• 0

Ein Tag Urlaub

Outdoor und Sport
lmc
von LMC

Ein Tag Urlaub

Eine ganz neue Erfahrung

Zwei Regentage habe ich abgewartet und bin nun bei schönstem morgentlichen Sonnenschein unterwegs nach Harlesiel. Für mich wird es ein einziger Tag abseits der Hektik einer Bremer Werbeagentur, aber ich freue mich auf ein lange erwartetes Wiedersehen mit einer guten Freundin aus Schul- und Studientagen.

Fast 10 Jahre nach unserem letzten Treffen hat es Bettina und mich aus dem Ruhrgebiet in den Norden verschlagen. Mich jetzt schon seit 6 Jahren als Marketingberater in die Heimat der Stadtmusikanten, Bettina für zwei Urlaubswochen mit Ehemann und ihren zwei Jungs nach Harlesiel auf einen Campingplatz. Eigentlich habe ich sie eher in einem kleinen Designhotel in der Toskana gesehen. Trotzdem freute ich mich besonders auf unser kleines Klassentreffen zu zweit.

Von Wittmund kommend halte ich mich im Zielort auf der Bundesstraße und folge dann der Ausschilderung zum Campingplatz. So erreiche ich einen Parkplatz auf der Mole. Zwischen dem Strand und der Hafeneinfahrt sollen, so habe ich am Telefon erfahren, Bettinas Familie in ihrem Wohnmobil den Urlaub verbringen. Und tatsächlich finde ich meine Schulfreundin vor einem imposanten Wohnmobil von ca. 7 m Länge, bequem auf einem Liegestuhl gebettet, mit einem großen Becher Tee in der Hand.

Die Begrüßung ist genau so herzlich wie erwartet. Natürlich sind wir keinen Tag älter geworden, haben uns gar nicht verändert und halten beide unser Gewicht. Da müssen wir gemeinsam lachen. Aber Bettina sieht wirklich entspannt aus, richtig erholt und ein wenig von der Sonne gebräunt.

„Wie lange seid ihr schon hier?“ beginne ich den Small Talk. „Eine gute Woche, ein paar Tage haben wir noch.“ Ich frage nach den letzten beiden Regentagen, wohl auch, weil ich mir Urlaub im Reisemobil als Mutter zweier Kinder schwierig vorstelle, erst recht, wenn das Wetter nicht mitspielt. Aber Bettina hat keine Probleme damit. „Wir haben die Jungs hinten im Schlafraum untergebracht,“ berichtet sie. „Da haben sie Platz für Brettspiele oder ihre Laptops. Die dürfen natürlich nie fehlen. So ging die Regenzeit ganz schnell vorbei. Und das hat noch eine ganz praktische Komponente: Wenn die Jungs abends hinten schlafen, können Leo und ich vorne noch ein Gläschen Wein trinken. Wenn wir müde sind, klappen wir einfach das Hubbett herunter und legen uns schlafen.“

Als Camping-Muffel bin ich skeptisch. „Deine Kinder müssen aber einen guten Schlaf haben,“ merke ich an. Aber Bettina demonstriert mit zwei Handgriffen, wie einfach und schnell das geht.

„Apropos Hubbett, wo ist eigentlich dein Mann?“ will ich wissen.

„Wir haben hier schon unseren festen Tagesablauf,“ erklärt meine Schulfreundin. „Morgens Familienfrühstück mit allen, dann versorgt Leo uns und das Fahrzeug mit allem Notwendigen. Er schaut nach Strom, Wasser, Gas und was weiß ich. Nicht, weil er sich Sorgen macht, aber du weißt ja: Männer und Technik. Er will einfach sicher sein und ein bisschen mit der Technik spielen.

Leo geht dann Joggen, Angeln oder in den Hafen, um Yachten und Boote zu bewundern. Die Jungs sind hier mit anderen Kindern unterwegs und haben den Auftrag, sich ab und zu einmal hier sehen zu lassen. So muss ich mir keine Sorgen machen und kann lesen, Tee trinken, träumen und Gäste empfangen wie dich.“ Wir müssen beide lachen. Es ist schön, diese Zeit nur für uns zu haben.

Wie aufs Stichwort schießen zwei Jungs auf ihren kleinen Fahrrädern zwischen unseren Stühlen und dem Wohnmobil vorbei. „Hi, Mum,“ ruft der Ältere, und schon sind beide wieder verschwunden. „Das waren sie übrigens, Martin und Christian,“ ist Bettina sichtlich stolz.

„Wie alt sind sie? Als ich die beiden zum letzten Mal gesehen habe, hatte mindestens einer noch Windeln um.“ „11 und 13, noch sind sie pflegeleicht, aber das schwierige Alter kommt noch.“

Irgendwie gefällt mir der Tag auf dem Campingplatz mit Bettina, und ich frage etwas neugierig. „Wie seid ihr zu einem Wohnmobil gekommen? Früher standest du mehr auf Komfort und Lifestyle, oder?.“

Bettina schmunzelt breit. „Das tue ich immer noch. Als die Kinder kleiner waren, haben wir gar kein Urlaub gemacht. Wir sind zu Hause geblieben und haben gespart. Leo und ich haben beide gearbeitet, ich nur halbtags, aber wir konnten keine großen Sprünge machen.“ Selbst bei diesen Worten scheint Bettina mit sich und ihrer Vergangenheit im Reinen zu sein.

„Leos Mutter hat sich damals häufig um die Kinder gekümmert, und als sie dann leider gestorben ist, mussten wir umdenken. Wir haben beschlossen, uns selbst mehr um die Jungs zu kümmern. Deshalb haben wir unsere Ersparnisse und die kleine Erbschaft von meiner Schwiegermutter in das LMC Wohnmobil investiert. Seit dem fahren wir im Urlaub oder am Wochenende durch Deutschland oder in die Nachbarländer, raus aus dem Ruhrgebiet.“

„Und warum habt ihr euch für dieses Reisemobil entschieden?“ will ich genau wissen. Bettina schaut mich verschwörerisch an, wie damals, als sie mir als erstem nach Leo von ihrer Schwangerschaft erzählt hatte. „Das hast du noch nicht gemerkt?“ freut sie sich. „LMC - Leo, Martin, Christian. Das sind meine drei Männer.“ Ich muss wohl ein ziemlich dummes Gesicht gemacht haben, deshalb klärt sie mich schnell auf. „Nein, wir haben erst später festgestellt, dass das die Buchstaben der Namen sind. Wir haben einfach nach einem günstigen Reisemobil gesucht, das perfekt zu uns passt. Also, mit einem Schlafraum hinten für die Racker, einer praktischen Inneneinrichtung, strapazierfähig für halbwüchsige Jungs, aber doch mit einem gewissen Stil für mich. Du hast ja selbst gesagt, ich steh auf Komfort und Style.“ Muss ich mich jetzt schämen? Nein, nicht bei Bettina.
„Und da ich und Leo abends für die ganze Familie kochen, benötigen wir eine praktische Küche und einen großen Kühlschrank. All das hat unsere Familien-Kutsche.“

Der Ausdruck Kutsche belustigt mich, und meine Freundin schränkt gleich wieder ein. „Na ja, etwas mehr als 2 Pferdestärken hat unser Reisemobil schon. Nach Hause brauchen wir nicht mehr als 3 Stunden plus eine Stunde, um alles einzupacken.“ Jetzt bin ich wirklich beeindruckt über das eingespielte Team, das aus Bettina und ihren drei Männern besteht. „Du scheinst richtig glücklich zu sein,“ fällt mir auf.

„Weißt du, hier macht jeder, was er gerade möchte. Wir sind zusammen, aber doch jeder für sich frei, das zu tun, was er will. Es gibt nicht viele feste Regeln, außer den gemeinsamen Mahlzeiten morgens und abends. Meine Männer lieben das ungezwungene Leben, und ich erst recht. Ich muss mir um Martin und Christian keine Sorgen machen, sie sind in einem Alter, selbständig klar zu kommen. Und die Fahrzeuge fahren hier langsam, jeder achtet auf den anderen. Hier sind ja auch viele andere Kinder unterwegs. Ich selbst bleibe hier und lese, quatsche mit unseren Nachbarn, gehe ein wenig Bummeln in den Ort. Das ist so entspannend, trotz der Kinder auf relativ wenig Raum. Die fallen abends sowieso müde ins Bett, und Leo und ich haben dann viel Zeit für uns gemeinsam. Auch das genießen wir.“

Das kann ich dann später selbst erleben. Wir sitzen mit Leo in der Abendsonne und ich erzähle von meinem Leben. Das ist immer in Bewegung, voller neuer Aufgaben und Herausforderungen, geprägt von der Jagd nach Adrenalin und Erfolg.

Irgendwann, auf der Rückfahrt, beschließe ich: bald werde ich mir auch einmal ein Reisemobil mieten, um Tee zu trinken und Bücher zu lesen. Aber bis dahin weiß ich Bettina in den allerbesten Händen.