FREE RIDING – ALPINES WINTERCAMPING

geschrieben am 22.04.2015, von Hymer Hymer Aktiv

Es liegt wohl in der Natur des Menschen, immer »mehr« zu wollen. Mehr Urlaub, mehr Sonne, mehr Freiheit… Dabei gilt: »Mehr« bitte nicht nur additiv, sondern superlativ! Der Reisende sehnt sich nach noch einsameren, wilderen, einzigartigen Spots. Der höchste Gipfel, der feinste und weißeste Sand, der grünste Regenwald – oder einfach: Die perfekte Abfahrt.

ALLES, WAS ICH BRAUCH IST MEIN AUTO UND GLÜCK
Wer kennt sie nicht, die Geschichten von surfverrückten Dudes, die um die Welt reisen, immer auf der Suche nach »der einen« Welle. Ein Leben als Nomade, immer unterwegs, eng verbunden mit der Natur und deren Gewalten… Nicht das schlechteste Lebensmodell! Wir von OUT OF OFFICE haben uns gedacht, dass dieses Nomadentum doch auch für den Wintersport super wäre. Nur wie geht man so eine Reise logistisch an? Ganz einfach: Man organisiert sich eine mobile Herberge und fährt los – immer dem Tiefschnee entgegen!

ABER BITTE MIT STANDHEIZUNG
»Der Plan ist wie folgt: Wir fahren mit ‘nem Camper in die Alpen, Ski-Atlas aufschlagen, Wetter-App und Powder-Alert anschalten – und entscheiden spontan, wo die Bedingungen optimal sind. Am besten jeden Tag ein anderes Gebiet ansteuern«, so versuchte ich meine vom Alltag stets gestressten Freunde für die Reise zu gewinnen – mit Erfolg. Die einzige Sorge, die meine beiden Powder-Gefährten hatten, war, ob es nicht ein wenig kalt werden könnte nachts im Auto. Wir wären schließlich nicht in Australien, sondern in den Bergen unterwegs… Doch die Bedenken konnte ich mit gutem Gewissen ausräumen, schließlich sollte unser HYMERCAR voll ausgestattet und natürlich wintertauglich sein. Also auf in die Berge, erste Station: Stuben am Arlberg.

Zugegeben, die Modellbezeichnung unseres Campers »Rio« klang nicht gerade nach Winter. In der Nacht merkte ich dann auch: Der Name war Programm, die Standheizung sorgte für wohlige Wärme im Fahrzeug, so dass ich mich tatsächlich auch ein bisschen wie an der Küste Brasiliens fühlte. Oder anders ausgedrückt: Mir war heiß! Während meine beiden Freunde friedlich vor sich hin schlummerten,fummelte ich ungläubig am Temperaturregler herum – 18 Grad sind schlicht zu warm für meinen Daunenschlafsack. Bis auf dieses kurze Intermezzo schläft es sich in so einem Camper übrigens wie ein Baby – insbesondere im ersten Stock. Mit wenigen Handgriffen war das Dach aufgestellt und ich schlummerte friedlich weiter, auf 1,35 x 2,00 Meter Liegefläche nur für mich allein!
Mein absolutes Highlight beim Wintercamping ist und bleibt aber der Blick am frühen Morgen aus dem Fenster. Wir standen direkt in der Natur, Luftlinie zum Lift knapp 50 Meter. Mein Blick fiel auf verschneite Gipfel und blauen Himmel. Yes, Kaiserwetter! Und es sollte auch die nächsten Tage so bleiben.

FREE RIDING – IN JEDER BEZIEHUNG
Stuben ist in der Freeride-Szene schon lange kein Geheimtipp mehr. Dennoch ist der kleine Ort deutlich ruhiger als die Nachbarorte St. Christoph und St. Anton. Am Fuße der Albona gelegen, ist Stuben der perfekte Einstieg in unendlich weites Gelände. Wer doch lieber präparierte Abfahrten bevorzugt (oder wenn die Lawinengefahr zu hoch ist), hat auf zig Pistenkilometern am Arlberg ebenfalls alle Freiheiten der Welt.

Wir genossen die Flexibilität des Campings ebenso wie die des riesigen Gebiets. Doch da wir ja als Nomadenunterwegs sein wollten, machten wir das, was Nomaden eben tun. Wir zogen weiter! Next Stop: Südtirol – malerische kleine Orte, leckere italienische Pasta, Rotwein und natürlich die einzigartige Kulisse der bizarren Kalksteinfelsen in den Dolomiten.

1.200 KM PISTE, 12 GEBIETE IM VERBUND, 1 CAMPER VOLLER NOMADEN
Alta Badia, ist ein gemütliches, kleines und natürlich gewachsenes Bergdorf, dessen unaufgeregter Charme uns gleich einfing. Aber… Echte Kerle hängen nicht im Dorf ab, sondern wollen vielmehr Spiel, Spaß und natürlich sportliche Challenges bis ans Limit. Hier erwarteten uns 1.200 Pistenkilometer zum Austoben. Oooyeah!
Typisch italienisch starteten wir die Tage auf unserer Nomadentour: Cappuccino und Cornetto zum Frühstück – genau die richtige Grundlage für eine weitere Portion Freiheit auf gefühlt unendlichen Pistenkilometern im Gebiet rund um die Gruppo del Sella.
Wer richtig Meter machen und dabei das Gebiet erkunden will, stellt sich in den Dolomiten der legendären “Sella Ronda”, einer 38 km langen Skitour rund um die Gebirgskette “Sellastock”.Den orangenen Schildern folgend bewegten wir uns im Uhrzeigersinn. Diese Variante ist im Vergleich zur entgegengesetzten grünen “Ronda” die höher gelegene und sportlich ambitioniertere Tour.

Im Pulverschnee am Punta Rocca hatten wir Blut geleckt. Da aber der Powder-Alert für die kommenden Tage in Südtirol leider nichts Gutes verhieß, stiegen wir nach zwei intensiven und erlebnisreichen Tagen erneut in den Camper und fuhren in der Hoffnung auf etwas Neuschnee zurück nach Österreich. Vorerst hieß es also: »Ciao Italia«. Bis zum nächsten Mal!

WELCOME TO THE POWDER DEPARTMENT
Auf zum Stubaier, Österreichs größtem Gletscherskigebiet. Die Region kannte ich bereits vom Sportscheck Testival zum Anfang dieser Saison: Ein großer, bunter “Spielplatz” für Wintersport-Junkies. Dank Schneesicherheit bis Juni (!!) trainieren am Gletscher unter anderem auch diverse Ski-Nationalkader – also genau der richtige Spot für uns.

Wer am Stubaier Gletscher an seine Grenzen kommen will, ist am Daunjoch genau richtig. Von 3.225m führt die »Downhill«, eine schwarze Piste mit einer maximalen Neigung von 60 Grad, direkt in die »Wilde Grub´n«, eine schöne Skiroute hinab zur Talstation auf 1.750m. Das zwirbelt! Ich freute mich jedenfalls, anschließend die Beine in der Gondel entspannen zu können.

Irgendwann geht leider auch die lustigste Tour mit grenzenlosem Spieltrieb, viel Action und sportlichem Ehrgeiz einmal zu Ende. Drei tolle Skigebiete nach Lust und Laune zu erkunden, völlig frei von fixen Reservierungen sondern einfach immer der Sonne und dem Pulverschnee folgend – das war Luxus pur und entspricht meiner Vorstellung von Grenzenloser Freiheit!
FAZIT
Unser Fazit des Experiments Wintercamping: Den exklusiven Spa-Bereich mit Sauna und Ruheraum sucht man im “HYMERCAR Rio” vergebens – dafür gibt es jede Menge Gemütlichkeit, größtmögliche Flexibilität on the road, das gute Gefühl von Freiheit und ‘ne Menge Spaß on top. Geduscht wurde übrigens bei Freunden und im lokalen Hallenbad…

www.hymercar.com

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