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Wild Atlantic Way – Slí an Atlantaigh Fiáin - Teil 1

Outdoor und Sport
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von Hymer

Wild Atlantic Way – Slí an Atlantaigh Fiáin - Teil 1

Irlands spektakuläre 2.500 km lange Küstenstraße am Atlantic

Ein Reisebericht in sechs Etappen - Text/Fotos: Dirk Heckmann

1. Etappe: Kinsale – Kenmare
2. Etappe: Kenmare – Tarbert
3. Etappe: Tarbert – Galway
4. Etappe: Galway – Westport
5. Etappe: Westport – Donegal
6. Etappe: Donegal – Derry/Londonderry

Da der Wild Atlantic Way kein Rundkurs ist sondern einen Anfangs- und Endpunkt hat, gibt es somit zwei Möglichkeiten, von wo man ihn beginnen kann: Entweder am nördlichen oder am südlichen Ende. Die Entscheidung, wo man ihn beginnt, hängt sicherlich mit davon ab, wo man auf der Insel ankommt. Ein beliebter An-/Abreiseort ist Rosslare im Südosten der Insel. Hier legen die Fähren aus dem französischen Cherbourgh bzw. Roscoff an. Ich bin von Liverpool kommend mit der Fähre in Dublin angekommen. Weiter oben im Norden der Insel legen auch Fähren in Nordirland in Belfast bzw. Larne an. Ich habe mich entschieden, den Wild Atlantic Way im Süden zu beginnen aus einem ganz einfachen Grund: In Irland herrscht Linksverkehr und somit konnte ich immer auf der küstenzugewandten Straßenseite fahren und die Aussicht besser auch aus dem fahrenden Auto genießen, da ich mit einem Linkslenker, einem HYMERCAR Sierra Nevada unterwegs war.

Von Dublin bin ich über Wicklow und Wexford zum Hook Head am Ende einer Halbinsel gefahren. Ich wollte unbedingt den Leuchtturm besichtigen, der zu den schönsten der Insel gehört. Über Waterford und Cork (Irlands zweitgrößte Stadt, hier legen auch Fähren aus Roscoff an) ging es dann weiter nach Kinsale, dem südlichen Startpunkt des Wild Atlantc Way. Fährt man auf der R600 nach Kinsale (im County Cork) hinein, passiert man kurz vor Ortsbeginn das Wild Atlantic Way Willkommen-Schild. Ansonsten ist, außer den Wegweisern, nicht zu erkennen, dass man jetzt auf dem Wild Atlantic Way fährt.

Startort Kinsale: Der Ort liegt sehr schön geschützt in einer Bucht, dem Kinsale Harbour. In früheren Zeiten wurde der Ort geschützt vom Charles Fort, das auf einer kleinen Halbinsel dem Ort vorgelagert ist und von dem man den Eingang in die Bucht bis zum Old Head of Kinsale und die Mündung des Bandon Fluss überblickt. Heute findet man in dem sternenförmig angelegten Fort aus dem 17. Jahrhundert (das noch bis 1922 von der britischen Armee genutzt wurde) ein kleines Museum und ein Café.

Als erstes Highlight entlang des WAW wird der Old Head of Kinsale angekündigt. Am Ende einer Halbinsel steht ein wunderschöner Leuchtturm. Nur gibt es hier ein Problem: Der Leuchtturm liegt auf dem Gelände eines Golf Clubs und der ist leider nicht für die Öffentlichkeit geöffnet. Vor dem Eingang zum Golfplatz lohnt aber ein Gang zur Steilküste, auf deren Felsen im Sommer Möwen und Lummen nisten. Weiter Richtung Westen gefahren passiert man die Ruine von Timoleague Friary. Das ehemalige Franziskanerkloster wurde 1240 gegründet.


Der WAW-Abstecher zum Galley Head mit seinem Leuchtturm lohnt leider wieder nicht, da auch dieser Leuchtturm auf Privatgelände steht. Mein nächstes Ziel war Skibbereen mit dem Skibbereen Heritage Centre. Hier erfährt man alles über die Famine in der Great Famine Commemoration Exhibition. Famine, auch bekannt als „The Great Hunger“, war eine tragische Periode in den 1840er, als durch Kartoffel-Missernten über eine Million Menschen auf der Insel starben. Das waren damals etwa 12 % der Bevölkerung. An die zwei Millionen Iren verließen in der Zeit das Land, meist in Richtung Amerika oder Australien. In dem Museum gibt es auch eine kleine Ausstellung über die besondere Natur in der Umgebung des Lough Hyne, einem Salzwassersee. Den See erreicht man auf der Fahrt nach Baltimore, einem WAW-Abstecher. Das meistfotografierte Objekt des Ortes ist der Baltimore Beacon, ein knapp 15 Meter hoher und 5 Meter im Durchmesser großer spitzer Turm. Er steht oberhalb der Einfahrt zum Baltimore Hafen an einer Steilküste. An der gegenüberliegenden Hafeneinfahrt steht der Sherkin Leuchtturm.

Am Hafen kann man Wal- und Delfinsafari-Bootstouren buchen. In Hafennähe steht auch die Ruine eines Fanziskaner-Klosters. Nebenan an dem kleinen Platz laden Restaurants und Pubs mit Blick über den Hafen zum Verweilen ein. Von Baltimore zu einem absoluten Highlight entlang des Wild Atlantic Way ist der noch knapp 65 Kilometer entfernte südwestlichste Punkt der Insel – Mizen Head. In der Ortschaft Ballydehob geht es von der Nationalstraße N71 runter und links weg auf die R592 Richtung Schull und Toormore, auf die zweigeteilte Mizen Halbinsel. Es ist die südlichste der vier spektakulären Halbinseln im Südwesten Irlands. 7 km westlich vom Fischerort Schull steht dicht an der Küste der Toormore Bay das „Altar Wedge Tomb“, ein über 2.000 Jahre altes Keilgrab.

Der Straßenverlauf wird zum Ende hin immer spannender, bieten sich einem hinter jeder Kurve neue, fantastische Panorama-Ausblicke auf den Atlantik und die wunderschöne Küstenlinie. Der Barley Cove Holiday Park ist ein prima gelegener Campingplatz, von dem aus man die Sehenswürdigkeiten am Zipfel der Mizen-Halbinsel erkunden kann. Dicht dran liegt der Barley Cove Strand, der wunderbar geschützt in einer Bucht liegt. Die Hügel ringsherum erreichen eine Höhe von über 300 Metern. Oder genießen Sie in dem kleinen Fischerort Crookhaven in O’Sullivans Bar ein kühles Guinness. Mizen Head liegt knapp 10 Kilometer vom Campingplatz entfernt.

Auf dem großen Besucherparkplatz, etwa 100 Meter oberhalb des Atlantik gelegen angekommen, kann man im Visitor Centre die lokale Küche im Mizen Café genießen. Ein 10 Minuten Trail führt einen 99 Stufen bergab zur Bogenbrücke, über die man zur Signalstation gelangt. Sie liegt am südwestlichen Punkt Irlands oberhalb steiler Klippen. Der Ausblick ist grandios. In den Räumlichkeiten findet man Ausstellungsstücke der Marconi-Funkstation und des Maschinenraums, den Wohnbereich des Stationswärters, eine Ausstellung der Unterwasserwelt der Region und einiges mehr.

„Teardrop of Irland“ trägt, da er für viele der im 19. Jahrhundert ausgewanderten Iren das letzte war, was sie von ihrer Heimat sahen. In meinem komfortablen Campingbus führt die Fahrt wieder zurück bis Toormore, um dann Richtung Durrus abzubiegen. Von dort aus geht es auf einer küstennahen Straße zum zweiten Teil dieser Halbinsel. 25 Kilometer sind es bis zum Straßenende mit Parkplatz/Café. Die letzten 11 Kilometer ab der Ortschaft Kilcrohane führen auf einer recht schmalen Straße stetig bergauf. Der Ausblick von dem kleinen Café am Ende der Straße hinüber zum Mizen Head ist wundervoll. Auf einem knapp 2 Kilometer langen Weg geht es zu Fuß weiter bis ans Ende der Halb-insel zum Leuchtturm. Ich habe die halbe Nacht an dem kleinen Leuchtturm verbracht, um einige Nachtaufnahmen zu machen. Außer des Lichtes des Leuchtturms gibt es hier am Ende der Landzunge kein störendes Licht: ein wunderbarer Ort, um die Sterne zu beobachten.

Und der Weg zurück nur bei Taschenlampenlicht war auch etwas Spannendes! Auf der schmalen Straße geht es zurück nach Kilcrohane, um dort links weg die 25 Kilometer bis in die Stadt Bantry zu fahren. Hinter Kilcrohane geht es erst einmal bergauf zum Seefin Aussichtspunkt. Der Blick über die Dunmanus Bucht oder in die andere Richtung über die Bantry Bucht sind einen Stopp auf den angelegten Parkplätzen wert. Bantry lädt wieder zum Auffüllen der Vorräte ein, da es hier von Lebensmittelgeschäften bis Tankstellen alles gibt und so belade ich meinen Camper mit der notwendigen Verpflegung. Sehenswert in der Stadt ist das Bantry House & Garden. Das Haus im georgianischen Baustil stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die prächtige Gartenanlage ist besonders nach dem Erklimmen der „Hundred Steps“, die von Rhododendron-Sträuchern und Azaleen gesäumt werden, von oben zu betrachten. Der Blick reicht über das Haus bis zur Bantry Bay und Whiddy Island hinüber.

Im Wald um Glengarriff stehen die ältesten Eichenbäume Irlands. Im Ort gibt es recht viele Pubs, natürlich auch mit Live-Musik am Abend. In Glengarriff Harbour liegt Garinish Island (auch Ilnacullin Island genannt), eine Garteninsel mit mediterraner Vegetation, dem Golf-Strom sei Dank. Die Straße verläuft nun oberhalb der Bantry Bay am markanten Sugarloaf Mountain (573 m) vorbei und weiter in den Ort Adrigole. Hier führt die R574 hoch zum Healy Pass und hinüber auf die andere Seite der Halbinsel.

Ich schlage aber vor, erst die Beara Halbinsel zu umrunden und dann von der anderen Seite den Pass zu erklimmen. Die üppige Vegetation darf einen auch nicht wundern, denn Adrigole Bridge bei Adrigole ist der wärmste Ort Irlands.Die Straße führt nun, unterhalb des 687 m hohen Hungry Hill vorbei, wellig weiter in die Hafenstadt Castletown Bearhaven (Castletownbere). Am Hafen kann man auch mit Wohnmobil und Camper gut parken und mit einer Fähre auf die vorgelagerte Bear Island schippern. Auf der Insel findet man interessante archäologische Plätze, die bis in die Bronzezeit zurückreichen. Weiter am Fair Head Aussichtspunkt vorbei erreicht man den Abzweig zur Insel Dursey.

10 km weiter durch hügelige Landschaft mit Blick auf das Meer erreicht man den Parkplatz an der Dursey Cable Car. Es ist Irlands einzige Seilbahn. Mit einer Kapazität von 6 Personen oder ebenso vielen Schafen oder einer Kuh ist sie nicht gerade sehr groß. 10 Minuten benötigt sie für die 360 m lange Strecke zur Überquerung des Dursey Sounds. Bei Ornithologen ist die Insel recht beliebt. Mit etwas Glück sieht man auch Wale und Delfine in Inselnähe vorbeiziehen. Das westliche Ende der Halbinsel ist nur noch sehr dünn besiedelt, die Landschaft einfach traumhaft.

Wieder zurück am Abzweig geht es jetzt weiter über den Bealbarnish Gap hinüber zur Westküste der Beara Halbinsel mit einem tollen Aussichtspunkt über die Garnish Bay. Der nächste Ort ist Allihies. Er liegt zwischen der rauhen Küste und der Bergkette im Hintergrund. In einer ehemaligen Kirche wurde ein Bergbaumuseum mit Café untergebracht. Früher wurde in der Umgebung Kupfer abgebaut, die Sehenswürdigkeiten kann man entlang eines Copper Mine Trail besichtigen. Besonders auffällig sind die bunt bemalten Häuser entlang der kleinen „Hauptstraße“ in Allihies.

Der Abzweig des WAW in dem Ort links weg führt auf einer recht schmalen Straße weiter. Sie ist sehr kurvig und wellig und bietet wirklich ganz tolle Aussichtspunkte. Die nächsten beiden Ortschaften sind Eyeries und Ardgroom. Danach geht es immer wieder mal durch bewaldetes Gebiet weiter bis in den kleinen Ort Lauragh. Kurz vorher passiert man die Grenze zwischen dem County Cork und Kerry. Von hier sind es noch 23 Kilometer bis nach Kenmare, dem nördlichen Ende dieser zauberhaften Halbinsel. Doch ich empfehle den Abstecher auf der R574 den Healy Pass hinauf zu nehmen. Gut, auch dieser Streckenabschnitt führt auf einer recht schmalen Straße entlang, doch durch die sehr kurvenreiche, gut überschaubare Strecke kann man sehr gut den Gegenverkehr beobachten und diesen, auch mit Campingbus oder Reisemobil, in den angelegten Ausweichbuchten passieren lassen. Und so viel ist auf dieser Passstraße nicht los.
Die Straße in Nord-Süd-Richtung zu fahren ist nicht sehr steil, die Panorama-Ausblicke z.B. über den Glanmore Lake und die Caha-Mountains ist berauschend. Nach der Überquerung einer alten Steinbogenbrücke in der einzigen Kehre auf dieser Passseite, sind es noch knapp 2 km bis zur Passhöhe. Oben auf dem Healy Pass auf einer Höhe von 300 m ist man wieder an der County-Grenze zwischen Cork und Kerry. Neben einer Christus-Statue steht hier auch noch ein kleines Café mit Souvenirshop. Der Blick Richtung Süden zeigt nun die nach unten führende, wesentlich spektakulärere Straßenführung: In Serpentinen geht es durch eine karge Landschaft abwärts. Norwegen-Reisende werden hier ein Déjà-Vu erleben.

Wie nun weiterfahren? Man kann jetzt umdrehen, den Pass auf der gleichen Seite wieder herunter fahren, um dann die Beara Halbinsel entlang des Kenmare Harbour bis Kenmare zu fahren. Oder man fährt die spektakulären Serpentinen hinunter nach Adrigole und weiter nach Glengarriff, um dort dann auf der N71 die 27 Kilometer nach Kenmare zu nehmen. Auch auf der N71 geht es über eine sehr kurvige Straße durch die Berge. Eine Sehenswürdigkeit entlang der Straße ist der Bonane Heritage Park. Auf einem 2 Kilometer langen Trail kommt man an mehreren archäologischen Stätten, wie einem Steinkreis, einem stehenden Stein, ein Ringfort, einer Kochstelle, etc. vorbei. Die Ausgrabungsstätte liegt jetzt wieder im County Kerry. Kenmare liegt strategisch sehr geschickt: zum einen ist die Stadt Anfangs-/ Endpunkt des Ring of Beara sowie Teil des bekannten Ring of Kerry. In den drei größeren Straßen, die ein Dreieck bilden, stehen bunte Häuser dicht an dicht und sie sind wunderschön mit Blumen geschmückt. Der fast 2.000 Einwohner zählende Ort hat für die Reisenden wieder alles zu bieten: Verpflegungsmöglichkeiten, Tankstellen, Lebensmittelläden, Galerien, ... und recht viele Pubs und Restaurants laden zum längeren Verweilen ein.