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Mit dem Reisemobil nach Bern - Schweiz: Wir kommen wieder!

Outdoor und Sport
anita
von Dethleffs

Mit dem Reisemobil nach Bern - Schweiz: Wir kommen wieder!

Jakob Panitz ließ sich überreden, bei seiner Sommerreise einen Abstecher in die Schweiz zu machen und räumte mit Vorurteilen auf. So viel sei verraten: Es war nicht sein letzter Abstecher in das Nachbarland.

Von Jakob Panitz: Sonne, Strand und Meer an der italienischen Adria – das peilen wir oft an, wenn wir mit dem Camper unterwegs sind. Dabei halten wir uns aber immer an das Zitat von Konfuzius, dem chinesischen Philosophen: „Der Weg ist das Ziel“. Sprich: Nicht auf dem schnellsten, sondern auf dem schönsten - und meist fast gänzlich mautfreiem - Weg geht es in Richtung Süden. Zwischendrin eine, zwei oder gar drei Übernachtungen im schönen Südtirol oder in den wunderbaren Dolomiten. So war es immer - zumindest bis vor kurzem.

„Du musst dir unbedingt mal das schöne Bern ansehen“, hieß es plötzlich vor unserer diesjährigen Sommertour, die eigentlich die Adria bei Venedig zum Ziel hatte. Bern? Das ist doch Schweiz! Die Schweiz, die nur teure Jahresvignetten verkauft, die mobilen Campern nicht gerade wohlgesonnen ist und die besonders hohe Geldbußen bei Verkehrsübertretungen einfordert. Die Schweiz also, die ich deswegen immer umfahren wollte. Außerdem ist sie durch die kürzlich erfolgte Franken-Aufwertung noch teurer geworden.

„Aber Bern ist klasse“, ließ meine Beifahrerin nicht locker. Nach zwei, drei Tagen hatte sie mich so mürbe gemacht, dass ich das Handtuch warf – und schon mal prüfte, was an Schweizer Landkarten zur Verfügung stand. Viel war’s nicht. Unser mobiles Navi wird uns schon leiten, zur Not kaufen wir Karten vor Ort, wurde entschieden. Ob die wohl Euro nehmen – und wenn, wie wird umgerechnet? Was kostet eigentlich der Sprit dort?

Mit derlei Fragen im Magen übernahm ich einen Dethleffs Advantage I 6611– und stellte freudig überrascht fest: Er hatte eine Schweizer Vignette an der Scheibe kleben. Juhu - Schweiz, wir kommen!

Wie immer ging’s viel zu spät los. Vor Einbruch der Dunkelheit wird’s nix mit Bern, das war gleich klar. Also den Stellplatzführer aufgeschlagen und die Seiten mit Schweiz gesucht. Viele Stellplätze bei den Eidgenossen werden in den einschlägigen Werken nicht aufgelistet. Aber einer lag ziemlich an der Strecke, nämlich in Dürrenroth, circa 50 Kilometer nordöstlich von Bern. Das müssten wir rechtzeitig schaffen, bevor die Sonne untergeht.

Das mobile Navi, beziehungsweise die App im Smartphone, gab sich größte Mühe, den Platz zu finden. Das Ding wurde immer heißer, je länger es dauerte. Auch ich kam ins Schwitzen, aber das lag eher an den immer enger werdenden Straßen. Zum Glück war es „nur“ ein I 6611 und kein ganz großes„Dickschiff“, mit dem wir unterwegs waren. Aber umdrehen war auf diesen „Feldwegen“ auch damit kaum möglich. „Wo bitte geht es zum Blueberry Hill?“ fragten wir schließlich einen Schafhirten. „Woll, das ischt ja glich da vorn“, entgegnete dieser – und deutete auf einen Hügel in rund einem Kilometer Entfernung.

Endlich da – mitten auf einem abgelegenen Bauernhof, der umringt war von Blaubeer-Plantagen. Auf 800 Metern Höhe waren wir – und kamen aus dem Staunen nicht heraus: Das Panorama war überwältigend! Der Blick auf die rund 60 Kilometer entfernten, schneebedeckten Gipfel von Eiger, Mönch und Jungfrau war fantastisch. Wir hatten in 25 Jahren Wohnmobilreisen schon viele schöne Stellplätze, aber dieser toppte alles. Bei Abendbrot und Abendrot in Dürrenroth konnten wir uns an dem Panorama der Schweizer Alpen kaum sattsehen. Das galt auch für das Frühstück am nächsten Morgen, bevor wir nach Bern aufbrachen.

Eine Großstadt nach bekannter Prägung hatte ich erwartet, aber Bern entpuppte sich als eine Stadt mit besonderem Flair. Besonders die untere Altstadt mit den engen und malerischen Gassen ist sehenswert. Man kann in der Aare baden (direkt am Campingplatz, in parkähnlicher Landschaft), ein Bier trinken am Bärenpark, dabei die dort im Gehege lebenden Bären beobachten oder auf dem Berner Hausberg namens Gurten spazieren - und den schönen Blick auf die Stadt im Norden sowie die 4000er im Süden genießen. Bern ist klasse!

Die Reise führte weiter, mit Halt am Thuner See und Besuch des Hotels Belvedere, wo die (Fußball)-Helden von Bern 1954 logierten (Dauerausstellung im Hotel). Für Fußballfans ein Muss, wenn man in der Gegend ist. Ein Muss ist dann auch das nahe gelegene Freilichtmuseum Ballenberg, wo historische Gebäude aus allen Teilen der Schweiz wiederaufgebaut wurden. Auch das faszinierend! Bereits nach drei Tagen war klar, meine Vorurteile gegenüber der Schweiz als Reiseland sind ad acta gelegt. Wir kommen wieder!