Mit dem Bulli quer durch Griechenland - Teil 1

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von FREEONTOUR und Gerfried Reis; Copyright Text und Bildrechte liegen bei Gerfried Reis, Titelbild: Vikos Schlucht © visitgreece.com H. Kakarouhas

Mit dem Bulli quer durch Griechenland - Teil 1

Ein Gastartikel von Blogger Gerfried Reis

Der Blogger und WoMo-Begeisterte Gerfried berichtet in seiner "Geschichte die das Leben schreibt" von der aufregenden Reise durch das wunderschöne Griecheland in seinem damaligen Bulli. Im ersten Teil geht es von Sagiada bis nach kurz vor Euböa.

Am Oberdeck unserer Minoan-Fähre stehend beobachten wir das Einlaufen in den Hafen von Igoumenitsa. Die salzige Luft weht uns durch die Haare, und die aufgeregten Rufe der Crew versichern uns: Wir sind in Griechenland. Bereit für unseren Road-Trip.  

Es ist Ende August und nur zwei Wochen sind seit der Fertigstellung der Renovierung unseres achtundzwanzig Jahre alten VW T3 Joker vergangen. Nach zehn Jahren Ausharrens in einer Scheune benötigte der Bulli ein wenig Zuwendung. Nicht nur der Innenraum erstrahlt nun in neuem Glanz, auch die Technik wurde auf Vordermann gebracht. Wir haben unseren Camper schon ins Herz geschlossen, doch noch wissen wir nicht ganz, ob wir ihm auch trauen können. Und was eignet sich besser als vertrauensbildende Maßnahme, als eine längere Reise? Nichts, und deshalb: Griechenland.

Umzingelt von Streifenwagen

Viele "Ela, ela"-Rufe später und mit doch einiger Verspätung befahren wir griechischen Boden. Der luftgekühlte Boxer-Motor sorgt für die stilechte Geräuschkulisse und sorgt für laute Konkurrenz zur griechischen Musik aus dem Radio. Es dämmert bereits, und uns bleibt nicht viel Zeit zur Stellplatzsuche. Wir sind müde, und auch der Hunger meldet sich zu Wort. In Sagiada (unweit der albanischen Grenze) halten wir, parken auf einem Parkplatz, und genehmigen uns erstmal eine Fischplatte im Hafen.

Wildcampen ist in Griechenland - wie in den meisten, europäischen Ländern - nicht erlaubt, weshalb wir beim Aussuchen des Stellplatzes grundsätzlich vorsichtig sind. Die Nacht ist dunkel, und ohne Scheinwerfer sehen wir kaum mehr etwas. Der Parkplatz, auf dem unser Bulli steht, erscheint uns aber vertrauenswürdig, weshalb wir uns entschließen, einfach dort zu bleiben. Wir schlafen ausgezeichnet.

Morgens blicke ich aus dem Fenster: Neben uns parkt die Polizei.  Leicht erhöhter Puls.
Vorhänge auf und ein Blick zur anderen Seite: Noch ein Polizeiauto. "Na das fängt ja gut an! Was wollen die denn von uns?"

Schnell anziehen, zur Abfahrt bereitmachen, Ausreden überlegen! Mit mulmigem Gefühl steigen wir aus, und trauen unseren Augen nicht: Wir haben direkt vor der Polizeistation geparkt und geschlafen. Das erklärt dann auch die weiteren Polizeiautos. Niemanden hat's gestört. Und sicher war’s noch dazu. Eine Nachahmung wird dennoch nicht empfohlen.

No-Camping am Acheron

"NO Camping", sagt das Schild in Gliki am Fluss Acheron im schönen Pinienwald, der wie geschaffen zum Campen aussieht. Wir wollen gerade umdrehen und uns einen anderen Platz suchen, als uns der junge Honigverkäufer am Straßenrand wild gestikulierend zum Stehenbleiben bewegt. "No problem, you can sleep here!" Aha, so funktioniert das, mit den griechischen Schildern. Wir kaufen natürlich Honig bei ihm ein, und so sind alle mit dem Deal zufrieden. Die Ruhe am Fluss ist perfekt.

Am nächsten Tag machen wir eine Flusswanderung im Acheron. Dieser ist in der griechischen Mythologie einer der Totenflüsse, über welchen die Seelen in den Hades befördert wurden. Wir wandern aber höchst lebendig, und daher fröstelnd mit kalten Zehen in Längsrichtung durch ein Stück Acheron. Das Resultat ist eine gewaltige Blasenentzündung für Olya und viel Tadel für mich, schließlich war diese "blöde Idee" natürlich von mir.


Beim Dinner am Fluss steigt die Laune allerdings wieder. Wir sitzen 10 Zentimeter vom Flussufer entfernt, und die Atmosphäre ist grandios: Im Licht der Scheinwerfer sehen wir Fledermaus-Schwärme bei der Jagd.

Griechische Gastfreundschaft: Gurken, Tomaten und Ouzo

In Dodoni wollen wir das Amphitheater besichtigen, allerdings sind wir außerhalb der Saison unterwegs, daher ist es bei unserer Ankunft geschlossen. Olya pflückt erstmal Brombeeren am Besucherparkplatz - anschließend gibt es Bulli-Fahrstunden.

Wir parken neben einer Kapelle auf einer Anhöhe für die Nacht, und beschließen, von hier aus Abendessen zu suchen. Dodoni ist ein verschlafenes Nest, und die Saison scheint vorüber zu sein. Wir suchen lange, der Magen knurrt, doch irgendwann haben wir jede Straße abgegrast.
Letzte Option: Die Dorfkneipe. Hier sieht's wirklich nicht nach Essen aus, aber man kann's ja mal versuchen. Wir treten ein, und 10 Köpfe drehen sich nach uns um. Typisch Dorf. "FREMDE!"

Wir sind der Mittelpunkt des Geschehens. Woher kommen wir? Wohin reisen wir? Der Wirt war wohl mal Gastarbeiter und bemüht sich um Konversation auf Deutsch. Als wir nach Essen fragen, schüttelt der Wirt bedauernd den Kopf. Aber da alle so freundlich sind, wollen wir nicht einfach gehen, und bestellen Ouzo.
Wir unterhalten uns weiter mit dem griechischen Dorf-Rat, doch plötzlich kommt der Wirt mit einem Teller an. Er hat wohl den Garten der Wirtin geplündert: Wir bekommen frische Gemüsestreifen: Tomaten, Gurken, Zucchini. In San Francisco würde man sowas wahrscheinlich "Veggie Platter" nennen, und $17.90 dafür bezahlen. Hier gehört das einfach dazu. Wir sitzen noch eine Weile mit den Griechen, und kochen dann im Bus Spaghetti.

Das Pindos-Gebirge und die Vikos-Schlucht

Bald kurven wir nördlich von Ioannina durchs Pindos-Gebirge. Der Bulli kämpft mit der Motoröl-Temperatur, während wir versuchen, die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Wir besichtigen die Vikos Schlucht, die Steinbrücken bei Kokoris und die natürlichen Fels-Pools bei Papingo.

Am Fluss Voidomatis glauben wir, den perfekten Stellplatz für die Nacht gefunden zu haben. Gut, ich glaube das. Olya ist eher dagegen: “Da kannst du nicht runterfahren, wir kommen da nie wieder rauf". "Doch, doch, ein T3 kann das”, sage ich, zu mindestens siebenundachtzig Prozent überzeugt von dieser Aussage. Der Stellplatz im Wald am Fluss sieht einfach zu verlockend aus, und hinunter geht’s natürlich problemlos.

Leider werden wir, gerade eingeparkt, von extrem aggressiven Insekten attackiert sobald wir den Bus verlassen. Insektenschutzmittel ist komplett wirkungslos, auch lange Kleidung hilft nicht. Deshalb ergreifen wir die Flucht, und der Bulli bestätigt seinen Ruf: Problemlos klettert er die steile, schlammige Zufahrt wieder hoch.

Es zahlt sich aus: Wenig später stehen wir - diesmal unbehelligt von Insekten - wieder am Fluss. Olya erklimmt gleich einen Baum. Ich bereite das Abendessen vor, doch als es fertig ist, reagiert Olya nicht mehr auf mein Rufen. Mittlerweile ist es dunkel und ich rücke mit der Stirnlampe aus. Ich muss nicht lange suchen: Das Rauschen des Flusses war so entspannend, dass Olya im Baum sitzend umgehend eingeschlafen ist.

Mister, you have a problem!

Nach vielen Serpentinen verlangt unser Camper erstmals in Griechenland nach Sprit. Anders als in Mitteleuropa gibt es in Griechenland noch Service an der Tankstelle. Keine Selbstbedienung, sondern ein Tankwart, der mehr oder weniger genau nach Anweisungen des Kunden das eigene Fahrzeug betankt. Unser Tankwart meint es gut mit uns (und seiner Kasse), und versucht, soviel Benzin wie möglich in den Tank zu quetschen. Ich will schon zum Zahlen schreiten, als der Tankwart mir hinterher ruft: “MISTER! You have a PROBLEM!

Nun, wo er Recht hat, hat er Recht, denn unter unserem Bus quillt Benzin hervor. Nein! Ist die Reise nach ein paar Tagen schon zu Ende? Werden wir eine Woche in einer Hinterhof-Werkstatt verbringen? Müssen wir den T3 nach Hause schleppen lassen?

Der Tankwart kriecht unters Auto, um die Lage zu checken, murmelt etwas vor sich hin.
"Nicht so schlimm", meint er. Der Tank habe Roststellen weit oben am Tank, da käme das Benzin her. Weiter unten sei alles ok. Einfach nicht mehr volltanken: Problem gelöst. Also, quasi.

Tja, ab nun antworten auf die Frage des Tankwarts "Full?" mit einem hektischen "NO! NOT FULL! Definitely not full!" Optimal ist das nicht, schließlich hat der Bulli auch an guten Tagen nur eine Reichweite von etwas über 300km, und nun fahren wir mit Maximal 2/3 des Tankinhalts herum. Aber wir beschweren uns nicht und sind froh, dass die Reise weitergeht.

Wie die Reise durch Griechenland weitergeht, verraten wir im FREEONTOUR Portal, im 2. Teil: Bulli-Härtetest auf Euböa - Griechenland Teil 2. Weitere spannende Reiseberichte, Ratgeber und Tipps rund um das Thema Reisemobil finden Sie auf Gerfrieds Blog WoMo Guide.