Eine Wohnmobilreise durch das winterliche Lappland - Teil 3 des Wintermärchens

geschrieben am 19.06.2017, von Dethleffs Dethleffs Caravan & Reisemobil Destinationen

Der Fotograf Dirk Heckmann war 6 Wochen mit dem Reisemobil im hohen Norden. Hier kommt der dritte Teil seines Abenteuerurlaubs auf Rädern.

Am Morgen wurden wir auf dem Parkplatz am Honningsvågtunnel von den Räumfahrzeugen geweckt. In der Nacht sind knapp 10 cm Neuschnee gefallen, und der musste weggeräumt werden. Das Wetter war bewölkt und wieder nur knapp unter Null Grad Celsius. Aber es ging ein ordentlicher Wind, wodurch sich die Temperatur sehr kalt anfühlte. Ich bin durch den Honningsvågtunnel auf die Südseite gefahren um auf dem dortigen Parkplatz zu frühstücken.

Die Aussicht ist dort schöner und der Platz ist windgeschützter. Danach bin ich nach Honningsvåg zurückgefahren, da ich eine neue Gasflasche benötigte. Weiter ging es Richtung Nordkap. Es fing wieder an zu schneien und der Wind peitschte den Schnee kräftig gegen die Scheiben des Womos, was nicht gerade eine gute Sicht ermöglichte. Die erste Steigung mit 9% und der 180° Kurve hatte ich mit dem Womo noch gerade so meistern können. An der folgenden Schranke wartete ein Räumfahrzeug. Da der nächste Abschnitt mit seinen Serpentinen noch etwas steiler wurde und die Sicht nicht besonders war, bin ich wieder zurückgefahren. Das hatte so keinen Sinn gemacht. An der Touristeninformation in Honningsvåg erkundigte ich mich, wann die Kolonnenfahrten zum Nordkap stattfinden. Auf dem großen Parkplatz vor der Touristeninfo kamen zu der Zeit auch sechs Busse an. Sie warteten auf die Hurtigruten-Fähre, um die Passagiere zum Nordkap hochzufahren. Es gibt auch einen Linienbus, der mit den Hurtigruten-Bussen zusammen um 11:30 Uhr zum Nordkap fährt. Da das Wetter nun absolut nicht dazu einlud, das Nordkap zu besuchen, hoffte ich auf den morgigen Tag. Die Wetterregel, dass ein Sonnen-Halo eine Wetteränderung mit sich bringt, stimmte leider!

Also ab in den Globetrotter und einfach mal die knapp 20 Kilometer bis zum Nordkaptunnel in aller Ruhe abgefahren. Der Wind fegte den frischen Schnee über die Landschaft und an den Berggipfeln wurde er wie über eine Sprungschanze in die Luft gewirbelt. Es war so gut wie kein Verkehr auf der Straße, sodass ich auch mal auf der Straße für ein paar Fotos stehen bleiben konnte. Eine himmlische Ruhe so weit weg von allem. Es waren keine Zivilisationsgeräusche zu hören und auch keine Menschenseele zu sehen. Der frische Schnee wirkte besonders weiß, die Luft so wunderbar sauber. Dieses Gefühl von absolut sauberer Luft hatte ich auch schon in Finnland so genossen. Am Nachmittag hörte der Schneefall auf und in einer wunderbaren Lichtstimmung konnte ich diese einzigartige Landschaft genießen.

Nachdem ich in Honningsvåg noch etwas eingekauft hatte, habe ich mich wieder auf den Parkplatz am Tunnel gestellt und etwas gekocht. Die Wolken hingen stellenweise recht tief, aber der Wind riss auch immer wieder mal die Wolkendecke auf und tatsächlich war für einen kurzen Augenblick das grüne Polarlicht zu sehen.

Ich bin schnell die Straße Richtung Nordkap gefahren, in der Hoffnung, es dort vielleicht besser zu sehen. Doch der Himmel zeigte mir nur seine wolkige Seite. Es fing in der Nacht auch wieder an zu schneien.

Als ich am Morgen aufwachte, war der Winterdienst bereits durch, doch diesmal hatte er mich mit dem vielen Neuschnee zugeschaufelt. Da hatte ich dann nach dem Frühstück gleich was zu tun. Nach knapp einer Stunde war ich frei und konnte endlich losfahren. Ich hatte noch versucht, die Schneeketten anzulegen, da ich mit diesen zum Nordkap fahren wollte. Doch ich bin kläglich gescheitert. An der Touristeninformation, die Busse für die Hurtigruten-Fähre waren gerade angekommen, habe ich mir ein Ticket für den Bus besorgt. Mit dem Frontantrieb des Globetrotters und den „normalen“ Winterreifen hätte man mich an der zweiten Schranke auf dem Weg zum Nordkap nicht durchgewinkt. Die Busse fahren alle mit Spikes.

Ich war ja immer schon begeistern von der Landschaft auf der Insel Magerøya bis zum Nordkap. Doch diese Strecke im Winter zu fahren war noch einmal etwas absolut Einmaliges.

Die Landschaft in Weiß ist einfach ein Traum! Das Wetter spielte auch mit: es schneite nicht mehr, der Wind hatte nachgelassen und ab und an zeigte sich sogar der blaue Himmel. Die Temperaturen lagen wieder im einstelligen Bereich unter dem Gefrierpunkt. Am Anfang war das Gedränge am Nordkapglobus groß, doch die Hurtigruten-Passagiere zog es recht bald in die Souvenirabteilung der Nordkaphallen, so dass ein paar schöne Fotos mit dem Globus möglich waren. Im Winter am nördlichsten Punkt Europas – wow! Darauf habe ich mir einen Cappuccino in der Nordkaphalle gegönnt (leider nicht im Womo).

Seit kurzem wird auch eine nächtliche Kolonnenfahrt zum Nordkap angeboten. Hierzu muss man sich vorher per Mail anmelden und dann um 18:30 Uhr an der zweiten Schranke (Abzweig nach Skarsvåg, 13 km vor dem Nordkap) einfinden. Das ist natürlich auch etwas absolut Einmaliges, wenn man das Glück hat, das Polarlicht am Nordkap-Globus zu sehen.

Nachdem wir um 14:30 Uhr wieder in Honningsvåg waren, habe ich mich mit dem Dethleffs wieder auf den Rückweg gemacht. Bis Olderfjord fuhr ich wieder in eine wunderbare Abendstimmung hinein. Es war sogar ein prima Sonnenuntergang zu sehen. Die Hoffnung auf ein Polarlicht waren berechtigt zumal auch die Temperaturen wieder in den Keller gingen: es waren wieder zweistellige Minusgrade. In diese Richtung gab es keine Kolonnenfahrt durch den Skarvbergtunnel.

Von Olderfjord bin ich auf die E6 über eine „Hochebene“ mit wunderbaren Aussichten und einigen Parkplätzen bis nach Skaidi gefahren. An der dortigen Tankstelle (mit Unterkunft und Restaurant) etwas getankt und alles für die nächtliche Nordlicht-Fotografie vorbereitet. Gegen 19:30Uhr setzte die nächtliche Lichtershow ein. Ich bin die knapp 10 km auf die Hochebene zurückgefahren. Das Polarlicht war extrem intensiv und bewegte sich direkt über mir. Und es war sagenhaft intensiv und schimmerte in den unterschiedlichsten Farben, nicht nur im klassischen Grün. Dieses Mal konnte ich mit dem Fisheye-Objektiv auch einige sehr schöne Fotografien anfertigen.

Wow, was für ein Tag! Erst durch eine großartige Landschaft zum winterlichen Nordkap gefahren, dann die traumhafte Straße am Porsangerfjord in der Abenddämmerung genossen und jetzt noch ein unglaubliches Polarlicht auf der Hochebene - Besser geht’s nicht! Gegen 22:30 Uhr war das Lichterfeuerwerk leider schon zu Ende. Ob es noch einmal wiedergekommen ist, weiß ich nicht, da ich nicht auf der Hochebene genächtigt habe, sondern mich auf den Parkplatz an der Tanke in Skaidi gestellt habe. Oben auf der Hochebene so frei zu stehen braucht bei diesen ordentlichen Minustemperaturen doch sehr viel Gas, um den Wagen innen warm zu halten.

Der Morgen begann mit Sonnenschein. Ich hatte den Globetrotter in der Nacht so hingestellt, dass mich die Sonne gleich nach ihrem Aufgang wärmen konnte. Ich bin ja sehr begeistert von dem elektrischen Front-Rollladen: Er hat die Kälte exzellent draußen gehalten und die innere Wärme nicht bis zur Frontscheibe durchgelassen. Ich musste nicht ein einziges Mal die Frontscheibe vom Eis freikratzen, da sich dort einfach keines gebildet hatte! Und die Frontscheibe ist wirklich riesig. So hatte ich jetzt am Morgen den Rollladen hochgefahren und die Sonne schien direkt ins Womo. Und jetzt, es war der 1.3., hat die Sonne auch soweit nördlich schon eine ordentliche Strahlkraft, auch wenn es draußen noch satte -18°C waren. Von Skaidi wollte ich heute die 60 km zur nördlichsten Stadt der Welt, nach Hammerfest an die Küste auf der Insel Kvaløy fahren. Die Straße führt fast nur am Wasser entlang. Über dem Wasser hatte sich Nebel gebildet, der jetzt, je höher die Sonne im Tagesverlauf stieg, langsam verschwand. Der Blick hinüber zu den schneebedeckten Bergen mit den verstreuten Häusern am Ufer und dem darüber thronenden blauen Himmel wirkte schon fast kitschig. Über die fast 750 m lange Kvalsundbrücke hinter dem Ort Kvalsund geht es über den Kvalsundet auf die Insel Kvaløy und die restlichen 30 km am Wasser entlang nach Hammerfest.

Hammerfest ist Heimat des Eisbärenklubs (Isbjørnclubben). Wer hier Mitglied werden möchte, muss persönlich vor Ort sein und erhält für den einmaligen Mitgliedsbeitrag von 200,00 NOK ein Diplom, eine Eisbärenanstecknadel aus Silber und Emaille, einen Mitglieds-Aufkleber und -Karte. Mit dem Mitgliedsbeitrag wird das kleine Museum mitfinanziert. Jeden 3. Sonntag im Januar findet eine Mitgliederversammlung in der Polar Bear Society in Hammerfest statt. Ist doch immer wieder ein schöner Grund, im Winter nach Hammerfest zu kommen, um dann vielleicht mal die Meridiansäule zu besuchen. Sie gehört seit 2005 zum UNESCO Weltkulturerbe. Ansonsten ist noch die Kirche der Stadt oder der Aussichtspunkt Salen oberhalb der Stadt ein Besuch wert.

Auf dem Weg nach Hammerfest hatte ich keinen guten Platz zum Beobachten des Polarlichtes gefunden, so dass ich bei schönstem Wetter wieder zurück nach Skaidi gefahren bin.

An der Tankstelle war man so lieb und hat mir Strom fürs Womo angeboten. Leider zog gegen Abend Nebel auf. Dennoch bin ich gegen 20 Uhr wieder auf die Hochebene gefahren, in der Hoffnung, dass er weiter oben nicht existent ist. Die Vorhersage für das Erscheinen des Polarlichts in diesen Breitengraden waren für die Nacht positiv. Der Nebel war hier oben nicht ganz so dicht und so hatte ich Glück und das Polarlicht schimmerte immer wieder mal durch den Neben hindurch. Es war stellenweise sehr intensiv, doch der Neben schwächte es ziemlich ab. Es dauerte diesmal nicht sehr lange und so bin ich wieder zur Tanke zurückgefahren.

Der nächste Morgen brachte wieder blauen Himmel und ich habe mich auf dem Weg nach Alta gemacht. Die Fahrt durch das Breidal war spektakulär. Der Fluss Reppafjordelva verläuft um einiges unterhalb der Straße und die Berge ringsherum erreichten Höhen von 500 m.

Die Straße verlief stetig aufwärts und erreichte eine weitere, baumlose Hochebene (Höhe 400 m). Die Sicht war wundervoll: auf der einen Seite ging der Blick weit in die Ferne und auf der anderen Seite blickte man auf eine Bergkette mit weich geformten, bis zu 700 m hohen Gipfel. Einige Nebelschwaden umhüllten die Berge, so dass unterschiedliche Weiß-Hellgrau-Töne unter dem blauen Himmel in der Sonne leuchteten. Ein wirklich wunderschöner Abschnitt!

Zwischen der Hochebene und dem Altafjord, an dem die Stadt Alta langezogen liegt, geht es noch einige Male auf und ab. In der Stadt habe ich meine Gasflaschen an einer LPG-Station auffüllen lassen und Frischwasser nachgetankt. Das mit dem Frischwasser nachtanken ist im Winter gar nicht so einfach, denn die Wasserhähne, die ja immer außen an den Gebäuden angebracht sind, sind oft eingefroren. Auch die Entsorgungsstationen für Grauwasser werden nicht immer von Schnee und Eis befreit.

Die berühmten Felszeichnungen des Alta Museums kann man im Winter nicht besichtigen, da sie außen liegen und nicht vom Schnee befreit werden. Die Ausstellungen über das Polarlicht und die Geschichte der Region ist im Hause ganzjährig geöffnet. Auch die Campingplätze der Stadt sind ganzjährig offen.

In Alta hat man zwei Möglichkeiten, die Fahrt fortzusetzen: Entweder über Kautokeino durch das Landesinnere zurück nach Finnland oder auf der E6 Richtung Tromsø an der Küste entlangfahren. Natürlich habe ich wieder die norwegische Wetter-App (yr.no) zu Rate gezogen. Für Tromsø wurde für die nächsten Tage gutes Wetter vorhergesagt. Und da ich diese wunderschöne Stadt gerne einmal im Winter sehen wollte, war die Entscheidung schnell gefallen.

Es geht zuerst am Altafjord entlang bis die Straße in einem 90°-Knick in den schmalen, knapp 30 Kilometer langen Langfjord abbiegt. Dieser wird rechts und links von 1000 Meter hohen Bergen begrenzt. Eine wirklich traumhafte Kulisse so ganz in Weiß. Nur ein paar Gehöfte liegen an der Strecke bis zum Fjordende und die Straße ist exzellent ausgebaut.

Über eine kurze Landbrücke geht es zum nächsten Fjord, den Burfjord. Hinter dem kurzen Fjord geht es durch das Burfjordtal recht steil bis auf 270 m bergauf. Und es geht auf der anderen Seite spektakulär abwärts natürlich hinunter zum nächsten Fjord. In Sørstraumen geht es über eine Brücke, wodurch das Fjordumkurven prima abgekürzt wird. Und dann folgt in größeren Schwüngen eine ordentliche Steigung hoch nach Gildetun, einem Restaurant mit Unterkünften in exponierter Lage. Auf der eisigen Straße musste ich das Gaspedal schon behutsam bedienen, damit die Räder nicht durchdrehen und ich den Schwung verliere. Im Sommer habe ich hier oben gerne gesessen, ein Heißgetränk zu mir genommen und diese sensationelle Aussicht auf die Inseln und die Berge genossen. Im Winter hat das Restaurant leider geschlossen, so dass ich mich auf den Parkplatz unterhalb des Hauses gestellt habe und mir halt meinen Kaffee selber gekocht habe – Wohnmobil sei Dank! Das Wetter war spannend: es war windig und Wolken zogen über die über 1000 Meter hohen Berge hinweg und blauer Himmel war über dem Wasser zu sehen. Der Parkplatz liegt auch immerhin auf knapp 400 Metern. Bäume wachsen auf dieser Höhe nicht mehr.

Die Abfahrt ist langgezogen hinunter zum nächsten Fjord. Dieses Spiel wiederholt sich noch einige Male: erst geht es wunderschön an Fjorden mit toller Aussicht entlang, dann geht es über eine Passstraße hinüber zum nächsten Fjord. Am Lyngenfjord führt die Straße 130 km entlang, wobei der Blick gen Westen auf die mächtigen Lyngenalpen fällt. Die höchsten Gipfel ragen über 1.800 Meter aus dem Wasser.

Hinter der Ortschaft Oteren am Ende des Fjords geht es durch das Balsfjordeidet-Tal hinüber nach Nordkjosbotn am gleichnamigen Fjord. In der Ortschaft kann man rechts auf die E8 nach Tromsø abbiegen oder die E6 weiter Richtung Süden fahren. Ich bin die 70 km nach Tromsø gefahren, wo ich mich auf den Campingplatz gestellt habe, denn mit dem großen Womo in der Stadt herumfahren ist nicht so prickelnd. Das Wetter war in der Nacht nicht so, dass man das Polarlicht sehen konnte.

Der folgende Tag war wettertechnisch fantastisch: blauer Himmel und die Temperaturen nur im einstelligen Minusbereich. Vom Campingplatz bin ich zum Wahrzeichen Tromsøs gegangen, zur Eismeerkathedrale (Ishavskatedralen). Die ineinander verschachtelten weißen Dreiecke wirken wie Eisplatten. Das riesige Buntglasfenster mit dem Titel „Die Wiederkehr Jesu“ gehört mit seinen 140 m² zu den größten in Europa. Um ins Zentrum der Stadt zu gelangen, dass auf einer Insel liegt, geht es über eine recht steil ansteigende Brücke über den Tromsøsund.

Sehenswert sind das Polarmuseum, das Polaria, ein Erlebnismuseum, das sich mit den Polargebieten und der Polarforschung befasst. Auch optisch gibt es was her: es sieht aus wie fünf aneinander gelehnte Eisschollen. Quer durch die Stadt führt die Storgata, die in einigen Bereichen als Fußgängerzone eingerichtet wurde. Am Ende der Storgata liegt die Ølhallen (Bierhalle) der Mack-Brauerei. Es ist die älteste Kneipe der Stadt, die allerdings nur tagsüber geöffnet hat. Die Atmosphäre in der 1929 eröffneten Kneipe ist toll. An Kneipen mangelt es der Stadt nicht, sie soll die größte Kneipendichte pro Einwohner in Europa haben.

Nachdem ich wieder über die Brücke auf die andere Seite gegangen bin, war das Wetter immer noch so schön, so dass ich noch zur beliebtesten Sehenswürdigkeit Tromsøs gegangen bin, zur Seilbahn Fjellheisen. Sie fährt hoch auf 421 m ü. M. und von dort hat man einfach einen unglaublichen Panoramablick auf die Stadt, die Fjorde, das Meer und die Berge ringsherum. Von dort sieht man erst, wie schön diese Stadt mit ihren fast 75.000 Einwohnern liegt. Das Klima wird auch in Tromsø von Ausläufern des Golfstroms beeinflusst: Der Temperatur-Minusrekord liegt bei gerade einmal -18,4°C und das für einen Ort so weit oberhalb des Polarkreises. Da hatte ich es auf meiner Reise durch Finnland schon um einiges kälter. Durchschnittstemperaturen im Januar liegt bei -4,5°C.

Wieder am Dethleffs habe ich mir erst einmal etwas gekocht, um dann gestärkt etwas aus der Stadt heraus zu fahren, um nach einem schönen Platz für die Polarlichtbeobachtung zu schauen. Doch als ich nach dem Essen aus dem Fenster schaute (es dämmerte bereits), zog sich der Himmel etwas zu. Egal, ich wollte noch los, vielleicht klart es ja in Richtung Küste wieder auf. Von früheren Sommerreisen durch Norwegen hatte ich noch einen schönen Platz in Sommarøya in Erinnerung. Auf der anderen Seite von Tromsø geht es über eine Brücke auf die Insel Kvaløya, wo sich Sommerøya am westlichen Zipfel befindet. Über kleinere, vereiste Straßen fuhr ich zuerst auf der südlichen Küstenstraße um die Insel herum. Das Wetter besserte sich leider nicht, es fing sogar, kurz bevor ich in Sommerøya ankam, an zu schneien. Auf dem mir bekannten Stellplatz hatte ich über eine Stunde gewartet, was ja in einem Wohnmobil nicht unbedingt etwas Unangenehmes ist, da man ja Platz genug hat, um sich auch gemütlich hinzusetzen und sich die Zeit vertreiben kann. Da aber keine Wetterbesserung in Sicht war, bin ich wieder zurück nach Tromsø gefahren, diesmal aber den direkteren Weg mitten durch die Insel über eine Passstraße hinweg. Dieser 120 km lange Ausflug war zwar „nett“, aber leider nicht von Erfolg gekrönt. Auf dem Campingplatz habe ich mich mit einem Saunagang belohnt.

Und was soll ich sagen: am nächsten Morgen war das Wetter wieder sensationell schön!

Ein guter Grund, weiter zu fahren, ich wollte nicht weiter in Norwegen gen Süden und auf die Lofoten fahren, sondern wieder zurück nach Finnland. Die Wettervorhersage für die Region um Kilpisjärvi an der norwegisch-finnischen Grenze war optimal. Die Fahrt ging also wieder zurück nach Nordkjosbotn und ein Stück auf der E6 Richtung Norden. Das Balsfjordeidet-Tal, das ich auf der Hinfahrt im Dunkeln durchfahren hatte, präsentierte sich mir jetzt bei Sonnenschein in seiner ganzen Pracht. Jede Parkmöglichkeit nutzte ich, um mir das schöne Tal anzuschauen und zu fotografieren.

Am Lyngenfjord geht es wieder bis kurz vor Skibotn, dann zweigt die E8 rechts weg Richtung Finnland. Und dieser Abschnitt hoch nach Finnland ist einfach nur sensationell schön! Die Straße steigt fast kontinuierlich an. Meist verläuft Sie oberhalb einer tiefen Schlucht bis zu einem Zwischenplateau. Das Wetter war immer noch grandios: Keine Wolke am Himmel und die Temperatur ist auf angenehme -8°C gestiegen. Auf dem Plateau habe ich mir auf einem kleinen freigeräumten Parkplatz einen Kaffee gekocht, die Seitentür geöffnet, mich auf die Treppe gesetzt und bei einer wundervollen Aussicht von der Sonne wärmen lassen. Es war nicht viel Verkehr auf der Straße, so dass es immer wieder mal absolut still war – traumhaft! Das sind die Momente, in denen ich es so liebe, mit dem Wohnmobil so unabhängig unterwegs sein zu können!

Die norwegisch-finnische Grenze liegt auf einer Höhe von etwas über 500 m. Finnlands höchster Berg, der 1.328 m hohe Haltitunturi, liegt nur knapp 50 Kilometer entfernt. Die Straße führt wieder etwas bergab und der Blick voraus geht über den See Kilpisjärvi (472 m über n. N.) an dessen Ufer der gleichnamige Ort liegt. Die Straße verläuft bis dorthin unterhalb des 1.029 m hohen Saana entlang. Eine traumhafte Kulisse! Am See gibt es einen prima Rastplatz, der glücklicherweise gerade vom Schnee freigeräumt wurde. Die Schneehöhe beträgt hier so um die einen Meter. Ich bin erst einmal in den Ort an die Tankstelle mit Supermarkt gefahren, habe meine Lebensmittelvorräte aufgefüllt und getankt, da es in Finnland günstiger als in Norwegen ist. Wieder gut bestückt habe ich mich zur Dämmerungsphase auf den Parkplatz am See gestellt, meine Fotoausrüstung gepackt und bin auf den zugefrorenen, schneebedeckten See gegangen. Das Panorama was sich mir hier bot war einfach nur schön. Am gegenüberliegenden Ufer bildeten sich direkt über dem See Nebelschwaden, die von der tiefstehenden, goldgelben Sonne durchleuchtet wurden - spektakulär!

Und die Chance auf das Polarlicht waren wieder sehr gut, denn der Himmel war wolkenlos und die Temperaturen waren wieder jenseits der zweistelligen Minusgrade. Und es war diesmal unglaublich, wie früh das Polarlicht begann: der Horizont leuchtete noch in den schönsten Orangetönen, da zeigten sich bereits die ersten zarten Lichtstreifen am Himmel.

Allerdings merkte ich, dass mein Standort auf dem See nicht der allerbeste war: der 1.029 m hohe Berg Saana versperrte mir die Sicht Richtung Norden. Richtung Westen war die Aussicht mit den über 1.500 m hohen Bergen auf norwegischer Seite am Horizont exzellent. Ich packte die Stative wieder zusammen und bin kurz hinter die finnisch-norwegische Grenze gefahren. Dort hatte ich einen sehr schönen, freigeräumten Parkplatz etwas abseits der Straße gesehen. Kaum angekommen, nahm die Intensität des Polarlichtes enorm zu. Es spannte sich von Norden direkt über mich Richtung Südwesten. Es war einfach nur WOW! Auch die Formen und Farben variierten wieder ganz stark und veränderten sich ständig. Mal war es als einzelner Streifen, mal als riesiger Fächer oder Spirale zu sehen. Und die Veränderungen vollzogen sich manchmal in einer unglaublichen Geschwindigkeit, dass ich immer wieder neue Kameraeinstellungen vornehmen musste. Hinzu kam noch, dass der Mond in seiner halben Pracht am Himmel hell leuchtete. Die Sträucher, die auf dieser Höhe noch wuchsen, warfen durch das Mondlicht einen Schatten auf den Schnee.

Das Himmelsspektakel dauerte wieder unglaublich lange: hatte es um ca. 18 Uhr begonnen, war ich um kurz vor 5 Uhr erst ins Bett gegangen. Und das bei knapp unter -20°C. Aber die Kälte ist anders als in unseren Breitengraden, denn hier im Norden ist sie knochentrocken, was es recht „angenehm“ macht. Die Nacht habe ich auf dem prima Parkplatz verbracht. Und sie war sehr kurz gewesen, da ich mir bei diesem herrlichen Panorama den Sonnenaufgang anschauen wollte.

Ob ich Glück hatte und das Wetter so blieb und was ich auf meiner weiteren Fahrt durch das winterliche Finnland noch so alles erlebt habe, möchte ich Ihnen gerne im 4. Teil meiner „Wohnmobilreise durch das winterliche Lappland“ erzählen.

Infos:

Besuchte, ganzjährig geöffnete Campingplätze

Skaidi: Statoil, Skaidi Turisteninformasjon, Hotel
Alta: Alta Strand Camping, www.altacamping.no
Tromsø: www.tromsocamping.no
Kilpisjärvi: www.tundrea.com

Weitere Fotografien von dieser Reise finden Sie auf der Website von Dirk Heckmann

Erleben Sie auch Teil 1und Teil 2 der Winterreise.

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