Naturerlebnis mit alpinem Flair

geschrieben am 01.04.2015, von Dethleffs Dethleffs Destinationen Entdecken Ratgeber Aktiv Städte & Kultur

Im Trentino in Norditalien, in der Region zwischen Gardasee und Dolomiten, liegt das grüne Tal Valsugana.

Die blaue Fahne weht im Wind, sie ist eine Auszeichnung für die gute Wasserqualität der Seen von Caldonazzo und Levico und prämiert darüber hinaus die Gemeinden am See, die sich für eine umweltfreundliche Verwaltung und nachhaltigen Tourismus einsetzen. Die Fahne verspricht das, was der Besucher hier im Valsugana erwartet: klares Wasser, das von Mai bis September zum Baden oder zum Wassersport einlädt. Die fünf Kilometer des Caldonazzosees, er ist der größte, ganz im Trentino liegende See, kann man zum Beispiel mit dem Segelboot, mit dem Kanu oder warum nicht auch schwimmend durchqueren. Entspannung findet man dann bei einem Sonnenbad und einem Cappuccino an den gut ausgestatteten Stränden. Einige Abschnitte eignen sich besonders für Familien mit Kindern, denn es gibt Spielplätze, flaches Wasser und Grünflächen am Strand, die zum Spielen und Toben einladen.

Wer es lieber trocken auf zwei Rädern mag, der kann direkt vom Caldonazzosee aus losfahren und den wunderschönen Radweg ausprobieren, der am Fluss Brenta entlang über 80 Kilometer bis nach Bassano del Grappa führt und am Wegesrand die Kultur, Geschichte und die atemberaubende Landschaft der beiden Regionen Trentino und Venetien zeigt. Da er am See beginnt, erreicht man ihn ganz bequem von den Campingplätzen aus, ohne vorab einen Parkplatz suchen zu müssen. Anstrengende Steigungen gibt es keine, der Radweg verläuft eben im Tal und eignet sich bestens für die ganze Familie.

Wer nicht die ganze Strecke abradeln oder wer nicht den gleichen Weg zurückfahren möchte, der kann im Juli und August den Service Bike und Bahn in Anspruch nehmen und hat somit die Möglichkeit, für den Heimweg den Zug zu nehmen, der bis zu 32 Räder transportiert. Oder man leiht sich ein Rad, fährt ein Stück den Radweg entlang und gibt das Bike dann an einer der Mietstationen ab. Zurück geht es dann wieder ganz bequem mit dem Zug.

Für den gesamten Radweg braucht man circa sieben Stunden. Erholung findet man zwischendurch auf der Tour in den Bicigrills, den kleinen Raststationen am Wegesrand. Der Radweg ist ein optimaler Verbindungsweg zwischen den verschiedenen Ortschaften im Tal, von denen aus man dann wiederum die Möglichkeit hat, mit dem Mountainbike hinauf in die Berge zu fahren. Es gibt jede Menge per GPS-Navigation aufgezeichnete Routen unterschiedlichen Anspruchs. Sie gehören zum Streckennetz Dolomiti Lagorai Bike.

Die Bikesaison ist auch hier in Norditalien relativ lang, denn man kann dank des milden Klimas vom Frühjahr bis in den Herbst hinein radeln. Die Touren reichen von einer einfachen Runde um die beiden Seen bis zur Uphillstrecke auf den höchsten Gipfel der Gegend, den Cima d’Asta. Auch Rennradfans oder E-Biker kommen keinesfalls zu kurz, interessante Touren und die entsprechenden Verleih- und Akkuwechselstationen der E-Bikeflotte von movelo machen jeden Gipfel zu einem interessanten und vor allem erreichbaren Ziel.

Mittwochs lohnt es sich, eine der charakteristischen Ortschaften des Tals, Borgo Valsugana, kennenzulernen, denn dann ist dort Markttag. Im Ortszentrum auf dem Marktplatz herrscht buntes Treiben mit zahlreichen Ständen, an denen man von Obst und Gemüse bis hin zu Kleidung alles findet. Schön ist es auch, sich in einem der Cafès am Platz einen Cappuccino schmecken zu lassen und dem Marktleben zuzuschauen. Beim Flanieren durch den Ort, unter den Lauben am Fluss Brenta, fühlt man sich wie in Venedig, besonders wenn man hier über die venezianische Brücke schlendert. Nicht nur aus diesem Grund wird Borgo Valsugana auch „la piccola Venezia“, das kleine Venedig, genannt.

Den richtigen Ausgleich zur Shoppingtour findet der Urlauber etwas außerhalb: Die Kunstausstellung Arte Sella ist ein weiteres Highlight des Tals. Bei einem Spaziergang durch den Wald des Sellatales stößt man auf außergewöhnliche Kunstobjekte, bei denen keine künstlichen Materialien zum Einsatz kommen, sondern aus Steinen, Blättern und Zweigen dreidimensionale Werke entstehen. Die sind Ausdruck der Beziehung des Künstlers zur Natur und schenken dem Besucher einen wunderschönen Nachmittag unter freiem Himmel. Eine kurvige Bergstraße führt hierher, die man aber mit dem Camper zurücklegen kann. Parkmöglichkeiten gibt es zwei: eine am Anfang des Wanderweges Arte Natura, direkt am Bach Moggio, in der Nähe der Strobele-Brücke. Gleich hier beginnt der Naturwanderweg, der sich drei Kilometer durch den Wald schlängelt und das ganze Jahr über mit den vielen wunderschönen Kunstwerken begeistert. Alternativ fährt man bis zum letzten gut ausgeschilderten Parkplatz und besichtigt den Bereich der Malga Costa, wofür man circa 45 Minuten benötigt.

Wer noch mehr Kunst und Kultur sucht, der findet in Pergine Valsugana mit seiner mittelalterlichen Burg, Castello di Pergine, einen Ort der Begegnung mit vielen kulturellen Veranstaltungen. Erreichbar ist das Castello bei einem angenehmen Spaziergang vom unterhalb des Schlosses gelegenen Parkplatz aus. Verena und Theo heißen ihre Gäste nun schon seit 23 Jahren willkommen. Mit ihrer Gastfreundschaft, der Gastronomie, den wechselnden Kunstausstellungen und den Konzerten sorgen sie dafür, dass die mittelalterliche Burg zu den interessantesten Ausflugszielen des Valsugana gehört.

In der Regel stehen hier große Skulpturenausstellungen eines bekannten Künstlers im Mittelpunkt. Auch dieses Jahr kann sich der Besucher vom 18. April bis zum 8. November an den 20 Eisenskulpturen von Robert Schad erfreuen. Bei den „DomeniCastello“ hingegen gibt es an jedem ersten Sonntag des Monats einen Aperitif mit musikalischer Untermalung. Castello di Pergine ist in jedem Fall einen Ausflug wert, ob man hier ein Konzert genießt, in den mittelalterlichen Sälen speist oder die Kunstwerke besichtigen möchte, ein Spaziergang zum Schloss lohnt sich. Vom Hügel aus hat man zudem einen herrlichen Blick in die Ebene von Pergine und auf die Zacken der Brenta-Dolomiten.

Geschichtsträchtig wird es hingegen in Levico Terme. Das Festungswerk Forte delle Benne ist ein wichtiges Zeugnis aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Solche imposanten Forts aus dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gibt es einige hier in der Gegend, sie sollten das österreichisch-ungarische Reich nach Süden absichern. Trekking und Geschichte spielen auch auf der Hochebene von Vezzena eine wichtige Rolle. Hier gibt es zwei weitere Festungen, das Werk Busa Verle und das Werk Pizzo di Levico. Sie erreicht man bei einer schönen Trekkingtour auf den Gipfel Pizzo di Levico, der eine wunderschöne Sicht auf beide Seen freigibt. Die Hochebene ist übrigens über Lavarone auch mit dem Caravan und dem Reisemobil leicht zu erreichen. Der Kaiserjägerweg hingegen, der direkt von Levico Terme auf das Plateau führt, ist sehr schmal, denn er wurde schon im ersten Weltkrieg gebaut, damals, als es noch keine Urlauber gab, die mit dem Freizeitfahrzeug hinauffahren wollten.

Nach dem Ausflug in die Geschichte findet man im Kurort Levico Terme Entspannung. Das Wasser entspringt in 1.500 Metern Höhe in einer Grotte auf dem Monte Fronte in Vetriolo Terme, wo es ebenso eine Therme gibt, übrigens die höchste Europas. Das Wasser zeichnet sich durch eine hohe Mineralkonzentration aus und wirkt hoch desinfizierend und entzündungshemmend. Es soll heilsam für die oberen Atemwege, bei Schuppenflechte, bei Rheumatismen und bei Angstzuständen wirken. Hier kann man bei Beschwerden Bäder, Fanghi und Inhalationen machen. Die Kuren erfolgen unter ärztlicher Aufsicht.

Oder man gönnt sich bei leckerem Bergkäse eine kleine Pause. Wie wäre es mit Käse aus der Milch einer Kuh, die man persönlich kennenlernen kann? „Adoptiere eine Kuh“ heißt eine Initiative des Tourismusverbandes, bei der man erfährt, wie auf der Alm Käse hergestellt wird. Den fertigen Käse bekommen die Kuh-Paten dann mit nach Hause und können so noch lange ein Stück Urlaub genießen. Die außergewöhnliche Patenschaft vermittelt der Tourismusverband. Den Käse kann man sich bei einer Reise ins Valsugana von Juni bis September und einem Besuch auf der Alm selbst abholen.

Saubere Luft, unberührte Natur und die unterschiedlichsten Wanderrouten warten im Gebiet der Lagorai-Bergkette. Auf ihren 50 Kilometern Länge bleibt kein Wanderwunsch unerfüllt. Wer es mag, der kann sogar für mehrere Tage dem Alltag entfliehen, die Seele baumeln lassen und bei beeindruckenden Touren in Hütten übernachten und so auf eine suggestive Art die Berge genießen. Schön sind beispielsweise die Wanderungen, die vom Berg Panarotta aus starten, den man von Levico Terme ganz leicht erreichen kann.

Wer das Spontane liebt, kann sich ebenfalls auf den Internetseiten des Tourismusverbandes inspirieren lassen, denn dort ist eine regelrechte „Jukebox an Erfahrungen“ zusammengestellt. Die Bandbreite reicht von Almbesuchen über Gleitschirm fliegen bis hin zu Trekkingtouren mit eigenem Guide – ein bunter Fächer an Aktivitäten, der in einem personalisierten Urlaubsprogramm zum Ausdrucken mündet. Das Wetter sollte bei all den Unternehmungen kein Hindernis sein, denn es ist typisch italienisch und somit absolut urlaubstauglich. Von Mai bis September ist es in dieser Region an den allermeisten Tagen so mild, dass gebadet werden kann. Und wenn der Himmel doch mal bedeckt sein sollte, ist das ideal für einen Tagesausflug nach Venedig oder Verona. Berge, Seen, Natur und Kultur – das Valsugana will einfach entdeckt werden und belohnt den Reisenden mit den vielfältigsten Eindrücken.

Für weitere Informationen:

Infos zu Trekking, Bike, Seen, Adoptiere eine Kuh und Sehenswürdigkeiten der Region finden sich auf der Website des Tourismusverbandes ­Valsugana www.visitvalsugana.it bzw. www.livelovevalsugana.it

Freiluft-Kunstausstellung Arte Sella: www.artesella.it

Castello di Pergine: www.castelpergine.it

An den Seen von Caldonazzo und Levico, sowie im Gebiet der Lagorai-Bergkette gibt es Campingplätze mit unterschiedlich großen Stellplätzen und jeglichem Komfort. Alle Infos zu den Campingplätzen auf www.visitvalsugana.it/openair

Bildunterschriften:

Das beeindruckende Castello di Pergine lässt das Mittelalter aufleben. Den Besucher erwarten nicht nur beeindruckende Festungsmauern, sondern auch ein Restaurant mit phantasievoller, regionaler Küche sowie Kunstausstellungen und Konzerte.

Der kleine, sehr idyllisch gelegene Campingplatz Fleiola, direkt am Ufer des Caldonazzo-See, verfügt über mehr als 300 Meter Privatstrand.

Malerischer Ausblick in Valsugana: links liegt der Caldonazzosee, rechts derLevicosee – beide laden mit hervorragender Wasserqualität zum Baden ein.

Foto: Tappainer

Foto: Arte Sella-Giacomo Bianchi

Foto: Storytellers

Foto: B. Mancini

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