Bulli-Härtetest auf Euböa - Griechenland Teil 2

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von FREEONTOUR und Gerfried Reis; Copyright Text und Bildrechte liegen bei Gerfried Reis

Bulli-Härtetest auf Euböa - Griechenland Teil 2

Gastartikel von Blogger Gerfried Reis auf seiner Reise durch Griechenland

Nach Besichtigung der Meteora-Klöster und abendlicher Fahrt an die Küste legen wir einen Versorgungsstopp auf einem Campingplatz in Volos ein. Wäsche und Haare wollen auch mal gewaschen werden. Doch nach zwei Tagen haben wir genug vom Trubel und wollen weiter.

Aus einer Laune heraus, und ohne zu wissen, was uns dort erwartet, setzen wir in Glifa nach Agiokampos auf Euböa über. So haben wir auf dieser Reise auch eine griechische Insel im Programm.

Wir fahren die Ostküste entlang in Richtung Süden. Euböa ist gebirgig, und bald sind wir bergauf, bergab unterwegs. Zwischen zwei Orten zeigt unsere detailgenaue Karte eine Straße direkt am Meer. Abkürzung!

Tja, du ahnst vielleicht bereits, wie es um die Abkürzung bestellt ist. Bald endet der Asphalt, unweit später ist auch Schluss mit feinem Schotter. Danach wird's holprig, und teilweise eng. Rechts der Berg, links der Abgrund, dazwischen holpern wir auf groben Steinen dahin. Fahrzeuge am Wegesrand beweisen, dass nicht jedes Vehikel die Nehmerqualitäten eines T3 hat.

Ein trauriger Anblick, von dem wir uns sofort bei frischen Feigen erholen müssen, die wir einfach vom Wegesrand pflücken können.

Der Bulli besteht jedenfalls seine Feuertaufe. Olya bevorzugt es teilweise, hinter dem Bulli herzugehen, als darin zu sitzen. Nach mehreren Stunden haben wir's dann aber geschafft, und befahren wieder Asphalt.

Grillen am Gehsteig

Am Zielort eingetroffen wollen wir zum Abendessen ins einzige Restaurant gehen, das geöffnet erscheint. Dort erschrecken wir die Wirtsleute mit unserem Versuch, Englisch zu sprechen. Ausländische Touristen kommen wohl nicht hierher. Wir bekommen irgendwann etwas zu trinken, allerdings nicht das, was wir wollten, und zu Essen gibt's auch nichts. Vielleicht war das Restaurant doch nicht geöffnet? Wir wissen es nicht. Tollpatschige Touristen!

Also stehen wir hungrig vor dem Bulli. Geparkt haben wir am Ende der Straße entlang eines Strandes, neben uns ein recht breiter, neuer Gehsteig. Was machen wir nun? Naja, wir grillen.

Und so sitzen wir in der Dämmerung auf unseren 5 Euro-Campingstühlen am Gehsteig, zwischen uns der glühende Grill und schauen aufs Meer. "Völlige Ruhe" - denken wir.

Denn wie spannend Touristen für dieses Dorf sind, ahnen wir bis dahin noch nicht. Beim ersten Paar, das bis zu uns spaziert, um neugierig zu blicken, umzudrehen und wieder zurückzugehen, denken wir uns noch nicht viel. Bei der nächsten Horde Kinder unter Aufsicht einer griechischen Oma ahnen wir bereits, dass wir hier die Attraktion sind. Die nächsten geschätzten hundert Personen, die bis zu uns spazieren, werden dann schon zur Routine. Wir grüßen freundlich, werden gegrüßt, und so geht der Abend zu Ende.

Geistercamps und Gewitter

Irgendwo haben wir aufgeschnappt, dass es in der nächsten Bucht einen Freicamper-Strand geben soll. Das müssen wir natürlich sehen. Mit dem, was uns dort erwartet, haben wir aber nicht gerechnet. Hunderte Zelte, die meisten davon nur mehr halb verankert, teilweise zerrissen, jedenfalls nicht mehr wirklich einsatzfähig. Manche Zelte scheinen dann aber doch wieder bewohnt zu sein. Geheuer ist uns das Ganze nicht, die Zelte hier wirken eher wie Notbehausungen und Urlaubsstimmung kommt nicht auf. Wir versuchen es einige Strände weiter: Schon besser. Auch hier gibt es verlassene Zelte, ja sogar Campingbusse, die mit eingeschlagenen Scheiben und ohne Luft in den Reifen am Straßenrand stehen. Bei manchen davon sind die Scheiben mit Müllsäcken wieder notdürftig verhangen und man kann annehmen, dass sie bewohnt sind.

Wir suchen uns ein einsames Fleckchen und starten wieder unseren Grill. Diesmal bekommen wir keinen Besuch der Dorfgemeinschaft. Die Nacht wird dennoch turbulent, und an Schlaf ist kaum zu denken: Von oben gehen Blitz und Donner auf den Bulli nieder, und neben uns donnern die Wellen des aufgepeitschten Meeres heran. Der Bus trotz dem Unwetter tapfer, und so können wir morgens aufbrechen.


Ohne Sprit über die Berge

Wir brauchen dringend Benzin! Wir haben 270km auf der Uhr, normalerweise würden wir bei 300km tanken, hatten aufgrund unseres undichten Tanks aber nicht vollgetankt. Doch wir nehmen es erstmal locker: Da wird doch sicher bald eine Tankstelle kommen. Eine kurze Schrecksekunde, als der Motor mal gut zwanzig Sekunden zum Starten braucht, doch dann geht's los: Wir schrauben uns entlang der Serpentinen hoch, um Euböa in Richtung Athen zu verlassen.

Teilweise scheinen Unwetter Teile der Straße mitgenommen zu haben. Oft ist nur mehr eine Spur vorhanden (die andere liegt einige Meter tiefer unter Schlamm begraben), und wir bemühen uns, schnell am Abgrund vorbei zu düsen.

Tankstelle? Fehlanzeige. Zwischendurch stehen Ziegen auf der Straße, die uns verständnislos ansehen: "Was macht ihr denn hier?"

Je länger wir uns im zweiten Gang bergauf kämpfen, desto mulmiger wird mir zu mute. Vielleicht ist das ja der Grund für diese Zelt-Dauerbehausungen: Urlauber konnten auf Euböa kein Benzin bekommen, und mussten dann Dort bleiben? Gestrandet, im wahrsten Sinn des Wortes. Gerade finden wir uns damit ab, dass es wohl schlimmeres gäbe, als wir die Passhöhe erreichen. Wir lassen den Bulli nun im Leerlauf bergab rollen -  mit Erfolg. Wir erreichen im Tal eine Tankstelle, und beinahe beantworte ich vor Erleichterung die Frage des Tankwarts “Full?” mit einem aufgeregten “YES!”.

Sightseeing am Peloponnes

An Athen ziehen wir vorbei, es steht diesmal nicht am Programm. Auch am Kanal von Korinth halten wir nur kurz, um den Schiffen beim Durchfahren des Kanals zuzusehen.

Nach beinahe zwei Wochen in Nordgriechenland und auf Euböa sind wir nun entspannt genug für ein ausgiebiges Kulturprogramm.

Wir besichtigen Mykene, eine der bedeutendsten, antiken Städte Griechenlands, sowie das Amphitheater von Epidauros. Dort werden wir, erstmals auf dieser Reise, von der Polizei vom Stellplatz verjagt. Hier gibt’s eindeutig zu viele Touristen.

Dass uns Margarita vom gleichnamigen Restaurant in Plaka nach dem Essen zwei große Säcke Tomaten aus dem eigenen Garten schenkt, versöhnt uns aber umgehend wieder. Griechenland ist toll!

In Kosmos kaufen wir einer Oma in Sirup eingelegte Früchte (ein typisch griechisches Dessert) und Backwaren ab. Zum Bezahlen müssen wir ihr Geschäft verlassen, und in den “Supermarkt” nebenan gehen, denn nur der Opa dort hat einen Taschenrechner.

Unser nächster Sightseeing-Stop ist die byzantinische Ruinenstadt Mystras. Deren Besichtigung ist in der Hitze kein Spaß, es geht steil nach oben. Und warum soll’s dem Bulli anders gehen, als uns?  Nach dem Sightseeing fahren wir über das Taygetos-Gebirge von Sparta in Richtung Kalamata. Die Öltemperatur steigt mal wieder bedrohlich, und die Schilder "Achtung: Glatteis" erheitern uns doch etwas.

In Finikounda kochen sogar die Batterien

In Finikounda bleiben wir nun wieder für zwei Tage auf einem Campingplatz. Ich gehe Windsurfen, Olya genießt die Ruhe.

Abends holen wir ganz ausgezeichnete Souvlaki aus dem Camping-Restaurant, und wollen uns einen griechischen Salat dazu machen. Margaritas Gemüse ist noch nicht aufgebraucht, doch wir stellen fest, dass wir keinen Oregano haben – und ohne Oregano kein griechischer Salat. Also ab in den Camping-Supermarkt. Ich frage das Mädchen an der Kassa: Sie bedauert erst, schüttelt den Kopf, denkt dann aber kurz nach, und bedeutet mir, zu warten. Kurze Zeit später erscheint sie wieder aus der Küche des Camping-Restaurants, und überreicht mir eine zusammengeknüllte Papierserviette. Darin hat sie gefühlte 200 Gramm Oregano eingepackt. Only in greece!

Die Erholung wird abrupt unterbrochen, als ich unter dem Bulli nach einem vom Wind verwehten Müllsack angle, und mein Ohr nahe am Batteriekasten ist: Darin brutzelt es. Ein Anruf bei meinem Mechaniker, und wir haben Gewissheit: Unsere kochende Batterie ist gerade mit der Knallgasproduktion beschäftigt - nicht die ideale Umgebung, um daneben bei Kerzenschein den Abend zu genießen. Statt Kerzenschein daher Stirnlampe und Werkzeug. Später wird sich herausstellen, dass unser Ladegerät defekt ist. Für den übrigen Urlaub sind wir jetzt erstmal stromlos.

Burger gefällig? Die Westküste der Peloponnes

Unsere gebuchte Abfahrt mit der Fähre rückt nun leider näher, weshalb wir an der Peloponnes-Westküste in Richtung Patras weiterfahren. Ein kulturelles Highlight steht uns jedoch noch bevor: Die antike Stadt Olympia mit ihren Sportanlagen. Wir verzichten (nur wegen der Hitze!) darauf, uns im Kugelstoßen zu üben.

Ein Straßen-Festival erwartet uns in Pyrgos. Wir stürzen uns ins Getümmel, und essen (schon wieder!) ausgezeichnete Souvlaki vom Straßengrill.

In Varda kaufen wir ein, leider hat der kleine Supermarkt kein großes Angebot an Fleisch. Sonst scheint kein Geschäft geöffnet zu sein, deshalb kaufen wir das einzige Grillgut, das wir finden können: Eine Großpackung Burger-Patties.

Wir machen es uns am Strand bequem, gegen Abend verschwinden die Tages-Ausflügler und wir bleiben völlig alleine zurück. Nur wir, der Wind und das Meeresrauschen. Erst zwei Strände weiter parkt ein Offroad-Wohnmobil.

Genügend Ruhe, um ein Burger-Patty nach dem anderen zu grillen. Richtig schön furchtbare Tiefkühlware, von Haute Cuisine kann man nicht sprechen. Doch in dieser Atmosphäre und mit Margaritas Tomaten als Beilage gibt es nichts zu meckern.

Mit einem Bulli kann man nichts schmuggeln

In Patras sind die Kontrollen im Fährhafen streng. Die jungen Beamten lassen uns aussteigen und Schäferhunde beschnuppern das Auto. Eigentlich ist alles ok, wir wollen schon einsteigen und fahren, doch ein Zöllner stoppt uns. “WAIT! What's under the bed?" "The engine" "Noooo!" "Yes" "Show me!" Also Heckklappe auf, Matratze hochgehoben, und die Motorhaube geöffnet. Großes Staunen. Der Kollege ist wohl zu jung, um Bullis mit Heckmotor noch zu kennen. Aber diese Bildungslücke hätten wir nun auch behoben.

Ende der Reise

Und damit geht unsere Reise dann auch fast zu Ende. Wir schippern über 30 Stunden nach Venedig, und fahren dann noch ein paar Stunden zurück nach Österreich. Griechenland hat uns begeistert: Zwar ist die grenzenlose Freiheit meiner Kindheitserinnerungen mittlerweile Geschichte, doch die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Griechen ist ungebrochen. Für unsere weiteren Griechenland-Reisen entdecken wir insbesondere den Landweg nach Griechenland durch Serbien als flexible Anreise-Option, und statten vermehrt den Ägäis Inseln Besuche ab. Griechenland verdient jedenfalls unsere klare Reise-Empfehlung.

Weitere spannende Reiseberichte, Ratgeber und Tipps rund um das Thema Reisemobil finden Sie auf Gerfrieds Blog WoMo Guide.

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198 Leofor. Athinon 7th.km.Nr8Nat.Road Athens-Korinthos, 12136, Peristeri-Athens, Griechenland
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