Jakobsweg im Wohnmobil

geschrieben am 15.12.2015, von Dethleffs Dethleffs Aktiv Entdecken Ratgeber Traumstraßen Städte & Kultur Caravan & Reisemobil

Ernesto Kägi aus Mutschellen (Schweiz) "pilgert" den Jakobsweg mit dem Reisemobil - und erzählt uns seine Geschichte und gibt wertvolle Tipps für Nachahmer.

Conques, einer der idyllischsten Orte entlang dem französischen "camino" (GR 65)

Vorgeschichte

2007 haben meine Frau und ich als Pilger von Genf bis Le Puy en-Velay während drei Wochen auf dem ‘camino de Compostela‘, dem GR 65, auf den Spuren des St-Jacques gepilgert. Ein einmaliges Erlebnis, welches uns immer in starker Erinnerung bleiben wird.

Begeistert haben wir uns damals vorgenommen, nach meiner Pensionierung im Frühling 2015 den ganzen Weg von ca. 2‘500km vom Herzen der Schweiz bis nach Santiago de Compostela und weiter bis zum Cap Finisterra am Atlantischen Ozean zu wandern. Wir wollten uns dafür etwa vier Monate Zeit nehmen.

Einen 9-tägigen Test auf dem Schweizer Jakobsweg von Einsiedeln bis Fribourg in der Osterwoche 2015 mussten wir dann allerdings nach sechs Tagen in Thun abbrechen. Unsere Beine signalisierten uns, dass unser Vorhaben für uns doch des Guten zuviel war. Viele Asphalt-Abschnitte entlang der signalisierten Strecke trugen das ihre zu unseren Knie- und Fuss-Schmerzen bei. Schweren Herzens mussten wir unser Projekt begraben.

“Ultreïa“ mit dem Wohnmobil

Mit “Ultreïa“ grüssen sich Jakobsweg-Pilger. Der Gruss bedeutet etwa soviel wie “Mutig voran!“ Anfangs Mai 2015 wurde unserem Projekt plötzlich wieder Leben eingehaucht. Mit der Übernahme eines fast neuen “Advantage“-Wohnmobils bei der McRent Station am DETHLEFFS-Firmenhauptsitz in Isny im Allgäu begann unser Jakobsweg-Abenteuer doch noch. Die Vorfreude bei der Routen-Grobplanung – wir hatten das Wohnmobil sechs Wochen zu unserer Verfügung – war riesig.

Ja, warum eigentlich nicht mit dem Wohnmobil oder einem Wohnwagen? Ohne die echten Pilger auf ihren Fusswegen zu stören, kann man ja auch so die wunderschönen Orte entlang dem GR 65 besuchen. Ohne sich strikt an den mit Jakobsmuscheln markierten Weg zu halten und erst noch mit dem Vorteil, dass nicht alles im Detail geplant werden muss. Eine Grobplanung reicht vollauf.

So überquerten wir Anfangs Mai 2015 gespannt die schweizerisch-französische Grenze in Genf und rollten durchs Rhonetal der Gross-Stadt Lyon entgegen, welche man ja sonst meistens über die Autobahn grossräumig in Richtung Marseille ans Mittelmehr umfährt. Lyon mit seiner malerischen Altstadt ist wirklich einen Halt wert. Am Stadtrand hat es auch einen komfortablen Campingplatz, von wo aus mit ÖV die Cité bequem erreicht werden kann.

Le Puy, Conques, Cahors, Moissac – Traumorte am franzuösischen «chemin de Compostelle»

Viel gibt es zu entdecken entlang dem GR 65 durchs französische “massif central“: malerische Städtchen mit wunderschönen Wochenmärkten, Kirchen und andere historische Gebäude, typisch französische Cafés, fantastische Restaurants, Flusslandschaften mit alten Brücken usw. usw. Für uns der schönste Jakobsweg-Abschnitt in Frankreich führt von Le Puy en-Velays über Conques, Cahors nach Moissac. Geschichtsträchtige Destinationen zum Verweilen und Jakobsweg-Athmosphäre zu schnuppern. Hier lohnt es sich auch, einmal zwei Tage zu bleiben, denn es gibt so viel zu entdecken.

Abstecher nach Lourdes – Überquerung der Pyrenäen

Dort, wo die meisten Pilger zwischen dem französischen St-Jean Pied-de Port und dem spanischen Roncesvalles an einem Tag die Pyrenäen überqueren, ist die Fahrt mit dem Wohnmobil eher schwierig. Östlich davon gibt es jedoch verschiedene Möglichkeiten. Wir haben diejenige durch den Tunnel von Vielha, südlich von Tarbes bzw. Toulouse, gewählt. Wir sind damit gut gefahren. Der 120 PS FIAT-Motor des 3,5t schweren “Advantage“ hat diese Bergstrecke ganz locker geschafft.

Den kleinen Umweg abseits vom Jakobsweg haben wir benutzt, um in Lourdes eine Marien-Verehrungs Andacht, welche v.a. im Mai stattfinden, einmal hautnah und persönlich zu erleben. Es war sehr eindrücklich und hat sich gelohnt.

Die Nord-spanischen Landschaften, Städte und Dörfer

Aragonien, Navarra, La Rioja, Kastilien, Galizien – wohlklingende spanische Namen. Es sind die Provinzen, welche wir in Nordspanien von Ost nach West bereist haben.

Hier, in diesen schier endlosen Landschaften, wird besonders deutlich, welche unglaubliche Leistung die “perregrinos sul camino“ leisten, Sack und Pack stets am Rücken. Hut ab vor diesen Pilgern, unter welchem Motivations-Titel sie seit Jahrtausenden auch immer unterwegs sind!

In Pamplona, wo jeweils einmal jährlich in den engen Gassen junge Männer vor wilden Stieren her laufen, haben wir uns einen Abend lang mit Häppchen durch die legendären “Tapas Bars“ gegessen und getrunken.

Auf dem nächsten Abschnitt über Puente la Reina – Estella – Los Arcos nach Logroño hat uns insbesondere das Brücken-Dorf Puente la Reina sehr gefallen. An solchen Orten kommt man in Cafés oder Restaurants auch sehr einfach mit Pilgern aller Herren Länder ins Gespräch. Es ist das nordspanische Landwirtschafts-Gebiet, in welchem sich Kornfeld an Kornfeld reiht.

Dann wechselt Getreide mit Reben – wir sind im bekannten Rioja-Gebiet. Reben soweit das Auge reicht. Hier gedeihen mit viel Sonne wunderbare Weine, welche auch in unseren nördlicheren Breitengraden sehr beliebt sind.

Auf der Strecke bis nach Burgos, welches uns bis auf die Kathedrale nicht besonders gefallen hat, haben wir uns das Jakobsweg-Dorf Santo Domingo de la Calzada näher angeschaut. Hier werden in der Kirche noch lebendige Hühner gehalten, getreu einer alten Jakobsweg-Sage, welche sich zu lesen lohnt.

Castrojeriz, Frómista, Carrión de los Condes, Sahagún und Mansila de las Mulas waren die weiteren Camino-Dörfer, welche wir besichtigt haben, bevor wir dann der wunderschönen Stadt Léon länger verweilten. Eine stolze nordspanische Kathedralen-Stadt mit vielen Museen und Sehenswürdigkeiten. Fotografen kommen hier voll auf ihre Rechnung.

Immer noch in der Provinz Léon, dürfen Sie folgende Jakobsweg-Orte nicht verpassen: Astorga, Rabanal del Camino und den folgenden Pass-Übergang – sehr beschwerlich für die Pilger – wo oben drauf das “cruz de ferro“, das eiserne Kreuz auf Foncebadon, steht. Dort legen die Pilger seit Jahrhunderten Steine mit ihren Bitten und Wünschen nieder. Von dort schlängelt sich der Weg, lang gezogen, im Norden mit dem Blick auf die verschneiten Cordilliera-Berge, welche Spanien vom Baskenland trennen, in Richtung Ponferrada, mit seiner majestätischen Burg.

Folgt man hier den Jakobsweg-Muscheln, welche als Wegweiser dienen, so führt der Weg zum Pilgerziel Santiago de Compostela Richtung Nordosten durch Galizien. Bekannte Pilger-Dörfer sind hier Portomarin und Palas de Rei.

Wir verlassen aber hier den “camino“, um südlich von Ponferrada, in Las Médulas, die einmaligen rotbraunen Gesteinsformen zu bewundern.

Über Ourense und so rasch wie möglich vorbei an der grässlichen Industrie-Stadt Vigo erreichen wir dann bei der “Illa de Arousa“ erstmals den Atlantik – ein grosser Moment auf einer langen Reise.

Santiago des Compostela als Ziel aller Jakobsweg-Pilger

Von Süden her erreichen wir am 20. Mai 2015, 15 Tage nach unserem Start in der Schweiz, die Kathedrale von Santiago. – Wunderschön, dass wir hier unter den hunderten von Pilgern, welche an diesem Tag hier eintreffen, weilen und echte Jakobsweg-Atmosphäre, inklusive eines Pilger-Gottesdienstes in der Kathedrale, erleben dürfen.

Kilometer “Null“ – Cap Finisterra am Atlantischen Ozean

Die meisten Jakobsweg-Pilger wandern nach dem “Höhepunkt Santiago“, wo sie beim Vorweisen Ihres Pilger-Passes mit den eindrücklichen Stempeln eine Urkunde erhalten, noch drei bis vier Tage weiter Richtung Westen, bis an den Atlantik. Bei Cabo Fisterra, der westlichsten Landzunge am Atlantik, steht neben dem Leuchtturm der Kilometerstein “Null“. In dieser Gegend soll St-Jaques, auf dem Weg zur Verbreitung des Christentums, mit seinem Boot nach einem Sturm angeschwemmt und später am Ufer tot aufgefunden worden sein. Sein Körper, welcher dann nach Santiago gebracht wurde, sei ganz mit Jakobsmuscheln bedeckt gewesen. Deshalb die Jakobsmuschel als Erkennungszeichen der Santiago-Pilger. Am steil abfallenden Meeresufer hat es mehrere Kreuze und Feuerstellen. Es ist Brauch, dass hier die Pilgerkleider samt Wanderschuhen verbrannt werden.

Über den “camino del norte“ durchs spanische Baskenland

Cap Finisterra ist auf dieser Reise so eine Art Wendepunkt, denn von da an geht es irgendwie schon wieder Richtung nach Hause.

Das Meer lässt uns aber nicht mehr los. Unsere Reise führt der Atlantikküste nach bis zur französischen Grenze. Während etwa einer Woche erkunden wir mit unserem “treuen und zuverlässigen Begleiter DETHLEFFS Advantage“ das Baskenland. Dass diese riesige Region, fernab der spanischen Hauptstadt Madrid, für eine gewisse Eigenständigkeit kämpft, das kann man gut nachvollziehen, wenn man einmal durchs Baskenland reist.

Zwischen den Gross-Städten A-Coruña, Oviedo, Santander, Bilbao und San Sebastian suchen wir uns Stellplätze am Rande kleinerer Ortschaften, die meisten malerisch direkt über dem Atlantikstrand gelegen. Einzig San Sebastian, eine wunderschöne Stadt, besuchen wir einen ganzen Tag. Allerdings ab dem Campingplatz Orio bequem mit der Bahn.

In dieser Gegend machen wir auch einmal eine ganztägige Velotour. Vom malerischen Hafenstädtchen “San Vicente de la Barquera“ radeln wir den Dünen entlang bis nach Comillas, wo Gaudi’s Haus steht. Ansonsten schnallen wir die Räder v.a. zur Fahrt von einem peripheren Stand-Campingplatz zur Erkundung von Innenstädten ab.

Französische Atlantikküste von Biarritz bis La Rochelle

Viel zu schnell vergeht die Zeit – es gäbe noch so viel Schönes zu erkunden im spanischen Baskenland.

Doch schon passieren wir bei Irùn – Hendaye wieder die spanisch – französische Grenze und wenden uns über Biarritz – Bayonne in Richtung Bordeaux, möglichst alles der Atlantikküste entlang.

Bis La Rochelle, wo es dann definitiv durchs Burgund und den Jura heimwärts Richtung “Heimat ins Schweizerländli“ geht. Sechs Wochen, die auf Anhieb lang erscheinen, gehen bei so vielen Eindrücken im Nu vorbei!

Zwei wunderschöne Gebiete an der französischen Atlantikküste möchten wir aber unbedingt noch erwähnen:

Das “Bassin d’Arcachon“ westlich der Wein-Stadt Bordeaux mit dem UNESCO Weltkultur-Erbe “Dünen von Pyla“ und dem Cap Ferret auf der nördlichen Seite des riesigen Binnenmeeres. Fischliebhaber kommen hier voll auf ihre Rechnung.

Eine Tagesreise nördlich des “Bassin d’Arcachon“ haben wir den “Advantage“ in Verdon-sur-Mer für eine kurze Überfahrt nach Royan auf ein Fährschiff verladen. Und von da an erstreckt sich Richtung Nordwesten die Halbinsel “Île d’Oléron“. In Marennes, der Hauptstadt berühmter Austern-Fischer, haben wir uns mit dieser Delikatesse vertraut gemacht. Und ganz aussen, beim imposanten Leuchtturm, haben wir von einer Bauersfrau frische, lokale Artischocken gekauft. Die besten, welche wir je genossen haben.

In der Fischer-Metropole La Rochelle lohnt sich der Besuch des Aquariums, ein imposantes Meerwasser-Fischbecken.

Leben wie Gott in Frankreich

Im Sinne eines Fazit könnte dieser Titel auch auf Spanien erweitert werden. Das Wechselspiel “Essen in einem feinen Restaurant“ und “Selbst ist der Koch“ hat uns sehr gefallen, v.a. weil man überall frische Landesprodukte aller Art auf Märkten, bei Bauern oder dann halt im Supermarkt an Stadträndern findet. Oft haben wir auch Fisch, Fleisch und feine Gemüse auf dem Holzkohlegrill zubereitet. War der “Anker“ am Abend einmal geworfen, gab’s jeweils auch ein feines Glas Wein, oder zwei…

In der Tat haben wir es als “Vagabunden im Wohnmobil“ entlang dem Jakobsweg sehr genossen. Insbesondere die örtliche und zeitliche Unabhängigkeit auf unserer 6-wöchigen Reise, deren Route nur ganz grob geplant werden musste, hat uns sehr gefallen. Im Mai und in der ersten Hälfte Juni musste auch kein einziger Stellplatz vorreserviert werden. Im Gegenteil, v.a. im Mai in Spanien standen wir zwei- bis dreimal vor noch geschlossenen Campingplatz-Toren, weil die Saison noch gar nicht begonnen hatte. Kein Problem, der komfortable “Advantage“ hat eine tolle Strom-, Wasser-, Abwasser- und Gas-Autonomie, wenn man halt dann kurzfristig am Abend gezwungen ist, den Campingcar irgendwo auf einem nicht offiziellen Stellplatz abzustellen.

Überhaupt waren wir vom Produkt DETHLEFFS “Advantage“ so begeistert, dass wir das Fahrzeug Mitte Juni 2015 nicht gerne in die McRent Station nach Isny im schönen Allgäu zurückgebracht haben. Unser Auto haben wir dort, bestens bewacht, wieder übernehmen können.

Ein grosses Kompliment an DETHLEFFS für das tolle Produkt und an die Leute von der McRent-Station Isny für den unkomplizierten und perfekten Service!

Nützliche Tipps

  • Nehmen Sie unbedingt ein GPS-System mit. Am besten ein mobiles “Tom-Tom“ Gerät o.ä., mit fest darauf geladener Länder-Software Frankreich und Spanien. Online Internet-Verbindungen sind viel zu teuer. Ein GPS ist insbesondere in der Annäherungsphase zu Campingplätzen im peripheren Stadtbereich sehr hilfreich.
  • Tanken Sie, wenn Sie an Stadträndern in grossen Super-Markets einkaufen gehen. Hier ist Diesel absolut am günstigsten.
  • Halten Sie, v.a. in Frankreich, nach sog. “camping municipal“ Ausschau. Diese sind wunderschön ruhig gelegen, oft an einem Fluss. Und die Preise sind erst noch günstiger als bei privaten Stellplätzen.
  • Das Mitführen von Fahrrädern lohnt sich unbedingt. Sei es für eine spontane Radtour an einem schönen Ort oder auch nur für den Transfer vom städtischen Campingplatz in die Innenstadt.
  • Entsorgungs-Stationen gibt es nicht nur auf den offiziellen Campingplätzen, sondern oft auch sonst irgendwo in den Gemeinden oder Städten. Sie sind mit dem blau-weissen “pump station“ Symbol markiert.
  • Sowohl in Spanien als auch v.a. in Frankreich gibt es viele Warenmärkte mit regionalen Produkten aller Art, v.a. auch mit fantastischen Früchte- und Gemüse-Angeboten und lokalen Spezialitäten. Hier können Sie sich ein wunderbares (Grill)Menü zusammenstellen. Die Campingplatz-Betreiber können Ihnen Auskunft geben.
  • Für den Besuch von Museen und Kirchen braucht es ein wenig Zeitplanung, denn diese sind über Mittag oft länger geschlossen.
  • Das Mitführen eines Sprach-Wörterbuches ist empfehlenswert. In ländlichen Gegenden wird ausschliesslich Spanisch und Französisch gesprochen.
  • Eine Ersatz-Gasflasche (mit den richtigen Verbindungsteilen), ein sehr langer Wasserschlauch (zum Auffüllen von Frischwasser auf grössere Distanzen) sowie verschieden hohe Keile (zum Ausnivellieren des Fahrzeuges auf dem Stellplatz) sind hilfreich.
  • Für Fischer-Fans (wie der Autor): Nehmen Sie unbedingt Ihre Angel-Ausrüstung mit. In Spanien und v.a. in Frankreich kann man an vielen Orten günstige Tageskarten kaufen. Erkundigen Sie sich im lokalen “office de tourisme“.

Buchempfehlungen:  

  • Schulz: Mit dem Wohnmobil nach Nord-Spanien ISBN 9783869030272
  • Outdoor – Der Weg ist das Ziel – Frankreich: Jakobsweg GR 65 Via Gebennensis Via Podiensis ISBN 9783866861282

Von Ernesto Kägi, Schweiz.

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