Der Sonne entgegen

geschrieben am 31.07.2014, von Dethleffs Dethleffs Destinationen Entdecken Ratgeber Städte & Kultur Städte & Kultur

Rundreise extrem: Über 30.000 Kilometer hinein nach Zentralasien – und zurück. Mit dem Wohnmobil durch den wilden Osten. Einen Abenteuerreise-Tipp der besonderen Art liefern die beiden Journalisten Nicole Lämmermann und Christoph Ruthrof. Sie durchqueren bei Ihrer Mammut-Route gleich 23 Länder und haben einiges zu erzählen.

Kamele! Mit offenem Mund und erstauntem Blick sehen wir uns an. Unser Globebus steht den ersten Höckerträgern unserer Reise gegenüber. Der Ort: südlichstes Russland. Wir trauen unseren Augen kaum, mitten auf der Straße Richtung Astrachan versperrt uns die Herde den Weg. Wir fahren an die Seite und packen die Kameras. Hinten bei den Sandhügeln steht ein weiteres Dutzend zwischen den Sträuchern und äugt argwöhnisch. Wir scheinen kein Interesse auf Dauer hervorzurufen und alsbald widmen sie sich wieder den dürren Steppengräsern. So verbringen wir eine Stunde zwischen den Trampeltieren, Zeit die wir uns nehmen, denn fast sind wir am Ziel: Zentralasien steht vor der Tür. 8.000 Kilometer hat uns unser Dethleffs schon begleitet. Immer Richtung Osten. Und noch immer hält sich die Spannung, welchen Abenteuern wir wohl noch begegnen.

Nur einen Monat zuvor waren wir noch intensiv am Planen. Visa, Versicherungen, Länderinformationen, Routen – es gab jede Menge zu organisieren. Mit dem Wohnmobil nach Zentralasien? Nicht wenige Bekannte und Verwandte erklärten uns für verrückt. Nicht so Dethleffs, wo unsere abenteuerlich Idee gleichermaßen auf Interesse und Unterstützung stieß. Ein Globebus sollte schließlich unser treuer Wegbegleiter, unser Zuhause für die nächsten Monate werden.

Zentralasien – noch vor einem Jahr weckte das Wort nur einige vage Assoziationen in uns: Bilder von Nomaden, Jurten, der Seidenstraße, wilden Reitervölkern und kargen Bergenlandschaften. Das klang nach Abenteuer. Irgendwie auch ein bisschen gefährlich. Nach wildem Osten. Und dann, im Mai 2013, stehen wir an der russischen Grenze zu Kasachstan. Die Grenzbeamten staunen nicht schlecht und wollen jedes Detail unseres Globebus untersuchen. Das Interesse dauerte vier Stunden an – Grenzkontrolle inklusive.

Zwei Monate verbringen wir in Kasachstan und Kirgistan. Auch Usbekistan und Tadschikistan wären auf unserer Reiseroute gelegen. Wenn halt nur die Straßen etwas passierbarer gewesen wären. Zum Beispiel auf dem Weg nach Aktau in Kasachstan. Seit Stunden fahren wir durch die sengende Wüste. Es ist heiß und einsam hier. Ab und zu ein paar Kamele, ein Laster, selten ein Auto. Ansonsten nur ewige Weite, Windhosen und irreführende Luftspiegelungen. Das kasachische Ödland erscheint uns endlos. Wir wollen es durchqueren, um zur Halbinsel Mangystau am kaspischen Meer und anschließend nach Usbekistan zu gelangen. Doch die Straße macht uns einen Strich durch die Rechnung. Obwohl sie auf der Karte als Hauptverkehrsstraße eingetragen ist, finden wir eine sehr schlechte Sandpiste vor mit unzähligen Schlaglöchern und Bodenwellen. Jedes Mal, wenn uns ein Lastwagen entgegenkommt, verschwindet der Globebus minutenlang in einer dichten Sandwolke. Sicht null.

Tapfer quält sich der Dethleffs über diese unsägliche Straße. Doch als wir nach einem Schlagloch, das eher einem Krater gleicht, hinten aufsitzen, ist uns klar: Hier geht es für uns nicht weiter. Selbst mit einem Geländewagen wäre diese Straße eine Herausforderung; mit dem Wohnmobil ist dies jedoch nicht zu meistern. Mangystau ade, Usbekistan, Tadschikistan: wir kommen ein andermal. Jetzt heißt es, die Route umzuplanen. Wir müssen einmal quer durchs gigantische Kasachstan, um nach Kirgistan zu gelangen.

Kasachstan hat dabei weit mehr zu bieten als Wüste und Steppe. Wunderschöne Berglandschaften, zum Beispiel in den Nationalparks Burabai und Zhabagly. Kulturelle Highlights wie das Mausoleum des Khwaja Ahmad Yasavi in Turkistan. Architektonische Meisterwerke wie in Astana. Und vor allem eine unglaubliche Gastfreundschaft.

Diese erleben wir allenthalben. Auch in Kirgistan. Überall werden wir enthusiastisch und offen empfangen. Zum Beispiel am Issyk Köl. Der im Tianshan-Gebirge liegende See ist mit über 6.000 Quadratkilometern der zweitgrößte Gebirgssee der Erde und liegt auf 1.600 Meter Höhe. Die Täler um den Issyk Köl herum sind dünn besiedelt. Nur ab und zu trifft man auf vereinzelte Höfe und Jurten. Als wir fotografierend an einem idyllisch gelegenen Bach stehen, besucht uns ein neugieriger Hirte. Er bringt uns Kumis mit, fermentierte Stutenmilch – die Spezialität Kirgistans. Über den Geschmack des leicht alkoholischen Getränks lässt sich durchaus streiten. Wir kennen aber keinen Touristen, der nicht das Gesicht verzieht, wenn er an Kumis denkt.

Der Hirte besichtigt unser mobiles Zuhause und lädt uns anschließend in sein Nomadenzelt auf einen Tee ein. Als wir eintreten, werden wir herzlich von seiner Frau, seinem Sohn und dem Enkel begrüßt. Wir bekommen den Ehrenplatz. Draußen blöken die Schafe und das Pferd des Hirten erholt sich vom langen Ritt. Die Familie teilt ihr Brot und ihren Kumis mit uns. 40 Prozent der Menschen in Kirgistan leben unterhalb der Armutsgrenze. Besonders schwierig ist das Leben von der Landwirtschaft. Dennoch sind wir überall als Gäste herzlich willkommen. Und werden auch in die landestypische Küche eingeführt. Die Spezialität ist Hammelfleisch in allen Variationen und Zubereitungsweisen. Der Hammelkopf gilt als besonderer Leckerbissen. Wir dürfen gerne probieren, schließlich sind wir die Ehrengäste.

Der Globebus mausert sich zum Star in Zentralasien. Ständig besichtigen Leute das Wohnmobil, staunen, applaudieren, wollen wissen, wie die Dusche funktioniert und wie viel ein solches „awtodom, Autohaus“ denn koste. Im Austausch wollen wir alles über das halbnomadische Leben der Kirgisen erfahren, die wir in den Bergen treffen und die von der Vieh- und Pferdezucht leben. Wir schlagen uns mit unseren minimalen Russischkenntnissen und jeder Menge Zeichensprache durch. Auch die Natur in Kirgistan ist überwältigend schön und wir verlieben uns schnell in dieses ursprüngliche, wilde Land. Hier finden wir die schönsten Stellplätze an Seen und Flüssen, in Tälern und auf Bergen. Campingplätze gibt es zwar nicht. Dafür aber Trinkwasser direkt aus der Quelle und – gewissermaßen zum Abschied – ein unendlicher Sternenhimmel.

Auf der Rückreise ist unsere Zeit in Osteuropa bald ebenso aufregend und abenteuerlich. Besonders begeistert sind wir von Transsilvanien. Hier besichtigen wir Dracula-Schlösser und Wehrkirchen, kleine Dörfer und herrliche Nationalparks. Man kann hier wandern, bis die Füße glühen. Und auch Russland und die Ukraine sind mehr als sehenswert. Die beeindruckendste Stadt auf der Route ist in unseren Augen Kiew, die pulsierende Hauptstadt der Ukraine. Uns begeistert das bunte Kulturleben mit seinen Straßenkünstlern ebenso wie die prunkvollen Kathedralen und Paläste. Gleich zweimal gibt es hier UNESCO Weltkulturerbe zu sehen: die Sophienkathedrale und das Höhlenkloster Lawra Petschersk. Auch wenn es in der restlichen Ukraine nur wenige Stellplätze für Wohnmobile gibt, wird man in Kiew durchaus fündig. 15 Kilometer vom Zentrum entfernt kann man auf dem Camping Kiyv nächtigen, der Ende April bis zum Ende September geöffnet ist. Wir entscheiden uns jedoch für einen bewachten Parkplatz mitten im Herzen der Stadt.

Nach rund 30.000 Kilometer hat der Globebus uns gut zurück gebracht in die Heimat. Bald wird er auf Publikumsmessen präsentiert und womöglich klingen auch in ihm noch die unglaublichen Eindrücke, die gemeisterten Abenteuer und das Interesse der vielen Menschen, denen wir begegnet sind, nach. Wir jedenfalls träumen noch lange von den unglaublichen Landschaften und den einzigartigen Erlebnissen – ein ganz großes Abenteuer im wilden Osten.

Dr. N. Lämmermann, Christoph Ruthrof

Allgemeine Reiseinformationen

Visa. Für alle Länder Zentralasiens, mit Ausnahme von Kirgistan, benötigt man ein Visum. Für die Visaverfahren sollte man jeweils 3 bis 4 Wochen einplanen. Es ist möglich, einen zweiten Pass zu beantragen. Dies ist sinnvoll, wenn man mehrere Visa beantragen muss. Auch für Russland benötigt man ein Visum, wohingegen man ohne Visum in die Ukraine einreisen kann.

Grenzabwicklung. Für das Passieren der einzelnen Landesgrenzen sollte man genügend Zeit einplanen. In der Regel verläuft die Grenzabwicklung aber unproblematisch. Bestechung ist weder nötig noch sinnvoll, auch wenn sie nach wie vor gängig ist. Da es in Zentralasien so gut wie keine Wohnmobile gibt, werden diese an der Grenze ausgiebig begutachtet, was den Prozess verlangsamt.

Stellplätze. Es gibt keine Campingplätze in Zentralasien. Wild campen ist jedoch erlaubt. Vor allem in Kirgistan gibt es eine Vielzahl wunderschöner Plätz an Seen, Flüssen und in Tälern, auf die man sich stellen kann. Wer sich nicht sicher fühlt, kann sich auf einen bewachten „awtostojanka“ (Parkplatz) stellen, auf dem in der Regel auch die Lkw-Fahrer nächtigen.

Kraftstoff. Die Dieselqualität in Zentralasien lässt noch immer zu wünschen übrig. In Kasachstan und Kirgistan ist Diesel jedoch gut genug, dass man keine Probleme bekommen sollte. Sinnvoll ist es, zusätzliche Diesel- und Ölfilter mitzunehmen, da Ersatzteile mitunter sehr schwer zu bekommen sind.

Verständigung. Um sich in Osteuropa und Zentralasien zu verständigen, sollte man zumindest einen Crashkurs Russisch absolviert haben. Unabdingbar ist auch das Beherrschen des kyrillischen Alphabetes.

Straßen. Vereinfacht gesagt: Je weiter östlich man gelangt, desto schlechter werden die Straßen. In Kasachstan und Kirgistan werden aktuell jedoch viele Straßen repariert oder neu gebaut.

Wasser. Frischwasser kann man in Flüssen oder an öffentlichen Brunnen erhalten. Trinkwasser sollte man kaufen.

Geld. In allen Ländern kann man inzwischen relativ flächendeckend am Geldautomaten abheben. Einen besseren Kurs erhält man in der Regel, wenn man Geld wechselt.

Registrierung. In vielen zentralasiatischen Ländern muss man sich innerhalb von fünf Tagen registrieren, ansonsten drohen Strafen. Sollte man Schwierigkeiten mit der Registrierung haben, kann man sich an die entsprechende Botschaft wenden.

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