Skitouren in Nordnorwegen – Die Lyngenalpen

freeontour
von Marius Schwager

Skitouren in Nordnorwegen – Die Lyngenalpen

Über dem Alpenraum herrscht verbreitet Hochdruckeinfluss – der morgendliche Blick auf die Wetter- und Neuschneeprognose kann im alpinen Winter schonmal sehr eintönig ausfallen.

.Plötzlich blinkt eine Nachricht auf meinem Handy auf: "Hast du Lust auf Norwegen? Habe hier ein paar Bilder aus den Lyngenalpen, die du dir mal anschauen solltest. Da hat’s richtig viel Schnee!"

Die Nachricht von Fabian kam an diesem trübseeligen Spätwintermorgen genau richtig:

Natürlich war mir als wetterabhängiger Powdersüchtiger der schneereiche Winter in Skandinavien nicht verborgen geblieben. Schnell waren Flüge und Mietwagen gebucht, mit Patrick und Georg zwei weitere Mitstreiter gefunden und schon saßen wir im Mietwagen um die 1200 km von Trondheim in den Norden Norwegens zu gelangen. Unsere Nasen klebten nahezu während der gesamten langen Fahrt an den Autoscheiben, um ja keinen Blick auf die fantastischen Skiberge hier weit nördlich des Polarkreises zu verpassen. Unser Reiseziel: die Lyngenalpen.

Wintercamping am Fjord

Unser erster Eindruck vor Ort ist uneinheitlich. Die Berge scheinen hier direkt aus dem Meer zu wachsen. Ein wirres Geflecht aus malerischen Fjorden zieht sich weit in die Landmasse hinein. Zwar liegt noch ein satter Meter Schnee bis hinunter zum Meer, doch ist das Wetter eher typisch skandinavisch: trübe Wolkenstimmung, zermürbender Schneeregen und eine durchfeuchtete Schneedecke in den tieferen, kontrastreichen Strauchlagen.

An Skitouren ist bei diesem Sauwetter nicht zu denken. Die ersten Tage entscheiden wir uns daher im Zelt zu verbringen. Unser Basislager ist am kleinen Hafen im Fünf-Häuser-Dorf Koppangen. Fabian und ich zelten direkt am Meer, die beiden Mitstreiter Georg und Patrick ziehen den luxuriösen Kofferraum unseres Mietwagens dem Campieren vor. Wer in Norwegen zeltet oder biwakiert muss nach den Grundsätzen des "Jedermannrechts" lediglich beachten, dass er mindestens 150 m vom nächsten Haus entfernt steht und der Natur keinen Schaden zufügt bzw. seinen Abfall wieder mitnimmt. Für uns Natursportler ist das ohnehin Ehrensache.

Unser Zeltplatz besticht mit Feuchte und Kälte, bietet allerdings direktem Meerblick und unmittelbarem Meerzugang. Nach der ersten Nacht merken wir auch direkt, wie direkt und unmittelbar der Meerzugang ist. Unser Zelt haben wir bei Ebbe aufgebaut, jetzt morgens wachen wir auf, und die Wellen schwappen bis genau 1 Meter vor das Zelt. Jetzt ergibt diese 1-Meter hohe Schneewand, auf die wir unser Zelt gestellt haben auch Sinn. Als Alpenbewohner hat sich das Konzept Ebbe und Flut etwas überraschend nun auch in unsere Gehirnwindungen eingeprägt.


Einige Tage verbringen wir so im Zelt bzw. Kofferraum, graben uns tagsüber durch durchnässten Schnee kleine Hänge hoch und fahren und springen kleine Hügel und zugeschneite Felsen hinunter. Kurz: Wir sitzen den Sturm aus, viel mehr als raue Landschaft ist hier oben in Nordnorwegen ohnehin nicht – und genau wegen dieser Ruhe und Abgeschiedenheit zieht es auch immer mehr Menschen hier in den abgelegenen Norden. Nach diesen kurzen sportlichen Aktivitäten schlagen wir die Zeit im wärmenden Vorraum des örtlichen Supermarktes in Lyngseidet tot. Winter in Nordnorwegen ist nunmal rau und oft auch unbequem.

Skitour zum Tafeltinden

Wetterbesserung. Die Sonne soll sich heute im Tagesverlauf zeigen, der Wind abschwächen. Schweren Schrittes ziehen wir frühmorgens Richtung Tafeltinden los. Der erste Steilhang ist geschafft, doch der Wind wird zunehmend stärker. Gut, dass wir am ersten Tag einen so beliebten Tourenklassiker wie den Tafeltinden ausgewählt haben, so können wir uns mit den anderen Gruppen auf dieser sehr beliebten Skitour beraten.

Wir besprechen uns an der ersten steilen Schlüsselstelle intern, fragen anschließend zwei Guides, die eine Gruppe führen. Sie entschließen sich ihre Tour zu beenden. Der Wind hat den Neuschnee der vergangenen Tage stark verfrachtet in unserer Routen sind aber keine Gefahrenzeichen erkennbar. Eine Gruppe Franzosen stößt zu uns und zeigt uns auf ihrer Tourenkarte den Weiterweg. Wir entschließen uns weiterzugehen, halten in dem vor uns liegenden engen Tal aber sehr große Sicherheitsabstände. Später stellen wir fest, dass sich der Neuschnee doch besser mit dem Altschnee verbunden hat als zuerst befürchtet. Das feuchte Klima am Meer scheint sehr stabilisierend auf die Schneedecke zu wirken. Lawinen sind hier selten – dennoch sollte hier im freien Gelände Vorsicht walten lassen: Die Rettungsketten sind lange, oft herrscht kein Handyempfang und einen Lawinenlagebericht wie in den Alpen gibt es sowieso nicht. Wer kein erfahrener Skitourengeher ist, schaut sich daher besser vorab nach einem Bergführer um.

Nach dem Tal gelangen wir zügig auf den weitläufigen, flachen Koppangsbreen („breen“ = norwegisch: Gletscher). Einige Stunden später mit toller Aussicht auf Gletscher, steile Berge und Meer kommen wir am Gipfel an. Zumindest nehmen wir das an. Unsere französischen Freunde mit Tourenkarte und GPS bewaffnet, haben jedoch auf den falschen Vorgipfel zugesteuert.


Macht nichts, der Tafeltinden ist fast in Wurfnähe und die Aussicht ist ohnehin wie aus einem feuchten Skitourengehertraum. Statt noch einmal eine Stunde flach zu laufen, belassen wir es einstimmig dabei. Die Abfahrt folgt der Aufstiegsspur. Der frische Neuschnee und die malerische Aussicht auf den Strup-Gletscher und das Meer bzw. die Fjorde entschädigt allemal für die Aufstiegsmühen und ist ein wahrer Genusswedler-Leckerbissen.

Ausgelaugt nach dieser kilometerschwangeren Skitour fanden wir eine feste Unterkunft für einige Tage in der Magic Mountain-Lodge in Lyngseidet. Patrik und Henrika, zwei junge Ex-Skibums und Weltreisende haben hier eine Lodge im Hostel Stil gegründet. Diese hat zwar mitlerweile den Besitzer gewechselt, ist aber dennoch eine empfehlenswerte Ausgangsadresse, wenn Zelt oder Wohnwagen doch zu kalt sind.


Weitere Skitouren gehen wir noch auf der Westseite der Lyngenalpen-Halbinsel. Hier ist das Wetter noch unbeständiger, als auf der Ostseite. Die Winterstürme treffen hier auf die steilen Flanken der Lyngenalpen und toben sich richtig aus. Dahinter im Windschatten ist auf der östlichen Seite des Lyngenfjords um Skibotn oft ruhigeres Wetter – aber auch gerne deutlich weniger Schnee. Wir erwischen noch einige gute Tage auf der Westseite und leben die Freiheit, die so viele hier ganz in den Norden Europas zieht. Irgendwo an der Straße parken wir unser Auto und gehen dort, wo es uns gefällt, einen Berg hoch. Immer einfach der Nase lang, nur den Regeln der Natur folgend sind wir dabei weit und breit die einzigen Menschen – und erwischen sogar desöfteren richtig guten Skitourenschnee.

Informationen:

Anreise aus Deutschland:

Per Flugzeug: 
Nach Trondheim und ca. 14 Stunden Autofahrt nach Lyngseidet. Alternativ Flug nach Tromsö und ca. 1-3 Stunden Autofahrt.

Anreise mit dem
Fahrzeug:
Mit Wohnmobil oder Wohnwagen ist über Dänemark/Kopenhagen und Oslo möglich, alternativ und entspannter per Fähre von Norddeutschland nach Schweden oder Norwegen (verschiedene Optionen möglich).

Unterkünfte und Verpflegung

Norwegen zählt zu den Ländern mit den höchsten Lebenshaltungkosten, entsprechend teuer ist hier auch ein Skiurlaub und insbesondere Unterkünfte und Verpflegung. Lebensmittel kosten im Schnitt zwei-bis dreimal so viel wie in Deutschland. Übernachtungen mit Frühstück gibt es ab 50.- Euro, Abendessen ab ca 30.- Euro.

Wer mit dem Auto bzw. Wohnmobil anreist, tut gut daran sich Lebensmittel bis zur erlaubten Freimenge mitzunehmen zu fischen und sich selbst zu verpflegen. An den Grenzen sind penible Kontrollen üblich.

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Skibotn, 9048, Skibotn, Norwegen
Olderelv Camping

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