Texel 2015

mizzizzippi
von Dieter & Christine

Texel 2015

23.05.2015 - 25.05.2015 - 2 Tage 330 km

AC/DC auf der Schafsinsel

06:30 Uhr Aufbruch von Aachen zu 14 Tagen Entspannung. Die Nordseeinsel Texel hatten wir uns ausgesucht, meine Frau Christine und ich, der Dieter. Ich war dort schon einmal mit meiner ersten Familie 1992, also vor 23 Jahren. Der Campingparc DeKrim im Norden, unmittelbar bei dem schönen kleinen Ort De Cocksdorp, war mir noch in bester Erinnerung. Also sollte dies unser Heim sein für uns beide und unseren Hymer, ausgestattet mit einer neuen Wohlfühlmatratze. Da sollte also unserer Erholung nichts mehr im Wege stehen. 

Die Autobahn in "Holland" hatten wir in den frühen Morgenstunden teilweise für uns allein. A2 immer geradeaus über Eindhoven, Hertogenbosch, Amsterdam. Mildes Klima - der Diesel schnurrt bei 110 km/h gemütlich vor sich hin, Christine schnarcht leise dazu, aus dem Radio tönen freundlich unverständliche Laute und ein manchmal merkwürdiger Musik-Mix. Wir sind in "Holland". Und nähern uns mal wieder unserer liebgewonnenen Nordseeküste. In genau 4 Stunden erreichen wir die Fähre in Den Helder und lassen uns ohne Halt, begleitet von einem Schwarm kunstfliegender Möwen auf die Insel tragen. Wenn das kein Urlaubsfeeling ist!!!

Die Insel Texel ist noch ein bischen anders als die sonst von uns vielbereiste Nordküste Hollands. Klar hat sie auch schöne breite Dünen wie bei Schoorl oder lange Sandstrände, wie bei Bergen oder Renesse. Aber was sie so besonders macht, das ist das entspannte Insel-Feeling, die reichhaltigere Speisekarte mit frischem Fisch oder Lamm, ja und nicht zuletzt das Texels. Das Inselbier. Ausgeschenkt wird meist das Skuumkoppe (zu deutsch Schaumkrone), ein süffig leichtes dunkles Hefeweizen. Oder Weißbier wie die Bayern sagen. 

DSC_0399.JPG

DSC_0644.JPG

Das haben wir dann auch gleich nach dem "Parken" im Pavilijon, dem hiesigen Platzrestaurant, zu uns genommen. Wobei Christine mir nicht glauben wollte, das es sich hier um Weißbier handelt, denn das mag sie ja gar nicht. Nun also doch. Texel machts möglich. Wir hatten einen schönen Wiesenplatz und um uns herum hauptsächlich Zelte von Rent-a-Tent, die aber ab Montag leer standen, so das wir den Bereich mit 11 Parzellen eine Woche lang für uns allein hatten. Auch der Caravan hinter uns war unbewohnt.

IMG_0597.JPG

Der Wind zwang uns hier und da dazu, unsere Markise wieder einzufahren. Da halfen auch die Sturmbänder und die Mittelstange wenig. Wenn es richtig heftige Böen gab, wackelte die ganze Sache doch bedenklich und die Stützen hoben trotz Erdnägeln ab. Der Boden war halt weich und sandig trotz des Rasens. Für einen solchen Urlaub, wo man länger an einem Fleck steht, bietet sich ein Vorzelt oder Markisenzelt an, um den wettergeschützten Bewegungsspielraum etwas zu erweitern. Wir nahmen uns vor, uns danach umzusehen.

26.05.2015 - 29.05.2015 - 3 Tage

Vom Leuchtturm aus die Insel erkunden

Ausgangspunkt für unsere Inseltouren und Fixpunkt für die Rückkehr war immer der schöne rote Leuchtturm an der nördlichen Inselspitze. Wir hätten dort sicher auch die gesamten 14 Urlaubstage verbringen können ohne Langeweile. Ganz im Gegenteil, die haben wir ja eigentlich gesucht. Entspannt auf einer Bank sitzen, dösen, reden, Vogelfamilien beobachten oder die Möwen und ihre Flugkünste bestaunen. Das haben wir gleich am zweiten Tag am Leuchtturm gemacht. Einfach herrlich, so ohne Sorgen in den Tag hinein zu leben. Ohne Gedanken daran, welche Aufgaben morgen noch unerledigt sind oder welche Fragen unbeantwortet blieben. 

IMG_0601.JPG

Leider sind wir nicht gleich im Robbenjager eingekehrt, sondern haben diese freundliche Location mit der besten Erdnusssoße unserer Galaxie erst entdeckt, als wir schon fast wieder heimfahren mussten. Was aber Grund genug ist, bald schon wiederzukommen. Zumal auch der danebenliegende Campingplatz - frisch renoviert und direkt in den Dünen gelegen - reizvoll erscheint. Von DeKrim ist man mit dem Rad in 10-15 min hier. Entweder über den Dünenweg oder durch Wald und Felder. Beides wunderschön!

IMG_0603_bearbeitet-1.jpg

Ganz klar! Kein Holland-Urlaub ohne Besuch in einem Strandpaviljoen direkt mit Blick aufs Meer. Dazu ein Texels, een copje coffee oder auch mal een smakelijke fischsoup. Im Schnitt sind die Restaurantpreise auf Texel schon spürbar höher als daheim. Egal ob auf dem CP, am Strand oder in De Cocksdorp. Günstiger war es da beim Griechen mitten auf der Touri-Meile von De Koog, dem einzigen Ort der Insel mit Nachtleben. Vermutlich aufgrund der zahlreichen Konkurrenz.

DSC_0392.JPG

Zur Entlastung fürs Portemonaie haben wir natürlich auch mal gegrillt. Wobei es dann in der Regel nass wurde und - nicht alles Gute kommt von oben - auch die Möwen sich sehr für unsere häuslichen Kochkünste interessierten. Die sind dort in DeKrim sowas wie die Platzwächter und sehen einfach alles. Ganz sicher auch jede achtlos hingestellte Mülltüte, die dann gründlich auf Essbares untersucht wird. Gehört schließlich zur Platzordnung. Also das man Mülltüten nicht so frei herumstehen lassen sollte ausserhalb des Zeltes oder Caravans.

DSC_0406.JPG

30.06.2015 - 03.07.2015 - 3 Tage insgesamt ca. 135 (mit dem E-Bike) km

Robben, Wind und hinaus aufs Meer

DSC_0506.JPG

Die Aufzuchtstation Ecomare für Seehunde und Robben ist auch ein Naturkundemuseum. Da gibts eine Menge zu sehen. Wir haben die etwa 17 km bis dorthin mit unseren E-Bikes zurückgelegt. Unser Hymer stand die ganze Urlaubszeit auf dem Platz. Warum sollten wir den auch bewegen. So haben wir Texel gemütlich mit dem Rad erkundet und selbst dem stärksten Gegenwind getrotzt. Das macht richtig Spass! :)

Südlich von De Koog erstreckt sich ein breites Waldgebiet, das an heissen Tagen wohltuenden Schatten spendet. Den findet man auf der Insel sonst oft nur unter Sonnenschirmen oder Markisen. Darum ist Texel für uns ideal in den Monaten Mai und Juni, wo es eben meist noch nicht so heiss ist. 

DSC_0605.JPG

Da liegt es - unser Boot! Den schönsten und wärmsten Tag hatten wir uns für unseren Besuch am Hafen aufgespart - Oudeschild. Ausnahmsweise nicht mit dem Rad, sondern per Texelhopper, einem Kleinbus, der fast wie ein Taxi funktioniert und über eine App gebucht werden kann. Sehr praktisch! Kaum angekommen haben wir erstmal eine Yacht gechartert, um zu den Seehundbänken zu gelangen und hatten anschließend bis zum Ablegen um 15:00 Uhr Zeit für ein seemännisches Lunch mit Krabben- und Matjesbrötchen. Saulegger bei Veronica! Von ihrer Terrasse aus habe ich auch das Foto gemacht. Anschließend noch maritim shoppen in der Zeilmakerij CIV Texel, Haven 15, also nicht die Touri-Shops rund um Veronica, sondern ein Stück weiter nördlich entlang des Hafenbeckens, dort wo die Profis preiswert einkaufen. Eine Fliesjacke für Christine und eine top verarbeitete Jogginghose für Dieter. Den Besuch des hiesigen Schifferei- und Heimatmuseums Kaap Skil - unbedingt empfehlenswert - haben wir dann geteilt in vor und nach der Bootstour. 

DSC_0622.JPG

Insgesamt ein sehr schöner Tag mit richtig viel Action. Waren wir ja schon fast nicht mehr gewohnt, bei der ganzen Entspannung. Sinnbild dafür war ein auf dem Rücken in der Wiese liegendes, breitbeinig schamfrei ausgestrecktes Schaf, das wir vom Bus aus sahen. Zu gern hätte ich es fotografiert. Das wäre DAS Postkartenmotiv für Texel gewesen, ich sag´s euch! ;)

04.07.2015 - 05.07.2015 - 1 Tag 80 km

Zum Abschluss noch zur Grachtenstadt

Amsterdam! Mit einem inspirierenden ADAC-Magazin hatte ich mich auf diesen Tag vorbereitet. Kulinarische Genüsse, heisses Nachtleben - Amsterdam ist wie eine schrille alte Dame hieß es dort. Einfach ohne Ziel die Grachten entlang schlendern und genießen war die Empfehlung. Na von wegen! Das sollte für zwei entspannte Insulaner an einem Samstag bei schönem Wetter noch eine besondere Herausforderung werden. Aber der Reihe nach. Erstmal ging noch alles easy und wir parkten unseren Hymer im Amsterdamer City-Camp. Das liegt direkt gegenüber dem Bahnhof Amsterdam Centraal. Dazwischen liegen ein paar hundert Meter Wasser, die man mit einer kostenlosen Fähre überquert. Das Camp ist nicht viel mehr als ein großer Schotterplatz für ca. 100 Mobile, aber dafür eingezäunt und somit sicher. Vor allem für unsere E-Bikes hinten auf dem Träger. Es gibt für längere Aufenthalte in Amsterdam auch einen zentral gelegenen CP, aber uns blieb ja nur noch ein Tag.

IMG_0622%5B1%5D.JPGIMG_0622%5B1%5D.JPG

So konnten wir ruhigen Gewissens starten, um Amsterdam zu erkunden. Langsam bewegten wir uns an breiten Grachten und vielen Hausbooten vorbei in Richtung City. Dort wurde es zunehmend lauter, enger und irgendwie stressiger. Wir liefen ständig Gefahr, von irgendeinem Zweirad über den Haufen gefahren zu werden. Zwei freie Stühle in irgendeiner der zumeist winzigen Kneipen war auch nicht zu bekommen. Oder es gab dort kein Bier, sondern nur Haschzigaretten. Irgendwie hätten wir uns in dem Moment doch jemanden gewünscht, der uns hier rausholt und unsere Wünsche erfüllt. Am gemütlichsten wäre es wohl vom Wasser aus dieses irre Treiben zu beobachten, dachten wir uns schließlich und bewunderten dabei alle Spielarten von Booten, die sich ihren Weg durch das enge Grachtennetz suchten und mit SchickiMickis, Prolls, Junggesellenabschiedsgruppen, Familien oder sonstwem besetzt waren. Eine kunterbunte Mischung jedenfalls. Irgendwann, als wir schon schreiend davonlaufen wollten, haben wir dann doch einen Platz direkt am Wasser und zwei große Bier gefunden. Die beiden Fotos habe ich von dieser "Oase" im Chaos aus gemacht. So langsam ging es uns dann wieder besser und wir realisierten, das wir als frisch relaxte Texelaner wohl hier und heute einfach fehl am Platz waren.

IMG_0623%5B1%5D.JPGIMG_0623%5B1%5D.JPG

Völlig entspannt und glücklich waren wir dann, nachdem wir das letzte Ausflugsschiff verlassen hatten und Amsterdam lebewohl sagten. Zuvor hatten wir noch einen winzig kleinen, aber sehr herzlichen familiären Italiener entdeckt, wo wir mit göttlicher Antipasti und Pasta verwöhnt wurden. Das Ristorante nennt sich "Piccolo Mondo". Also doch: Ende gut - alles gut! Ein wundervoller Urlaub mit meiner wundervollen Frau. Das müssen wir bald wiederholen.