Einhunderttausendmal willkommen in Irland

geschrieben am 22.07.2014, von Dethleffs Dethleffs Destinationen Entdecken Caravan & Reisemobil Städte & Kultur

Die grüne Insel sollte dennoch nicht auf einen Ruck erobert werden

Auch wenn die Republik Irland nur etwa so groß ist wie Bayern, ist es ein Irrglaube, die Insel im Schnelldurchgang erkunden zu können. Der Reisemobilist sollte sich tunlichst auf weniger beschränken. Zum Beispiel auf den Süden. Selbst dann, wenn Irland im Leben nur einmal auf dem Reiseprogramm stehen sollte. Aber Vorsicht – die Insel hat durchaus ein hohes Suchtpotential! Dies beweisen die vielen Wiederholungstäter.

Ohne Fähre geht es nicht. Irish Ferries bietet den Seeweg von Roskoff bzw. Cherbourg in Frankreich nach Roslaire an. 17 bis 19 Stunden führen somit direkt auf die grüne Insel, und der lange „Landweg“ über Calais-Dover, dann sechshundert Kilometer durch England und Wales, um über die Verbindung Holyhead-Dublin ans Ziel zu gelangen, wird erspart. Wer keine Wartezeiten an der Direktverbindung riskieren möchte, der buche vorher übers Internet oder über ein Reisebüro die Passage. Sollte der Hund mitkommen wollen, ist die Reservierung noch wichtiger, denn die Boxen sind begrenzt. 10 Stück stehen zum Beispiel auf der Oscar Wilde zur Verfügung, bei 1400 Passagieren sind diese schnell gefüllt. Aber Vorsicht, die Einreisebestimmungen nach Irland für Pets sind komplex und bedürfen einiges an Vorbereitung. Auch hier gilt es, sich im Internet oder beim Tierarzt rechtzeitig zu erkundigen. Die Fähren lassen fast Kreuzfahrtfeeling aufkommen, nach der langen Anfahrt tut dies gut.

Auf der Insel angekommen heißt es dann gleich auf Gälisch “Céat Mile Fáilte“. Übersetzt: Einhunderttausendmal willkommen. Nun gut, die Iren neigen zur Übertreibung, im positiven Sinne, aber das macht sie noch sympathischer. Hier stellt sich dann auch gleich die etwas philosophische Frage, was genau den Reiz Irlands ausmacht; Die Landschaft? Sicherlich. Die Burgen, Kirchen und Klöster? Auch diese. Die bunten und lebhaften Städtchen mit ihren typischen Pubs? Ganz klar – auch die Pubs mit der traditionellen Irischen Musik. Aber im Eigentlichen sind es die Iren selbst. Sie sind freundlich, redselig, offen und fröhlich. Und sie mögen insbesondere uns Deutsche gerne leiden.

Dem Linksverkehr wird schnell der Schrecken genommen, alle anderen fahren ja auch links, man folge daher einfach dem Vordermann. Die obligaten Kreisverkehre (Roundabouts) lassen auch Kreuzungen stressfrei passieren. Etwas ernster zu nehmen sind die engen Straßen. Ein ungeübter Linksfahrer neigt dazu, zu sehr in der Mitte zu fahren – da sind dann die rechten Außenspiegel gefährdet, vor allem, wenn einer der hektischen Lieferwagen entgegenkommen. Viele von ihnen weisen geflickte Spiegel auf, die beweisen, dass sie manchmal rücksichtslos durch brettern. Tipp: Wenn einer entgegenkommt, einfach weit links die Geschwindigkeit reduzieren. Auf null, wenn’s der Verkehr zulässt. Dann geben sie plötzlich auch Acht, denn wenn sie den Spiegel eines stehenden Fahrzeugs abfahren würden, wäre die Schuldfrage geklärt. Aber es kommen auf den „Narrow Roads“ wenige Lieferwagen und Lkw entgegen, diese wollen ja schnell von A nach B. Wir Reisemobilisten hingegen möchten ja gerne die schönen Strecken abfahren und dies ohne Hektik. Schließlich ist der Weg das Ziel. Ein Tag an dem 300 Kilometer gefahren sind bedeutet, dass der Fahrer acht bis zehn Stunden hinterm Steuer saß. So ist das in Irland.

Oft wird auch ja angehalten und besichtigt. Irland strotzt nur so vor alten Gemäuern. Nach dem dritten „ruinierten“ Castle lässt man jedoch auch gerne eines mal unbesichtigt stehen. Sie gleichen sich doch meist sehr. Irland hatte im Mittelalter mehr als 200 Könige und viele von ihnen bauten eben ihre kleine Burg. Nach deren Verarmung verfielen die meisten oder wurden geschleift.

Die Irische Südküste ist nicht so populär wie die Westküste. Völlig zu Unrecht, wie der Reisende feststellen wird. Womos finden noch erstaunlich viele Übernachtungsplätze. Direkt an der spektakulär schönen Küste, auf Picknickplätzen entlang den Routen oder sogar mitten im Ort. Kinsale, nahe der großen Hafenstadt Cork, lässt Mobile zwischen 18.00 Uhr abends und 10.30 morgens sogar kostenlos stehen. Es sind nur einige Schritte bis in das malerische, quirlige Städtchen. Kinsale gilt als das kulinarische Zentrum Irlands. Eine Einkehr wird empfohlen. Zum Frühstück genießt man den Blick auf hunderte Segelboote.

Das Schild „No Overnight Parking“ wird einem dennoch öfter begegnen. Diese Einschränkung gilt jedoch weniger für Wohnmobile, wie man hört, sondern vielmehr für andere reisende Spezies, die nicht so gerne gesehen werden: Tinker (fahrende Kesselflicker) und Touristen mit Wohnanhängern, die dann oft einige Tage stehenbleiben. Als Wohnmobilist wird man selten von den wahrhaft sanftmütigen Iren behelligt werden.

Ein „Forgotten Part of Ireland” ist die Halbinsel Beara. Wer sie erkundet, hat sie fast für sich alleine. Es werden niedliche Ortschaften passiert. In Allihies bietet ein Bauer eine Wiese an einem Traumstrand. 12 Euro will er für die Nacht, ein funktionierender Wasserhahn steckt im Boden, Strom sucht man vergeblich. Eine nahe öffentliche Toilette bietet sich für die Entleerung an. Ab dem Nachmittag sollte dieser Platz für die Übernachtung genutzt werden, denn die wunderschöne Nordseite der Halbinsel muss mit Umsicht durchfahren werden. Die Straße ist sehr eng, Ü-Plätze finden sich nicht. Hier sei erwähnt, dass sich Mobile über 3,5 Tonnen manchmal im engen Irland etwas schwertun und selbst geübte Fahrer heftig gefordert sind.

Es folgt der berühmte Ring of Kerry. Hier boomt und brummt es. Die Busfahrer haben sich darauf geeinigt, die etwa 170 Kilometer lange Panorama-Route im Uhrzeigersinn zu befahren. So begegnen sie sich nicht. Dem Reisemobilisten ist dies ebenfalls zu raten, dann ansonsten begegnen ihm sämtliche Busse. Killarney, die größere Stadt am Anfang und Ende der Runde, lebt fast nur vom Tourismus. Wer sich‘s geben will suche sich mühsam einen Parkplatz, einen Bummel wert ist Killarney allemal.

Regentage bieten sich an, weiter nach Norden zu fahren. Wer’s gemütlicher will, nimmt die küstennahen Sträßchen und die Fähre über den Mouth of the Shannon, die zwischen Talbert und Killimer pendelt. Oft hüpfen Delphine parallel zum Schiff. Sie fühlen sich in der Bucht recht wohl. Oder man wählt die schnelle Route über Limerick. Die recht große, aber wenig sehenswerte Stadt wird elegant umfahren.

An der Westküste beeindrucken die Cliffs of Moher. Sie ragen mehr als 200 Meter steil aus dem Meer. Der Riesenparkplatz davor beweist, dass es sich hier um einen Touristenmagneten handelt. Das nahe Dorf Doolin ist noch ein Geheimtipp. Ein sympathischer Campingplatz liegt mittendrin. In den Pubs wird jeden Abend traditionelle Musik geboten. Die Gasträume bersten zwar schier vor Menschen, aber es wird ein unvergesslicher Abend werden. Von Doolin aus können Bootsausflüge auf die Aran-Inseln gebucht werden. Vom Boot aus betrachtet, sind die Cliffs noch spektakulärer. Seefest sollte man allerdings sein oder prophylaktisch eine Tablette gegen Seekrankheit einwerfen. Es geht manchmal recht turbulent zu.

The Burren fügt sich nördlich an, eine Region phantastischer Gesteinsformationen. Traumhaft führt die Küstenstraße hindurch bis Ballyvaughan. Danach geht es weiter durch den Nationalpark über das unwirtliche, aber beeindruckende Kalksteinplateau in Richtung Südosten. Ein lohnendes Ziel liegt auf dem Rückweg, vor Limerick, direkt an der Autobahn. Das Bunratty-Castle steht vollständig restauriert da. Abends bietet es Rittermahle, deren Besuch unvergesslich sein wird. Was hier mehr als das durchschnittliche Mahl reizt, ist die Musik, die dargeboten wird. Ein gemischter Chor bringt, von Harfe und Geige begleitet, alte traditionelle keltische Weisen dar. Taschentuch nicht vergessen! Dem Castle schließt sich ein besuchenswertes Folk-Museum an. Ein ganzes Irisches Dörfchen mit Lädchen und Pubs wurde aufgebaut, umrahmt von Bauernhäusern, Handwerkerkaten, herrschaftlichen Villen und einer gotischen Kirche. Viele der Gebäude standen ursprünglich woanders und wurden Stein für Stein wieder aufgebaut. Der Eintritt ist allerdings, wie überall in Irland, recht hoch. Aktuell 15 Euro p. P. ohne Rittermahl. Dieses kostet 35 €. Wein und Met inklusive. Auf dem Parkplatz wird die Übernachtung gestattet. Ist nach dem Rittermahl auch gut so!

Rock of Cashel ist fast Pflicht bei einer Irlandtour. Die verfallene Burg der Könige von Munster thront majestätisch über der Ebene von Tipparary. Von hier ist es nicht mehr weit in die Wicklow-Mountains. Das Gebirge südlich von Dublin erinnert an die Schottischen Highlands. Die alte Klosteranlage Glendalough ist eines der angesagten Attraktionen. Vom 6. bis ins 16. Jahrhundert lebten dort 5000 Mönche. Das idyllisch gelegene Dorf Avoca bietet bei der Kirche einen Parkplatz, der sich wunderbar als ruhiger Übernachtungsplatz eignet.

Irland bleibt zu wünschen, dass die Touristenströme nicht abreißen. Es ist eines der Haupteinnahmen des Landes. Und in kaum einem Land sind wir Deutschen mehr willkommen. Einhunderttausendmal!

-Thomas Deuschle

Kommentare