Das Handwerk der Glasmacher

geschrieben am 02.02.2017, von Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur und FREEONTOUR; Copyright Text und Bildrechte liegen bei Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur und FREEONTOUR Traumstraßen

Eine Geschichte von einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit.

Wer entlang der deutschen Ferienroute Glasstraße reist findet auf dem Weg Richtung Frauenau, beim Nationalpark Bayerischer Wald, die historische Glasmanufaktur von Poschinger. Es gibt nicht mehr viele Regionen, in denen man das kreative Handwerk des Glasmachers noch bestaunen kann. In der kleinen Manufaktur mit 25 Mitarbeitern wird noch jeder Produktionsschritt von Hand gemacht. Das macht eine Besichtigung spannend.

Sie ist heiß, zähflüssig wie Honig und glüht orange-rot: Um Glasmasse aus dem 1200 Grad heißen Ofen zu drehen, bedarf es geschickter Handgriffe an der Glasmacherpfeife. Und viel Erfahrung, um mit Atemluft und gleichmäßigen Rotationsbewegungen eine Kugel zu formen, die später zum eleganten Kelchglas wird. Durch die Poschinger-Ofenhalle wabert Wasserdampf, es riecht nach Feuer und verbranntem Buchenholz. Konzentration liegt in den Gesichtern der Glasmacher auf der Ofenbühne – aber auch Routine im Umgang mit dem Werkstoff Glas, der seit nunmehr fünf Jahrtausenden die Menschheit fasziniert.

Führungen in der Glasmanufaktur

Wer die Glasmanufaktur besucht, taucht ein in eine Handwerkstradition von viereinhalb Jahrhunderten und erlebt die Herstellung mundgeblasener und handgefertigter Gläser hautnah. Kombiniert mit hauseigenen Innovationen und Werkzeugkonstruktionen, wird bei Poschinger ein uraltes Kunsthandwerk praktiziert, dessen Vollendung in der Kreation reinster und exklusivster Kristallglasobjekte liegt.

Besichtigungen der historischen Ofenhalle sind von Montag bis Freitag jeweils zur vollen Stunde zwischen 10 und 14. Nach einer gut 15-minütigen Einführung in die Geheimnisse des Glases und der Poschinger-Glashütten-Tradition dürfen die Besucher den Raum selbst erkunden, den Glasmachern bei der Arbeit zusehen oder sich selbst im Glasmachen versuchen. Weitere Führungen sind nach Vereinbarung möglich.

 

Der Bayerische Wald und sein Glas

Im Bayerischen Wald, dem waldreichsten Mittelgebirge Deutschlands, wird seit sieben Jahrhunderten Glas hergestellt. Für das Entstehen der Waldglashütten sorgte das Bestreben der Grundherren, die entlegenen und unerschlossenen Urwälder wirtschaftlich zu nutzen. Denn weder für eine Besiedelung noch für die Landwirtschaft kamen die großen Waldgebiete entlang der bayerisch-böhmischen Grenze in Frage. Vom Arber bis zum Lusen, in einer Tiefe von vier bis zehn Kilometern, gehörten die Wälder zu den Glashüttengütern, so dass die Hüttenmeister beschlossen, das Holz zur dauerhaften Wirtschaftsgrundlage zu machen und den Grundherren dadurch ständige Zinserträge zu sichern. Das vererbliche und veräußerliche Recht wurde zur Grundlage späteren Familienbesitzes.

Neben dem Rohstoff Holz zum Bau der Glashütten und zur Befeuerung der Schmelzöfen lieferte der Bayerische Wald auch Quarz, der etwa ein Drittel der Glasschmelze ausmacht. Wasser zum Betreiben der Quarzmühlen, Sägen und Glasschleifereien war außerdem ausreichend vorhanden. Die zum Glasmachen unentbehrliche Pottasche wurde ebenfalls aus dem eigenen Holz hergestellt, so dass nur der Kalk von auswärts angeliefert werden musste. Importiert wurden ferner der Ton für die Schmelzhäfen sowie kleine Mengen seltener Erden für die Herstellung von Farbglas.

Die Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur produziert ihre Gläser im gleichen Verfahren wie früher. In 450-jähriger Tradition entsteht Glas in aufwändiger Handarbeit, das durch Gravur, Schliff oder Malerei veredelt wird. Durch den Mix aus souveränem Handwerk und künstlerischer Emotion bringt Poschinger einzigartige Objekte und Unikate hervor – heute wie damals.

 
 Vorfahre Johann-Michael von Poschinger; Wappenbrief von 1547

Ein Überblick

Glas ist einer der ältesten Werkstoffe der Menschheit.

Was ist Glas?

Glas entsteht unter hoher Temperatur aus der Schmelze von Sand, Pottasche, Soda und Kalk. Glas erstarrt als unterkühlte, feste Flüssigkeit und kristallisiert nicht beim Abkühlen.

Woher kommt Glas?

Glas blickt auf eine fünftausendjährige Geschichte zurück – wovon die Poschinger-Glashütten knapp ein halbes Jahrtausend mitgeprägt haben. Glas zählt zu den ältesten, künstlich erzeugten Werkstoffen der Menschheit und wurde vermutlich in Vorderasien erfunden. In Ägypten ist die Glasherstellung bereits im 4. Jahrtausend vor Christus überliefert.

Rohstoffe und Färbung

Vermischt in einem bestimmten Verhältnis, ergeben Quarzsand, Pottasche, Soda und Kalk das so genannte „Gemenge“. Um den Schmelzvorgang zu beschleunigen, werden dem Gemenge bei der Schmelze bis zu 40 Prozent eigene Restglasscherben zugegeben.
Durch Zugabe von Metalloxiden und seltenen Erden kann Glas gefärbt werden: Kobaltoxid färbt das Glas blau, Chrom- oder Eisenoxid färben grün, Nickel- oder Manganoxid violett. Kohlenstoff oder Schwefel verleihen dem Glas eine gelbe Farbe, durch Zugabe von Kupferoxid oder Gold wird Glas rot.

 

Glasschmelze

Zum Feierabend der Glasmacher beginnt der Schmelzer mit seiner Arbeit. Er legt Gemenge und (Farb-)Zusätze – deren Verhältnis zueinander richtet sich nach dem jeweiligen „Glasrezept“ – zusammen mit Altscherben in die Glashäfen aus feuerfestem Schamott. Dort herrscht eine Temperatur von ca. 1200 Grad Celsius vor, die im Verlauf der Schmelze auf 1445 Grad erhöht wird.
Nach der so genannten „Rauschmelze“ folgt die „Feinschmelze“: Jetzt wird das Glas geläutert, wobei die Glasmasse homogenisiert wird und Blasen sich auflösen. Zur Unterstützung der Läuterung drückt der Schmelzer ein nasses Stück Buchenholz oder eine Kartoffel durch das flüssige Glas zum Hafenboden. Holz bzw. Kartoffel verbrennt und die aufsteigenden Gase befördern die restlichen Blasen mit an die Oberfläche. Nach der Läuterung wird die Ofentemperatur wieder zurückgenommen.  
Eine Schmelze dauert rund zehn Stunden. Wenn die Glasmacher morgens ihre Arbeit am Ofen beginnen, herrschen im Glasofen Temperaturen um die 1245 Grad. Nun ist das Glas zähflüssig wie Honig – und fertig zum Verarbeiten.

 
Kelchgalsfertigung; Nachbearbeitung

Kontakt:
Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur
Moosauhütte 14
94258 Frauenau
Telefon: 09926-94010
info@poschinger.de
www.poschinger.de

      

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