Warum das Elsass glücklich macht - 5 Genießertouren im Elsass

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Warum das Elsass glücklich macht - 5 Genießertouren im Elsass

Gewürztraminer, Fachwerk und Gugelhupf – das Image des Elsass ist ein wenig in die Jahre gekommen. Völlig zu Unrecht:

Junge Winzer bringen freche Rieslinge ins Glas, Romantik à la Colmar oder Thann ist populär wie nie und die deftige regionale Küche erlebt ein Revival. Was zu Ihrem Glück noch fehlt? Ein verlängertes Wochenende und ein Wohnmobil – dann steht Ihnen für unsere 5 Genießertouren im Elsass nichts mehr im Wege!

Traumlandschaften auf 170 Kilometern

Um den Zauber des Elsass zu entdecken, darf man getrost auch mal am Steuer bleiben. Denn wer der Route des Vins d’Alsace, der Elsässischen Weinstraße, folgt, genießt auf 170 Kilometern das perfekte Sightseeing. Am Fuße der Vogesen führt die Route durch eine Bilderbuchlandschaft, über hügelige Weinberge, vorbei an Burgruinen und Dörfern wie perfekte Postkartenmotive. Praktischerweise liegen auch die schönsten Städtchen des Elsass an der Weinstraße, mit mittelalterlichen Straßenzügen und Gässchen und Fachwerkhäusern, die sich um die obligatorische Kirche kuscheln. Das prächtige Colmar mit seinem weltberühmten Isenheimer Altar lockt da ebenso für einen Besichtigungsstopp wie das Schloss von Kientzheim, der Sitz der ehrwürdigen Weinbruderschaft Confrérie Saint-Etienne, die einmal im Jahr die würdigsten Elsässer Weine auszeichnet. Gut zu wissen: In Marlenheim an der nördlichen Pforte der Weinstraße und am südlichen Ende der Route in Thann halten Empfangsbüros reichlich Tipps und Informationen bereit über die Rebsorten, die Geologie der Weinberge und über die Winzer.

Stellplatz beim Winzer: Winzer Xavier Muller bei Marlenheim, der erstklassigen Crémant d’Alsace produziert, stellt Mitgliedern von ,,France Passion‘‘ fünf Stellplätze kostenlos zur Verfügung.

"Im Örtchen Riquewihr ist die Zeit nur scheinbar stehen geblieben"

Im Weihnachtswunderland

Klein, aber „Ho-ho-ho!“: Mit rund 8000 Quadratkilometern ist das Elsass zwar die kleinste Region Frankreichs. Würde man aber den Weihnachtsmann fragen, sind die Elsässer die Allergrößten!

Alle Jahre wieder ab Ende November verwandelt sich das Land zwischen Rhein und Vogesen in ein Weihnachtswunderland. Von Metropolen wie Straßburg bis in die winzigsten Dörfer wirft sich jede Gemeinde in Schale, um ihren Festschmuck in Szene zu setzen. Fast 150 Weihnachtsmärkte locken mit hübschem Kunsthandwerk und allerlei Leckereien kleine und große Besucher an. Wenn Schneeflocken vom Himmel schweben, verwandeln sich Städtchen wie Kaysersberg in einen Kindheitstraum. Die Ortschaft inmitten der Weinberge mit ihren Fachwerkhäusern und Storchennestern auf den Dächern wird zur umwerfend romantischen Weihnachtskulisse. Wer das Weihnachtsdorf in Sélestat besucht, sollte sich auch die Humanistische Bibliothek anschauen. Unter uralten Schriftstücken findet sich die erste Erwähnung des Verkaufs von Tannen zum Christfest – aus dem Jahr 1521. Was bedeutet: Die Elsässer in Sélestat haben den Weihnachtsbaum erfunden!

 
"Wer hat’s erfunden? Im Fall des Weihnachtsbaums waren’s die Elsässer. Kein Wunder bei so viel Sinn für Romantik …"

Stellplatztipp: Um die Vielfalt der Elsässer Weine zu verkosten, bietet sich die Domaine Engel in Orschwiller – sieben Kilometer vor Sélestat – an. Lucienne und Christian Engel bauen alle gängigen Rebsorten an und aus. Zudem bieten sie drei kostenlose ,,France Passion‘‘-Stellplätze an.

Wie eine Reise in die Kindheit

Ein Knusperhäuschen wie aus „Hänsel und Gretel“. Und das mitten im Dorf Gertwiller, nicht weit von Straßburg. Bunt bemalt mit Herzen, Brezeln und Sternen aus Lebkuchenteig. Die Fensterläden gleichen Gewürzkuchen mit Mandeln und kandierten Früchten. Und die Dachrinnen in Zuckerstangen-Farben möchte man am liebsten anknabbern. Das ist die Patisserie Lips, das Reich des Lebkuchenbäckers Michel Habsiger. Seine Lebkuchen zaubert er nach uralten Rezepten. Gertwiller gilt als Geburtsstätte der französischen Lebkuchen. Das ganze Jahr wird hier gebacken. Und auf dem Dachboden über der Bäckerei hat Monsieur Habsiger ein kleines Museum eingerichtet.

Da glänzen sie dann alle um die Wette: pausbäckige Engel mit Stupsnasen, Rehlein mit zartem Glitzer auf dem Fell. Lebkuchen wurden früher mit Glanzbildern geschmückt. Die Leckerei wurde verputzt und die Bildchen wanderten ins Poesiealbum. Bäcker Habsiger hat seine Schätze auf Trödelmärkten und in kleinen Privatsammlungen gefunden. Wie eine Reise in die Kindheit, einfach nur zauberhaft anzuschauen. Ein paar Meter weiter bei der Bäckerei Fortwenger ist längst die Moderne eingezogen: Da führt ein virtuelles Lebkuchenmännchen die Besucher durch die Ausstellungsräume.

Mit dem Wohnmobil beim Winzer: In Andlau, zehn Fahrminuten von Girtwiller entfernt, bietet Winzer Oscar Wohleber zwei Stellplätze für ,,France Passion‘‘-Mitglieder und eine Auswahl wundervoller Elsass-Weine.

"Gertwiller ist die Hochburg der Zuckerbäcker. Selbst ein Museum widmet sich hier der Kunst des Lebkuchens"

Wandern für Genießer

Unter den rund 50 Elsässer Wanderwegen ist der Winzerpfad der Grands Crus „Les Perles du Vignoble“ nicht nur für Weinliebhaber ein Genuss. Die Perlen des Weingebietes sind die Gemeinden Beblenheim, Bennwihr, Hunawihr, Mittelwihr, Riquewihr und Ribeauville, Dörfer mit ganz viel Charme, allesamt außerordentlich sehenswert. Wie eine Zeitreise ins Mittelalter kommt einem allein der Besuch von Riquewhir vor. Die verwinkelten Häuschen, die engen Gassen, der Duft nach uralten Weinkellern. Bis ins 13. Jahrhundert weist auch die Geschichte von Ribeauville. Ein farbenprächtiges Städtchen, geprägt von stattlichen Häusern aus Spätmittelalter, Renaissance und Barock. Bestens markierte Weinlehrpfade laden auf dem Weg zur nächsten Ortschaft dazu ein, die Arbeit im Weinberg und die unterschiedlichen Traubensorten näher kennenzulernen. Ein bisschen Fachwissen kann nie schaden und warum sich nicht auch mal Zeit für einen Plausch mit den Winzern nehmen und ihre Weine verkosten? Und noch eines macht die Wanderroute der Grand Crus, der großen Gewächse, so besonders: die wunderschönen Ausblicke über die Elsässer Tiefebene bis hin zum Schwarzwald.

"Ab in den Weinberg! Auf Weinlehrpfaden kommt man dem Geheimnis von Riesling bis Pinot Noir am besten auf die Spur"

Stellplatz-Tipp: Bei Riquewihr freut sich Winzerfamilie Hueber auf die Mitglieder des ,,France Passion‘‘ und stellt am Rande der Weinberge fünf Wohnmobilplätze kostenlos zur Verfügung.

Schlemmen in der Hexenstube

Ein köstlicher Duft liegt in der Luft und heimelig prasselt das Kaminfeuer. Da möchte man doch gleich an einem der rustikalen Holztische mit den karierten Tischdecken Platz nehmen. Wahre Sternstunden erlebt man im Elsass eben nicht nur in Feinschmeckerrestaurants, sondern auch in einfachen Fermes Auberges, Bauern- und Berggasthöfen, wo die Küche zünftig und günstig ist. Denn die Zutaten sind zum Greifen nahe, stammen aus Wiese, Wald und Garten. Die Ferme Auberge des Cimes in Les Myrtilles bei Urbeis ist solch ein verstecktes Juwel. Hübsch urig auch die Ferme Auberge du Moulin des Sept Fontaines in Drachenbronn-Birlenbach. Da wird gern Deftiges serviert wie Käse mit Kümmel. Der Munster, ein Elsässer Klassiker mit orangefarbener Rinde und sanft-würzigem Aroma, passt ganz wunderbar zu dem Gewürz. Man schätzt ihn auch als Bibbeliskäs, mit Quark und heißen Kartoffeln. Wer es so richtig gemütlich mag, is(s)t im Gasthaus S’Bastberger Haxe Stuewel in Imbsheim goldrichtig, wo in einem Labyrinth von Stuben mit Häkeldeckchen, Strohblumen und Hexenfiguren aufgetischt wird. In der „Hexenstube“ tafeln auch die Einheimischen gern, denn die Preise sind moderat und die Portionen von Rehpfeffer oder Hahn in Riesling enorm.

"Hinter vielen Backsteinfassaden verstecken sich Fermes Auberges, kleine, feine und ursprüngliche Gasthöfe"

Elsässer Weine verkosten – von Riesling bis zum Gewürztraminer

Sieben Rebsorten werden traditionell im Elsass angebaut – sechs weiße, darunter die frischen, eleganten Rieslinge, und eine rote, der Pinot Noir. Daraus stellen die zahlreichen und meist sehr kleinen Winzerbetriebe zu über 90 Prozent Weißwein her.

Neben diesen klassischen stillen und trockenen Elsässer Weinen kommen aber auch der Schaumwein Crémant d’Alsace – bereitet nach der Champagnermethode – und edelsüße Spezialitäten, die Vendanges tardives (Spät- und Auslesen) und Sélections des Grains Nobles (Beerenauslesen), aus den Kellern der Weinbetriebe. Beides – die edelsüßen Weine und der besonders im Elsass produzierte Munsterkäse – lohnt es zu verkosten.

Pinot Gris

Auch bekannt als Tokay d’Alsace, Grauburgunder, Pinot Grigio, Ruländer. (Gegen den früher gebräuchlichen Name Tokay d’Alsace klagten die Winzer des ungarischen Weingebiets Tokajer erfolgreich, sodass der Name nicht mehr verwendet werden darf.)

Charakteristik: Üppig, säurearm, aber körper- und extraktreich. Die Aromen erinnern an Nüsse, Ingwer, Birnen und Gewürze.

Gebrauch: Durch seinen üppigen Körper passt Pinot Gris wunderbar zu Fleisch- und Fischgerichten, aber auch zum Käse. Leichtere Varianten werden gut gekühlt auch als Aperitif genossen.

Pinot Blanc

Auch bekannt als Weißburgunder, Pinot Bianco, Weißer Klevner.

Charakteristik: Rund und delikat, dem Chardonnay ähnlich, Aromen von Banane, Aprikose, Karamell, Zitrone, grüner Bohne und Heu.

Gebrauch: Pinot-Blanc-Weine weisen oft eine feine Säure auf, sind leicht und unkompliziert und die perfekten Begleiter von Fisch und Geflügel.

Sylvaner

Auch bekannt als Silvaner, Grüner Silvaner.

Charakteristik: Delikate und mineralische Noten.

Gebrauch: Aus Sylvaner entstehen im Elsass vor allem Alltagsweine. Er wird meist durchvergoren, sodass die Weine großteils trocken sind.

Muscat d’Alsace

Auch bekannt als Muscat d’Alexandrie (nicht zu verwechseln mit dem süßen Muskateller aus dem Süden Frankreichs.)

Charakteristik: Im Gegensatz zu den Muscat-Weinen in Südfrankreich ist der Muscat d’Alsace ein trockener Wein, aromatisch und äußerst frisch. Sein Geschmack ist von der Traubenbeere geprägt. Dazu gesellt sich ein intensiv fruchtiger Duft.

Gebrauch: Muscat sollte man jung genießen, dann ist er ein erstklassiger Aperitifwein. Er passt bestens zu Spargel und zur vegetarischen Küche.

Riesling

Charakteristik: Feinfruchtig, mit einem ausgewogenen Spiel von Frucht, Säure und Mineralität. Die Aromen der jungen Rieslinge erinnern an Grapefruit, Limone, Zitrone, Apfel, Pfirsich und Passionsfrucht.

Gebrauch: Fisch, Geflügel und Sauerkraut, traditionelle Elsässer Gerichte, vertragen sich bestens mit dem Riesling.

Riesling wird auch zu exquisiten edelsüßen Weinen ausgebaut. Dann glänzt er mit einem feinen Honigaroma.

Gewürztraminer

Auch bekannt als Roter Traminer.

Charakteristik: Körperreiche, gehaltvolle Weine mit intensivem Bukett und Aromen, die an Rose, Litschi, Bitterorange und Marzipan erinnern.

Gebrauch: Die Trauben des Gewürztraminers haben eine rosa Haut. Hergestellt werden aber nur Weißweine, die sehr gut zu kräftigen Speisen passen, zur Gänseleber, zur Ente à l’Orange oder zum Käse. Zahlreiche Weine werden auch süß ausgebaut – das Etikett verrät dies jedoch nicht. Da hilft nur probieren oder nachfragen.

Pinot Noir

Auch bekannt als Spätburgunder, Blauburgunder, Pinot Nero.

Charakteristik: Meist ziegelrote, fruchtbetonte, samtige Weine. Kenner entdecken im Pinot Noir Aromen von dunklen Beeren, Himbeere, Kirsche, Leder und Holz.

Gebrauch: Einziger Rotwein unter den klassischen sieben Rebsorten. Ein Pinot Noir passt ausgezeichnet zu dunklem (Wild-) Fleisch, Geräuchertem und kräftigem Käse.