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Peloponnes – die Vielfältigkeit Griechenlands auf kleinem Raum - Teil 2 -

Outdoor und Sport
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von Hymer

Peloponnes – die Vielfältigkeit Griechenlands auf kleinem Raum - Teil 2 -

Eine Wohnmobil-Reisereportage mit Text und Bildern von Alexandra Stocker

Nur für schlanke Wohnmobile – Argolis‘ Hinterland
Entspannt und glücklich über die Entdeckung dieses Geheimtipps machen wir uns auf, noch mehr von Argolis zu sehen.

Einer der Bewohner der Halbinsel Argolis: die griechische Landschildkröte.

Und tatsächlich bietet die Halbinsel eine große Vielfalt auf kleinem Raum: Von einsamen Berglandschaften in welchen die griechische Landschildkröte beheimatet ist, über reizende Städte wie Nafplio mit seiner Burganlage die hoch über der Stadt und den Wogen des Argonischen Golfs thront, bis hin zu versteckten Kirchen in Dolinen-Höhlen und eindrücklichen Ausgrabungen mit einem riesigen Amphitheater das 20.000 Personen fasst in Argos. Immer wieder locken einsame Strände zum Schwimmen oder Picknicken am Meer und im Landesinneren erkunden wir verschlafene Bergdörfer, in welchen die Zeit still zu stehen scheint.

Ganz einfach sind die Verkehrsschilder - in griechischen Lettern geschrieben - nicht zu entziffern.

Nie mehr vergessen werden wir Kastanitsa! Zum einen, weil es ein wunderschön gelegenes und liebevoll gepflegtes
Bergidyll ist und zum anderen, weil wir für einen Moment lang denken, wir müssen unser Wohnmobil dem Bergdorf opfern!

Kastanitsas Straßen sind unglaublich eng!

Kastanitsas Straßen sind unglaublich eng und selbst mit unserem schlanken HYMER Van ist das Häuserumzingeln eine echte Herausforderung mit Millimeterarbeit und Anweisungen der ausgestiegenen Beifahrerin. Dies natürlich alles unter neugierigen Blicken und Staunen der Dorfbevölkerung.

In Begleitung von Ziegen schlängeln wir uns wieder der Küste und damit dem zweiten Finger, Lakonien, entgegen. Ost Lakonien ist gebirgig-schroff, wild, einsam und idyllisch-herb. Der über 1.000 m ü. M. reichende Gebirgszug machte in
antiken Zeiten Lakonien zu einer natürlichen Festung und auch heute noch spürt man die Isolation und die Eigenheit der stolzen Bewohner. Auf dem Weg der Ostküste entlang brauchen wir viel Zeit da die schmalen, buckeligen Straßen hohe Konzentration fordern. An einem vergessenen Küstenabschnitt versuchen wir die Weiterfahrt in Meeresnähe über eine Schotterpiste, welche mehr und mehr ansteigt und uns steil ins Gebirge führt. Unser Fahrzeug ächzt und stöhnt bis es schließlich kapitulieren muss: mit dem Vorderradantrieb gibt es hier kein Weiterkommen. Auf der engen, ausgesetzten Bergstraße ist es unmöglich zu wenden, so dass wir schließlich einige Kilometer im Rückwärtsgang den Berg hinunter rollen müssen. Nach diesem ungewollten Abenteuer bleiben wir lieber auf den Hauptstraßen. Schließlich sind auch diese kaum befahren und führen durch beeindruckende Gegenden. An einer tief in den Küstenklippen eingebetteten Kiesbucht finden wir Erholung von der strapaziösen Fahrt und Erfrischung in den Wogen des Meeres.

Auf keinen Fall sollten Sie die mittelalterliche Siedlung Monemvassia verpassen.

Unbeirrt wacht die Zitadelle über der Festungsstadt.

Weit im Süden des Peloponnes wartet eine Perle, an der man auf keinen Fall vorbeifahren sollte: Monemvassia. Vom Festland Lakoniens aus kaum erkennbar, schmiegt sich die mittelalterliche Siedlung mit der Zitadelle, die über der Festungsstadt wacht, an die Ostküste einer Felsinsel, die mit Lakonien nur durch einen schmalen Isthmus verbunden ist.

Liebevoll wurden die vom Zerfall bedrohten Steinhäuser restauriert und

Blumenschmuck säumt die engen Gassen der mittelalterlichen Siedlung.

In den letzten Jahren wurden die vom Zerfall bedrohten Steinhäuser liebevoll restauriert und die engen Gassen mit Blumenschmuck gesäumt. Monemvassia scheint uns ein gutes Beispiel, wie eine historische Stätte renoviert wurde, ohne
den alten Charme zu verlieren und den Touristen einfach zugänglich gemacht wurde, ohne überlaufen zu werden. Die steilen Treppen die zur Zitadelle führen lassen den Schweiß strömen und nach der Belohnung durch einen herrlichen Fernblick springen wir ins klare Nass.
Die Fahrt von der Ostküste über kurvige Bergstraßen zur Westseite der Landzunge dauert nicht lange und in der Nähe von Neapoli richten wir uns oberhalb der lauschigen Bucht von Paleokastro mit perfektem Sonnenuntergang-Blick ein.

Traumhafter Sonnenuntergang!

Wir möchten ganz in den Süden Lakoniens und versuchen auf ruppiger Piste die Zivilisation endgültig zurück zu lassen. Wir kommen aber an einen Punkt, wo die Weiterfahrt nicht mehr empfehlenswert ist, lassen das Wohnmobil stehen und nehmen die Bikes vom Fahrradträger.

Stürmisch bläst der Wind bei unserer Erkundung des Kap Maleas.

Trotz heftigem Gegenwind genießen wir eine herrliche Fahrt der wilden Küste entlang. Irgendwann ist dann auch Schluss mit radeln und wir machen uns zu Fuß auf, den Südzipfel des Kap Maleas zu erforschen. Wir stoßen auf keine einzige Menschenseele und werden nur vom Geschrei der Möwen begleitet. Je weiter südlich wir vorstoßen, umso stürmischer werden die Böen. Auf dem ausgesetzten Küstenwanderweg fühlen wir uns nicht mehr richtig wohl und treten schließlich den Rückweg an, ohne die Südspitze erreicht zu haben. Der Ausflug hat sich aber alleweil gelohnt und die raue Schönheit der kargen Klippen und des türkisfarbenen Meeres sind unvergesslich.

Selten kommen Einheimische zum Strandspaziergang an unseren Plätzchen vorbei.

Weniger wild, dafür umso einladender zum Baden sind die Strände des Lakonischen Golfs östlich von Githio. Rund um Githio gibt es einige schön angelegte Campingplätze, die im Sommer zahlreiche Badefreunde anlocken. Nun, Mitte Dezember sind die Tore zu den Plätzen verschlossen und die Strandparkplätze – einige sogar sehr idyllisch gelegen – laden zum Bleiben ein. Selten kommen Einheimische zum Strandspaziergang an unseren Plätzchen vorbei, beginnen mit Händen und Füssen ein Gespräch, oder schenken uns sogar frische Orangen und Mandarinen. Was sie jedoch weniger verstehen können sind unsere Schwimmrunden, die wir täglich im Meer drehen. So etwas ist viel zu kalt für Griechische Verhältnisse!

Im Taygetos Gebirge herrscht eine unglaubliche Ruhe.

Da im Moment noch keine Anzeichen auf Winter oder gar auf Schnee stehen, entscheiden wir uns – gelockt vom höchsten Gipfel auf Peloponnes – noch einmal ins gebirgige Landesinnere aufzubrechen. Ziel ist das Taygetos Gebirge mit dem pyramidenförmigen Profitis Illias, der mit stolzen 2.407 m ü. M. über Südpeloponnes wacht.

Man spürt, wie sich die Natur auf den Winter vorbereitet.

Wären uns zu Hause Wanderbücher der Gegend in die Hände gekommen, hätten wir sie wohl wieder zur Seite gelegt: Mitte Dezember wandern? Nein, bestimmt nicht möglich. Aber wir lassen uns gerne von etwas Anderem überzeugen: An einem sonnigen Tag mit wunderbarer Fernsicht machen wir uns schließlich auf die Wanderung auf und genießen die Berge für uns alleine. Es herrscht eine unglaubliche Ruhe, man spürt wie sich die Natur auf den Winter vorbereitet und wir fragen uns, wie lange es wohl noch dauern wird, bis eine erste Schneekappe den Gipfel des Profitis Illias einhüllen wird.

Wie diese spannende Reise ihr Ende findet und welch unterwartete “Ausgrabungen” auf die beiden Abenteurer warten, erfahren Sie im dritten Teil unseres Reiseberichts:

Peloponnes – die Vielfältigkeit Griechenlands auf kleinem Raum - Teil 3 -