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Vaucluse für Genießer
Vaucluse für Genießer

Vaucluse für Genießer

Kulturelle und kulinarische Entdeckungstour mit Wohnmobil oder Caravan im Vaucluse in der Provence
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Autor: Thomas Krämer, Titelbild: Pixabay

Im Westen das Rhônetal, im Osten der Hügelzug Luberon – und mittendrin der alles über-ragende Mont Ventoux. Die Vaucluse als Teil der Provence verzaubert nicht nur mit einer abwechslungsreichen Landschaft, sondern auch mit vielen Sehenswürdigkeiten und kulinarischen Leckereien. Und das alles spritsparend auf kleinem Raum. 

Wo liegt das Vaucluse?

Das Departement Vaucluse liegt im Südosten Frankreichs im Westen der Provence. Das Vaucluse-Hochplateau liegt eingebettet zwischen dem Mont Ventoux im Norden und dem Luberon im Süden und ist zwar bergig, weist aber meist sanfte Höhenzüge auf, die nicht zu steil sind. Die urtümliche Landschaft ist geprägt von Wäldern, Kräutern, Korn- und Lavendelfeldern sowie klaren Wasserläufen - und zwischendrin gibt es immer wieder kleine Bergdörfer, verfallene Burgruinen und alte Kirchen zu entdecken. Und neben weniger bekannten, kleineren Sehenswürdigkeiten sind auch ein paar weltbekannte dabei, die man im Rahmen von Campingurlaub oder Wohnmobiltour auch nicht links liegen lassen sollte. Eine solche ist auch der Startpunkt dieser Tour: 

Station 1: UNESCO Weltkulturerbe in Avignon 

Die Brücke wurde schon besungen, Päpste und Gegenpäpste residierten hier ein knappes Jahrhundert in einem der größten und wichtigsten mittelalterlichen gotischen Gebäude, das deshalb mitsamt der fantastischen Altstadt auf der Liste des UNESCO-Welterbes steht. Gemessen an seiner Bekanntheit ist Avignon mit seinen gut 90.000 Einwohnern eine alles andere als große Stadt. Und innerhalb der Stadtmauern leben gerade einmal 15.000 Menschen. Wobei man die Betonung auf leben legen kann, denn Avignon ist trotz seiner historischen Bedeutung alles andere als eine Museumsstadt. Es gibt unzählige Kneipen und Restaurants, früh am Morgen öffnet die Markthalle, in der es überall nach den Spezialitäten aus der Provence riecht. Hier kann man aus kulinarischer Sicht nichts falsch machen, wenn man der Nase nach läuft.

Und auch die Liste der Sehenswürdigkeiten in Avignon ist für Kulturinteressierte so lang, dass man locker mehrere Tage für den Aufenthalt einplanen kann. Eine kleine Auswahl gibt es auch hier

Station 2: Bollène - Technisches Meisterwerk an der Rhône

Deutlich weniger bekannt, aber ebenfalls sehr spannend: Rund eine Stunde nördlich von Avignon liegt in der Nähe von Bollène die Centrale hydro-électrique André Blondel. In dem Wasserkraftwerk, das seit 2019 auch für Besucher geöffnet ist, wird ein Eindruck davon vermittelt, wie die Kraft der Rhône nutzbar gemacht wurde. Die CNR, die Compagnie Nationale du Rhône, betreibt insgesamt 19 Wasserkraftwerke entlang des Flusses und erzeugt damit rund drei Prozent des Stroms in Frankreich, erfährt man beim Gang durch den ehemaligen Schaltraum. Im Anschluss kann man einen Blick auf die riesigen Turbinen werfen, die vom Flusswasser am Laufen gehalten werden. Hier wird auch eindrucksvoll illustriert, welch großer Aufwand ab Mitte der 1940er Jahre getrieben wurde, um der Rhône einen zweiten Arm zu geben, damit Strom erzeugt werden konnte. Etwa 5.000 bis 7.000 Arbeiter waren damals vor Ort und bauten außerdem die damals größte Schleuse der Welt. Beeindruckend schaut man noch zu, wie ein Schiff in der Schleuse abwärts sinkt, und gibt dann Séguret ins Navi des Wohnmobils ein.

Station 3: Präzise Handwerkskunst in Séguret 

Das Dorf Séguret ist nicht nur ein schön an den Dentelles de Montmirail gelegen, sondern an sich schon sehenswert. Nicht umsonst gilt es als eines der schönsten Dörfer in Frankreich. Aufgrund seines mittelalterlichen Charakters mit gepflasterten Gässchen, den mit alten Häusern gesäumten Ausfallpforten, dem Steinbrunnen Fontaine des Mascarons und den Ruinen der Feudalburg kann man es aber nur zu Fuß erkunden. Pkw oder Wohnmobil sollte man tunlichst außerhalb parken. Das Dorf Séguret wird übrigens auch gerne mit einer lebensgroßen Weihnachtskrippe verglichen - und das nicht ohne Grund. Was es damit auf sich hat, erfährt man in der sehenswerten Werkstatt und Boutique Les 3 Souquets des Krippenherstellers Denis Voeux. Der kommt aus dem Ort und setzt eine lange Familientradition fort. Aus Ton formt er Heiligenfiguren und gewöhnliche Menschen, malt sie an und nimmt Gesichter aus dem Ort als Vorbild für seine provenzalischen Krippen, die in der Vorweihnachtszeit aufgebaut werden. Für den Santon Provençales sind diese Krippen ein Universum, gleichzeitig auch Propaganda für Religion. Der erste Spam des 20. Jahrhunderts, wie der Künstler selbst es schmunzelnd bezeichnet. 

Station 4: Von Malaucène über den Gigant der Provence

Beim Namen Malaucène läuft Radsportlern ein wohliger Schauer über den Rücken, vielleicht krampfen sich aber auch ein wenig die Waden zusammen. Denn in dem kleinen Ort Malaucène beginnt die Westrampe hinauf zum Mont Ventoux, die zuerst durch einen mit jedem Höhenmeter lichter werdenden Wald und dann durch eine völlig versteinerte Landschaft hinauf zum Gipfel führt. Eine unwirkliche Welt, die nicht von diesem Planeten zu stammen scheint. An schönen Tagen schweift der Blick vom Mittelmeer bis hin zu den Gipfeln der Pyrenäen und der Alpen, bisweilen bleibt er jedoch im feuchten Atem der Provence stecken. Die Fahrt auf den Gipfel lohnt sich aber auf jeden Fall - ob mit Fahrrad oder Wohnmobil. Wer den Berg mit dem Womo erklimmen möchte, sollte möglichst die haupttouristischen Zeiten meiden und lieber früh morgens oder abends auf den Mont Ventoux fahren. Auf diese Weise kann man die Hauptfahrzeiten der Radsportler auf der engen Straße umgehen und auch den größten Teil des Gegenverkehrs.  

Station 5: Lavendelfelder und spektakuläre Nesque-Schlucht 

Gleich hinter der letzten Kehre nach der Abfahrt vom Mont Ventoux herunter stehen die ersten Häuser von Sault. Am Rande des hübschen Ortes liegt die Lavendelfarm und Destillerie Aroma’Plantes. Ein attraktives Ziel, wenn man etwas über den Anbau und die Weiterverarbeitung dieser an Inhaltsstoffen reichen Pflanze wissen will. Etliche Felder rund um Sault leuchten zwischen Mitte / Ende Juni und Anfang / Mitte August im Lilablau der Lavendelblüten, der Duft wird vom leichten Wind davon geweht und steigt den Menschen in die Nase, die sich um die Felder gruppieren. 

Von den farbenfrohen Lavendelfeldern geht es nahtlos über in den kargen Karst der Nesque-Schlucht. Auf der D 942 durch Sault fahrend folgt man im Dorf dem Wegweiser nach  rechts. Die Straße schlängelt sich dann auf etwa 20 Kilometern bis zum Dorf Monieux. Bis zu 400 Meter hat sich der Fluss hier in das harte Kalkgestein gefräst. Die kleine Straße krallt sich an einigen Stellen regelrecht in den Fels, führt bisweilen sogar hindurch. Aus diesem Grund ist die Straße auch nur mit Wohnmobilen mit einer maximalen Höhe von drei Metern befahrbar. Da die Straße an manchen Stellen auch recht eng ist, empfiehlt sich die Fahrt nur für erfahrene Wohnmobilisten, welche die Ausmaße ihres Campingfahrzeugs gut einschätzen und handhaben können. Freeontour-Tipp: Für die Fahrt am besten eine Zeit früh morgens oder am Abend wählen. Dann hat man am wenigsten Verkehr und viel Zeit zum Schauen: zum Blick auf Felswände und auch auf das weit unten in der Tiefe strömende Wasser des kleinen Flusses, der im Sommer freilich meist nicht viel Wasser führt.

Station 6: Süße Nougat-Spezialitäten in Saint-Didier 

Nicht weit ist es von hier aus nach Saint-Didier, einem kleinen Ort südöstlich von Carpentras. Seit über 20 Jahren stellt hier die Familie Silvain helles und dunkles Nougat her, eine typisch provenzalische süße Spezialität aus Honig und Mandeln. Die Zutaten werden selbst produziert, woran sich so ziemlich alle Familienmitglieder beteiligen, die sich auf Imkerei oder den Mandelanbau spezialisiert haben. Hier kann man zuschauen, wie die Mandeln geröstet und die süße Masse gerührt wird, weitere Zutaten wie Orangenaroma oder Chili zugemischt werden, bis aus den großen Blechen die einzelnen Nougatstücke geschnitten werden. Hier sollte man sich auf jeden Fall einmal durchprobieren und einen entsprechenden Vorrat mit ins Reisemobil nehmen. 

Station 7: Besucherlieblinge Abbaye de Sénaque und Gordes 

Die nächsten beiden Ziele sind wahrlich keine Geheimtipps und äußerst beliebte Fotomotive - in der Hauptsaison tummeln sich hier viele Touristen. Wer diese Ziele außerhalb der stark frequentierten Tageszeiten ansteuert, kann sie aber zumindest mit ein wenig mehr Ruhe genießen. Versteckt in einem Tal mitten im Plateqau de Vaucluse Richtung Gordes gelegenen, findet man die sehenswerte Abbaye de Sénanque an der Nebenstraße D177. Das Motiv der historischen Abtei mit blühenden Lanvendelfeldern im Vordergrund zählt wohl zu den beliebtesten Fotomotiven bei Provence-Reisenden. Aber auch ein Blick ins Innere des noch immer von Zisterzienser Mönchen bewohnten Komplexes lohnt sich durchaus. Zugänglich ist das Kloster allerdings nur im Rahmen einer geführten Tour in französischer Sprache - wer kein Französisch versteht, erhält für den Rundgang ein Tablet mit den entsprechenden Übersetzungen. Der Innenbereich des Klosters ist außerdem nicht barrierefrei. Um in der Hauptsaison lange Wartezeiten zu vermeiden, wird vorab eine Onlinebuchung der Tickets empfohlen.

Wichtig: Die D177 ist zwischen dem 15. März und dem 30. September - und für Wohnmobile und andere größere Fahrzeuge ganzjährig - nur als Einbahnstraße aus Richtung Gordes befahrbar. In dieser Richtung passiert man zunächst die Abtei, bevor man den Parkplatz erreicht. Wer aus Richtung Venasque kommt, muss zunächst über die D244 / D15 nach Gordes fahren und kann dann dort auf die D177 abbiegen. 

Ebenfalls ein äußerst beliebtes Fotomotiv und Touristenziel in der Provence ist die pittoreske Stadt Gordes. Ein ganzer Hang ist hier mit historischen Gebäuden bedeckt, wobei das  verwinkelte Zentrum oben auf dem Hügel liegt. Der Nachteil: Gordes wird mittlerweile in jedem Reiseführer erwähnt und ist fester Bestandteil der meisten Gruppenreisen durch die Provence. Auch die engen, verwinkelten Gassen des Ortes überbieten sich geradezu mit Souvenir-Shops und Lokalen, die ganz auf Touristen ausgelegt sind - mit den entsprechenden Preisen. Wer Massentourismus vermeiden möchte, sollte insbesondere in der Hauptsaison hier nur einen Fotostopp an der Straße einplanen. Freeontour-Tipp: Das nördlich gelegene Venasque steht ebenfalls auf der Liste der schönsten Dörfer in Frankreich und wurde vom Massentourismus bislang weitgehend verschont. Mit seinen engen, verwinkelten Gassen und dem historischen Ortskern liegt Venasque 320 Meter hoch auf einem Felsplateau, das von drei Seiten unzugänglich ist. Im Dorf sind außerdem Teile der mittelalterlichen Befestigungsanlagen erhalten geblieben. Sehenswert sind außerdem die Kirche Notre-Dame und das Baptisterium, das lange Zeit als eines der ältesten in Frankreich galt. Das Wohnmobil sollte man allerdings möglichst früh unterhalb des Ortes parken, damit man den malerischen Weg hinauf auch richtig genießen kann.  

Station 8: Skurriles Korkenziehermuseum in Ménerbes 

Ein paar Kilometer südlich in Ménerbes erwartet Provence-Reisende ein wahrhaft ungewöhnliches Museum weit ab vom Massentourismus. Es wurde von einem höchst vielseitigen Mann ins Leben gerufen: Yves Rousset Rouard hat die Emmanuelle-Filme gedreht, war Mitglied der Nationalversammlung, lange Jahre Bürgermeister von Ménerbes und hat sein Geld in ein nobles Weingut am Rand des kleinen Ortes gesteckt. Angelegt hat er in dem hügeligen Terrain am Rande des Luberon zudem einen Botanischen Garten - und das Korkenziehermuseum Musée du Tire-Bouchon mit rund 1.000 Exponaten. In den Vitrinen ruhen etliche Kuriositäten. Ein Korkenzieher zum Beispiel, den ein englischer Bankier Ludwig XVIII. geschenkt haben soll. Oder ein Stück, das im Ersten Weltkrieg an der Front aus einem Wasserhahn und einer Pistole gefertigt wurde. Passenderweise kann man hier übrigens auch Wein vom Weingut probieren und bei Gefallen erwerben.

Station 9: Durch den Wald des Luberon nach Lourmarin

Auf herrlicher Straße geht es nun quer durch die Montagne des Luberon nach Lourmarin. Südlich von Bonnieux sollte man auf der D36 dem Abzweig auf den Chemin de la forêt de cèdres folgen. Der Abstecher auf dem Waldweg führt zu einem großzügigen Parkplatz, von wo aus man eine Wanderung oder eine Mountainbike-Tour inmitten der hundertjährigen Zedern im Luberon unternehmen kann. Wieder zurück auf der Straße geht es weiter nach Lourmarin, wo ein wenig östlich des Ortes die Ferme de Gerbaud liegt. Die Besitzerin hat sich auf wertvolle Heilkräuter spezialisiert und bietet diese auch zum Verkauf an. Denn durch den ständigen Trockenstress bilden die Pflanzen in der Gegend sehr viel wertvolle Inhaltsstoffe. Hier wächst Bohnenkraut, das gut gegen Blähungen und bei nachlassender Manneskraft ist. Oder Salbei, der gut zu Schweinefleisch passt, mit seiner antibakteriellen Wirkung Keime im Fleisch bekämpft und Krankheiten vorbeugt. Und auch mit einem Klischee wird aufgeräumt: Die Kräuter der Provence gibt es nicht. Das war eine Marketingidee, die eine Firma aus Carpentras 1969 auf den Markt gebracht hat.

Station 10: Oliven und ein Blick in die Unendlichkeit 

Wein, Kräuter, was fehlt noch zum kulinarischen Südfrankreich-Triple auf dieser Tour? Oliven! Da kann Jean Claude Doglioti weiterhelfen. Der verkauft in seinem kleinen Laden in La Tour d‘Aigues die verschiedenartigsten Olivenöle. Zwischen fünf und neun Kilo Oliven braucht man für einen Liter des wertvollen Öls, erfährt man hier - und dass Olivenöl nicht gleich Olivenöl ist und man mit dem billigen Öl aus dem Discounter ein ganzes Geschmacks-Universum verpasst. Ein weiteres Plus: Gerade die kleinen Behälter aus Metall eignen sich hervorragend für die Küche in Wohnmobil und Caravan, da sie im Vergleich zu den üblichen Glasflaschen nicht viel wiegen und bruchsicher sind. 

Mit frisch aufgefüllter Küchenschublade geht es weiter. Dort, wo der Luberon an Höhe verliert und sich bald darauf im Tal der Durance geschlagen gibt, ragen auf einem Hügel bei Saint-Michel in der Nähe von Forcalquier einige Kuppeln aus dem kargen Boden. Von hier ist ein weiter Blick in die Unendlichkeit des Universums möglich. Durch das Fernrohr des Astronomiezentrums blickt man auf ferne Galaxien oder farbenfrohe Nebel, mit etwas Glück stehen auch Planeten wie Jupiter oder der Mond über dem Horizont. Und sollte das Zentrum einmal geschlossen haben, kann man mit etwas Glück einen der wenigen Wohnmobilstellplätze vor dem Observatorium ergattern und die Sterne vor dem Camper beobachten. Aufgrund der fehlenden Lichtverschmutzung kann man auch mit bloßem Auge faszinierende Sternbilder erkennen. 

Station 11: Abschluss der Tour an den Ockerfelsen

Bei einer Wohnmobiltour durch das Vaucluse darf natürlich ein Naturhighlight nicht fehlen: die Ockerfelsen des Luberon bei Roussillon. Hier warten herrliche Wanderungen und tolle Fotomotive auf die Besucher. Aber auch hier gilt, dass man während der Hauptsaison lieber früh morgens oder am Abend einen Besuch einplanen sollte, um die Natur auch richtig genießen zu können. Ein Bonus für den Besuch außerhalb der Stoßzeiten ist außerdem das bessere Fotolicht.

Freeontour-Tipp: Hier gibt es mehr Infos zum Luberon und für all diejenigen, die den Luberon per Fahrrad erkunden möchten. 

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