Mit Wohnmobil und Wohnwagen sicher im Winter fahren

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von FREEONTOUR und Journal International; Copyright Text und Bildrechte liegen bei Journal International, iStock, Titelbild: Erwin Hymer Gourp/ Niesmann+Bischoff

Mit Wohnmobil und Wohnwagen sicher im Winter fahren

Im Interview mit FREEONTOUR verrät Fahrsicherheitsexperte Ronald Geyer, was Wohnwagen- und Wohnmobil-Fahrer im Winter beachten sollten...

...und empfiehlt die Teilnahme an einem speziellen Fahrsicherheitstraining für Wohnmobil und Caravan, das die Erwin Hymer Group bundesweit einmalig in mehreren Städten anbietet – übrigens auch für Fahrer anderer Reisemobilhersteller! Am besten absolviert man es übrigens bereits im Sommer

Herr Geyer, warum empfehlen Sie Fahrern von Freizeitfahrzeugen explizit das Hymer-Fahrsicherheitstraining? Worin unterscheidet es sich denn von anderen Trainings?

Das Hymer-Fahrsicherheitstraining unterscheidet sich in einigen Punkten erheblich von anderen. Bei uns können Fahrer von Reisemobilen und Caravans gemeinsam trainieren. Und zwar nicht nur mit dem eigenen, sondern auch mit unterschiedlichen, von uns zur Verfügung gestellten Fahrzeugen. Wir bringen immer eine ganze Reihe aktueller Modelle mit, durch die die Teilnehmer den Tag über wechseln. Einen ganz wichtigen Teil des Trainings machen außerdem zahlreiche Demonstrationen zum Thema Fahrsicherheit aus, die wir gemeinsam mit den Teilnehmern durchführen. Zum Beispiel testen wir den Bremsweg auf verschiedenen Untergründen oder üben das richtige Verhalten, wenn der Caravan ins Trudeln gerät. Das ist jedes Mal wieder ein Erlebnis und sensibilisiert die Teilnehmer enorm für solche Gefahrensituationen! Hymer ist zwar der erste und bisher einzige Hersteller von Freizeitfahrzeugen, der ein spezielles Sicherheitstraining für Wohnmobile und Caravans anbietet. Daran teilnehmen dürfen aber auch Fahrer von Fahrzeugen anderer Hersteller. Denn wir sind der Meinung: Sicherheit geht alle an!

Welche Ausstattung braucht mein Wohnmobil, damit es für den Einsatz im Winter optimal vorbereitet ist?

Ganz wichtig sind Winterreifen, auch wenn sie in Deutschland gesetzlich noch nicht vorgeschrieben sind. Im Schadensfall riskiert man mit anderer Bereifung ein saftiges Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Außerdem verliert man möglicherweise seinen Versicherungsschutz – und natürlich möchte man gar nicht erst, dass es zum Unfall kommt! Außerdem sollte man Eiskratzer, Schaufel und Handfeger, warme Arbeitshandschuhe, Unterlegkeile, ein Starthilfekabel, Abschleppseil und Schneeketten an Bord haben. Eine Überlegung wert ist auch die Anschaffung spezieller Unterlegbleche, mit denen das Mobil bei glattem Untergrund wieder Grip kriegt.

Woran sollte man noch denken, um sein Reisemobil auf den Winter vorzubereiten?

Wie beim normalen PKW auch gehört Frostschutzmittel ins Kühlwasser sowie in die Scheibenwischanlage. Das Motoröl sollte ebenfalls wintertauglich sein. Und denken Sie auch an den Diesel in Ihrem Reservekanister – oft befindet sich darin noch Kraftstoff, der im Sommer getankt wurde! Überprüfen Sie die Scheibenwischergummis und gönnen Sie am besten auch den Tür- und Fenstergummis ihres Fahrzeugs eine Pflege, damit diese nicht festfrieren oder einreißen. Um optimal auf das Fahren im Winter vorbereitet zu sein, sollten Sie auch die Glühkerzen, Start- und Bordbatterie sowie den Akku der Lichtmaschine überprüfen, Heizung, Boiler und Gebläse testen, den Unterbodenschutz erneuern und die Hubstützen mit einem salzwasserresistenten Fett schmieren.

Welche goldenen Regeln geben Sie Fahrern von Wohnmobilen mit auf den Weg, die das Fahren im Winter nicht oder nur mit dem PKW gewöhnt sind?

Regel Nummer 1: Bei winterlichen Straßenverhältnissen sollte man – noch mehr als sonst – vorausschauend fahren und seine Geschwindigkeit der Witterung anpassen. Lieber fahren Sie mal rechts ran und lassen den nachfolgenden Verkehr passieren, als sich drängen zu lassen. Bei glatter Straße sollte man besonders gefühlvoll schalten, damit die Räder beim Einkuppeln nicht blockieren. Vorsicht auch beim Abbiegen in Nebenstraßen, die unter Umständen nicht geräumt oder glatter sind als die Hauptstraße, und auf Brücken, deren Straßenbelag immer ein paar Grad kälter ist als der Rest der Straße und daher leicht überfrieren kann. Beim Bergauffahren auf verschneiter Straße gilt es, den goldenen Mittelweg zu finden: Nehmen Sie die Steigung in flotter, gleichmäßiger Geschwindigkeit, damit Sie nicht mit durchdrehenden Rädern stehen bleiben, aber natürlich nicht zu schnell. Goldene Regel Nummer 2: Halten Sie genügend Abstand und kalkulieren Sie immer den längeren Bremsweg mit ein! Regel Nummer 3: Je griffiger der Straßenbelag, umso mehr muss ich lenken, je glatter, desto weniger. Das muss man einfach trainieren.

Sie führen ja mehrmals im Jahr Fahrsicherheitstrainings durch. An wen richten sich diese Trainings?

Laut Statistik zählen die Fahrer von Freizeitfahrzeugen erfreulicherweise zu den sichersten Teilnehmern im Straßenverkehr und sind weit unterdurchschnittlich an Unfällen beteiligt. Aber man sollte immer bedenken: Im Fall der Fälle haben Sie im realen Straßenverkehr genau eine einzige Chance, am Steuer richtig zu reagieren. Das sind psychomotorische Abläufe – und die können Sie trainieren! Beim Hymer-Fahrtraining haben Sie die Möglichkeit, solche Situationen immer wieder zu erproben und schließlich zu meistern.

Was wird denn mit den Teilnehmern beim Fahrsicherheitstraining konkret geübt?

Das Training geht über einen ganzen Tag und behandelt das Thema Sicherheit ganzheitlich: von der richtigen Sitzposition über Lastverteilung und Ladungssicherung bis hin zum Verhalten in konkreten Gefahrensituationen. Speziell, was das Thema Fahren im Winter angeht, üben wir natürlich Bremsen, Bremsen-Ausweichen und Bremsen in der Kurve sowie Lenkverhalten. Auf unserer Trainingsstrecke haben wir ganzjährig die Möglichkeit, festgefahrenen Schnee und Eis zu simulieren. Darauf machen wir auch immer einen Bremsvergleich zwischen einem LKW, Wohnmobil und PKW mit Anhänger – das ist jedes Mal ein Aha-Effekt für die Teilnehmer und sensibilisiert sie dafür, künftig ausreichend Abstand zu halten.

Wann und wo finden diese Fahrsicherheitstrainings statt?

Das Hymer-Fahrsicherheitstraining für Reisemobile und Caravans wird bundesweit in verschiedenen Regionen durchgeführt. Die Ausbildungsinhalte sind an jedem Standort dieselben und genau darauf ausgerichtet, was die Reisemobilisten im Alltag wirklich brauchen. Deshalb sind unsere Inhalte auch nicht starr, sondern werden von uns immer weiter entwickelt, entsprechend dem Feedback, das wir von den Teilnehmern erhalten. 2018 sind wieder mindestens vier Termine geplant. Orte und Termine werden ab Mitte Dezember auf HYMER Fahrsicherheit veröffentlicht und können online gebucht werden. Ich empfehle übrigens, das Fahrsicherheitstraining bereits vor dem Herbst zu machen. Dann sind Sie in der kalten Jahreszeit bestens vorbereitet!