Eine Wohnmobilreise durch das winterliche Lappland - Teil 4 des Wintermärchens

geschrieben am 20.07.2017, von Dethleffs Dethleffs Destinationen Entdecken

Der Fotograf Dirk Heckmann berichtet über seine Abenteuer-Tour durch die Winterlandschaft Nordeuropas. Lesen Sie den letzten Teil seiner spannenden Reise und genießen Sie atemberaubende Aufnahmen

Ich habe die Nacht auf einem Parkplatz kurz vor der norwegisch-finnischen Grenze bei Kilpisjärvi auf einer Höhe von etwas über 500 m bei unter -20°C verbracht. Ich wurde mit einem fast 9-stündigen Himmelsfeuerwerk (Aurora borealis) belohnt. Jetzt bricht der Morgen an und ich habe den Frontrollladen hochgefahren, denn ich habe Glück und das Wetter ist so schön geblieben und belohnt mich mit einer farbenprächtigen Morgendämmerungsphase. Beim Raushalten des großen Zehs aus der Seitentür spüre ich auch, dass die Temperatur immer noch „recht frisch“ ist. Also gut eingepackt geht es nach draußen für ein paar Fotos.

Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn die Sonne hinter dem Horizont erscheint und man spürt, wie einem die Sonnenstrahlen anfangen zu wärmen.

Im warmen Globetrotter gab es dann erst einmal einen Kaffee und ein Rührei. Zurück in Kilpisjärvi war erst einmal eine neue Gasflasche fällig. Die finnischen Flaschen haben den gleichen Anschluss wie unsere Flaschen, ein Adapter ist nicht nötig. Für die norwegischen Gasflaschen ist allerdings ein Adapter notwendig.

Bei dem Dauerbetrieb der Kameras letzte Nacht in der Kälte habe ich fünf Akkus verbraucht. D.h. ich könnte mal Strom gebrauchen. In einem Café/Restaurant mit wundervollen Blick auf den See Kilpisjärvi darf ich die Akkus und auch das Notebook aufladen. Da das dauerte, habe ich im Kilpisjärven Retkeilykeskus das Mittagsbuffet genutzt, um mich an einheimischen Gerichten zu laben. Und für gerade einmal 14,90 € war die Auswahl prima, selbst eine Salattheke stand zur Auswahl. Saft und Nachtisch waren auch noch im Preis inbegriffen. Ein Campingplatz gehört auch zum Restaurant, doch leider nicht im Winter geöffnet.

Die Wettervorhersage für die kommende Nacht war ebenfalls wieder gut und die Wahrscheinlichkeit das Polarlicht noch einmal zu sehen, waren gut. Jetzt war die Überlegung hier in dem wunderschön gelegenen Kilpisjärvi zu bleiben oder doch weiterzufahren. Im Ort gibt es die Unterkunft Tundrea, zu der auch ein ganzjährig geöffneter Campingplatz gehört.

Da das Laden der Akkus sich doch etwas hinzog, hatte ich es nicht mehr geschafft, eine Scootertour zum Dreiländereck Finnland/Schweden/Norwegen zu unternehmen. So bin ich etwas im Ort umhergefahren und habe nach einem anderen Parkplatz Ausschau gehalten. Da ich nichts Passendes gefunden haben, bin ich dann doch weiter Richtung Karesuando gefahren. Etwa 15 km östlich von Kilpisjärvi passiert man mit 565 m ü.N.N. (Muotkatakka) die höchste Straße Finnlands. Danach führt sie immer in der Nähe des Grenzflusses zu Schweden entlang durch einen schier endlosen Wald. Die Fahrt ging wieder in die Abenddämmerung hinein und die Tag-Nacht-Grenze zeigte sich sehr farbenprächtig am Himmel.

Es war nicht so einfach einen guten Stellplatz zu finden, da Telegrafenleitungen nahe der Straße verliefen. In Karesuando bin ich kurz einmal nach Schweden rübergefahren, doch da ich die Gegend von meiner Recherchereise für einen Schweden-Reiseführer kannte, wusste ich, dass es hier keine gute Möglichkeit für die Polarlicht-Fotografie gibt. Also bin ich weiter zurück nach Finnland und bis kurz vor Enontekiö gefahren. Es war schon längst dunkel und das Polarlicht zeigte sich wieder. Auf dem Parkplatz Vähälahti direkt an einem See stoppte ich und postierte meine Kameras. Es war wieder sehr intensiv und spektakulär, ging aber diesmal „nur“ etwa 2 ½ Stunden.

Der Parkplatz eignete sich nicht so gut zum Nächtigen, so bin ich bis nach Enontekiö gefahren. Am Hotel Jussan Tupa sah ich zwei Wohnmobile stehen, die an Strom angeschlossen waren. Also ab zur Hotelrezeption und gefragt, ob ich mich dazustellen kann - ging klar. Die Temperaturen sanken auch wieder unter -20°C.

Den nächsten Morgen bin ich recht früh aufgestanden, um mir einen schönen Parkplatz für das Frühstück zu suchen. Gleich hinter der Ortschaft Richtung Norwegen kam so einer mit einer prima Aussicht über die Weite dieser verschneiten Landschaft. Die Sonne schien wunderbar durch die große Frontscheibe in den Dethleffs und ich habe ein prima Frühstück genossen.

Gestern Abend hatte ich kurz vor Enontekiö im Dunkeln ein Schild gesehen „Huskies, Café Lapland“. Dort wollte ich hin um mir das einmal anzugucken. Auf dem Parkplatz angekommen, es war noch nichts los am Morgen, bin ich ins Gebäude rein und habe mir bei einer Mitarbeiterin einen Kaffee bestellen wollen. Sie guckte mich nur komisch an und meinte, dass es hier keinen Kaffee gibt. Ich meinte, dass es doch auf dem Schild an der Straße steht. Da musste sie mich korrigieren, dort steht „Huskies Cape Lapland“. Oh, peinlich! Aber da Sie gerade Wasser gekocht hatte, gab es einen Kaffee für mich. Immerhin gab es zumindest die Huskies. Wir saßen gemeinsam in der Krankenstation, wo einige Hunde lagen und sich erholten. Sie hatte mir angeboten, mir die Farm zu zeigen und eine Huskytour auf dem Scooter zu begleiten. Als Gegenleistung hätte Sie gerne ein paar Fotos. Da war ich natürlich sofort mit dabei. Also schnell in den Globetrotter und die Fotoausrüstung in den Rucksack gepackt und mich warm eingepackt. Da ich mich auf der Huskyfarm frei bewegen durfte, viele Hunde nicht ein einem Käfig waren, sondern nur angeleint auf dem Gelände umherliefen, konnte ich schöne Fotografien von den Tieren machen. Und natürlich war auch genügend Zeit für Kuscheleinheiten mit ihnen. Die Schlittentour führt hier oben, 300 km nördlich des Polarkreises, durch wundervoll verschneite arktische Weiten. Ich saß bei Charlotte hinten auf dem Scooter, ab und an auch rücklinks, um besser fotografieren zu können, was gar nicht so einfach war, da es schon recht hoppelig war. Aber ein tolles Erlebnis. Als ein paar Rentiere auftauchten und die Hunde sie witterten, wurden sie etwas nervös und wären den Rentieren gerne hinterhergejagt. Es war traumhaft, den Hunden bei für Sie perfekten Bedingungen beim Laufen zuzuschauen. Die hatten solch einen Spaß!

Da ich mich doch recht lange auf der Huskyfarm aufgehalten hatte, bin ich erst einmal nach Enontekiö reingefahren, auf der Suche nach Frischwasser. Doch bei den beiden Tankstellen hatte ich kein Glück. Bei der einen meinte die freundliche Mitarbeiterin, ich solle doch zur Feuerwehrstation gehen. Wenn nicht die, wer dann hätte Wasser für mich. Gemacht getan. Nach etwas suchen, hatte ich auch einen Feuerwehrmann dort gefunden. Der holte das C-Rohr raus und feuerte das Wasser in den Einfüllstutzen, dass ich Angst hatte, es würde auf der anderen Seite wieder herauskommen. Aber alles ging gut, ist halt ein Dethleffs! Danach bin ich weiter Richtung norwegische Grenze gefahren, um einen schönen Stellplatz für die hoffentlich nächtliche Lichtershow zu suchen. Ich hatte noch einen Rastplatz kurz hinter der finnisch-norwegischen Grenze von einer anderen Reise in die Region im Sommer in Erinnerung. Kurz vor der Grenze kommt in dem Ort Palojärvi noch ein Campingplatz Galdotieva an der Tankstelle mit Restaurant und Minimarkt, der ganzjährig geöffnet hat.

Als ich die Grenze passieren wollte, haben mich die Zöllner rausgewinkt und den Dethleffs von oben bis unten durchsucht. Norwegen ist halt nicht wie Finnland in der EU! Der Parkplatz, den ich in Erinnerung hatte war für das Polarlicht nicht geeignet, da ein paar Häuser in der Nähe waren. Also bin ich zurück zu dem Parkplatz gefahren, auf dem ich am Morgen gefrühstückt hatte. Auf dem Weg dorthin konnte ich noch einige Rentiere fotografieren und auch die Tag-Nacht-Grenze zeigte sich wieder sehr farbenfroh.

Nachdem ich mir etwas gekocht hatte dauerte es nicht lange und das Polarlicht zeigte sich wieder. Der Mond zeigte sich auch kurz nach dem Sonnenuntergang, er war etwas mehr als Halbrund, was bedeutete, dass es recht hell war, da der Schnee das Mondlicht reflektierte. Und ich musste darauf achten, dass ich die Kameraeinstellungen etwas veränderte. Das Polarlicht war erst am Horizont zu sehen, wurde intensiver und bewegte sich mehr und mehr in meine Richtung, bis es direkt über dem Parkplatz leuchtete. Ab und an, für kurze Zeit, flackerte es ganz hell auf, bewegte sich schnell und zeigte neben den Grüntönen auch lila Streifen und war fast über den ganzen Himmel verbreitet. Was ich wieder für ein Glück hatte! Ich hatte im Globetrotter die Musik recht laut aufgedreht (der Sound ist wirklich gut) und bin da draußen in der Kälte (-22°C) vor Begeisterung von einem zum anderen Stativ hin und her „getanzt“. Die Show war so etwa gegen Mitternacht zu Ende.

Am folgenden Morgen waren ein paar Wolken am Himmel, aber es waren sehr schöne Wolkenformationen.

Ich bin Richtung Süden bis Muonio gefahren. Hier gibt es einen ganzjährig geöffneten Campingplatz. Und da ich dringend die Akkus der Kameras und vom Notebook aufladen musste, kam mir der genau recht. Im Ort habe ich im Supermarkt meine Lebensmittelvorräte etwas aufgefüllt und getankt. Der Campingplatz (mit Hotel und Restaurant) liegt direkt am finnisch-schwedischen Grenzfluss Muonioälven. Und das tolle ist, zu der Unterkunft gehört auch eine Husky Farm. Mit knapp 500 Hunden soll es die Größte in Finnland sein. Und es werden auch Schneemobil-, Langlauf-, Schneeschuh- und Fatbike-Touren angeboten. Hier kann man es ein paar Tage aushalten.

Die Wetterlage änderte sich: es wurde etwas wärmer, nur noch einstellige Minusgrade und es bewölkte sich, gegen Nachmittag fing es an zu schneien. So hatte ich mal einen gemütlicheren Abend vor mir, an dem ich einige Fotos bearbeitete und auf meine Internetseite uploadete.

Auch der nächste Tag war bewölkt. Ich bin weiter Richtung Äkäslompolo gefahren, aber diesmal auf einer kleinen Landstraße, der 940.

Zufällig kam ich dort an der Äkäskero Husky Farm vorbei. Natürlich bin ich da jetzt nicht einfach vorbeigefahren. Die Farm hat mir sehr gut gefallen. Die Tiere leben in Gruppen von ca. 20 Tieren zusammen die zwischen Ihren Boxen einen gemeinsamen größeren Auslauf haben. Ich durfte hier ein wenig rumlaufen und fotografieren. Es waren gerade fast alle Hunde da, denn kurz vor meiner Ankunft waren die letzten Schlitten von einer einwöchigen Tour zurückgekommen.

In Äkäslompolo bin ich wieder auf den Campingplatz gefahren, um am Abend in die Sauna zu gehen. Am folgenden Morgen bin ich auf einen der sieben Fells, die sich um den Ort gruppieren, gewandert. Da in den letzten Tagen kein Neuschnee gefallen ist, brauchte ich die Schneeschuhe nicht anzuziehen, sondern kam auf dem festgetretenen Weg gut ohne zurecht. Ich war morgens auf den etwas über 445 m hohen Kuertunturi, quasi der Hausberg des Campingplatzes, hinaufgegangen, Die Bäume waren noch mit Raureif bedeckt und von oben auf der baumlosen Ebene bietet sich einem ein wirklich wundervoller Rundumblick über die schneebedeckte Landschaft.

Wieder im Ort war dort recht viel los. Nahe am See wurden Rentiere auf einer Wiese gebracht. Es waren Renn-Rentiere, die hier am Wochenende bei einem Rentierrennen auf dem See starten sollen. Die Strecke auf dem See (1.000 m) war bereits abgesteckt, eingezäunt und präpariert. Am Samstag, am ersten Tag des Rennwochenendes waren die Jockeys am Morgen dabei, ihre Skier zu präparieren. Schneemobile zogen sie ein Stück und dann schauten die Jockey bei der Gleitphase, welcher Langlaufski die besten Gleiteigenschaften hat. An einem Rennen nehmen immer fünf bis sechs Rentiere teil. Die Tiere werden in eine Startbox geführt. Nebendran stehen die Jockeys und bekommen zwei Leinen der Rentiere durch einen seitlichen Schlitz gereicht, mit denen sie gezogen wurden und sie die Tiere etwas steuern können. Es geht um die Zeit, die für die 1.000 m benötigt werden, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Die Jockeys werden von den Rentierbesitzern für die Rennen gebucht, selten haben die Rentierbesitzer eigene Jockeys. Bei den Rentieren verhält es sich nicht anders wie bei Rennpferden: nicht alle gehen freiwillig in die Startbox. Die Tiere erreichen während des Rennens Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Und da hinten hängt dann ein Mensch auf dünnen Langlaufskiern dran. Es ist manchmal schon recht eng auf der Piste, besonders wenn der Jockey direkt neben dem Konkurrenz-Rentier positioniert ist.

Es waren recht viele Besucher dort, was zeigt, dass diese Sportart nicht nur bei den Samen sehr beliebt ist.

Von Äkäslompolo bin ich weiter Richtung Süden bis zum Polarkreis gefahren. Dieses Mal bin ich aber auf der schwedischen Seite des Grenzflusses gefahren. Da hier wesentlich weniger Ortschaften kommen, kommt man auf der gut ausgebauten Straße prima voran.

Der Ort am Polarkreis in Schweden heißt Juoksengi. Hier steht ein Globus, um den acht Fahnenmasten drapiert sind. Im Polarsirkelhuset ist ein kleines Café untergebracht. Auf dem Parkplatz am Polarkreis habe ich die Nacht verbracht. Ich musste wieder unterhalb des Polarkreises fahren, da ich meinen Sohn in Luleå am Flughafen abholen wollte. Er begleitete mich die letzten zehn Tage auf meiner Reise durch das finnische Lappland.

Wir hatten uns nicht lange in Schweden aufgehalten, sondern sind gleich bis nach Rovaniemi gefahren. Dort hatten wir uns etwas intensiver den Weihnachtsmarkt angeschaut. Schön war das Snowman World Igloo Hotel mit Laplandia-Bar und Eisrutsche.

Wir sind noch weiter bis nach Levi gefahren und hatten dort eine Nachtwanderung den Skihang hinauf unternommen.

Das Wetter war durchwachsen: bewölkt und nur noch einstellige Minusgrade. Von Levi sind wir das kurze Stück nach Muonio zum Harriniva Campingplatz gefahren, um dort eine Schneemobil-Tour zu unternehmen. Auch hier ist man nach 500 m Fahrt sofort in der finnischen Einsamkeit. Über zugefrorene Seen und durch Waldgebiete könnte man hier stundenlang fahren, ohne auch nur anderen Menschen zu begegnen. Nach der Tour waren wir noch auf der Husky-Farm gewesen. Besonders beliebt waren die zwei Husky-Jungtiere. Während der Guide in deren Gehege stehend uns einiges über die Farm erzählte, waren die beiden Racker dabei, seine Hosenbeine und Schuhe zu malträtieren. Das war für seine Konzentration nicht gerade förderlich! Aber schnuffig war’s schon. Und in der Nacht hatten wir Glück mit dem Wetter: der Himmel klarte auf und das Polarlicht zeigte sich. Zwar nicht sehr lange aber immerhin. Mein Sohn hatte es noch nie gesehen und war doch sehr angetan.

Das Wetter war auch am nächsten Tag noch schön und so hatten wir beschlossen in den Pallas Nationalpark nach Pallastunturi zu fahren. Auf dem Weg dorthin passierten wir die Torasieppi Rentierfarm.

Das Wetter war zwar schön und die Temperaturen lagen nur knapp unter dem Gefrierpunkt, doch es ging ein sehr heftiger Wind. Wenn der Wind während der Fahrt auf die große Windschutzscheibe bläst, spürt man die Kälte auch im Wageninneren. Wenn man da kein recht hochkonzentriertes Frostschutzmittel in der Wischwasch-Anlage hat, gefriert einem kurz nach dem Sprühen das Wasser sofort auf der Scheibe ein.

In Pallastunturi hatten wir eine ganz tolle Schneeschuh-Wanderung auf den 705 m hohen Palkaskero unternommen (der Parkplatz liegt auf einer Höhe von 460 m). Jetzt konnte sich zeigen, wie gut unsere Winterkleidung war, ob sie auch den Wind gut abhalten kann. Durch den Chill-Faktor kamen einem die eigentlich angenehmen Temperaturen um einiges kälter vor. Knapp vier Stunden sind wir mit den Schneeschuhen unterwegs gewesen. Die Aussicht von dem „Gipfel“ über die Landschaft ringsherum war überwältigend. Da die Wettervorhersage für die kommende Nacht nicht so schlecht war, hatten wir beschlossen, hier oben in Pallastunturi am Lapland Hotel Pallas einen Stellplatz auf den Campingplatz zu nehmen.

Ich hatte noch zwei Einweg-Grills dabei. Darauf haben wir in der Nacht Burgerfleisch gegrillt. Was ein Spaß: im tiefsten Winter in arktischer Region draußen Burger grillen. Und was soll ich sagen, in der Nacht gab es auch noch ein kleines, recht schwaches und kurzes Polarlicht zu sehen. Das war wieder so ein ganz besonderer Tag.

Das Wetter änderte sich: es wurde wärmer, die Temperaturen stiegen leicht über den Gefrierpunkt und es schneite auch immer mal wieder. Über Umwege sind wir zum Polarkreis nach Rovaniemi gefahren, um dort auf dem Parkplatz zu nächtigen. Am nächsten Tag habe ich meinem Sohn den wundervollen Zoo in Ranua gezeigt. Wir hatten auch Glück und konnten viele Tiere in den oftmals recht großen Außenanlagen sehen.

Nun begann der Teil mit der Mehrfahrerei, da wir mit der Finnlines-Fähre ab Helsinki zurück nach Deutschland fahren. Von Ranua aus sind wir auf der 78 Richtung Süden bis nach Paltamo gefahren. Hinter Pudasjärvi führt die Straße durch eine hügelige Landschaft bis auf 250 m hoch. Es schneite viel und es war recht anstrengend zu fahren. Hinter Kajaani sind wir auf der E6 nahe der finnisch-russischen Grenze durch Karelien gefahren. Von dem Abschnitt hatte ich mir etwas mehr erhofft, aber ich war auch von der faszinierenden arktischen Welt oberhalb des Polarkreises sehr verwöhnt. Die Straße führt viel durch forstwirtschaftlich genutzte Flächen. Und je weiter es nach Süden ging, desto weniger Schnee lag noch in der Landschaft. Die Bäume waren auch nicht mehr mit Schnee bedeckt. Übernachtet hatten wir in Vuokatti und Joensuu (Campingplatz). 130 km vor Helsinki hatten wir an der Küste in Kotka gecampt. Dadurch waren wir am nächsten Tag recht früh auf dem Campingplatz in Helsinki. Mit der U-Bahn sind wir ins Stadtzentrum gefahren, und haben uns diese schöne Stadt noch etwas angeschaut. Das Wetter spielte leider nicht so richtig mit, da es immer wieder anfing zu regnen. Die Temperaturen hier im Süden Finnlands waren klar im positiven Bereich und Schnee lag in Helsinki auch keiner mehr.

Am folgenden Tag ging es dann mit der Finnlines-Fähre von Helsinki ganz entspannt in knapp 29 Stunden zurück nach Travemünde. Die Fahrt war sehr angenehm, eine schöne Möglichkeit in relaxter Atmosphäre schon einmal die Reise ein wenig Revue passieren zu lassen.

Wieder einmal hat sich für mich gezeigt, dass das Reisen mit einem Wohnmobil die beste Möglichkeit ist, die Dinge zu machen, die ich auf Reisen bevorzuge: Wetterbedingt an bestimmten Orten zu bleiben, um auf das richtige Licht bzw. auf die nächtlichen Naturschauspiele für meine Fotografien zu warten. Und dass das auch in extremeren Wetterbedingungen wie dem arktischen Winter oberhalb des Polarkreises funktioniert, ist dem Einfallsreichtum der Menschen bei Dethleffs zu verdanken, die Fahrzeuge entwickeln, die auch bei Temperaturen von unter -20°C über Wochen verkraften, voll funktionstüchtig sind und die Insassen komfortabel und sicher fühlen lassen.

Sie fragen sich vielleicht, ob es auch Probleme während der Fahrt mit dem Fahrzeug gab. Ja, die gab es auch. Ab und an hat die Heizung nicht richtig funktioniert. Das war 2 - 3 Mal nachts passiert, als ich auf Campingplätzen stand und am Strom steckte. Da ist die Sicherung der Heizung in der Nacht rausgesprungen. Ich wurde wach, weil es so kalt im Fahrzeug war und ich gehört hatte, wie das Wasser aus dem Sicherheitsventil austrat. Die Sicherung an der Stromsäule und im Auto wieder klargemacht und es funktionierte wieder. Auch hatte ich einmal Wasser in der Garage. In der Garage des Globetrotter Xli gibt es einen Wasseranschluss für eine Dusche. Auch die Garage ist in dem Globetrotter beheizt, doch die Wärme reichte nicht aus, um das Einfrieren der Leitung zu verhindern, die in der äußersten Ecke des Fahrzeugs liegt. Eine Dichtung wurde undicht und das Wasser trat dort aus. Jetzt wird im Innenraum unter dem Bett ein Sperrventil angebracht, das man öffnen muss, wenn man die „Außendusche“ benutzen möchte. So kann dieses Problem nicht mehr auftreten.

Und es gab ein Problem mit der Satellitenschüssel: Sie ließ sich nicht mehr ausfahren, da sie eingefroren war und sich zu viel Eis auf ihr befand. Das schaffte der Motor nicht und die Sicherung sprang raus. Da ich eh abends keine Zeit hatte, Fernsehen zu gucken, da ich lieber nach dem Polarlicht Ausschau gehalten haben oder Bilder bearbeitete, hatte ich mich nicht an die Problemlösung gemacht. Ich hatte nur gesehen, dass sich auf dem Dach des Globetrotters ab und an eine bis zu 5 cm dicke Eisschicht bildete.

Ansonsten ist der Fahrzeugmotor mit dem speziellen Dieselkraftstoff für niedrige Temperaturen, den es in Skandinavien gibt, immer ohne Probleme angesprungen. Und die Alde-Heizung ist für diese Temperaturen und auch für die Fahrzeuggröße absolut geeignet. Die Isolierung der Leitungen im doppelt isolierten Unterboden ist wirklich perfekt. Das Fahrzeug war für diese extremen Temperaturen und diesen langen Zeitraum mit seinem Winterpacket absolut gerüstet. Man muss einfach einmal sehen: das Fahrzeug ist sechs Wochen lang quasi im Dauerfrost herumgefahren. Neben den heftigen Minusgraden darf man auch den Windfaktor (Chill-Faktor) plus den Fahrtwind nicht vergessen. Dadurch war es noch einmal um einige Grade kälter.

Sie können sich vorstellen, dass ich mir vor der Reise natürlich darüber einige Gedanken gemacht habe. Ich habe im Internet recherchiert und geschaut, wer war denn mit einem Wohnmobil zu dieser Jahreszeit und auch so lange schon einmal in den arktischen Regionen Skandinaviens unterwegs. Aber es gab nur ganz wenige Erfahrungsberichte, so dass ich einfach dem Fahrzeug vertrauen und auf meine Erfahrungen von der letzten Winterreise (2015) zurückgreifen musste.

Und ich hatte etwas über den Begriff „winterfest“ gefunden: Nach der Norm EN 1646-1 wird ein Fahrzeug zehn Stunden auf -15°C bei offenen Fenstern und Türen komplett ausgekühlt. Danach muss es innerhalb von vier Stunden auf eine Temperatur von +20°C aufgeheizt werden können. Wenn das erreicht ist und diese Temperatur eine Stunde lang stabil gehalten werden kann, wird Wasser in die Tanks gefüllt. Danach wird nach einer weiteren Stunde getestet, ob alle Leitungen und Wasserhähne funktionieren. Wenn dem so ist, erhält das Fahrzeug das Prädikat „winterfest“. Der Globetrotter Xli hat bei Außentemperaturen auf meiner Reise von bis zu -28°C plus Windfaktor und Fahrtwind das alles exzellent gemeistert und mich sehr gut gewärmt.

Ich erhalte auf meine Reise durch das winterliche Lappland ein recht großes Feedback, was mich sehr freut. Menschen fragen mich nach weiteren Informationen, was man so alles beachten muss, was man unbedingt mitnehmen sollte und viele Fragen drehen sich um das Fahren auf den vereisten Straßen.

Und das ist für viele wohl auch der Grund, dass sie sich solch eine Reise nicht zutrauen. Ich besitze (leider) kein eigenes Wohnmobil, muss mich also bei jeder Reise auf ein neues Fahrzeug einstellen. Vom 6-Meter-Fahrzeug bis jetzt zum 8,70 m langen Dreiachser durfte ich einige Wohnmobilmodelle fahren. Auf dieser Wohnmobiltour durch das winterliche Lappland bin ich über 6.000 km auf den verschneiten/vereisten Straßen oberhalb des Polarkreises gefahren. Und ich bin nur ein einziges Mal stecken geblieben. Und das auch nur, weil mich der Winterdienst auf einem Parkplatz am Morgen mit Schnee zugeschüttet hat.

Sie, die sie ein Fahrzeug ihr eigen nennen können, sind doch mit Ihrem Womo vertraut. Und wenn ich das Unfallfrei hinbekomme, dann schaffen das andere auch. Ich habe auch während meiner Reise nirgends ein Fahrzeug im Schnee stecken bzw. einen Unfall gesehen. Die Straßen sind für die winterlichen Verhältnisse sehr gut präpariert. Es leben schließlich Menschen hier oben und für die wird alles getan, damit sie sich sicher fortbewegen können.

Wenn Sie auch eine Tour ins winterliche Skandinavien planen und Fragen haben, können Sie mich sehr gerne kontaktieren. Meine Kontaktdaten finden Sie unter www.heckmann.photos sowie auch weitere Fotografien dieser Reise.

Gerne können Sie auch zum Stand von Dethleffs auf dem Caravansalon in Düsseldorf kommen. Am ersten Wochenende (26. + 27.8.) bin ich dort auf der Bühne und erzähle ein wenig von dieser wundervollen Reise. Und natürlich bekommen Sie auch Fotografien zu sehen. Ich würde mich freuen, Sie dort zu treffen.

Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3 des Wintermärchens.

Besuchte, ganzjährig geöffnete Campingplätze/Stellplätze:

Husky-Farm:

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