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Die Seniorenmädels sind wieder auf Tour... - Part 5

Outdoor und Sport
buerstner
von Bürstner

Die Seniorenmädels sind wieder auf Tour... - Part 5

Von der Dreisam bis zur Newa

Marianne und Inge, beide im besten Rentenalter, machen jedes Jahr interessante Fahrten mit ihrem Bürstner Nexxo.

Hier berichten wir von ihrer Reise.

Weiter geht es mit einem erlebnisreichen Tag in Tallinn auf den Weg in Richtung St. Petersburg in Russland...

Auf los geht’s los zum Busbahnhof. (...) Der Busbahnhof gleicht einem Flughafenterminal. Hier drängelt aber keiner, das ist in diesen Ländern sowieso nicht üblich. Es ist eben alles geregelt gewesen, um nicht zu sagen, alles wurde gemaßregelt. Die angenehme Seite ist, dass gewisse zwischenmenschliche Regularien nach wie vor eingehalten werden. Der Bus kommt. Das Gepäck wird kontrolliert, bekommt einen Gepäckzettel wie im Flugzeug und wir steigen ein. Erste Passkontrolle, erste Visumkontrolle und erste ganz klare Gesichtskontrolle.

Auf unseren reservierten Plätzen liegt das Frühstück bereit, Kaffee, Tee usw. holt man sich selbst aus der Maschine. Die liefert recht gute Produkte, also gibt es feinen morgendlichen Kaffee. Zwei Minuten vor sechs startet der Bus, denn alle, die angemeldet sind, und das sind sieben Leute, sind da. Ohne Anmeldung geht nichts, also kann der Bus auch früher abfahren. Wir kuscheln uns in unsere weichen Polstersessel, klappen die Rücklehnen zurück und die Fußlehnen hoch, Musik wollen wir nicht, iPad ist nicht dabei, also brauchen wir auch kein W-LAN, das kostenfrei angeboten wird. Wir dösen in den noch jungen Tag hinein, denn bis Narva ist uns die Strecke schon bekannt. Es ist wirklich ein Luxusbus, und in Estland sind die Straßen ziemlich gut.

Wir selbst bevorzugen die gelben Straßen, die sind weniger befahren als die Autobahnen, und deshalb sind sie in gutem Zustand. Der Bus nimmt natürlich die rote Straße, die wir aber schon kennen. So gibt es auch noch nichts zum Schauen, denn die Waldstrecken ziehen sich Kilometer um Kilometer. Bei den Warnschildern vor Elchen denke ich immer, ich würde gern mal einen sehen, so richtig frei, wie bei uns die Rehe, die man manchmal sieht. Wenn ich mir dann vorstelle, warum gewarnt wird, dann reichen mir auch die unzähligen Wildgänse, die wir gesehen haben. Unfälle mit Wild sind meist keine Bagatellen. Inge döst auch noch vor sich hin, und sie kommt mit jedem Kilometer ihrem Geburtstagsgeschenk näher. Der Bus läuft ja schon als erster Teil des Familiengeschenkes, der zweite Teil ist das Visum, das wir gleich brauchen werden.

In Narva überqueren wir den Grenzfluss Narva, der Estland von Russland trennt. Doch halt, so schnell geht das ja alles gar nicht. Wir verlassen nicht nur den "Schengen Raum", das tun wir bei uns zu Hause ja auch, wenn wir in die Schweiz fahren. Wir reisen in die RUSSISCHE FÖDERATION, wie es korrekt heißt, und das sieht so aus: Estonia, so heißt Estland, hat erst einmal das eiserne Schiebetor zu. Auf dem Ärmel einer Uniformierten lesen wir das uns bekannte Wort Politsei. „Frau Politsei“ kontrolliert die Pässe. Derweil entfernt der 2. Busfahrer die Radkappen. Die Fahrer wechseln noch Geld, wir wissen nicht warum, und nach kurzer Zeit wird das Eisentor geöffnet, und hinter uns natürlich ganz schnell wieder geschlossen. Dabei wollen wir doch jetzt nach Russland, falls man das noch so sagen darf. Eigentlich könnte er das Tor ja auflassen, aber bestimmt kommt bald der nächste Mensch oder das nächste Auto, das die Grenze überqueren will. Rechts und links ein hoher Käfig aus Draht, der erinnert an Transportgitterboxen, nur eben viel größer. Schlafen tut niemand mehr, jetzt bloß keinen Foto auspacken.

Der Bus hält vor dem nächsten Tor, die Narva haben wir überquert, und eigentlich sind wir schon in Russland, aber so einfach ist das nicht zu machen. Wieder kommt ein Uniformierter, Pässe, Bild zeigen. Wir verstehen zwar nichts, aber wir sind ganz sicher, genau verstanden zu haben, was er meint. So ist es dann auch. Und jetzt? Der nächste kommt. Ob die Menschen hier lachen können, „schießt“ es mir durch den Kopf. Muss wohl an den „Schießeisen“ gelegen habe, die die armen Kerle mit sich herum tragen müssen. Die Frage ist: Was macht jetzt Nummer drei? Visumkontrolle! Dann Tor auf, Schranke, alles aussteigen. Gepäck mitnehmen. Wir kommen in einen Raum - jetzt hatte ich gerade Traum geschrieben - aber das ist Realität, wir kommen in einen Raum, der aussieht wie der Wartesaal eines uralten Bahnhofes. Allerdings gibt es keine Sitzgelegenheiten, nur weiße Streifen auf dem uralten, grauen Steinplattenboden.

Jetzt kommt die Kontrolle der Koffer. Wie beim Sicherheitscheck im Flughafen laufen die Koffer über ein Band. Wo etwas unklar ist, muss der Koffer geöffnet werden. Wir kommen ohne Öffnen der Koffer durch die strengen Blicke, die unter den tellergroßen Mützen hervorschauen. Dann das Kabäuschen, ich bin ganz stolz, das Wort gibt es sogar im Duden, mit der noch strenger blickenden Dame. Den Pass, das Visum und den ausgefüllten Ein- und - Ausreisezettel will sie haben. Zum Glück hat das Millimeterpapier der auszufüllenden Kästchen dem Gekritzel im fahrenden Bus Stand gehalten. Pass ins Lesegerät, 2. Gesichtskontrolle, Visum ins Lesegerät, Datenabgleich, Einreise - Ausreisezettel verglichen, uff, zwei Stempel donnern auf und in die Dokumente! Der Koffer kommt wieder in den Bus, einsteigen, es geht weiter. Neeee, weit gefehlt! Ich wollte mir gerade einen Kaffee holen, aber da war ich doch- flink wie ein Wiesel – wieder am Platz.

Der nächste Uniformierte kommt zur Passkontrolle. Gesicht zeigen, ohne „bitte“, das Wort scheint unbekannt, Vergleich mit den Fotos, die zum Glück den Test bestehen. Es geht weiter, und wir merken sofort an den Straßen, wo wir sind. Wir fahren vorbei an alten Holzhütten, die bei uns nicht einmal als Hühnerställe tauglich wären, sehen alte Mütterchen (vielleicht sind sie ja gar nicht alt) am Straßenrand sitzen, um Kartoffeln zu verkaufen, sehen Kolchosen und Wachtürme. Manchmal kommt ein etwas neueres Dorf ins Blickfeld, aber dann mit Sichtschutz. Straßenbauarbeiten, die Schnellstraße soll wohl bis an die sogenannte internationale Grenze gebaut werden, und wieder Kilometer um Kilometer unbewohnte Waldfläche. Schneller, als wir es erwartet hatten, biegen wir auf eine prächtige Autobahn ein. Riesige Brückenkonstruktionen, Beleuchtung ohne Ende. Es geht auf St. Petersburg zu. Dann Endstation, der Fahrer sagt zu uns: „Finish here“. (...)

Nachdem die beiden ein paar Tage in St. Petersburg verbracht hatten, erzählt Marianne von ihrem letzten Tag dort.(...)

Der Bus bringt uns in Richtung Newa. Heute wollen wir die Bootfahrt machen. Auch da sind wir wählerisch, nicht einfach das nächste Touristenboot nehmen, sondern wir beschäftigen uns erst mal mit der Qual der Wahl. Dann entscheiden wir, und zwar so, wie -ich denke, es typisch für uns ist. Wir nehmen ein kleineres Boot, so richtig russisch. Eine russische Gruppe Jugendlicher, wahrscheinlich einSchulausflug, wartet schon. Wir werden wie „Ehrengäste“ begrüßt. Auf dem Steg werden uns sofort zwei Sitzplätze angeboten und bereitgestellt. Man bittet uns - sehr bemerkenswert- mit sehr freundlichem Lächeln, doch Platz zu nehmen. Wir möchten die Kanäle des Venedigs des Nordens mehr erkunden, deswegen haben wir dieses Boot gewählt. Das Boot ist bereit, die Fahrgäste an Bord zu nehmen. Ein Seil und eine Dame verhindern, dass die Leute auf das Boot stürmen. Wir werden, wiederum sehr freundlich, und ohne jede Sprachkenntnisse, gebeten, als erste an Bord zu gehen. Wir sollen uns einen Platz aussuchen. Die „Germanski“ sind gern gesehen und herzlich willkommen. Jetzt betrachten wir die Straßen und Paläste von den Kanälen aus, wir fahren unter den Brücken durch, die wir bisher überquert haben. Die Brücken sind eine eigene Fotoserie wert. Kunstvoll gestaltet, farblich unterschiedlich, Stilrichtungen diverser Zeiten, jede Brücke hat ihre Eigenart.

Wenn sie doch erzählen könnten, diese Brücken, dann gäbe es ein dickes Buch. Welche Soldatenstiefel sind hier schon marschiert, welche Stöckelschuhe mit Plateausohlen bleiben heute zwischen den Steinen hängen, und was mögen die Menschen gesagt und gedacht haben, wenn sie diese Brücken passiert haben. Jede Brücke hat ihre eigene Geschichte. Der Zar wollte Venedig des Nordens, er wollte keine Straßen, und die geöffneten Brücken in der Nacht sollten verhindern, dass die Menschen den Warenhandel verstehen lernen können. Alle an Russland grenzenden Meere sollten durch Kanäle mit St. Petersburg verbunden sein, das war das Ziel des Zaren Peter der Große. Wir genießen die Ausblicke, wissen schon, wo wir sind, und wir- es sei wiederholt- fühlen uns richtig wohl. Grölende Gruppen gibt es sowieso nicht, „Sauen“ und „Saufen“ auf den Straßen ist nicht, "Knöpfe in den Ohren" sind nur bei einem üblich, es ist eine andere Welt. Bei strahlender Sonne schippern wir gemütlich durch die Stadt. Ja, wir haben das richtige Boot ausgewählt. (...)

(...) Als Abschluss möchten wir noch ein Highlight: Wir hatten von zwei Leuten noch Geld geschenkt bekommen, explizit für einen gemütlichen Kneipenbesuch. Das wollen wir jetzt mit einem Essen in einem georgischen Lokal verbinden. Alles sieht wunderschön und stilvoll aus. Die Stühle mit Hussen, die Tische sauber und schön eingedeckt, Live-Musik. Die Speisekarte bitte! Hmm, keine sprachliche Verständigung außer russisch ist möglich. Die Speisekarte war übersetzt, aber diese englische Übersetzung war bestens geeignet, um das witzige Buch mit den Übersetzungen der Speisekarten: Oberst von Huhn bittet zu Tisch, um ein Kapitel zu erweitern. Verstanden haben wir jedenfalls nichts. Diesmal gab es auch keine Bilder, aber wir bestellen, und wir essen ausgesprochen gut und schmackhaft. Zuerst hatten wir allerdings vergessen, dass man Beilagen alle einzeln bestellen muss. So saßen wir vor unserm Eisennapf mit Fleisch, grinsten uns an, und wir bestellten in Etappen die Beilagen dazu. Getränk? Zum Essen trinkt man Wodka, und den gibt es in diesem feinen Lokal abgewogen. In Milliliter haben wir ja Vorstellungen, aber was sind 100 Gramm Wodka. Wir lassen das Nachdenken und bestellen 2 x 100 Gramm, das passt auch. Klasse, wir sind begeistert, dass wir uns das zugetraut haben. Wir freuen uns richtig an diesem gelungenen Abend.

Uns fehlt noch ein bestimmtes Mitbringsel für jemanden, und deshalb wollen wir einen der Souvenirläden besuchen. Vorher benötigen wir noch Rubel, denn irgendwie muss der Rubel nochmal rollen. Man kann fast überall mit Kreditkarte bezahlen, man kann an sehr vielen Wechselstuben Geld wechseln, und diese haben - fast auf den Kopeken genau – den gleichen Wechselkurs; Banken hingegen sind teurer. Kopeken sind sowieso nur noch eine marginale Einheit, aber man braucht sie. Die Bezahlwährung beginnt im Grunde bei einem Rubel. Auch im Kempinski gibt es keine Wechselstube, aber eine Toilette!!! Die Wechselstube, die wir dann besuchen ist ziemlich heftig sowjetisch. Vor der Tür sitzt der Uniformierte, der uns auf die Tür hinweist. Wir dürfen hinein. Ein Schreibtisch, eine Dame mit "Sowjetblick" presst ein. CHANGE??? durch ihre Lippen. Yes please, das wollen wir. Eine direktive Handbewegung zeigt uns unmissverständlich, wo sich unsere Schritte hinzubewegen haben. Ein einziger Schalter, rechts und links eine Schutzwand, Panzerglas, eine uniformierte Frau. Diese Positionen sind meist mit „Sprachgenies“ besetzt, die genau verstehen, dass man Geld wechseln will. Was will man wohl sonst in einer Wechselstube? Sie schaut uns an, keine Reaktion, sie schaut ihre Geldzählmaschine an, keine Reaktion, und jetzt kommt die Minute - nein, nicht der Wahrheit, sondern des Suchens. Ja was sucht sie denn, wohin sind ihre Rubel denn gerollt? Sie sucht weiter, inzwischen so halb sitzend unter dem Schreibtisch. Wäre ein tolles Foto, aber das lasse ich besser sein. Nach geraumer Zeit erscheint der streng frisierte Kopf wieder in voller Pracht. Ein vorgedrucktes Schild in ihrer Hand zeigt uns wenige Worte: ! Na dann…, wir ziehen ab. Im Flur lachen wir erst einmal. Ich setze mich auf eine Bank, die da steht, und Inge holt die allzeit bereite Wasserflasche aus der Tasche, . Inge öffnet die Flasche, und mich trifft, da ich in dieser etwas tieferen Position auf der Bank sitze, die kalte Dusche. Nun ja, kalt war sie nicht, nur lustig, so richtig passend zur Situation. Die Karten sollen noch in den Briefkasten, und wie für uns gemacht, laufen wir nochmal einen guten Kilometer zum Briefkasten hin. Zurück muss auch sein, aber dann reicht es. Nichts ist uns mehr möglich für „die nächtliche Aktion des weißen Himmels“, außer einem Foto. Der Himmel ist auch nicht wirklich klar heute. Wir sollten die Koffer packen, morgen geht es zurück.


Zurück in Estland und nach ein paar Ruhetagen machen sich die Inge und Marianne auf den Weg nach Litauen.

(...) Wir kommen unerwartet an eine besondere Stelle: Hier ging 1989 der < Der Baltische Weg>, die größte Menschenkette der Geschichte entlang. Das Thema um Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit der baltischen Staaten war seit dem Molotow-Rippentrop Pakt, der auch als Hitler-Stalin Pakt bekannt ist, von großer Brisanz. Der Pakt wurde am 23. August 1939 geschlossen. In geheimen Protokollen zu diesem Vertrag, wurden die baltischen Länder aufgeteilt. Die sogenannten „Einflusszonen“ wurden zwischen Deutschland und der Sowjetunion verhandelt und festgelegt. Danach sollten Finnland, Estland, Lettland der Sowjetunion zugeschlagen werden, Litauen und weite Teile Polens sollten zumDeutschen Reich gehören. Die nördliche Grenze Litauenswurde als Grenze der „Einflussbereiche“ festgelegt. Unmittelbar nach dem Vertragsschluss begann Deutschland den 2. Weltkrieg. Am 1. September 1939 marschierte die deutsche Wehrmacht in Polen ein. Die Sowjetunion besetzte 1939/40 das Baltikum.

An diesem Ort des Bedenkens und des Gedenkens stehen wir. Bei dem Nachfühlen der Menschenkette von rund zwei Millionen Menschen durch diese Landschaft, die im August 1989 die Unabhängigkeit der drei baltischen Staaten von der sowjetischen Besatzungsmacht erzwingen wollten, läuft es uns eiskalt über den Rücken. Heute wird diese Strecke der BALTISCHE WEG genannt. Dass das ein Weltkulturerbe ist, versteht sich von selbst. Es ist ein so sonderbares Gefühl, hier zu stehen und zu laufen. Nebendran steht immer noch der ehemalige sowjetische Wachturm. Jetzt haben wir die Grenze nach Litauen überschritten, genau auf dem Baltischen Weg. Die ganzen Gebiete sind hier unendliche Naturparks. Man fährt oft Kilometer um Kilometer durch diese Naturparks, die manchmal einen Zaun zur Fahrstraße haben. Das ist immer dann notwendig, wenn die Gräben nicht tief genug sind, um dem Wildwechsel Einhalt zu gebieten, oder wenn die Gräben tief und fast verdeckt sind, und somit eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer darstellen. (...)

In Vilnius, der Hauptstadt Litauens, angekommen machen sie sich zu Fuß auf, die Stadt zu erkunden.

Heute ist unser Tag in Vilnius: Die ganze Altstadt ist Weltkulturerbe. Nicht nur die Stadt ist flächenmäßig die größte Stadt des Baltikums, es ist die größte Altstadt Osteuropas. Von jedem Punkt der Altstadt sieht man mindestens vier Kirchen. Hier war die Hochburg der Juden mit 27 Synagogen. Heute gibt es nur noch eine Synagoge. Wir besuchen ein großes Marienheiligtum, viele Kirchen und einige Klöster. Wir genießen die Tour durch die Altstadt, nicht per Bus, sondern wieder auf unseren Schuhsohlen. Die Temperaturen sind hochsommerlich, und wir freuen uns, dass die Kirchen immer wieder Schatten und Kühle spenden. Wir besuchen das russische Kloster, rechts ist das Männerkloster, links das Frauenkloster. Die russisch-orthodoxe Kathedrale ist das wichtigste Gotteshaus der litauischen Orthodoxen. Diese beiden Klöster sind heutzutage die einzigen orthodoxen Klöster in Litauen. Hier sind drei Märtyrer beigesetzt. In einem großen Sarg mit Glasplatte sieht man drei Menschen liegen, die allerdings mit großen Chormänteln total bedeckt sind. Lediglich die Füße mit weißen Strümpfen und roten Schläppchen sind sichtbar. Die Menschen russisch-orthodoxen Glaubens küssen die Glasplatte immer wieder, legen die Stirn auf das Glas, gehen zur nächsten Ikone, wieder küssen und segnen. Die Sitten sind doch sehr unterschiedlich. Während wir an die Infektionsgefahr denken, wenn jeder seine „Schnute“ auf das Glas presst, ist das hier . Der Klerus kommt, begrüßt sich gegenseitig mit riesigen Verbeugungen, um dann hinter den Säulen zu lachen und zu quatschen, während immer einer der Kleriker fromm singt. Leider nicht besonders schön, aber auch nicht laut.

Die nächste Kirche ist römisch katholisch. Wir kommen gerade zum . Wieder begegnen wir der tiefen Frömmigkeit der Litauer.

Wir überlegen den Hintergrund des Geschehens. Alles, was christlich war, war während der Sowjetzeiten verboten. Die Befreiung aus dieser Knechtschaft ist für die Litauer gleichzeitig die Rückkehr zum praktizierten Glauben. Das sieht man auch auf Friedhöfen. Die Kreuze sind an die alten Grabsteine wieder angebracht worden, und Friedhofsbesuche gehören zum Sonntag. Die alten Rituale dürfen jetzt wieder gelebt werden. Gerade was die Religiosität angeht, werden sie sehr ausgiebig praktiziert.

Ob der Organist mehr mit den Tasten, oder mehr mit, den brummenden Pfeifen kämpft, ist nicht zu ergründen; aber es ist ein wirklich von Herzen kommendes "Laudate Dominum". Die Jesuitenkirche besuchen wir als nächstes, dann noch ein kleines . Danach meldet sich ganz profan unser Magen. Hunger! Nach dem Essen gehen wir zum Tor der Morgenröte, von dem aus die große Marienikone auf die Altstadt blickt. Wieder lassen wir uns gefangen nehmen, sind beeindruckt von den Menschen, die hier in Gruppen und einzeln beten; die Schlange stehen, um in Ehrfurcht am Gnadenbild vorbeizugehen. Wir gehen zurück, „Filarmonij“, Universität, deutsche Straße, dann ein Taxi zum Campingplatz. Morgen ist unser letzter Tag in Litauen.

Wer jetzt schon wissen will, wie die Reise im Nexxo weitergeht, der kann das Buch "Träume werden wahr" von Marianne Müller auch im Tredition Buchshop erwerben.

ISBN

PaperbackISBN 978-3-7323-2819-2

HardcoverISBN 978-3-7323-2820-8

E-BookISBN 978-3-7323-2851-5