Tipps für Sternengucker in Sachsen-Anhalt

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Tipps für Sternengucker in Sachsen-Anhalt

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Tipps für Sternengucker in Sachsen-Anhalt

Wohnmobiltour entlang der schönsten Spots für Himmelsbeobachtungen in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt und besonders in der Saale-Unstrut-Region kann man an zahlreichen Plätzen einer Leidenschaft folgen, die sowohl mit dem Himmel über uns als auch mit ganz irdischen Dingen zu tun hat: den Sternenhimmel beobachten und beeindruckende Anlagen und Ausgrabungsstätte besuchen, die zu einer spannenden Zeitreise in die prähistorische Vergangenheit Mitteleuropas führen. Und erstaunt dabei feststellen, dass bereits unsere Vorfahren außergewöhnliche Sternengucker waren. Freeontour hat einige für die Sternenbeobachtung ganz besonders geeignete Orte  besucht, die auch am Tag einen Aufenthalt wert sind.

Denn nicht nur im berühmten Stonehenge, sondern auch in der Region Saale-Unstrut und an weiteren Plätzen in Sachsen-Anhalt sind die Spuren frühzeitlicher Himmelsbeobachtungen bis heute sichtbar. In der vom Hochmittelalter geprägten Wein- und Kulturlandschaft Saale-Unstrut entdeckten Archäologen in den vergangenen drei Jahrzehnten einzigartige Stätten und Funde, darunter das älteste Sonnenobservatorium Europas in Goseck und die Himmelsscheibe von Nebra. Sie ist die älteste bislang bekannte konkrete Darstellung kosmischer Phänomene und seit dem Jahre 2013 auch UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Entdeckungen entlang der Himmelswege 

All diese Fundorte sind Teil des Netzwerks Himmelswege, das fünf archäologisch herausragende Orte in Sachsen-Anhalt miteinander verbindet. Es ist eine Themenroute, die man in einer Woche mit dem Wohnmobil abfahren kann und dabei Entschleunigung abseits der touristischen Rennstrecken lernt: Wenn das Fahrzeug an einem der zahlreichen kleineren Orte entlang der Nebenstrecken abgestellt ist, lohnt sich der Blick nach oben zum Himmel am Abend genauso wie der Blick tagsüber nach unten zur Erde. Warum also nicht im Stile des Slow Travel durch die Gegenwart reisen und die Vorzüge der Langsamkeit erspüren?

Zeit nehmen sollte man sich auch für einen Besuch der Sonderausstellung Sternensucher - Von der Himmelsscheibe bis zur Rosetta-Mission in der Arche Nebra. Diese großartige Schau ist noch bis zum 30. September 2021 zu sehen und erzählt davon, wie sich die Methoden der Himmelsbeobachtung über den Lauf von 4.000 Jahren verändert haben und wie sich Astronomie als Wissenschaft etablierte. Zu sehen sind auch archäologische Funde sowie historische Teleskope und weitere astronomische Instrumente – sowohl im Original als auch als Repliken. Zu den Höhepunkten gehört der Nachbau eines mittelalterlichen Astrolabiums: ein scheibenförmiges Instrument, das es erlaubt, die Position der Gestirne zu einem gegebenen Zeitpunkt zu bestimmen und so aus der Position der Gestirne das dazugehörige Datum und die Uhrzeit abzuleiten. Ein weiteres Highlight ist eine Nachbildung der Raumsonde Philae, die 2014 als erste auf einem Kometen landete.

Station 1: Sonnenobservatorium Goseck

Nur rund 35 Kilometer vom Fundort der weltberühmten Himmelsscheibe von Nebra entfernt, befindet sich einer der frühesten archäologischen Belege für systematische Himmelsbeobachtungen, das Sonnenobservatorium Goseck. Und man glaubt es kaum: Diese vor 7.000 Jahren entstandene Kreisgrabenanlage ist rund 2.000 Jahre älter als der Steinkreis von Stonehenge. Im Jahre 1991 wurde sie bei einem Erkundungsflug entdeckt, es begannen die ersten Ausgrabungen der Anlage und im Jahre 2005 war sie vollständig rekonstruiert. Die Kreisgrabenanlage in Goseck eignet sich natürlich hervorragend zum Sternebeobachten, denn unsere Vorfahren wussten genau, wo man solch eine Anlage am besten errichtet. Da die Anlage auf dem freien Feld liegt - lediglich der Ort Goseck ist in Sichtweite - gibt es so gut wie keine störende Lichtverschmutzung.

Durch die Palisaden der Anlage wird man von den Lichtquellen des Ortes gut abgeschirmt und kann so weit und tief in den Himmel sehen. Zur Wintersonnenwende kann man hier beobachten, wie die Sonne im Südwesttor untergeht und am Morgen danach im Südosttor wieder aufgeht, ein faszinierendes Schauspiel. Im benachbarten Schloss Goseck beleuchtet das Informationszentrum die Hintergründe der Kreisgrabenanlage mit sehenswerten Exponaten. Von April bis Dezember ist die Ausstellung täglich geöffnet, von Januar bis März nach Vereinbarung. Das Sonnenobservatorium Goseck strahlt auch zur Tageszeit eine intensive, beinahe magische Anziehungskraft aus. Es verzichtet auf große Gesten, es liegt einfach da seinem Platz als ob es genau hier und für die Ewigkeit gebaut sei.

Station 2: Arche Nebra und die Himmelsscheibe 

Ein weiterer perfekter Sternensucher-Ort liegt nur rund 35 Kilometer weiter nordwestlich von Goseck in Nebra. Die Arche Nebra ist ein modernes Besucherzentrum am Fundort der Himmelsscheibe von Nebra. Es erklärt anschaulich und mit einer modernen, interaktiven Präsentation, welches Wissen auf der 3.600 Jahre alten kreisförmigen Bronzeplatte verschlüsselt ist. Dabei richtet sich das Zentrum nicht nur an Astronomie-Begeisterte, sondern auch an Familien. Voraussichtlich ab Januar 2021 können Eltern und Kinder ab zehn Jahren jeden letzten Sonntag im Monat am Familiennachmittag mit astronomischem Forscherlabor teilnehmen. Auch die Vorträge, Ferienworkshops und die Veranstaltungen zur Wintersonnenwende am 19. Dezember und der Sommersonnenwendeabend am 19. Juni sind beliebte Termine, um der Arche Nebra einen Besuch abzustatten und den Sternenhimmel zu bewundern. Ob und wann genau solche Veranstaltungen aktuell durchgeführt werden, sollte man im Vorfeld kurzfristig beim Besucherzentrum erfragen.  

Außerdem eignet sich der Ort natürlich auch das ganze Jahr hindurch - wen würde es wundern - ganz besonders zur Himmelsbeobachtung: Bei Veranstaltungen mit Sternebeobachtung geht die Arche Nebra immer auf den Mittelberg, den Fundort der Himmelsscheibe von Nebra. Dort auf dem Bergplateau ist es zwischen den Bäumen gut abgeschirmt und so dunkel, dass man viel sieht. Der Fußweg durch den Wald beträgt zwar sechs Kilometer hin und zurück, aber man wird mit grandiosem Blick in den Sternenhimmel belohnt. Auf dem Mittelberg unweit der Fundstelle der Himmelsscheibe befindet sich auch ein 30 Meter hoher und um 10 Grad geneigter Aussichtsturm, der Sichtbeziehungen zu bestimmten markanten Punkten in der Umgebung herstellt. Dazu gehören zum Beispiel der Kyffhäuser mit dem Kulpenberg oder der Harz mit dem Brocken. Als Wohnmobilstellplatz am Besucherzentrum eignet sich auch der Parkplatz unterhalb der Arche Nebra, den Wohnmobilisten gerne nutzen, weil es hier so ruhig zum Schlafen ist. Er ist momentan noch kostenlos, es gibt allerdings keine weitere Infrastruktur.

Station 3: Dolmengöttin von Langeneichstädt

Rund 30 Kilometer nordöstlich von Nebra in Langeneichstädt liegt auf freiem Feld ein weiterer Ort, der für die Sternenbeobachtung prädestiniert ist - ringsherum gibt es kilometerweit keine störenden Lichtquellen. Außerdem ist man auf dem Parkplatz an der Anlage meistens unter sich und kann den abendlichen Sternenhimmel so richtig genießen. In Langeneichstädt wurde im Jahre 1987 bei Feldarbeiten ein interessanter Fund gemacht: Zufällig stieß man auf ein Steinkammergrab, das rund 5.500 Jahre alt ist. Dabei kam neben Schmuck aus Tierknochen, Marmor und Bernstein auch eine Menhirstatue mit der Darstellung einer Dolmengöttin zum Vorschein. Auf dem Gelände neben dem mittelalterlichen Wartturm kann eine Kopie des Menhirs besichtigt werden. Das Original wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle aufbewahrt, das auch die originale Himmelsscheibe beherbergt. 

Das Grab und der Menhir der Göttin entstanden zwischen 3.600 und 2.700 v. Chr.. Der Menhir ist fast zwei Meter groß und weist im oberen Bereich zahlreiche Ritzungen auf, die eine weibliche Gottheit darstellen sollen. Außerdem ist eine Axt zu erkennen. An den Seiten zeigen sich Abnutzungsspuren, die auf einen religiösen Brauch hinweisen: Die Forscher sind der Meinung, dass man sich damals von der Berührung des Menhirs Fruchtbarkeit für Mensch, Tier und Pflanzen erhoffte. Ebenfalls einen Blick wert ist der Wartturm in der direkten Nachbarschaft, der einst Bestandteil eines hochmittelalterlichen Landwehrsystems gewesen ist. Der Turm ist allerdings nur zu besonderen Gelegenheiten im Rahmen von Führungen zugänglich, da der einzige Eingang - wie bei solchen Anlagen üblich - auf einer Höhe von etwa acht Metern liegt und nur über eine Leiter erklommen werden kann. Eine solche Gelegenheit bietet sich beispielsweise alljährlich am Pfingstsonntag, wenn der Warteverein Langeneichstädt die Besucher zu einem Fest auf dem Freigelände einlädt. 

Station 4: Halle - Landesmuseum für Vorgeschichte, Oberburg Giebichenstein und neues Planetarium

Auch in Halle kommen Sternensucher auf ihre Kosten. Ein beliebter Aussichtspunkt ist beispielsweise die Ruine der Oberburg Giebichenstein oberhalb der Saale. Hier hat man einen weiten Blick auf den Himmel direkt an der Saale und durch die Höhenlage ist es auch dunkel genug für die Sternschnuppensuche, die insbesondere zur Zeit der Perseiden im August erfolgsversprechend ist. Entsprechend voll wird es dann aber auch. Denn jeweils Anfang August rund um die Zeit der Perseiden zieht die Oberburg Giebichenstein mit Picknicken unter Sternenhimmel samt Sternschnuppen-Garantie und Sommerkino die Sternensucher an - pro Stunde kann es zu dieser Zeit bis zu einhundert Mal am Firmament funkeln. Aber auch zu anderen Jahreszeiten bietet das romantische Ambiente des Giebichensteins eine tolle Plattform zum Sternegucken. Im Lauf des Jahres 2021 wird sich in Halle übrigens eine weitere schöne Option für einen Ausflug in die Welt der Sterne eröffnen: Voraussichtlich bis Ende Oktober 2021 soll das neue Planetarium im ehemaligen Gasometer auf dem Holzplatz fertig gebaut sein. Es bietet bereits jetzt großzügig angelegte Parkmöglichkeiten für Pkw, Wohnmobile und Busse.

Nahezu ein Muss für Astronomie-Fans ist in Halle auch ein Abstecher in das Landesmuseum für Vorgeschichte in der Richard-Wagnerstraße. Denn hier gibt es die Original-Himmelsscheibe von Nebra zu sehen. Sie zeigt die weltweit älteste bisher bekannte konkrete Darstellung des Kosmos und ist ein einzigartiges Zeugnis der Menschheitsgeschichte. Der auf der Himmelsscheibe abgebildete Sternenhimmel zeigt in der ersten Phase 32 Sterne sowie Vollmond beziehungsweise Sonne und Sichelmond. Bis auf eine Ansammlung aus sieben Sternen folgt die Anordnung der restlichen 25 Sterne keinem erkennbaren Muster. Sie bilden kein bekanntes Sternenbild ab, vielmehr sind sie mehr oder weniger gleichmäßig um die übrigen Himmelskörper herum angeordnet. Dadurch wird der Fokus umso mehr auf die Gruppe der sieben, eng beieinander platzierten Sterne gelenkt. Diese Sternengruppe symbolisiert die Plejaden, die als so genanntes Siebengestirn weltweit durch alle Zeiten und Mythe als Kalendersterne erwähnt werden und immer wieder in ähnlicher Weise dargestellt wurden. Die Himmelsscheibe diente nach derzeitigen Erkenntnissen unter anderem als astronomische Erinnerungsstütze für diejenigen, die den Himmel der Bronzezeit beobachteten. Die Plejaden konnten zur Bestimmung des Zeitpunkts von Aussaat und Ernte und damit zur Strukturierung des bäuerlichen Jahres genutzt werden. 

Station 5: Ringheiligtum Pömmelte

Eine weitere Möglichkeit, um den Blick in den Sternenhimmel mit spannender Kulturgeschichte zu verbinden, ist ein Besuch in der weiten Elblandschaft südlich von Magdeburg. Hier fanden Archäologen die Überreste eines mehr als 4.000 Jahre alten Kultortes: die Kreisgrabenanlage von Pömmelte, die am originalen Fundort rekonstruiert wurde und jederzeit frei zugänglich ist. In Größe, Struktur und Funktion gleicht das Ringheiligtum Pömmelte dem englischen Stonehenge. Die Steinzeit-Anlage in Pömmelte bestand jedoch nicht aus mächtigen Felsbrocken, sondern aus Tausenden von Holzpfählen. Heute kann man von einem neu errichteten Turm aus den Abendhimmel erkunden und die Anlage aus der Vogelperspektive überblicken. Außerdem sind im benachbarten Salzlandmuseum in Schönebeck an der Elbe weitere Fundstücke aus dieser Zeit zu sehen, die detaillierte Einblicke in das damalige Leben sowie die komplexen Rituale und Opferhandlungen geben.

Video: Drohnenflug über das Ringheiligtum Pömmelte 

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Station 6: Sternegucken in und um Magdeburg 

Nicht mehr Teil der Himmelswege, aber dennoch ein schöner Spot zum Sternegucken und interessanter Geschichts-Exkurs ist ein Abstecher zum Steinzeitdorf Randau an der Müllerbreite 40 in der Nähe von Magdeburg. Auch hier wird Prähistorisches zu neuem Leben erweckt. Die Mitglieder des Fördervereins Randau betreiben und pflegen mit großem Engagement ein Steinzeitdorf, das mit den Behausungen, Hütten und Scheunen nicht nur Schülern, Familien und Gruppen aller Art einen lebendigen Zugang zum Leben unserer Vorfahren ermöglicht. Auf Anfrage kann man auch mit einer kleinen Wohnmobilgruppe das Dorf als Stellplatz zur Übernachtung anmieten und hier ganz ungestört in den Abendhimmel schauen. 

Auch in Magdeburg selbst gibt es zwei besonders geeignete Hotspots zum Sternegucken: Da ist zum einen der Jahrtausendturm im Elbauenpark Magdeburg, auf dessen Außenrampe die Astronomische Gesellschaft Magdeburg regelmäßig Himmelsbeobachtungen veranstaltet. Zum anderen bietet das Astronomische Zentrum Magdeburg Himmelsbeobachtern ein Planetarium und Sternwarte.

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