Das alljährliche Fasnetstreiben in Bad Waldsee

geschrieben am 30.01.2017, von Hymer Hymer Veranstaltungen Städte & Kultur

Die Geschichte der Waldseer Fasnet hat eine lange Tradition und reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, als zum ersten mal das Wort "Fasnacht" im Steuerrodel (Abgabenliste) des Chorherrenstifts auftauchte.

Ab dem 22. Februar ist bei der schwäbisch-alemannischen Fasnet der Startschuss für die fünfte Jahreszeit im südwestdeutschen Raum, die bis zum Aschermittwoch andauert. Die Fastnacht im Allgemeinen soll Überlieferungen nach den Winter vertreiben und den Frühling begrüßen, außerdem gilt es vor der Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt, nochmal zur Gänze in Saus und Braus zu leben. Anders als beim rheinländischen Karneval, bei dem während den Umzügen vor allem die Verhöhnung von Machthabern im Vordergrund steht, sind bei der schwäbisch-alemannischen Fastnacht die Tradition und die verschiedenen Masken der Umzugsteilnehmer aus Holz ausschlaggebend. Diese Masken und Kostüme, auch Häs genannt, werden anders als beim Karneval nicht jedes Jahr verändert. Die Häs stehen jeweils für die verschiedenen Narrenzünfte, die auch immer besondere Bedeutungen haben.

Speziell in der Bad Waldseer Narrenzunft spielen die Figuren Federle, Schrättele, Faselhannes, Narro, Schorrenweible und Werners Esel eine wichtige Rolle. Alle Figuren entstammen Überlieferungen aus dem Mittelalter und entwickelten sich im Laufe des letzten Jahrhunderts zu den bekannten Masken. Jede dieser Figuren hat ihren Charakter aufgrund der Überlieferungen aus dem Mittelalter. So ist das Federle aus den Hexenprozessen bekannt und schreckt auch noch heute bei Umzügen kleinen Mädchen Angst ein. Werners Esel sind eine Gruppe bestehend aus einem Esel und zwei Eseltreibern, die an einen früheren Waldseer Bürger mit einem störrischen Esel namens „Werner“ erinnern soll.

Neben den Häs spielen auch die verschiedenen Veranstaltungen während der fünften Jahreszeit eine große Rolle. Bekannt ist zum Beispiel das Narrenbaumstellen. Jeweils am Freitag vor dem „Gumpigen“ (Gründonnerstag) wird der Narrenbaum gefällt, von einem Pferd auf einem Langholzfahrzeug durch die Stadt zur Hochstatt gefahren, geschmückt und aufgestellt. Dabei werden auch besondere Narrenstreiche mit einer vom Narrenbaum abgesägten Baumscheibe ausgezeichnet, die sich der Betroffene um den Hals hängen muss.

Der Schrättelestanz

Der „Schrättelestanz“ findet jedes Jahr um Mitternacht vor dem „Gumpigen“ statt. Die Schrättele versammeln sich um ein Hexenfeuer und zünden in einer Zeremonie ihre Besenstiele an. Diesem Treiben setzt der Faselhannes und der Narro ein Ende, indem sie die dunklen Mächte der Finsternis vertreiben und ihrerseits nach den Klängen des Narrenmarsches um das Feuer tanzen. In diesem symbolischen Kampf zwischen den Wintermächten, vertreten durch die Schrättele, und dem Frühling, vertreten durch die Weißnarren, behalten natürlich letztere die Oberhand.

Trauerzug beim Fasnetsvergraba

Mit dem „Fasnetsvergraba“ am Dienstag vor Aschermittwoch endet die Fasnet in Bad Waldsee. Dabei startet ein Trauerzug begleitet von Trauermusik durch Bad Waldsee und hält an jeder Wirtschaft bis er an der Hochstatt angekommen ist. Dort wird das auf einer Leiter liegende „Mäschkerle“, das die Fasnet symbolisiert, dem Schlossbach übergeben. Der Narrenpfarrer verkündet dem Trauervolk das Hinscheiden der Fasnet und lädt zum anschließenden Leichenschmaus in allen Lokalen der Stadt ein. In diesem uralten Brauch zeigt sich der ganze hintersinnige Narrenwitz der Vorfahren, die vom „Fasnetsvergraba“ sprechen, obwohl sie eigentlich „ertränkt“ wird, wie auch in der Verballhornung von kirchlichen Litaneien und heuchlerischen Grabreden. Um Mitternacht vor Aschermittwoch wird am Kornhaus zum Abschied noch das „Armsünderglöcklein“ geläutet, um endgültig von der Fasnet Abschied zu nehmen.
Um neuen Mut zu fassen wird das Motto ausgegeben: „S’goht dr’gega!“ (sinngemäß: die nächste Fastnacht steht schon bevor). 

Hier noch eine Übersicht zu den verschiedenen "Hästrägern" der Waldseer Fasnet:

Das Federle in Aktion

Das Federle hat früher, während der Zeit der Hexenprozesse, der "Böse von Waldsee" geheißen. Als schöner Jägersmann verkleidet springt er mit seinem langen, gegabelten Haselnussstecken und erschrickt gerne die Mädchen.

Das Schrättele mit seiner typischen Maske bei der Ein Mundwinkel nach oben und einer nach unten zeigtDas Schrättele kommt von der Redewendung "Mi hot's Schrättele druckt", was man bis heute noch sagt und was sinngemäß bedeutet "Ich hatte einen Alptraum".

Die Maske des Faselhannes

Der Faselhannes hat seinen Namen vom "faseln" was so viel heißt, wie närrisch mit den Leuten reden. In seinem Narrenspiegel stehen Geschichten von Leuten, denen etwas Lustiges passiert ist und die er dann im Umzug sucht.

Der Narro verteilt gerne Bonbons

Der Narro ist eine fröhliche Narrenfigur, die in unseren Gefilden öfters vorkommt. Mit seinem Geschell fällt er überall auf und verteilt Bonbons aus seinem Henkelkorb.

Das Schorrenweible mit den typischen Tannenzapfen an der MaskeDas Schorrenweible ist ein gutmütiges aber auch ein widerwärtiges, verrunzeltes Waldweib, aus dem Schorren, so heißt der Wald. In ihrem Korb hat sie jede Menge Kräuter, Säfte und Mittel, die gegen jedes Zipperlein helfen.

Werners Esel mit seinen zwei Eseltreibern

Die Gruppe "Werners Esel" besteht aus einem störrischen Esel und seinen zwei männlichen Eselstreibern. Die drei gab es früher wirklich, sie sorgten immer wieder für Spaß und Ärger.

Quelle: Narrenzunft Waldsee e.V. http://www.narrenzunftwaldsee.de/

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