Mit dem Wohnmobil nach Kilmore Quay in Irland - Teil 2

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von FREEONTOUR

Mit dem Wohnmobil nach Kilmore Quay in Irland - Teil 2

Der 2. Teil der Reise von Anne und Frederick

Der Eisladen im Dorf von Kilmore Quay verlockte uns bei dem warmen Wetter, alles ”Home-made” und sehr lecker! Da fiel das Abendbrot dann kleiner aus. Aber am Abend ein Besuch im Pub, nur wenige Schritte von uns entfernt, musste dann doch noch sein, auf ein Guinness! Nichts wie hin zu James Kehoe’s Pub and Maritime Heritage Centre. In ein paar Schritten sind wir da. Das Lokal liegt an der schmalen Durchgangsstraße gegenüber der St. Peter‘s Church. Entlang der Straße stehen einige alte mit Reet gedeckte Häuser. Hier heißen diese Dächer ”Thatched Roofs” und wir wundern uns, dass es sowas hier gibt.

Nun zurück zum Pub, wo noch nicht soviel los war – außer, dass einige Einheimische an der Bar am Zanken waren über den Brexit und es plötzlich immer lauter herging. Frederick genoss sein erstes Guinness, ich hatte ein Glas Weißwein bestellt. Und dazu mussten wir unbedingt die „Dry Roasted Peanuts“, also trocken geröstete Erdnüsse haben. Ohne die geht es nicht im Pub, oder Crisps, die bei uns Chips heißen.  

Wir hörten der Diskussion neben uns halb zu, schließlich hatte einer etwas von ”Cornishman” gesagt, da spitzten wir dann doch die Ohren. Überhaupt fand ich, dass die Aussprache hier doch sehr dem cornischen Akzent ähnelt. Irgendwie kamen wir dann sehr schnell ins Gespräch, und tatsächlich, der große Typ neben uns kam aus Cornwall, genauer gesagt, ist er ein Scillonian, also geboren auf den Isles of Scilly. Aber als Fischer, mit allen Wassern gewaschen, kannte er auch Falmouth und weitere Ecken, die uns vertraut sind. Nun arbeitete Terry, so heißt er, mit Noel, dem irischen Fischer zusammen. 

Für uns ergab die kleine Kabbelei am Anfang nun einen Sinn: Der überwiegende Teil der Bevölkerung Cornwalls hatte für den Brexit gestimmt, die Iren sind dagegen und waren ja auch gar nicht am Referendum beteiligt. Im weiteren Gespräch erfuhren wir noch eine Menge über die Fischerei. Terry (Jahrgang 1973) erwähnte, dass seine Frau mit den Kindern (5 an der Zahl und dann kamen noch mal Drillinge hinzu, also nun 8!) in Northampton bei London leben. Wenn er Zeit hat, fährt er rüber. Die Drillinge sind jetzt auch schon groß, 12 Jahre alt.  

Noel und er wollen einen neuen Fischkutter kaufen, das kostet etwa vier Millionen Euro. Er übernimmt eine Hälfte der Bezahlung, muss aber leider dazu 600.000€ aufnehmen. Sie fischen größtenteils nach Jacobsmuscheln (Scallops). Diese bleiben aber nicht in Irland, sondern gehen überwiegend auf den französischen Markt. Uns schwirrte der Kopf, das Ganze mit der EU-Norm, den Fischereirechten, den Gefahren der Seefahrt (er hatte seinem Bruder mal das Leben gerettet) ging uns über die Hutschnur. Noel mischte sich ein und bot Frederick an, dass er sich am nächsten Tag Scallops direkt vom Schiff abholen könnte, die Verabredung wurde per Handschlag für 9.30 Uhr besiegelt und uns wurden noch mal Getränke spendiert.  

Inzwischen hatte sich Pat (...heißen alle Iren Patrick? Unser Stellplatz-Nachbar heißt ja auch Paddy!) dazugesellt. Er will sich noch einmal mit uns im Pub treffen und ein paar Reise- und Besichtigungstipps mit auf den Weg geben.  

Wir hatten ja sowieso zwei Übernachtungen gebucht, haben also keine Eile. Selig über diese vielen netten Begegnungen und Gespräche zogen wir von dannen und gingen schlafen. 

Freitag, 8. Juni 2018: Jakobsmuscheln frisch vom Kutter

Wir standen zeitig auf, weil Frederick sich die Jakobsmuscheln nicht entgehen lassen wollte! Schnelles Frühstück, tolles Wetter und die paar Minuten ab zum Hafen. Den gibt es schon seit 1840 und er ist einer der belebtesten Fischereihäfen des Landes. So war es gar nicht langweilig, dort an der Kaimauer entlang zu spazieren und den Fischern beim Reparieren der Boote und beim Anlanden zuzuschauen. Nur unser schwarzes Boot mit der Kennung WD 220, nach dem wir Ausschau hielten, wollte und wollte nicht kommen. Schließlich war es 10.45 Uhr und wir hatten die Hoffnung aufgegeben. Du meine Güte, die Fischer können ja wohl auch nicht ihren Fang unterbrechen, nur für ein paar Scallops für einen Fremden! Wir hatten größtes Verständnis und wollten uns gerade auf den Rückweg machen, als Frederick den großen schwarzen Kutter mit dem Piratenkopf am Aufbau kommen sah. Allerdings legte er auf der anderen Hafenseite an. Wir marschierten direkt dorthin und schauten zu: Noel und seine Mannschaft waren schon beim Entladen aus dem Bauch des Schiffes, säckeweise Scallops!  

Noel erkannte uns und lachte, griff sich einen leeren Sack, warf einige (viele!) Scallops hinein und wünschte Frederick einen guten Appetit! Das war ja nun wirklich nett! Frederick zog selig Leine mit seinen Muscheln. Ich hatte zum Glück nichts damit zu tun, er wollte sie auf- und zubereiten. Das ging ja dann los am Stellplatz mit Wassereimer und Schüssel und Schraubenzieher (...nicht unbedingt das richtige Werkzeug zum Öffnen der Schalen). Ich nannte das ganze kurz und bündig einen Schweinkram. Die Muscheln wehrten sich nach Kräften, ihre Behausung geschlossen zu halten. Es dauerte über zwei Stunden, bis Frederick sie besiegt hatte und sie durch mehrfaches Spülen von Sand und anderem Zeug befreit in der sauberen Schüssel lagen.

Nun waren sie bereit für die Zubereitung auf dem Grill. Die Ausbeute: 20 Stück, also zwei Mahlzeiten. Eine Portion haben wir eingefroren. Nun fehlte nur noch frischer Knoblauch, den wir im nahegelegenen Dorfladen kaufen konnten.

Ich habe derweil ein wenig am Reisebericht weitergeschrieben. Den Nachmittag verbrachten wir dann mit einer schönen Wanderung auf einem Rundweg, der ein gutes Stück am Strand entlangführte.  

Gegen 19 Uhr feuerte Frederick den Grill an und kurze Zeit später bruzzelten die Jacobsmuscheln auf der heißen Platte. Frederick war begeistert vom Geschmack der fangfrischen Scallops. Später geht es noch einmal in den Pub, um Pat und vielleicht auch unseren Fischer Noel zu treffen. Dann könnten wir ihm auf jeden Fall einen Drink spendieren als Dank für Fredericks Abendschmaus!  

Samstag, 9. June 2018: Wir verlängern einen Tag

Alle waren wieder im Pub , Noel, Terry und Pat. Frederick bedankte sich nochmals bei Noel für die Scallops und spendierte ihm ein Bier. Pat hatte noch ein paar Reisetipps parat und uns wurde empfohlen, statt der Route über New Ross nach Waterford die Fähre bei Ballyhack zu nehmen. Der Barkeeper John erkundigte sich sogar telefonisch, ob wir mit unserem 3.5 Tonner auf die Fähre konnten. Kein Problem und es würde uns einen Umweg von 25 Minuten ersparen.

Den Samstag ließen wir ruhig angehen. Unsere Nachbarn Paddy und Ally waren schon früh abgereist. Da schliefen wir natürlich noch. Nach dem Frühstück wurde der Platz neben uns von einem englischen Wohnmobil besetzt. Der Fahrer erkundigte sich bei uns über die Zahlungsmodalitäten am Platz. Dadurch kamen wir ins Gespräch.

Die beiden, Dave und Diane waren gerade drei Wochen im Süden und Westen Irlands unterwegs und wollten hier ein letztes Mal übernachten, um dann morgen mit der Fähre nach England zurückzukehren. Das traf sich gut für uns, da wir noch ein paar brandheiße Tipps mitbekamen, denn wir wollten ja dieselbe Strecke fahren. Letztendlich verbrachten wir gemeinsam den Nachmittag mit einem Rundgang durch den Ort, gönnten uns zur Kaffeezeit Cream Tea und aßen es auf cornische Weise, erst die Marmelade, dann die Sahne (Cream) obendrauf. Aber Rodda’s Cream war es nicht…  Den Abend verbrachten wir beim gemeinsamen Essen draußen zwischen unseren Wohnmobilen. Eine sehr nette Begegnung!

Zu den vielen Tipps der beiden gehörte das Thema „Müllentsorgung“ auf den Stellplätzen. Uns war ja schon aufgefallen, wie sauber es überall ist, obwohl nicht mal überall Papierkörbe stehen. Offenbar übt sich die Bevölkerung in Müllvermeidung oder in „was du mitbringst, kannst du auch wieder mit nach Hause nehmen“, ein ziemlich guter Ansatz, finde ich. Unsere Gemeinden an der Ostsee sollten dem Beispiel mit all den Hinweisen folgen. Vielleicht bekommen wir dann wieder eine sauberere Umwelt, vor allem in den Städten und an den Stränden.

Anna und Frederick haben Irland in fast 6 Wochen umrundet. Weitere Tipps, Reiseinspiration und spannende Urlaubs-Geschichten finden Sie auf den Blog von Anna und Frederick.

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