Aurora borealis - die mystischen Polarlichter des Nordens!

geschrieben am 20.05.2015, von Hymer Hymer Destinationen Entdecken Caravan & Reisemobil

Wintercamping in Norwegen und Schweden....

Ein Reisebericht von Journalist und Natur-Fotograf Dirk Heckmann, Berlin

Ich wollte mir dieses Jahr endlich einen großen Wunsch erfüllen und das Nordlicht (Aurora borealis) live erleben.
So viel habe ich darüber gelesen und unzählige schöne Fotografien davon gesehen. Jetzt wollte ich es selber
fotografieren. Also Kamera, Stative, warme Kleidung und einiges an Proviant eingepackt und mit meinem
HYMER Exsis-t von Berlin nach Rostock gefahren.

Von dort habe ich die Fähre nach Gedser in Dänemark genommen und bin die 150 km nach Kopenhagen gefahren.
Dieses Mal habe ich mich entschieden mit DFDS Seaways von Kopenhagen nach Oslo zu fahren. Auf meinen
anderen Skandinavientouren (Recherchereisen für die Reiseführer "Norwegen - Nordkap-Route" und "Schweden:
Inlandsvägen", Conrad-Stein-Verlag) bin ich entweder von Kiel oder Hirtshals (DK) bzw. Rostock-Trelleborg gefahren.
Das Wetter bis nach Kopenhagen war gut: Sonnenschein und keine Wolke am Himmel. Und die Wettervorhersage
für die nächsten Tage auch für den Norden Skandinaviens hörte sich sehr vielversprechend an.

Die Fähre legte um 16:30 Uhr in Kopenhagen ab und erreichte Oslo am nächsten Morgen um 9:45 Uhr. Das
bedeutete Sonnenunter- und -aufgang von der Fähre aus beobachten.
Die DFDS-Fähren legen in Oslo im östlichen Teil des Hafens, hinter der Akerhus Festning und vor dem neuen
Opernhaus an, was bedeutet, dass man fast die gesamte Hafenfront von der Fähre aus bestaunen kann.

        

Da ich Oslo bereits mehrfach für meinen Norwegen-Reiseführer besucht habe, bin ich gleich ins Autobahn-
Tunnelsystem Oslos abgetaucht und auf der E6 Richtung Norden gefahren.
Die Bauarbeiten auf der E6 sind jetzt fast so weit abgeschlossen, dass man bis ans Ende des Mjøsa-Sees
zweispurig fahren kann. Allerdings kommen dadurch weitere Mautstellen hinzu.
Die Berge ringsherum waren schneebedeckt, in den Tälern war der Schnee hier schon recht gut weggeschmolzen.
Die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt.

Mit Sightseeing in Hamar oder Lillehammer halte ich mich diesmal ebenfalls nicht auf, da ich so schnell wie
möglich zum Polarkreis möchte, die gute Wettervorhersage lockt. 
Meinen ersten Tankstopp legte ich in Dombås (Höhe 650 m) am Fuße des Dovrefjell ein, da hier der Treibstoff
immer recht günstig ist. Tobt hier im Sommer der Touristenbär, sind die Parkplätze voll mit Reisebussen und
Wohnmobilen, war ich Mitte März der einzige Wohnmobilist. Auf dem Dovrefjell lag gut Schnee, erreicht man
doch hier auch mit 1.026 m den höchsten Punkt entlang der E6 auf dem Weg zum Nordkap.
Von Dovrefjell zwängt sich die E6 durch ein schmales Tal hinunter nach Oppdal. Ich fahre weiter über Trondheim
und Steinkjer ins Namsdalen. Hier suche ich mir einen Stellplatz, da ich jetzt doch bereits 800 km gefahren bin. 
Die Temperaturen sanken in der Nacht auf -8°C, doch die Heizung meines Exsis machte es mollig warm. Die Tage
sind jetzt Mitte März genauso lang wie bei uns, nur die Dämmerungsphase ist hier im Norden bereits länger, was
fürs Fotografieren sehr schön ist. 
Der nächste Morgen erwartete mich mit Sonnenschein und blauem Himmel. Die E6 war an vielen Stellen vereist.
Ich war um 7:30 Uhr bereits auf der Piste, da hat in dieser ländlichen Region noch kein Streufahrzeug vorbeigeschaut.
Also etwas vorsichtiger fahren, besonders in den schattigen Stellen. Viele der Wasserfälle waren vereist und an den
größeren Flüssen stapelten sich Eisschollen am Ufer. Das nächste Highlight ist das passieren der Grenze zum
Nordland. Ein kunstvolles Polarlicht überspannt die Straße. Auf dem angrenzenden Parkplatz steht eine Touristen-
information und ein Souvenirladen. Allerdings ist zu dieser Jahreszeit kaum ein Rast- oder Parkplatz vom Schnee
befreit, so auch nicht dieser. 
Von hier sind es noch 260 km bis zum Polarkreis. Ich passiere die Städte Mosjøen und Mo i Rana, von wo es hoch
geht aufs Saltfjellet mit dem Polarkreis (Höhe bis 650 m). Hier oben, oberhalb der Baumgrenze ist alles weiß. Der
große Parkplatz vorm Besucherzentrum, das erst am 1. Mai für Touristen wieder geöffnet wird, ist ebenfalls noch
nicht geräumt. Ich stelle den HYMER an der Straße ab und stapfe sehr mühevoll durch den meterhohen Schnee
zum Polarkreisglobus, um ein paar Fotos zu schießen. Ich war wohl der erste, der dieses versuchte, denn es sind
keine Spuren im Schnee zu erkennen. Mit der schweren Fotoausrüstung auf dem Rücken sank ich noch einmal
tiefer in den Schnee. 
Nach dieser schweißtreibenden "Wanderung" kochte ich mir erst einmal einen Kaffee. Jetzt habe ich es auch nicht
mehr so eilig, denn Bodø am Atlantik liegt nur noch knapp 100 km entfernt. Dort an der Küste wollte ich versuchen,
das Nordlicht zu beobachten. 
Durch das Saltdal geht es wieder hinunter auf Meehreshöhe. Vor Fauske geht es sehr wellig und durch einige Tunnel
immer am Wasser entlang. In der Stadt verlasse ich die E6 und fahre geradeaus ins 60 km entfernte Bodø. Vom
Hafen der Stadt legen die Fähren zu den Lofoten ab, wo ich auch noch hin wollte. Da heute aber keine Fähre mehr
ablegt, suche ich mir entlang der Küstenstraße 834 einen geeigneten Platz zum fotografieren des Polarlichtes.

Erst einmal werde ich mit einem wunderbaren Sonnenuntergang belohnt.
Die Vorfreude auf das hoffentlich nahende Himmelsspektakel steigt ins unermessliche. Ich koche mir noch etwas
zu essen und präpariere meine Fotoausrüstung. Die Nacht an der Küste wird wieder recht frisch: - 5°C zeigt das
Thermometer bereits um 20 Uhr an.

Und tatsächlich, gegen 22:00 Uhr erscheinen am Himmel helle Lichtstreifen. Auf dem Kamerasensor erscheinen
diese hellen Lichtstreifen in grüner Farbe. Die Intensität nimmt mehr und mehr zu. Es verläuft über den gesamten
Himmel von westlicher in nordöstliche Richtung. Nach knapp 1 ½ Stunden schwächt es sich ab und ist kaum noch
zu sehen. Ich packe meine Ausrüstung in den HYMER und mache mich auf die Suche nach einem besseren
Schlafplatz. Als ich an einem Parkplatz nahe einer Ortschaft halte und die Scheinwerfer aus mache, sehe ich am
Himmel erneut das Nordlicht. Was für eine Überraschung! Also nichts wie die Kameras auf die Stative montiert
und raus in die Kälte. Und dieses Mal hat es eine noch hellere Leuchtkraft und es ist in unterschiedlichen Farben
zu sehen. Es ist unglaublich, wie es sich am Himmel hin und her bewegt. Alleine für diesen Anblick hat sich die
Reise gelohnt. Ich habe so viel Adrenalin im Körper, dass ich gar nicht merke, dass ich meine Finger nicht mehr
spüre. 
Das Spektakel dauerte über drei Stunden. Immer wieder hüpfte ich in den HYMER Exsis-t, um mich etwas aufzu-
wärmen. Als das Nordlicht wieder etwas abschwächte, habe ich meine Sachen zusammengepackt. Es war ja
auch immerhin schon 3:30 Uhr. Und ob es noch einmal wieder aufflackerte habe ich nicht mehr mitbekommen,
da mich die Müdigkeit übermannte und auch die Kälte mir zu schaffen machte. Meine Finger konnten den Auslöser
an der Kamera bzw. am Fernauslöser einfach nicht mehr spüren. 
Da die Fähre vom nahegelegenen Bodø erst um 13:30 Uhr Richtung Moskenes auf den Lofoten ablegte, hatte
ich Zeit, etwas auszuschlafen. Das Wetter blieb so bombig, allerdings war es recht windig geworden. Jetzt
hoffte ich, dass sich dieses mystische Himmelsphänomen über der Kulisse der wunderschönen Lofoten noch
einmal zeigt.

Die Fährfahrt war recht bewegt, meine Seekrankheit hielt sich aber in Grenzen. Das Bergpanorama
der Lofoten von der Fähre aus zu sehen ist spektakulär. Ich stellte den HYMER in der Nähe des bei Fotografen
sehr beliebten Ortes Reine für die Nacht ab. Doch so schön das Bergpanorama war, in der folgenden Nacht hatte
ich kein Glück mit dem Nordlicht. Es war zwar sternenklar und auch wieder sehr kalt, aber vom Nordlicht war nichts
zu sehen, zumindest nicht in der Zeit, in der ich wach war.
Dafür begann auch der neue Tag wieder mit Sonnenschein. Also habe ich im bekanntesten Ort der Lofoten,
in Reine und Umgebung schöne Fotomotive gesucht.

Zum Abend habe ich mir in der Nähe von Fredvang einen Platz zur Beobachtung des Nachthimmels gesucht. Die
Wettervorhersage sagte zunehmende Bewölkung vorher. Gegen Mitternacht, gerade als das Polarlicht erschien,
kamen auch die Wolken. Das Polarlicht war leider recht schwach, aber dennoch immer etwas phänomenales,
es sehen zu dürfen.
In der Nacht fing es dann auch noch an zu regnen. Die Wettervorhersage des Norwegischen Meteorologisk
Institut (www.yr.no) sagte dieses Regenwetter für die nächsten drei Tage auf den Lofoten vorher. Auf dem
Festland sollte es auch nicht viel besser werden, aber die Chancen auf eine ab und an auflockernde Bewölkung
waren dort größer. Ich bin erst einmal in den nächst größeren Ort (Leknes) gefahren und habe im dortigen
Einkaufszentrum die Akkus der Kamera und meines Notebooks aufgeladen, denn geöffnete Campingplätze
sind zu dieser Jahreszeit Mangelware. Von Leknes nach Narvik sind es 300 km. Selbst im Regen mit tiefhängenden
grauen Wolken haben die Lofoten etwas Schönes.
Ich fahre auf der E10 bis Bjerkvik, wo diese sich mit der E6 vereint, und weiter Richtung Narvik verläuft. Vor
Narvik geht es auf der E10 hoch nach Schweden. Dort wollte ich hin, denn in Abisko liegt eine der weltweit
besten Beobachtungsorte für das Nordlicht. Kaum verlasse ich die Straße auf Meeresniveau und fahre bergauf,
da geht der Regen in Schnee über. Ich schaue mir das Ganze noch etwas weiter oben an, doch der Schneefall
wird immer heftiger, so dass ich umdrehe und zum Campingplatz nach Narvik fahre. Dieser ist allerdings geschlossen,
da gleich nebenan eine Brücke gebaut wird und wohl die Bauarbeiter in den Cabins nächtigen. So muss ich mir einen
anderen Stellplatz suchen.

War der nächste Morgen noch bewölkt, verzogen sich die Wolken recht schnell und die Sonne kam durch. Darum
beschloss ich in dieser schönen Winterlandschaft über Bjerkvik auf der E6 hinaus zum Polar Park zu fahren, wo
man die nordische Tierwelt sehen kann. Moschusochse, Elch, Luchs, Wolf, Polarfuchs, Bär, etc. leben hier in sehr
großzügigen Gehegen. Und in dieser zauberhaften Winterlandschaft sind bestimmt tolle Fotos möglich.
Das wunderbare war, ich hatte die Möglichkeit mit Mitarbeitern in das Gehege mit den fünf 10 Monate alten Wölfen
zu gehen. Nach einer Einweisung zum Verhalten im Gehege ging es los: Die Begrüßung der fünf Racker war sehr
stürmisch. Sie schlecken einem das Gesicht ab und versuchen einem mit leichten Bissen in die Nase den Mund zu
öffnen, um dort die Begrüßung mit ihrer Zunge fortzusetzen. Nach der Begrüßung verhalten sich die fünf, als gehöre
man zum Rudel. Ein wundervolles Erlebnis!
Die Luchse, Elche, Bären, der Moschusochse mit Namen Ulrich und auch die Polarfüchse kamen mir vor die Linse.
Am späten Nachmittag machte ich mich auf ins knapp 100 km entfernte Abisko. Der Ort zählt zu den sonnenreichsten
in Schweden und beherbergt die Aurora Sky Station (www.auroraskystation.com), einen der besten Orte weltweit zur Beobachtung des Nordlichts (Aurora borealis, Polarlicht).

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang bin ich oben in Schweden angekommen und erlebe eine märchenhafte Winter-
landschaft. Die folgende Blaue Stunde bietet sehr schöne Fotomotive. Und die Nacht hielt, was die Wettervorhersage
versprach: eine sternenklare Nacht. Aber auch die Vorhersage, dass ein Kälteeinbruch folgt, stimmte: -12°C bereits
um 20 Uhr. Ich stelle meinen Exsis-t auf einem Parkplatz am zugefrorenen See Torneträsk in der Nähe des Ortes
Björkliden ab, schalte die Heizung an und beobachte den Nachthimmel.

Auf dem Platz ist einiges los, da sich hier eine Gruppe für eine nächtliche Hundeschlittenfahrt auf dem See bereit
macht. Drei Hundeschlitten werden präpariert und die Hundemeute ist sehr aufgeregt und kräftig am bellen. Ich
koche mir eine Suppe und hoffe auf das Himmelsleuchten. Gegen Mitternacht erscheint es! Allerdings in einer
eher schwachen Version, dennoch wunderbar, es zu sehen.
Der nächste Tag beginnt wolkig. Schade, denn heute sollte es die Sonnenfinsternis geben. Doch genau als diese
begann, verzogen sich die Wolken immer wieder mal und die Sonne lugte hervor. 

Und zur Krönung gab es in der Nacht auch noch ein spektakuläres Nordlicht, das sehr intensiv leuchtete und mit Unterbrechungen über sagenhafte sechs Stunden andauerte. Was für ein wunderbarer Tag!
Den folgenden Tag ging ich sehr relaxt an. Leider zog sich der Himmel gegen Nachmittag zu und in der Nacht kam
ein recht heftiger Schneesturm auf. Da konnte ich mir das Beobachten des Himmels schenken. Nachdem am
folgenden Morgen die Räumfahrzeuge die Schneeverwehungen beseitigt hatten, ging es für mich über Narvik
zurück Richtung Polarkreis. Von dieser Fahrt ein paar Foto-Impressionen.

Gerne wollte ich das Nordlicht am Polarkreis fotografieren, doch die Wettervorhersage war zu schlecht. Aber für
die Küstenregion bei Mo i Rana sollte es gut werden. Also hatte ich die große Hoffnung, das Nordlicht noch einmal
zu sehen. 

Ich suchte den Platz an der Küstenstraße RV17 auf, den ich schon einmal auswählte, als ich im Sommer die
Wanderung der Sonne, die hier ja zu dieser Zeit nicht untergeht, in der "Nacht" zu fotografieren. Und auch dieses
Mal hatte ich riesiges Glück und konnte dieses Lichterspektakel in einer hohen Intensität beobachten.
Auf einem Rastplatz an der Küste verbrachte ich die Nacht. Ist dieser Platz im Sommer voll mit Wohnmobilen,
hatte ich ihn zu dieser Jahreszeit für mich alleine.
Der Morgen begann mit Sonnenschein, wobei die Sonne auch hier im hohen Norden schon recht gut wärmt, was
nur schwer vorzustellen ist, ist doch der Stellplatz und alles rundherum ziemlich vereist. Diese vereisten Stellen
auf den abgerundeten Felsen knapp oberhalb der Wasserlinie inspirierten mich zu einigen Makrofotografien.
Zwei Stunden habe ich mein Stativ an einigen schönen Stellen aufgebaut. Jetzt, nachdem die Kälte mir doch
etwas zugesetzt hatte, ging es erst einmal wieder zurück in den warmen HYMER Exsis-t zum Frühstücken. Ein
heißer Kaffee und ein gutes Rührei wärmten mich wieder auf. 

Danach ging es leider Richtung Oslo zur Fähre. Für die Strecke von knapp 1.100 km hatte ich 1 ½ Tage Zeit.
Ich fuhr bis auf das Dovrefjell (knapp 700 km), wo ich die Nacht auf einem sehr schönen Rastplatz verbrachte.
Ich hoffte in der Dämmerung Elche zu sichten, die hier oben sehr häufig zu sehen sind. Doch leider hatte ich kein
Glück. Am Morgen ging ein ordentlicher Wind, der die angezeigten -7°C wie -15°C anfühlen lies. Die Bergspitzen
waren in Wolken eingehüllt, aus denen sie immer wieder mal durchschimmerten. Und ab und an beschien die
Sonne die freigelegten Berge. 
Die restlichen 400 km bis zur Anlegestelle der DFDS-Fähre in Oslo sind sehr gut zu fahren. Um 16:30 Uhr
ging es mit der Fähre pünktlich Richtung Kopenhagen. 
Für mich ist ein großer Wunsch wahr geworden, konnte ich das phänomenale Nordlicht live sehen und
fotografieren. Und ich hatte solch ein großes Glück, dass das Wetter mitspielte. Ohne ein Wohnmobil hätte ich
nicht so exzellent auf die Wettervorhersagen reagieren können. Und in einer wundervollen Winterlandschaft in
einem gemütlichen und komfortablen HYMER zu nächtigen, der mich prima wärmte, wenn ich nach stunden-
langem Fotografieren des Nordlichts zurück kam, war Gold wert.

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