• 0

Mit einem 50 Jahre alten Dethleffs Beduin 3.465 Kilometer durch vier Länder

Outdoor und Sport
anita
von Dethleffs

Mit einem 50 Jahre alten Dethleffs Beduin 3.465 Kilometer durch vier Länder

Mit dieser Reise hat sich Wolfgang-Richard Brunecker gleich mehrere Träume erfüllt: Zunächst die erste große Fahrt mit dem Dethleffs Beduin, Baujahr 1964, und Buckel Volvo, Baujahr 1963, dann die gesamte 3.500 Kilometer weite Reise nur auf Land- und Nebenstraßen zu nutzen und ferner erstmals Pässe in den Alpen zu fahren

Ein Bericht von Wolfgang-Richard Brunecker:

Start war der 6. September 2013 in Wuppertal um 10 Uhr bei schönstem Spätsommerwetter. Diese Jahreszeit hatte ich mir vor allem wegen der meist schönen Saison in den Bergen ausgesucht. Die erste Etappe führte von meinem Heimatsort nach Nieder-Moos, das im Naturpark Hoher Vogelsberg liegt. Ich zuckelte mit durchschnittlich 60 km/h durch das Bergisches und Oberbergische Land, Rothaargebirge, Siegerland und die Region Vogelsberg auf freien, kleinen Straßen bis zum familiären Campingplatz am Niedermooser See, wo ich am Nachmittag einen schönen Platz unweit des Ufers bekam. „Darf ich mal ein Foto machen?“, „Wie, damit sind Sie so richtig unterwegs?“, „Darf ich mal rein gucken?“,„Wie, bis in die Alpen fahren Sie? Sie trauen sich ja was!“ – das waren nicht nur in Nieder-Moos die am häufigsten gestellten Fragen, sie begleiteten mich die gesamte Tour.

Der nächste Tag: Frühstücken bei herrlichstem Sonnenschein, dann spülen, zusammenpacken, Öl und Kühlwasser prüfen und auf nach Regensburg. Ich genieße das Fahren durch Gegenden, die ich noch nie gesehen hatte. Wie auch? Wenn ich früher viel – geschäftlich – durch Deutschland fuhr, dann nur über Autobahnen. Die Leitplanken und Raststätten in der Oberpfalz sehen genauso aus wie in der Lausitz. Jetzt aber ändert sich auf den Nebenstraßen das Landschaftsbild alle paar Minuten, nach jeder Kurve. Ich stoße auf die „Straße des Fachwerks“ und durchfahre wunderschöne Orte mit beeindruckenden Fachwerkensembles. Die „Deutsche Alleenstraße“ werde ich noch öfters mit Freude befahren. Es eröffnen sich auf der gesamten Reise immer und immer wieder wunderschöne Ausblicke. Das Maintal hinauf bis nach Würzburg, Weinberge. Die Strecke führt mitten durch die schöne Innenstadt von Würzburg hindurch, und Besucher der Stadt verpassen die grüne Ampelphase, weil sie das Gespann sehen und sich gegenseitig darauf aufmerksam machen. Ich fahre weiter und habe weiter Regensburg als Tagesziel, wo ich beim Azur-Campingplatz an der Donau angekündigt bin. Zwar führt mich das Navi über den Domplatz von Regensburg, aber „Die Navis spinnen immer an der Stelle, das haben wir oft“, lacht der Platzwart, der mich herzlich empfängt. Der Azur-Campingplatz ist sehr schön, wunderbar gelegen, viele Bäume spenden Schatten, nette Betreiber und internationales Publikum, gute Gastronomie. Der Beduin ist nach ein paar Handgriffen soweit, dass ich die Füße hochlegen und mich entspannen kann, bevor ich einen Spaziergang zum Sonnenuntergang an der Donau mache.

Am nächsten Morgen jogge ich den schönen Uferweg entlang der Donau, dusche, frühstücke und studiere die nächste Etappe auf der Karte: Ziel ist der Chiemsee. Ich möchte einen Teilabschnitt der „Blauen Route“ bis in den Chiemgau fahren; die Blaue Route ist eine besonders schöne Streckenführung, die von Pilsen in der Tschechei bis zum Königssee führt. Überwiegend flach und sehr schön zu fahren. Die Fahrt mit dem Beduin am Haken ist auch sehr entspannend, da die Fensterkonstruktion von Front- und Heckscheibe es ermöglicht, dass ich mit dem Innenrückspiegel alles sehen kann, was hinter mir los ist. Zudem kann ich mit den Kotflügelrückspiegeln bestens sehen, da der Beduin wegen der „Längsbettbauweise“ mit 1,75 Meter sehr schmal ist.

Schon am Nachmittag erreiche ich den Panorama-Campingplatz Harras, direkt bei Prien am Chiemsee. Der war noch gut belegt; ich bekam allerdings den allerschönsten noch freien Platz, direkt am Wasser mit Blick zur Herreninsel und auf die Alpen. Hier besuchen mich Harald vom Chiemsee und Torsten aus dem Salzburger Land, beides Buckelfahrer. Die Route habe ich versucht so zu gestalten, dass ich die Freunde, die ich bislang nur digital durch das Forum kannte, einmal analog kennenzulernen. Die Lage des Platzes am Ufer ist auch der richtige Empfang für meine Frau, die ab diesem Ort einen Teil der Reise mitfährt. Der Beduin ist für zwei Personen völlig ausreichend gestaltet. Nur während das Bett noch gemacht ist, müssen wir uns einigen, wer in die Kombüse geht . . . Wenn allerdings die Sitzfläche gebaut ist, dann reicht der Platz durchaus. 1961 beschrieb der Journalist Hans Simon in seinem Testbericht der Motor-Reise-Revue die Platzsituation aus noch traditioneller Rollensicht: „Die Küche mit dem großen Ausstellfenster erlaubt es, daß die Hausfrau unbehindert von Familie und Gästen hantieren kann.“ Oder meint Herr Simon, dass die Hausfrau Familie und Gäste nicht stört?

Was ich mit dem Volvo und dem Beduin aber besonders intensiv empfinde, ist die Freiheit und Unabhängigkeit des Reisens; wir haben alles, was wir brauchen. Die Innenausstattung mit dem warmen Holz, die kleine Küche mit dem pfeifenden Wasserkessel, die farbigen Stoffe, die seitlichen Kleider“schränke“, der gut nutzbare Stauraum im gesamten Wohnwagen von vorn bis hinten, das heimelige Licht am Abend, die Vorhänge, die zusammen mit der gelben Dachluke Sonnenschein vortäuschen, auch wenn die Sonne sich einmal nicht zeigt – alles das ist sehr gemütlich. Beim Fahren ist es immer wieder schön, wenn Leute winken, hupen und lachen, denn das Gespann scheint die gute Laune auch nach außen zu verbreiten.

Die nächste Etappe führt uns vom Chiemsee durch Salzburg, das Salzburger Land zum Wolfgangsee, wo wir eine Kaffeepause mit fantastischem Panorama genießen, bevor es zum ersten Pass, der Postalm, geht. Wir übernachten kurz vor der Passhöhe und nutzen zum ersten Mal die Truma-Heizung, die auch nach fast fünfzig Jahren den Beduin bestens wärmt. Die Abfahrt erfolgt am nächsten Morgen im Nebel, was aber der Schönheit der Region nicht schadet. Ziel des heutigen Tages ist das Johnsbachtal in den Ennstaler Alpen in der Steiermark, ein herrliches Tal, das ich schon von zahlreichen Wandertouren in den letzten Jahren sehr gut kenne. Aber auf dem Weg dorthin komme ich doch mächtig ins Schwitzen: Ich hatte hier die Streckenplanung vorgenommen, ohne das Höhenprofil zu beachten. Ich weiß nicht mehr wie der kleine Pass heißt, jedoch quält sich der Buckel samt Beduin sehr, sehr langsam im ersten Gang bergauf, und plötzlich seheich das Schild „Steigung 23 %“! Die Steigung hätte keine 50 Meter länger dauern dürfen, sonst hätte der sehr robuste Motor es nicht geschafft. Das ist mir bei kommenden Bergfahrten eine Lehre. Das wunderschöne Johnsbachtal, im Herzen des Naturpark Gesäuse, empfängt uns wenige Stunden später und wir kehren beim Kölbl-Wirt ein und schlagen dort für fünf Tage unser Lager auf. Von hier aus unternehmen wir fünf Tage lang die schönsten Wanderungen in dieser einmaligen Gegend. Nicht zu vergessen: Die Steirische Küche!

Meine Frau reist mit dem Zug zurück nach Deutschland, während ich weiter durch die herrliche Bergwelt mit Buckel und Beduin rolle. Von Admont aus führt die Strecke an diesem Tag durch das Selztal, die Hohen Tauern, der Murr entlang bis nach Gmünd in Kärnten, wo ich mir das Ferdinand-Porsche-Museum anschaue, eine liebevoll gestaltete Hommage des Mythos‘ Porsche. Unweit von Gmünd liegt der sehr schön gelegene Campingplatz Maltatal, deren Betreiber wirklich mit Leib und Seele die Gäste betreuen. Ursprünglich plante ich, mit dem Autozug, der Kärnten mit dem Gasteinertal/Salzburg durch den Tauerntunnel verbindet, nach Bad Gastein zu fahren. Jedoch bringt mich ein Prospekt, das am Campingplatz ausliegt, bei einem Glas Bier auf eine andere Idee: Großglockner Pass! Der ist gar nicht weit entfernt von hier – ich recherchiere über Länge, Steigung und Gefälle, und es steht fest – ich versuche es morgen. Der Morgen sieht allerdings so aus, dass die Berge mich weiß gekleidet begrüßen. „Nein, ich glaube nicht, dass der Pass heute öffnet“, meint die Campingplatz-Betreiberin. Ich bleibe hartnäckig und rufe die Mautstation an, wo die nette Dame meint, dass die Chancen nicht schlecht stünden, schon geräumt würde und kein Schneefall mehr zu erwarten sei. Außerdem hätte ich ja noch ein Stück bis Heiligenblut, da solle ich noch einmal anrufen. Was soll ich sagen? Der Himmel reißt auf, wird blauer und blauer und es werden die allerschönsten 50 Kilometer dieser Reise. Die Straße ist freigeräumt, Schnee rechts und links, ganz wenig Verkehr. So brauche ich auch niemanden durch meinen Kriechgang nerven, denn fast die gesamte Fahrt bis zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe muss der erste Gang den Buckel und Beduin bewegen. Temperaturprobleme gibt es nicht, wobei der 50jährige Volvomotor in einem unveränderten Zustand zieht, kein Elektrolüfter, kein Ölkühler, kein PS zusätzlich – so original wie der Dethleffs Beduin.Auf 2.576 Meter Höhe bin ich aber doch froh, mich bei Kaffee und Kuchen etwas zu entspannen, wobei die lange Abfahrt ins Saltzachtal auch eine neue Erfahrung sein wird. Der Beduin hat eine Auflaufbremse und im zweiten, oft aber im ersten Gang geht es hinab durch das herrliche Alpenpanorama. Bei zwei Stopps überprüfe ich die Temperatur an den Bremsen, aber alles ist bestens. Mein Respekt gilt den Radfahrern, die mir entgegenkommen, die aber trotzdem noch die Kraft haben, mich mit einer Hand zu grüßen. Glücklich und zufrieden erreiche ich das Tal und fahre mit einem zufriedenen Lächeln bis zum Campingplatz St. Johann in den Kitzbühler Alpen. Vor einer traumhaften Bergkulisse stelle ich den Beduin auf, nur wenige Gäste beäugen aus der Distanz, wie ich per Hand den Wohnwagen rangiere. Rangieren durch mit dem Zugfahrzeug mache ich kaum, weil die maximal 600 kg sich locker mit der Hand bewegen lassen, es sei denn, Schotter oder weicher Boden erschweren dies. Nach einer ruhigen Nacht mache ich mich auf nach Füssen, Schloss Neuschwanstein ist ein Muss, zumal ich noch nie in der schönen Region war. Auf dem wunderschön gelegenen Campingplatz Hopfensee bei Füssen gibt es dieses sehr nettes Erlebnis: Ein Beschäftigter des Platzes interessiert sich für die Historie des Beduin und Buckel Volvos und sagt plötzlich: „Warten Sie, ich habe etwas, das ist bei Ihnen genau richtig aufgehoben.“Er schenkt mir ein zusammensteckbares Campingstuhl-Set aus den 60ern, was in einem Köcher steckt. Ich habe mich riesig darüber gefreut. Nach einem Tag in Füssen und Besuch der Schlösser geht es nach Isny, dem Geburtsort des Dethleffs Beduin im Jahr 1964. Auch heute noch sehe ich den Beduin der heutigen Baujahre, ich muss schon sagen, es hat sich einiges seitdem getan. Bei einem Abstecher nach Kempten treffe ich zwei Freunde aus dem Buckel-Forum und sie sind beeindruckt, welche Strecke ich bislang mit dem Gespann zurückgelegt habe, und was ich noch vor mir habe.

Die weiteren Etappen fasse ich etwas zusammen, ansonsten würde es den Platz sprengen. Von Füssen geht es nach Friedrichshafen, dem Campingplatz Fischbach, der zu dieser Jahreszeit noch gut besucht ist. Meine Schwester, in Friedrichshafen wohnend, ist neugierig das Gespann zu sehen, über das ich schon so viel erzählt habe. Oldie-Freunde in Dornbirn erwarten mich am nächsten Tag und ich werde mit großem Hallo begrüßt. Diese Freunde sind Anhänger der Originalität und zollen dem Zustand von Wohnwagen und Buckel ihren Respekt. Es zieht mich weiter über Lichtenstein an den Zürichsee, wo ich schon wieder von Hans-Jörg erwartet werde. Die Zeit ist wie immer zu kurz, am nächsten Tag habe ich mich mit Daniel und Silvia auf dem Campingplatz in Wangen am Bodensee verabredet. Das wollte ich unbedingt, denn die beiden sind „schuld“, dass ich den Beduin bekommen habe. Daniel und Silvia haben Anfang der 2000er den Beduin gefunden, ihn angefangen zu restaurieren. Als die Schwangerschaftsuntersuchungen allerdings ergaben, dass es Zwillinge werden, wurde das Projekt abgebrochen. „Den werden wir die nächsten 15-20 Jahre nicht nutzen können“, sagte mir Daniel. Ich erwarb den Beduin 2011 und restaurierte ihn so zu Ende, wie er sich heute präsentiert: wie ab Werk Isny.

Sachinformationen

Besitzer

  • Wolfgang und Christiane Brunecker
  • Wohnort Wuppertal (Bergisches Land)
  • 62 Jahre

Dethleffs Beduin

  • Baujahr 1964
  • PEKA-Auflaufbremse
  • Leergewicht 480 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht 600 kg
  • Länge 3930 mm
  • Breite 1750 mm
  • Höhe 2250 mm
  • TRUMA-Heizung
  • Komplettes Camping-Inventar der Erstbesitzer vom 3er-Topfset bis zur Kernseife und Schnorchelausrüstung vorhanden
  • Angemeldet von 1964 bis 1971, dann stillgelegt. Wiederangemeldet 2011. Jetzt erst der zweite fahrende Besitzer
  • Nach jetziger Informationen nur zwei fahrbereite Dethleff Beduin in Deutschland, neben diesem einer im Hymer-Museum. Drei werden zur Zeit in Deutschland restauriert.

Besonderheit

  • Erst der zweite fahrende Besitzer seit Zeitpunkt der Auslieferung 1964
  • Voll alltagstauglich und ohne Einschränkung einsatzfähig
  • Komplettes Camping-Inventar der Erstbesitzer vom 3er-Topfset bis zur Kernseife und Schnorchelausrüstung vorhanden
  • Aufbau der Gesamthistorie
  • Mitwirkender bei Aufnahmen für den Kinofilm „Die Heimatlosen“ (Start Herbst 2015)

Volvo PV 544

  • Baujahr 1963
  • Unveränderter Originalzustand
  • Motor B18A
  • 1800 ccm/65 PS
  • Von 1964 bis 1993 in Schweden von einem Ehepaar gefahren
  • Von 1993 bis heute vom zweiten Besitzer in Deutschland gefahren

Reiseroute

  • Wuppertal – Niedermoos
  • Niedermoos – Regensburg
  • Regensburg – Chiemsee
  • Chiemsee – Johnsbachtal (Steiermark)
  • Johnsbachtal – Maltatal
  • Maltatal – St. Johann (Kitzbühler Alpen)
  • St. Johann – Friedrichshafen (Bodensee)
  • Friedrichshafen – Dornbirn (Vorarlberg) – Meilen (Zürichsee)
  • Meilen – Wangen (Bodensse)
  • Wangen – Fornsbach
  • Fornsbach – Wuppertal