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Die Seniorenmädels sind wieder auf Tour... - Part 6

Outdoor und Sport
buerstner
von Bürstner

Die Seniorenmädels sind wieder auf Tour... - Part 6

Von der Dreisam bis zur Newa

Marianne und Inge, beide im besten Rentenalter, machen jedes Jahr interessante Fahrten mit ihrem Bürstner Nexxo.

Inzwischen in einer kleinen Stadt in Polen angekommen, verbringen die beiden ein wenig Zeit auf dem Campingplatz bevor sie die Gegend erkunden.

Ein besonderer Tag, dessen Erlebnisse unterschiedlich nicht sein können, die aber beide hochemotional waren, liegt hinter uns. Wir hatten uns vorgenommen, das Kloster Heiligenlinde zu besuchen; aber auch die Wolfsschanze, Hitlers Hauptquartier, war auf unserem Plan. Dann wollten wir wieder zurück auf unsern Campingplatz in Mikolajki zu fahren.

Heiligenlinde, das Jesuitenkloster mit der ganz außergewöhnlichen Orgel, das ist unser erstes Ziel. Wir freuen uns über einen Parkplatz quasi direkt vor der Tür. Die Parkwächterin weist uns freundlich und sicher ein, wir zahlen 8 Zloty, ca. 2 €, und dann dürfen wir stehen bleiben, solange wie wir möchten. Wir gehen noch ziemlich gemütlich auf die Kirche zu, Bustouristen, Kleriker, Gläubige und die Hausherren, die Jesuiten. Hier ist eine besonders große Verehrung des Gnadenbildes der Muttergottes. Jede Stunde soll ein Orgelkonzert auf dieser klanglich und optisch so besonderen Orgel sein. Schon im Innenhof hören wir Musik, ist das die Orgel, ist das eine CD??? Nein, es ist die Orgel, der eine junge Ordensschwester das Ave Maria in ganz besonders einfühlender Weise entlockt. Selten habe ich jemanden so gefühlvoll spielen gehört, und das mit dieser Technik. Bewegliche Figuren am Prospekt, Register, die man sonst nicht kennt, der große Engel verbeugt sich, die Glöckchen klingeln, Trompeten, die laut erschallen. Die Kirche ist gut gefüllt. Auch etwa 40 Erstkommunikanten sind hier, begleitet von ihren Betreuern. Man hört keinen Muckser, auch von den Kindern nicht. Es gelingt dieser jungen Ordensfrau, alle, wirklich alle in ihren musikalischen Bann zu ziehen. Noch zwei Orgelstücke, eine schüchterne Verbeugung, und der aufbrausende Applaus ist mehr als verdient. Gleich danach beginnt die Messe, und die Schwester singt noch mit ihrer glockenklaren Stimme. Immer wieder möchten wir zuhören, wir kaufen zwei CDs, leider gibt es noch keine, die von der Schwester eingespielt wurde. Es gibt Erlebnisse auf Reisen, die unerwartet unter die Haut gehen. Dieses Erlebnis gehört sicher dazu. Wir setzen uns an einen Holztisch im Hof und schreiben eine Karte an unsere Freunde Elfi und Paul-Heinz. Mit den beiden möchten wir unser hiesiges Erlebnis teilen, denn wir wissen, die beiden verstehen das nicht nur, sie können es wahrlich nachempfinden. Wir betrachten den Klosterhof, die Bilder, und dann ist wieder Zeit für ein Orgelkonzert. Wir sind uns einig, das wollen wir nochmal erleben. Das Gefühl zwischen Gänsehaut und Frieren, und die Tränen, die man nicht erklären kann, die aber in die Augen steigen.

Wir eisen uns los, denn ein zweites emotionales Erlebnis steht uns noch bevor: Ganz nahe bei Heiligenlinde liegt die Wolfsschanze. Dieses Kriegsquartier Hitlers war das größte im Zusammenhang mit der geplanten Invasion auf die Sowjetunion. Man darf nur auf markierten Wegen gehen, zu groß ist die Gefahr immer noch, dass irgendwo eine Bombe liegt. Die Bunker sind weitgehend gesprengt worden, dennoch ist es unvorstellbar, was wir hier sehen. Hier versuchte Graf Stauffenberg, Hitler mit einem Attentat zu beseitigen. Wir schauen, aber wir reden kaum. Entsetzt sehen wir, dass Kinder, die in Begleitung von Ordensschwestern und Priestern hier sind, Gasmasken als Andenken kaufen. Die Schwester hilft, die Tragebeutel umzuhängen, Herr Pfarrer erklärt die Funktionen der Masken und hilft beim Ausprobieren. Makaber! Ist das jetzt Geschichtsunterricht für die kleinen Polen, ist es Heimat erfassen, oder bekommen wir den Geschichtsunterricht, den man in unserer Schulzeit einfach "vergessen" hat? Eines ist sicher, alle, die bisher nicht begreifen und verstehen, was Hitler angerichtet hat, die sollten hier die Vergangenheit betrachten. Auch im Nachhinein finden wir es wichtig, zumindest hier vor Ort einen Blick in die Vergangenheit des Nazideutschlands zu werfen. Es ist erschütternd und abscheulich, was uns die Vergangenheit zeigt. Unsere Empfindungen können wir nicht alle beschreiben, auch nicht fotografieren, es sind Situationen, die einfach nur unter die Haut gehen.

Es geht weiter in Polen mit einer Besichtigung der Stadt Danzig.

Danzig, Gdansk, markante Dinge fallen uns ein. Hier begann der 2.Weltkrieg, hier streikten die Werftarbeiter der Lenin Werft, hier wurde die Gewerkschaft Solidarnosc von Lech Walesa gegründet, und auch hier war Johannes Paul II., der polnische Papst, auf seinem Weg für den Frieden. Sicher mag man über ihn ganz unterschiedlich denken, aber sein Beitrag zur Öffnung des Ostens, zum Fall der Berliner Mauer, und auch die riesigen Veränderungen in Russland sind bei den Menschen hier angekommen. Außerdem war er natürlich ihr polnischer Landsmann, und gefühlt „ ist er es immer noch“. Los geht es, auf nach Danzig. An der Straßenbahnhaltestelle angekommen, stehen gleich zwei Straßenbahnen bereit. Wir nehmen die offensichtlich modernere. Die andere Straßenbahn fährt ab. Dumm gedacht, und wie es gelaufen ist, das kommt jetzt: Der Fahrer räumt aus den Einstiegen den Dreck weg. Hier eine Dose, dort Papier, doch eine Tür klemmt. Wir sollen uns hinsetzen, es geht noch eine Weile, es quietsch, klappert, brummt und scheppert. Der Fahrer setzt sich ins Führerhaus, schließt mit großem Getöse die Türen, außer der einen Tür, die sich nicht schließen lässt, dann fährt er los. Die Leuchtschrift können wir mit Hilfe unseres sparsam ausgelegten Wörterbuchs erahnen. Das bedeutet ganz einfach: nicht einsteigen.

Er fährt an allen Haltestellen vorbei, genau bis dorthin, wo wir aussteigen wollen. Die Leute stehen an den Haltestellen, wir zwei sitzen in der holprigen, scheppernden Straßenbahn, und im Grunde fehlt nur ein Glas Cremant, um diese Einzigartigkeit zu unterstreichen. Ich glaube, niemand von den Wartenden hat verstanden, warum da zwei Leute in einer Straßenbahn mit Anhänger durch die Gegend gefahren werden. Wir fanden das natürlich absolut lustig. Die Frage war nur, sollen wir jetzt winken und lächeln wie die Queen, oder halten wir es mit den strahlenden Holländern, oder sind wir einfach weiter fröhlich und winken auf unsere Art. Wir entscheiden und für die dritte Möglichkeit, denn schließlich hatten wir keine Zeit, uns auf dasZuwinken unserer Bewunderer einzustellen, um dann vielleicht royal zu reagieren. Altstadt, die Türen öffnen sich, aber der rote Teppich fehlt. Wir haben wenige Schritte, bis wir das Kran-Tor sehen. Wir spazieren durch das grüne Tor, erleben das bunte Treiben am , und wir können es nicht lassen, uns mal wieder über das Touristentreiben zu amüsieren.

Am Neptunbrunnen erinnern wir uns, dass noch Danziger Goldwasser in unserer Bar vergraben ist. Neptun verzeiht uns, dass „das Tröpfen“ noch nicht verzehrt ist, und wir lächeln ihm dankbar zu. Immerhin hat er das Gold des Goldwassers erfunden. Da waren doch Touristen, die Münzen in seinen Brunnen geworfen haben, und voller Zorn stieß er seinen Dreizack auf die Münzen. das Gold zersprang in ganz kleine Plättchen und mischte sich mit dem bekannten Kräuterlikör aus Danzig, Danziger Goldwasser eben. Wir bewundern die so gut gelungene Restaurierung der Altstadt. Man spürt förmlich das Treffen der Kaufleute. Das beschließt den Langen Markt auf der anderen Seite. Das Zeughaus erscheint in alter Pracht und der größte mittelalterliche Kirchenbau nördlich der Alpen, ganz aus Backsteinen errichtet, lässt uns staunen. Hier ist auch die astronomische Uhr sehr interessant anzusehen, besonders, weil wir diesbezüglich ja auch Vergleiche haben. Ein Seitenaltar mit einem künstlerischen Werk als Erinnerung an den Flugzeugabsturz des Präsidenten Kaschinsky am 10. April 2010 in Smolensk. Da gibt es immer noch unterschiedliche Ansichten und Berichte. Natürlich ist in dieser Kirche auch ganz klar die hohe Verehrung des Polenpapstes zu erkennen. Die gotische Kirche wirkt nüchtern und sachlich, aber bei näherem Hinschauen entdecken wir immer wieder Bilder, alte Freskenreste, restaurierte Werke und natürlich auch hier, der Blick zur Orgel.

Wir laufen weiter durch die Frauengasse, gespickt mit Bernsteinverkauf, und landen wieder am Kran-Tor, wo wir es uns gemütlich machen, um etwas zu essen. Wir wollen nicht zur Westernplatte, denn die Wolfsschanze reicht noch, um unsere Nazierlebnisse wach zu halten. Immer wieder der Gedanke, bitte nie wieder Krieg, und wir schauen gleichzeitig sorgenvoll nach Syrien und in die Türkei. Morgen geht die Reise weiter.

Wer jetzt schon wissen will, wie die Reise im Nexxo weitergeht, der kann das Buch "Träume werden wahr" von Marianne Müller auch im Tredition Buchshop erwerben.

ISBN

PaperbackISBN 978-3-7323-2819-2

HardcoverISBN 978-3-7323-2820-8

E-BookISBN 978-3-7323-2851-5