Mit Schnullern und GPS durch Italien

ingridretterath
von Ingrid Retterath

Mit Schnullern und GPS durch Italien

Heute starte ich mit meinem Lebenspartner und unseren sechs Monate alten Töchtern Nele und Cari zu einer Reiseführerrecherche. Für die zweite Auflage meines Pilgerführers "Via Francigena" werden wir drei Wochen in Italien unterwegs sein. In zwei Stunden g

13.11.2015 - 13.11.2015 - 1 Tag 3 km

Letzte Vorbereitungen

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Willkommen in meinem Logbuch. Ich freue mich sehr darauf, von unseren Erlebnissen und Erfahrungen bei der Reiseführerrecherche mit dem LMC Breezer Lift H 737 G zu berichten. 

Wer mehr über mich und meine Reiseführer erfahren möchte, den lade ich herzlich ein, sich auf meiner Facebookseite  www.facebook.com/von.Ingrid.Retterath.gesc... und auf meiner Homepage www.retterath.net umzuschauen.

Bislang war ich erst zweimal mit dem Wohnmobil unterwegs. Einmal 1998 vier Wochen mit einem geländegängigen WoMo im Westen Kanadas privat als Pärchen, dann 2012 für eine Recherche mit unseren zwei Neufundländern, meiner Mutter, unserer damals 7 Monate alten Tochter Aurelia und meinem Partner Armin in die Schweiz und nach Italien. Nun geht es mit den 6 Monate alten Zwillingen Cari und Nele auf große Fahrt nach Italien. Für den Conrad Stein Verlag in Welver recherchiere ich den Pilgerweg nach Rom, die Via Francigena, für die zweite Auflage.

Zwar durften wir das Wohnmobil schon letzte Woche mitnehmen, Armin musste allerdings noch bis Freitag arbeiten. Den Freitag haben wir Mädels deshalb genutzt, um das Wohnmobil einzurichten. Wie gut, dass die Vordersitze drehbar sind, so konnten Cari (mit Daumen im Mund) und Nele mir prima dabei zusehen, ohne langweilig an die Decke starren zu müssen. Den Weg zur Tankstelle mussten sie natürlich in ihren Babyschalen zurücklegen. Nun kann es losgehen!

14.11.2015 - 14.11.2015 - 1 Tag 751 km

Hinauf zum Großen Sankt Bernhard

Morgens verstauten wir noch die letzten Dinge im Wohnmobil, frühstückten gemeinsam mit meiner Mutter und unserer Großen, drehten eine letzte Hunderunde und beantworteten 1001 Frage der Nachbarn: "Wo fahrt ihr hin?" - "Wie lange bleibt ihr?" - "Habt ihr den Camper gekauft?" - "Fahrt bloß nicht nach Frankreich, das ist nach den Terrorakten von gestern viel zu gefährlich!" 

Wie gut, dass unser Freund Herbert mit Aurelia zum Schwimmen verabredet ist, so fiel ihr der Abschied leichter. So lange war sie noch nie von mir getrennt, ich hatte große Sorge, dass sie in letzter Minute doch mitfahren will. Das wäre aber nicht möglich gewesen, denn das Wohnmobil ist zwar im Stand groß genug für uns fünf, aber es gibt während der Fahrt nur vier Anschnallplätze.

Natürlich haben wir etwas zuhause vergessen -  wie bei jeder Reise! Dieses Mal sind es die Babyzäpfchen gegen Fieber und Übelkeit. Zwar hoffen wir, sie gar nicht verwenden zu müssen, aber sicher ist sicher! Also machten wir in Speyer die einzige Pause des Tages, um Besuche in Apotheke, Tankstelle und McDonalds mit einem Windelwechsel zu kombinieren. 

Bis zur Einfahrt zum Großen Sankt Bernhard Tunnel schafften wir es heute, die Babys waren auf der Fahrt ganz brav. Sie freuen sich aber riesig, aus den Babyschalen herauszukommen, streckten sich erst einmal genussvoll und kugeln nun unter ihrem Spielbogen hin und her. Wie praktisch, dass in unserem Breezer die beiden Einzelheiten zu einer großen Liegefläche verbunden werden können.

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Kaum eine Viertelstunde brauchte ich, um die Heizung in Betrieb zu setzen. Das liegt daran, dass ich nach der Geburt der Zwillinge sehr vergesslich bin und schon heute nicht mehr wusste, welche Einstellungen ich gewählt und wie ich den Drehknopf letzte Woche gedreht hatte, als es dann plötzlich warm wurde. Das Handbuch ist dabei leider nicht sehr hilfreich. Hoffentlich kann ich mich morgen Abend schneller erinnern.

Jetzt aber nichts wie ins Bett, morgen wird gewandert!

15.11.2015 - 15.11.2015 - 1 Tag 98 km

Holpriger Start

Leider habe ich hier im Aostatal ein Mobilfunksignal mit Schluckauf. Zweimal ist mir der heutige Eintrag ins Logbuch schon deshalb verloren gegangen, nun ist der Akku schon so schwach, dass es nur ein kurzer Eintrag wird.

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Für Nele war die Nacht um 5.21 Uhr zu Ende und sie lag quasselnd zwischen uns. Um die anderen beiden nicht zu wecken, sind wir etwas die Passstraße hinauf gelaufen und ich habe den klaren Sternenhimmel genossen.

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Nach dem Frühstück ging es such den Bernhard Tunnel ins Aostatal. Schnell war der Campingplatz Paradise in Saint Vincent gefunden und er ist sogar offen! 

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Also konnte die eigentliche Recherche beginnen. Heute haben wir für die ersten 6,2 km über drei Stunden gebraucht. Gemeines Geröll, steile Steige, fiese Furten und brutale Baumwurzeln. Dazu nicht gerade typisches Novemberwetter (23 °C) - wir waren klatschnass geschwitzt und die Knie zitterten. Wie gut, dass der Rest des Weges etwas weniger beschwerlich war.

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Bei der Rückkehr zum Campingplatz nahmen die beiden Mäuse ein Sonnenbad, während wir eincheckten und den Wassertank  füllten.

Die neuen Pächter bemühen sich sehr um Gäste. Sie haben extra für uns gekocht und stellten uns zum Duschen sogar eines der Ferienhäuser zur Verfügung, weil es dort im Bad wärmer ist. Der Platz ist zu empfehlen! 

16.11.2015 - 16.11.2015 - 1 Tag 30 km

Ein weiterer sonniger Tag im Aostatal

Dieses Foto zeigt unseren Fuhrpark nicht etwa beim Start, sondern unterwegs. 

Unser Stellplatz sieht morgens nämlich so aus:

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Nach einem typisch italienischen Frühstück im Campingplatzrestarant (Kaffee und je ein mit Marmelade gefülltes Croissant) bin ich vom Campingplatz in Saint Vincent losgeradelt und Armin fuhr mit den Babys im Wohnmobil nach Montjovet. Der Weg war zwischen diesen beiden Orten schmal und steil, also nichts für den Fahrradanhänger. Danach konnten wir bis zur Sperrfestung in Bard alle zusammen fahren.

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Die Babys saßen zufrieden im Anhänger und genossen die frische Luft. So viel wie hier schlafen sie zuhause nie. 

Das war unser letzter voller Tag im Aostatal, morgen werden wir die Grenze zum Piemont überqueren.

17.11.2015 - 17.11.2015 - 1 Tag 76 km

Erlebbare Geschichte

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Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang in Saint Vincent ging unsere Recherche heute von der Sperrfestung in Bard zur Römerstraße bei Donnas. 

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Im nächsten Ort Pont-Saint-Martin mit seiner alten Steinbrücke war dann die Grenze von Aostatal und Piemont erreicht

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Das hat Vor- und Nachteile, denn die Strecke wird bald flacher und wir werden pro Tag mehr Kilometer schaffen. Andererseits wird im Aostatal noch Französisch gesprochen, spätestens ab Ivrea muss mein Miniwortschatz Italienisch reichen.

Heute hatten wir eine unerwartete Erkenntnis: Schilder mit Höhenbeschränkungen betreffen nicht zwangsläufig eine Brücke. Armin hatte das Schild zwar gesehen, ist aber dennoch auf der Straße weiter gefahren. Wäre auf der dem Berg zugewandten Straßenseite keine Baustelle gewesen, die uns auf die Gegenfahrbahn zwang, hätte das Wohnmobil nicht unter einem Felsvorsprung hindurch gepasst. Puh, Glück gehabt.

18.11.2015 - 18.11.2015 - 1 Tag 40 km

Sturz mit Aussicht

Im November steht die Sonne sehr niedrig. Das wurde mir heute beim Radeln zum Verhängnis. Im Gegenlicht übersah ich einen Betonschweller und stieg über den Lenker ab. Eigentlich wollte ich danach nur kurz ein Foto von meinem zerschrammten Ellbogen machen. Bei Ansehen stellte ich fest, dass ich die Burg mit fotografiert habe.

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Die Landschaft wird flacher und offener, wir konnten heute knapp 30 km recherchieren. So kamen wir bis nach Viverone und fanden nach drei vergeblichen Anläufen einen geöffneten Campingplatz unmittelbar am Lago di Viverone. 

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Leider gibt es auch hier keine Gasflaschen. Wenn wir morgen niemanden finden, der uns Gas verkauft, müssen wir wohl im Hotel oder B&B übernachten. Mit Babys bei 3 Grad Tiefsttemperatur im Wohnmobil übernachten kommt für mich nicht in Frage.

Sollte ich mir einmal selbst ein Wohnmobil kaufen, muss die Heizung mit Gas UND Strom betrieben werden können. Grade in der kalten Jahreszeit, wenn die Heizung dringend nötig ist, sind viele Campingplätze geschlossen, auf denen man Gas kaufen könnte. Oder liegt es an unserem Reiseland? Auch auf den momentan geöffneten Plätzen gibt es kein Gas zu kaufen. 

19.11.2015 - 19.11.2015 - 1 Tag 114 km

Marathonstrecke nach Vercelli

Heute sind wir erst ziemlich spät auf die Recherchestrecke gekommen, denn zuerst mussten wir uns um Gas kümmern. Auf unserem Campingplatz in Viverone wird ja generell kein Gas verkauft. Im benachbarten Piverone ist der Campingplatz zwar eigentlich geschlossen, der Pächter war aber bereit, uns Gas zu verkaufen. Nur leider passen die italienischen Flaschen nicht zu den deutschen Anschlüssen. Also schickte er uns noch zwei Orte weiter zu einem Händler für Campingbedarf, dort konnten wir einen Adapter kaufen. Gas hatte er nicht im Sortiment, schickte uns ans andere Ortsende zu einem Gashändler. Obwohl laut Schild seit 8.30 Uhr geöffnet sein sollte, waren Büro und Lager verwaist. Also fuhren wir zurück nach Piverone und holten den Campingplatzchef ein zweites Mal aus den Bäumen, denen er den Winterschnitt verpasste. Hurra! Der nette Mann verhalf uns zu einer vollen Gasflasche und damit zu warmen Nächten. 

Mit grade einmal 2 1/2 Stunden Verspätung ging es auf die Strecke. Doch schon nach 2 km wurde ich gebremst von der Frage, ob ich die rechte, die linke oder beide Strecken recherchiere:20151119_110805.jpg20151119_110805.jpg

Am Ende waren dennoch über 42 Kilometer recherchiert und getrackt. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Tagesleistung.

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Leider kam heute die Sonne nicht durch den Nebel und die Wolken. Das macht die Poebene jetzt im Herbst sehr trist und trostlos. Von der ersten Recherche habe ich diese Strecke als vergleichbar trist und trostlos in Erinnerung, nur dass im Juli nicht der Nebel, sondern die Mückenschwärme grau und schwer über den Reisfeldern wabern.

20.11.2015 - 20.11.2015 - 1 Tag 80 km

Tod im Reisfeld

Wir sind nun endgültig in der Poebene angekommen. Die Landschaft ist flach, das Wetter ist trübe - nicht aber unsere Stimmung, denn wir kommen mit der Recherche gut voran. Aber hier im System fehlt mir eindeutig das Wetter Symbol für Nebel.

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Wir verbringen nun den ganzen Tag in den Reisfeldern. Das ist um diese Jahreszeit in Ordnung, ich habe aber meine ersten beiden Recherchen in dieser Gegend in schlimmer Erinnerung, denn im Juni und Juli bin ich hier von Tausenden von Mücken ausgesaugt worden. Damals dachte ich manchmal beim Wandern durch die schier endlosen, heißen,schattenlosen und feuchten Reisfelder oft an den Buchtitel "Tod im Reisfeld", auch wenn mir bewusst war, dass der Inhalt des Buches nichts mit meiner Situationen gemein hat. Umso mehr habe ich mich über die witzige Postkarte gefreut, die mir heute morgen unser Campingplatzwirt schenkte.

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Jeden Tag freuen wir uns an anderen Details in unserem Breezer. Gestern Abend und heute Morgen war es das Klemmbrett am Armaturenbrett, an dem sich die Tickets für die Autobahnmaut gut festkleben lassen. 

Das Durchfahren dieser Mautstationen hat für mich immer hohen Unterhaltungswert. Die Tasten und Geldeinwürfe sind in guter Greifhöhe für Fahrer von Pkw und Lkw angebracht. Mit dem Wohnmobil befindet man dich genau dazwischen, deshalb muss sich Armin also fürchterlich verrenken, um anfangs das Ticket zu ziehen und beim Verlassen der Autobahn wieder reinzustecken, zu bezahlen und die Quittung anzufordern. Dazu kommt, dass eine Maschinenstimme alle möglichen Anweisungen in schnellem Italienisch spricht, Armin sie zwar nicht versteht, aber antwortet, sich rechtfertigt und lamentiert. Der Clou war heute eine Einfahrtschranke, die sich nicht öffnete und bei der wir kein Ticket bekamen. Viermal mussten wir zwischen den engen Leitplanken zurücksetzen, bis sich die Schrankenwärter erbarmen und zur Hilfe kamen.

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Zum Mittagessen haben wir uns über eine Panettone hergemacht. Sogar den Babys schmeckt der weiche Teig.

21.11.2015 - 21.11.2015 - 1 Tag 47 km

Camping am Ticino

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Lehm und Sand machten heute auf den Wegen zwischen den Reisfeldern das Fortkommen ziemlich mühselig. Belohnt wurde die Anstrengung mit netten Gesprächen mit Einheimischen, die ihre Hunde spazieren führten und mit dem Anblick einer Schafherde mit drei Dutzend winzigen Lämmern.

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Sehr froh bin ich darüber, dass die örtlichen Wegepaten ihren Streit nun beigelegt haben und es hinter Tromello nur noch eine markierte Strecke gibt. Sie haben die schönere ausgewählt, nämlich über Santuario Madonna Dell Bozzola.

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Der Campingplatz in Pavia ist schon in der Winterpause. Nicht schlimm, wir haben einen prächtigen Platz am Ufer des Ticino gefunden. Leider mit sehr schlechtem Mobilfunkempfang, der immer abreißt, wenn ich ein Foto laden will.

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Tagsüber war es zuerst nebelig, später bewölkt, nachmittags sogar sonnig. Da stört es nicht, dass am Abend Wind und Regen aufkamen. Dank unserer italienischen Gasflasche ist es im Wohnmobil warm und kuschelig.

22.11.2015 - 22.11.2015 - 1 Tag 75 km

Sonniger Sonntag

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Auf den nächtlichen Regen folgte ein strahlend schöner Tag. Die Via Francigena führt hier durch den Parco Ticino am Ufer entlang, mit dem Wohnmobil war die Dammstraße gut zu fahren. 

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An solch einem sonnigen Sonntag wimmelt es am Ticino nur so von Radlern, Wanderern, Hundespaziergängern und Paddlern.

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Etwas außerhalb von Pavia waren mehrere Jagdgesellschaften unterwegs. Ursprünglich hatte ich nur das T-Shirt an, zog aber in deren Nähe lieber doch die Jacke über, weil sie eine auffälliger Farbe hat. Sicher ist sicher. 

Bald schon war ich wieder allein unterwegs und konnte die Weite der abgeernteten Felder und die Einsamkeit lange verlassener Ruinen spüren. Insgesamt ein wunderschöner Reisetag, an dessen Ende wir die Erfahrung machten, dass in Miradolo Terme die Terme gar nicht im Ort, sondern über 3 km entfernt liegt. Wie gut, dass ich mit dem Rad unterwegs qär. An einem Wandertag wäre sonst eine ganze Stunde verloren gegangen. 

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23.11.2015 - 23.11.2015 - 1 Tag 85 km

Es wird ungemütlicher

Zum Glück wird nur das Wetter langsam ungemütlicher, das Wohnmobil ist noch so komfortabel wie zuvor. 

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In Miradolo Terme fanden wir in einem Vorgarten alte Schätzchen von Landrover und Citroën, die dort leider verkommen. Armins Herz weinte um die schöne Ente, die dort abgestellt worden war, fast hätte er sich auf die Suche nach dem Grundstückseigentümer gemacht, um das Entchen zu retten. 

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Der ehemals sehr schlecht markierte Weg von Chignolo Po zum Transitum Padi am Ufer des Po ist inzwischen perfekt markiert. In Ermangelung von Bäumen, an denen Wegweiser befestigt werden könnten, wurden Steinplatten in den Dammweg eingelassen, die den alten Sigeric zeigen.

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Schade, daß sich heute den ganzen Tag Regen und Graupel abgewechselt haben. Sonst hätte das Schloss in Orio Litta einen perfekten Hintergrund für ein LMC-Werbefoto geboten. Auf dem weiteren Weg nach Piacenza auf dem Dammweg flogen die Kilometer nur so dahin. Welch ein Unterschied zur ersten Wanderung auf dieser schattenlosen Strecke im Juli bei 38 Grad! 

24.11.2015 - 24.11.2015 - 1 Tag 69 km

Kalte Füße

Die letzten Kilometer bis Piacenza auf der zweiten markierten Route lagen schnell hinter uns. Am Stadtrand verloren wir aber viel Zeit, weil dort die Strecke zunächst widersprüchlich, dann gar nicht mehr markiert war.

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Immerhin hatten wir in Piacenza einen zünftigen Parkplatznachbarn. Früher führte die Via Francigena bis nach Fidenza immer nur geradeaus auf der Via Emilia Pavese entlang. Das ist den meisten Pilgern wegen des starken Autoverkehrs zu gefährlich geworden, entsprechend wurde eine neue Route auf Nebenstraßen und Feldwegen markiert. Lieb gemeint, aber wenn eine Strecke um die Hälfte länger ist und durch Furten führt, wird sie nicht bei allen Pilgern auf Begeisterung stoßen.

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Ein hübsches Schloss liegt in Paderna auf der Strecke. 

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Aber kurz darauf auch eine breite, tiefe Furt. Armin stand bei 5 Grad Lufttemperatur bis zu den Knöcheln im kalten Wasser. 

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Erst nach Einbruch der Dunkelheit waren wir am Ziel, aber wir wollten unbedingt bis Chariavalle della Colomba kommen. Dort kann man direkt am Kloster auf dem großen Parkplatz prima übernachten und in der Trattoria zu kleinen Preisen gute Hausmannskost essen. Gleichzeitig mit uns parkte hier auch ein italienisches Paar sein Wohnmobil neben uns ein. Scheint also nicht nur für uns eine gute Lage zu sein.

25.11.2015 - 25.11.2015 - 1 Tag 72 km

Endlich wieder Hügel

Die langweilig flachen Strecken der Poebene haben wir heute Mittag hinter uns gelassen. Jetzt wird es zwar auch wieder anstrengender, aber eben auch abwechslungsreicher. Seit Tagen haben wir keinen im Winter geöffneten Campingplatz gefunden. Wir schlafen daher diese Nacht im  Hotel, um alle Akkus zu laden und zu duschen. Der Wassertank ist nämlich fast leer und nur die Ladegeräte für mein Smartphone und meine Kamera kommen mit der Bordspannung aus. 

Für ein eigenes Wohnmobil stehen jetzt also schon Gas-UND-Elektro-Heizung, Gas-UND-Elektro-Kühlschrank, Fahrradträger und Spannungswandler auf dem Wunschzettel.

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Ich möchte hier gerne meinen "Mitarbeiter des Tages" vorstellen: dieser Stock rettete mir in den letzten Tagen mehrfach die Weiterfahrt bei lehmigen Wegstrecken. Damit kann ich den Lehm von den Bremsen und Schutzblechen entfernen. Heute war es so matschig, dass ich selbst bergab mit brutaler Kraft schieben musste. 

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Armin kam hinter einer Furt gar nicht mehr weiter. Entsprechend liegen wir heute 13 km hinter unserem Wunschziel zurück.

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Was mir keiner erklären kann, ist hier auf dem Foto zu sehen. Überall finden wir in Italien bereits entlaubte Bäume, die übervoll mit reifen und überreifen Kakis hängen. Warum werden die nicht geerntet? Wartet man damit bis zum Frost? Mögen die Italiener keine Kakis? Falls das so ist: Warum haben Sie  dann so viele dieser Bäume in ihren Gärten stehen?

26.11.2015 - 26.11.2015 - 1 Tag 150 km

Teures Foto

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Die ersten 350 m waren heute die schlimmsten. Zuerst musste bei minus 1 Grad Celsius eine Furt durchwatet werden, gleich danach ging es so steil einen matschigen steilen Hang hinauf, dass ich aussah wie ein Moddermonster. Danach liefen die erwanderten und erradelten Strecken gut, sodass wir Fornovo di Taro schon mittags erreichten.

Dort unterbrechen wir die Recherchestrecke, etliche Markierungen sind unter Schnee verborgen, der Abschnitt bis Sarzana muss also bis zum Frühjahr warten. Die Passstraße zum Cisa Pass war frei und trocken, also gut zu fahren. Einen Aussichtspunkt wollten wir für einen Fotostopp anfahren. Leider haben wir beide nicht gesehen, wie schräg die Straße dort war und setzten hinten auf. Das wird ein teures Foto!

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Aber schön ist es da oben trotzdem.

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27.11.2015 - 27.11.2015 - 1 Tag 82 km

Marmor und Meer

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Von Sarzana führte uns heute unser Weg über Carrara-Avenza und Massa bis kurz vor Pietrosanto. Wohlmeinende Wegepaten haben die Pilger von der belebten Via Aurelia weg geführt, nun verläuft der Weg hoch in den Bergen. Naja, manchmal weiß ich nicht, ob man den Pilgern einen Gefallen tut, indem man die Strecken steil bergauf und bergab durch die Berge führt. Der Weg wird dadurch bestimmt sicherer, aber eben auch sehr viel länger und anstrengender. Gerade zwischen Sarzana und Pietrasanta stellt sich die Frage, ob eine Wegführung direkt an der Küste nicht ebenso sicher, weniger anstrengend und noch dazu eine willkommene Abwechslung wäre.

Naja, ich als Rheinländerin denke mir "Et is, wie et is!", atme tief durch und fasse den nächsten Aufstieg ins Auge. Wenn der Weg auf dieser Strecke markiert ist, muss er eben auch dort getrackt werden. Und schön ist es ohne Frage, an einem sonnigen Tag wie heute oben auf der Höhe sowohl das Meer, als auch die Marmorbrüche von Carrara sehen zu können.

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In Forte die Marmi haben wir nach einem Wohnmobilstellplatz gesucht. Obwohl hier Camping- und Stellplätze dicht an dicht sind, war kein offener Platz zu finden, alle sind in der Winterpause. Selbst die netten Damen in der Touristeninformation konnten nicht helfen. Aber der Weg hinab zur Küste hat uns zumindest den Anblick dieser kitschigen Weihnachtsbeleuchtung an den Palmen der Hauptstraße beschert:

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28.11.2015 - 28.11.2015 - 1 Tag 72 km

Endlich Toskana

Heute haben wir die Toskana erreicht. Das Wetter ist nicht mehr ganz so warm und sonnig wie gestern, aber immer noch perfekt für die Recherche, denn es ist trocken. Adventsstimmung kommt bei mir auf, denn überall hängen die Bäume voller Orangen und die Straße voller Weihnachtsbeleuchtung und kitschiger Weihnachtsmänner.

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Auf dem Weihnachtsmarkt in Camaiore habe ich mir die erste Portion Maronen für dieses Jahr gekauft. Köstlich!

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Jeder Pilger hat sein Kreuz zu tragen, Pablo aus Spanien hat das sogar wörtlich genommen. Am 8. Dezember will er in Rom ankommen, das sind - grob überschlagen - knapp 40 km am Tag. Ein ambitioniertes Ziel mit diesem irren Gewicht auf den Schultern auf dieser Strecke und um diese Jahreszeit, wo es viel zu früh dunkel wird. Buon Camino!

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Abends konnten wir dann noch einmal eine schöne Sonnenuntergangsstimmung am Meer genießen. Das ist ab heute vorbei, es geht wieder tiefer ins Binnenland.

29.11.2015 - 29.11.2015 - 1 Tag 125 km

1. Advent auf toskanisch

Von Lucca nach Fucecchio führte uns der heutige Recherchetag. In diesem Abschnitt gibt es viele Verbesserungen für die Pilger, sie werden auf Wanderwegen, Nebenstraßen und Feldwegen geführt, wo früher ein gefährliches Laufen an Schnellstraßen nötig war. Angenehme Temperaturen begleiteten mich tagsüber, ich kam an blühendem Stechginster vorbei, sodass ich fast das Datum vergaß. 

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Ein wenig schrill ist es schon für mich, im T-Shirt durch weihnachtlich geschmückte Orte zu pilgern und mit einer Tüte heißer Maronen in der Hand bei "last christmas I gave you my heart" mitzusingen, das dort aus allen Dorflautsprechern schallt.

Trotz des Sonnenscheins tagsüber wird es nachts empfindlich kalt. Deshalb amüsieren wir uns auch immer am Ende der abendlichen Fahrt über die Temperaturanzeige im Aufbau. Während z.B. heute im Armaturenbrett 9 Grad angezeigt wurden, waren es für das Aufbau-Thermometer angeblich 22 Grad Außentemperatur. Wo mag wohl dessen Fühler sitzen?20151129_175629.jpg20151129_175629.jpg

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30.11.2015 - 30.11.2015 - 1 Tag 99 km

Freund und Helfer

Auch an bedeckten Tagen gefällt mir die Toskana. Heute morgen konnte ich schon beim Start in Fucecchio mein erstes Ziel oben in San Miniato in 10 km Entfernung sehen. Der Anstieg dorthin war sehr anstrengend, ich war deshalb erst einmal froh, dass ab San Miniato erst einmal Armin den Track aufzeichnete und ich das Wohnmobil nachzog. 

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Diese Freude währte aber nur 650 m, dann stand ich an einer Engstelle in einer Einbahnstraße und kam weder vor noch zurück. Vor mir eine Gabelung, an der die linke Straße mit einem großen Festzelt überbaut war und die Durchfahrt rechts nur 3.15 m hoch war. Hinter mir stauten sich etliche hupende Kleinwagen. Also durchatmen, Motor aus und rein in die Touristeninformation. Die netten Damen dort riefen die Polizia Communale an und keine zwei Minuten später kam durch die rechte Durchfahrt ein Polizeiwagen. Die Beamten hatten ruckzuck alle Kleinwagen zurücksetzen lassen, ich durfte wenden und die Polizisten fuhren noch bis zum Ortsrand vorweg.

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Heute campen wir in Gambassi Terme auf einem Kirchengrundstück am Ostello Segerico. Die Pilgerherberge hier ist übrigens eine der besten auf der gesamten Via Francigena. 

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01.12.2015 - 01.12.2015 - 1 Tag 64 km

Typisch Toskana

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Dieser Teil der Via Francigena ist mir einer der liebsten. Auf der Höhe führt die Strecke durch typische Toskana - Landschaft zunächst in das von Touristen stark frequentierte San Gimignano. Camper haben einen besonders guten Blick auf die Altstadt mit ihren noch gut erhaltenen Geschlechtertürmen: das Foto entstand auf Höhe des Campingplatzes Boschetto di Piemma.

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Recherchiert habe ich heute bis Gracciano, aber unseren Camper haben wir bis Monteriggione gebracht. Dieses niedliche Örtchen hat es mir angetan. Die mittelalterlichen Stadtmauern sind perfekt erhalten, im Gegensatz zu San Gimignano gibt es hier aber kaum Touristen. 

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Leider stimmten die Angaben in der freeontour Stellplatzdatenbank nicht, hier gibt es keinen Strom auf dem Wohnmobilstellplatz.

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02.12.2015 - 02.12.2015 - 1 Tag 42 km

Eis essen in Siena

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Für uns stand fest: wenn wir es bis Siena schaffen, essen wir auf der Piazza della Campo ein Eis. Gesagt, getan, heute erreichten wir Siena, also liefen wir sofort los in Richtung Innenstadt, auch wenn das hin und zurück eine weitere dreiviertel Stunde Fußmarsch bedeutete. Unser Eis aßen wir auf den nackten Steinen Piazza della Campo, danach gab es Pizza. Das hat bei uns schon Tradition, muss einfach sein, wer wir in Siena sind. Auch die Babys dürfen an einem Pizzarand knabbern.20151202_144059.jpg20151202_144059.jpg

Nele hat übrigens das Fenster im Schlafbereich für sich entdeckt, liegt nun gerne dort auf dem Bauch und schaut in die Landschaft hinaus.

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Das Wetter ist weiterhin angenehm mild und wir freuen uns sehr darüber. Besonders der tägliche Blick in die Wetterkarte für Deutschland (herrlich, so eine Sat-Schüssel auf dem Wohnmobil) beim Frühstücksfernsehen (Regen, Regen, Regen) macht deutlich, wie viel Glück wir haben. Bei Regen und aufgeweichtem Boden wären wir längst nicht so gut voran gekommen.

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Erstaunlicherweise finde ich sogar Zeit für Handarbeiten: Für das beim Sturz in Ivrea entstandene Loch in meiner Weste habe ich schon in Fidenza einen Via Francigena-Aufnäher gekauft. Nun endlich konnte ich auch Nadel und Faden hinzukaufen und den Schaden beheben. Zumindest meine Tochter ist zufrieden mit meiner Näharbeit.

03.12.2015 - 03.12.2015 - 1 Tag 34 km

Wehmut macht sich bemerkbar

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Die Strecke durch die Innenstadt von Siena haben wir mit dem Kids Tourer als Buggy zurückgelegt. Die beiden Mädels wurden von jeden zweiten Passanten in der Fußgängerzone bewundert. Wir mussten immer wieder anhalten und Fragen zu den Babys und zum Fahrradanhänger beantworten.

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Amüsiert habe ich mich auf dem Platz vor dem Dom über die unentwegt ernst schauenden asiatischen Touristen - ausgerechnet an einer vor Lebensfreude strotzenden Gruppe gut gelaunter Metallmenschen.

Der Weg führte aus der Innenstadt heraus an einem Wollgeschäft vorbei. Die Babys saßen ruhig in der Kinderkarre, Armin war mit dem Wohnmobil unterwegs, also kaufte ich Wolle und Rundstricknadel, um meinen Süßen Schals zu stricken. Als ich die Wolle einfach in die Karre warf, hatte ich wohl kurz die Neugier der beiden vergessen. Das Resultat kann prima als Spinnennetz durchgehen und bescherte mir eine gute Stunde zusätzliche Beschäftigung.

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Nachmittags haben wir es noch 19 km weit geschafft. Morgen wird es sicherlich auch nicht mehr, denn wir müssen langsam an die Rückfahrt denken. Eine schöne und gut laufende Recherchereise neigt sich dem Ende zu. Ich bin ganz traurig, es könnte nach meinem Geschmack noch ewig so weiter gehen. Das Wohnmobil ist so praktisch, dass ich es gar nicht mehr missen möchte. 

04.12.2015 - 04.12.2015 - 1 Tag 531 km

Ein schöner Abschluss

Bis kurz hinter Buonconvento haben wir es geschafft. In Torrenieri geht die Recherche im kommenden Jahr weiter. Allerdings mit anderen Schuhen. Diese hier (2010 auf der Via Francigena gekauft) wandern nun in die Mülltonne. Ich bin mehrere Tausend Kilometer darin gelaufen, nun aber ist nicht nur die Sohle runter, sondern auch der Rest kaum noch als Schuh erkennbar.

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Ich bin sehr zufrieden mit der abgedeckten Strecke. Wir sind gut voran gekommen, das Wetter hat prima mitgespielt und die meisten Änderungen im Wegverlauf sind eindeutige Verbesserungen für die Pilger. Im letzten Ort fand ich dann noch einige liebevoll gestaltete steinerne Wegweiser, wie den auf dem Foto. Hier mag jemand die Pilger sehr gerne. Das macht mir den Abschied leicht und ich freue mich schon jetzt auf die Rückkehr in diesen gastlichen Ort  für den Rest der Recherche.20151204_092444.jpg20151204_092444.jpg

Mittags traten wir den langen Rückweg an, heute soll es bis Binasco bei Mailand gehen. Dort wohnt eine langjährige Freundin von mir, mit der wir uns zum Pizzaessen verabredet haben. Es ist besser, dort zu übernachten, damit die Babys nicht zu lange in der Babyschale sitzen müssen. Und für Nicoletta ist es keine Belastung, denn wir schlafen ja bei ihr vor dem Haus im Wohnmobil.

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05.12.2015 - 05.12.2015 - 1 Tag 844 km

Zurück im Rheinland

Dieser Eintrag erfolgt eigentlich nur, damit die zurückgelegte Distanz stimmt. 

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Erlebt haben wir nämlich auf der Heimfahrt nicht allzu viel, höchstens der über drei Stunden währende Stau vor dem Gotthard-Tunnel ist eine kurze Erwähnung wert. 

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06.12.2015 - 06.12.2015 - 1 Tag

Tschüss LMC Breezer Lift H 737 G - ich werde dich vermissen

Nach dem Ausräumen und Reinigen des Wohnmobils ist dies mein Resümee: Der LMC Breezer Lift H 737 G hat uns die Recherche erheblich erleichtert und verschönert. Danke, liebes LMC-Team!

Haben Sie Interesse an der Rückmeldung einer ziemlich unerfahrenen Wohnmobilnutzerin zu diesem Fahrzeug? Das ist mir unterwegs aufgefallen:

  1. Fiat Fahrzeug
    1. Viel Stauraum. In jeder Tür haben vier Thermosflaschen oder große PET-Flaschen Platz. Außerdem gibt es weitere Ablagen und Fächer.
    2. Raucher freuen sich bestimmt auch über den abnehmbaren Aschenbecher. Wir haben dessen Platz für eine Babyflasche genutzt.
    3. Das Fahrzeug fährt sich wie ein PKW und hat handliche Rangiermaße
    4. Zusammen mit der Rückfahrtkamera bilden die großen Außenspiegel die besten technischen Voraussetzungen für problemloses Einparken.
    5. Die schwarze Front ist sehr hübsch und unterscheidet sich angenehm von dem Einheitsweiß aller anderen Wohnmobile.
    6. Praktisch ist das Klemmbrett, das sicherlich für Reiseunterlagen gedacht ist. Wir haben es für die Tickets genutzt, die wir bei Autobahnfahrten in Italien von einer Mautstation zur nächsten verwahren mussten.
    7. Der ausschaltbare Beifahrerairbag hat uns ein sehr entspanntes Reisen ermöglicht. Nele konnte so auf dem Beifahrersitz mitfahren, sodass ich hinten bei Cari sitzen konnte und sie trotzdem im Blick hatte.
    8. Alle Gurte sind lang genug für Babyschalen. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wir treffen öfters auf Fahrzeuge, in denen der Gurt zu kurz für Babyschalen ist.
    9. Wir haben nicht herausfinden können, ob und wie man die Karte im Navi einnorden kann. Ich wüsste gerne, in welche Himmelsrichtung ich unterwegs bin. Wenn sich die Karte ständig dreht, macht mich das ganz wuschig, besonders im Gebirge auf Passtraßen. Die Windrose bekommt man zwar angezeigt, aber nur in der einfachen Karteneinstellung, nicht bei Navigation zu einem konkreten Ziel.
    10. Das Navigationsgerät ist mit der Aufbau-Batterie verbunden, müsste aber von meiner Logik her an der Starter-Batterie hängen, sodass man – auch wenn die Aubau-Batterie leer ist, beim Rangieren noch die Rückfahrkamera nutzen kann.
    11. Für unsere Familie wäre ein fünfter Sitz mit Gurt prima, denn ansonsten hat das WoMo ja reichlich Platz. Ließe sich das auf Kundenwunsch durch Drehung des Sitzes direkt hinter dem Beifahrersitz lösen? Oder gibt es außer uns keine fünfköpfigen Familien, die ein Wohnmobil mit diesen Außenmaßen favorisiert?
  2. Aufbau außen
    1. Viel Stauraum – wenn man ihn nicht komplett mit Fahrrädern blockiert...
    2. Uns fehlte nämlich eindeutig ein Fahrradträger. Das immer wieder nötige Ein- und Ausladen, Zusammen- und Auseinanderbauen von Fahrrädern und Anhänger war zeitraubend und nervig.
    3. Die stabilen - und doch beweglichen - Zurrösen im Gepäckabteil erleichtern die Sicherung der Ladung ungemein
    4. Wir haben in Wohnmobilen anderer Fabrikate unterwegs gesehen, dass die Gasflaschen von außen zugänglich sind. Das hat in meinen Augen den Vorteil, dass man sich den Zugriff auf die Gasflaschen, an deren Verschluss man ja mindestens zweimal täglich drehen muss, nicht durch zu viel Gepäck blockiert. Bestimmt hat es auch Nachteile, die Sie gut abgewogen haben, es fiel uns nur auf.
    5. Das Außenlicht über der Aufbautür ist sehr praktisch auf dunklen Stellplätzen.
  3. Technik Aufbau
    1. Die TV-Sat-DVD-Kombination ist prima und bringt sehr gute Bildqualität.
    2. Der Außentemperaturfühler des Aufbaus zeigt nach der Fahrt falsche Werte an, sie liegen immer deutlich höher als die des FIAT-Fühlers und als die reale Temperatur. Nach längerer Standzeit stimmen die angezeigten Temperaturen. Wurde für den Fühler vielleicht ein unglücklicher Messpunkt gewählt?
    3. Viel Licht, zweckmäßig verteilt. Eigentlich gibt es gar nichts zu meckern, wenn ich aber einen Wunsch frei hätte, gäbe es noch eine Art Leselampe für die Mitfahrer von besonders empfindlichen Fahrern, denen das Hauptlicht bei Nachtfahrten zu hell ist.
    4. Die Heizung war selbst bei Minusgraden in der Nacht stark genug. Das WC verwandelt sich quasi zur Sauna, wenn bei geschlossener Tür auf 20 Grad geheizt wird.
    5. Nachdem ich endlich verstanden hatte, wie sie sich einstellen lässt, war sie perfekt-
    6. Wenn ich mir ein Wohnmobil kaufen würde, hätte es eine Heizung, die sowohl mit Gas, als auch mit Strom läuft. Strom bekomme ich ja an vielen Camping- und Stellplätzen zu einem Pauschalpreis und müsste so für die jeweilige Heiznacht nicht extra zahlen.
    7. Es ist sehr durchdacht, Starter- und Aufbau-Batterie voneinander zu trennen. Wir waren an einem Tag nach nur kurzer Fahrt früh am Ziel, hatten dort keinen Stromanschluss und Armin saß bis abends spät vor dem TV. Morgens ging dann ohne (für uns erkennbare) Vorwarnung der Strom weg. So durchdacht es ist, die beiden Batterien zu trennen, so nett wäre es, ein paar Minuten vorher mit einem akustischen Signal zu warnen.
    8. Zwischenzeitlich habe ich über einen Spannungswandler nachgedacht, um die Akkus für mein GPS und Armins Handy-Dinosaurier zu laden. Wir haben uns dann mit gekauften Batterien und längeren Restaurantbesuchen in der Nähe einer Steckdose beholfen.
  4. Wohnen
    1. Viel Stauraum, vor allem unter den Sitzen.
    2. Die drehbaren Vordersitze sind so praktisch, wenn man essen oder fernsehen will. Das ist zwar keine spezifische Besonderheit des LMC Breezer Lift H 737 G, aber trotzdem einfach klasse! (Und von meinen zwei vorherigen Begegnungen mit Wohnmobilen kannte ich solch einen Luxus noch nicht)
    3. Während der Fahrt saßen Cari und ich hinten auf der Bank. Wir beide hätten gerne einen besseren Blick aus den Fenstern gehabt, aber leider lassen sich die hübschen Vorhänge nicht auf der kompletten Breite der Fenster zur Seite schieben. Wäre es ein eigenes Fahrzeug, hätte ich sie mit Flausch und Klett versehen, sodass ich sie während der Fahrt hoch rollen könnte.
    4. Die Spaltmaße sind zu groß für ungeschickte Menschen wie uns: einer unserer Akkus für das GPS verschwand auf Nimmerwiedersehen in einem Ritz unter dem Beifahrersitz, nachdem er vom Tisch gerollt war.
    5. Der Tisch kann übrigens nicht richtig festgestellt werden. Aber das scheint ein Defekt zu sein und nicht der Regelfall, wie uns bei der Übergabe erklärt wurde.
    6. Clever gelöst ist die Frage, ob der linke Mitfahrer Beifreiheit braucht oder man eine Eckbank haben will. Einfach das Holzbrett drehen!
    7. Der Mülleimer macht mir nicht den robustesten Eindruck. Würde ich dieses Wohnmobil kaufen, könnte ich sicher sein, dass dies eines der ersten Teile wäre, die ich nachbestellen müsste.
    8. Die Kleiderhaken könnten etwas tiefer im Raum montiert sein. Bei jedem Schließen der Tür haben wir die vordere Jacke eingeklemmt.
  5. Kochen
    1. Viel Stauraum. Obwohl zwei Schubladen mit Babyfutter belegt waren, hatten wir noch reichlich Platz für Geschirr und eigene Vorräte.
    2. Drei Flammen am Gasherd! Super! Das bescherte uns manch ein leckeres Abendessen, während wir gleichzeitig für die Babys Fläschchenwasser abkochen konnten.
    3. Der Kühlschrank ist riesig und lädt richtiggehend zum Selberkochen ein.
    4. Irgendwie verstehe ich nicht, warum der Kühlschrank nur mit Gas läuft, aber ein Eisfach hat. Alles Gefrorene würde doch schmelzen, wenn man mit dem WoMo fährt und dafür das Gas abdreht.
    5. Die Spüle ist groß genug für das tägliche Spülen und das Wasser läuft sogar ab, wenn man nicht ganz genau in der Waage steht.
    6. Mit leerer Aufbau-Batterie kann man nicht einmal den Piezo-Zünder am Herd bedienen. Gut zu wissen, beim nächsten mal nehmen wir Streichhölzer mit.
  6. Körperpflege
    1. Im WC-Raum ist herrlich viel Platz für alle Badezimmerutensilien. Falls man das Fahrzeug aber zu viert nutzt, gibt es bestimmt Streit um die zwei Handtuchhaken.
    2. Die Duschtür mit einem Druckknopf zu befestigen ist eine geniale Idee.
    3. Wir haben Toilette, Waschbecken und Dusche nicht benutzt, waren aber sehr froh, dass wir sie hätten benutzen können, wenn wir weder Sanitäranlagen auf dem Stellplatz noch Büsche beim wilden Campen gefunden hätten.
    4. Besonders pfiffig finde ich die WC-Tür, die zur Schlafzimmertür wird, wenn sie ganz geöffnet wird und auf diese Weise in den zweiten Türrahmen passt.
  7. Schlafen
    1. Viel Stauraum, sogar Geheimfächer!
    2. Die hinteren Betten haben grade noch die richtige Höhe, um auch im Halbschlaf hinauf und hinab klettern zu können.
    3. Die Höhe war für uns daher auch ideal zum Wickeln der Zwillinge.
    4. Armin hatte manchmal morgens Rückenschmerzen, ich fand das Bett sehr bequem. Nicht jedes WoMo Bett hat unter den Matratzen auch Lattenroste.
    5. Ideal für uns war die Möglichkeit, mit den Zwischenstücken aus den zwei Einzelbetten eine große Liegefläche für die ganze Familie zu machen. Wir Großen schiefen außen, die Babys in der Mitte. Bei unserer Probetour schliefen wir sogar zu fünft dort, ohne uns nachts gegenseitig zu wecken.
    6. Was ich mich aber gefragt habe: warum ist das Zwischenteil kürzer als die beiden eigentlichen Betten?
    7. Dass es keine feste durchgängige Liegefläche war, hatte für mich den Vorteil, dass ich den wasserfesten Matratzenschoner (zum Schutz gegen nächtliche Bäuerchen) und das eigentliche Laken ganz unkompliziert ohne Kletteraktionen aufziehen konnte
    8. Das Hubbett gefällt mir von der Idee auch sehr gut, besser als ein Alkoven, wir haben es allerdings nicht genutzt.