Solo-Wildniscampen für Einsteiger

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Solo-Wildniscampen für Einsteiger

6 wichtige Sicherheitsregeln

Allein, nur mit sich, dem Zelt/Camper und der Natur, ist Campen in seiner vielleicht bewusstseinserweiterndsten Form. Doch selbst nur einige wenige Kilometer abseits der Zivilisation bestehen bereits Gefahren, die verstärkt zutage treten, wenn man allein unterwegs ist. Daher sollten besonders echte Anfänger unsere folgenden Ratgeber-Punkte minutiös beachten, von ihnen können Leib und Leben abhängen.


1. Nie ohne Handy(netz)

Warum geht man solo-wildniscampen? Doch auch, damit man mal Ruhe vor allen menschlichen Störungen hat. Doch so verständlich das auch ist, als Anfänger (und auch Profi) sollte man nie ohne Handy gehen und idealerweise nirgendwohin, wo man keinen Empfang mehr hat, eine der wichtigsten Alleincamper-Regeln

Dazu muss man keine Wildtierangriffe bemühen. Es reicht schon, unglücklich umzuknicken und sich den Knöchel zu brechen. Ohne Handy wird’s dann wirklich lebensgefährlich. Man muss das Handy auch nicht dauernd eingeschaltet lassen, schon wegen der Akku-Lebensdauer, falls man keine Lademöglichkeit hat. Bloß dabei haben sollte man es. Wenn man sein Camp aufschlägt, sollte auch ein Test-Anruf obligatorisch sein, damit man im Notfall keine üble Überraschung erlebt.


2. Standort senden

„Der Teufel ist ein Eichhörnchen“ sagt ein Spruch. Er bedeutet so viel wie, dass Unglücke meist von der unerwarteten Sorte sind. Gerade um denen entgegenzuwirken, sollte man, am Lagerplatz angekommen, sich eine Funktion der Smartphone-Welt zunutze machen: Den geographischen Standort an jemand anderen senden. Das geht Betriebssystem-unabhängig per WhatsApp.

Auch das ist nur eine Maßnahme für den Fall der Fälle, damit selbst dann noch bekannt ist, wo man exakt ist, wenn der Akku leer ist und man das Handy nicht mehr orten kann. 


3. Löschmittel bereit

Dass man selbst im kleinsten Camper auf der Ladefläche eines Pick-Ups einen ABC-Löscher dabeihaben sollte, versteht sich (hoffentlich) von selbst. Doch selbst wer zu Fuß unterwegs ist, sollte sein Lagerfeuer niemals ohne Löschmittel betreiben.

Dazu muss man keinen Mini-Löscher ins Gepäck stecken. Nachdem man seinen Feuerring mit einem Steinkreis gesichert hat, geht man wie folgt vor:

1. Das Gras ca. 50 cm rings um die Steine entfernen (Grassode entfernen).

2. Ein Loch graben und dessen Inhalt auf einem Haufen dicht neben dem Feuer aufschichten.

3. Den Erdhügel mit der Schaufel auflockern, sodass man ihn gut aufnehmen kann. Wurzeln und Steine entfernen.

Sollte das Lagerfeuer für das leckere Camperfrühstück außer Kontrolle geraten, schippt man einfach die Erde darüber. Das sollte man übrigens auch grundsätzlich tun, wenn man den Trip beendet und die Heimreise antritt.

4. Blick auf den Boden

Herrliche Ecke, tolle Aussicht, ebener Untergrund. Sieht perfekt aus, da stellt man doch gerne Camper oder Zelt auf, oder? Ja, das kann passen. Allerdings kann man sich damit auch in die Nesseln setzen. Denn was gut aussieht, kann bei stärkerem Regen zum Problem werden, wenn dort Wassermassen entlangschießen. Zur „Standort-Beurteilung“ sollte daher die Suche nach Wasser-Ablaufspuren im Umkreis gehören. Man erkennt sie daran, dass hier Steine, feiner Sand usw. liegen, wo sie eigentlich nicht hingehören, etwa auf einer Wiese.


5. Gewitterschutz ist oberste Camperpflicht

In Deutschland liegt die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden, zwar nur bei eins zu 20 Millionen. Allerdings haben Gewitter auch noch einige sehr unangenehme Begleiterscheinungen (etwa die im vorherigen Kapitel erwähnten Wassermassen-Sturzbäche), die in der Summe zu einem viel größeren Risiko werden. Das bedeutet, dass Gewitterschutz ein ganzheitliches Schutzkonzept sein muss. 

Oberste Regeln:

1. Nie auf dem höchsten Punkt einer Anhöhe campen

2. Niemals in trockenen Bachbetten campen (Sturzbach)

3. Zelt/Camper von einzeln stehenden oder besonders hohen Bäumen entfernt halten

4. Zelt/Camper generell nie direkt unter Bäume stellen (Gefahr durch herabfallende Äste)

Wenn es donnert und blitzt, ist jeder Camper der beste Schutz, da er auf Gummireifen steht. Im Zelt indes hat man diesen Schutz jedoch nicht. Da sollte man alle Metallgegenstände entfernen und in der Zeltmitte auf der Isomatte oder einer gefalteten Plastikplane eine hockende Position mit geschlossen beieinanderstehenden Füßen einnehmen.

6. Essen hoch

Vor allem Wildschweine sind nicht nur in Massen vorhanden, sondern auch eine ziemlich gefräßige und zudem gefährliche Plage, die Menschen schwer verletzen kann. 

Abermals gilt hier: Im Camper ist es am sichersten. Aber auch dort und sowieso im Zelt sollte man ein paar Regeln beachten.

1. Keine offenen Lebensmittel außerhalb der Mahlzeiten. Der Geruch lockt Tiere (vor allem Insekten, aber eben auch Wildschweine) an. Alles sollte in Dosen oder Beuteln stecken.

2. Speisereste nicht einfach zum Verrotten in den nächsten Busch kippen. Idealerweise mindestens einen Meter tief vergraben. Das gilt auch für das (spülmittelfreie) Wasser, mit dem man sein Besteck abspült.

3. Am besten gar keine Nahrungsmittel im Zelt haben. Besser ist es, alles in einen Beutel zu stecken. Den bindet man an ein Seil, welches man über einen Ast wirft und sein „Lunchpaket“ somit in mindestens drei Meter Höhe zieht. 

Falls man dennoch eine „unheimliche Begegnung der wildschweinischen Art“ hat: Sich groß machen, laut schreien und vorsichtig den Rückzug antreten.