommen und gehen, ohne dass du sie festhältst. Dinge, die sonst laut sind, werden leise. Fragen verlieren ihre Schärfe. Erinnerungen tauchen auf, nicht um zu schmerzen, sondern um verstanden zu werden. Hier musst du nichts darstellen, niemandem erklären, warum du bist, wie du bist.

Die Stunden dehnen sich. Du merkst, wie sich etwas löst – nicht dramatisch, eher sanft. Als würdest du Schicht um Schicht ablegen: Erwartungen, Rollen, unnötige Härte gegen dich selbst. Die Memel fließt weiter, unbeeindruckt von deinen inneren Bewegungen, und genau das hilft. Sie zeigt dir, dass alles seinen Lauf hat, auch ohne dein Eingreifen.

In dieser Weite, in dieser stillen Selbstverständlichkeit des Daseins, findest du einen klaren Gedanken, fast unscheinbar, aber wahr. Kein großes Fazit, eher ein ruhiges Wissen, das bleibt: „Alleinsein sein ohne einsam zu sein.“


Und genau hier, an der Memel, fühlt sich das nicht wie ein Satz an – sondern wie Heimat.

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Tag 13
13.08.2025
Tag 13 – Nebel und Rituale

Der Morgen bricht mit einem Dunst, der die Welt weich küsst. Alles ist von früherem Schlaf noch erfüllt – die Bäume, der Boden, selbst der Himmel scheint erst aufzuwachen. In dieser Stille beginne ich intuitiv den Tag, wie man es an Rauhnächten tut: mit einem Ritual des Loslassens, ohne großes Zeremoniell, nur mit einer Tasse Kaffee, Blick in den Nebel und dem leisen Satz:

Was nicht zu mir gehört, darf heute weiterziehen.

Es ist nicht mystisch. Es ist bewusst. Rauhnächte sind keine magischen Nächte, sondern Zeiten, in denen das Herz klarer schlägt und die Gedanken ungehindert wandern. Seit meiner Operation habe ich mehr davon gebraucht – nicht als Ritual, sondern als innere Haltung, als wiederkehrende Einladung, mich von altem Ballast zu lösen.


Heute nehme ich kein Bild auf. Ich schreibe keinen Blog. Ich sammle keine Orte. Ich atme.

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Mein YouTube-Video zum Memelland

https://youtu.be/77mLb0FsMMk

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Tag 14
14.08.2025
Tag 14 – Der Kreis der Zeit

Es ist nicht der Ort, der mich heute bewegt – es ist der Übergang zwischen gestern und morgen.

Als ich zwischen den alten Mauern stehe, spüre ich die Geschichte nicht nur als Sache von Datumszahlen und Schlachten. Sie ist ein Echo, das in mir nachhallt. Jeder Stein, jede Ruine hat Zeitalter gesehen, in denen Menschen lebten, kämpften, verloren und fanden – so wie ich jetzt.

Früher dachte ich, Geschichte sei etwas, das außerhalb meines Lebens stattfindet. Heute sehe ich sie als Schicht, die auch in mir liegt: alte Muster, ausgelaufene Gewohnheiten, vergangene Schmerzen. Und mit jedem Kilometer, den Fritz und ich in der Stille vorwärts ziehen, spüre ich, wie einiges von dem alten Gewicht sich auflöst, kaum merklich, wie Staub im Wind.


Heute frage ich mich: Kann ich als Eremit Vanlife leben?


Alleinsein ist keine Isolation. Es ist ein Raum, in dem die Präsenz des Selbst klarer wird. Ich brauche niemanden, um Mensch zu sein – nur einen Platz, an dem ich mich selbst hören kann.


Die Stille wird mein Spiegel und meine Landkarte zugleich. Sie zeigt mir, was ich tragen will und was nicht.

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3,3 km 6 Min.
Bittehnen - Storchenkolonie
Nemuno g., Bittehnen, Lumpėnų seniūnija, Bezirk Tauroggen, Litauen
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66,6 km 55 Min.
Uostadvaris Lighthouse
55.344184760560985, 21.291379741180084
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70,1 km 1 Std. 1 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Klaipeda
55.70543591473054, 21.13200940791035
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Die Hafenstadt Klaipeda – das alte Memel
Klaipeda ist heute der bedeutendste Ostseehafen Litauens und gilt als Tor zur Kurischen Nehrung. Bis 1920 war die Stadt an der Dangemündung nördlichste Stadt Deutschlands und hieß Memel. Vor dem Krieg war Memel eine beschauliche Kleinstadt mit 40.000 Einwohnern, heute ist die Hafenstadt am Ausgang des Kurischen Haffs und des Memeldeltas in die Ostsee eine quirlige, boomende Stadt mit rund 185.000 Einwohnern.


Von Memel nach Klaipeda – Geschichte einer Stadt


Das heutige Klaipeda blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Besiedelt war das heutige Gebiet schon zu Beginn unserer Zeitrechnung von baltischen Stämmen, später gehörte es nacheinander zum Deutsche Orden, Preußen, Schweden, dem Deutschen Reich, zu Litauen durch die Annexion des Memellandes 1923, dann durch die Sowjetunion und heute wieder Litauen.

Anfang des 13. Jahrhunderts stieß der Livländische Schwertbrüderorden vom 1201 gegründeten Riga auf seinen Eroberungsfeldzügen Richtung Memel vor. Zur gleichen Zeit erreichte der Deutsche Ritterorden von Süden her in die Region am Memeldelta. Bald stand nur noch die Festung Klaipeda zwischen den beiden Ordensheeren und wurde nach schweren Kämpfen von den Ordensbrüdern erobert. Nun waren die beiden Ordensterritorien über den Strandweg vereint. Der Schwertbrüderorden baute 1252 an der Stelle die steinerne Burg Memele. Diese Burg war solange der Ordensstaat bestand von großer Bedeutung, denn sie hielt allen Angriffen der baltischen Stämme der Auksteiten, Kuren und Zemaiten stand. Bedrohlich wurde die Lage der Ordensterritorien erst, als sich Aukstaiten und Zemaiten 1323 zu einem litauischen Großreich unter Führung des Großfürsten Gediminas zusammenschlossen. Damit war eine neue Großmacht auf den Plan getreten, die bald Stadt und Burg Memel eroberte.
Darauf war ein rund 100 Jahre währender Krieg um Memel und das Memelgebiet entbrannt, schließlich war die Region nicht nur strategisch bedeutend, sondern beherrschte auch den Handel von der Ostsee vor allem mit den weißrussischen Gebieten über die Memel (Njemen). Nicht umsonst wurde Memel bereits 1254 Mitglied der Hanse. Die kriegerischen Auseinandersetzungen wurden erst im Frieden vom Melno-See 1422 beendet. Damals wurden die östlichen Grenzen des Ordensstaates festgelegt. Memel und das Memelgebiet kamen nun endgültig zum Staatsgebiet des Deutschen Ordens. Die Stadt Memel blühte auf und wurde zu einem bedeutenden Handels- und Schifffahrtszentrum. Memel blieb bis zum Ende Territorium des Ordensstaats und ging nach dessen Umwandlung in ein erbliches Herzogtum Preußen im Jahr 1525 an Preußen über. Bis zum Jahr 1923 blieb Memel ein Teil Ostpreußens. Durch den Versailler Vertrag (Art. 99) wurde das Memelland – die zuvor zum Deutschen Reich gehörenden Gebiete nördlich von Memel und Ruß – ohne Volksabstimmung abgetrennt und stand unter internationaler, von den Franzosen wahrgenommenen Herrschaft mit deutscher Verwaltung. Im Jahr 1923 besetzten litauischen Truppen das Memelland und im Jahr darauf wurde die Region als Klaipėda-Bezirk annektiert. Im Jahr 1939 wurde das Memelland dann noch einmal deutsch, nachdem Hitler Litauen zur Rückgabe nötigte. Nach dem Krieg wurde Memel der neu gegründeten litauischen Sowjetrepublik eingegliedert und nahm den alten Namen Klaipėda wieder an. Die Stadt blieb für Ausländer gesperrt, bis sich Litauen 1990 als erste Unionsrepublik der Sowjetunion zum selbständigen Staat erklärte.

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Mein Stellplatz für die Nacht
55.70543591473054, 21.13200940791035
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Tag 15
15.08.2025
Tag 15 – Stille als Kompass

Es gibt Tage, an denen ich kaum ein Wort denke, an anderen, an denen jeder Gedanke ein Gewicht hat. Heute ist ein klarer Tag. Die Stille ist nicht Abwesenheit, sondern ein Raum, in dem ich mich finden kann.

Ich merke, dass ich in dieser Reise weniger navigiere – und mehr gelenkt werde. Nicht von einer Landkarte, sondern von der Stille in mir. Sie sagt mir nicht, wo ich langfahren soll, aber sie sagt mir, wo ich stehen bleiben darf.

Und in diesem Stehen wird jede Wegstrecke zu einer Geschichte, zu einem Spiegel, zu einer Möglichkeit, loszulassen, was nicht länger dient.

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3,4 km 36 Min.
Fährverbindung
Naujoji perkėla (Smiltynė)
Stadtgemeinde Klaipėda, Bezirk Klaipėda, Litauen
Naujoji perkėla
Įėjimas, Memel, Stadtgemeinde Klaipėda, Bezirk Klaipėda, Litauen
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19,4 km 49 Min.
Nehrung
Raganų kalnas, Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen
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1,9 km 2 Min.
Größte Kormoran-Kolonie
Nidos-Smiltynės pl., Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen
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9,4 km 7 Min.
Die toten Dünen
Naglių gamtinio rezervato pažintinis takas, Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen
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Die toten Dünen
16,4 km 13 Min.
Thomas Mann Museum
Skruzdynės g., Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen
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1,2 km 2 Min.
Bernstein Museum
Naglių g., Nehrung, Bezirk Klaipeda, Litauen
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48,0 km 39 Min.
Fährverbindung
Naujoji perkėla (Smiltynė)
Stadtgemeinde Klaipėda, Bezirk Klaipėda, Litauen
Naujoji perkėla
Įėjimas, Memel, Stadtgemeinde Klaipėda, Bezirk Klaipėda, Litauen
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Kurische Nehrung - mein Fazit

Lohnt nur als Radtour. Alles andere ist zu teuer. Obwohl ich recht früh noch vor den Menschenmassen vor Ort war, wurde ich mit Parkplatzgebühren abgezockt. Wucherpreise. Zum Mittag ging gar nix mehr. Massenweise werden mit Bussen die Leute angekarrt. Sehr unschön.

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Mein YouTube-Video zur kurischen Nehrung

https://youtu.be/6f-sBSdAhsA

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78,0 km 1 Std. 3 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
56.02935013646993, 21.90070073705099
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Tag 16
16.08.2025
Tag 16 – Rückblick: Kurische Nehrung

Der Tag auf der Kurischen Nehrung begann mit dieser Mischung aus Vorfreude und Erwartungsdruck: Ich hatte so oft von dieser langgezogenen Landzunge zwischen Ostsee und Kurischem Haff gehört — ein UNESCO-Weltkulturerbe, ein Naturwunder aus Dünen, Sand, Wald und Wasser.


Aber kaum war ich über die Fähre gefahren, die in die Halbinsel hineinreichte, spürte ich es bereits: Das ist nicht die einsame Natur, die ich mir erträumt hatte. Busse reihten sich am Eingang, Reisegruppen stiegen aus, Kameras klickten, und es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Eine Menschenflut, die scheinbar genau hierher gesteuert wurde.


Die Straßen und Parkplätze füllten sich schnell, und immer wieder sah ich riesige Busse, aus denen Menschenmassen herausschwappten – auf dem Weg zu den bekannten Aussichtspunkten und Dünen. Sie bewegten sich zielstrebig und in einer Art, die den natürlichen Rhythmus des Nationalparks überlagerte.


Dazwischen die Realität der Gebühren: Eintritts- und Parkkosten, ökologische Abgaben, immer wieder neue Schilder und Absperrungen, die mich an etwas anderes erinnerten als an reine Wildnis. Manchmal schien es, als würde hier nicht mehr nur Natur geschützt, sondern vielmehr Tourismus vermarktet. Viele Zahlen summierten sich schnell, bevor ich überhaupt einen wirklich stillen Moment gefunden hatte.


Und während ich all das sah, wurde mir klar, wie sehr ich in diesem Augenblick Sehnsucht nach Einsamkeit und Alleinsein hatte. Nicht nach dem „überlaufenen Postkarten-Motiv“, sondern nach diesem stillen Pfad zwischen Kiefern, wo nur das Zwitschern der Vögel klingt. Wo der Wind am Dünenkamm rauscht, ohne dass jemand mit Selfie-Stick hinter dir steht. Eine tiefe, leise Sehnsucht, die mir zeigte, wie mein Herz wirklich tickt:


Ich reise nicht, um Orte zu besichtigen – ich reise, um Orte zu erleben, allein, in ihrem eigenen Tempo.


Trotz all der Menschen und Gebühren blieb mir aber ein Moment, der genau das widerspiegelte: ein kurzer Spaziergang abseits der Hauptwege, wo der Blick über Wasser und Sand ruhte, und ich den Atem der Landschaft in meinem eigenen Rhythmus spüren konnte. Nicht laut, nicht überlaufen, sondern leise — und genau deswegen wertvoll.

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0,6 km 1 Min.
Cold War Museum - Raketensilos
Plokštinės pažintinis takas, Platelių seniūnija, Bezirk Telsche, Litauen
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Mein Youtube-Video zum Cold-War-Museum

https://youtu.be/2U1OMO1Uc1E

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Grenze zu Lettland - Mein Fazit zu Litauen

Die Litauer sind herzlich, freundlich und zuvorkommend. Viele sprechen Deutsch. Das Land ist atemberaubend schön. Die Straßen sind nicht asphaltiert. Eben natürlich. Das Tempo wird angeglichen und das Fahren ist rücksichtsvoll.

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68,8 km 1 Std. 3 Min.
Pfad durch das Moor von Dunika
Dunikas purva taka, Dunikas pagasts, Lettland
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Der Moorpfad von Dunika

Der Holzpfad beginnt unscheinbar. Ein schmaler Steg, der sich vorsichtig in das Moor legt, als wolle er nichts stören. Jeder Schritt klingt gedämpft, hohl, lebendig. Unter mir gibt das Holz leicht nach – nicht bedrohlich, aber ehrlich. Manche Planken sind dunkel, feucht, von Moos überzogen, an den Rändern brüchig, modrig, vom Wasser gezeichnet. Ich setze den Fuß bewusst. Langsam. Respektvoll.


Das Moor antwortet nicht laut.Es atmet.


Ich gehe in die Hocke, lege mich fast auf den Boden, um Fotos aus der Perspektive zu machen, die sonst niemand einnimmt. Die Kamera ist nah an den Bohlen, nah an den Halmen, nah am Leben. Die Welt wird größer, je tiefer ich mich absenke. Gräser ragen wie Wälder in den Himmel, Wasserflächen spiegeln Wolken, als hätten sie es schon immer getan.


Die Glaskugel kommt zum Einsatz. In ihr liegt das Moor auf dem Kopf. Himmel unten, Erde oben. Alles scheint richtig – gerade weil es falsch herum ist. Ich halte sie ruhig, fast ehrfürchtig, als trüge ich einen fremden Planeten in der Hand.


Der Steg führt weiter, tiefer hinein.
Links und rechts öffnen sich Teiche. Dunkles Wasser, ruhig, klar, offen. In einigen liegen kleine Schwimmplattformen, seltsam und zugleich selbstverständlich. Als hätte jemand hier verstanden, dass man der Stille auch Raum geben muss – selbst auf dem Wasser.


Dann taucht sie auf: eine Waldinsel mitten im Moor.


Feste Erde. Bäume. Schatten. Ein kleiner Grillplatz, verlassen, aber nicht vergessen. Spuren von Menschen, die hier nicht geblieben sind. Ich bleibe stehen und lächle. Selbst hier, in dieser weichen, nassen Welt, hat sich ein Ort gefunden, der trägt.


Der Himmel ist weit offen.
Blau, tief, ruhig. Weiße Wolken ziehen langsam, fast absichtlich. Der Kontrast ist überwältigend: sattes Grün des Moorbewuchses gegen dieses klare Blau. Leben unten, Weite oben.


Ich atme tief durch.Ein, aus. Noch einmal.


Die Fauna ist zurückhaltend, aber präsent. Ein Vogelruf, ein Rascheln, ein Flattern. Nichts drängt sich auf. Alles ist da, weil es hierhergehört.

Ich gehe weiter – und bleibe dann stehen.

Plötzlich reicht Gehen nicht mehr.

Ich knie nieder auf dem Holzpfad. Nicht aus Müdigkeit, sondern aus Ehrfurcht. Vor dieser Schönheit, die keine Bühne braucht. Vor dieser Natur, die nichts will, außer zu sein. Vor dem Moment, der mir erlaubt, Teil davon zu sein.


Ich schließe kurz die Augen. Gehe in mich.

Und für einen Augenblick ist alles still – nicht leer, sondern vollständig.

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24,2 km 33 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
56.2120534130061, 21.103160489049667
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Tag 17
17.08.2025
Tag 17 – Wege ohne Zuschauer
Manchmal regen sich Zweifel, wenn niemand zusieht. Nicht Eremitentum im Sinne von Einsamkeit, sondern als Frage: Gehöre ich noch zur Welt, wenn ich draußen lebe?

Fritz steht ruhig neben mir. Seine Präsenz ist nicht laut, aber verlässlich – so wie mein Atem. Ich fahre weiter, nicht um ein Ziel zu erreichen, sondern um mich selbst zu begegnen. Die Landschaft zieht vorbei wie ein Gemälde, das nicht fordert, sondern schenkt. Bäume, Seen, leere Straßen. Medien bezeugen die Welt mit Lauten und Bildern – hier draußen spricht sie ohne Worte.

Ich spüre: Eremitentum ist kein Rückzug.
Es ist ein Hineingehen in die Welt – nur ohne die Stimmen, die sonst den Takt vorgeben.

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3,5 km 9 Min.
Pape Nationalpark - Lagune Wildpferde und Bisons
Lettland
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10,4 km 22 Min.
Rucavas pagasts
Lettland
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58,5 km 51 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
56.55805525411994, 21.002225247192822
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Tag 18
18.08.2025
Tag 18 – Die Geschichte im Spiegel
Heute ist ein Tag, an dem Vergangenheit und Gegenwart sich ohne sichtbare Grenze berühren.

Die Spuren alter Burgen, verfallener Mauern, verloren geglaubter Pfade sind nicht mehr nur alte Steine. Sie sind Erzählungen von Menschen, die auch Entscheidungen treffen mussten – zwischen Festhalten und Loslassen, zwischen Kampf und Hingabe.

Ich sitze vor den Resten eines alten Tores, und ich frage mich: Was ist meine Geschichte? Was habe ich längst hinter mir gelassen und was trage ich noch mit mir?

Die Antwort ist kein Blitz. Sie ist ein sanftes Gewahrsein, das wie ein warmer Wind durch meine Gedanken zieht.

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7,9 km 13 Min.
Leuchtturm Liepajas Ziemelu Mols Final Point
Roņu iela, Libau, Lettland
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7,4 km 13 Min.
Kathedrale zu Karosta
56.55292063194729, 21.0122948869796
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5,6 km 8 Min.
Zarenfestung No.1
56.5910674206361, 21.014965506091734
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92,0 km 1 Std. 6 Min.
Goldingen - Kuldiga & Venta Wasserfall
Jelgavas iela 50A, Goldingen, Lettland
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61,1 km 42 Min.
Windau - Ventspils
Loču iela 25A, Windau, Lettland
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Mein YouTube-Video zu Lindau, Golding und Windau

https://youtu.be/tmkAXie3Fbg

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1,2 km 3 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
57.39686558378709, 21.535120502451857
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Tag 19
19.08.2025
Tag 19 – Die offene Zeit

Heute gibt es keinen Plan. Nur den Morgen, der sich langsam entfaltet. Ich sitze bei meinem Kaffee und schaue in die Landschaft, die leise atmet, so wie ich.
 

Rauhnächte laden dazu ein, die Zeit nicht als Feind zu sehen, der verstreicht, sondern als Begleiter, der sich ausdehnt, wenn man ihm Raum gibt. Die Reise hat mich gelehrt, dass die Stunden nicht schneller vergehen, nur weil das Leben vorwärts fährt.

Zeit ist kein Ziel. Zeit ist ein Horizont, zu dem ich immer weiter gehe.


Ich sattle meinen Fritz und verlasse dieses schöne Hafenbecken. Neues Entdecken drängt mich weiter zu fahren. Es ist ein sehr gutes Gefühl. Du, der Fritz und der Asphalt. Die Umgebung, die Natur, ohne Zwang, frei reisen das ist FREIHEIT.

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38,0 km 34 Min.
Internationales Radio-Astronomie-Zentrum Ventspils
Vičaku dambis, Ances pagasts, Ventspils novads, Lettland
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34,2 km 24 Min.
Bootsfriedhof bei Mazirbe
Talsi-Dundaga-Mazirbe, Kolkas pagasts, Lettland
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20,7 km 14 Min.
Kolkas pagasts - Kap Kolka
Lettland
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Mein YouTube Video zu Kap Kolka

https://youtu.be/fOj6miEYR30

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0,8 km 2 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
57.75663966259361, 22.5911849975617
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Tag 20
20.08.2025
Tag 20 – Begegnungen mit der Stille
Es sind nicht die Menschen, die diese Reise definieren.

Es sind die Momente zwischen zwei Atemzügen, in denen ich das Vertraute hinter mir lasse und das Unbekannte nicht fürchte. Ich frage mich nicht mehr, ob ich als Eremit im Van leben kann. Ich lebe es, und es ist keine Flucht. Es ist ein Weg, in dem ich mich nicht verliere, sondern finde – in der Stille, im Jetzt und in jedem Sonnenaufgang, der mir sagt: “Du bist da.”

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74,0 km 54 Min.
Engures pagasts - Naturpark mit Tarpanpferden
Lettland
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53,0 km 44 Min.
Kemeri Park
56.9475181868435, 23.50105205850614
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29,1 km 32 Min.
Dunduru Wiesen - Mein Stellplatz für die Nacht
56.82970721375198, 23.400665557786336
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Mein Youtube-Video zu Dunduru

https://youtu.be/7p2s7cZAqJU

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Tag 21
21.08.2025
Tag 21 – Das Ritual des Aufbruchs

Heute fahre ich weiter, aber nicht eiliger. Nicht schneller. Bewusster.


Rauhnächte sind vorbei im Kalender, aber sie leben in mir weiter – als Haltung, als sanfte Art, jedem Tag einen Raum zu geben, in dem Geschichte, Stille, Zeit und Erinnerung Platz haben. Bald kommen die Rauhnächte wieder und ich überlege sie einmal zu durchleben.


Der Motor brummt. Und auf einmal ist die Reise kein Weg mehr vor mir, sondern ein Weg in mir.

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63,2 km 54 Min.
Do., 21. Aug. 2025
Riga
11. novembra krastmala, Riga, Lettland
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Fazit Riga

Riga hat mir sehr gut gefallen. Viel Laufwege aber auch viel geschichtliche Erfahrung gesammelt. 


Insbesondere hat mich die Geschichte des Schwarzhäupter-Haus beeindruckt.

Das Schwarzhäupterhaus in Riga, erstmals 1334 als „Neues Haus der Großen Gilde“ erwähnt, ist ein prunkvolles Wahrzeichen am Rathausplatz. Ursprünglich Treffpunkt für Kaufleute, wurde es später Sitz der Bruderschaft der Schwarzhäupter – unverheirateter, meist deutscher Kaufleute. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg (1941) und Sprengung 1948, wurde das Gebäude bis 1999 originalgetreu wiederaufgebaut


Nun sattele ich den Fritz und wir fahren weiter den Deutsch-Ritter-Orden folgend Richtung Norden.

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Mein YouTube-Video über Riga

https://youtu.be/jElI95LzDjU

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56,4 km 44 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
57.18461848773389, 24.83352727777715
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Tag 22
22.08.2025
Tag 22 – Steine mit Erinnerung
Mit Fritz fahre ich weiter zu Orten, die Geschichte tragen.


Nicht museal, nicht aufbereitet – eher beiläufig. Reste von Mauern, Grundrisse, Namen, die kaum noch ausgesprochen werden.


Die Stätten des Deutschritter-Ordens erzählen keine einfachen Geschichten. Sie sprechen von Ordnung und Gewalt, von Glauben und Macht, von Menschen, die überzeugt waren, im Richtigen zu handeln. Ich gehe langsam durch diese Orte, nicht wertend, aber aufmerksam.

Geschichte wird hier nicht erklärt.
Sie wird gespürt.


Ich frage mich, was von unseren eigenen Überzeugungen bleiben wird. Welche Mauern wir errichten, die später nur noch Fragmente sind. Die Stille hilft, diese Fragen auszuhalten, ohne sofort Antworten zu verlangen.

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1,0 km 1 Min.
Burg Treyden
57.18222368032275, 24.85026641023361
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3,7 km 5 Min.
Krimuldas muiža
Mednieku iela, Sigulda, Lettland
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4,0 km 7 Min.
Gutmannshöhle
57.176135443596344, 24.842343347771383
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4,0 km 7 Min.
Schwertbrüderordensburg Segewold
Krimuldas iela 1A, Segewold, Lettland
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Mein YouTube-Video : Beim Schwertbrüderorden

https://youtu.be/hn4zCgxuGt4

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30,3 km 35 Min.
Ligatnes dabas takas - Stellplatz für die Nacht
57.24833654319096, 25.01413200766349
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Tag 23
23.08.2025
Tag 23 – Wenn der Wald atmet
Ich stehe im Wald und warte.

Nicht auf etwas Bestimmtes – nur auf den Moment.


Der Nebel liegt noch zwischen den Stämmen, hängt tief, tastend, als hätte er sich in der Nacht hierher zurückgezogen. Alles ist gedämpft. Geräusche verlieren ihre Kanten. Die Welt wirkt vorläufig, als müsse sie sich erst entscheiden, sichtbar zu werden.


Dann beginnt der Nebel sich zu lösen. Nicht plötzlich, sondern in Bewegungen, die man fast übersehen könnte. Licht fällt in Streifen durch die Kronen. Konturen entstehen. Der Wald tritt hervor, Baum für Baum, als würde er sich mir vorstellen. Ich atme tief ein.


Der Geruch von feuchter Erde, von Moos, von altem Holz füllt meine Lungen. Hier wird nichts erklärt. Hier darf alles sein. Ich stehe still, bis ich mich selbst wieder höre.
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0,0 km
Sa., 23. Aug. 2025
Naturpfade von LĪGATNE - Wildtierpfade Bären, Elche, Wölfe, etc.
Līgatne - Lieltītmaņi, Līgatnes pagasts, Lettland
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Mein YouTube-Video : Unter wilden Tieren

https://youtu.be/z5-1-sF_NBQ

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26,1 km 26 Min.
Archäologischer Park Āraiši
Drabeši — Līvi, Drabešu pagasts, Lettland
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75,1 km 58 Min.
Sa., 23. Aug. 2025
Munchhausen Museum
Minhauzena alus kausa taka, Liepupes pagasts, Lettland
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16,6 km 22 Min.
Sa., 23. Aug. 2025
Mein Stellplatz für die Nacht
57.52010532191232, 24.378909125190784
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Tag 24
24.08.2025
Tag 24 – Weiterfahren heißt weiterdenken
Die Straße zieht sich ruhig dahin.

Fritz läuft gleichmäßig, vertraut. Ich merke, wie sehr ich diesen Rhythmus brauche: fahren, anhalten, schauen, weiterfahren.

Ich lasse Gedanken kommen und gehen.
Was bedeutet Neubeginn wirklich? Ist es ein Schnitt – oder ein allmähliches Verschieben? Vielleicht ist Loslassen kein Akt, sondern ein Prozess, der sich nur in der Bewegung zeigt.

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17,1 km 21 Min.
Salacgrīvas pagasts - Vitrupemündung Übernachten am Meer
Rīga (Baltezers) — Igaunijas robeža (Ainaži), Salacgrīvas pagasts, Lettland
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27,8 km 20 Min.
Grenze Lettland-Estland
Tallinn — Pärnu — Ikla, Kreis Pärnu, Estland
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90,8 km 1 Std.
Wanderung Nationalpark Soomaa - der Moorpfad von Riisa
Riisa õpperada, Kreis Pärnu, Estland
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10,5 km 17 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
58.42223587014584, 24.997656432979575
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Tag 25
25.08.2025 MUHU
Tag 25 – An der Schwelle

Heute stehe ich wieder still. Nicht weil ich müde bin, sondern weil etwas in mir ankommt.

Estland liegt vor mir. Mein insgeheimes Ziel dieser Reise. Voller Vorfreude was mich erwartet.


Die Reise hat mich verändert – nicht spektakulär, sondern leise.
Wie der Nebel, der sich lichtet, ohne Lärm zu machen.


Ich steige aus, lehne mich an Fritz, schaue in die Weite. Stille ist noch immer mein Kompass.

Und Geschichte mein Spiegel. Ich bin bereit, weiterzugehen.

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2,8 km 14 Min.
Biberpfad im Soomaa Nationalpark
Kildu — Oksa — Tõramaa, Viljandi maakond, Estland
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123,4 km 1 Std. 23 Min.
Fährverbindung
Virtsu sadam
Risti — Virtsu — Kuivastu — Kuressaare, Werder, Kreis Pernau, Estland
Kuivastu sadam
Risti — Virtsu — Kuivastu — Kuressaare, Muhu vald, Saare maakond, Estland
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Insel Muhu

Muhu ist eine weitgehend unentdeckte Inselperle Estlands. Wer dieses Eiland überhaupt kennt, kennt es meist nur, weil er es durchqueren muss, um auf die größte estnische Insel Saaremaa zu gelangen. Dabei lohnt es sich, dort anzuhalten, die Umgebung zu erkunden und dieser Insel die Aufmerksamkeit entgegenzubringen, die sie verdient.

Dank ihrer isolierten geografischen Lage und ihrer Funktion als Transitstrecke nach Saaremaa hat sich die Insel den Geist des alten Estlands bewahrt. Und im Falle Muhus gilt: Das ist wirklich eine gute Sache!

Die Fähre, die Sie nach Saaremaa bringt, legt im Hafen Kuivastu an. Sie sind jetzt nicht etwa schon auf Saaremaa, sondern eben auf der vorgelagerten Insel Muhu. Brettern Sie nun nicht gleich durch nach Saaremaa – auch wenn man sich darauf zu Recht freut. Es lohnt sich, einen Tag hier zu bleiben, um die lokale Kultur (die sich von der auf Saaremaa in einigen Details unterscheidet) zu entdecken und die örtlichen Spezialitäten zu genießen.

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16,7 km 14 Min.
Üügu Cliff
Üügu tee, Saare maakond, Estland
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5,0 km 8 Min.
LEPANA MUUL
Pallasmaa matsi tee, Saare maakond, Estland
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Über LebensLiebe

Ich genieße die Ruhe hier an der Lepana Muul. Viele Gedanken schießen mir durch den Kopf. Ich fokussiere mich auf die - meine - vermeindliche LebensLiebe.


Manchmal denke ich, dass Liebe viel früher beginnt, als wir glauben.

Nicht bei großen Worten. Nicht bei Versprechen. Sondern bei Berührung.


Zärtlichkeit ist kein Zusatz. Sie ist das Fundament.

Ohne sie bleibt Nähe theoretisch. Worte können dann viel behaupten, aber wenig tragen. Liebkosungen sind keine Nebensache, kein Luxus für gute Tage – sie sind das Erdreich, in dem Vertrauen wächst. Wo sie fehlen, bleibt alles andere fragil.


Ein Leben ohne diese Form von Liebe gleicht einem Haus, das auf Sand gebaut ist. Man kann es ausstatten, vergrößern, verschönern. Man kann Etagen hinzufügen, Anbauten errichten, Geschichten darin leben. Doch unter der Oberfläche fehlt der Halt. Und irgendwann beginnt alles zu rutschen.

Dann werden Gespräche hohl. Pläne verlieren ihr Gewicht. Gemeinsamkeit wird Kulisse. Aus Partner werden Geschwister.


Zärtlichkeit gibt Beziehung Tiefe, bevor sie Höhe bekommt. Sie erdet das Große im Kleinen. Ein Blick, der bleibt. Eine Hand, die weiß. Eine Nähe, die nicht fordert, sondern trägt.


Ich glaube, dass LebensLiebe nur dort Bestand hat, wo Berührung nicht verhandelt wird. Wo sie selbstverständlich ist, nicht als Besitz, sondern als Ausdruck von Achtung. Alles andere mag funktionieren – für eine Weile. Doch ohne dieses Fundament laufen alle Etagen Gefahr, sinn- und gegenstandslos zu werden.


Vielleicht ist Liebe am Ende nichts anderes als die Kunst, jemandem so nah zu sein, dass er nicht fallen muss.

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Mein YouTube-Video zu Lepana Muul

https://youtu.be/_SI8z4dk5No

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Tag 26
26.08.2025
Di., 26. Aug. 2025
Tag 26 – Muhu, die erste Insel
Die Insel empfängt mich nicht mit einem Gefühl von Ankunft, sondern mit einem Gefühl von Abstand.

Schon die Überfahrt wirkt wie ein Übergangszustand – Wasser unter mir, Wind um mich, Zeit ohne Richtung. Als ich Muhu erreiche, wird alles langsamer. Nicht bewusst. Natürlich.

Die Landschaft ist weit, flach, offen. Felder ziehen sich bis zum Horizont, unterbrochen von niedrigen Häusern, alten Steinmauern, vereinzelten Bäumen. Nichts drängt sich auf. Alles scheint genau dort zu sein, wo es hingehört.

Ich fahre mit Fritz über schmale Straßen, die eher Verbindungen als Wege sind. Kein Verkehr, kaum Geräusche. Die Stille hier ist nicht leer. Sie ist wach. Als würde sie mich prüfen: Bleibst du, wenn nichts passiert?

Ich halte an, steige aus, lasse den Blick schweifen.
Der Himmel ist hoch, das Licht weich. Ich atme tief durch. Zum ersten Mal seit Tagen habe ich das Gefühl, wirklich auf einer Schwelle zu stehen. Nicht geografisch – innerlich.

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17,9 km 17 Min.
Muhu Museum
Piiri — Koguva, Saare maakond, Estland
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5,6 km 7 Min.
Straußenfarm auf der Insel Muhu (dt. Moon)
Piiri — Koguva, Saare maakond, Estland
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Insel Saaremaa
Saaremaa ist mit etwa 2672 km² die größte Insel Estlands sowie der Moonsund-Inseln. Sie ist die viertgrößte Ostseeinsel nach Seeland, Gotland und Fünen und begrenzt den Rigaischen Meerbusen nach Norden.
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47,1 km 31 Min.
Kaali Meteoritenkrater
Masa — Kaali, Saare maakond, Estland
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21,2 km 18 Min.
Arensburg
1, Arensburg, Saare maakond, Estland
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48,9 km 36 Min.
WW II Monument Russian & German
57.917750220850834, 22.06341902701872
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0,1 km
Mein Stellplatz für die Nacht
57.91817146330765, 22.065867099689417
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Tag 27
27.08.2025
Tag 27 – Steine, die bleiben
Heute begegnet mir Geschichte nicht als Erzählung, sondern als Material.

Alte Kirchen, Mauern, Grabsteine. Dinge, die überdauert haben, ohne sich zu erklären. Ich betrete einen dieser Orte langsam, fast vorsichtig. Nicht aus Ehrfurcht im religiösen Sinn, sondern aus Respekt vor der Zeit, die hier still geworden ist.


Die Steine sind kühl unter meinen Fingern. Sie tragen Spuren von Wetter, von Jahrhunderten, von Menschen, die gehofft, gezweifelt, geglaubt haben. Ich denke an den Deutschritterorden, an Macht und Mission, an Strukturen, die einst Sinn versprachen und später Fragen hinterließen. Geschichte wird hier nicht verklärt. Sie steht da – und schweigt.


Ich merke, wie gut mir dieses Schweigen tut. Es zwingt mich nicht zur Meinung. Es lädt mich ein, zu fühlen.

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1,1 km 1 Min.
Der Leuchtturm von Sõrve
Sääre majaka tee, Saare maakond, Estland
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11,6 km 10 Min.
Windmühle Ohessaare
Türju Rannatee, Saare maakond, Estland
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84,3 km 1 Std. 2 Min.
Die Steilküste Panga
Pahapilli — Panga, Saare maakond, Estland
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Mein YouTube-Video zum Pangakliff

https://youtu.be/tLJ0TuqEtJA

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33,5 km 29 Min.
Der Mühlenberg von Angla
Upa — Leisi, Saare maakond, Estland
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54,8 km 38 Min.
Fährverbindung
Kuivastu sadam
Risti — Virtsu — Kuivastu — Kuressaare, Muhu vald, Saare maakond, Estland
Virtsu sadam
Risti — Virtsu — Kuivastu — Kuressaare, Virtsu, Kreis Pärnu, Estland
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Mein YouTube-Video zur Insel Muhu und Saaremaa

https://youtu.be/lFla98MvopA

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3,7 km 7 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
58.580828013062046, 23.563755513604644
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Tag 28
28.08.2025
Tag 28 – Inselrhythmus
Muhu hat einen eigenen Takt.

Er ist nicht langsam im Sinne von träge, sondern ruhig im Sinne von stimmig. Ich beginne, mich ihm anzupassen. Fahre kürzere Strecken. Bleibe länger stehen. Lasse Gedanken kommen, ohne sie festzuhalten.

Ich frage mich: Kann ich so leben?
Nicht als Urlaub. Nicht als Ausnahme. Sondern als Alltag.

Ein eremitisches Vanlife ist kein Rückzug aus der Welt. Es ist eine Reduktion. Weniger Stimmen. Weniger Rollen. Mehr Wahrnehmung. Ich merke, dass mir nichts fehlt – außer vielleicht der Gewohnheit, etwas vermissen zu müssen.

Am Abend sitze ich bei Fritz, sehe dem Licht beim Verschwinden zu. Die Insel wird stiller, als wäre sie müde vom Tag. Und ich mit ihr.

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74,6 km 51 Min.
Eisenbahn- und Kommunikationsmuseum Haapsalu
Lääne maakond, Estland
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1,7 km 3 Min.
Museum der Bischofsburg in Haapsulu
Lossiplats, Haapsalu, Lääne maakond, Estland
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56,1 km 40 Min.
Das Kloster Padise
Viikingi tee, Kreis Harju, Estland
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4,6 km 6 Min.
Tagebau Rummu
Haapsalu mnt, Rummu, Kreis Harju, Estland
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32,0 km 28 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
59.39924014589724, 24.251268420304815
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Mein YouTube-Video zu Haapsulu, Padise, Rummu, Mermeuse

https://youtu.be/wr31LRRlXC0

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Tag 29
29.08.2025
Tag 29 – Loslassen üben
Heute denke ich viel an das, was hinter mir liegt.

Nicht mit Schwere, sondern mit Klarheit. An alte Vorstellungen, an Pläne, die einmal richtig waren und es jetzt nicht mehr sind. Loslassen fühlt sich hier nicht wie Verlust an, sondern wie Ordnung.

Ich brauche kein Ritual mit großen Gesten.
Das Gehen reicht.
Das Atmen.
Das bewusste Nicht-Festhalten.

Vielleicht ist das die eigentliche Kraft der Rauhnächte, die mich gedanklich begleiten: nicht das Magische, sondern das Erlauben. Dinge gehen zu lassen, ohne sie zu verurteilen.

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3,3 km 5 Min.
Keila-Joa Keila-Wasserfall
Kreis Harju, Estland
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4,3 km 3 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
59.42202904505741, 24.330503564707268
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Tag 30
30.08.2025
Tag 30 – Der Blick nach Osten
Ich fahre weiter, langsam, bewusst.

Estland in seiner ganzen Weite. Ich spüre, dass sich etwas verschoben hat.

Nicht spektakulär. Nicht sichtbar. Aber spürbar. Die Stille ist nicht mehr nur Begleiter. Sie ist Maßstab geworden.

Als ich Fritz starte und den Blick noch einmal schweifen lasse, weiß ich: Diese Reise beginnt nicht neu. Sie geht tiefer. Und ich bin bereit, weiterzufahren.

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72,8 km 49 Min.
Jägala-Wasserfall
59.447681146928154, 25.180311787163976
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189,8 km 2 Std.
Narva
Kreis Ida-Viru, Estland
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0,9 km 2 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Mein Stellplatz für die Nacht
59.373087554871454, 28.19965133731519
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Mein YouTube-Video : Beim Russen im Vorgarten

https://youtu.be/5MV7iHvHcTg

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Tag 31
31.08.2025
Tag 31 – Narva, die Grenze
Narva empfängt mich nicht weich.

Die Stadt steht da wie eine Frage, die man nicht umgeht. Hier endet Europa nicht – aber es wird sichtbar, wo es sich selbst betrachtet. Die Grenze ist kein Gedanke, sie ist Realität. Wasser trennt, Mauern erinnern, Geschichte steht sich gegenüber.

Ich stehe am Fluss.
Auf der einen Seite Narva, auf der anderen Iwangorod. Zwei Festungen, die sich seit Jahrhunderten ansehen. Nicht feindlich, nicht versöhnlich – einfach wachsam. Stein gegen Stein. Vergangenheit gegen Vergangenheit.

Ich spüre eine Unruhe, die nichts mit Angst zu tun hat. Eher mit Klarheit.
Grenzen sind nie nur politisch. Sie verlaufen auch in uns. Zwischen dem, was wir waren, und dem, was wir werden könnten.

Ich gehe langsam durch die Stadt. Plattenbauten, alte Mauern, dazwischen Stille. Narva ist kein Ort, der gefallen will. Er fordert Haltung.

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0,7 km 2 Min.
Hermannsfeste in Narva
59.37573164277373, 28.199763779257182
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113,9 km 1 Std. 19 Min.
Toolsburg
Võle — Vainupea — Kunda, Toolse küla, West-Wierland, Estland
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Weiter nach Westen

Ich richte den Blick neu aus.
Narva liegt hinter mir, die Grenze im Rücken. Vor mir liegt das offene Estland, mit all seinen stillen Versprechen. Ich weiß noch nicht, wohin genau. Aber das ist nicht mehr beunruhigend.

Stille zeigt mir die Richtung.
Nicht als Pfeil – sondern als Gefühl.

Ich steige aus, lehne mich an Fritz, schaue in den Himmel. Weiße Wolken ziehen langsam über das Blau. Grün unter mir. Weite in mir. Ich fahre weiter.

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67,9 km 1 Std. 4 Min.
Mein Stellplatz für die Nacht
Purekkari neeme tee, Kreis Harju, Estland
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Mein YouTube-Video : Freistehen am Meer

https://youtu.be/GxFfthTSisA

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Begegnung mit mir selbst
Es regnet und ich schaue mir die schöne Umgebung aus dem Fritz an. Heute ist ein Tag ohne äußere Geschichte.

Kein besonderer Ort, kein historischer Marker. Und genau deshalb ist er wichtig. Ich bin allein mit meinen Gedanken, ohne Ablenkung, ohne Programm.


Ich denke an Nähe. An Lebensliebe. An Zärtlichkeit als Fundament. Und ich merke, wie sehr diese Reise mich nicht von Menschen entfernt hat – sondern von falschen Vorstellungen.


Eremitisch zu leben heißt nicht, auf Liebe zu verzichten. Selbstliebe und die Natur bewundern steht anstatt. 

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Tag 32
01.09.2025
Tag 32 – Geschichte ohne Abstand
Heute gehe ich näher heran.

Die Festung, die Mauern, die Perspektiven. Geschichte ist hier nicht abgeschlossen. Sie wirkt nach, schiebt sich in den Alltag, formt Identitäten.

Ich denke an den Deutschritterorden, an Grenzziehungen, an das ewige Bedürfnis des Menschen, Ordnung zu schaffen – oft um den Preis von Freiheit. Die Toolsburg zeigt mir, dass Geschichte nicht vergeht. Sie verändert nur ihre Sprache.


Ich frage mich, welche Grenzen ich selbst gezogen habe. Welche Mauern noch stehen 

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22,1 km 40 Min.
Ehemalige sowjetische U-Boot-Entmagnetisierungsstation
Loksa — Hara, Landgemeinde Kusal, Kreis Harrien, Estland
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64,2 km 55 Min.
Wasserflugzeughafen
Vesilennuki 6, Tallinn, Kreis Harju, Estland
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2,6 km 6 Min.
Mein Stellplatz bis zur Fährfahrt nach Helsinki
59.44906792886627, 24.756552520269455
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Tag 33
02.09.2025
Tallin besichtigen
Tallinn – der Gedanken-Hafen

Der Hafen von Tallinn ist ein Ort des Wartens. Kein echtes Ankommen, noch kein Aufbruch. Die Fähre liegt bereit, groß und still, als wüsste sie, dass sie mehr transportiert als Menschen. Zeit. Gedanken. Unausgesprochene Wahrheiten.


Ich sitze in Fritz, schaue hinaus auf Stahl, Wasser, Bewegung. Möwen ziehen ihre Kreise, gleichgültig gegenüber Grenzen und Biografien. Mein Blick treibt – wie meine Gedanken.


Ich denke über Nähe nach. Über Partnerschaft. Über das, was trägt und das, was nur funktioniert.


Sex ist kein Beiwerk. Kein Luxus. Kein Thema, das man vertagt, wenn der Alltag wichtiger wird. Für mich ist er Fundament. So wie Zärtlichkeit. So wie Begehren. Nicht als Konsum, sondern als lebendige Verbindung. Als körperliche Sprache, die sagt: Ich bin hier. Und ich will dich.


Ohne diese Sprache wird Beziehung inkorrekt. Unordentlich. Leer. Ich habe oft erlebt, wie Partnerschaften sich in etwas verwandeln, das mehr an ein Kloster erinnert als an Liebe. Verheiratet mit einer „Schwester“. Verlässlich. Anständig. Kameradschaftlich. Und innerlich zölibatär. Kein Streit, aber auch kein Feuer. Kein Risiko – und keine Glut.

Ein klostergleiches Leben zu zweit ist kein Frieden. Es ist Stillstand mit Etikett.


Ich frage mich, wie viele Menschen ihre Sehnsucht stillschweigend abgeben, um nicht allein zu sein. Wie viele sich an Mauern gewöhnen, weil sie Sicherheit versprechen. Und wie viele dabei vergessen, dass Liebe nicht im Ausharren besteht, sondern im Lebendigsein.


Der Gedanke trifft mich klar und ohne Dramatik: Wenn ich wählen muss, dann lieber der Lebensabend im Van. Mit Weite vor dem Fenster, Himmel über dem Dach, Bewegung im Körper. Lieber unterwegs, mit offenem Herz, als sesshaft hinter einer Mauer, die Nähe simuliert, aber Leidenschaft ausschließt.

Ich will keine Klostermauer anstarren. Ich will Leben spüren.


Die Lautsprecher kündigen das Boarding an. Die Fähre nach Helsinki wartet.

Ich starte den Motor. Meine Gedanken sind noch unterwegs – aber sie kennen die Richtung.

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Mein Youtube-Video zu Tallin

https://youtu.be/C8Zvw814F14

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Tag 34
03.09.2025
2,5 km 5 Min.
Fährverbindung
Tallinna sünagoog
Karu 16, Tallinn, Kreis Harrien, Estland
Nordic Ferry Center OYO
Uudenmaankatu 16, Helsinki, Uusimaa, Manner-Suomi, Finnland
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Fährfahrt Tallin - Helsinki
187,6 km 1 Std. 56 Min.
Lenholmen - Stellplatz für die Nacht
Finnland
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Tag 35
04.09.2025
14,8 km 47 Min.
Lillviken - Der geilste Stellplatz in Finnland
60.18591908212818, 22.042105975593625
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noch ein paar Bilder
Mein Youtube-Video zur Fähre und Lillandet

https://youtu.be/eV2COH3njCM

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Tag 36
05.09.2025
25,0 km 28 Min.
Vargberget - Wanderung
60.135189408285115, 21.80436931120864
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15,5 km 17 Min.
Seo Nauvo
Parkvägen 1, Nauvo, Eigentliches Finnland, Finnland
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21,9 km 48 Min.
Lenholmen
Finnland
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Tag 37
06.09.2025
10,9 km 10 Min.
Limestone Quarry Pargas
60.29902909693588, 22.294807455168865
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35,0 km 43 Min.
Pikku-Pukintie - Mein Stellplatz für die Nacht
60.42258179739063, 22.168133763367237
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...

Ich stand mit meinem Camper direkt an der Pikku-Pukki Seaside Promenade, das Meer nur ein paar Schritte entfernt. Der Platz war ruhig, fast gelassen – diese Art von Ruhe, die man nur in Küstennähe findet, wenn die Stadt zwar da ist, sich aber respektvoll zurücknimmt.

Am Abend rollten die ersten Kreuzfahrtschiffe langsam in den Hafen. Riesige, schwebende Städte aus Stahl, die lautlos wirkten, obwohl man wusste, wie viel Kraft in ihnen steckte. Ich saß im Camper, Tür offen, Blick aufs Wasser gerichtet, und beobachtete, wie sie sich millimetergenau an ihren Liegeplätzen ausrichteten. Ein- und Auslaufen wurde hier fast zur Choreografie.

Die sommerliche Stimmung lag schwer und warm in der Luft. Menschen schlenderten an der Promenade entlang, irgendwo klirrten Gläser, Möwen zogen ihre Kreise. Der Sonnenuntergang färbte den Himmel erst weich orange, dann rosa, dann dieses tiefe Blau, das nur kurze Zeit existiert. Später, als alles stiller wurde, verschwand die Sonne nie ganz – sie streifte nur den Horizont, um wenige Stunden später wieder aufzutauchen.

Der Sonnenaufgang kam leise. Ein sanftes Licht, das sich über das Wasser schob, die Schiffe erneut in Szene setzte und den Camper in ein goldenes Morgenlicht tauchte. Für einen Moment fühlte sich alles zeitlos an, als gäbe es keinen Plan, keinen nächsten Ort.

Am nächsten Tag kam die Realität zurück. Ein Blick auf die Anzeige – und dieses vertraute, frustrierende Gefühl: die AGM-Batterie schon wieder leer. Kein Spielraum, kein „ich bleib noch“. Der Ort, so perfekt er auch war, musste aufgegeben werden. Ich ärgerte mich, nicht nur über die Batterie, sondern darüber, dass Technik manchmal genau dann Grenzen setzt, wenn man eigentlich bleiben möchte.

Ich startete den Motor, ein letzter Blick aufs Meer, auf die Promenade, auf die Kreuzfahrtschiffe – und fuhr weiter. Mit dem Wissen, dass diese Nacht trotzdem bleiben würde.

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Mein Youtube-Video : Wenn ein Hochhaus vorbeifährt

https://youtu.be/tttj4Xam5kk

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Tag 38
07.09.2025
Mein Youtube-Video : Unterwegs auf den fin. Schären

https://youtu.be/ZioZPNUMONM

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19,1 km 28 Min.
Hiihtoparkki - Mein Stellplatz für die Nacht
60.493671235432416, 22.034509755977574
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Tag 39
08.09.2025
5,0 km 10 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Naantali Camping
60.461994830024146, 22.02858358544974
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Tag 40
09.09.2025
15,4 km 15 Min.
Fährverbindung
Turku satama
Satamakatu 1, Turku, Eigentliches Finnland, Finnland
Grisslehamn
Provinz Stockholm, Schweden
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...
Mein YouTube-Video : Fährfahrt durch die Schären (FIN-SWE)

https://youtu.be/Ti2J006YfGg

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47,0 km 47 Min.
Di., 30. Nov. -0001
Borgmästarholmen - Mein Stellplatz für die Nacht
59.754120560408104, 18.72807818953795
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Tag 41
10.09.2025
12,3 km 15 Min.
Vikingabyn Storholmen
Varjagvägen, Svanberga, Provinz Stockholm, Schweden
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79,1 km 1 Std.
Stockholm ABBA Museum
59.32507989346296, 18.095029804756418
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0,4 km 1 Min.
The Viking Museum
59.32653742022323, 18.09481075063002
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1,2 km 3 Min.
Vasa-Museum
59.32798863766307, 18.091457650305898
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Mein Youtube-Video zu Stockholm

https://youtu.be/TwcSLELXEa8

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96,3 km 1 Std. 14 Min.
Studsviks brygga
58.7584696679555, 17.38799974269843
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Tag 42
11.09.2025
334,8 km 3 Std. 47 Min.
Horsö-Värsnäs - Mein Stellplatz für die Nacht
56.72349327389944, 16.370523792383107
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Tag 43
12.09.2025
45,5 km 43 Min.
Borgholms slottsruin
Bergdalavägen, Borgholm, Provinz Kalmar, Schweden
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1,0 km 2 Min.
Sollidens slott
Sollidenvägen, Borgholm, Provinz Kalmar, Schweden
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77,2 km 1 Std. 6 Min.
Eketorps
56.294307700465474, 16.486854854946447
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50,5 km 43 Min.
Färjestaden - Mein Stellplatz für die Nacht
56.647242204639355, 16.465739969149404
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Tag 44
13.09.2025
102,0 km 1 Std. 12 Min.
Karlskrona - Marinemuseum von Schweden
Provinz Blekinge, Schweden
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156,0 km 1 Std. 51 Min.
Kungagraven
Bredarörsvägen, Kivik, Provinz Schonen, Schweden
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44,1 km 46 Min.
Ales stenar
Killevägen, Ystads kommun, Provinz Schonen, Schweden
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51,2 km 52 Min.
Smygehus badplats - Mein Stellplatz für die Nacht
55.34896743739549, 13.388175981532351
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Tag 45
14.09.2025
17,3 km 18 Min.
Trelleborg
Provinz Schonen, Schweden
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Fazit - Die Reise zu mir selbst

Wenn ich heute auf meine Reise zurückblicke, erkenne ich darin mehr als Orte, Wege und Erlebnisse. Sie wurde zu einer stillen Übung im Annehmen dessen, was nicht veränderbar ist, und im bewussten Handeln innerhalb dessen, was mir bleibt.


Wie im Gedanken des Schicksals (Urðr) zeigte sich mir immer wieder: Nicht alles lässt sich lenken. Menschenmengen, äußere Umstände, Technik, Müdigkeit, auch Enttäuschungen – sie traten auf, ohne dass ich sie verhindern konnte. Statt Widerstand zu leisten, lernte ich, ihnen mit einer Haltung zu begegnen, die Stärke nicht aus Kontrolle bezieht, sondern aus Akzeptanz. Daraus wuchs eine gewisse Furchtlosigkeit: nicht gegenüber dem Tod im wörtlichen Sinn, sondern gegenüber dem Verlust von Erwartungen. Ich begann, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und mein Erleben aktiv zu gestalten, selbst dann, wenn der Rahmen unbequem war.


Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie wichtig Stille in der Aktivität ist. Die Reise führte mich durch belebte Orte, Lärm, Bewegung und Überforderung – und doch lag meine eigentliche Kraft darin, innerlich ruhig zu bleiben, mich nicht von der Unruhe außen forttragen zu lassen. Besonnenheit wurde zu einer Form von Widerstand: nicht laut, nicht kämpferisch, sondern klar. Je turbulenter es wurde, desto wertvoller war diese innere Zentrierung.

So wurde die Reise zu einer Spiegelung meines eigenen Weges:


Ich kann das Schicksal nicht verändern, aber ich kann entscheiden, wie ich ihm begegne.


Ich kann der Bewegung nicht entkommen, aber ich kann still in ihr stehen.


Aus dieser Verbindung entstand eine leise Erkenntnis:


Wahre Stärke liegt nicht im Ausweichen, sondern im bewussten Dasein – wach, aufrecht und innerlich frei.

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