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Peloponnes – die Vielfältigkeit Griechenlands auf kleinem Raum - Teil 1 -

Outdoor und Sport
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von Hymer

Peloponnes – die Vielfältigkeit Griechenlands auf kleinem Raum - Teil 1 -

Eine Wohnmobil-Reisereportage mit Text und Bildern von Alexandra Stocker

Woran denkt man, wenn man „Griechenland“ hört? An antike Ausgrabungen und faszinierende Bauten alter griechischer Völker? An Ferieninseln, Sonne, Strand und Meer? An köstliches, mediterranes Essen frisch aus dem Mittelmeer? Bestimmt treffen diese Vorstellungen zu, doch Griechenland bietet mehr als nur beliebte Sommerferieninseln. Die Halbinsel Peloponnes, die ihre Finger ins Mittelmeer streckt, steht oft im Schatten der bekannten Inseln. Dass Peloponnes zudem auf bequeme Art und Weise mit dem Wohnmobil bereist werden kann, macht die Gegend im Südwesten Griechenlands umso attraktiver. Hinzu kommt, dass das Götterland das ganze Jahr über einladendes Wohnmobilisten-Klima bietet. Wir begeben uns mit unserem HYMER Van Anfang Dezember auf der Suche nach Sonne und Wärme nach Hellas.


Und schon sind wir da!
Nur gerade mal 27 Stunden liegt ein mildes Spätherbst-Klima von den kalt-nassen Dezembertagen der Schweiz entfernt. Dies erhoffen wir uns zumindest. So lange braucht nämlich die Fähre von Venedig nach Igoumenitsa an Griechenlands Westküste. Während Anfang Dezember schwere Regenwolken über den geschäftigen Frachthafen ziehen und uns eine ungemütlich steife Seebrise um die Nase weht, fragen wir uns ob unsere Entscheidung, im Dezember nach Griechenland zu reisen, wohl richtig war. Zweifel kommen auf und wir hoffen, genügend Gasvorrat im Wohnmombil mitzuführen. Etwas mulmig ist uns schon, vor allem auch weil sich zwischen den wartenden Fahrzeugen keine weiteren Womos erspähen lassen. Aber in 27 Stunden kann
ja noch viel passieren…

Bei der Abfahrt der Fähre von Venedig hängen noch dunkle Regenwolken am Himmel.

Wir stellen unser HYMER-Reisemobil im großen Fährenbauch ab und beziehen eine kleine Innenkabine. Es dauert nicht lange und der Motor des riesigen Schiffes lässt den Boden erzittern. Wir lassen ein verregnetes Venedig zurück und sind bald einmal nur noch vom Grau des Himmels, welches auf das noch dunklere Grau der aufgewühlten Adria trifft, umgeben. Zeit, uns in unsere Kabine zurück zu ziehen und uns in unsere Reiseliteratur zu vertiefen. Bilder von herrlichen Sandstränden, badenden Gästen, traumhaften Sonnenuntergängen und malerischen Ortschaften stimmen uns auf Griechenland ein. Zum Glück hat unsere Kabine kein Fenster, sonst könnten Zwiespalte aufkommen, ob wir solch einen blauen Himmel während den kommenden vier Wochen überhaupt je einmal zu Gesicht bekommen würden.

Auf der Fähre träumen wir von herrlichen, menschenleeren Sandstränden.

Nach einer ruhigen Nacht inmitten der Adria erspähen wir im Laufe des Morgens bereits erste Landumrisse. Der Regen hat sich zwar verzogen, trotzdem hängen immer noch dunkle Wolkenfetzen vom Himmel. Das Land, welchem wir uns nähern wirkt trist und monoton. Aber wir lassen uns nicht entmutigen und erwarten unseren Landgang mit Spannung. Wir rollen von Board und fahren eine erste Etappe ostwärts bis nach Ioaninna wo wir den Campigplatz anpeilen. Natürlich ist dieser – wir haben es auch nicht anders erwartet – im Dezember geschlossen. Aber freundlicherweise dürfen die wenigen Wintercampinggäste die Stellplätze direkt an einem idyllischen See trotzdem benutzen. Der hohe Wasserspiegel des Sees und die vielen Pfützen auf dem Campingareal zeugen von starkem Regen der vergangenen Tage. Können wir nur hoffen, dass dieser nun der Sonne Platz macht. Und tatsächlich zeigen sich tags darauf erste Sonnenstrahlen, als wir durch Ioannina schlendern, die gemütliche Kleinstadt geniessen und uns auf dem Markt mit frischem Gemüse und Obst eindecken. 

Die Orangen- und Mandarinenbäume haben schwer unter Ihrer reifen Last zu tragen.

Es ist Orangen- und Mandarinenzeit und die frischen Früchte schmecken ausgezeichnet. Mit Lebensmitteln und köstlichen griechischen Spezialitäten wie Oliven und Feta ausgestattet, treten wir die Entdeckungsreise in Richtung Süden an. Durch Hügelland nähern wir uns der verkehrsreichen Stadt Arta, welche wir links liegen lassen. Der Verkehr auf der Hauptachse
Nr. 5 ist hektisch und wir lernen den griechischen Fahrstil bald einmal kennen. Da wird gedrängt, gehupt, wild mit den Armen gefuchtelt und halsbrecherisch überholt. Wir lernen sofort: die Schnellstrassen sind nichts für Wohnmobilisten. Diese überlassen wir lieber den heissblütigen Griechen und begeben uns auf verkehrsarme, schön zu befahrende Nebenstrassen. Mit der Überquerung der imposanten Rio-Antirrio-Brücke über den Golf von Korinth, die vom Festland auf die Peloponnes Halbinsel führt, lassen wir definitiv die Hektik zurück und tauchen in ein entspanntes, gemütliches Griechenland ein.
Schweiz -25°C, Griechenland +25°C
Kurz nachdem wir den Peloponnes erreicht haben, breitet sich eine außergewöhnliche Wärmewelle über Hellas aus – und diese wird uns glücklicherweise noch weitere Wochen treu begleiten. Während uns von Zuhause Mitteilungen über eisige Dezembertemperaturen von bis zu -25°C erreichen, tanken wir Tag für Tag Sonne bei bis zu über 25°C. Es ist eine Wonne,
bei dieser unerwarteten Wärme die Halbinsel langsam zu entdecken. Wir können es uns auch nicht verkneifen, einen Sprung ins kühle Nass des Korinth-Golfes zu wagen und staunen über die angenehmen Wassertemperaturen. Was uns aber vor allem gefällt sind die leeren Strände, die uns alleine zu gehören scheinen. 

Nicht nur ein Traum: die menschenleeren Sandstrände.

Da die meisten Campingplätze um diese Jahreszeit schon längst im Winterschlaf liegen, suchen wir uns jeweils ein schönes Übernachtungsplätzchen mit Meerblick aus. Der Küste entlang fahren wir bis nach Diakofto, um von dort aus mit einer alten Schmalspur-Eisenbahn in die Berge nach Kalavrita zu fahren.

Eine Schmalspur-Eisenbahn bringt Besucher hoch zum Kloster Megaspiläon.

Durch enge Schluchten und über schwindelerregende Brücken schlängelt sich die Bahn die Berge hoch bis zum Fusse des Klosters Megaspiläon, einem bedeutenden griechischen Nationalheiligtum. Zu Fuß wandern wir bei brütender Mittagshitze
zum Kloster, welches eindrücklich wie ein Schwalbennest im Felsen klebt und die einsame Berglandschaft überblickt. 

Wie ein Schwalbennest klebt das Kloster im Felsen.

Den Rückweg nach Diakofto nehmen wir zu Fuss in Angriff – und das zwar auf den Bahngeleisen. Dies ist offiziell erlaubt, kriecht doch nur selten ein Zug durchs Tal. Trotzdem spitzt man ständig seine Ohren um in den Tunnels nicht eine unangenehme Überraschung zu erleben. Wandernd lässt sich die Schlucht noch besser bestaunen und der Sonnen-
untergang beim Eintreffen am Meer belohnt uns für den langen Fußmarsch.

Das blaue Meer erwartet uns nach dem langen Fußmarsch mit einer erfrischenden Abkühlung.

Bei Derveni verlassen wir die Küste, um dem Killini-Gebirge einen Besuch abzustatten. Waren die Küstenabschnitte schon einsam, ist das Landesinnere noch verlassener. Im Sommer mögen sich Hitzeflüchtige und Wandertouristen in den Bergen tummeln, doch jetzt gibt es nebst den wenigen einheimischen Bergbauern und ihren Tieren, die auf den Strassen ihr Mittagsnickerchen abhalten, niemanden. Im Gebirge spürt man den nahenden Winter und ein kühler Wind weht über die kahlen Bergkämme. 

Trotz des kühlen Windes machen wir uns auf eine Wanderung an der Großen Ziria. 

Wir genießen die Ruhe und Ursprünglichkeit im märchenhaften Flambouri Tal.

Trotzdem schnüren wir unsere Wanderschuhe und genießen die Ruhe und die Ursprünglichkeit der Natur an der Großen
Ziria und im märchenhaften Flambouri Tal. Es ist nicht immer einfach, die Einstiege zu den Wanderwegen zu finden und manchmal wählen wir die Routen auch nach eigenem Gutdünken. Die Nächte sind frisch und abends müssen wir doch ab
und zu die Wohnmobilheizung in Betrieb nehmen. Als dann dunkle Wolken Regen ankünden uns wir sogar den Eindruck haben, Schneeflocken erspäht zu haben, entscheiden wir uns für den Rückzug an die Küste. Kaum haben wir das Meer erreicht, lacht uns wieder die warme Sonne entgegen und wir können uns kaum vorstellen, dass es in den Bergen regnen
oder gar schneien soll. 

Ein Besuch der restaurierten Burganlage bei Xylokastro und der Ausgrabungsstätte Akrokorinthos lohnen allemal.

Auf dem Weg zum berühmten Korinth-Kanal lohnen die Abstecher zur aufwändig restaurierten Burganlage bei Xylokastro
und zur Ausgrabung Akrokorinthos des antiken Korinths, welche sehr gut erhalten ist und damit ein reales Gefühl der Antike vermittelt. Der über 6 km lange und beinahe 80 m tiefe Korinth-Kanal ist schließlich ein absolutes Muss und tatsächlich ein eindrückliches Bauwerk – wohl noch imponierender, wenn ein großes Schiff die Meerenge durchfährt. Dass der Isthmus von Korinth bereits im Jahre 1881 durchgraben wurde ist eine echte Meisterleistung.

Eine wahre Meisterleistung: der berühmte Kanal von Korinth.

Beeindruckt ziehen wir weiter und nehmen mit der Halbinsel Argolis den „Daumen“, den östlichsten Finger des Peloponnes, unter die Räder. Wir werden nun vom Funkeln der Wasseroberfläche des Saronischen Golfs begleitet. Immer wieder halten
wir in hübschen Fischerörtchen mit weiß getünchten Häuserfassaden, buntem Markttreiben und entspannter Nebensaison-Atmosphäre. 

Immer wieder treffen wir auf hübsche Fischerörtchen mit weiß getünchten Häuserfassaden. 

Das kleine, noch gut erhaltene Amphitheater von Palea Epidauros.

In Palea Epidauros, einem idyllisches Hafenstädtchen, besichtigen wir ein kleines, gut erhaltenes Amphitheater und streifen durch die Orangen-Plantagen. Die Früchte sind reif und fallen schon von den Bäumen – sie schmecken einfach unglaublich gut. 

In Methana, das malerisch an einer türkisfarbenen Bucht liegt, stoßen wir auf eine besondere Entdeckung. Bereits beim Verlassen des Campers fällt uns der beißend-stinkende Schwefelgeruch auf. Und der Name des Ortes verrät auch, dass sich hier etwas Besonderes abspielen muss: Die Umgebung von Methana ist von erloschenen Vulkankegeln übersät und was von der vulkanischen Aktivität übrig blieb sind heiße, schwefelhaltige Quellen. Leider ist die schön gelegene Thermalquelle geschlossen, doch zufällig entdecken wir im Meer einen kleinen, mit Steinen umgebenen Kessel aus welchem es dampft. Ich strecke meine Hand ins Wasser uns stelle eine herrlich warme Temperatur fest. Nichts wie Badehosen anziehen und rein in unser privates Thermalbad mit Blick über die Wellen, die plätschernd in unser Pool schwappen.

Wenn das nicht perfektes Wellness ist!

Route:

Sind Sie gespannt, wie die Reise unserer beiden HYMER Fans weitergeht? Dann freuen Sie sich auf die Fortsetzungen: