Winterreifen für Wohnmobil und Wohnwagen

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von FREEONTOUR

Winterreifen für Wohnmobil und Wohnwagen

Auch im Winter möchte man sicher mit seinem Camper fahren können - welche Bereifung ist dafür notwendig und wo darf man damit fahren?

„Von Oktober bis Ostern...“ - wohl jeder kennt diese Merkhilfe für die Winterreifen-Saison, wenn es um den eigenen Pkw geht. Und was für das Auto gilt, hat auch für Reisemobile, Camper Vans und Wohnwagen Bedeutung – zumindest wenn sie in der kalten Jahreszeit zum Einsatz kommen sollen.

Das bedeutet die situative Winterreifenpflicht in Deutschland

Seit dem Winter 2010/2011 sind in Deutschland Winterreifen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte Pflicht – und zwar an allen Rädern. Wer unter solchen winterlichen Straßenbedingungen mit Sommerreifen unterwegs ist, muss mit 60 Euro Bußgeld rechnen. Behindert er den Straßenverkehr durch die falsche Bereifung, werden sogar 80 Euro fällig - und einen Punkt in Flensburg gibt's in beiden Fällen gratis oben drauf. Außerdem kann die Kaskoversicherung bei einem Unfall teilweise oder ganz die Zahlung verweigern, wenn fehlende Winterreifen Ursache des Unfalls gewesen sind. 

Wer jedoch sein Reisemobil oder Pkw bei Schnee und Eis mit Sommerreifen lediglich parkt und auf die Schmelze wartet, muss keine Konsequenzen fürchten. Für Anhänger und Caravan fordert der Gesetzgeber zwar generell keine Winterreifen, aus Sicherheitsgründen empfehlen alle Experten aber dennoch dringend, auch Wohnwagen, mit denen es auf Winterurlaub gehen soll, mit Winterreifen auszurüsten.

Unterschiede Sommerreifen und Winterreifen 

Wie gravierend die Sicherheitsvorteile von Winterreifen sind, belegen Bremstests: Ein durchschnittlicher Pkw benötigt mit Winterreifen rund 35 Meter, um auf schneebedeckter Fahrbahn aus 50 km/h zum Stillstand zu kommen. Mit Sommerreifen wächst der Bremsweg auf 43 Meter an. Das hat fatale Folgen: Im Ernstfall träfe in diesem Vergleich der Wagen mit Sommerreifen noch mit 22 km/h auf ein Hindernis, während das Fahrzeug mit Winterreifen bereits steht. Um diese Vorteile zu erreichen, verfügen Winterreifen über eine kältetaugliche Gummimischung mit einem hohen Anteil an Silica oder Naturkautschuk. Das hält sie auch bei tiefen Temperaturen geschmeidig genug, um selbst unter diesen Bedingungen genügend Grip aufbauen zu können. Sommerreifen verhärten dagegen bei Kälte, was zu einer Verringerung der Fahrbahnhaftung führt. Darüber hinaus steigern die zahlreichen Lamellen in den Profilblöcken der Winterreifen die Haftung bei Glätte weiter.

Aktuelle Kennzeichnung von Winterreifen

Bei Winterreifen, die bis Ende 2017 hergestellt worden sind, genügt die inzwischen ausgelaufene „M+S“-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) an der Reifenflanke. Diese unterliegt jedoch keiner gesetzlichen Prüfung und konnte von den Herstellern nach eigenem Gutdünken vergeben werden. Deshalb wurde bereits 1996 das Schneeflockensymbol eingeführt: eine von einem Berg mit drei Gipfeln eingerahmte Schneeflocke – genannt „Three Peak Mountain Snow Flake“. Ein Reifen mit diesem Gütesiegel muss zuvor eine genormte Prüfung mit definierten Kriterien bestehen. Bei allen ab 2018 hergestellten Winterreifen ist das Schneeflocken-Symbol obligatorisch. Ältere Winterreifen mit M+S-Kennzeichnung dürfen aber noch bis zum 30. September 2024 weiterverwendet werden.

Gibt es spezielle Winterreifen für Wohnmobile und Camper Vans?  

Reisemobile und schwerere Wohnwagen erfordern aufgrund ihrer hohen Radlasten spezielle Reifen – auch im Winter. Außerdem erreichen speziell Camper Vans oft Geschwindigkeiten, die früher nur Pkw vorbehalten waren. Entsprechend müssen Transporterreifen gewählt werden, die über die nötige Tragkraft und entsprechend hohe Geschwindigkeitsreserven verfügen. Im Idealfall sollten diese Angaben auf den Reifen mit denen in den Fahrzeugpapieren übereinstimmen. Sowohl bei der Traglast als auch bei der zulässigen Geschwindigkeit ist es aber wie so oft im Leben: Es darf gern ein bisschen mehr sein. Es ist also kein Problem, wenn Reifen mit einem höheren Load- oder Speedindex montiert werden. 

Problematisch wird es aber, wenn diese Faktoren zu niedrig berechnet werden. Bei Reifen mit einem zu niedrigen Speedindex gibt es allerdings eine Möglichkeit, trotzdem gesetzeskonform unterwegs zu sein: Sind die Pneus als Winterreifen gekennzeichnet, dürfen sie trotzdem montiert werden, wenn ein entsprechender Warnaufkleber auf dem Armaturenbrett im Sichtfeld des Fahrers angebracht ist. Diese Umrüstung erfordert aber ein gerüttelt Maß an Selbstdisziplin: Die Höchstgeschwindigkeit, für die die Pneus zugelassen sind, muss konsequent eingehalten werden! Zusätzlich sollte vor jeder Umrüstung auf Winterreifen die ausführliche Beratung durch einen Fachhändler erfolgen.

Sind Ganzjahresreifen eine Alternative für Camper? 

Die situative Winterreifenpflicht in Deutschland hat in den vergangenen Jahren für einen Boom der Ganzjahresreifen gesorgt. Denn diese bieten sich speziell bei Fahrzeugen mit geringer Jahresfahrleistung als Alternative zum halbjährlichen Umrüsten von Sommer- auf Winterreifen und wieder zurück an. Auch sie verfügen über das Schneeflocken-Symbol, das sie prinzipiell zu einer gesetzeskonformen Winterbereifung macht. Technisch sind sie aber so ausgelegt, dass sie auch in der heißen Jahreszeit ihren Dienst verrichten. Solche Ganzjahresreifen für Transporter und Reisemobile hat inzwischen nahezu jeder namhafte Reifenhersteller im Programm.

Zu beachten ist aber: Ganzjahresreifen sind keine Alleskönner! Vielmehr stellen sie einen Kompromiss dar - beispielsweise für all diejenigen Camper, die in Gefilden wohnen, in denen winterliche Straßenverhältnisse eher selten vorkommen und bei denen Fahrten auf Eis und Schnee im Zweifelsfall auch verschoben werden können. Für all diejenigen, die mit ihrem Wohnmobil beispielsweise zum Wintercamping in die Berge fahren möchten, stellen Ganzjahresreifen eher selten eine Alternative dar.

Darüber hinaus spielt es natürlich auch eine Rolle, welche Vorschriften in Sachen Winterreifen im jeweiligen Reiseland beziehungsweise Transitland gelten. Hier folgt eine kurze Übersicht unserer europäischen Nachbarn: 

Regelungen zur Winterreifenpflicht in Europa 

In Europa gibt es keine einheitliche Regelung zur Winterreifenpflicht. Während manche Länder eine allgemeine Winterreifenpflicht für bestimmte Zeiträume festgelegt haben, gilt in anderen Ländern - wie in Deutschland - lediglich die situative Winterreifenpflicht und in anderen Ländern wiederum gar keine. Die folgende Auflistung gibt einen kurzen Überblick. Wie die Regelungen für das jeweilige Land im Detail aussehen, sollte vor einer Winterreise aber auf jeden Fall noch einmal aktuell beim jeweiligen Reiseland überprüft werden. 

Österreich: Winterreifenpflicht vom 1. November bis 15. April bei „winterlichen Fahrbahnverhältnissen“. Mindestprofiltiefe 4 mm. Alternativ Schneeketten bei durchgehend mit Schnee bedeckter Fahrbahn.  

Schweiz: Keine allgemeine Winterreifenpflicht, jedoch eine deutliche Empfehlung. Schneeketten - und bisweilen auch Winterbereifung - können jedoch in bestimmten Gebieten durch Schilder vorgeschrieben werden.

Italien: Keine landesweite Winterreifenpflicht, in einigen Regionen Italiens herrscht aber vom 15. November bis 15. April Winterreifenpflicht. In diesem Zeitraum müssen auch Schneeketten im Auto mitgeführt werden. Außerdem kann der Einsatz von Winterreifen für bestimmte Strecken oder Regionen kurzfristig angeordnet werden.  

Frankreich: Keine generelle Winterreifenpflicht, doch kann deren Einsatz für bestimmte Strecken per entsprechender Beschilderung vorgeschrieben werden.

Luxemburg: Winterreifenpflicht bei Schnee, Matsch, Glatteis oder Reif.

Ungarn: Keine Winterreifenpflicht, aber das Mitführen von Schneeketten kann für bestimmte Strecken angeordnet werden.

Tschechien: Situative Winterreifenpflicht vom 1. November bis 31. März bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen für alle Hraftfahrzeuge bis 3,5 t. Die Mindestprofiltiefe beträgt 4 mm.  

Finnland: Winterreifenpflicht vom 1. Dezember bis 28. Februar für alle Kraftfahrzeuge bis 3,5 t. Diese Pflicht besteht bei Gespannen auch für gebremste Anhänger. In der nordfinnischen Region Lappland sind Winterreifen von Mitte Oktober bis Ende April vorgeschrieben. Die Mindestprofiltiefe beträgt generell 3 mm, empfohlen werden jedoch mindestens 5 mm. Dies gilt auch für Ganzjahresreifen, die mit dem Schneeflockensymbol oder dem M+S-Symbol versehen sind. Schneeketten sind in Finnland nicht üblich, können jedoch bei Bedarf auf die Winterbereifung aufgezogen werden. Spikesreifen dürfen in Finnland zwischen dem 1. November und dem ersten Montag nach Ostern gefahren werden. 

Norwegen: Für Fahrzeuge bis 3,5 t besteht keine generelle Winterreifenpflicht, aber eine ausdrückliche Empfehlung. Bei Schnee oder Glatteis sind in Verbindung mit Sommerreifen auf jeden Fall Schneeketten zu verwenden. Winterreifen müssen eine Profiltiefe von mindestens 3 mm haben. Für Fahrzeuge und Gespanne über 3,5 Tonnen gilt eine generelle Winterreifenpflicht vom 15. November bis zum 31. März. Die Mindestprofiltiefe beträgt für diese 5 mm. 

Schweden: In Schweden wurden die Regeln in Sachen Winterreifenpflicht zum 1. Juni 2019 noch einmal verschärft: Nun gilt auch für im Ausland zugelassene Fahrzeuge und Anhänger vom 1. Dezember bis 31. März die Winterreifenpflicht bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen. Die Mindestprofiltiefe beträgt für Fahrzeuge und Anhänger bis 3,5 t Gesamtgewicht 3 mm. Alternativ sind Schneeketten oder Spikereifen erlaubt. Kraftfahrzeuge und Anhänger über 3,5 t müssen seit 2019 vom 1. Dezember bis 31. März auf allen Rädern mit Winterreifen ausgestattet sein. Zuvor war dies nur für die Antriebsachsen vorgeschrieben. Die Mindestprofiltiefe beträgt für diese 5 mm. Außerdem sind das Mitführen von Antifrostschutzmittel und einer Schneeschaufel für jeden Autofahrer verpflichtend.

Niederlande: Keine Winterreifenpflicht. Da allerdings Schneeketten und Spikereifen generell verboten sind, empfehlen sich mindestens Ganzjahresreifen. Alternativ sollte man das Fahrzeug bei winterlichen Straßenverhältnissen lieber stehen lassen. 

Belgien, Dänemark, Polen, Großbritannien: Keine Winterreifenpflicht, aber empfohlen. Sind Straßen durchgängig oder fast durchgängig mit Schnee oder Eis bedeckt können statt Winterreifen auch Schneeketten aufgezogen werden. 

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